Inhalt der Printausgabe

Die PARTEI informiert


Martin Sonneborn (MdEP)
Bericht aus Brüssel
Folge 20

»Man soll nur von Europa sprechen, denn die deutsche Führung ergibt sich ganz von selbst.«

Außenpolitisches Amt der NSDAP

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Berlin, Büro

Die »Mitteldeutsche Zeitung« berichtet, dass zwei stellvertretende Fraktionsvorsitzende der CDU in Sachsen-Anhalt das Szenario für eine Koalition mit der dämlichen AfD entworfen haben: »Es muss wieder gelingen, das Soziale mit dem Nationalen zu versöhnen.«

→ Sachdienliche Hinweise aus dem Netz

Martin Sonneborn: Ich hätte auch schon einen guten Namen: SOZIALNATIONALISMUS… HitlerbärtchenSmiley!
Ruprecht Polenz: Antwort an Martin Sonneborn: Es gibt einen für alle Mitglieder verbindlichen Parteitagsbeschluss d. CDU: Keine Zusammenarbeit mit der AfD. Wer dagegen verstößt, verhält sich parteischädigend. Das sollte allen klar sein, die jetzt laut nicht zu Ende denken. #FreiheitstattFaschismus #NoAfD
Martin Sonneborn: Antwort an Ruprecht Polenz: Ist ja nur ein einfach… Pardon: sind ja nur zwei einfache stellvertretende Fraktionsvorsitzende Ihrer Partei. Hat wahrscheinlich gar nichts zu sagen… ZwinkerSmiley!

Straßburg, Parlament

Erster Sitzungstag der neuen Legislatur. Es ist ungewöhnlich voll, weil viele abgewählte Abgeordnete angereist sind, um Abschied zu nehmen. Über 60 Prozent der Abgeordneten sind neu. Meine alten Kumpel Elmar Brocken, Pannen-Jo Leinen, Korwin-Mikke und Alessandra Mussolini haben es leider nicht wieder geschafft. So freue ich mich schon, als ich vor der MEP-Bar McAllister sehe, immerhin ein bekanntes Gesicht. Auf seine Frage, ob ich mich diesmal einer Fraktion anschließen will, entgegne ich: »Wenn ich das je tun sollte, dann komme ich zu Ihnen in die EVP.«

Schade, in Zukunft keine Letzwählergruppen mehr zu Besuch bei Elmar Brocken!

Minuten später kommt mir im Zentralregister Hans-Olaf Henkel entgegen. »Hi, Henkel, auf dem Weg in den verdienten Ruhestand?« »In den Ruhestand? Erst mal werde ich jetzt den ZDF-Skandal recherchieren, aufarbeiten, wie das ZDF Ihnen Wahlkampfhilfe geleistet hat!« Da ich Henkels unbewegtes Gesicht auf eine großzügig dosierte Ladung Botox zurückführe, nehme ich das für einen Witz und lächle höflich. Ich hatte lediglich einmal als Gast in der »Heute-Show« gesessen, ganz regulär vor Beginn der sechswöchigen Karenzzeit, in der Vertreter kleiner obskurer Oppositionsparteien vor Wahlen dann nicht mehr in Unterhaltungssendungen auftauchen dürfen. Wenn Henkel wüsste, dass wir diverse Einladungen ausgeschlagen haben, weil wir mit linearem Fernsehen praktisch keine PARTEI-Wähler erreichen …

Straßburg, Plenum

Meine zweite Legislaturperiode beginnt gut: Neben mir taucht noch ein bekanntes Gesicht auf. Bzw. eine bekannte Kapuze: Nico Semsrott ist mit ins Parlament eingezogen. Die PARTEI erhielt bei der EU-Wahl 899079 Stimmen, 714370 mehr als 2014. Damit haben wir unser Ergebnis in fünf Jahren vervierfacht und mit 2,4 Prozent die Zahl der Mandate verdoppelt.

→ Sachdienlicher Hinweis von Büroleiter Hoffmann

Hätten wir nicht erfolgreich gegen die Zwei-Prozent-Sperrklausel gekämpft, die die Groko Haram einführen wollte, hätten wir sogar einen Sitz mehr: Dann wären nämlich Kleinparteien wie Piraten, Familienpartei, Tierschutzpartei und ÖDP gar nicht ins Parlament gekommen.

