Inhalt der Printausgabe

Die PARTEI informiert


Martin Sonneborn (MdEP)
Bericht aus Brüssel
Folge 4

»Man soll nur von Europa sprechen, denn die deutsche Führung ergibt sich ganz von selbst.«

Außenpolitisches Amt der NSDAP

Brüssel / Berlin

Büroleiter Dustin Hoffmann meldet sich aus Brüssel: Unsere beiden Telefone im Büro klingeln Sturm. Nigel Farage, Führer der europafeindlichen britischen Ukip-Partei im EU-Parlament, telefoniert hinter mir her. Dem Vorsitzenden der Fraktion »Europe of Freedom and Direct Democracy« (EFDD) ist eine lettische Abgeordnete von der Fahne gegangen, und wenn nicht schnell Ersatz gefunden wird, verliert die EFDD ihren Fraktionsstatus.


Sachdienlicher Hinweis von The Local

The EFDD will lose millions of euros a year in funding and speaking time in the parliament if it cannot find another MEP. EU parliamentary groups need 25 MEPs from at least seven different countries to form an alliance. As a German, Sonneborn, who is leader and one of the founders of satirical party Die Partei, would ensure the EFDD included representatives from enough countries.


Von: FARAGE Nigel <nigel.farage@europarl.europa.eu>
Betreff: Press release
An: HOFFMANN Dustin <dustin.hoffmann@europarl.europa.eu>

Dear Dustin, if Mr Sonneborn wants to help us fight the Establishment in the name of democracy that would be great! My phone number 00000000 17 003


Sachdienlicher Hinweis des Guardian

German dadaist party offer to save Ukip group in European parliament Sonneborn, whose Die Partei gained 0.6% in the European elections thanks to such incisive slogans as »Merkel is stupid« and »Hands off German willies: no to the EU penis-norm« had told the Guardian of his desire to win over Farage’s party for an »alliance of idiots and fools« in May, and reiterated his desire to see Britain leave the EU this week. Sonneborn describes himself as a »committed European, as committed as Napoleon and Hitler.«


Nigel Garage, Pardon: Farage

Ich überlege eine halbe Stunde. Einerseits ist Nigel Farage ein nicht ganz unsympathischer Querulant, der seinen Spaß daran findet, unseren Chef zu ärgern (»Martin Schulz wäre als Präsident besser in einer Bananenrepublik aufgehoben!«), andererseits ist seine Partei absolut nicht zurechnungsfähig, die dicklichen Ukip-Krawallschachteln im Kulturausschuß sind mir schon mehrfach unangenehm aufgefallen. Allerdings wäre es auch nicht uninteressant, in jeder Diskussion innerhalb der Fraktion mit Rücktritt drohen zu können … Smiley! Aber ist Politik nicht auch die Kunst des Verhandelns, des Ausgleichs, des Gebens und Nehmens? Doch doch, ist sie. Gut, ich werde zusagen, allerdings unter einer Bedingung.


Sachdienlicher Hinweis von The Local

Mr Sonneborn replied to me that he would consider joining the group under the condition of renaming it into »Sonneborn’s EFDD – Sonneborn’s Europe of Freedom and Direct Democracy«.


Die Zahl der Anrufe und eingehenden Mails im Brüsseler Büro nimmt schlagartig ab und reduziert sich wieder auf ein verträgliches Maß. Büroleiter Hoffmann geht erleichtert in die Sauna.


Sachdienlicher Hinweis der FAZ

Nur wenige Tage nach dem Austritt der lettischen Europaabgeordneten weist der euroskeptische Zusammenschluss »Europa der Freiheit und der direkten Demokratie« im Europäischen Parlament wieder Fraktionsstärke auf. Wie der britische Fraktionsvorsitzende Nigel Farage erklärte, zählt die EFDD nach der Aufnahme des polnischen Abgeordneten Robert Iwaszkiewicz wieder 48 Abgeordnete aus sieben EU-Mitgliedstaaten.

Die Partei Kongreß der Neuen Rechten (KNP), zu der Iwaszkiewicz zählt, ist am rechten Rand des politischen Spektrums angesiedelt. Der sozialdemokratische Fraktionsvorsitzende Gianni Pittella bezeichnete Iwaszkiewicz als Monarchisten, der zudem der Ansicht sei, »daß es eine gute Sache ist, Frauen zu schlagen«.


Sachdienlicher Hinweis von The Local

It’s a shame because Sonneborn – who courted controversy in 2011 by covering his face in black make-up for a billboard spoofing US President Barack Obama – and UKIP leader Nigel Farage share the same dream – Britain’s exit from the EU. »It doesn’t belong to the continent, just take a look at the map«, Sonneborn said. »I also like to stand in front of pubs drinking beer, so there’s another thing that unites us«, he added, referring to Farage’s enthusiasm for being photographed with a beer in hand.


