Newsticker

Nur diese Kategorie anzeigen:Meinung Eintrag teilenEintrag per Email versenden Mit Facebook-Freunden teilen Twittern mit Google+ teilen

Nur kein Gedäh! – von Martin Knepper

40 Jahre TITANIC – denkt denn keiner an die Leser?

Richtig Ärger eingehandelt hat mir TITANIC nur einmal: Das war 1980, als mein Vater entdeckte, dass ich meinen Konfirmationsspruch (Zephanja 3,16-17), der in kiefernem Rahmen an der Tür meines halb noch Kinder-, halb schon Jugendzimmers hing, mit einer ausgeschnittenen Überschrift aus der "Life of Brian"-Kritik der damals aktuellen TITANIC ergänzt hatte: "Fuck Jesus" war da zu lesen, und das elterliche Tamtam galt vermutlich nicht so sehr der inhärenten Blasphemie, die dem schwammigen familiären Christentum wohl weniger ins Herz schnitt, als dem Abschied von der Kindheit, der sich hier trotzig zu behaupten suchte. In unerbittlicher Abfolge, vergleichbar dem Weg von den Zigaretten zu den Joints, aus denen schließlich Trips wurden (vgl. Juliane Werding: "Conny Kramer", 1973) hatte ich die klassische gymnasiale Evolution durchmessen, die von YPS über MAD zu TITANIC führte, neben Flipperautomaten und Tempotüchern die dritte Säule meiner Pubertät. So begannen die Jahre zögernder, oft erfolgloser Versuche, die Kolumnen Walter Boehlichs zu verstehen, den Sinn hinter den parenthetischen Anmerkungsgewittern Eckart oder Eckard oder Eckardt Henscheids oder Henscheidts zu erfassen, meinen Bezugsrahmen den Rundumschlägen der "Briefe an die Leser" anzupassen und mit dem Frust zu leben, wenn es einer meiner Heroen (Hanns Dieter Hüsch, Hubert Fichte) in die Liste der "Sieben peinlichsten Persönlichkeiten" geschafft hatte. Die Jahre vergingen, ich reifte zum Manne (Penis) und Abonnenten, der erhobenen Hauptes die niemals im neutralen Umschlag versandten Hefte vom Postboten mit der Deutschlandfahne am Fahrrad entgegennahm; sie allenfalls schamvoll bedeckend, wenn ich der türkischen Zugehfrau das jeweils aktuelle Erdogan- oder ISIS-Cover nicht zumuten zu können glaubte. It's a long way from Sossenheim to Intimschatulle: Seither ist die TITANIC ungezählte Male jünger und inzwischen auch weiblicher geworden, was man von mir beides nicht behaupten kann. Ist sie deshalb gescheitert? Oder bin ich es? Fuck Failure.

Nur diese Kategorie anzeigen:Meinung Eintrag teilenEintrag per Email versenden Mit Facebook-Freunden teilen Twittern mit Google+ teilen

Life & Style mit Antonia Stille

Style: Ein Verlag kommt selten allein 

Kennt ihr das? Ihr wacht neben eurem Schatz auf und denkt euch: Was tun als junges berufstätiges Paar, das keine Zeit für Kinder, aber eigentlich genug Geld hat? Richtig: Das Accessoire des Herbsts – neben einem Rauschebart für ihn und farbgleichen Steppjacken für beide – ist Meinung. Meinung, Meinung, Meinung. Denn damit ist es wie mit dem Geld: Man kann davon einfach nicht genug haben (und drucken). Meinung. So günstig wie im Moment ist sie nie wieder, also greift lieber zu, bevor alle Zeitungen mit stylischem Layout und im Loft gelegener Druckerei weg oder eingestellt sind. RIP JWD. Heute schon besitzen, was morgen gedruckt wird. Ihr müsst nur wissen, wie.
Mein Trendradar spuckt folgendes Ergebnis aus: En vogue sind gedeckt gedruckte Farben. Meinung in Taubenblau, Analyse in Senfgelb und dazu ein bisschen Recherche in Lindgrün, aber bloß nicht zu viel. Deshalb ist es elementar, bei der Wahl des zu erwerbenden Blatts darauf zu achten, dass es zu einem passt wie der Chihuahua in die Handtasche. Das Allerbeste: Beim Kauf einer Zeitung könnt ihr im Gegensatz zum 08/15-Shopping sichergehen, dass bei der Produktion keine Kinderarbeit im Spiel war. Außer natürlich unbezahlte Praktikanten. Es ist auch nicht ganz so wichtig, ob man vor dem Kauf in das Blatt reinschaut, wie die Meinungsmaschinen und Monetarisierungsmenschen Holger und Silke Friedrich beweisen, die ihre frisch erworbene "Berliner Zeitung" nach eigenen Angaben seit fast 15 Jahren nicht mehr gelesen haben. Konsequent! Wichtig ist dabei, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren: Wie sieht das Druckerzeugnis unterm haarlos gelaserten Arm aus, und performt es auf Partys als Conversation Starter und Kreditwürdigkeitsbeleg? Das Urteil: acht von zehn Bleiwüsten. Meine Meinung!

