Inhalt der Printausgabe

Die PARTEI informiert


Martin Sonneborn (MdEP)
Bericht aus Brüssel
Folge 22

»Man soll nur von Europa sprechen, denn die deutsche Führung ergibt sich ganz von selbst.«

Außenpolitisches Amt der NSDAP

Man / Frau spricht deutsh in der EU …

Brüssel, Parlament

Merkel kommt nach Brüssel. Komisch, ich hatte mich doch bereits in der letzten Legislaturperiode in Straßburg so höflich, wie es mir nur möglich war, von ihr verabschiedet (Vgl. TITANIC 3/2019). Kommt die jetzt dauernd? Büroleiter Hoffmann beruhigt mich: »Das ist nur wegen der Ratspräsidentschaft. Deutschland übernimmt für ein halbes Jahr, und es ist üblich, dass der jeweilige Regierungschef dann in Brüssel vor das Parlament tritt. Soll ich Redezeit beantragen?«

Ich überlege kurz und bejahe. Zwischendurch mal 60 Sekunden solider Arbeit in diesen unübersichtlichen Zeiten, das wäre nicht verkehrt. Ratspräsidentschaft? Stimmt, wir Deutschen sind Ratspräsident, geben jetzt zur Abwechslung auch ganz offiziell den Ton an in der EU. Man spricht deutsh, das hatten wir all den Ausländern schon in der virtuellen Eröffnungspressekonferenz klargemacht. Immerhin hatten Merkel und vonderLeyen in ihrem Livestream gedroht, dass die nächsten sechs Monate »sich als entscheidend für die Zukunft Europas erweisen« würden. Verstanden hatte das aber nur eine Minderheit des zugeschalteten Kontinents. Die 13,5jährige Vorbereitungszeit war zu knapp gewesen, aufgrund einer technischer Panne gab es bei der Übertragung nämlich lediglich zwei Tonkanäle: »Deutsch« und »Originalsprache«.

282 Auferstehungen in Spanien – ist der Papst informiert?

Leider hatte sich die offizielle Hegemonie noch nicht überall im EU-Parlament herumgesprochen. In dieser Legislaturperiode ist unsere parlamentarische Arbeit von bisher ungekannten Auseinandersetzungen mit der Verwaltung geprägt. Dass Parlamentspräsident Sassoli durch meine Rede zur Hufeisentheorie »die Würde des Parlaments verletzt« sah und er die Auslieferung der Filmdatei durch den Audiovisuellen Dienst im Parlament unterbunden hatte – geschenkt, auch wenn die »Legal Tribune online« hier das Recht auf freie Meinungsäußerung deutlich beschnitten sah; statt juristisch dagegen vorzugehen, nahmen wir die Rede einfach selbst noch einmal mit dem I-Phone auf.

Als nächstes wurde überraschend unserer belgischen Assistentin gekündigt, eine Rechnung für Filmarbeiten in Bergkarabach durfte nicht aus dem für so etwas vorgesehenen Etat bezahlt werden, und ich hatte plötzlich Schwierigkeiten, einen Slot vor den Parlamentskameras zu erhalten. Für Redezeit bei Plenarsitzungen galt das gleiche. Würde ich beim Besuch der Bundeskanzlerin überhaupt sprechen dürfen? Für alle Fälle bat ich meinen (depressiven) Redenschreiber um ein paar Zeilen zu Merkel und zur Ratspräsidentschaft. Dann überlegte ich, ob ich nicht lieber eine Woche Urlaub in Spanien machen sollte. Pünktlich zum Beginn der Urlaubssaison hatte Spanien schnell noch die offizielle Zählmethode seiner Corona-Toten verändert, dies lediglich in einer gut versteckten Fußnote mitgeteilt, und sich damit in ein absolut sicheres Reiseland verwandelt.

