Newsticker

Nur diese Kategorie anzeigen:Meinung Eintrag teilenEintrag per Email versenden Mit Facebook-Freunden teilen Twittern mit Google+ teilen

Inside TITANIC (26)

Intime Einblicke in das Innere der TITANIC-Redaktion und ihrer Mitglieder. Heute: Redakteurin Ella Carina Werner über die herzerwärmenden Augenblicke des Alltags.

Es gibt sie noch, die zauberhaften Momente. In der beliebten "Zeit"-Rubrik "Was mein Leben reicher macht", in der Leser/innen ihre Lieblingsmomente ausbreiten, summieren sie sich Woche für Woche mittlerweile zu Tausenden. Von "Im Morgengrauen in der siebten Stunde lausche ich auf dem Markt unserer alten Stadt einer Amsel" über "Wenn der Barista mit dem Milchschaum ein perfektes Herz auf den Cappuccino malt" bis "an einem kalten Winterabend Gustav Mahler hören" ist alles dabei, was den Bildungsbürger heute so bewegt.

Dass es die kleinen Dinge sind, die die größten Glücksmomente ausmachen, weiß natürlich auch die TITANIC-Redaktion. "Wenn der Frühling wieder lässt sein blaues Band flattern durch die Lüfte, und es streifen das Land süße, wohlbekannte Düfte", sinniert Chefredakteur und Volksdichter Moritz Hürtgen und schiebt, fast flüsternd, hinter: "Und dann, von fern, ein leiser Harfenton!" "Der Moment, wenn ich am Sonntag morgen auf meine E-Bike mit einer Tüte warmer Dinkelbrötchen in die Arme meiner drei Söhne radele", weiß Grafiker Tom Hintner zu berichten. "Die sanften, stillen Minuten im Bordbistro in der fünften Morgenstunde auf dem Weg in die Redaktion, auf den Lippen des DB-Baristas ein liebes Lächeln", tut Paula Irmschler mit glänzenden Augen kund. "Schöne heiße Milch mit Honig, eingelassen in meine freistehende Marmorbadewanne. Dazu ein paar Badepralinen aus 80-prozentigem Single Highland Malt Scotch", kommt Genussmensch Martina Werner aus dem Schwärmen nicht mehr heraus. "Einen Iced Latte im Barber-Shop ums Eck, wenn der Barbier Finn-Ole und ich über das spätromantische Klavierlied von Gustav Mahler disputieren", bringt Feingeist Leo Riegel seinen ganz persönlichen Best-of-Moment auf den Punkt. Und Epikureer Torsten Gaitzsch schiebt nach: "Ein Sprung in den Infinity-Pool meiner Wochenend-Datsche in Brandenburg, wenn ich einfach drauflos kraule, bis zum Horizont ..."

Auch Ex-Chefredakteure haben ihre besonderen Momente, darunter Tim Wolff: "Ich liege auf einer sattgrünen Wiese, über mir der königsblaue Himmel, unter mir die neueste Ausgabe der 'Zeit', deren Seiten verheißungsvoll rascheln. Umspielt vom Zwitschern einer Amsel, zaubert mir Harald Martenstein mit seiner Kolumne ein perfektes Herz in meine Gedanken", lobpreist der bärtige Hipster und wischt sich eine Freudenträne aus dem Augenwinkel.

Weitere berührende Momente gibt es an dieser Stelle von nun an Woche für Woche für Woche.

Nur diese Kategorie anzeigen:Meinung Eintrag teilenEintrag per Email versenden Mit Facebook-Freunden teilen Twittern mit Google+ teilen

Meditation und Markt mit Dax Werner

Das Wunder von Hannover

Liebe Leser*innen,

die Stimme ist wie für das Medium gemacht: Sonor, verraucht, mit dem unverwechselbaren Zungenschlag spricht hier einer, den man seit Jahrzehnten aus der Politik kennt. Du lieber Himmel, denkt ihr jetzt, ein merkwürdiger Einstieg für eine neue Ausgabe von "Meditation und Markt", nicht wahr? Die Ursache ist denkbar einfach: Gerhard Schröder hat gemeinsam mit seinem Intimus Bela Anda das 39-Euro-USB-Mikrofon ausgepackt und bei Spotify auf Upload geklickt: Der Altkanzler ist jetzt offiziell Podcaster! Und in jedem der laut Google-Suche 608 Internet-Artikel über den Start von "Gerhard Schröder – Die Agenda" taucht dieser eine große poetische Satz wortwörtlich auf, den ihr, liebe Leser*innen, bereits oben im Intro zu dieser Kolumne genießen durftet: Der nachdenklich-erregte Satz von der Stimme, die "wie für das Medium gemacht" scheint, unverwechselbar Schröder eben; ein Satz jedoch, der sich auf der Zielgeraden noch mal auf die Kerntugend der journalistischen Distanz besinnt und stirnrunzelnd feststellt: Man kennt ihn seit Jahrzehnten aus der Politik. Spätestens hier quillt der aufrührerische Unterton in dem Wort "Jahrzenten" zwischen den Zeilen hervor, Ageism pur. Wer so schreibt, wütet auf Twitter.com auch gegen den "alten weißen Mann".

