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TITANIC Sports: Der Pre-Liveticker

Diesmal: Deutschland vs. Schottland  

Deutsche Schlaganfall-Hilfe, Robert-Koch-Institut und die superlaute Nachbarin von gegenüber empfehlen Ihnen sechs bis acht Stunden Schlaf? Und doch haben Sie gerade gelesen, dass das Fußballspiel erst 21:00 Uhr angepfiffen wird? TITANIC meint: Pfeifen Sie drauf! Wir prophezeien die wichtigsten Szenen des Kicks, sodass Sie wie gewohnt ab 20:00 Uhr auf der Couch wegdämmern und morgen an der Autowaschanlage trotzdem mitschimpfen können!

0. Minute: Prominenz auf der Tribüne: Markus Söder in Tarnfleck und Gummistiefeln, die Podcaster Felix Lobrecht und Tommi Schmitt sitzen links und rechts (Schmitt) von Franziska Giffey. Schmitt schwenkt ironisch eine Reichskriegsflagge. So geht unverkrampfter, cooler Patriotismus!  

1. Minute: Trotz der nach den Vorfällen im Champions-League-Finale erhöhten Sicherheitsmaßnahmen beginnt das Spiel mit drei Flitzern. Einer davon, Ersatzkeeper ter Stegen, wird von den Münchner Ordnern besonders rüde zu Boden gerungen. Die Trachtler treten ihm mehrmals in den Bauch: Milzriss, EM-Aus.  

2. Minute: "Wieder zu Gast bei Freunden" heißt das EM-Motto (Jung von Matt SPORTS, C. Metzelder). Hoffen wir, dass die Gastgeschenke nicht allzu großzügig verteilt werden.  

3. Minute: Tooor für Schottland. McGinn umkurvt die deutsche Abwehr, der Ball hoppelt an Neuer vorbei ins Tor. Die DFB-Kicker sind noch sichtlich abgelenkt von der vermaledeiten Rassismus-Diskussion nach der vermaledeiten ARD-Doku. Ein hausgemachtes Problem. Schade, wenn die eigene Presse so querschießt!  

7. Minute: Sofort reagiert Der Spiegel: In der Rubrik Debatte stellen die Forechecker von der Ericusspitze (falsche 9) die Frage: "Muss Manuel Neuer den halten?" In den Kommentaren sinniert ein User: "Wie soll Füllkrug das Land einen, wenn er nicht mal seine Zahnreihe einen kann?"  

13. Minute: Spielleiter ist heute der Belgier Clement Turpin. Eine pikante Entscheidung der UEFA, da der Referee in seiner Heimat für die Werbung für "Takis Zombie Chips spicy" scharf kritisiert wurde.  

20. Minute: Vor dem Turnier durften die Kicker zu ihren Familien. Florian Wirtz nutzte die Auszeit augenscheinlich, um Rollrasen zu verlegen. In seinem Gesicht! Glückwunsch an dieser Stelle zur gelungenen Barttransplantation.  

29. Minute: Tommi Schmitt ist nach ärztlicher Behandlung zurück auf der Tribüne: Beim Mitschreien der Nationalhymne (alle Strophen, musikalischer Hattrick) hatte er die Zunge verschluckt. Allerdings die von Franziska Giffey! Haha, verzeihen Sie den Scherz, die Bilder waren wirklich verstörend. Ähnlich verstörend wie die der besoffenen Schotten in der Münchner Innenstadt. Aber: Sie werden hier kein "Schotten dicht!"-Wortspiel lesen, versprochen.

31. Minute: Die Nachricht, dass die ARD schon wieder eine Fußball-Rassismus-Doku gelauncht hat, macht im weiten Rund die Runde. Diesmal war die provokative Hauptfrage, wie viele Menschen sich in Deutschland "mehr Arier" im Nationaldress wünschen. Angebliches Ergebnis: 88 Prozent. Frau Dr. Giffey stellt auf Instagram die Wissenschaftlichkeit des Studiendesigns in Frage.