Brüssel, Büro

»Habe ich Redezeit, Hoffmann?« – »Das weiß ich noch nicht, es kam bisher keine Antwort auf meine Mail. Ich habe versucht, anzurufen, aber der Generalsekretär geht nicht ans Telefon.« – »Merkels Auftritt ist übermorgen, es wäre nett, wenn ich bis morgen abend Bescheid wüsste. Ich muss ja auch noch schreiben, mein (depressiver) Redenschreiber hat bisher nur deprimierendes Material geschickt …«

→ Sachdienlicher Hinweis aus dem Ordner »Ungehaltene Reden II«

1 Rede für Ratspräsidentschaft:

It’s coming home, it’s coming home, it’s coming …
EU-Ratspräsidentschaft is coming home!

Ab heute 5 Uhr 45 wird zurückregiert. Das heißt, für die nächsten 6 Monate hat neben der irren Maschinenfrau Ursula von der, äh, Namevergessen, auch der sympathisch-tapsige Peter Altmaier ein bisschen was zu melden. (Hauptsächlich wohl ein hohes Jahreseinkommen.) Es hat eben jeder Hitler seinen Heß. Achtung, dieser Vergleich war – wie selbstverständlich alle Hitlervergleiche – vollkommen unangemessen. Der Führer wird es mir nachsehen. Hoffentlich. Die deutsche Ratspräs. steht unter dem Motto: »Gemeinsam PUNKT Europa wieder stark machen.« Das heißt auf gut Deutsch: Bla PUNKT Blabla. Wichtigstes PUNKT ist dabei die Bewältigung der Covid19-Krise, sprich: gegenseitiges Händewaschen. Zwinkersmiley!

1 Rede für Merkel:

Als wir uns das letzte Mal gesehen haben, Frau Merkel, hatte ich Sie ja höflich in den Ruhestand verabschiedet, und jetzt sitzen Sie wieder hier. Offenbar geht es Ihnen wie vielen alten Menschen in Europa: Die Rente reicht nicht aus. Das Modell der Arbeitszeitverlängerung hat aber Grenzen, biologische; ich zitiere aus der Tagespresse: »Frontal-Crash auf A11! Geisterfahrer (82) prallt in Autos – tot«

Das ist selbstverständlich rein symbolisch aufzufassen. Ich weiß ja gar nicht, ob Sie überhaupt selber Auto fahren können oder wollen oder müssen …

Brüssel, Homeoffice

Morgen Nachmittag um 14 Uhr kommt Merkel. Der französische Generalsekretär ist nicht zu erreichen. Allmählich werde ich ungehalten. Als am nächsten Morgen um 8.37 Uhr noch keine Nachricht da ist, werde ich sehr ungehalten. Und twittere.

→ Sachdienlicher Hinweis aus dem Netz

MS: Um 14.15 kommt Merkel ins EU-Parlament. Die Verwaltung konnte mir bisher nicht mitteilen, ob ich eine Minute Redezeit habe. Ob der zuständige Generalsekretär Bordez wieder während der Arbeitszeit zum Shoppen nach Paris gefahren ist? ZwinkerSmiley!

Kurz darauf ruft Büroleiter Hoffmann an, eine Mail aus dem Sekretariat sei gestern Abend noch ein- und in einer Flut von anderen Mails untergegangen: Ich habe Sprechzeit. Eine Minute. Während ich überlege, dass die schickeren Boutiquen in Paris derzeit ja auch geschlossen sind und was ich Merkel in knapp fünf Stunden zu sagen habe, tippe ich schnell eine Art Entschuldigung ins Twitter.

→ Sachdienlicher Hinweis aus dem Netz

MS: Ich entschuldige mich höflichst bei Generalsekretär Bordez – seine Mail von gestern Abend ist in 1000 anderen, die über den offiziellen Account eingehen, untergegangen. Ich habe Redezeit. Eine Minute. Hat jemand Fragen an Frau Merkel?

lydschi: Ist der Tönnies Clan schon verhaftet und warum nicht?

Marc Nesium: Wer hatte in der Baseball-Liga ’58 die meisten Homeruns? Docugraf: War das nicht Home-er Simpson?