Dennoch: Ist es nicht ein außerordentliches Mirakel, dass mindestens 608 Autor*innen exakt derselbe Satz einfällt, sobald sie gebeten werden, dieses neue Produkt in Augenschein zu nehmen? Ich zögere nicht, diesen Vorgang konkret zu benennen: ein paranormales Ereignis. Mehr noch: das Wunder von Hannover.

Wie man im Fußball mitunter das "Glück erzwingen" muss, indem man beispielsweise "den einfachen Pass spielt", ging jedoch auch diesem Wunder einiges an Vorarbeit voraus: Für den Launch haben sich Gerhard Schröder und Bela Anda starke Medienpartner ins Boot geholt. Nicht nur das "Handelsblatt" und Arcor machten auf ihren Homepages mächtig Appetit auf des Altkanzlers neuesten Mediencoup, auch die "Nordwestzeitung", Stimme.de, "Die Harke", Radio Euroherz, Radio Bamberg, Redaktionsnetzwerk Deutschland, "Neue Westfälische", "Rheinische Post", "Der Patriot" und einige andere Premium-Outlets berichten wohlwollend. Glück ist eben planbar. Oder wie wir in der Medienbranche sagen: Du brauchst ein geiles Grundrauschen, um dann Druck auf das Thema zu arbeiten.

Und dann brauchst du noch ein geiles Produkt. Und das liefern Schröder und Anda, keine Frage. Schon beim mit kultiger Technomusik unterlegten Teaser zappelte ich nach wenigen Sekunden am Haken: "In den späteren Episoden sind auch Gespräche mit Dritten geplant, wie zum Beispiel mit Vertretern aus Kunst und Kultur." Weiß nicht, wie's euch geht, aber ich hab bei den Worten direkt Bilder im Kopf, Stichwort visuelles Erzählen. Und aus einem skeptischen Hörer wird so fast wie von selbst ein Gefährte, ein Kumpan: Wird es dem Held dieses Epos, Bundeskanzler a. D. Gerhard Schröder, gelingen, im Laufe des Podcasts ein Gespräch mit Vertretern aus Kunst und Kultur zu organisieren? Wen könnte man fragen? Wer hat Zeit? Fallhöhe, Heldenreise, intrinsische Motivation: Alles da, was ein modernes Drama braucht. In Zeiten, in denen jeder Deutsche durchschnittlich 2,5 Podcasts produziert, denken Schröder und Anda das Format neu from scratch: Der Podcast als Audio-Reise, als Mithör-Abenteuer, als – in Anlehnung an Borges: gelenkter Traum.

Lasst uns wieder gemeinsam träumen. Zusammen mit Gerhard Schröder.

Herzlich, Euer Dax Werner

Nur diese Kategorie anzeigen:Meinung Eintrag teilenEintrag per Email versenden Mit Facebook-Freunden teilen Twittern mit Google+ teilen

Inside TITANIC (25)

Intime Einblicke in das Innere der TITANIC-Redaktion und ihrer Mitglieder. Heute: Moritz Hürtgen über neoliberale Satire.

Wenn mich jemand fragt, was ich beruflich mache, antworte ich entweder "Lokaljournalismus!" oder, wenn ich Lust auf eine Unterhaltung habe, wahrheitsgemäß mit: "Ich arbeite bei TITANIC." Und dann will mein Gegenüber meist wissen, "wie das so ist". Und dann schildere ich unsere kleine Frankfurter Paradiesinsel mitten in der von Sparzwängen und Ausbeutung verfinsterten Medienwelt: Flexible Arbeitszeiten inkl. lang Ausschlafen, okayer Bezahlung, absoluter Unabhängigkeit von Anzeigenkunden, voller Autonomie der Redaktion, Bierkühlschrank und natürlich der liebenswerten Kolleg/innen, die alle so tolle Dinge schreiben, zeichnen und gestalten. Wenn noch weiteres Interesse an meiner Arbeit besteht, schwärme ich weiter: Die konsequente interne (Blattkritik) und externe (Leserbriefe) Qualitätskontrolle, das ständige sich Messen an den Vorgänger/innen in der Redaktion, der Druck, sich abzusetzen von ihnen und von anderen Satireportalen, das Streben nach dem Endgültigen, die Notwendigkeit, mindestens drei beschissene Social-Media-Plattformen zu bespielen, die Korrumpierung des eigenen Privatlebens, wenn man abends um elf noch superwichtige Einfälle hat oder man per Mail erinnert wird, dass man unbedingt noch einen Kampagnentext für irgendeinen Unfug schreiben sollte – – –

