Inhalt der Printausgabe

Die PARTEI informiert


Martin Sonneborn (MdEP)
Bericht aus Brüssel
Folge 21

»Man soll nur von Europa sprechen, denn die deutsche Führung ergibt sich ganz von selbst.«

Außenpolitisches Amt der NSDAP

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Das Parlament in Straßburg mit den Augen eines Pressefotografen gesehen (links: das Winston-Churchill-Gebäude)

Straßburg, EU-Parlament

Unser neues Büro liegt angenehm abgelegen im vierten Stock des »Winston Churchill«-Gebäudes, eines skurrilen 70er-Jahre-Baus aus solidem Asbest, durch einen Arm der Ill sorgsam getrennt vom modernen Hauptkomplex des Parlaments. Ich stehe im Erdgeschoss und warte auf einen der vier mittlerweile schon wieder futuristisch anmutenden Fahrstühle. Jedes Mal, wenn ich hier stehe, muss ich daran denken, dass die französische EP-Präsidentin Nicole Fontaine ihrerzeit die neun Stockwerke zu ihrem Büro lieber zu Fuß zurücklegte als in einem der berüchtigten Fahrstühle. Kling! Als sich die Fahrstuhltür öffnet, gibt sie überraschend den Blick frei auf die Frisur von Frau vonderLeyen, vonderLeyen selbst direkt darunter, dahinter eine kleine Entourage inklusive Leibwächter. Mir fällt nichts Lustiges ein, also nicke ich ihr zu und sage: »Frau vonder, ähem Leyen auf dem Weg nach unten?« vonderLeyen lacht und schüttelt abwehrend den Kopf: »Nein, nein!« »Doch, doch«, entgegne ich, »ich habe es ganz genau gesehen.« (Entourage ab)

→ Sachdienliche Hinweise von t-online

t-online: Sie haben von der Leyen mal als »völlig kenntnisfrei« und »inkompetent« bezeichnet. Es klingt, als sehen Sie das immer noch so?

MS: Ich glaube sogar, dass Frau von der Leyen eine Gefahr für die EU darstellt. So furchtbar wie Ex-Kommissionschef Jean-Claude Juncker mit seinen steuerpolitischen Entscheidungen in Luxemburg und seiner neoliberalen Ausrichtung in der EU gewesen ist: Er war doch jemand, der Typen wie Victor Orban kaltstellen konnte. Notfalls mit einer kleinen Ohrfeige. Das traue ich von der Leyen nicht zu. Wir wissen ja, dass sie mit Stimmen der Polen und Ungarn gewählt wurde, also durch illiberale Regierungen, und dass sie denen nun entgegenkommen muss.

t-online: Als eine vernünftige Entscheidung könnte der »Green Deal« der EU gesehen werden – oder was stört Sie am Klimaschutz?

MS: Ich glaube nicht, dass es einen echten »Green Deal« geben wird. Ich glaube, das ist eine Etikettierung, um Wirtschaftswachstum als Umweltschutz zu verkaufen. Aber das ist die falsche Richtung, »Die Partei« fordert eine Reduzierung des BIP auf sozialund umweltverträgliche 50 Prozent. Der »Green Deal« ist Augenwischerei.

Straßburg, MEP-Bar

Bei Kaffee & subventionierter Torte sichte ich PARTEI-Aktivitäten im Netz und freue mich über ein Plakat der PARTEI Freiburg: »Steuertricks verhindern: Bon-Pflicht für Cum-Ex-Deals!« Das wird Olaf Scholz nicht ge… »Mr. Sonneborn?« Ich blicke auf: »Wer will das wissen?« Zwei eher unseriös wirkende Herren stehen vor mir und lächeln mich sympathieheischend an: »Wir sind aus Aserbaidschan …« »Herzlichen Glückwunsch. Ich bin ein Bewunderer Ihrer autoritären Staatsform.« »Oh, ja, gut. Wir möchten Sie gern einladen, nach Baku.« Das überrascht mich, immerhin stehe ich seit unserer ersten Bergkarabach-Reise* auf Diktator Aliyevs Schwarzer Liste und vermeide bei Reisen Zwischenlandungen in Baku genauso wie in der Türkei. »Interessante Idee. Würde ich zurückkommen?« Die beiden Galgengesichter schauen sich an, grinsen vielsagend, dann sagt der eine: »Also, wenn es Ihnen soooooo gut gefällt, können Sie auch dort bleiben!« Ein guter Witz, finde ich, zumindest wenn man weiß, dass der Reise-Blogger Alexander Lapshin nach einem öffentlichkeitswirksamen Besuch in Bergkarabach von einer aserbaidschanischen Sondereinheit entführt und in Baku im Gefängnis fast zu Tode gefoltert wurde.

