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Dax Werners Debattenrückspiegel: KW 2

Liebe Leser:innen,

es ist vermutlich keine Übertreibung: Die zurückliegende KW 2 gehörte zu den aufregendsten und gleichzeitig mental forderndsten Wochen dieses neuen Jahres. Erst sickerte am Donnerstag durch, dass die da oben wegen der ganz und gar nicht so geilen Infektionszahlen den nächsten Hyper-Mega-Ultra-Lockdown vorbereiten: Fern- und Nahverkehr sollen runtergefahren, Wirtschaft und Unternehmen zu mehr Home-Office genudget werden. Die Lockdown-Stellschrauben werden mal wieder ein paar Millimeter fester gezogen – ein mutiger Schritt, den ich selbstverständlich begrüße. Denn obwohl es natürlich stimmt, dass viele dreiste Angestellte die generösen Home-Office-Modelle zu oft für die Heimbeschulung und Betreuung des Nachwuchses ausnutzten: Bei vielen Arbeitnehmer:innen ist in den letzten neun Monaten der noch viel größere Schlendrian beim Thema Pendeln eingekehrt. Potenziell wertvolle Arbeitszeit im ICE wurde nur noch wenig bis selten für Vor- und Nachbereitung am IBM Thinkpad genutzt. Neue Arbeitsmodelle gemeinsam zu erproben lebt natürlich vom gegenseitigen Vertrauensvorschuss und den – man muss es leider so sagen – hat die Roundabout-2,5k-Brutto-Fraktion im vergangenen halben Jahr fürs Erste verspielt. So kann das absehbar erst mal nichts werden mit der schwarzen Null.

Entsprechend groß waren die Hoffnungen auf einen neuen CDU-Leader aus Brilon im Sauerland: Mit Friedrich Merz ist dieser halbgare Mitte-Merkel-Sozial-Larifari nicht zu machen, so der konservative Tenor entlang des deutschen Bible Belts von Baden-Württemberg bis Sachsen-Anhalt. Und ebenso groß war dann auch die Enttäuschung, dass die 1001 Delegierten, unter schwerstem Hackerbeschuss aus "Osteuropa und Afrika", Armin Laschet zu ihrem neuen Oberhaupt wählten. Denn, auch das gehört zur Wahrheit dazu, für viele Konservative ist Armin Laschet so etwas wie der Kevin Kühnert der CDU: Ein Radikaler, einer, der immer wieder mit dem Sozialismus liebäugelt, ein so gemütlicher wie gemeingefährlicher Träumer aus dem unberechenbaren Extremistenhort mit den drei verhängnsivollen Großbuchstaben: NRW, all caps. In der inoffiziellen Vereinspublikation der Werteunion (die Welt) hieß es entsprechend noch vor ein paar Tagen: "Merz ist der Kandidat der Mitte."

Die Bilder vom durchdigitalisierten Parteitag hatten aber noch eine andere Message im Gepäck: Die Zukunft macht sich mit Riesenschritten auf in die Gegenwart. Für manchen Landesverband vielleicht sogar mit etwas zu großen Schritten. Während der, durch zusammenchoreografierte Livestreams der singenden Delegierten, merkwürdig synthetisch wirkenden Nationalhymne, erzählten die Gesichter der neuen Führungsspitze der Christdemokraten eine ganz eigene Geschichte, irgendwo zwischen "Gottseidank den Sauerland-Trump verhindert" und nackter Angst davor, wie das Merz-Lager den Sieg des angeblichen Partei-Establishments medial wohl verwerten würde. Einen Vorgeschmack gab es gestern schon, als Robin Alexander gleichermaßen erschrocken wie erregt in den Raum stellte, ob sich Jens Spahns Webcam-Fauxpaus (wir berichteten im Live-Ticker) wohl noch zur neuen "Dolchstoßlegende" in der Union auswächst. Lieber Robin, nur ein Wort dazu: Be careful what you wish for.

Klar ist aber auch: Diamanten entstehen unter Druck. Das gilt nicht nur für Berufspolitiker, sondern auch für uns normale Menschen. Und Druck ist aktuell genügend da: Was als dringend notwendiger Patch für das Katastrophenjahr 2020 erwartet wurde (nämlich: das Jahr 2021), entpuppt sich schon in den ersten sechzehn Tagen verbuggter als das Hype-Computerspiel Cyberpunk 2077. Doch Krisensituationen sind selbstredend immer auch Chancen zur Veränderung. So ein katastrophales Jahr lässt sich natürlich nicht einfach nach 14 Tagen wieder im Playstation Store umtauschen, sondern ist jetzt einfach irgendwie erst mal da.

So wie Waldemar Hartmann in Leipzig. Hartmann liefert im bereits fortgeschrittenen Alter zur Überraschung vieler eine leuchtende case study für lebenslanges Lernen und eine tolle Geschichte über den Mut zur Veränderung, auch in schwierigen Zeiten. So unterstützte er den sächsischen Kult-Ministerpräsidenten Michael Kretschmer bei seinem Wahlkampf 2019 (wusste ich zum Beispiel gar nicht!) und ist danach einfach nie wieder nach Bayern zurückgekehrt: "Seit dieser Zeit wohne ich mit meiner Frau in Leipzig. Wir haben die ostdeutsche Seele seitdem kennengelernt. Und vor allem verstehen wir sie von Tag zu Tag mehr. Diese ostdeutsche politische Sehnsucht hatte einen Namen: Friedrich Merz", hieß es gestern in seinem luziden 400-Zeichen-Gastbeitrag über den CDU-Parteitag im Cicero-Magazin. Chancen sehen und verwandeln, so in etwa könnte die hoffnungsvolle Botschaft ausgehen, die von dieser hübschen Anekdote ausgeht. Oder, noch knalliger:

Mehr Waldemar Hartmann wagen.