Es stimmt: Bei TITANIC arbeiten ein Dutzend Leute im Paradies, jedoch: es liegt auch im Schweinesystem, das uns alle kaputtmacht. Ist unser Bierkühlschrank am Ende die Entsprechung zur Matcha-Lounge im Google-Office? Gewiss nicht – aber es ist halt mein Beruf, zu überspitzen.

Nur diese Kategorie anzeigen:Meinung Eintrag teilenEintrag per Email versenden Mit Facebook-Freunden teilen Twittern mit Google+ teilen

Meditation und Markt mit Dax Werner

Die Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen

Liebe Leser*innen,

dieser Tage erreichen mich viele Emails und Nachrichten in meiner geschlossenen Telegramgruppe, die Fragen laufen alle in eine ähnliche Richtung: Wie navigiert Dax Werner momentan privat durch die Krise?

Die Antwort ist relativ einfach: Ich bin seit Wochen damit beschäftigt, die sich ständig verändernden Pandemie-Maßnahmen in meine Tagesroutinen zu integrieren. Dabei erweist sich das föderale Mega-Puzzle Bundesrepublik einmal mehr als Stärke und Schwäche zugleich: Aus Sorge vor einer Infektion meines Huawei-Mobiltelefons habe ich bislang alle Houseparty-Konferenzen mit Freunden in anderen Bundesländern abgesagt, vorgestern bin ich dann aber doch mal in unseren Ikea in Kamen gefahren, weil die Nachbarn schon eine ganze Weile angewiderte Blicke in Richtung unseres „Balkons“ werfen und unser MP Laschet die Möbelhäuser als bundesweit erster wieder aufgeschlossen hat. Auch hier wieder: Deutschland der unterschiedlichen Geschwindigkeiten. Oder wie Ulf Poschardt schreiben würde: Ein Land mit unterschiedlichen "Drifts".

Die Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen. Zum Beispiel ist Markus Söder formal noch Ministerpräsident des Freistaats Bayern, obwohl er für mich eigentlich und durch die normative Kraft des Faktischen – ein Begriff, den ich gerade gegoogelt habe – schon längst die BRD regiert. Denn während der hemdsärmlige Mit-Aspirant Laschet mit peinlichen Nachfragen zur Heinsberg-Studie aufgehalten wird, hat sich Söder, der vor noch gar nicht allzu langer Zeit lediglich durch extrem nischige Karnevalsverkleidungen auffiel, längst in den präsidialen Modus kalibriert: Interviews führt er nur noch per Webcam-Schalte, in Talkrunden übernimmt er die Rolle des verständnisvollen Mediators und lobt seit einigen Tagen Journalisten für ihre in Fragen verpackte Sachkenntnis. Mehr Kanzlerformat geht nicht.

Doch ein Wort der Warnung sei hier auch gesetzt: Selten fallen Helden schneller als in Krisenzeiten, die Beispiele sind zahllos. Mit dem nachlassenden Interesse an RKI-Pressekonferenzen sank auch rasch der Stern des entschlossenen Krisenmanagers Jens Spahn, und selbst der Podcast des Popvirologen Prof. Christian Drosten rangiert zwar in den Charts noch auf der Eins, jedoch Obacht: Er spürt bereits den Atem der deutlich älteren Männer auf den Plätzen 3 (Gabor Steingart) und 9 (Kekulés Corona-Kompass), und auf Twitter und in der "Bild" gilt Drosten sogar schon länger als persona non grata.

Wie man gut erkennen kann, habe ich für die heutige Kolumne einige Fremdwörter gegoogelt. Das hat mit meiner durch die Krise neu entfachten Leidenschaft für komplizierte Wörter zu tun: Jeden Tag versuche ich, ein neues schwieriges Wort zu lernen und damit im Internet anzugeben.

Vielleicht klappt es ja auch mit dieser Kolumne?