»Wir können gerne in Brüssel darüber sprechen, bitte mailen Sie einfach meinem Assistenten.« Dann widme ich mich wieder meiner Torte und denke noch ein wenig über die Einladung nach. Wahrscheinlich geht es ja doch eher um Bestechung als um eine handgreifliche Revanche für unseren Arzach-Besuch, eine geschmackvolle Gucci-Herrenhandtasche voller Geld vielleicht. Ich sollte mich mal mit Karin Strenz von der CDU austauschen, im Europarat genießt die hochkorrupte CDU-Bundestagsabgeordnete aus Mecklenburg-Vorpommern zwar längst lebenslanges Hausverbot, der Deutsche Bundestag aber hat bisher keinerlei Sanktionen gegen sie erlassen.

Brüssel, Café Belga

Büroleiter Hoffmann ruft an und berichtet, dass er nach einer öffentlichen Sitzung des Auswärtigen Ausschusses (AFET) mit einer Bekannten von einer armenischen NGO Kaffee getrunken habe, weil Bergkarabach uns als offizielle Beobachter zu den Wahlen Ende März eingeladen hat. Beim Abschied sei ihm eine junge Frau aufgefallen, die vorher auch im AFET gesessen habe. Und die habe ihn dann recht offensiv angesprochen, um ihm zu erklären, dass Aserbaidschan viel schöner sei als Armenien. Die Aserbaidschaner seien auch die besseren Menschen, er solle sich das Land mal ansehen; solange er nicht auf der Blacklist stehe, sei das kein Problem. Das I-Phone, das sie in der Hand hielt, sei im Aufnahmemodus gewesen.

Brüssel, Büro

Chris Schiller, neuer Parlamentarischer Assistent in meinem Büro, will einen Vortrag technisch vorbereiten, den ich gleich vor einer Schülergruppe halten soll. »Dustin, wie logge ich mich am Parlamentscomputer im Besucherbereich ein?« »Mit dem Parlamentsaccount. Das Passwort ist ›Welcome 2008‹. Steht da aber auch auf der Tastatur.« Großer Lacher.

Einem Bericht meines Lieblingsfernsehsenders Phoenix entnehme ich, dass die überalterten Volksparteien CDU und SPD permanent viele Mitglieder verlieren. Als drittstärkste Partei bei den Erstwählern dürfte die Biologie langfristig auf unserer Seite sein, denke ich. Bis ich lesen muss, dass in Köln ein 72jähriger CDU-Lokalpolitiker unter Alkoholeinfluss mit einem scharfen Revolver einem 20jährigen in die Schulter geschossen hat.

→ Sachdienliche Hinweise aus dem Netz

MS: Ich möchte die Kollegen von der @CDU nachdrücklich bitten, nicht weiter auf Erstwähler zu schießen… ZwinkerSmiley! #niewiederCDU

Die PARTEI Karlsruhe retweetet unterdessen eine lustige Auseinandersetzung zwischen den Twitter-Accounts der AfD und der Russischen Botschaft.

→ Sachdienliche Hinweise aus dem Netz

Alice Weidel: Vor 75 Jahren flohen 2,5 Millionen Deutsche vor der vorrückenden Roten Armee, völlig überhastet nur mit dem Notwendigsten auf Pferdewagen oder mit Schubkarren in den minus 20 Grad kalten Winter. Heute gedenken wir der Opfer von Flucht und Vertreibung #AfD

Botschaft der Russischen Föderation: Da sollte man sich vielleicht auch daran erinnern, weswegen die Rote Armee vorrücken musste

Lustigerweise hat die Antwort der Russen schon deutlich mehr Likes als der ursprüngliche Tweet. Um die Ulknudel der AfD ein wenig zu ärgern, antworte ich ihr ebenfalls, mit einem freundlich angemessenen #HitlerbärtchenSmiley. Wenig später liegt Weidel auf einem ehrenvollen dritten Platz, die Zahlen der Likes unter beiden Antworten steigen derart schnell an, dass die AfD-Tussi einfach alles komplett löscht.