Bis nächste Woche,

Euer: Dax Werner

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Die TITANIC-Moral-Kolumne

Seit mehr als 15 Jahren beantwortet Kultvermieter Dr. Dr. Cornelius W. M. Oettle Fragen zu Alltagsmoral und Mietwesen. Heute: "Darf ich meine Mieterinnen und Mieter auf die Straße setzen, weil ich alle vier Wohnungen in meinem Haus allein bewohnen will und Platz für meine Bücher brauche?", fragt Dr. Dr. Rainer Erlinger.

So komisch das klingen mag: Sie allein müssen das entscheiden. Jeder Mensch ist unterschiedlich. Toleranz hat ihre Grenzen. Wo viel Ohm, da kein Strom. Das Haus gehört Ihnen. Zunächst stellt sich die Frage: Was haben diese Leute überhaupt darin verloren? Ferner: Wieso leben diese Menschen nicht in ihrer eigenen Immobilie, sondern unter Ihrem Dach, für das Sie hart gearbeitet und mehr als eine Dekade lang Moral-Kolumnen für die Süddeutsche Zeitung geschrieben haben? Wichtige Überlegungen wie "Darf man jemanden einfach googlen?" oder "Darf ich ein Foto von mir als Handy-Hintergrund haben?" haben Sie für Ihre Leser zu Ende gedacht, während besagte Mieterinnen und Mieter vermutlich ihrer Passion nachgegangen sind und im Netto gearbeitet haben oder so. Und jetzt besetzen sie einfach das Haus, das Sie sie all die Jahre freundlicherweise haben abbezahlen lassen. Es geht oft einfach darum, zu erspüren, was in einer Situation angebracht ist. Wenn Sie nach meinem Gespür fragen, ist das ein Fall für ein Sondereinsatzteam der Polizei. Allein mit Ihren Büchern in vier Wohnungen zu leben, steht Ihnen zu. Jedes Buch ist eine Reise. Sehen Sie der Realität ins Auge. Wir haben die Erde von unseren Kindern nur gemietet. Sagen Sie das diesen Linksterroristen.

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Dax Werners Debattenrückspiegel: KW 1

Liebe Leser_innen,

abgefahren: Die erste "richtige" KW des Jahres 2021 hatte es mal wieder ordentlich in sich. Erst die Konferenz am Dienstag zwischen Bund und Ländern, von der vor allen Dingen die Erfindung des wordings "Coronaleine" durch die Bild und die anschließende Nobilitierung eben dieses wordings in der Tagesschau durch Tina Hassel hängen bleiben wird - in normalen Zeiten reicht allein die Causa Merkelleine für drei bis vier Kolumnen. Und dann am Donnerstag gönnte uns das neue Jahr schon das erste Jahrhundertereignis für diesen Monat: Die Stürmung des Kapitols durch "Demonstranten" (O-Ton ARD Morgenmagazin, dazu später mehr), die politisch mutmaßlich eher dem Trump-Lager zuzuordnen sind. Statt des Ereignisses selber interessiert mich naturgemäß natürlich nur, wie die Bilder aus Washington, D.C. Widerhall fanden im Debattengewitter hierzulande. Dabei fielen mir verschiedene Dinge auf: Erstens: How did we get here? Selbst dieser historische Moment, in dem "das demokratische Projekt" des Westens offenbar endgültig baden geht, verkommt für Berufs-Internetkasper wie mich oder Mario Sixtus lediglich zum Stichwortgeber für den nächsten Powertweet. Einerseits natürlich eine traurige Entwicklung, andererseits geht es im harten Internetgeschäft heute mehr denn je um die Pflege der eigenen Marke. In Zeiten, in denen sich Menschen, die mit Schwarz-Weiß-Fernseher und zwei Programmen aufgewachsen sind, mit Satireangeboten im Internet selbstständig machen, ist der Konkurrenzdruck so hoch wie nie. Und wenn an so einem Tag die Favs für politisch eher links Verortete mehr oder weniger auf der Straße liegen, gilt dieselbe Maxime wie damals in der Kreisliga, nämlich den einfachen Pass zu spielen: "Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit. In keinem Land der Welt." 700 Favs, 50 Retweets. Wer vor Schichtende keinen bundespräsidialen no-brainer zum Platin-Tweet veredelt, klebt followertechnisch nicht ohne Grund seit mehr als 12 Monaten im dreistelligen Bereich und sollte vielleicht doch noch mal überlegen, das seit sechs Jahren brachliegende Studium doch noch zu beenden und den geraden Weg zu gehen.

Ich für meinen Teil vergleiche diese globalen Events, die plötzlich über uns hereinbrechen, gerne mit einem Regenschauer bei einem Formel 1-Rennen, den niemand bis dahin auf dem Wetterradar hatte und der in der Folge das gesamte Klassement durcheinanderwürfeln kann. Wer hier nicht blitzschnell reagiert, verliert schnell den Anschluss. So gesehen bei Florian Schröder, der den Nachmittag wohl im Podcast-Studio im Keller verbrachte und nach Feierabend – wie so viele – plötzlich von der "Lage" überrascht wurde. Sein Tweet "Traum: Ein Impfstoff gegen den grassierenden Trumpismus." wirkt wie der Versuch, trotz tödlicher Verspätung noch mal in die Debatte zu finden. Irgendwie. Diskurs-Brechstange.