Herzlich, Euer Dax Werner

Nur diese Kategorie anzeigen:Meinung Eintrag teilenEintrag per Email versenden Mit Facebook-Freunden teilen Twittern mit Google+ teilen

Inside TITANIC (24)

Intime Einblicke in das Innere der TITANIC-Redaktion und ihrer Mitglieder. Heute: Fabian Lichter über das Abgehängt-Sein.

Deutschland lockert sich, doch ich bin nicht dabei. Während die ersten bereits wieder aus ihren Homeoffice-Höhlen in ihre Büro- oder Redaktionsräume tigern, um loszupowern und das BIP anzukurbeln, arbeite ich immer noch eremitisch von zu Hause aus, umgeben von Staubsauger und Wäscheständer, ewiges Provisorium. Grund: familiäre Verpflichtungen und Todesangst. Das ist okay und fühlt sich richtig an. Die Nachteile eines Lebens über Monate in denselben vier Wänden liegen aber auf der Hand: Verwahrlosung, Hausstauballergie und seltsame Halluzinationen von Tentakelwesen, die mir dann und wann erscheinen und mich mit meinen geheimsten Gedanken erpressen, ehe sie sich mit einem Funkenschlag in Luft auflösen. Meine einzige Verbindung zur Außenwelt, der Jitsi-Stream in die TITANIC-Redaktion, läuft mysteriöserweise in gerade noch messbaren Geschwindigkeiten und liefert mir nurmehr knapp einen mickrigen Frame pro Sekunde auf meinen Bildschirm. Folge: Meine KollegInnen sind zu unheimlichen Schemengestalten verkommen, ein breiiger Matsch aus Pixeln, so groß wie Fußballfelder. Auch der Sound lässt lediglich noch einzelne Wortbröckchen durchsickern, die ich mir notiere und aus denen ich versuche, meine Aufgabenstellung für das kommende Heft zusammenzureimen. Meine Notizen aus 1 1/2 Stunden Redaktionskonferenz lauten: Maske, Laschet, Frankfurter Schnitzel. Hilfe! Kann mich irgendjemand hören?

Nur diese Kategorie anzeigen:Meinung Eintrag teilenEintrag per Email versenden Mit Facebook-Freunden teilen Twittern mit Google+ teilen

Meditation und Markt mit Dax Werner

Neues aus Wissenschaft & Forschung

Liebe Leser*innen,

der Innovationsstandort Deutschland bebt auch trotz Pandemie weiter! Denn im Technologiecluster Berlin ereignete sich am vergangenen Sonntag ein wissenschaftlicher Durchbruch von internationaler Bedeutung: Einem Forschungsteam der Fachhochschule Biberach an der Riß ist es zum ersten Mal gelungen, eine komplette, geschlossene Facebook-Verschwörungsgruppe aus dem Internet in die physische Welt, genauer: vor die Tore der Berliner Volksbühne zu teleportieren. Anwohner twitterten in den sozialen Medien bereits von Lichtblitzen und Explosionen, als sich nur wenige Sekunden später eine bunte Horde von Truthern, Reichsbürgern und Skeptikern auf dem Rosa-Luxemburg-Platz materialisierte: Manche trugen ein Pappschild mit dem Grundgesetz vor dem Bauch herum, viele filmten sich sogar bereitwillig selbst.

In einem ersten gut gelaunten Statement zeigten sich die Forscher zufrieden: "Heute ist vielleicht ein kleiner Tag für die Quantenforschung, ein großer Tag jedoch für viele Mitglieder der Facebook-Gruppe, von der so mancher seit Jahren kein Tageslicht mehr gesehen hat! Zur Stunde gehen wir von circa 1000 erfolgreichen Teleportationen aus."

Gleichzeitig wurde jedoch auch Kritik am Test laut, den manch einer unter ethischen Gesichtspunkten für mindestens fragwürdig hält: "Den Teilnehmern wurde weisgemacht, dass sie auf eine ganz gewöhnliche Hygienedemonstration gehen würden! Quo vadis, Germaniae?" polterte Tübingens OB Boris Palmer auf Facebook. "Inhaltlich geht es den Demonstrierenden um legitime Anliegen", pflichtete ihm Prof. Kekulé in den Drunterkommentaren bei. "Etwa, dass die NWO, Bill Gates und China den Corona-Virus erfunden haben, damit die ohnehin schon gebeutelten Menschen dieses Landes ihr Grundrecht auf Grillen und Demonstrieren verlieren. Aufwachen, Leute!"