40. Minute: Entwarnung! Die Doku ist nicht so kritisch wie gedacht. Der interviewte Thomas Müller (Vorfahren in Südtirol, Italien, somit Person of Color) negiert jeglichen Rassismus beim DFB. Erleichterung allenthalben, Szenenapplaus für Müller.  

43. Minute: Tooor für Schottland. Rüdiger schießt McGinn an, der Ball prellt ohne dessen Zutun ins deutsche Tor. Neuer behäbig wie ein Haggis. Felix Lobrecht gestikuliert in Richtung der schottischen Auswechselspieler und macht dabei abschätzige Dudelsack-Bewegungen.  

45. Minute: Die Arena kocht (Deutschländerwürstchen für die Halbzeit). Wird das zweite Sommermärchen zum ersten Summernightmare? Noch stemmen sich die Fans dagegen! 

Halbzeit: Apropos: Zur Pause landet ein Hubschrauber im Mittelkreis. Eine Franz-Beckenbauer-selig-Pappfigur wird aufgestellt. Das Stadion ist so still wie nie (auf der Leinwand werden Verstöße gegen das Stille-Gebot mit hohem Bußgeld bedroht).  

50. Minute: Jetzt hilft nur noch Galgenhumor, das ZDF schaltet Thomas Gottschalk zu. Der kalauert: "Bei den Schotten spielen doch alle nur dritte Liga. Außer Andy Robertson, der spielt vierte!"  

58. Minute: Welch unterirdische Leistung der Nagelsmann-Elf: Nicht weniger als den Pflegenotstand beenden, die Ampel-Regierung vom Platz fegen und den kollektiven "L’Amour toujours"-Ohrwurm durch einen von "Major Tom" ersetzen – das waren die erklärten Ziele (Goals) für heute.  

69. Minute: Immer wieder Schmitt: Der Podcaster gilt als nah dran an der Mannschaft. Auch heute ist sein Platz auf der VIP-Tribüne nur zehn Meter vom Team entfernt.  

73. Minute: Sein Plan geht bis dato voll auf: Schottland-Coach Steve Clarke wurde von der Presse als "Anti-Nagelsmann" betitelt. "Er ist also eine Schraubenfrau, versteht ihr?" (Mario Basler via Facebook)  

88. Minute: Flo Wirtz sucht seinen kongenialen Partner Jamal Musiala. Der verstolpert kläglich, liegt dann am Boden, als Wirtz‘ Pass ihn erreicht. Alle ziehen an einem Strang. Genauer gesagt am "Auftaktniederlage"-Handlungsstrang. Giffey greift erneut zum Handy und kritisiert, dass der TikTok-Account der AfD das Land besser einen könne als "diese Gurkentruppe". Sie deutet an, EM-Maskottchen Albärt in Loch Ness ertränken zu wollen.  

90. Minute: Und dann ist da doch noch dieser eine Moment, der das Land vereinen könnte! Genau, der Polen-Moment (wie 1939 und 2006): Henrichs auf Sané, der schneller als Robertson, dann Flanke auf Füllkrug, "Fülle" macht ihn mit dem Unterleib. Co-Kommentator Oliver Neuville konstatiert traurig: "Ich habe ihn seinerzeit leider nicht mit der Vorhaut versenken können!" Turpin pfeift ab und hält eine Chipstüte in die Kamera.  

Danke fürs Mitfiebern und eine erholsame Nacht!  

 

Martin Weidauer 

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Müters Söhne #10

Talente 

"Mama, guck mal, was ich kann"

Thorben ist 5 Jahre alt. Seine Mutter Viola Müter schreibt hier im wöchentlichen Wechsel über ihn und ihre anderen zwei Söhne im Alter von 12 und 16 Jahren. Die Mutter nennt sie liebevoll ihre "Mütersöhnchen".