Auch andere schwelgen dieser Tage in Erinnerungen. Eine Woche später ist in der Botschaft der Vereinigten Staaten in Dänemark zum Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz Gedenken angesagt.

→ Sachdienliche Hinweise aus dem Netz

U.S. Embassy Denmark: Heute ist der Internationale Holocaust-Gedenktag. Vor 75 Jahren befreiten amerikanische Soldaten das Lager Auschwitz-Birkenau. #WeRemember

Schlag Sahne: #WeCantRemember

Rob_Frantic: Westfront, Ostfront, dies das. Ist ja auch schon 75 Jahre her …

Hajo Thelen: Die Kurden haben auf jeden Fall nicht geholfen !!!111111elf

Hermes Shollock: Ist sowas damit gemeint, wenn man sagt, dass die Sieger die Geschichtsbücher schreiben?

Walter Ruhetag: Haben die beim »Spiegel« abgeschrieben?

Tatsächlich, ein Kontrollblick auf Twitter zeigt, der »Spiegel« hatte im Netz vermeldet: »Auschwitz war das größte Vernichtungslager der Nazis. Vor 75 Jahren wurde es von der amerikanischen Armee befreit«, damit noch 576 Likes sowie 122 Retweets kassiert und sich dann umgehend entschuldigt. Da die dänische US-Botschaft vermutlich nicht zu den verbliebenen Spiegel-Abonnenten zählt, vermute ich hinter dem Tweet eine weitere Ausprägung des in Europa zurzeit um sich greifenden geschichtsrevisionistischen Aktionismus. Auch die Präsidenten von EU-Parlament, -Rat und -Kommission, Sassoli, Michel und vonderLeyen hatten gerade offiziell & feierlich erklärt, »alliierte Truppen« hätten Auschwitz befreit. Zum 70. Jahrestag unter EP-Präsident Chulz waren es immerhin noch russische Truppen gewesen, zum 75. sind es alliierte, in der Mehrzahl.

Dann aber belehrt mich eine einfache Google-Recherche eines Besseren: Die US-Botschafterin in Dänemark heißt Carla Sands und hat weder ihr Kunststudium in Pennsylvania abgeschlossen noch den Pre-Med-Kurs, der auf ein (tier-)ärztliches Studium vorbereiten soll. Nach einer Handvoll Gastauftritten in der Soap »Reich und schön« war ihr größter beruflicher Erfolg eine Hauptrolle in dem Film »Deathstalker and the Warriors from Hell«, dritter Teil einer Fantasy-Serie, »die sich wie ihre Vorgänger durch mystischen Firlefanz, martialisches Schwertergerassel und unfreiwillige Komik auszeichnet« (Lexikon des internationalen Films). Wenig später heiratete sie den 150 Millionen Dollar schweren Immobilienhändler Fred, beförderte sich nach dessen Tod zum CEO seiner Firma und spendete rund 350 000 Dollar an Donald Trump. Der ernannte sie im Gegenzug zur Botschafterin in Kopenhagen. Unter Dänen war sie bisher nur mit ein paar ungeschickteren Äußerungen aufgefallen sowie der lauthals propagierten Forderung, das Land sollte gefälligst mehr amerikanische F-35-Kampfjets kaufen.

»Kassieren eigentlich diese dämlichen US-Botschafter Provisionen, wenn sie den Verkauf amerikanischer Rüstungsgüter ankurbeln?« frage ich meine Europapolitische Beraterin. »Dieser fiese Grenell in Berlin befiehlt der Bundesregierung doch auch ständig die Erhöhung der deutschen Rüstungsausgaben.« Sie zuckt mit den Schultern: »Na und? Es regt ja auch niemanden mehr auf, was Trump im Zuge von Erdogans Invasion in Syrien gesagt hat: Er habe seine Truppen abgezogen außer denen, die die Ölquellen unter Kontrolle haben. Er hat mehrfach getönt ›But we have the oil!‹«