Längst aufgewacht zeigte sich später am Abend NRWs Ministerpräsident Armin Laschet, oder wie wir Nordrhein-Westfalen ihn inzwischen liebevoll nennen: der Macher aus Öcher. In einem vieldiskutierten Auftritt bei Anne Will brachte AL das große Unbehagen der Deutschen gegen die Wissenschaft als solche volksnah zum Ausdruck und führte als Beispiel die ständigen Kurswechsel der Top-Virologen in der Pandemie an: "Frau Will, da wird doch der Hund in der Pfanne verrückt: Eine Sache ist entweder richtig oder falsch. Und wenn das einmal feststeht, ändert sich das auch nicht mehr!" Schade, dass alle Talkshows gerade auf Studiopublikum verzichten: Hier hätte es Applaus hageln müssen!

Und für seine ganz eigene Wissenschaftstheorie ist Laschet vermutlich selbst das beste Beispiel: Denn während einige immerfort Schlechtgelaunte ihm aktuell vorwerfen, das Interesse am Wohl der Kinder und Schwächen der Gesellschaft in der Lockerungs-Diskussion nur vorzuschieben, um die Jahresbilanzen seiner rheinischen Wirtschaftsbuddies zu retten, ist doch das Gegenteil der Fall: Ich kann mich an keine Talkshow seit Ende der Neunzigerjahre erinnern, in denen Laschet das Wohl der Armen, Schwachen und Kinder nicht an die erste Stelle gesetzt hätte! Ich möchte sogar weitergehen: Laschet ist für mich der deutsche Bernie Sanders. Denn auch gegen ihn gab es beispiellose Schmutzkampagnen. Weil er nicht davor zurückschreckte, die Wahrheit auszusprechen.

Cui bono? Connected die Dots, Leute.

Euer Dax Werner

Nur diese Kategorie anzeigen:Meinung Eintrag teilenEintrag per Email versenden Mit Facebook-Freunden teilen Twittern mit Google+ teilen

Inside TITANIC (23)

In der heutigen Folge der Zuhauskolumne schildert Telepraktikantin Julia Mateus, wie eine TITANIC-Hospitanz in der Isolation abläuft.

Über das Arbeiten im Home-Office ist in den letzten Wochen viel kolumniert worden. Zwischenbilanz: Es ist grundsätzlich möglich, aber ein Home-Office ist oft doch eher ein Heim als ein Büro, so wie auch ein sog. Hotelzug, in dem Fahrgäste bei Unwettern übernachten müssen, weiterhin ein Zug ist und kein Hotel, auch wenn die Bezeichnungen vielleicht etwas anderes suggerieren mögen.

Der Arbeitstag im TITANIC-Heimpraktikum beginnt am Frühstückstisch. Hier werden Nachrichten konsumiert und je nach Tagesform die ersten Scherze am Lebenspartner getestet. Danach steht ausführliche Themenrecherche auf dem Programm. "Mal was ohne Corona-Bezug" will ich mir einfallen lassen. Eine typische Praktikantenaufgabe, die schon mal ein paar Stunden am Wohnzimmerschreibtisch füllen kann.

Kaum habe ich mich zwischendurch zum nachmittäglichen Spaziergang durchs nahe gelegene, hoffentlich niedrig frequentierte Industriegebiet aufgemacht, kriege ich eine Benachrichtigung, dass uns Webmaster Alexander Golz asap zur Videokonferenz erwartet. Fast hätte ich es verschwitzt!

Nach zehn Minuten voll gegenseitigem Mobbing ("Er kann uns alle lachen sehen, aber hört nichts", "Dein Kopf ist angeschnitten", "Haha, jetzt hat sie sich bewegt") sind die psychisch angeschlagenen Redaktionsmitglieder erschöpft. Sinnkrisen entstehen, die Systemrelevanz der Satire wird infrage gestellt: "Mit welchen Themen soll man jetzt noch um die Ecke kommen?" fragt Chefredakteur Moritz Hürtgen.

Dann ist das Meeting bald zu Ende und der Arbeitstag auch. Doch es ist nicht die einzige Frage, die offen bleibt. Wird der Zuchtpilz von Torsten Gaitzsch und Martina Werner in den nächsten Wochen die Redaktionsräume erobern? Welcher Supermarkt liefert uns doch noch unsere lieb gewonnene Konferenzschokolade, die 300g-Erdnuss-Karamell-Milka, ins Home-Office?

Die eine oder andere beantwortet vielleicht die nächste Folge der Hauskolumne oder auch das kommende TITANIC-Heft, das am Freitag erscheint.

Aktuelle Cartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Exquisit, Rowohlt Verlag,

ist abermals das Herbstprogramm Deines – wie man so sagt – Labels »Kyss«, mit welchem Du deutschsprachige Heranwachsende zu kompetenter Leserschaft fortbilden möchtest.