Ich habe es nicht mehr ausgehalten. Ich musste Thorben beim Supertalent anmelden. Denn mein Sohn ist ein sehr guter Stimmenimitator. Er hat schon Stimmen imitiert, bevor er grammatisch einwandfrei nach mehr Bildschirmzeit auf dem iPad fragen konnte. Bereits sein erster Schrei nach der Entbindung klang wie ein "Riff" von Christina Aguilera. Aber seine letzte Imitation hat alles zuvor Dagewesene in den Schatten gestellt. Eine unerwartete, aber dennoch vertraute, sonore Stimme erreichte mich aus Thorbens Spielzimmer: "Was wir brauchen, ist eine geistig-moralische Wende." Eine staatsmännische Gänsehaut ergriff mich. Sprach da mein fünfjähriger Sohn oder Helmut Kohl? Ich konnte mir nicht sicher sein.  

Ich weiß zwar nicht, warum Thorben täuschend echt den Wendekanzler imitieren kann. Aber unmissverständlich gehört diese Gabe auf die große Fernsehbühne. Mein Mann sieht das anders. Er sagt, Thorben klinge überhaupt nicht wie Helmut Kohl, sondern wenn überhaupt wie Marie-Agnes Strack-Zimmermann. Ich finde, wenn Thorbens Dialekt sich pfälzisch einfärbt, fällt die Mauer ein zweites Mal. Aber reicht das, um zum Supertalent 2025 gekürt zu werden? Es würde allenfalls reichen, um Ost- und Westdeutschland zu vereinen. Und diesmal wirklich.  

Auch ansonsten erlebe ich Thorben als ziemlichen Tausendsassa. Keinen Satz höre ich von ihm häufiger als "Mama, guck mal, was ich kann!" Dass Thorben so vielseitig talentiert ist, hat er von mir. Ich singe zum Beispiel sehr, sehr gut. Sowohl hoch als auch tief. In den ersten Staffeln von Deutschland sucht den Superstar und Popstars wollte aber niemand etwas davon wissen. Auch meine Eltern verkannten mein Talent. Genauso wie es mein Mann heute bei Thorben tut. Bis heute glaube ich, mein Leben wäre anders verlaufen, wenn meine Eltern mir erlaubt hätten, in der Mini Playback Show das Lied Sexual Healing zu singen. Blühende Landschaften hätten mich erwartet. Stattdessen bekam ich einen vertrockneten Rollrasen.

Thorben gibt mir die Hoffnung, dass das Gras mit etwas Pflege wieder grün wird. Ich habe in meinem Umfeld auch viel Kritik geerntet. Ich würde die erstbeste Möglichkeit ergreifen, um meinen fünfjährigen Sohn vor eine Fernsehkamera zu drängen. Das ist leider falsch. Es war bei weitem nicht die erstbeste Möglichkeit. Bisher habe ich Thorben bei Klein gegen Groß, Wetten, Dass..? und sogar bei Goodbye Deutschland angemeldet. Er wurde überall abgelehnt.   

Seine Zusage fürs Supertalent-Casting ließ nicht lange auf sich warten. Nun lausche ich jeden Tag andächtig, wie Thorben Helmut Kohls erste Regierungserklärung aus dem Jahr 1982 wiedergibt. "Das ist mega geil", höre ich plötzlich Dieter Bohlens Stimme in meinem Ohr. Ich deute das als gutes Omen. Es ist gut, wenn die eigene innere Stimme gleichzeitig Jurymitglied beim Supertalent ist. Aber vielleicht war es auch Thorben. Er kann jetzt nämlich auch den Poptitan imitieren. 

Die Kolumne von Viola Müter erscheint jeden Donnerstag nur bei TITANIC.

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"Das ist der älteste linke Beruf der Welt."

 

Interview mit Thomas* vom Verein PRO-stitution – Sex muss käuflich bleiben

 

TITANIC: Danke, dass du dich mit uns getroffen hast.    