→ Sachdienlicher Hinweis von »Business Insider«

BI: Bei den Erstwählern hat die PARTEI mehr Stimmen bekommen als die SPD. Was sagt das über junge Menschen in Deutschland?
Sonneborn: Die Biologie ist auf unserer Seite, denn die Volksparteien werden vor allem von Letztwählern gewählt. Je mehr Stammwähler von Union und SPD aussterben, desto mehr verstärkt sich der Trend zu unseren Gunsten. Übrigens liegt die CDU bei den Erstwählern nur noch zwei Prozent vor uns, die sind als nächstes dran. Auf lange Sicht werden die Grünen und wir um die Macht streiten.

Brüssel, Parlament

Nach der letzten Sitzung vor der EU-Wahl hatte mich in Straßburg der Vorsitzende der Grünen-Fraktion, der Belgier Philippe Lamberts, eingeladen, seiner Fraktion beizutreten. Jetzt erneuern Sven Giegold und die Co-Vorsitzende Ska Keller diese Einladung. Hintergrund ist das Kopf-an-Kopf-Rennen um den Status der viertgrößten Fraktion hinter Konservativen, Sozialdemokraten und Liberalen, das sich die europäischen Grünen gerade mit den Rechtsradikalen liefern. In deren neugegründeter Fraktion »Identität und Demokratie« tummeln sich 73 unappetitliche Identitäre, Vertreter von AfD und FPÖ, von Vlaams Belang und den Wahren Finnen, von Marine Le Pens Rassemblement National und der italienischen Lega. Die Grünen/Europäische Freie Allianz bringen es im Moment mit ÖDP, Piratenpartei und VOLT ebenfalls auf 73 Abgeordnete. Da es um den ersten Zugriff bei Berichten, mehr Redezeit und die Verhinderung von rechtsradikalen Vizepräsidenten in den Ausschüssen geht, tritt Semsrott nach kurzer Überlegung in die Fraktion der europäischen Grünen ein. Sehr zum Ärger der AfD: Obwohl Salvini und AfD-Meuthen vollmundig eine rechte »Superfraktion« angekündigt hatten, reicht es für die Rechten nur zum fünften Platz.

→ Sachdienlicher Hinweis von »Business Insider«

BI: Apropos Grüne, was halten Sie von denen?
Sonneborn: Die Grünen sind so erfolgreich, weil sie unser Konzept kopieren: keine Inhalte, sympathisch, gutaussehend. Nur leider sind sie eine Partei der Besserverdienenden und so krampfhaft gut gelaunt. Mit Nico Semsrott haben wir ja extra einen depressiven Kandidaten aufgestellt, um dieser unbegründeten Fröhlichkeit etwas entgegenzusetzen.
BI: Ihr Parteikollege hat sich ausgerechnet der Grünen-Fraktion angeschlossen. Ist das Verrat?
Sonneborn: Nein, das ist strategische Unterwanderung. Wir nutzen die Möglichkeiten, die das bringt. Wenn wir künftig noch mehr legislativ arbeiten wollen, kann das nur von Vorteil sein …

Ich bewahre mir meine Unabhängigkeit, bitte aber meine gut vernetzte belgische Assistentin, noch einmal die Information zu streuen, dass ich selbstverständlich bereitstehe, in jede beliebige Fraktion einzutreten. Für eine Million (netto).

Tatsächlich kommt eine Anfrage: Einer der wenigen zurechnungsfähigen Abgeordneten der italienischen Fünf-Sterne-Bewegung bittet um ein Gespräch, ohne allerdings direkt auf meine Ablösesumme einzugehen. Er erklärt mir, dass die Cinque Stelle ihre ungeliebte Zusammenarbeit mit Nigel Farage aufgekündigt hätten, um eine eigene Fraktion zu gründen. Einen Tag vor Meldeschluss fehlen ihnen noch zwei Mandatsträger zur Mindestgröße. Höflich lehne ich ab. Die Fünf Sterne koalieren in Italien mit der faschistischen Lega von Benito Salvini. Das ist mir selbst für eine Million (netto) zu schmutzig.