Die bewährte Anya Omah (»eine im Selfpublishing bereits erfolgreiche Autorin mit großer Fanbase«) verheißt eine erbauliche »New-Adult-Trilogie mit deutschen Settings«, bestehend aus dem Roman »Regenglanz« (»so schmerzlich schön wie ein Tattoo«), sodann »Nebelschimmer« (»Eine Own Voices Romance. Divers, positiv und selbstverständlich«) und schließlich »Gewitterleuchten« (»Forbidden Love, Second Chance, Enemies to Lovers«), während Kira Mohn in ihrem Werk »The Sky in Your Eyes« die Problemfelder »Body Positivity und Naturschutz« thematisiert, wohingegen Jen deLuca »Fake Relationship« angeht, »eines der beliebtesten Romance-Motive, kombiniert mit dem absolut einzigartigen Setting Mittelalterfestival«, und zwar in ihrem Roman »A History of Us – Nur drei kleine Worte« (aber sind das nicht genau genommen vier kleine Worte? Nun, eine Petitesse).

Urdeutsche Settings à la Naturschutz plus Mittelalter, kombiniert mit Body Positivity und Fake Relationship: da kommen die New Adults unseres Vaterlands garantiert ins gepflegte Schmökern.

Geben Dir dennoch keine Second Chance: die Erwachsenen von Titanic

 Birne Merz!

Stimmt das, was wir da lasen? Dass der geplante Ausbau des Flugplatzes Arnsberg-Menden, an dem Sie als Anwohner und »passionierter Pilot« (Spiegel) großes Interesse haben, in Gefahr ist? Grund dafür ist neben den 4500 Quadratkilometern Wald, die gerodet werden müssten, die wenige Millimeter große Quellschnecke, deren Lebensraum ebenfalls geopfert würde. Es soll deshalb nun Klage eingereicht werden.

Und da stehen wir selbstverständlich felsenfest hinter Ihnen, Merz. Denn die Vorstellung, dass Sie nach den Niederlagen gegen Kramp-Karrenbauer und Arminion Laschet nun auch noch gegen ein winziges Weichtier den Kürzeren ziehen, können wir schlicht nicht ertragen.

Lass Dich nicht zermürben, Fritz! Titanic

 Recht medizinisch, Digitalisierungs-Staatsministerin Dorothee Bär,

gingen Sie im Tagesspiegel die Steuersenkungspläne für den so genannten Mittelstand Ihrer CSU und der CDU an: »Viele Unternehmen haben während Corona stark geblutet, ihnen müssen wir jetzt den Rücken stärken.«

Hm, das könnte vielleicht die falsche Therapie zur Diagnose sein. Und abgesehen davon, dass Sie damit womöglich noch mehr Geld in Umlauf bringen, an dem Blut klebt, können so ein paar labbrige Scheinchen einen Rücken überhaupt richtig stärken? Oder denken Sie etwa nur an einen Stapel stabiler Münzen? Auch wackelig; und das lassen Sie mal besser nicht Ihre Wählerinnen und Wähler hören, rät Ihnen Dr. Google von der Titanic

 Allergieinfodienst!

Du schreibst auf Twitter: »Allergiker sollten sich bei essbaren Insekten informieren«, ob Kreuzreaktionen mit anderen Nahrungsmittelallergien möglich seien. Aber wenn die Insekten auch nur ein bisschen Hirnschmalz haben, was werden die wohl antworten? Vermutlich so etwas wie »Esst keine Insekten! Hochallergisch!«, um die eigene Haut respektive den Chitinpanzer zu retten.

Informieren sich doch lieber bei echten Fachleuten:

Deine Spaßvögel bei Titanic

 Försterfürst Peter Wohlleben!

Försterfürst Peter Wohlleben!

Irre, was Sie im Spiegel-Interview so vom Stapel lassen. Vor allem hacken Sie auf die Methoden der Forstwirtschaft ein: »Viele Förster reagieren auf meine Argumente und Ideen wie Terrier, die an die Wand gedrängt werden.« Landwirtschaftsministerin Klöckner wolle nicht in Talkshows mit Ihnen sitzen, Bäume aus Baumschulen bezeichnen Sie als »Weicheier, gedopt mit Dünger«. Und: »Die klassische Forstwirtschaft geht oft superbrutal vor, mit Riesenkahlschlägen. Als ob die Förster irgendwelche Substanzen geschluckt hätten.«

Und das lassen wir an der Stelle einfach mal stehen wie einen schönen, heimischen Feldahorn, den Sie gegenüber den Baumschul-Weicheiern klar bevorzugen.