Spätere Generationen werden uns einmal fragen: Wo warst du, als der nackte Mann mit Wikingerhelm im Kapitol die Wahlunterlagen einsammelte? Meine Antwort wird leider lauten: Auf der Internetseite eines im Grunde nur mäßig profitablen US-Internetkonzerns, auf der jedoch gleichzeitig, mein Sohn, in den Monaten und Jahren der Pandemie sich etwas breit machte, was man den "Zauber digitaler Intimität" zu nennen ich mich nicht schäme. Man rückt näher zusammen, tauscht sich über sich und seine Gefühle, Ängste (nur echt im Plural), aber auch Hoffnungen aus. Ein lieber Freund schrieb mir in den Stunden der Erstürmung des Kapitols: "Auch irre: Irgendwo in Köln klingelt gleich ein Wecker und Sven Lorig macht sich auf den Weg ins WDR-Studio, um das Ganze einzuordnen."

Der Wecker klingelte rechtzeitig. Die allgemeine Weltuntergangsstimmung konterkarierte Lorig dann in der Schalte nach Washington mit seiner stärksten Waffe: Seiner rheinischen Gelassenheit. "Jan Philipp Burgard, guten Morgen, schönen guten Abend. Wie ist denn die Geisterstunden-Stimmung in Washington?" Burgard nahm den Pass dankend mit dem Innenrist an: "Ja es ist tatsächlich ein bisschen Geisterstunden-Stimmung, wir wissen nämlich, dass inzwischen vier Menschen bei den Protesten ums Leben gekommen sind." Wann immer auf der Welt etwas passiert, für das man sich noch auf keinen einheitlichen Begriff einigen konnte und für das darum mehrere Bezeichnungen kursieren, kann man die Frühaufsteher-Uhr danach stellen, dass sich das Morgenmagazin für die "unglücklichere" Variante entscheidet - und nennt den Putschversuch konsequent "Proteste" und "Auschreitungen". Aber let’s keep it fair, zumindest mit der Schnell-Analyse aus dem Studio Washington traf Burgard dann ins Schwarze: "Aber die interessante Sache ist sozusagen, dass die Demonstranten mit ihrem Angriff auf die amerikanische Demokratie im Grunde das Gegenteil bewirkt haben, von dem, was sie wollten. Denn viele republikanische Senatoren und Abgeordnete haben ihren Widerstand gebrochen und verzögern das Verfahren jetzt nicht so, wie sie es ursprünglich vorhatten. [...] Am Ende dieses denkwürdigen und turbulenten Tages scheint sich die amerikanische Demokratie als wehrhaft zu erweisen." Nach so viel hoffnungsvollen Nachrichten aus dem Land jenseits des Atlantiks hatte ich dann auch wieder den Kopf frei für die Sportrubrik mit Peter Großmann: In der Basketball-Bundesliga gewann nämlich Bamberg gegen Ulm im Nachholspiel mit 74:67.

Euch noch einen sportlichen Sonntag und demokratische Grüße,

Dax Werner

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Dax Werners Debattenrückspiegel: KW 53

Liebe Leser_innen,

ich hoffe, ihr seid smooth und easy ins neue Jahr gerutscht! Bei mir war auf jeden Fall okay! Politische Beobachter wie Robin Alexander und ich wissen: Die Monate zwischen November und März verlaufen traditionell debattenarm. Deswegen habe ich für die heutige Ausgabe des Debattenrückspiegels eine Extrarunde gedreht und für euch die Neujahrsansprache eines hidden champions der föderal organisierten BRD analysiert: Es geht natürlich um Michael Kretschmers Neujahrsrede an seine sächsischen Mitbürgerinnen und Bürger! Wie würde Kretschmer das schwierige Genre der Videoansprache meistern? Welche Botschaften hat das ewige CDU-Talent für den Freistaat im Gepäck? Kriegen wir die Youtube-Fassung nach dieser Kolumne gemeinsam über 1000 Views gedrückt? Und kann sich Kretschmer zwei Wochen vor dem digitalen CDU-Parteitag noch mal in Stellung bringen? Finden wir's raus!

Das Video beginnt – natürlich – im schönen Freistaat Sachsen. Schon das Intro ist ein Ohren- und Augenschmaus. Eine zarte Slideshow-Animation mit herrlich statischen Fotos aus Chemnitz, der Jakobikirchturm nebst erleuchtetem Weihnachtsbaum, ein verspielter Slide-Zoom auf das Karl-Marx-Monument, dann ein selbstgebastelter Weihnachtsstern vor dem tiefblauen sächsischen Abendhimmel: Windows Movie Maker-Vibes at its best. Für die musikalische Untermalung sorgt – wie schon in Kretschmers Ansprache aus dem Vorjahr – eine Bearbeitung von "Fanfare for the Common Man" von Aaron Copland. Musikalischer Volltreffer: Copland schrieb die Fanfare unter dem Eindruck der Rede des US-amerikanischen Vizepräsidenten Henry A. Wallace, die dieser im Februar 1942 anlässlich des Kriegseintritts der USA hielt und worin dieser das Jahrhundert des Normalbürgers ausrief. History repeats itself, der Ton ist gesetzt.