Straßburg, Plenum

Leider sitzt Nico Semsrott im Plenarsaal zu weit entfernt zum Tuscheln oder Schachspielen unter der Bank, weit drüben in der letzten Reihe hinter den Grünen. Aber die Verwaltung hat mir einen guten Platz zugeteilt, ganz links außen, durch zwei freie Plätze getrennt von meinen zum größten Teil unseriösen fraktionslosen Kollegen. Eigentlich sollten Carles Puigdemont und Antoni Comin neben mir sitzen, zwei ordentlich gewählte katalanische Abgeordnete. Ihre Sitze aber bleiben frei. Eine der letzten Amtshandlungen des scheidenden Präsidenten und Mussolini-Verehrers Tajani (»Mussolini hat auch Gutes getan. Wenn wir ehrlich sein wollen, hat er Straßen, Gebäude, Brücken gebaut«) ist es, ihnen auf Druck der spanischen Zentralregierung den Zutritt zum Parlament zu verwehren, solange sie nicht in Madrid auf die spanische Verfassung geschworen haben. Diesen Schwur wiederum können sie kaum leisten, weil Madrid in der Durchführung des Unabhängigkeitsreferendums in Katalonien 2017, in das die Guardia Civil blutig eingegriffen hatte, den Straftatbestand der »Rebellion« erfüllt sieht und ihre sofortige Festnahme angeordnet hat. DemokratieSmiley!

Damit sich nicht irgendein anderer Abgeordneter aus Versehen auf die beiden Plätze setzt, stelle ich in der Eröffnungssitzung zwei improvisierte katalanische Fähnchen auf ihre Tische. Eine kleine Geste, die mir sofort eine Vielzahl herzlicher Einladungen nach Barcelona beschert.

Die Wahl des neuen Parlamentspräsidenten erfolgt im Konsens und ist diesmal recht unspektakulär. Ich twittere ein wenig vor mich hin, während der Italiener David-Maria Sassoli (S&D) für die nächsten zweieinhalb Jahre gewählt wird.

→ Sachdienlicher Hinweis aus dem Netz

Martin Sonneborn: Amazon hat im vergangenen Jahr 11.200.000.000 Gewinn gemacht – und 0 Steuern bezahlt. Zeit für #amazonfreiermittwoch die ganze Woche… KotzSmiley! Danke dafür, @OlafScholz (angeblich Sozialdemokrat) #Digitalsteuer #GAFA-Steuer

Sassoli ist ein nicht unsympathischer ehemaliger Journalist, der sich in den 90er Jahren einen Namen gemacht hat im Kampf gegen die organisierte Kriminalität in seinem Land. Fun Fact zur Wahl des Parlamentspräsidenten: »Bei Stimmengleichheit gilt der Kandidaten mit dem höheren Lebensalter als gewählt.« (Geschäftsordnung des EU-Parlaments)

 

→ Sachdienlicher Hinweis aus dem Netz

Ron: Warum nicht der, der mehr Follower hat?
Der Doktor ist da: Wenn beide gleich alt sind, gilt als gewählt, wer mehr Eier hat?

Straßburg, Büro

Ein bisschen Sorge bereitet mir, dass das Zeitalter der deutschen Vormachtstellung in der EU sich offensichtlich dem Ende zu neigt. Nicht nur, dass die zweitgrößte Fraktion (S&D) plötzlich nicht mehr von einem Deutschen geführt wird, sondern von einer quirligen Spanierin. Bedeutsamer ist, dass es offenbar nicht möglich ist, den Spitzenkandidaten Manfred Streber (CSU) gegen den ebenso verbissen wie geschickt organisierten Widerstand Macrons als Kommissionspräsidenten durchzusetzen. Wieso gilt der neoliberale Franzose, der in Frankreich die kleinen Leute und den Mittelstand zugunsten von Superreichen finanziell beschneidet und routiniert von paramilitärischen Polizeieinheiten zusammenprügeln lässt, der das Heil seines Landes in Aufrüstung und Waffenexporten sieht, in Deutschland eigentlich als sympathischer Hoffnungsträger eines neuen Europa? Der französische Soziologe und Demograph Emmanuel Todd sagt über ihn: »Macron, das ist Thatcher, bloß in älter und weniger männlich.«

Der Franzose, dessen erstes Ziel eine EZB unter französischer Führung sein dürfte, verbündet sich mit den illiberalen Ostblockstaaten Ungarn & Polen, mit Salvini und dem korrupten tschechischen Ministerpräsidenten Andrej Babis. Babis ist der zweitreichste Mann seines Landes und hat sich gerade 17,4 Millionen Euro aus den Europäischen Sozial-, Kohäsions- und Regionalfonds selbst zugewiesen. Verfahren läuft.

Liebe katalanische Leser, bitte keine weiteren Einladungen schicken

Die 28 Regierungschefs schlagen den Kommissionspräsidenten zwar vor, wählen muss ihn aber das EU-Parlament. Und das Parlament hat 2018 mit Zweidrittelmehrheit beschlossen, dass es jeden Kandidaten ablehnen werde, der nicht zuvor Spitzenkandidat gewesen ist. Blieben also Manfred Streber, Frans Timmermans. Und Nico Semsrott, der offizielle Spitzenkandidat der PARTEI.