Gut Holz, alte Weichbirne: Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Private Vorsorge

Man hat da einen bösen Verdacht und beginnt eine Nabelschau. Man betastet Spitzbauch, Nasenhaar, Krähenfuß und Gemüt: Midlife-Crisis! Man sucht Rat bei den Raunern im Netz und stößt auf die teilnahmsvolle Warnung, dass bisher Erreichtes jetzt zur Last, gar zum Feind werden könne. Man unterzieht die Erfolge der Vergangenheit einer Inventur, mit der man sehr schnell fertig ist, und dankt, gänzlich unbelastet, seinem jüngeren Ich. An der Front muss wohl kaum mit einem Angriff gerechnet werden.

Sascha Lützeler

 Ironie. Ein Schüttelreim

Ich hab’ mir am Buch »Wundversorgung Grundwissen« ironischerweise den Finger wund g’rissen.

Jürgen Miedl

 @o_tempora_._o_mores

Die Jugend wird immer dümmer? Ja, ja, das behaupten gnatzige Tattergreise schon immer, von den alten (haha) Griechen bis zu den Sumerern vor 5000 Jahren. Heute sind wir weiter: Die Alten müssen diesen Vorwurf nicht mehr umständlich in Tontafeln ritzen oder auf Papier drucken – die Jugend trägt die Einfalt bereits im Namen, genauer: im TikTok-Benutzernamen! Sind die Wunschnamen »anna«, »bayernfan« oder »björn« schon weg, gibt es noch Fantastilliarden Möglichkeiten, ein originelles, nicht vergebenes Alias zu finden; etwa indem man einfach ein paar Alltagsvokabeln zusammenschraubt: »doppelpferd«, »eieralarm«, »elektrononne« – alle noch frei und alle ohne eine bescheuerte Kombination aus Zahlen, Unterstrichen und Punkten! War das so schwer, @elina_123____, @klausklausiii und @.miiiniiischnuff.? Der alte @sookraatees__philo.king würde schmunzeln.

Alexander Grupe

 Ungeduldige Frage

Wie alt muss ich eigentlich werden, damit ich mir endlich einen Porsche wünsche?

Katharina Greve

 Exklusive Expertise

Wer sich immer schon über die Merkwürdigkeit des Ausdrucks wunderte, jemand sei ein »Dahergelaufener« und allein angesichts dessen nicht qualifiziert, in puncto eines bestimmten Sachverhalts etwas zu äußern oder zu tun und daher von vornherein unbedingt auszuschließen, dem sei gesagt: Richtig so! Denn: Da könnte ja jeder kommen!