Nach 15 Sekunden dann Auftritt Kretschmer: "Glück auf zum neuen Jahr mit Bildern aus Chemnitz!" Passend: Kretschmer hat sich für seine Ansprache den Zoom-Hintergrund "Abendstimmung in Sachsen" ausgesucht. Die Lage ist ernst, was also tun? Während die Elfenbein-Politiker_innen drüben in Berlin ihre Neujahrsreden gleich wieder mit dem Dauerbrenner-Thema Corona beginnen, hat der MP sein Ohr ganz nah am Gleisbett des sächsischen Emotionshaushalts und weiß: Dieses Chinavirus nervt jetzt mal langsam. Deswegen setzt er voll und ganz auf die Magie und Power des drohenden Kulturhauptstadtjahres 2025 in Chemnitz: "Das ist eine großartige Chance für diese faszinierende, moderne und vielfältige Stadt und für ganz Sachsen!" In der Fachliteratur nennt man diese originelle Variante bereits die Kretschmer-Eröffnung: Well played, Mister Ministerpräsident!

Was gleichzeitig auffällt: Kretschmer hat das Frisurenkapitel "Nuller Jahre Indieboy" mit nun 45 Jahren offenbar endgültig hinter sich gelassen. Im Video präsentiert er sich trotz aller Freude über das Kulturhautptstadtjahr mit ungewohnt strengem Styling, kaum Gel, wenig Volumen, dafür aber ein sehr klarer und definierter Seitenscheitel. Wer sich so vor die Webcam stellt, hat ein paar Anliegen in der Tasche. So auch der Sachsen-MP, sein erster Dank gilt dem Pflegepersonal, "den Frauen und Männern, die seit 10 Monaten mit der Flut der Coronafälle" umgehen: "Ich danke Ihnen von ganzem Herzen!" Man spürt sehr deutlich, wie sehr ihm die Krankenhausmitarbeiter_innen am Herzen liegen, erst neulich hat er einem Krankenhaus ein paar Christstollen vorbeigebracht. Century of the Common Man eben. Aber er kann auch Klartext: "Lassen Sie sich impfen, sobald es möglich ist! Jede Impfung hilft!" Ein Appell, auf den Steinmeier und Merkel in ihren Neujahrsreden verzichtet haben, der in Sachsen aber notwendig scheint.

Gegen 2:25 dann mein persönliches Highlight des Videos: Kretschmer zählt auf, worauf wir uns 2021 wieder alles freuen können. "Auf unbeschwerte Begegnungen mit Musik und Tanz. Auf Besuche von Theatern, Museen und Freizeiteinrichtungen. Auf packende Sportveranstaltungen mit Publikum." Spannend, wie er hier nach "Sportveranstaltungen" eine kurze, trotzdem etwas zu lange Pause lässt, um dann "mit Publikum" dranzuhängen. Sollte so der Wunsch nach endlich wieder vollen Stadien besonders betont werden? Oder hat Kretschmer den Teleprompter beim Sprechen outperformed? Wir wissen es nicht, aber oft genug sind es genau diese Leerstellen, diese Uneindeutigkeiten, die einen guten Politiker erst zu einem sehr guten machen.

Dann wird's noch mal sehr konkret, Kretschmer greift den Kulturhauptstadtfaden vom Anfang noch einmal auf: "Und auf ausgelassene Freude, so wie hier in Chemnitz." Jeder Redenschreiber weiß: Das hier ist jetzt der Höhepunkt deines Skripts, jetzt muss es so richtig knallen. Und dann hast du sie entweder im Sack oder komplett verloren. Ich bin ehrlich, bei mir ist es ersteres. Denn Kretschmer, Medienprofi durch und durch, spielt (vermutlich mit einem Fußschalter außerhalb des Videoausschnitts?) eine MAZ ab, die uns noch einmal die unvergessenen Bilder der Juryentscheidung für Chemnitz als Kulturhauptstadt 2025 in Erinnerung ruft: Mindestens 20, wenn nicht 25 Menschen sitzen mit Europa-Fähnchen im Foyer des Rathauses Chemnitz vor einer Leinwand und jubeln so ekstatisch wie anno 2006, als Lahm gegen Costa Rica im Eröffnungsspiel netzte. Wer hier keine Träne verdrückt, hat nie geliebt.

Im Vertrieb würden wir sagen: Jetzt muss er den Sack zumachen. Nichts anderes macht Kretschmer dann auch: "Der eine oder die andere scheint auf dem Weg zur Entspannung die Nerven zu verlieren. Aber diese Pandemie lässt sich nicht mit Hektik oder Hysterie beenden. Wir brauchen Geduld und Willensstärke." Packend, wie er hier auch wirklich noch den letzten mit ins Boot holt. Und dann "Lassen Sie uns das Beste geben. Für unsere Heimat. Für Sachsen."

Seit Ende Oktober 2020 rätselt Polit-Deutschland, wen Annegret Kramp-Karrenbauer eigentlich genau meinte, als sie das Bewerbertrio um den CDU-Vorsitz vor einem möglichen vierten Überraschungskandidaten warnte. Mit seiner Neujahrsansprache auf Youtube (858 Views, 2.1.2021) hat Michael Kretschmer nun endlich die Antwort geliefert.