Thomas: Danke für die Einladung. Mir bedeutet das immer viel, wenn so Positionen wie die meine innerhalb der Linken einen Space bekommen, man erfährt da ja heute viele krasse Gegenargumente. Also zu mir: Ich bin der Thomas, 32, und mache beruflich eigentlich was ganz anderes, ich arbeite in der mittleren Führungsebene von einem Autokonzern – halt so Lohnarbeit. Auf das Thema Sexarbeit bin ich damals nach dem Studium gekommen und habe ich mich am Anfang gar nicht so sehr politisch damit beschäftigt, weil das Thema damals ja auch noch sehr schambehaftet war. In meiner Männergruppe habe ich dann aber den Gabelstapler-Hansi und den Chemiker-Mike kennengelernt, die ähnliche Gefühle und Gedanken dazu hatten wie ich, und mit denen ich dann den Verein gegründet habe.

TITANIC: Wie sieht eure Arbeit als Verein aus?

Thomas: Einmal die Woche treffen wir uns in einem linken Kulturzentrum, wo wir uns sehr safe fühlen, da sind auch oft viele FLINTA anwesend, also weiblich gelesene Personen, Frauen. Die wuseln da einfach so herum und die Atmosphäre ist wirklich schön. Privat sitzt man dann oft auch nach dem Plenum noch zusammen bei ein paar Bier, das hat was ganz Intimes. Und was die zum Teil für Geschichten von Männern erzählen! Gruselig. Sorry, Sexismus regt mich immer direkt so auf [lacht].

TITANIC: Sind eure politischen Gegner eher Männer oder Frauen?

Thomas: Na ja, also leider sind SWERF halt meistens Frauen. Ich finde das auch ultra traurig, Misogynie tut ja immer nochmal mehr weh, wenn sie von Frauen kommt, also FLINTA, weiblich gelesenen Personen, Frauensternchen. Aber wir unterhalten uns natürlich auch viel mit Sexarbeiterinnen.

TITANIC: In welchen Kontexten finden diese Begegnungen statt?

Thomas: Na ja also das Private ist ja letztlich auch politisch, insofern kann so eine Begegnung erst mal in jedem Kontext stattfinden. Und [lacht] – na ja man muss jetzt schon auch sehen, das sind oft auch erschwerte Bedingungen, zum Beispiel Sprachbarrieren, oder dass man auch nicht immer genug Bargeld dabei hat. Aber wir versuchen schon, da allen eine entsprechende Stimme zu geben.

TITANIC: Warum, findest du, eignet sich das Intimste zur Ware?

Thomas: Na ja, da sag ich dann ganz ehrlich: Letztlich ist der Warenfetisch ein Fetisch wie jeder andere auch. Ich muss auch sagen, ich fühle mich mit der Frage ein kleines bisschen unwohl. Und es würde ja jetzt auch niemand sagen, wir müssen jetzt die Arbeit im Supermarkt abschaffen, weil das machen die Menschen auch nicht unbedingt gern, also die Frauen müssen da auch zur Arbeit gehen und haben da dann eine Scheide. Und letzten Endes ist keine Arbeit so inklusiv wie Sexarbeit.

TITANIC: Inwiefern?

Thomas: Na ja, wenn ich zum Beispiel zu einer Anwältin gehe, dann will ich ja, dass das eine Frau ist, die ich ernst nehme. In der Prostitution ist das anders: Da will ich ja erst mal einfach nur eine schöne Zeit haben. Und dafür ist es dann auch nicht wichtig, dass die Person da jetzt fließend Latein spricht oder hundert Nachkommastellen von Pi auswendig kann. Das ist ein System, das alle mit offenen Armen empfängt.

TITANIC: Kann man da dann noch von Freiwilligkeit sprechen?