Wie sich schnell herausstellt, habe ich meine Entschuldigung verfrüht formuliert. Büroleiter Hoffmann bringt in Erfahrung, dass das Generalsekretariat mir absolut keine Redezeit bewilligen wollte. Bei Besuchen dieser Art darf traditionell einer der beiden fraktionslosen deutschen Abgeordneten sprechen. In der vergangenen Legislaturperiode, als Merkel im Parlament in Straßburg zu Besuch war, hatte die Verwaltung uns die Redezeit, die den Fraktionslosen zusteht, noch nahezu aufgedrängt. Man wollte Merkel damals davor bewahren, in Dialog mit dem senilen Udo Voigt (NPD) treten zu müssen. Gestern aber hatte die Verwaltung nun den anderen Fraktionslosen gebeten, heute zu sprechen; einen ehemaligen NPD-Mann. Da der aber kein’ Bock hatte, blieb es dann doch wieder an mir hängen.

Berlin, Geschäftsstelle der PARTEI

Fuck, ein Übersetzungsfehler hat sich auf der Basecap eingeschlichen, die wir auf EU-Kosten mit dem Motto der Deutschen Präsidentschaft besticken haben lassen. Zehn der – jetzt wertlosen – Kappen gehen an die Verfasser der unoriginellsten Begründung, warum wir ausgerechnet Ihnen eine Kappe zuschicken sollten: www.die-partei.de/MakeEuropeKnorkeAgain

Brüssel, Parlament

Der Plenarsaal ist zu etwa einem Drittel besetzt, in Corona-Zeiten sind längst nicht alle MEPs vor Ort, und zwischen den Abgeordneten bleiben jeweils zwei Plätze frei. Natürlich leitet Präsident David Sassoli diese Sitzung selbst. Heute wird er von uns Deutschen in die Zange genommen: Frau vonderLeyen, wie oft in zartestem Rosa und mit tipptopper Betonfrisur, nimmt links vorne Platz, Merkel vorne rechts. Die Maske steht ihr gut.

Für die Ratspräsidentschaft war das deutsche Personal von 200 auf 600 Leute aufgestockt worden, hatte ich gelesen, ein komplettes Gebäude war zusätzlich angemietet worden. Wer hätte gedacht, dass man mit einer derart kleinen Armee Europa beherrschen kann?

Nachdem Sassoli Merkel begrüßt und ihr das Wort erteilt hat, leert sie ihr Wasserglas auf ex und legt los. Dass sie aus Überzeugung und mit ganzem Herzen nach Brüssel gekommen sei, lügt sie, dass wir ein bedeutendes Parlament seien und für wichtige Aufgaben gebraucht würden, dass es ihr eine besondere Ehre sei, uns eben mal die fünf Schwerpunkte der deutschen Ratspräsidentschaft vorzustellen: »Unsere Grundrechte, der Zusammenhalt, der Klimaschutz, die Digitalisierung und Europas Verantwortung in der Welt …«

Ein bisschen gelangweilt schaue ich mich um. In der Reihe hinter mir hat Rainer Wieland (CDU) Platz genommen. Der Vizepräsident des EU-Parlaments hatte in den vergangenen Jahren viel Zeit und Mühe in die von der Groko Haram angestrebte Wahlrechtsänderung investiert. Ich erinnere mich an sein Versprechen, dass »eine Zwei-Prozent-Hürde in der EU-Wahl schon viel gegen Spaß- und Splitterparteien helfen« würde; eine Überzeugung, die wir von der PARTEI (2,4 Prozent in der EU-Wahl) natürlich teilen – spätestens seit wir in Berlin vor der FDP liegen.

»Ich glaube an Europa«, liest die Bundeskanzlerin gerade vor, »ich bin überzeugt von Europa – nicht nur als Erbe der Vergangenheit, sondern als Hoffnung und Vision für die Zukunft.«

Sechs oder sieben mehr oder minder berührende Fraktionsvorsitzenden-Reden später erteilt Präsident Sassoli mit einem indignierten Blick dann mir das Wort.