Bleibt zu Hause und gesund,



euer: Dax Werner

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Dax Werners Debattenrückspiegel: KW 52

Liebe Leser_innen,

ein Satz aus einem Spiegel-Bezahlartikel ging mir diese Woche nicht aus dem Kopf. Am. 23.12. hatte das Team von der Ericusspitze den Text ins Internet hochgeladen, die Überschrift lautet bis heute: "Wenn Ökonomen abdriften". Beschäftigt wird sich mit dem "Phänomen", dass viele wirtschaftsliberale forward thinker in den letzten Jahren nach rechts abgedriftet sind: Meuthen, Homburg, Tichy – you name it. Weil ich mich immer noch nicht für ein Spiegel-Plus Abo entschieden habe, konnte ich naturgemäß nur die ersten drei Absätze lesen, aber meistens steht dort schon alles Wichtige drin. Zum Beispiel die Kernfrage, die offenbar für so viel Staunen in der Spiegel-Redaktion gesorgt hat: "Sein neues Publikum würde ihm diese Frage natürlich nie stellen, auch wenn sie sich aufdrängt, wann immer Stefan Homburg in der Öffentlichkeit spricht: Wie kann jemand so Kluges solch einen Unsinn verbreiten?" Für mich ist dieser erste Satz eine on point delivery, er trifft chirurgisch präzise genau das Gefühl vieler Menschen da draußen: Wie geht es, dass einer vom respektierten Wirtschaftsliberalen zum Querdenker wird; und das in einem Land, in dem eine akademische Ausbildung, zumal in der VWL, bislang noch immer die beste Medizin gegen jede Versuchung von rechts war? Vielleicht gibt es im Artikel später noch eine Erklärung, vielleicht aber auch nicht, denn ab dem dritten Absatz verblasst der Text vor mir.

Auch anderen Szenegrößen aus der Querdenkenbubble geht kurz vor Weihnachten die Luft aus. So musste der HNO-Arzt und Corona-Leugner Bodo Schiffmann nun nicht nur seine Schwindelambulanz in Sinsheim schließen, beim Herrn Doktor stapeln sich zudem inzwischen auch die Strafanzeigen, weil seine Patient_innen entgegen seiner ärztlichen Empfehlung die von ihm ausgestellten Fantasie-Atteste bei jeder Gelegenheit vorzeigen. Im Stream denkt der Doktor angesichts des drohenden juristischen Backlashs der BRD GmbH laut über eine Flucht ins Ausland oder ein Abtauchen in den Untergrund nach. Angebote für sichere Unterschlüpfe nimmt Schiffmann nach eigenen Angaben auch per Mail entgegen, und weil ich am Weihnachtsabend aus naheliegenden Gründen wenig zu tun hatte, habe ich für ihn schon einmal eine Liste mit 20 möglichen Rückzugsorten in den Wäldern NRWs recherchiert. Z. B. gibt es hier bei uns in der Nachbarschaft einige leerstehende Häuser, die mir beim Spazierengehen aufgefallen sind (Stichwort Upcycling). Man tut, was man kann, auch und gerade an Heiligabend.

Auch woanders gab es Grund zur Hoffnung: In Düsseldorf ist gestern die erste Impflieferung angekommen und wurde von NRW-Ministerpräsident Armin Laschet persönlich in Empfang genommen: "Der Tag ist so bewegend, weil jetzt die Chance besteht, dass das überwunden wird." Auch wenn Laschet hier in erster Linie seine schlechten Umfragewerte im Rennen um den CDU-Vorsitz meint: Mit ein wenig Fantasie kann man hier auch eine positive Botschaft im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie herauslesen. Und Fantasie gehört für uns in NRW schon seit jeher dazu.

Leben auf Proxima Centauri?

Euer Dax Werner

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Dax Werners Debattenrückspiegel: KW 51

Liebe Leser_innen,



jetzt ging's dann doch viel schneller als gedacht: Das Jahrhundert-Jahr 2020 biegt im fünften Gang mit rund 150 Sachen aus der letzten Kurve ab auf die Start- und Zielgerade. Wie auf der Rennstrecke gilt auch im echten Leben: Jetzt nicht zu weit raustragen lassen, nicht auf den rot-weißen Curbs beschleunigen, den ganzen Schwung mitnehmen und mit Vollgas und aktiviertem DRS den Debattendrift mit in die nächste Runde nehmen!

Diese ewig langen Zehntelsekunden, in denen rechts bereits die Boxenmauer und vor einem auf dem Asphalt bereits die weiß markierten Startplätze erscheinen, sind natürlich wie Tage um das Jahresendfest herum der kurze Moment, die vergangene Runde Revue passieren zu lassen, oder wie wir in der Persönlichkeitsentwicklung sagen: Möglichkeitsraum "Innehalten".

Denn auf den letzten Metern wird klar, dass dieses Jahr viele Verlierer – wir erinnern uns an den Brand im Krefelder Zoo –, aber auch einige wenige Gewinner kennt. Zum Beispiel den bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder: Mit seiner im Pandemie-Management dargebotenen Hands-on-Mentality mit Zip-Sweater unterm Sakko sowie täglichen Zoom-Schalten in jede noch so nischige ÖR-Talkshow hat er sich im Rennen um die Unions-Kanzlerkandidatur extrem gut positioniert. Stichwort Rennintelligenz. Aber: Söder musste sich diese Pace erst erarbeiten. Denn erinnert sich noch irgendwer an die lahmen Januar-Forderungen des flixen Franken? Das Kabinett sollte verjüngt werden und neuer Schwung in die Regierung kommen. Spätestens als das Coronavirus Wien erreichte, hörte man von diesen markigen Forderungen nichts mehr – Seehofer und Scheuer durften noch einmal aufatmen, gehören deswegen vielleicht auch zu den größten Corona-Gewinnern.