Thomas: Freiwilligkeit, Schmeiwilligkeit. Wir drehen uns da auch ein bisschen im Kreis in der Debatte. Schau mal, Prostitution, das ist ein jahrhundertealtes Thema in der Linken. Das gab es in der Linken einfach schon immer. Das ist der älteste linke Beruf der Welt. Das hat Jürgen Kuczynski schon in seinem Klassiker "Vom dicken Knüppel zur automatischen Fabrik" so festgestellt und letztlich haben Marx und Engels ja auch Bedürfnisse gehabt.

TITANIC: Nun sind ja die allermeisten Prostitutierten Frauen und fast alle Freier sind Männer. Sexkauf scheint also schon was mit dem Patriarchat zu tun zu haben.

Thomas: Na ja, ich würde meine Dienste ja auch anbieten, aber ich glaub jetzt nicht, dass mich jemand will. Oder du vielleicht? [lacht]. Nein, aber im Ernst. Das liegt einfach ein bisschen in unserer Natur als Menschen begründet. Wer da ganz wundervolle Theoriearbeit geleistet hat, ist unser Genosse, der Fickschnitzel-Rudi. Der meinte, FLINTA wird das ja quasi seit Urzeiten ansozialisiert, dass sie sich um den Cis-Mann kümmern. Und die Sozialisation ist ja was, wogegen man als Gesellschaft erst mal wenig machen kann – und auch nicht sollte! Das hat Adorno jetzt auch nicht groß anders gesehen. Sex ist ja nichts anderes als Carearbeit. Und wenn die Frau dann Lohn dafür bekommt – also letztlich ist das Federici pur –, dann hat sie ja quasi einen Beruf. Also fast wie ein Mann.  

TITANIC: In der Linken geht’s ja viel um sichere Räume für FLINTAs. Frauen sind aber in der Prostitution erst mal alleine mit fremden Männern hinter verschlossenen Türen. Wie bewertest du das?

Thomas: Na ja, ich kann nur immer wieder mit dem Supermarkt anfangen: Ist der Supermarkt letztlich ein sicherer Ort? Die U-Bahn? Nein! Das sind alles ganz ganz gefährliche Orte für Frauen!

TITANIC: In der Prostitution erleben aber schon deutlich mehr Frauen Gewalt als im Supermarkt.

Thomas: Na ja, aber man kann sich ja auch immer dafür entscheiden, einfach im Supermarkt zu arbeiten! Und Gewalt finden wir als Verein jetzt natürlich nicht so geil, da muss man dann letzten Endes auch an die Freier appellieren.

TITANIC: Wie stellt ihr euch ein System der Prostitution vor, in dem alle Frauen freiwillig arbeiten und keine Gewalt stattfindet?

Thomas: Na ja, das sind dann letztlich Details. Als Kommunist bin ich jetzt natürlich auch nicht der größte Reform-Fan. Der Drecksau-Thilo zum Beispiel hat da vor kurzem auch mal Horkheimer zitiert. Und letzten Endes ist da ja auch jeder für sich selber verantwortlich.

TITANIC: Auf eurer Webseite steht, Sexarbeit ist empowernd. Wie meint ihr das?

Thomas: Na ja, wir leben ja in einer Welt, wo man letztlich nach seinem Aussehen bewertet wird. Das hat letztendlich ja auch Zizek so gesehen. Und na ja, wenn du jetzt als FLINTA zum Beispiel ein bisschen rundlich bist, aber nicht da, wo man jetzt sagen würde, das sieht dann auch ansprechend aus, dann kannst du aber in der Sexarbeit halt immer noch eine Nische bedienen. Und vielen von den nicht so normschönen FLINTA wird dadurch überhaupt erst ihr Wert als Mensch so richtig bewusst. Ein gutes Beispiel ist da mein guter Freund Taschenvulva-Severin, der auch noch total aufgeschlossen ist, wo jetzt andere sagen würden, die schaut schon fast ein bisschen lesbisch aus. Letztlich geht es um Wert: Also wir wissen ja auch seit Marx, dass der Kapitalist unseren Mehrwert abschöpft. Und so wie der Arbeiter nicht die letzten drei Stunden seines Tages für den Chef am Band stehen will, wollen Frauen ja auch nicht die letzte Viertelstunde umsonst ficken. Ich könnte da ewig weiterreden [lacht]. Aber ja: Auch Frauen wollen letztlich wissen, dass sie was wert sind.