Dass Donald Tusk für den Rat nur ein paar Stunden nach der ersten konstituierenden Sitzung stattdessen Ursula vonderLeyen vorschlägt, weil das Parlament sich nicht auf einen Kandidaten einigen könne, kommt deshalb selbst mir als altgedientem Parlamentarier ungewöhnlich unseriös vor. Genauso wie der Rest des wahnsinnigen Personaltableaus, das die Regierungschefs ausgeklügelt haben. Immerhin, bei McKinsey, Nato, Heckler&Koch dürften gerade die Korken knallen – und die Militarisierung der EU kann voranschreiten.

Mehr über Borell: www.fckaf.de/VAh

Als ich mich in meinem neuen Büro etwas näher mit den Namen beschäftigen will, klingelt zum ersten Mal das Telefon. Aus dem Hörer lacht empört meine Europapolitische Beraterin: »Sie wollen Borrell zu deinem Außenminister machen, Josep Borrell. Ich lache schon seit über einem Jahr über den Mann.« »Borell? Wie Borreliose?« »Jetzt ist keine Zeit für Späße! Der Mann ist 71, zwar spanischer Sozialdemokrat, aber die sind in Spanien auch zum Großteil Frankisten. Er ist Ultranationalist, will Katalonien desinfizieren lassen und ist Mitglied der spanischen SCC, die mit anderen Faschisten zusammenarbeitet, z.B. mit deinen Freunden von der Goldenen Morgenröte. Bei einer Konferenz zur Zukunft Europas in Madrid kürzlich hat Borrell erklärt, die Amerikaner hätten für ihre Unabhängigkeit, wörtliches Zitat, nur vier Indianer umbringen müssen. Und der Poser Heiko Maas saß daneben …«

Während sich die Büros um mich herum langsam leeren, setze ich mich noch einmal an den Schreibtisch und verfasse einen kurzen Überblick fürs Netz.

→ Sachdienlicher Hinweis aus dem Netz

Martin Sonneborn: Kurze Anmerkungen zu den Personalvorschlägen des Rates. Korrigieren Sie mich gern, aber ein erster kurzer Überblick ergibt folgendes:
Josep Borrell: Ein spanischer Tüp, der als Präsident des Europäischen Hochschulinstituts zurücktreten musste, weil er vergessen hatte, ein 300.000-Euro-Jahreseinkommen bei einem Energieversorger anzugeben, soll Außenbeauftragter der EU werden?
Christine Madeleine Odette Lagarde: Eine Französin, die wegen Veruntreuung von 400 Millionen Euro öffentlicher Gelder im Falle Tapie schuldig gesprochen wurde und noch nie eine nationale Notenbank geleitet hat, soll die EZB leiten?
Charles Michel: Ein Belgier, der nicht einmal in Belgien eine funktionierende Regierung bilden konnte und der mit Rechtsradikalen paktiert, soll Ratspräsident werden und für den Ausgleich immer komplexerer nationaler Interessen in der EU sorgen?
Ursula vonderLeyen: Eine erfolglose deutsche Ministerin, die lediglich durch einen irren Hang zu überteuerten externen Beratern, Missmanagement und Euphemismen (»Trendwende Finanzen« für die größte deutsche Aufrüstungsanstrengung seit Kriegende) aufgefallen ist und die von den illiberalen Visegrád-Staaten gestützt wird, die zuvor den konservativen Sozialdemokraten Timmermans als linksradikal abgelehnt haben, soll EU-Kommissionspräsidentin werden?
Was für eine Parade der Inkompetenz! Europa nicht den Leyen überlassen … #FCKHinterzimmerdeals #FCKRAT
Peter Altmaier: Antwort an Martin Sonneborn: Tja (Der Tweet wird wenig später wieder gelöscht.)

→ Sachdienlicher Hinweis der »FAZ«

Der Name einer Person, der von der Leyen nicht wählen will, ist jedenfalls schon mal bekannt: Der deutsche EU-Abgeordnete der Satire-Partei Die Partei, Martin Sonneborn, will nicht für die CDU-Politikerin stimmen. »Ich bin hin und her gerissen: Einerseits sehe ich nicht gerne Ausländer in Führungspositionen hier in Europa – und die deutsche Vormachtstellung scheint mir tatsächlich so ein bisschen gefährdet. Andererseits kann ich von der Leyen nicht wählen. Sie steht für Auslagerung in Beraterkreise, für Deals mit der Waffenindustrie«, sagte Sonneborn am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur.