»Heee, Moment, Öl scheint wichtig zu sein heutzuta… «

»Und dass viele US-Soldaten neu in Saudi-Arabien stationiert wurden, obwohl sie eigentlich aus der Region abgezogen werden sollten. Trump hat wörtlich gesagt: ›We’re sending more troops to Saudi Arabia, and Saudi Arabia is paying us for it … they’re paying us. They’ve already deposited $1 billion in the bank.‹ Man darf die US Forces jetzt offiziell eine Söldner-Armee nennen, Trump selbst sagt, dass man sie kaufen kann. Man kann sie mieten, wenn man es sich leisten kann. Zum Kindergeburtstag. Vor 20 Jahren wäre das noch eine Schlagzeile gewesen, aber heute?«

Straßburg, Plenarsaal

Wegen einer emotionalen Debatte um die kleinen Nationalflaggen auf den Tischen von Osteuropäern und Lega-Nord-Italienern verzögern sich die Abstimmungen. Egal, lese ich noch ein bisschen im Netz herum. Und habe gleich bessere Laune, als ich im »Tagesspiegel« sehe, dass über 100 Beamte der Staatsanwaltschaft diverse Räumlichkeiten von MdB Karin Strenz und ihrem Kompagnon Eduard Lintner, ehemals Bundestagsabgeordneter der CSU, durchsucht haben. Lintner, der den Aserbaidschanern als Leiter einer Wahlbeobachtungsdelegation offiziell bescheinigt hatte, ihre doch sehr grob gefälschten Wahlgänge hätten »deutschen Standards entsprochen«, hatte aus Baku über 800 000 Euro kassiert.

Katarina Barley

Bestens gelaunt verlasse ich nach den Abstimmungen den Plenarsaal, werde dabei von Katarina Barley überholt, die mit einer Assistentin schnellen Schrittes an mir vorbeizieht. »Wo ist der Fototermin? Im dritten Stock?« fragt die Assistentin energisch, bleibt stehen, schaut sich in dem doch recht komplexen Gebäude um, richtet den Blick dann nach oben: »Wo ist der dritte Stock?« Auch wenn die Damen zur politischen Konkurrenz gehören, will ich nicht unhöflich sein: »Der dritte Stock ist zwischen dem zweiten und dem vierten. Aber: Es ist zu spät für Fototermine!« Während die Assistentin mich irritiert fixiert, lächelt Barley mich an und sagt mit leichter Resignation in der Stimme: »Es ist zu spät für alles.«

Brüssel, Büro

Stimmt doch gar nicht! Die »Berliner Zeitung« veröffentlicht neue Umfragewerte. Laut Forsa kommt die FDP in Berlin, wo sie in der EU-Wahl noch hinter uns gelegen hatte, auf überraschende sechs Prozent; allerdings kann man dem Kleingedruckten entnehmen, dass die Umfrage noch vor der idiotischen Zirkusnummer in Thüringen durchgeführt worden war. Der graue Balken der PARTEI steht bei soliden zehn Prozent, irritierenderweise steht allerdings »Sonstige« darüber.

Jeder 10. wählt Sonstiges

→ Sachdienliche Hinweise aus dem Netz

Marco Bülow: Wäre es mal möglich, wenn 10% Sonstige auswählen mal aufzuzeigen, wer da im Einzelnen mit gemeint ist? Sind fast doppelt so viele, wie FDP wählen. Z.B. Die PARTEI?

MS: Solln wa uns nu in SONSTJE umbenenn, wa, Forsa? BaliiinSmiley!

Autobahn Brüssel-Straßburg

Als ich im Deutschlandfunk den Vorschlag Christian Lindners höre, in Thüringen jetzt eine Expertenregierung einzusetzen, ein Vorschlag, den zuvor schon Höcke von der AfD gemacht hatte, verliere ich die Nerven und schreibe bei Tempo 140 einen Tweet.

→ Sachdienliche Hinweise aus dem Netz

MS: Nach all dem, was er angerichtet hat mit seinen machtlüsternen Markt-Radikalinskis – könnte Christian Lindner jetzt bitte einfach mal drei Tage die Fresse halten? KeinSmiley

Straßburg, Parlament

VonderLeyen (Abb. ähnl.)