Genauso blass dürften die Erinnerungen inzwischen daran sein, dass es auf den ersten Metern von 2020 bereits so heftig krachte, dass die Welt kurz vor einem Krieg zwischen den USA und dem Iran stand, weil sich Noch-Präsident Trump beim Automaten-Daddeln auf Wunderino verklickt hatte, und so versehentlich einen hochrangigen iranischen General per Drohne töten ließ. Diese verdammten Smartphones mit ihren viel zu kleinen Displays! Doch das Seuchenjahr hatte auch Unterhaltsames zu bieten, wie zum Beispiel das 76-Tage-Trainer-Engagement von Nationalmannschaftslegende Jürgen Klinsmann beim Hauptstadtclub Hertha BSC Berlin. Nicht nur, dass ich in meiner Jugend daheim bei der Fußballmanager-Simulation Anstoss 2 teilweise länger mit einem Verein gearbeitet habe als Klinsmann in Berlin; nein, der Wahl-Kalifornier veröffentlichte danach sogar noch ein sehr persönliches Tagebuch über seine Zeit bei der Hertha in der Bild. Darin beschwerte er sich zum Beispiel darüber, dass der Verein seinen Sohn nicht als Torwart verpflichten wolle und die Vereinsführung aus seiner Sicht zu wenig "Lobbyarbeit" bei den Bundesliga-Schiedsrichtern betreibe. Einfach ursympathisch, dieses Schwabenurgestein!

Apropos kurze Amtszeiten: Auch wenn es gefühlt schon fünf Jahre her ist, fällt natürlich auch das Kabinett Kemmerich noch in 2020. Der FDP-Nobody aus Aachen hatte sich am 5. Februar in Thüringen mithilfe der AfD zum Ministerpräsidenten wählen lassen und musste nach einer nicht immer einfachen Amtszeit bereits am 6. Februar wieder zurücktreten. Irgendwo verständlich, denn politisch hatte der Mann zu diesem Zeitpunkt alles erreicht – und arbeitet laut für gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen seither an seinen Erinnerungen über die 24 Stunden als Ministerpräsident, Arbeitstitel: "Außer Dienst. 2020–2020".

Manchmal übertreibt man es eben beim Aus-der-Kurve-Beschleunigen und landet im Reifenstapel. Deswegen tut mir den einen Gefallen: Bleibt sauber und haltet die Spur!

Euer ADAC-Fahrtrainer Dax Werner

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Dax Werners Debattenrückspiegel: KW 50

Liebe Leser_innen,

erst einmal frohen dritten Advent von meiner Seite! Die heutige Ausgabe ist der perfekte Vorwand, beim Adventsfrühstück mit der Familie das Huawei aus der Hosentasche zu grabbeln und mit fester Stimme – trau dich, Tiger! – klarzustellen: "Mum, Dad, Besinnlichkeit schön und gut, aber nun ist der neue Debattenrückspiegel vom Werner online. Ihr entschuldigt mich!"

Zum Auftakt ein bisschen Selbstreflektion: Ich stelle fest, dass die Krise mich selbst ein bisschen in den Rückzug der Bildungsbürger-Simulation peitscht. Erst habe ich hier eingehend den neuen Roman von Dirk Rossmann besprochen, letzte Woche dann allen Ernstes das "Literarische Quartett" kommentiert. Da fragt nicht nur ihr euch zu Recht: Was kommt als nächstes? Na ja, ein neues Buch von Benjamin von Stuckrad-Barre natürlich! Zusammen mit dem Schweizer-Starautoren Alain Sutter hat er "Alle sind so ernst geworden" veröffentlicht, ein wichtiges Buch, in dem es darum geht, dass die Neunziger und frühen Nuller Jahre vorbei sind. Ich weise deswegen noch einmal so prominent auf die Neuerscheinung hin, denn so dezent und zurückhaltend, wie das neue Produkt aktuell von vielen Promis auf Instagram beworben wird, haben das sicher viele noch gar nicht mitbekommen. TITANIC-Redakteur Fabian Lichter schon. Er urteilte diese Woche auf dem Kurznachrichtendienst Twitter schon wohlwollend: "Klasse, das neue Buch von Stucki und Suter. Man merkt einfach, dass sie sich da wirklich mal 'ne Stunde Zeit genommen haben, uns was Feines abzuliefern." Ich habe das Ding nicht gelesen, was mich schon hinreichend qualifiziert, das Werk in einem sehr langen Thread literaturwissenschaftlich auseinanderzunehmen. Und dennoch: Eine kleine Stimme in mir hält mich trotzdem zurück, für ein paar Likes so richtig draufzuhauen. Woher auf einmal die Skrupel? Weil wir alle irgendwie auch zusammen drinstecken in der Krise? Weil’s der Literaturbranche eh nicht gut geht und ich das Weihnachtsgeschäft nicht zerschießen will? Weil ich dann wieder wütende DMs (direct messages) bekomme? Ich weiß es selber nicht so richtig. Lasst uns die causa fürs Erste mit einem Zitat aus ein anderen genialen Werk aus der Männerkunstkanonwelt schließen: "It is what it is."