Sonneborn kritisierte, dass mit von der Leyen keine Spitzenkandidatin der Europawahl nominiert worden sei. »Wenn der Rat hier einen Vorschlag serviert, der praktisch nicht als Spitzenkandidat ausgemacht war, der dann einfach nur noch abgenickt wird im Parlament, dann ist das nicht im Sinne einer demokratischen Entwicklung in dieser EU«, sagte er. Die Nominierung von der Leyens mache auch seine eigene Arbeit als Satiriker schwierig: »Wie soll man die EU kompetent kritisieren, wenn alles bestätigt wird, was an schlechten Vorurteilen gerade im Lande kursiert durch dieses Personaltableau?«

Das Telefon klingelt aufgebracht. »Hör zu: VonderLeyen hat gerade eine Vision für Europa versprochen, die sie in zehn Tagen vorstellen will. IN ZEHN TAGEN! Habermas hat 20 Jahre dafür gebraucht. Politikwissenschaftler rechnen mit zehn Jahren intensiven Studiums, um die inneren Funktionsmechanismen fremder Gesellschaften zu durchdringen … Und es empört mich richtig, dass Orban, Kaczynski und Salvini jetzt zu den Taktgebern europäischer Politik werden. Das sollte jenseits jeglichen bürgerlichen Konsenses sein! Genau wie ihre Sturmhaubenfrisur …«

Luxemburg, Tankstelle

Auf dem Weg nach Brüssel höre ich im Inforadio des RBB, dass die AfD vom Landeswahlausschuss in Sachsen nach langer Beratung lediglich mit einer reduzierten Landesliste zur Wahl antreten darf, die Listenplätze 19 bis 61 wurden wegen formaler Mängel gestrichen. Ich muss lächeln. Mit 18 Plätzen soll die AfD antreten dürfen in Sachsen? 18? AH? Smiley

Brüssel, Parlament

Vermutlich zum letzten Mal treffe ich Marcus Pretzell im Parlament. Als ich ihn nach der Situation in Sachsen frage, erzählt er mir, dass seine Frau, Frauke Petry, für ihre Blaue Partei bei der Sitzung des Landeswahlausschusses war: »Die haben die AfD nicht benachteiligt, im Gegenteil! Die haben sehr intensiv und sehr lange nach Gründen gesucht, um sie noch irgendwie zulassen zu können. Die hatten Angst, dass ihnen der Laden sonst um die Ohren fliegt!«

→ Sachdienlicher Hinweis aus dem Netz

Martin Sonneborn: Wie wollen die dämlichen Rechtsradikalen in #Sachsen eigentlich korrekte Todeslisten aufstellen, wenn sie schon an einer einfachen Landesliste scheitern? Smiley. FCKAfD!
Sam Schröder: Am Ende stehen die eigenen Namen drauf
Martin Sonneborn: Aber nur die ersten 18

 

 


 

Meine Rede gegen vonderLeyen im Parlament: www.fckaf.de/wjp

Achtung, Durchsage: Dieser Bericht wurde aus Mitteln des Europäischen Parlamentes finanziert und zeigt möglicherweise ein Zerrbild desselben.

ausgewähltes Heft

Aktuelle Cartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Roland Tichy, alter Einblicker!

Auch in zweiter Instanz haben Sie Ihre Klage gegen Claudia Roth verloren, die Ihnen zugeschrieben hatte, dass Ihr »Geschäftsmodell«, das in der Herausgabe des rechten Blogs »Tichys Einblick« besteht, »auf Hetze und Falschbehauptungen beruht«, was Sie als falsche Tatsachenbehauptung gewertet und untersagt wissen wollten.

Und ob Sie es glauben oder nicht, Tichy: Wir können Ihren Ärger verstehen. Wozu macht man sich schließlich die ganze Mühe? Weshalb wir also gegen Roths dreiste Ehrabschneiderei ein für alle Mal klarstellen wollen: Selbstverständlich beruht Ihr Geschäftsmodell nicht nur auf Hetze und Falschbehauptungen, sondern mindestens ebenso sehr auf Dummheit, Infamie, bewussten Lügen, Perfidie, Täuschung und nicht zu vergessen einem ordentlichen Schuss Narzissmus.