Die Vorgänge in Thüringen, das permanente Gleichsetzen von Links und Rechts, des sympathischen Sozialdemokraten Bodo Ramelow mit unsympathischen Nazis wie Höcke ist ein Anlass, einmal mit der ebenso unsinnigen wie wirkungsvollen »Hufeisen-Theorie« aufzuräumen, die wohl als das erbärmlichste politische Analyse-Angebot des 21. Jahrhunderts in die Geschichte der Demokratie eingehen dürfte. Zumal die Blaupause für den Kulturbruch, sich von Rechtsradikalen ins Amt wählen zu lassen, aus Brüssel stammt: Ursula vonderLeyen hatte schon vor Monaten heftig um die entscheidenden Stimmen von Rechtsnationalisten der polnischen PISS-Partei und der ungarischen Abgeordneten Victator Orbáns geworben. (Merkel hatte extra noch Paul Ziemiak nach Polen geschickt, zu geheimen Verhandlungen beim Picknick von Jaroslaw Kaczynski. Polnische Medien hatten es stolz ausgeplaudert.) Und war mit diesen knapp gewählt worden. In einer 60-Sekunden-Rede ist dieses Thema nicht zu schaffen, deswegen beantragt Büroleiter Hoffmann einen 20-Minuten-Slot vor einer Parlamentskamera.

Straßburg, Medienbereich des Parlaments

Zur Illustration einer kleinen Kritik des Hufeisen-Theorems hat Praktikantin Amelie mir zwei repräsentative Armbinden gebastelt. Schwierigkeiten erwarten wir nicht, Hammer & Sichel auf der einen Seite werden von einem Hakenkreuz auf der anderen Seite locker wieder ausgeglichen.

Leider ist die letzte Kameraposition hinten in der Ecke besetzt, ich muss vorne am Gang sprechen, in Sichtweite aller MEPs, die zwischen Plenarsaal und MEP-Bar verkehren. Während ich noch fix einen Tweet zur Stürmung der Blackrock-Zentrale in Paris formuliere, erklärt Büroleiter Hoffmann den beiden Technikern die Situation, dann legen wir los.

→ Sachdienliche Hinweise aus dem Netz

Die Franzosen stürmen Blackrock, in Deutschland wird diskutiert, ob ein Blackrock-Mann Kanzlerkandidat werden soll… #Fotzenfritz

Böse Blicke einer osteuropäischen MEP neben mir begleiten meinen Aufsager. Nach der Frage »Was ist das eigentlich für ein Land, in dem einem auf Anhieb mindestens fünf gefährliche Rechtsextremisten einfallen, aber kein einziger gefährlicher Linksextremist außer Johannes Kahrs?« reiße ich die Hammer-und-Sichel-Binde herunter, drei Sätze später auch das Hakenkreuz.

David-Maria Sassoli

Normalerweise erhält man seine Filmdatei vom Mediendienst des EP etwa eine Stunde später per Mail zugestellt. Diesmal nicht. Büroleiter Hoffmann fragt mehrmals telefonisch nach, wird mit fadenscheinigen Ausreden bis abends vertröstet. Schließlich wird er persönlich vorstellig beim Leiter der Kommunikation und erfährt, dass ausgerechnet in dem Moment, als ich lediglich noch mit einer Hakenkreuz-Binde geschmückt in die Kamera polemisierte, ein doch recht irritierter Parlamentspräsident Sassoli vorbeilief. Der habe wenig Verständnis für meinen Aufzug gezeigt und sofort die Auslieferung der Datei untersagt. Hoffmann knurrt, das sei Zensur, und bittet das Büro des Präsidenten um eine Stellungnahme. Die erfolgt am nächsten Morgen schriftlich: Präsident Sassoli befürchtet, die kleine Rede werde »die Würde des Hauses beschädigen«. Smiley. Sein Vorgänger, der Mussolini-Verehrer Tajani, hätte mir vermutlich Pralinen geschickt. Wir verfassen eine kurze Pressemitteilung und beschließen, die Rede am Freitag in Brüssel einfach selbst noch einmal aufzunehmen. Und das tun wir dann auch. Hier ist sie zu sehen:

→ Sachdienliche Hinweise aus dem Netz

Johannes Kahrs: »Was ist das eigentlich für ein Land geworden, in dem einem auf Anhieb fünf gefährliche Rechtsextremisten einfallen – aber kein einziger gefährlicher Linksextremist? Außer Johannes Kahrs.« Gerade im Stern Online gelesen. Ist von Sonneborn

MS: Ich bitte um Verzeihung, lieber Johannes Kahrs, ich wollte Ihnen nicht schmeicheln… Smiley!