TITANIC: Aber wäre da nicht der bessere Ansatz, dafür zu kämpfen, dass Menschen ihren Status als Objekte überwinden und selbstwirksame Subjekte werden können?  

Thomas: Ja, und genau da setzt die Sexarbeit an. Das ist für mich letzten Endes Dialektik.

*Name von der Redaktion geändert.

*Der vollständige Name sowie die Arbeits- und Privatadresse liegen der Redaktion vor und können telefonisch erfragt werden.

Julia Pustet 

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Hätten Sie’s gewusst?

Rechtsextreme europäische Parteinamen und was sie auf Deutsch bedeuten    

  • Se Acabó la Fiesta = "Die Party ist vorbei" (Spanien)    
  • Chrysi Avgi = "Goldene Morgendämmerung" (Griechenland)    
  • Chega, Chega = "Genug ist genug" (Portugal)    
  • Fidesz = "Endlich sagt’s mal wer!" (Ungarn) 
  • Poschtiwägeli Schweizerli = "Ich glaub, meine Schweiz pfeift" (Schweiz)    
  • Gehaat, verdoemd, verafgood: "Gehasst, verdammt, vergöttert" (Niederlande)  
  • Prawo i Sprawiedliwość = "Na sieh mal einer guck!" (Polen)    
  • Vi måste redige, Sverige = "Wir müssen reden, Schweden" (Norwegen)    
  • Dar acum ceasul bate 12  = "Jetzt schlägt’s aber 13!" (Rumänien)    
  • Voir Bruxelles en brand het af = "Brüssel sehen und abfackeln" (Belgien)    
  • Rassemblement = "Mütze Glatze Mütze Glatze" (Frankreich) 

 ECW

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Aktuelle Startcartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Hä, Ärzteverbände und Pflegekräfte?

Angesichts der schlechten Versorgungslage habt Ihr bei einer Protestkundgebung auf Euren Plakaten unter anderem »Weitsicht statt Kurzsicht« gefordert. Wir sind zwar nicht vom Fach, aber ist es nicht so, dass in der Augenheilkunde weder Myopie noch Hyperopie als erstrebenswert gelten?

Sieht schon doppelt:

Eure Titanic

 Sie, Alexandra Popp,

warnen davor, weibliche Fußballprofis ähnlich zu verhätscheln wie die männlichen. Spielerinnen sollten Behördengänge alleine erledigen. Aber ist es nicht viel zu umständlich, wenn die jeden Pass erst mal selbst beantragen müssen?

Wort- und Ballspielgrüße von

Ihrer Titanic

 Sie, Daniela Behrens,

sind niedersächsische Innenministerin und machen sich gerade mit Ihren Maßnahmen bei den Ultras in norddeutschen Fußballstadien ziemlich unbeliebt. Aber auch Ihnen geht deren Zündeln gehörig auf die Nerven.

Wie aber, Frau Behrens, haben wir dann Ihre Aussage nach dem Derby zwischen Eintracht Braunschweig und Hannover 96 zu verstehen? »Die Fantrennung hat gut funktioniert. Aber was wieder nicht gut funktioniert hat, ist der Pyro-Einsatz«, klagten Sie, und wir fragen uns seither: Woher dieser plötzliche Sinneswandel?

Erholen sich gerade vom letzten Knalltrauma:

Ihre Ultras von der Titanic

 Verstörend, Tschetschenien!