Notsitz 24a – Merkel im EU-Parlament

»Vielen Dank, Präsident«, sage ich artig und wende mich unserem Besuch zu. »Mahlzeit, Frau Bundeskanzlerin Merkel! Wer, wenn nicht SIE könnte die Europäische Union aus der Krise führen? Das fragen Millionen von Leitartiklern, denen in aller Regel niemand anderes einfällt. Anscheinend verspürt Europa eine unbändige Sehnsucht, sich deutscher Führung zu unterwerfen. Warum erst jetzt und nicht schon vor 80 Jahren? Dem Kontinent wäre einiges erspart geblieben, ZwinkerSmiley!

Wenn ich richtig las, planen Sie, das Corona-Virus mit viel Geld zu ersticken; übrigens etwas, das der EU mit dem nicht minder schäbigen Viktator Orbán leider nicht geglückt ist.

Sie werden den Klimawandel verbieten und die Chinesen bewegen, uns künftig etwas leiser auszulachen.

Sie werden die Migration bewältigen, indem Sie sicherstellen, dass die Gemeinheiten dort geschehen, wo sie nicht so auffallen.

Ihre Macht kennt nur eine Grenze: Selbst Sie und Ihre 750 Milliarden können nicht dafür sorgen, dass der Hamburger SV jemals wieder in die Bundesliga aufsteigt.«

→ Sachdienliche Hinweise aus dem Netz

Anke Stein: Sorry, aber das war sehr arm und nur albern, nicht mal lustig.

NicolasKolossos: Dafür habe ich ihn in dieses Parlament gewählt; ein lästiges Furunkel im selbstgerechten Sitzfleisch

MIC BLACK: 29.08 BERLIN!!!! KOMMT ALLE ES GEHT UM ALLES!!!!!

Während ich bei Merkel wie üblich absolut keine Regung ausmachen kann, gestikuliert hinter mir ein kopfschüttelnder Osteuropäer, der offenbar kaum glauben kann, dass ein einzelner Verein allein so schlecht sein kann. Rainer Wieland ist nicht mehr zu sehen, der alte Politfuchs dürfte gerade fluchtartig seinen Platz verlassen haben, um nicht von der Parlamentskamera direkt neben mir abgebildet zu werden, während ich zu seiner Chefin spreche.

Direkt nach mir erhält Merkel das Wort, verweigert jedoch die Antwort auf meine Analysen. Stattdessen kommt sie auf das Rechtsstaatlichkeitsprinzip zu sprechen, das Frau vonderLeyen in ihrer bereits jetzt zu langen Kommissionskarriere im Falle Polens und Ungarns so schmählich missachtet: »Ich will deutlich machen, und ich hab’ ja nicht umsonst über die Rechtsstaatlichkeit und die Grundrechte gesprochen, dass diese in Europa – und das gilt auch für die deutsche Ratspräsidentschaft – absolute Priorität genießen.«

Ich bin irritiert. Sollten wir Frau Merkel unterschätzt haben? Sollte den illiberalen & demokratiefernen Polen der PISS-Partei und den in Demokratie-Indizes als erste offizielle Diktatur in der EU geführten Ungarn tatsächlich signalisiert werden, dass es ohne demokratische Mindeststandards keine ungehinderte Auszahlung von EU-Milliarden mehr an die korrupten Eliten geben wird?

Brüssel, Parlament, LIBE-Ausschuss

Auch die deutschen Minister machen jetzt Antrittsbesuche, um ihre Vorstellungen für das kommende halbe Jahr zu diktieren. Zum Glück fast  alle nur per Videoübertragung aus Berlin. In meinem neuen »Ausschuss für bürgerliche Freiheiten, Justiz und Inneres« (LIBE) hat sich für heute Heimatminister Horst Seehofer angesagt. Büroleiter Hoffmann hatte im Ausschuss eine Frage angemeldet und keine abschlägige Antwort erhalten.