 

 


 

Achtung, Durchsage: Dieser Bericht wurde aus Mitteln des Europäischen Parlamentes finanziert und zeigt möglicherweise ein Zerrbild desselben.

ausgewähltes Heft

Aktuelle Cartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Aufgewacht, Frank-Walter Steinmeier!

Spitznamen aus früheren Zeiten hat nun wirklich jeder. »Mecki« alias Kurt Beck oder »Alec Baldwin« für Klaus Wowereit sind durchaus plausibel, und selbst »Acker« aka Gerhard Schröder können wir irgendwie herleiten. Aber jetzt mussten wir auf Wikipedia lesen, dass Ihre Jugendfreunde Sie einst »Prickel« benamsten, und kommen aus dem Grübeln seither nicht mehr heraus: War es, weil Sie Leckermäulchen gern das beliebte BRD-Brausepulver »Prickel Pit« naschten oder nonstop die süßesten Schaumweine wegschädelten in der endlosen Einsamkeit des Lipperlands?

Hat der Uzname vielleicht eine geheime plattdeutsche Bedeutung, so in Richtung Ödling, Schnarchsack, Statist? Oder lag es vielmehr an Ihrer ehemals erotischen Ausstrahlung oder Ihren nervenzerfetzenden Wortbeiträgen, und sei’s im Lateinunterricht? Ja, handelt es sich gar um ein kryptisches Kofferwort, z.B. aus Prügelknabe und Pickel, oder am Ende schlicht und ergreifend um allergehässigste juvenile Ironie?

Übersprudelnde Grüße Titanic

 So nicht, bumsfidele »Bild«!

Hast wohl gedacht, Du könntest uns mit der Schlagzeile »So verdoppeln und verdreifachen Sie Ihr Kindergeld!« hinter Deine Paywall locken, was? Von wegen! Den Trick kennen wir schon, dauert etwa neun beziehungsweise achtzehn Monate!

Kindsköpfig: Titanic

 Fertiggerichte!

Die Info, dass Ihr zu schlechten Blutwerten, Übergewicht, Heißhunger etc. pp. führt, ist ja schon so alt wie die in Euch verkochten Zutaten. Aber was Rtl.de jetzt zu berichten wusste, schlug uns trotzdem auf den Magen: »Eine neue Studie von Wissenschaftlern der spanischen Universität von Navarra gibt deutliche Hinweise darauf, dass uns der regelmäßige Verzehr von Fertiggerichten schneller alt werden lässt.«

Das also auch noch? Man muss schon zugeben: Ihr lasst in puncto negative Auswirkungen nichts anbrennen. Und da wurde uns endlich klar, warum Ihr Euch in Wahrheit »Fertiggerichte« nennt: Weil Ihr uns komplett fertigmacht!

Ist fertig mit Euch: Titanic

 Als Sie, Friedrich Merz,

Als Sie, Friedrich Merz,

jetzt von der Online-»Bild« in Riesenlettern zitiert wurden mit »Ich lasse mich nicht ZERMÜRBEN«, war unser erster Gedanke: Wie passend – Sie gehen uns schon seit langem gehörig auf den KEKS.

Heute mal kurz und knackig: Titanic

 Irgendwie schade, Almut Patt,

CDU-Kandidatin zur OB-Wahl in Chemnitz, dass Sie gegen Herausforderer Schulze von der SPD direkt verloren haben. Wir hätten uns ja so was wie ein Unentschieden gewünscht, ein Remis quasi, eine Stichwahl, so etwas in der Art. Letztlich sind wir aber doch froh, denn schließlich haben Sie verloren.

Schach und Matt: Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Spiritueller Austausch

Vom Kloster Andechs ist zu lesen, dass es sich »speziell auf ausgebrannte Manager spezialisiert, die zurück zu sich selbst finden möchten«. Toll wäre natürlich, wenn im Gegenzug unausgebrannte Mönche an die Börse geschickt würden!