Mit ganz tiefem Einblick: Titanic

 Entlarvend, lieber Kapitalismus,

ist ausgerechnet die Arte-Doku »An den Ufern des Nil: Zwischen Assuan und Luxor«. Darin erklärt der Sprecher mit gewohnt sonorer Stimme: »Die losgesprengten Felsbrocken werden zum Nil geschleppt und auf Frachtkähne verladen. Eine Szene wie vor Jahrtausenden. Heute schultern keine Fronsklaven die zentnerschwere Last für die Tempel der Pharaonen. Die Männer arbeiten freiwillig und schuften für einen kargen Lohn.«

Einfach toll, was Du, Kapitalismus, in 4000 Jahren so geschafft hast. Nächste Revision dann in weiteren 4000 Jahren, vielleicht sogar zum Mindestlohn?

Glaubt aber eher nicht: Titanic

 Huhu, Frank Thelen!

Huhu, Frank Thelen!

Sie sind ein teiggesichtiger deutscher Unternehmer, Investor bei der strunzdummen Show »Höhle der Löwen« und außerdem noch Autor von Büchern, in denen ehrlich das Allerdämlichste steht, was man aus eh schon schwachsinnigen Wörtern wie »Mindset« im Jahr 2020 noch machen kann. Ihr neustes Schundwerk heißt »10xDNA«, und darin erklären Sie u.a., dass bald Flugtaxis durch unsere Städte sausen werden. Aber das wissen Sie ja alles selbst!

Warum wir Ihnen schreiben? Weil Sie der behämmerten Münchner »Abendzeitung« im Interview steckten, dass ein Start-up aus Ihrem »Portfolio« sich das »retronasale Riechen zunutze gemacht« habe und daher naturgemäß eine Flasche entwickeln musste, aus »der man pures Wasser trinkt und dennoch Geschmack über Geruch wahrnimmt«. Das habe es »bislang so noch nicht gegeben«.

Und hier möchten wir entschieden widersprechen! In unserer Gestaltungsabteilung sitzt nämlich ein Herr namens Thomas Hintner, und dieser hat das retronasale Riechen schon vor vielen Jahren so weit auf die Spitze getrieben, dass er herbes Pilsbier trinken kann – und dabei nichts als Wasser schmeckt. Dafür braucht er nicht mal Flaschen wie Sie! Und wenn Ihnen, Esel Thelen, dieser Brief zu frech ist, dann schickt Kollege Hintner Ihrem idiotischen Start-up eine Patentklage.

Gluck, gluck! Titanic

 Otto Schenk! Otto Schenk!

Als 91jähriges Urgestein der deutschsprachigen Theaterlandschaft plauderten Sie in der TV-Sendung »Willkommen Österreich« über Ihre Tierliebe im Allgemeinen und zu Papageien im Besonderen. Einem von Ihnen so genannten »Leihpapagei« wollen Sie den Satz »Heut red’ i nix« beigebracht haben. Und wie nebenbei konstatierten Sie: »Nicht sprechende Papageien sind für mich keine Papageien.«

Aber aber, Herr Schenk, gehen Sie doch nicht so hart ins Gericht mit unseren kunterbunt gefiederten Freunden. Selbst der beredteste aller Papageien ist von Zeit zu Zeit unpässlich oder schlecht aufgelegt oder womöglich im Alter taub geworden. Denken Sie bitte noch mal darüber nach!

Will ’nen Keks: Titanic

 »Spiegel«!

»Schwimmen im Freibad ist wie ein Besuch bei McDonald’s«, heißt es im Teaser einer Deiner Artikel. Weil man nie hundertprozentig weiß, ob nicht vielleicht irgendwo jemand reingespuckt hat, aber zumindest auf die Pommes immer Verlass ist?

Fragen Deine Freunde in Fett schwimmender Nahrungsmittel aus der Redaktion von Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Genusspunkte

Dass Umlautzeichen appetitanregend wirken können, wird einem so richtig bewusst, wenn man beim Lesen einer Speisekarte zum ersten Mal mit »Raucherlachs« konfrontiert wird.

Julia Mateus

 Ohne Worte

Man kann das Wesen eines Menschen ja in vielem erkennen. Zum Beispiel darin, wie er über seine Badezimmertürschwelle stolpert. Oder darin, wie er ein Glas Wasser fallen lässt. Vielleicht auch darin, wie er auf sein Bett springt und wie er sich abrollt, wenn er hinunterfällt. Aber was für ein Wesen hat einer, frage ich mich, der, wie mein neuer Nachbar, all dies im selben Moment tut?