Ich suche mir einen guten Platz im Saal, mittig vor Juan F. López-Aguilar, dem Ausschussvorsitzenden. Knapp 40 Leute sind gekommen, alle tragen Masken, die Abstandsregeln werden eingehalten. López-Aguilar lässt Seehofer auf seinem großen Bildschirm eine Zeit lang vor sich hin salbadern, über »die zentralen Zukunftsfragen Migration und Terrorismusbekämpfung«. Dann dürfen die Ausschussmitglieder Fragen stellen. Ich bin als letzter dran. Das ist gar nicht schlecht, mit etwas Glück kann sich Seehofer anschließend nur noch an meine Frage erinnern, und ich habe diesmal eine größere Chance auf Antwort.

Als der Spanier mir das Wort erteilt, schalte ich mein Mikrofon ein. Und beginne sehr langsam und gut verständlich zu sprechen:

»Herr Kollege See … ähm … hofer, Sie bezeichneten die Migrationspolitik als ›Herrschaft des Unrechts‹ und gelobten, gegen die ›Zuwanderung in deutsche Sozialsysteme’ zu kämpfen – ich zitiere: ›BIS ZUR LETZTEN PATRONE!‹

Mehrfach haben Sie, treuer Spezl von Viktator Orbán, sich demonstrativ vor, hinter und neben den Kryptofaschisten Hans-Georg Maaßen gestellt, die Streichung der verfickten AfD aus dem  Verfassungsschutzbericht betrieben und sich zum 69. Geburtstag über 69 menschenrechtswidrige Abschiebungen nach Afghanistan gefreut.

Um auf Ihr billiges ›Bonmot‹ von der Migration als ›MUTTER aller politischen Probleme‹ zurückzukommen: Wer, glauben Sie, könnte wohl der VATER sein? Zwinker-Smiley!«

López-Aguilar beschließt die Fragerunde, wahrscheinlich ohne allzuviel von der Simultanübersetzung verstanden zu haben oder sich an der verfickten AfD zu stören, und bittet den deutschen Innenminister um ein Statement.

Auf dem Bildschirm schüttelt ein gutgenährter Seehofer seinen massigen Quadratschädel. »Ähm, von Herrn Sonneborn sage ich nur … Herr Sonneborn, äh … Sie wiederholen jetzt ein Zitat von mir ausschnittartig, ohne das Gesamtzitat wiederzugeben, ich äh … habe viel dazu gesagt in diesem Interview, es wird aber immer wieder falsch wiedergegeben und leider äh … sind Sie auch darauf, auf diese … Fake News äh … angesprungen. Ich habe genau erklärt, warum ich zu diesem Urteil komme, nämlich äh … auch deshalb, weil für das Aufblühen von Rechten in äh … unserem Lande äh … ja auch diese ganze Entwicklung der letzten Jahre äh … mit ursächlich war.«

→ Sachdienliche Hinweise aus dem Netz

Neomoeddi: Thumbs up, weil verfickt nun endlich in dutzende Sprachen übersetzt wurde.

Constanze von Haller: Was hat Herr Seehofer gesagt? Ich konnte keinen Zusammenhang erkennen.

Ralf Schneider: Spinner VS Spinner

MiKe: Ich finde die Wörter zwischen den »Äh’s« ein wenig irritierend.

Frank Breuer: Also wenn mich einer fragt würde ich sagen, Horst hat vergessen das er Demenz hat.

FIE 1: Also … Wer ist denn nun der Vater???

Brüssel, Homeoffice

Ratstreffen. Die Regierungschefs verhandeln ein 750-Milliarden-Paket. Vier oder fünf »sparsame« Staaten blockieren die dringend notwendigen Einigungen, sind beim Austeilen von Geldern nicht ganz so großzügig wie vorher jahrelang beim Einstreichen. Lustigerweise sind die Grünen in drei der Staaten an der Regierung beteiligt. Eine Entwicklung, die man als Grünen-Wähler mal im Auge behalten sollte. Smiley!