Elias Hauck

 Hiermit erkläre ich der Bundeswehr den Krieg

Bei den vielen rechtsextremen Netzwerken der Bundeswehr konnte ich ja noch ein Auge zudrücken, aber nach den jüngsten Entwicklungen ist der Laden bei mir echt unten durch: Ich war extra früher aufgestanden, um mir vor Reisebeginn beim einzigen Verkaufsstand im Bahnhof Hof noch ein schönes Schokocroissant zum Frühstück zu kaufen, da informierte mich eine uniformierte Soldatin: »Die machen erst um acht auf.« Also begab ich mich traurig und hungrig in meinen Zug, der schon um 7:57 Uhr loszuckeln sollte. Fünf Minuten vor Abfahrt stieg dann ebenjene Soldatin mit drei dampfend-warmen Backwarentüten und einem herrlich duftenden Kaffee aus dem besagten Geschäft zu.

Cornelius W.M. Oettle

 Naturgesetz

In gewissen Abständen gibt es ein großes Bambussterben, alle Bambusse gehen zur gleichen Zeit ein, denn sie stammen aus der gleichen Züchtung. Bei Kugelschreibern ist es ähnlich, wenn einer leer ist, sind spätestens am nächsten Tag auch alle anderen leer.

Miriam Wurster

 Geschäftsidee zu verschenken

Erfolgreiche Kriminelle müssen bekanntlich mit der Zeit gehen. Ich schlage daher folgendes Konzept vor: Über Zwischenmietportale, möglichst unter falscher Identität, immer wieder Wohnungen in größeren Städten anmieten, diese dann aber ausschließlich dafür nutzen, im großen Stil gegen Geld E-Scooter aufzuladen (»juicen«). Und wenn dann die Jahresendabrechnung des Stromanbieters kommt, sind die E-Juicer-Mietnomaden natürlich längst mir ihren Rollern über alle Berge gesaust. Ja, was macht ihr dann, Airbnb-Abzock-Vermieter?

Julia Mateus

 Einerseits, andererseits

Einerseits: Ich bin der Größte, die Steuer ist endlich abgeschickt! Andererseits: Wehe, jetzt geht die Welt unter und ich Trottel hab noch die Steuer gemacht!

