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Dax Werners Debattenrückspiegel KW 29

Liebe Leser_innen,

wenn ihr diese Zeilen lest, kann ich fast sicher sein: Ihr steht genauso auf nächtliche Knast-Dokus wie ich. Männlich verzerrte E-Gitarren-Klänge aus einer anderen Ära der Musikindustrie, alle 30 Sekunden ein neuer negativer Superlativ ("härteste", "gefährlichste", "brutalste Gang zwischen Arizona und Wisconsin"), das alles mit leichter Hand an einem Nachmittag in einem Synchronstudio vertont. Schauermärchen über angeblich besonders brutale Jungs, die sich unter einem überschaubaren Regelwerk zusammengefunden haben und aus ihren 4-Quadratmeter-Zellen den Drogen- und Waffenhandel der USA steuern. Der mächtigste Staat im Staat also. Das Ding ist: Was dort erzählt wird, stimmt nicht.

Denn die zahlenmäßig stärkste und zugleich politisch einflussreichste Gang der Welt sind ja wohl: deutsche Ehrenämtler_innen. Sie zählen irgendetwas zwischen 17 und 18 Millionen und üben so viel Einfluss aus, dass niemand, der es in der Politik zu etwas bringen will, an ihnen vorbeikommt. In jeder zweiten Rede wird "ihnen" gedankt und mehr oder weniger offen zugegeben, dass ohne "das Ehrenamt" in Deutschland nichts läuft. Mag ja alles sein, aber besonders demokratisch klingt das nicht! Neulich rief ein Mann im Lokalradio an und hatte eine eine wichtige Sache auf dem Herzen: Er warb dafür, den Arbeitgebern zu danken, dass diese den vielen Menschen, die sich ehrenamtlich in den Hochwasser-Regionen engagieren, freigeben. Das war die neueste Evolutionsstufe des Ehrenamt-Memes, so etwas hatte ich noch nie gehört!

Ein anderer ehrenamtlicher Sanitäter mit 50K Followern auf Instagram veröffentlichte vor einer Woche ein Video, das ihn auf dem Fahresitz eines Rettungswagens zeigt. Im Hintergrund läuft ein emotionaler Instrumental-Hip-Hop-Beat, er schlägt erst zweimal verzweifelt mit den Händen aufs Lenkrad, fährt sich dann mit den Händen erst durch die Haare und dann durchs Gesicht. Caption: "Wenn du realisierst, dass du nicht jeden retten kannst ..." Ein unfassbar aufgeladenes und kaum überinszeniertes piece, dachte ich.

Und eines, das so nur in der manchmal verrückten Welt des Ehrenamts entstehen kann.

Liebe Grüße und danke <3 an alle Ehrenämtler_innen in Deutschland:

Dax Werner

Kategorie: Meinung



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Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Du, Mey & Edlich,

preist ein sommerlich überteuertes Leinenhemd mit den Worten an: »Stellt bei Hitze keine Fragen.« Und bei Kälte? Wispert es da herbstlich aus der Achsel: »Könnte mal bitte jemand das Fenster schließen?« oder »Warum macht die Knopfleiste nicht einfach ihren Job, die faule Sau?« Wäre für uns das ganze Jahr ein Kaufargument!

Deine Modeflüster/innen von der Titanic

 Danke, »Zeit«,

für Deinen Artikel mit dem Titel »So gefährlich sind Blitze«! »Gewitter können tödlich sein« heißt es weiter im ersten Satz. Na, dann werden wir die als harmlos eingeschätzten Lichtspiele in Zukunft deutlich kritischer beäugen! Wir freuen uns auf weitere nützliche Artikel von Dir wie »Lava – warum wir sie meiden sollten« und »Tollwütiger Grizzlybär, dein Freund und Helfer? Von wegen!«

Immer auf der Hut: Titanic

 Hast Du das selbst gemacht, Bauhaus,

oder war’s eine Werbeagentur, die auf Dein Plakat mit dem Rasenmähroboter den verheißungsvollen Spruch »Einfach mal mähen lassen« gedruckt und uns damit schon fast überzeugt hatte, uns dann aber mit dem unmittelbar darunter positionierten Bauhaus-Slogan »Selbst gemacht tut gut« doch wieder vom Kauf abrücken ließ?

Fragen die OBI-Hörnchen von Titanic

 Salām, »GMX«!

»Irans Präsident wird vermisst: Wer ist Ebrahim Raisi?« fragst Du, weswegen wiederum wir uns fragen: Wenn man nicht so richtig weiß, wer er ist, kann er dann überhaupt wirklich vermisst werden?

Sind bereit, mit dieser Pointe abzustürzen:

Deine Humorbruchpilot/innen von Titanic

 Was geht ab, sächsische Steuerverwaltung?

Bei der Jugend anscheinend nicht so viel – jedenfalls träumen Deinen Erhebungen zufolge, man soll es kaum für möglich halten, nicht alle Schulabsolvent/innen den großen Traum von einer Karriere in der Finanzbuchhaltung.

Um junge Menschen trotzdem für aufregende Expeditionen in die Welt der Prozentrechnung und der Pendlerpauschalen zu begeistern, hast Du Dir einen Slogan überlegt: »Lust auf ein AbenSteuer?«

Wir freuen uns also jetzt schon darauf, wie Superheld Taxman in seiner nächsten Soli-Mission allen außergewöhnlichen Belastungen trotzt und nur knapp einem mörderischen Ehegatten-Splitting entgeht! Und zwar gerade noch rechtzeitig, um zu verhindern, dass Superschurke Dr. Elster die Welt in die kalte Progression stürzt.

Schreibt Dich dieses Jahr sicher wieder ab: Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Klare Empfehlung

Dank der Paarberatung gelang es uns, unsere Beziehung gemeinsam sanft und behutsam in die Tonne zu legen anstatt zu kloppen.

Leo Riegel

 Ungelogen

Allen, die nicht gut lügen können, aber mal einen freien Tag brauchen, sei folgendes Vorgehen empfohlen: Morgens beim Arbeitgeber anrufen und sich krankmelden mit der absolut wahrheitsgemäßen Begründung: »Ich habe Schwindelgefühle.«

Steffen Brück

 Letzte Runde

Nach einer Woche Kneipentour hat mich die Katze zu Hause vor verendete Tatsachen gestellt.

Alexander Grupe

 Beim Marktstand mit dem schlechten Verkäufer

»Entschuldigung, dürfte ich die zwei Gurken da hinten links haben und drei kleine Äpfel?«

»Nein!«

Laura Brinkmann

 »This could have been Emaille«

Wenn mein Freund wieder einmal sein viel zu teures Porzellan-Geschirr auftischt.

Ronnie Zumbühl

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03.08.2024 Kassel, Caricatura-Galerie Miriam Wurster: »Schrei mich bitte nicht so an!«
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09.08.2024 Bremen, Logbuch Miriam Wurster