Österreich ist natürlich dabei. Nur ein paar Wochen, nachdem ich in einer fundamentalen Rede – offenbar vollkommen folgenlos – eine fundierte Trillionenklage gegen Ischgl und die Bombardierung der gesamten Tiroler Après-Ski-Scheiße befohlen habe, wird der österreichische Kanzler frech. Ausgerechnet der!

→ Sachdienlicher Hinweis aus dem Netz

MS: Europas führender Operettenkanzler Kurz hat in Südeuropa »kaputte Systeme« diagnostiziert. Steile These für jemanden, der 1 versoffenen Neonazi zum Vizekanzler beförderte, nachdem der den verfilztesten Teil der Alpen an eine falsche russische Oligarchennichte verscherbeln wollte … Smiley!

→ Sachdienlicher Hinweis aus dem Netz

Agentur GRADEXT: Interlektuell können Sie Kurz nicht das Wasser reichen.

Nach fünf Tagen Streitereien wird im Rat ein Kompromiss geschlossen – leider auf Kosten des Rechtsstaatlichkeitsprinzips, das Merkel in ihrer Rede im Parlament offensichtlich lediglich zur Verhandlungsmasse aufgebaut hatte und im Austausch gegen die Zustimmung der Visegrad-Clowns zum EU-Corona-Rettungspaket flugs fallen ließ. Orbán und seine Freunde jedenfalls jubelten anschließend.

→ Sachdienlicher Hinweis aus dem Netz

MS: EU 2020: Diktatur & »Freiheit« Smiley!

#VictatorOrban #GeeeertWilders #Gesichtskrebs

Screenshot Facebook

 

 


 

Achtung, Durchsage: Dieser Bericht wurde aus Mitteln des Europäischen Parlamentes finanziert und zeigt möglicherweise ein Zerrbild desselben.

ausgewähltes Heft

Aktuelle Cartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Sylt Marketing Gesellschaft!

Du machst auf dem Festland mit dem Slogan »Sylt macht sychtig« auf die umrissbekannte Nordseeinsel aufmerksam. Und ja, sie hat noch mehr negative Eigenschaften! Sylt ist syndhaft teuer, das Publikum dort verhält sich dynkelhaft. Ja, die ganze Ynsel ist bei genauerer Betrachtung das reinste Shythole, ein Besuch dort kompletter Unsynn!

Steht fürs nächste Brainstorming gerne bereit: Titanic

 Sänger Max Mutzke!

Sänger Max Mutzke!

Zum Thema Klimawandel und Verkehr klagten Sie im Interview: »Es gibt bei uns eine Verbindung, da fahr ich 10-12 Minuten mit dem Auto hin. Weil der Ort aber auf dem Berg liegt, fährt der Bus mehrere Stationen an und es dauert fast zwei Stunden. Aber da arbeiten Leute.«

Wir wissen nicht, wie der Berg, auf dem Sie wohnen, beschaffen ist und wer dort die Busrouten plant. Aber mal angenommen, Sie würden wegen der langen Busfahrt den einen oder anderen Auftritt verpassen, wäre das nicht ein weiterer Grund für die »Öffis«?

In diesem Sinne: Go green!

Titanic

 Liebe Alte,

»Drogenhandel und Abzocke von Senioren« titelte kürzlich die Braunschweiger Zeitung. Also, dass Ihr abgezockt werdet, finden wir natürlich echt doof, aber: Wie läuft es denn so mit der Rentenaufbesserung durch den Drogenhandel?

Fragt schon mal prophylaktisch: Titanic

 Was ist da los, deutsche Medien?