Straßburg, Plenum

Nach siebenstündiger Zugfahrt schaue ich abends um 18:30 Uhr noch mal schnell im Parlament vorbei. Eine kurze Unterschrift in der Anwesenheitsliste sichert mein Tagegeld von 304 Euro für diesen Tag, und wenn ich schon da bin, kann ich auch einen Blick ins Plenum werfen. Auf dem Weg zu meinem Sitzplatz fällt mir auf, daß kaum Kollegen vor Ort sind, aber unter den wenigen Anwesenden befinden sich alle meine irren Nachbarn: die komplette FPÖ-Mannschaft, Udo Voigt und mehrere Vertreter der AfD. Vor ihrem Mißtrauensantrag gegen Juncker am nächsten Tag gibt es offenbar die übliche Aussprache, und der rechte Flügel hält ein paar seiner Ein-Minuten-Reden, die nur sehr geringe Chancen haben, in die Geschichtsbücher einzugehen.

Der unrasierte AfD-Immobilienmakler (bekannt aus Folge 2) erblickt mich, mustert meinen Billiganzug und wirft dann einen Blick auf meine Schuhe, ganz normale Caterpillar-Arbeitsschuhe mit Schutzkappen, die ich an den unteren Enden meines Körpers trage, um auf dem politischen Parkett nicht ins Schleudern zu geraten: »Ah«, ruft er triumphierend, »die Schuhe verraten Sie!« Ich schaue an der Alternative für Deutschland herunter, sehe braune Lederschuhe und entgegne: »No brown after six, please!« Obwohl er das vermutlich fälschlicherweise nur auf seine Schuhe bezieht, zieht er sich zurück. Ich tue desgleichen, lasse mich vom Fahrdienst ins Hotel bringen. Morgen kommt der Papst; mit dem letzten hatten wir Ärger, da will ich lieber ausgeschlafen sein.


Sachdienlicher Hinweis des Fahrers

»Merci beaucoup, fünf Euro, danke vielmals! Wer am wenigsten Trinkgeld gibt? Die Polen. Als nach dem Mauerfall die Abgeordneten aus dem Ostblock ins Parlament kamen, haben die mir anfangs oft Hustenbonbons in die Hand gedrückt. Oder Kaugummis. Aber am geizigsten sind die Italiener. Viele haben eine App, mit der kann man sich ›anrufen‹ lassen. Wenn das Parlament in Sicht kommt, klingelt plötzlich ihr Handy, ›Pronto?‹ dann Blablabla und ›Ciao, ciao, mille grazie‹ und weg sind sie …«


Straßburg, Plenum

Der Papst hält eine gute, humanistisch geprägte und viel beklatschte Rede vor dem Parlament. Martin Chulz* charakterisiert sie als »politiche Rede, die Orientierung bietet in einer orientierungslosen Zeit«. Warum wird sie dann keine Auswirkungen auf die Europapolitik haben? Und warum bezeichnet er sie nicht lieber z.B. als »päpstliche« Rede, das kann er vollkommen korrekt aussprechen?

Bei einer der Abstimmungen später passiert es. Anfangs stimme ich ganz locker und unangestrengt vor mich hin, abwechselnd mit JA ZU EUROPA und NEIN ZU EUROPA, variiere nur manchmal, um gegen Rechts zu votieren, wenn mein FPÖ-Nachbar zu sehr nervt und mich bittet, doch mal mit ihm zu stimmen, gegen Juncker zum Beispiel, es dem Establishment zeigen, ob ich denn keine Eier hätte, etc. Als das Tempo anzieht, wird es anstrengend, im Sekundentakt wird abgestimmt. Büroleiter Hoffmann wird später nachzählen, 204 Abstimmungen in 40 Minuten! Den Arm hebe ich schon lange nicht mehr, die Nationalen haben einfach besser trainierte rechte Oberarme. Nur bei den namentlichen elektronischen Abstimmungen bin ich aus Überzeugung*** weiterhin dabei. Auf einmal schreckt mich ein Blick auf die elektronische Anzeigetafel auf: A8-0037/2014 § 22, Abst. 3: 343 zu 342. Irgend etwas wurde gerade mit lediglich einer Stimme Mehrheit angenommen. Mein Blick fällt auf das grüne JA-Lämpchen an meinem Abstimmgerät: Verdammt, ich habe tatsächlich gerade eine Abstimmung entschieden! Jetzt muß ich dringend herausfinden, was ich da getan habe …


Sachdienliche Hinweise aus dem Internet ****

Hans Bogenschütz Wahrscheinlich das neue Ökosiegel für Topflappen!!