Wir hier in NRW kennen uns jedenfalls aus mit everybody’s darlings, die ohne erkennbaren Grund von jetzt auf gleich die Gunst des Publikums verlieren. Unser Landesvater Armin Laschet ist so einer: Sein Corona-Management mit Maß und Mitte ist seit mehr als einem halben Jahr Gespött vieler anonymer Internetrambos und Satiriker_innen. Frage mich manchmal, wie schnell diese Pantoffelhelden wohl scheitern würden, wenn sie zwischen Wahlkampftour für den CDU-Vorsitz und ständigen Talkshow-Auftritten auch noch Deutschlands bevölkerungsreichstes Bundesland in der größten Krise seit dem zweiten Weltkrieg durchregieren müssen. Ob man nun Lindner, Röttgen oder Laschet fragt: Niemand setzt sich gern in den Düsseldorfer Landtag und lässt sich von überambitionierten WDR-Volontär_innen zum sechsten Corona-Ausbruch in der Tönnies-Unternehmensgruppe grillen. Nein, diesen Job muss man wollen, aber Demut und Dankbarkeit werden dieser Tage leider zu Fremdwörtern. 

Stattdessen ununterbrochen Spott und Häme für alle Politiker_innen, die auch mal unkonventionelle Wege gehen, sich was trauen. Wie zum Beispiel Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann, der gestern trotz Pandemie zum Weihnachts-Shopping in seine Stadt einlud und mit reduzierten ÖPNV-Tickets lockte. Oder die Stadt Chemnitz, die den Samstag – vermutlich unter starken Abwägungsschmerzen – zum "Shopping Finale" machte und 1600 kostenlose Parkplätze zur Verfügung stellte. Die wenigsten machen sich ein Bild, wie schwierig die Planung solcher verkaufsfördernder Marketing-Aktionen im Umfeld der Pandemie fällt, wie sehr das "einerseits, andererseits" sie nachts um den Schlaf bringt. Menschen, die hauptberuflich ihre Meinung ins Internet schreiben, kommen mit solch komplexen Entscheidungsprozessen natürlich seltener in Berührung, warum auch, so ein "#LockdownJetzt" ist ja schnell gezwitschert. Und danach wird die nächste Sau durchs Dorf getrieben.

Auch wenn das Weihnachtsfest dieses Jahr nicht so stattfinden kann wie sonst: Vielleicht nutzen wir alle einmal die Gelegenheit, zur Besinnung zu kommen. Das heißt zum Beispiel für mich: Weniger verkürzte Kritik, mehr Konsum – und damit die Wirtschaft mit vereinten Kräften durch die Krise katapultieren. Vielleicht können wir ja einfach mal wieder ein neues iPhone bestellen? Einen Staubsauger-Roboter? Oder eine Memoryschaum-Matratze? Es gibt viele Wege, die deutsche Wirtschaft und den Einzelhandel zu supporten. Welche fallen euch noch ein?

Bestellt euch doch mal wieder was Schönes, am besten gleich doppelt!

Euer Dax Werner

Aktuelle Cartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Hallöchen, »Tagesspiegel«!

Du erfreust Deine Kundschaft neuerdings mit Berichten über den Aufenthaltsort von Erdbewohnern. Zum Beispiel so: »Musk ist wieder in Berlin, er war am Montag am BER gelandet.« Und weiter: »Der Privatjet von Musk, in Austin (Texas) gestartet, war am Montag um 9:42 Uhr am BER gelandet.« Tolle Nachricht. Falls das bei Dir, Tagesspiegel, zum neuen Standard werden sollte, folgende Info, sogar honorarfrei für Dich:

Es ist und bleibt in Frankfurt Deine Titanic

 Nur interessehalber, Hochschule Bochum:

Die von Dir auf interamt.de, dem Stellenportal des öffentlichen Dienstes ausgeschriebene Stelle eines wissenschaftlichen Mitarbeiters für das Projekt »Möbilität für Subsahara-Afrika« – ist die am IKEA-Lehrstuhl von Prof. Kvistbro angelagert? Titanic

 Sie, Laura Karasek,

»leben gern exzessiv – ohne Handbremse!« Sie seien rastlos und leidenschaftlich, teilten Sie Bild in einem Interview mit, um dann Erstaunliches zu offenbaren: »Ich schreibe manchmal bis fünf Uhr, gehe selten früh ins Bett, mache Sport, lese viele Bücher.«

Und wir fragen uns nun: Ist das, Frau Karasek, schon die Postcorona-Definition von exzessivem Leben? Müssen wir zukünftig mit Statements rechnen wie: »Wollust? Super, ich stricke total gerne …« oder: »Komasaufen? Find ich mega, aber bitte ohne Alkohol«?

Ist noch nicht ganz in der neuen Zeit angekommen: Titanic

 Zu Ihrer Verteidigung, Keanu Reeves,

Zu Ihrer Verteidigung, Keanu Reeves,

der Sie trotz Pandemie auf einer Party in Potsdam waren, erklärte der Chef des »Studio Babelsberg«, es habe sich bei dieser ausgelassenen Feier samt DJ und Alkohol lediglich um eine Filmszene des neuen Matrix-Streifens gehandelt. Und in der Matrix gibt es ja, so spinnen wir diese Argumentation mal fort, kein Coronavirus.

Unserer Ansicht nach brauchen Sie sich aber so oder so keinen Kopf zu machen: Laut der Verordnung Brandenburgs sind derartige Veranstaltungen mit Anmeldung, Hygienekonzept und bis zu 50 Personen erlaubt, sofern sie keinen »Unterhaltungscharakter« besitzen. Und den haben Filme mit Ihnen ja nun wirklich nicht!

Diese Wahrheitspille wurde verabreicht von: Titanic

 Aber heda, ZDF/SWR!

»Wissen aktuell: Der Kopf isst mit!« heißt die Sendung; »Ess Dich gesund!« steht auf der Tafel, die auf dem fürs TV-Programm bereitgestellten Foto im Wochenmarktgemüse steckt.