»Die radikalen Impfgegner vom Alpthal« besuchte der Spiegel und fragte dazu mit brennendem Reporterehrgeiz bereits im Teaser: »Nun verweigerte ein Dorf gar dem Impfbus die Einfahrt. Was ist da los?« Gute Frage. Der auch die Taz nachgeht: »Im Schwarzwaldkreis Rottweil sorgen Impfgegner für gereizte Stimmung. Was ist da los?« Womöglich Ähnliches wie im Nordosten. Die B.Z.: »Was ist da los? Corona-Lage in Brandenburg doppelt so schlimm wie in Berlin«. Aber nicht nur im Zuge der Pandemie verlangt überraschender Tumult nach unverzüglicher Aufklärung: »Was ist da los? Bei Bella Hadid fließen Tränen« (N-TV); »Was ist da los? Anouar wurde bei The Voice disqualifiziert« (Berliner Kurier); »Was ist da los? NFL-Superstar schon wieder verletzt«. Gut, dass Bild sich der Sache annimmt, denn die FAZ ist gerade mit Wichtigerem beschäftigt: »Die neue Apple Watch 7 ist angekündigt, aber Garmin hält sich bei seinem Top-Produkt zurück. Was ist da los?«

Der, die, das, / wer, wie, was / wieso, weshalb warum? / Wer nicht fragt, bleibt dumm – sicherlich. Wer allerdings immer dasselbe fragt, auch.

Überfragt: Titanic

 Wie viele Achtundsechziger, Udo Knapp,

bist auch Du, je älter Du wurdest, politisch immer weiter von links nach rechts marschiert: Du warst der letzte Vorsitzende des SDS, anschließend in einem Verein namens »Proletarische Linke«, um dann in den Achtzigern auf dem rechten Flügel der Grünen zu landen und schließlich bei der SPD, und zwar eigentlich nur, damit Du was in den Kolonien werden konntest, am Ende stellvertretender Landrat. Heute kritisierst Du die Gewerkschaften dafür, dass sie nur immer wieder Lohn fordern, wie man das als einer, der nichts gelernt hat bis aufs Lamentieren, halt so macht.

Dieser Weg verbindet Dich mit dem wohl dümmsten deutschen Sänger, Wolf Biermann, weshalb Du dem »alten weisen Mann« (Dein O-Ton) auch neulich so kenntnisfrei wie pathetisch zum Geburtstag gratuliertest: »Biermann hat den größten Teil seines Lebens in zwei furchtbaren deutschen Diktaturen verbracht. In beiden hat er gelitten, aber beide hat er mutig streitend und widerstehend überlebt.«

Wie man nun aber jeder Biermann-Bio entnehmen kann, hat der walrossbärtige Dödelbarde nur acht Jahre unter den Nazis und 23 Jahre in der DDR gelebt; die restlichen 53 jedoch im goldenen Westen (britische Besatzungszone, BRD und Gesamtdeutschland). Daher nun unsere Frage: Bist Du Dir, Udo Knapp, sicher, dass Du auf Deine alten Tage die Bundesrepublik Deutschland, in der Du so schöne Posten innehattest, wirklich als furchtbare Diktatur bezeichnen willst?

Wie meinen? Es stand doch bloß in der Taz, und in keiner richtigen Zeitung? Und rechnen konntest Du noch nie? Na dann, weitermachen, Udo, aber vielleicht demnächst doch ein bisschen, he, he, knapper.

Kurz angebunden: Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Notgedrungen einfallsreich

Mein Nachbar vergisst seit einigen Jahren regelmäßig seine Bank-Pin. Auf die Karte kann er die Pin natürlich nicht schreiben. Wie er mir vor Kurzem berichtete, hat er eine clevere Lösung für sein Problem gefunden: Um sich die Pin nicht mehr merken zu müssen, aber trotzdem nicht sein Geld zu riskieren, hat er seine Pin einfach auf den einzigen von ihm genutzten Bankautomaten geschrieben.

Karl Franz

 Fünfzehn Zeichen Ruhm

Es hat wohl niemand je den Wunsch, um jeden Preis berühmt zu werden, heftiger kritisiert als meine Urgroßmutter. Ich kann mich gut erinnern, dass mein Vater einmal beim Lesen der Zeitung aufschreckte und Uroma ihn fragte: »Was ist denn?« – »Der Franz ist gestorben. Ich habe gerade seine Todesanzeige gelesen.« Sie schüttelte bloß genervt den Kopf und sagte: »Die Leute machen heutzutage wirklich schon alles, um in die Zeitung zu kommen.«