Christian Woldt TTIP durchgewunken? Weil nach einem NEIN ZU EUROPA wieder ein JA fällig war?

Erik To Was sind Sie denn für ein Politiker, wenn Sie sich Sorgen machen, was Sie getan haben?

Stu Art Im Zweifel sagste immer »Da war ich Kreide holen«

Uwe Heller Lassen Sie Clint Eastwood, Pardon, Dustin Hoffmann ermitteln…

Niklas Hüttner Egal. Läuft bei dir!

Richard LaFleur Dafür wähle ich Die PARTEI. Gute Arbeit, weiter so!

Grit Michelmann Und was macht das jetzt mit Ihnen? Kommen Sie da nicht doch in die Versuchung vor der nächsten Abstimmung nachzudenken und tatsächlich zu entscheiden?
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Martin Sonneborn Nein. Warum?
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Frank Röske Wir haben ihn nicht gewählt, daß er aufpaßt, was er macht!

Carsten Todt Denken Sie über die Konsequenzen Ihres Handelns nach! Wenn Ihr das Ganze nicht sowieso schon zum Zirkus gemacht hättet…

Kiko Mann, ich finde, man sollte sich den Satz (§ 22/3), für den Herr Sonneborn gestimmt hat (und der dann mit einer Ein-Stimmen-Mehrheit als angenommen im sogenannten Stier-Bericht verbleibt!), mal auf der Zunge zergehen lassen: »Das Europaparlament betont, daß in einer weitgehend globalisierten Wirtschaft die Verhandlungsmacht der Arbeitnehmer durch Liberalisierungsprozesse geschwächt wird und dies die Einhaltung der in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte und in der Agenda für menschenwürdige Arbeit aufgeführten Rechte gefährdet.«

Martin Sonneborn Puh, zum Glück hab ich nicht aus Versehen Europa kaputtgemacht … Doppelsmiley!


 


* Kann dialektbedingt immer noch kein »sch« aussprechen. Warum schreibt ihm sein Redenchreiber** keine sch-freien Reden?

** Mit Redenschreibern ist das so eine Sache, meiner ist bekanntlich depressiv und leitet mir statt ausgefeilter Reden Spam-Mails ins Plenum: »Wieso verdient diese Oma 459 Euro pro Tag und Sie NICHT?«

*** Büroleiter Hoffmann hat mich überzeugt, daß mir die halbe Bürojahrespauschale entzogen wird, wenn ich nicht an mindestens 50 Prozent der Abstimmungen teilnehme.

**** Der allgemein gebräuchlichen Rechtschreibung angepaßt.

ausgewähltes Heft

Aktuelle Cartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Einfach mal kreativ sein, Rishi Sunak!

Der BBC sagten Sie: »Ich bin nicht sicher, ob sich die Leute so sehr für meine Ernährung interessieren, aber ich versuche, zu Beginn jeder Woche etwas zu fasten.« Wir glauben, dass Ihre Unsicherheit berechtigt ist: An Ihren Beliebtheitswerten kann man ablesen, dass sich das Interesse an Ihren Gewohnheiten in Grenzen hält.

Das ließe sich aber leicht ändern: Bei den ganzen verschiedenen Varianten wie TV-, Auto- und Plastikfasten gäbe es bestimmt auch für Sie etwas, durch das Sie die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit »eight days a week« auf sich zögen. Wie wäre es z. B. mit Abschiebungsfasten, Verbrennerverbotverzögerungsfasten oder Zweiteamtszeitfasten?

Nur dass Sie gerade beim Thema »Neuwahlen« dem Verzicht huldigen, sollten Sie nach Ansicht der Mehrheit Ihrer Landsleute schleunigst ändern. Zwischendurch kann man sich doch auch ruhig mal was gönnen, oder?

Mampft Ihre Scones mit Clotted Cream und reichlich Marmelade gleich mit: Titanic

 Bonjour, Marine Le Pen!

Bonjour, Marine Le Pen!

Das Potsdamer Treffen der AfD mit anderen extremen Rechten war selbst Ihnen zu heftig: Sie seien nie für eine »Remigration« in dem Sinne gewesen, dass Französinnen und Franzosen ihre Nationalität entzogen würde, selbst wenn die Einbürgerung unter fragwürdigen Bedingungen geschehen sei, meinten Sie und fügten hinzu: »Ich denke also, dass wir, wenn es denn so ist, eine krasse Meinungsverschiedenheit mit der AfD haben.«

Keine Ahnung, Le Pen, ob Sie mit dieser Haltung eine Chance aufs französische Präsidentenamt haben. Ministerpräsidentin von Thüringen würden Sie mit diesem Weichei-Schlingerkurs aber ganz sicher nicht!