Teja Fischer

 Schlechter Werbeslogan

Mit Sagrotan läuft Sack rot an

Elias Hauck

 Metaphysik

Wahre Physiker sterben nicht, es reorganisieren sich nur ihre Teilchen.

Jürgen Miedl

 Revolte

Schon seit Jahrtausenden lassen sich die Bienen vom Menschen nach Strich und Faden ausbeuten und hinters Licht führen. Wilde Instinkte und Resistenz gegen Milben und Krankheiten wurden zugunsten von Zahmheit und ungesundem Fleiß weggezüchtet, hochwertiger Honig wurde immer wieder entwendet, im Tausch gegen billige Glukoselösung. Doch damit ist jetzt Schluss. Widerstand regt sich in den Bienenstöcken, zumindest bei meiner Nachbarin, deren Bienen dazu übergegangen sind, den Honig lieber gleich zu verputzen und die Waben mit dem lauen Zuckerwasser vollzupumpen.

Miriam Wurster

Vermischtes

Sonneborn/Gsella/Schmitt:  "Titanic BoyGroup Greatest Hits"
20 Jahre Krawall für Deutschland
Sie bringen zusammen gut 150 Jahre auf die Waage und seit zwanzig Jahren die Bühnen der Republik zum Beben: Thomas Gsella, Oliver Maria Schmitt und Martin Sonneborn sind die TITANIC BoyGroup. In diesem Jubiläumswälzer können Sie die Höhepunkte aus dem Schaffen der umtriebigen Ex-Chefredakteure noch einmal nachlesen. Die schonungslosesten Aktionsberichte, die mitgeschnittensten Terrortelefonate, die nachdenklichsten Gedichte und die intimsten Einblicke in den SMS-Speicher der drei Satire-Zombies – das und mehr auf 333 Seiten (z.T. in Großschrift)! 
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Die beste Zeit, einen Band des Zeichnerduos Hauck & Bauer zu kaufen – sie ist seit sicher zehn Jahren vorbei. Heute sind die Werke von Elias Hauck und Dominik Bauer kein Geheimtip mehr. Die zerstrittenen Künstler kommunizieren inzwischen ausschließlich per Fax, leben in luxussanierten Altbauwohnungen mit kugelsicheren Whirl- und Autorenpools, in denen hungernde Leiharbeiter Comics anfertigen müssen. Leider ist auch der neueste Band der beiden Ausbeuter sehr gut, bestellen Sie hier!Wenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURTorsten Gaitzsch/Sebastian Klug: "Akte D: Die Wahrheit über Deutschland"
Die Redaktion versichert: Torsten Gaitzsch und Sebastian Klug, die  Autoren dieses Buches, wissen Dinge – schreckliche Dinge! – von denen  Sie, die Leser, nicht einmal zu träumen wagen. Denn es wären Alpträume!  Wählen Sie diese Prämie und erhalten Sie Einblicke in die tiefsten  Abgründe Deutschlands, die Sie wahnsinnig lachend und mit Schaum vor dem  Mund zurücklassen werden. Bisher hat es kein Leser bis zur letzten  Seite geschafft…Elias Hauck (Hrsg.): "Alles Spargel oder was?"
Endlich ist ganzjährig Spargelsaison! Elias Hauck, die eine Hälfte von Hauck & Bauer und Herausgeber des Frauenmagazins "Sonja", serviert die reifsten Spargelwitze der Welt – gezeichnet und erzählt von dutzenden gemüseliebenden Cartoonisten und Autoren. Lachen Sie unter anderem über: den mit den polnischen Erntehelfern, den mit dem kaputten Spargelschäler und den mit der Fliege in der Hollandaise.Kamagurka & Herr Seele: "Cowboy Henk"
Er ist Belgier, Kamagurka. Belgier! Wissen Sie, was der Mann alles durchgemacht hat in letzter Zeit? Eben, er ist Belgier. Und hat trotzdem in einem Finger mehr Witz als Sie im ganzen Leib! Und Heldenmut! Glauben Sie nicht? Dann lassen Sie sich von Cowboy Henk überzeugen, dem einzigen Helden, der wirklich jeden Tag eine gute Tat begeht.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURHans Zippert: "Fernsehen ist wie Radio, nur ohne Würfel"