Andreas Meinzer

Vermischtes

Torsten Gaitzsch/Sebastian Klug: "Akte D: Die Wahrheit über Deutschland"
Die Redaktion versichert: Torsten Gaitzsch und Sebastian Klug, die  Autoren dieses Buches, wissen Dinge – schreckliche Dinge! – von denen  Sie, die Leser, nicht einmal zu träumen wagen. Denn es wären Alpträume!  Wählen Sie diese Prämie und erhalten Sie Einblicke in die tiefsten  Abgründe Deutschlands, die Sie wahnsinnig lachend und mit Schaum vor dem  Mund zurücklassen werden. Bisher hat es kein Leser bis zur letzten  Seite geschafft…Gerhard Henschel: "Harry Piel sitzt am Nil"
Fuck, dieses Buch sollte man gelesen haben, wenn man  kein übelst versiffter Wichser sein will. Schmähungen und böse Wörter  machen das Leben echt oberarschmäßig zum Kotzen. Vielleicht kapieren Sie  Versager das endlich, wenn Sie Henschels neuesten Streich gelesen  haben. Können Sie überhaupt lesen? Wahrscheinlich nicht. Trollen Sie  sich, Sie Wicht! Aber trotzdem abonnieren und diese Top-Prämie wählen.Die PARTEI-Wahlwerbungs-DVD mit allen vier Wahlwerbespots aus dem Bundestagswahlkampf 2005: Höhepunkte der Politpropaganda, die von Otto Schily mit dem Prädikat "ein Skandal" ausgezeichnet wurden. Besser aufgelöst als auf Youtube und noch dazu mit einer praktischen, farbechten Hülle drumrum - das ist doch was, was?Hauck & Bauer: "Ich kann einfach nicht Wein sagen"
Die beste Zeit, einen Band des Zeichnerduos Hauck & Bauer zu kaufen – sie ist seit sicher zehn Jahren vorbei. Heute sind die Werke von Elias Hauck und Dominik Bauer kein Geheimtip mehr. Die zerstrittenen Künstler kommunizieren inzwischen ausschließlich per Fax, leben in luxussanierten Altbauwohnungen mit kugelsicheren Whirl- und Autorenpools, in denen hungernde Leiharbeiter Comics anfertigen müssen. Leider ist auch der neueste Band der beiden Ausbeuter sehr gut, bestellen Sie hier!Wenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
Zweijahres-Abo: 117,80 EURKamagurka & Herr Seele: "Cowboy Henk"
Er ist Belgier, Kamagurka. Belgier! Wissen Sie, was der Mann alles durchgemacht hat in letzter Zeit? Eben, er ist Belgier. Und hat trotzdem in einem Finger mehr Witz als Sie im ganzen Leib! Und Heldenmut! Glauben Sie nicht? Dann lassen Sie sich von Cowboy Henk überzeugen, dem einzigen Helden, der wirklich jeden Tag eine gute Tat begeht.
Zweijahres-Abo: 117,80 EURHeinz Strunk: "Das Strunk-Prinzip" (Hörbuch, 2CDs)
Sie sind ein totaler Versager und können sich Hörbücher nur als Abo-Prämie leisten? Dann nehmen Sie wenigstens dieses hier: "Das Strunk-Prinzip", die beliebte Kolumne aus TITANIC als Hörbuch! Power- und 110-Prozent-Autor Heinz Strunk zwiebelt Ihnen blitzgescheite Weisheiten um die Ohren bis Sie gar nicht mehr anders können als in Erfolg, Geld und Sex zu ersaufen. Das Strunk-Prinzip setzt Ihrem Elend endlich ein Ende. Mutter wird sich freuen!Sonneborn/Gsella/Schmitt:  "Titanic BoyGroup Greatest Hits"
20 Jahre Krawall für Deutschland
Sie bringen zusammen gut 150 Jahre auf die Waage und seit zwanzig Jahren die Bühnen der Republik zum Beben: Thomas Gsella, Oliver Maria Schmitt und Martin Sonneborn sind die TITANIC BoyGroup. In diesem Jubiläumswälzer können Sie die Höhepunkte aus dem Schaffen der umtriebigen Ex-Chefredakteure noch einmal nachlesen. Die schonungslosesten Aktionsberichte, die mitgeschnittensten Terrortelefonate, die nachdenklichsten Gedichte und die intimsten Einblicke in den SMS-Speicher der drei Satire-Zombies – das und mehr auf 333 Seiten (z.T. in Großschrift)! 
Zweijahres-Abo: 117,80 EUROliver Maria Schmitt: "Mein Wahlkampf"
Ein Mann (Schmitt), eine Partei (Die PARTEI), eine Wahl (Oberbürgermeister Frankfurt): ein einzigartiger Erfolg (1,8%). Man könnte meinen, damit wäre alles gesagt. Aber weit gefehlt! Denn jeder Erfolg hat eine Geschichte. Eine Erfolgsgeschichte! Und Oliver Maria Schmitt erzählt seine wie kein zweiter: Alles über Spitzenpolitik, Demokratie, Propaganda, Nutten, Koks, schmutzige Machenschaften und die kommende Weltherrschaft Schmitts erfahren Sie nur in diesem Buch. Witziger als die Mao-Bibel, schmissiger als »Mein Kampf«: Jetzt lesen, damit man nach der Machtergreifung keine Ausreden braucht!Friedemann Weise: "Die Welt aus der Sicht von schräg hinten"
Laut seiner Homepage ist er der "King of Understatement" und der "lustigste Mensch im deutschsprachigen Internet". Er ist aber auch Gitarrenmann, Viralblogger (15000 Follower!), Gagautor und Promiexperte mit Diplom. Die Rede ist von Friedemann Weise, dem Mann mit dem Namen! Der Mann, der den "Satiropop" erfand. Und jetzt auch noch ein Buch vorlegt. Ob das gutgeht? Ordern Sie diese Prämie und teilen Sie Ihr vernichtendes Urteil bitte zeitnah der TITANIC-Redaktion mit.
Erweitern

Das schreiben die anderen

  • 20.09.:

    In der Jungen Welt würdigt Stefan Gärtner den 80jährigen Eckhard Henscheid.

Titanic unterwegs
23.09.2021 Köln, Comedia Max Goldt
24.09.2021 Essen, Zeche Carl Max Goldt
24.09.2021 Berlin, Mehringhof-Theater Ella Carina Werner
25.09.2021 Bremen, Havengalerie Katharina Greve: »Satire gegen rechts«