Dein Kultusministerium hat Musik unter 80 und über 116 Beats pro Minute verboten. So soll Deine traditionelle Musikkultur bewahrt werden. Diese Maßnahme hätten wir gerade von Dir autoritär geführter und unter Putins Fuchtel stehender russischer Teilrepublik am allerwenigsten erwartet. Dass Du Deine Musiker/innen dazu zwingst, kompositorisch ihrem Kulturkreis treu zu bleiben, ist schließlich nichts anderes, als kulturelle Aneignung unter Strafe zu stellen. Da haben wir jahrelang dagegen andiskutiert und sie als rechtes Hirngespinst abgetan, um jetzt feststellen zu müssen: Es gibt sie doch, die Woke-Diktatur!

Senden hoffentlich weder zu schnelle noch zu langsame Grüße:

Deine politischen Beobachter/innen von Titanic

 Bisher unbekannte Seiten, Josef Ackermann,

ehemaliger Chef der Deutschen Bank, zeigten Sie im Interview mit der Bunten, der Sie erzählten, dass Ihre Familie für Sie relevanter sei als all der schnöde Zaster: »Liebe ist viel wichtiger als Geld.« Was man halt so erzählt, wenn einem mindestens drei Immobilien gehören und es etwas dauert, die Millionen auf dem Konto zu zählen.

Auch Ihr Blick nach unten ist milder geworden, weil Sie so viel von Ihrer Frau gelernt haben: »Sie hat mich weicher und sensibler gemacht gegenüber Menschen, die nicht so leistungsfähig sind.« Was Ihren Heiligenschein allerdings etwas trübt, ist Ihr Umgang mit Autos. Große bräuchten Sie nicht mehr, aber: »Im Tessin fahre ich den Fiat Cinquecento, den ich meiner Frau geschenkt habe.« Voll den sensiblen Menschenfreund raushängen lassen, dann aber der eigenen Frau das Auto wegnehmen?

So richtig scheinen Sie Berufs- und Privatleben doch noch nicht trennen zu können, bilanziert Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Grausiger Befund

Als Angstpatientin weiß ich den Smalltalk zu schätzen, den meine Zahnärztin vor der Behandlung mit mir führt, aber ihre beiläufige Bemerkung, dass sie True-Crime-Fan sei, während sie die Instrumente sortierte, war für unsere Vertrauensbasis eher kontraproduktiv.

Loreen Bauer

 Vorschlag

Beinpresse als anderer Ausdruck für Fußballzeitschriften.

Karl Franz

 Neuer Schüttelreim

Soeben in fünf Minuten erzwungener Wartezeit vor dem Limette-Minze-Mandarine-Aufguss die ausführliche Saunaordnung meines Stadtteilschwimmbades an der Wand studiert. In dem peniblen Regelwerk unter anderem erfahren, dass in den Räumlichkeiten neben Wäschewaschen und anzüglichen Bemerkungen auch Kratzen und »Schweißschaben« verboten sind, was immer das sein mag. Sofort Gedichtidee gehabt: »Wer denkt sich ein Wort aus wie Schweißschaben? / Das waren bestimmt diese« – na, ihr könnt es euch ja denken.

Mark-Stefan Tietze

 Ehe-Aus

Die hohe Scheidungsrate zeigt doch, dass so gut wie jeder Mensch hassenswert ist, wenn man ihn nur lange und gut genug kennt.

Dorthe Landschulz

 Frage an die bovine Orthopädie

Haben Buckelrinder überhaupt eine Chance, je die Haltungsform »Premium« zu erreichen?

Torsten Gaitzsch

Vermischtes

Erweitern

Das schreiben die anderen

Titanic unterwegs
23.06.2024 Kiel, Schauspielhaus Max Goldt
18.08.2024 Aschaffenburg, Kunsthalle Jesuitenkirche Greser & Lenz: »Homo sapiens raus!«
01.09.2024 Frankfurt, Museum für Komische Kunst »POLO«
01.09.2024 Düsseldorf, Goethe-Museum Hans Traxler: »Traxler zeichnet Goethe«