Jürgen Miedl

 Schicksalhafte Wendung

Brüche im Leben gibt es bei allen Menschen. Öfter ist es so, dass jemand nach überstandener schwerer Krankheit das bisherige Streben nach Geld und Ruhm infrage stellt und beschließt, den sinnentleerten Job im Reisebüro, in der PR-Agentur (sehr viel seltener vielleicht auch im Schlachthof) hinzuschmeißen, um nur noch zu malen, zu töpfern, zu fotografieren, einen Gemüsegarten anzulegen oder zu schreiben. Es erfolgt allerdings nicht zwangsläufig eine Neuausrichtung zum Kontemplativen, Musischen. In meiner Bekanntschaft gibt es einen Fall, in dem der genesene junge Künstler seine Erfüllung als skrupelloser Miethai fand.

Miriam Wurster

 Alles richtich

Jüngst wurde ich darauf angesprochen, dass das Wort »richtig« aus logopädischer Sicht korrekterweise »richtich« ausgesprochen werden muss. Um mir meine Verwunderung darüber gar nicht erst anmerken zu lassen, entgegnete ich nur ein lässiges »selbstverständlig«.

Fabian Lichter

 Trost vom Statistiker

Wenn du wieder einmal frustriert bist und denkst, du bist nur durchschnittlich begabt und mittelmäßig erfolgreich, dann wechsele doch einfach in eine andere Stichprobe!

Theobald Fuchs

Vermischtes

Kamagurka & Herr Seele: "Cowboy Henk"
Er ist Belgier, Kamagurka. Belgier! Wissen Sie, was der Mann alles durchgemacht hat in letzter Zeit? Eben, er ist Belgier. Und hat trotzdem in einem Finger mehr Witz als Sie im ganzen Leib! Und Heldenmut! Glauben Sie nicht? Dann lassen Sie sich von Cowboy Henk überzeugen, dem einzigen Helden, der wirklich jeden Tag eine gute Tat begeht.
Zweijahres-Abo: 117,80 EURKatz & Goldt: "Lust auf etwas Perkussion, mein kleiner Wuschel?"
Stephan Katz und Max Goldt: Ihr monatlicher Comic ist der einzige Bestandteil von TITANIC, an dem nie jemand etwas auszusetzen hat. In diesem Prachtband findet sich also das Beste aus dem endgültigen Satiremagazin und noch besseres, das bisher zurückgehalten wurde. Gewicht: schwer. Anmutung: hochwertig. Preis: zu gering. Bewertung: alle Sterne.
Zweijahres-Abo: 117,80 EURWenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
Zweijahres-Abo: 117,80 EUR
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Das schreiben die anderen

  • 20.01.:

    In Göttingen eröffnete die große Eugen-Egner-Ausstellung im Alten Rathaus. Bilder vom Event zeigt das Göttinger Tageblatt und die Stadt Göttingen hat alles aufgezeichnet.

  • 20.01.:

    Mit Daumen und Rechenschieber erstellte Oliver Maria Schmitt in der FAZ das Horoskop fürs Reisejahr 2022, der Cartoon dazu stammt von Katharina Greve.

  • 02.11.:

    "Keinmal um die ganze Welt - Ein Pauschalreiseabend für Zurückgebliebene" - so heißt das WDR-5-Spezial mit Thomas Gsella, Oliver Maria Schmitt und Hans Zippert.

  • 29.10.:

    Das Bornheimer Wochenblatt berichtet vom TITANIC-Normalitätswettbewerb.

  • 28.09.:

    Oliver Maria Schmitt hat versucht, mit der Kraftradgruppe Frohsinn die Demokratie zu retten – zumindest in der FAS.

Titanic unterwegs
26.01.2022 Dresden, Staatsschauspiel Max Goldt
26.01.2022 Hamburg, Polittbüro Thomas Gsella
31.01.2022 Meiningen, Kunsthaus K. Greve, H&B und A. Plikat: »Corona revisited«
08.03.2022 München, Valentin-Karlstadt-Musäum »Herr Haas zeigt Hasen«