Die steile Karriere des Hans Zippert begann im Jahr 1967 mit einem  Schülerpraktikum beim Kulturmagazin "TV Spielfilm". Nach einem  Volontariat bei "TV Direkt" übernahm er das angesehene 20-Uhr-15-Ressort  bei "TV Okayokay", bevor er schließlich Programmchef der auflagestarken  "TV Superwoche" wurde. Nachdem er über einen Bestechungsskandal rund um  eine 3-Sterne-Empfehlung für "Rote Rosen" stolperte, sah sich Zippert  1990 gezwungen, Chefredakteur von TITANIC zu werden. Der Tiefpunkt war  erreicht. Das alles und noch mehr erfahren Sie in diesem Buch!Heiko Werning: "Vom Wedding verweht – Menschliches, Allzumenschliches"
Es ist dies Buch etwas ganz besonderes: Heiko Werning, renommierter  Forscher aus Berlin, lag jahrelang in seinem Kiez, dem Wedding, auf der  Lauer. Kein Ereignis entging ihm, der Wedding konnte ihm nichts,  aber auch gar nichts verheimlichen. Abgründe, tiefe Täler und  menschliche Katastrophen – erfreuen Sie sich an heiteren G’schichterl,  die Werning noch so einen Urenkeln erzählen wird.Gerhard Henschel: "Harry Piel sitzt am Nil"
Fuck, dieses Buch sollte man gelesen haben, wenn man  kein übelst versiffter Wichser sein will. Schmähungen und böse Wörter  machen das Leben echt oberarschmäßig zum Kotzen. Vielleicht kapieren Sie  Versager das endlich, wenn Sie Henschels neuesten Streich gelesen  haben. Können Sie überhaupt lesen? Wahrscheinlich nicht. Trollen Sie  sich, Sie Wicht! Aber trotzdem abonnieren und diese Top-Prämie wählen.Die PARTEI-Wahlwerbungs-DVD mit allen vier Wahlwerbespots aus dem Bundestagswahlkampf 2005: Höhepunkte der Politpropaganda, die von Otto Schily mit dem Prädikat "ein Skandal" ausgezeichnet wurden. Besser aufgelöst als auf Youtube und noch dazu mit einer praktischen, farbechten Hülle drumrum - das ist doch was, was?Friedemann Weise: "Die Welt aus der Sicht von schräg hinten"
Laut seiner Homepage ist er der "King of Understatement" und der "lustigste Mensch im deutschsprachigen Internet". Er ist aber auch Gitarrenmann, Viralblogger (15000 Follower!), Gagautor und Promiexperte mit Diplom. Die Rede ist von Friedemann Weise, dem Mann mit dem Namen! Der Mann, der den "Satiropop" erfand. Und jetzt auch noch ein Buch vorlegt. Ob das gutgeht? Ordern Sie diese Prämie und teilen Sie Ihr vernichtendes Urteil bitte zeitnah der TITANIC-Redaktion mit.Serdar Somuncu: "H2 Universe: Die Machtergreifung", DVD
Er ist der selbsternannte Hassias – viel wichtiger aber noch: der designierte Kanzlerkandidat für Die PARTEI. Holen Sie sich jetzt die neue DVD von Merkel-Nachfolger Serdar Somuncu als Gratisprämie und stehen Sie damit schon vor der Machtergreifung auf der richtigen Seite. Ihre Kinder werden es Ihnen danken!
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Das schreiben die anderen

  • 07.07.:

    Hans Zippert schreibt in der FAZ über 80 Jahre Ringo Starr.

  • 03.07.:

    Das Online-Magazin Bookster unterhält sich mit Pit Knorr über sein Alter Ego "Opa Corona".

     

  • 23.06.:

    Stefan Gärtner schreibt in der "Jungen Welt" über den Film "Übers Reck", der Clemens Meyers Rede zu den ausgefallenen Ruhrfestspielen 2020 zeigt. 

  • 15.06.:

    Christian Y. Schmidt erinnert im "Neuen Deutschland" an den Verleger und Autor Jörg Schröder.

  • 02.06.:

    Culturmag.de bespricht Christian Y. Schmidts "Der kleine Herr Tod".

Titanic unterwegs
15.07.2020 Berlin, Literaturforum im Brecht-Haus Oliver Maria Schmitt, Michael Sowa u.a.
17.07.2020 Falkensee-Finkenkrug, Privatgarten Thomas Gsella, Gartenlesung
19.07.2020 Schwarzenbach a. d. Saale, Erika-Fuchs-Haus Museum für Comic und Sprachkunst Katharina Greve: »Die dicke Prinzessin Petronia«
27.07.2020 Leipzig, Werk 2 Martin Sonneborn