Schon ein bisschen enttäuscht: Titanic

 Na, na, na, welt.de!

»Warum ›Barbie‹ klüger ist als alle anderen nominierten Filme zusammen«, titeltest Du in Deinem Feuilleton bezüglich der diesjährigen Oscar-Kandidaten. Allein: Wir haben noch mal den Taschenrechner gezückt, und wenn man auch die Dokumentar-, Kurz- und Dokumentarkurzfilme berücksichtigt, sind alle anderen nominierten Filme zusammen exakt 1,76 Klugheitspunkte klüger als »Barbie«.

Welches Medium dümmer ist als alle anderen Medien zusammen, braucht hingegen nicht nachzurechnen: Titanic

 Dir, Tod,

gefiel es im Jahr 2010, im Abstand von einem Tag Bärbel Bohley (11. September) und Claude Chabrol (12. September) abzuberufen, worauf wir damals in unserer Online-Rubrik »Fakt vs. Frage« scharfsinnig spekulierten, als Nächstes treffe es nun wohl Dieter Dehm, Erhard Eppler und Frank Farian. Knapp daneben! Denn Frank Farian holtest Du erst dieses Jahr, am 23. Januar – nicht ohne vorher noch die Büchnerpreisträgerin Elke Erb (22. Januar) abzuräumen.

Und langsam durchschauen wir Dich, Gevatter: A darf leben, B und C müssen sterben; D darf leben, E und F müssen sterben …

Um es kurz zu machen: Gundula Gause ist, trotz ihres boulevardmedial großflächig breitgetretenen Schwächeanfalls vom Dezember (Bild: »total unnötig«, »hätte mich krankmelden sollen«), fürs Erste fein raus, während Heimatsänger Hansi Hinterseer und Malertochter Ida Immendorff sich lieber schon mal das letzte Hemd anziehen sollten. Stimmt’s?

Gruselt sich vor der Antwort: Titanic

 Moin, Hamburger Craft-Brauerei ÜberQuell!

Dein Firmenname zeugt ja bereits von überschäumender Wortspiellust, aber so richtig freidrehend auf die Kacke haust Du erst bei den Bezeichnungen Deiner einzelnen Biersorten: Die heißen nämlich zum Beispiel »Supadupa IPA«, »Palim Palim Pale Ale«, »Pille Palle Alkoholfreies Ale« oder sogar »Franzbrewtchen Imperial Pastry Brown Ale«. Auweia!

Gerade bei Letzterem, das außerhalb Hamburgs von vielen gar nicht zu entschlüsseln sein dürfte, mussten wir, obschon viel gewohnt, dann doch schlucken, weil uns allein der Name innerhalb von Sekunden pappsatt und sturzbetrunken machte. Er erschien uns einfach zu brewtal, fast schon brauenhaft! Auf Dein Bier haben wir dann lieber verzichtet.

Aus der Ausnüchterungszelle grüßt trotzdem: Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Nach Explosion in der Molkerei

Alles in Butter.

Loreen Bauer

 Authentisch

Jedes Mal, wenn mir ein bekennender Feinschmecker erklären will, wie aufwendig ein echt italienisches Risotto zubereitet gehört, habe ich das Gefühl, es würde stundenlang um den heißen Brei herumgeredet!

Mark-Stefan Tietze

 Pandemisches Passionsspiel

Die Erfahrungen aus der Coronazeit wirken teils immer noch nach. So fragt man sich heute bei der Ostergeschichte: Hat Pontius Pilatus, als er seine Hände in Unschuld wusch, dabei zweimal »Happy Birthday« gesungen?

Jürgen Miedl

 Und das Brot erst!

Einen Krankenwagen rufen, ohne sich in Schulden zu stürzen, mehr Urlaubs- als Arbeitstage, Bier zum Frühstück: Deutschland ist toll. Mit solchen Takes können US-amerikanische Influencerinnen hierzulande natürlich punkten. Aber betreiben sie damit nicht einfach nur billiges Kraut-Pleasing?

Alexander Grupe

 Lauf, Junge!

Die Ordner bei einem Fußballspiel würden sich wesentlich mehr Mühe geben, wenn sie bei der Jagd nach dem Flitzer auch nackt sein müssten.

Rick Nikolaizig

Vermischtes

Erweitern

Das schreiben die anderen

Titanic unterwegs
03.03.2024 Stuttgart, Merlin Ella Carina Werner
05.03.2024 Frankfurt am Main, Club Voltaire »TITANIC-Peak-Preview«
06.03.2024 Nürnberg, Bernsteinzimmer Thomas Gsella
06.03.2024 Köln, Volksbühne Martin Sonneborn