Bleibt also bei Pommes: Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Jubiläum

Unser Bonsai-Verein wird nächsten Monat stolze 50 Jahre alt. Keine Frage, dass wir das richtig klein feiern!

Jochen Schubert

 Dauerbaustelle und Kakerlaken

Wenn das Leben eine Reise ist, möchte ich vom Veranstalter mein Geld zurück.

Dominik Mauer

 Sordidum Disputatio

Im Zeit-Magazin fand ich einmal die Nummer einer Erotik-Hotline. Diese Illustrierte lesen meines Wissens lediglich Bildungsbürgeridioten und Liebhaber von Werbeinseraten für Uhren ab 1000 Euro. Man muss nur einmal die Zeit-Kontaktanzeigen studieren: »Emeritierter Professor, Opernliebhaber, Freund von Chopin und Zuckmayer, sucht ...« usw. Gerne stelle ich mir vor, wer einen da am anderen Ende der Hotline erwartet: »Hallöchen, mein Orpheus! Ich bin's, Eurydike. Möchtest du wissen, wie ich aussehe? Meine Nase ist gemeißelt aus feinstem Marmor. Meine Beine sind so lang wie die der Goldenen Madonna aus dem Essener Domschatz.« »Weiter. Mehr!« schnurrt der angesexte Anrufer. »Und dann mein Hinterteil ... Sag, Adonis, kennst du den ›Akt von hinten‹ von Modigliani?« »Natürlich kenne ich den, ich bin emeritierter Professor für Kunstgeschichte!« »Und meine Brüste! So riesig, so überproportional wie die der Venusfigurine.« »Welche Venusfigurine? Es gibt mehrere!« keucht der sabbernde Trottel. »Die von Willendorf natürlich«, pariert »Eurydike« und haucht noch ca. 30 Minuten versaute Sachen auf Latein, um den Dirty Talk (»sordidum disputatio«) zu vervollkommnen und den einsamen Zeit-Abonnenten monetär abzumelken. Kommen tun die Anrufer dabei nie, aber Freude haben sie trotzdem.

Ella Carina Werner

 Ungemütlich

Unser gemeinsamer Jubel darüber, dass meine Freundin innerhalb kurzer Zeit mehrere lukrative Werbefotoshootingangebote von Unternehmen wie XXXLutz, Roller und Ikea erhalten hatte, wich, als ich vor Freude unbedacht ausrief, sie habe einfach so ein richtiges Möbelgesicht.

Cornelius W.M. Oettle

 Geschäftsidee

Hätte ich einen Hutladen, ich würde ihn »Ladenhüte« nennen.

Miriam Wurster

Vermischtes

Die PARTEI-Wahlwerbungs-DVD mit allen vier Wahlwerbespots aus dem Bundestagswahlkampf 2005: Höhepunkte der Politpropaganda, die von Otto Schily mit dem Prädikat "ein Skandal" ausgezeichnet wurden. Besser aufgelöst als auf Youtube und noch dazu mit einer praktischen, farbechten Hülle drumrum - das ist doch was, was?Wenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
Zweijahres-Abo: 117,80 EURKamagurka & Herr Seele: "Cowboy Henk"
Er ist Belgier, Kamagurka. Belgier! Wissen Sie, was der Mann alles durchgemacht hat in letzter Zeit? Eben, er ist Belgier. Und hat trotzdem in einem Finger mehr Witz als Sie im ganzen Leib! Und Heldenmut! Glauben Sie nicht? Dann lassen Sie sich von Cowboy Henk überzeugen, dem einzigen Helden, der wirklich jeden Tag eine gute Tat begeht.
Zweijahres-Abo: 117,80 EURSonneborn/Gsella/Schmitt:  "Titanic BoyGroup Greatest Hits"
20 Jahre Krawall für Deutschland
Sie bringen zusammen gut 150 Jahre auf die Waage und seit zwanzig Jahren die Bühnen der Republik zum Beben: Thomas Gsella, Oliver Maria Schmitt und Martin Sonneborn sind die TITANIC BoyGroup. In diesem Jubiläumswälzer können Sie die Höhepunkte aus dem Schaffen der umtriebigen Ex-Chefredakteure noch einmal nachlesen. Die schonungslosesten Aktionsberichte, die mitgeschnittensten Terrortelefonate, die nachdenklichsten Gedichte und die intimsten Einblicke in den SMS-Speicher der drei Satire-Zombies – das und mehr auf 333 Seiten (z.T. in Großschrift)! 
Zweijahres-Abo: 117,80 EURFriedemann Weise: "Die Welt aus der Sicht von schräg hinten"
Laut seiner Homepage ist er der "King of Understatement" und der "lustigste Mensch im deutschsprachigen Internet". Er ist aber auch Gitarrenmann, Viralblogger (15000 Follower!), Gagautor und Promiexperte mit Diplom. Die Rede ist von Friedemann Weise, dem Mann mit dem Namen! Der Mann, der den "Satiropop" erfand. Und jetzt auch noch ein Buch vorlegt. Ob das gutgeht? Ordern Sie diese Prämie und teilen Sie Ihr vernichtendes Urteil bitte zeitnah der TITANIC-Redaktion mit.
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Das schreiben die anderen

Titanic unterwegs
24.01.2021 Amberg, Luftmuseum »Luft? – Sehr witzig! Eine Cartoonschau«
07.03.2021 Frankfurt, Museum für Komische Kunst Hauck & Bauer: »Cartoons«