Felix Scharlau

Vermischtes

Torsten Gaitzsch/Sebastian Klug: "Akte D: Die Wahrheit über Deutschland"
Die Redaktion versichert: Torsten Gaitzsch und Sebastian Klug, die  Autoren dieses Buches, wissen Dinge – schreckliche Dinge! – von denen  Sie, die Leser, nicht einmal zu träumen wagen. Denn es wären Alpträume!  Wählen Sie diese Prämie und erhalten Sie Einblicke in die tiefsten  Abgründe Deutschlands, die Sie wahnsinnig lachend und mit Schaum vor dem  Mund zurücklassen werden. Bisher hat es kein Leser bis zur letzten  Seite geschafft…Elias Hauck (Hrsg.): "Alles Spargel oder was?"
Endlich ist ganzjährig Spargelsaison! Elias Hauck, die eine Hälfte von Hauck & Bauer und Herausgeber des Frauenmagazins "Sonja", serviert die reifsten Spargelwitze der Welt – gezeichnet und erzählt von dutzenden gemüseliebenden Cartoonisten und Autoren. Lachen Sie unter anderem über: den mit den polnischen Erntehelfern, den mit dem kaputten Spargelschäler und den mit der Fliege in der Hollandaise.Wenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
Zweijahres-Abo: 117,80 EURFriedemann Weise: "Die Welt aus der Sicht von schräg hinten"
Laut seiner Homepage ist er der "King of Understatement" und der "lustigste Mensch im deutschsprachigen Internet". Er ist aber auch Gitarrenmann, Viralblogger (15000 Follower!), Gagautor und Promiexperte mit Diplom. Die Rede ist von Friedemann Weise, dem Mann mit dem Namen! Der Mann, der den "Satiropop" erfand. Und jetzt auch noch ein Buch vorlegt. Ob das gutgeht? Ordern Sie diese Prämie und teilen Sie Ihr vernichtendes Urteil bitte zeitnah der TITANIC-Redaktion mit.Kamagurka & Herr Seele: "Cowboy Henk"
Er ist Belgier, Kamagurka. Belgier! Wissen Sie, was der Mann alles durchgemacht hat in letzter Zeit? Eben, er ist Belgier. Und hat trotzdem in einem Finger mehr Witz als Sie im ganzen Leib! Und Heldenmut! Glauben Sie nicht? Dann lassen Sie sich von Cowboy Henk überzeugen, dem einzigen Helden, der wirklich jeden Tag eine gute Tat begeht.
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Fuck, dieses Buch sollte man gelesen haben, wenn man  kein übelst versiffter Wichser sein will. Schmähungen und böse Wörter  machen das Leben echt oberarschmäßig zum Kotzen. Vielleicht kapieren Sie  Versager das endlich, wenn Sie Henschels neuesten Streich gelesen  haben. Können Sie überhaupt lesen? Wahrscheinlich nicht. Trollen Sie  sich, Sie Wicht! Aber trotzdem abonnieren und diese Top-Prämie wählen.Heiko Werning: "Vom Wedding verweht – Menschliches, Allzumenschliches"
Es ist dies Buch etwas ganz besonderes: Heiko Werning, renommierter  Forscher aus Berlin, lag jahrelang in seinem Kiez, dem Wedding, auf der  Lauer. Kein Ereignis entging ihm, der Wedding konnte ihm nichts,  aber auch gar nichts verheimlichen. Abgründe, tiefe Täler und  menschliche Katastrophen – erfreuen Sie sich an heiteren G’schichterl,  die Werning noch so einen Urenkeln erzählen wird.Hauck & Bauer: "Ich kann einfach nicht Wein sagen"
Die beste Zeit, einen Band des Zeichnerduos Hauck & Bauer zu kaufen – sie ist seit sicher zehn Jahren vorbei. Heute sind die Werke von Elias Hauck und Dominik Bauer kein Geheimtip mehr. Die zerstrittenen Künstler kommunizieren inzwischen ausschließlich per Fax, leben in luxussanierten Altbauwohnungen mit kugelsicheren Whirl- und Autorenpools, in denen hungernde Leiharbeiter Comics anfertigen müssen. Leider ist auch der neueste Band der beiden Ausbeuter sehr gut, bestellen Sie hier!Die PARTEI-Wahlwerbungs-DVD mit allen vier Wahlwerbespots aus dem Bundestagswahlkampf 2005: Höhepunkte der Politpropaganda, die von Otto Schily mit dem Prädikat "ein Skandal" ausgezeichnet wurden. Besser aufgelöst als auf Youtube und noch dazu mit einer praktischen, farbechten Hülle drumrum - das ist doch was, was?Sonneborn/Gsella/Schmitt:  "Titanic BoyGroup Greatest Hits"
20 Jahre Krawall für Deutschland
Sie bringen zusammen gut 150 Jahre auf die Waage und seit zwanzig Jahren die Bühnen der Republik zum Beben: Thomas Gsella, Oliver Maria Schmitt und Martin Sonneborn sind die TITANIC BoyGroup. In diesem Jubiläumswälzer können Sie die Höhepunkte aus dem Schaffen der umtriebigen Ex-Chefredakteure noch einmal nachlesen. Die schonungslosesten Aktionsberichte, die mitgeschnittensten Terrortelefonate, die nachdenklichsten Gedichte und die intimsten Einblicke in den SMS-Speicher der drei Satire-Zombies – das und mehr auf 333 Seiten (z.T. in Großschrift)! 
Zweijahres-Abo: 117,80 EURHans Zippert: "Fernsehen ist wie Radio, nur ohne Würfel"
Die steile Karriere des Hans Zippert begann im Jahr 1967 mit einem  Schülerpraktikum beim Kulturmagazin "TV Spielfilm". Nach einem  Volontariat bei "TV Direkt" übernahm er das angesehene 20-Uhr-15-Ressort  bei "TV Okayokay", bevor er schließlich Programmchef der auflagestarken  "TV Superwoche" wurde. Nachdem er über einen Bestechungsskandal rund um  eine 3-Sterne-Empfehlung für "Rote Rosen" stolperte, sah sich Zippert  1990 gezwungen, Chefredakteur von TITANIC zu werden. Der Tiefpunkt war  erreicht. Das alles und noch mehr erfahren Sie in diesem Buch!
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Titanic unterwegs
10.12.2020 Zürich, Kosmos Max Goldt
24.01.2021 Amberg, Luftmuseum »Luft? – Sehr witzig! Eine Cartoonschau«
07.03.2021 Frankfurt, Museum für Komische Kunst Hauck & Bauer: »Cartoons«