Nur diese Kategorie anzeigen:Meinung Eintrag teilenEintrag per Email versenden Mit Facebook-Freunden teilen Twittern mit Google+ teilen

Inside TITANIC (9)

Intime Einblicke in das Innere der TITANIC-Redaktion und ihrer Mitglieder. Heute: Redaktionspraktikant Adrian Schulz über eine kreuzbiedere Langweilerbude.

Eigentlich ist es "ganz cool" in der Redaktion, wie man heutzutage sagt, besonders als Neuling, Frischling, Praktikant. Natürlich wurde früher, unter Gernhardt, Knorr, Kühne und Konsorten, mehr gefickt und gesoffen, wie man allenthalben hört; aber ich war da ja noch gar nicht am Leben, kann mich also gar nicht authentisch reinficken, äh, -fühlen in diese Heiterkeit, die damals geherrscht haben muss.
Heute sind privat alle sehr ernst und werden böse, wenn man nicht grüßt. Chefredakteur Moritz Hürtgen lässt mich jeden Morgen mit einer Zeigefingerwackelgeste antanzen und Bericht erstatten, wie denn meine "Mood" sei und welche "Achievements" ich mir für heute vornähme. Um Punkt 12 Uhr gehen dann alle in Hürtgens Büro und schalten gleichzeitig gemeinsam ihr "Satiregesicht" an. Ein regelrechtes Spektakel beginnt nun, bei dem die eine Hälfte der Redaktion notorischen Witzzwang ausagiert – "Was darf Satire? Alles außer Tiernahrung!" –, während die andere zu Komikprofessoren mutiert und das von ihren Kollegen Gesagte pausenlos auf Humorpartikel und ihre Funktionen hin zerlegt: "Schöne Merkelpointe, aber schon oft gehört. Und kommt mir etwas schnell geschrieben vor. Vielleicht muss man die Rampe noch anders bauen, dass die Fallhöhe ..." Es handelt sich also, mit anderen Worten, um eine neoliberale Totalegal-Agentur wie jede andere auch, allerdings noch nicht ganz auf der Höhe der Zeit und mit sehr wenig Geld, das, mangels Alternative, in fünf Tonnen gut gemachtes Kioskfleisch von Redaktionsversorger "Wurst-Backwaren-Milch" täglich investiert werden muss.
Und da sehe ich auch schon, wie Chefredakteur Moritz Hürtgen von seinem halben Schreibtischstuhl (sehr wenig Geld) aufsteht und mir sagt, dass ich mit dieser meiner "lieblosen Metasatire" die "Teambalance" gefährden würde; und fragt, ob denn meine "Values" noch stimmten? Pflichtbewusst hole ich, wie ich es am ersten Tag meines Praktikums gelernt habe, die Cheerleader-Puschel aus dem Inneren meines ergonomischen Stehpultballes hervor und brülle, während ich, scheinbar wie nebenbei, mit Hürtgen zugewandtem, motiviertem Lächeln auf den Lippen brutalste Verrenkungen meiner Gliedmaßen vornehme: SATIRE --- DARF --- ALLES --- SATIRE --- DARF --- ALLES --- SATIRE --- DARF

Nur diese Kategorie anzeigen:Meinung Eintrag teilenEintrag per Email versenden Mit Facebook-Freunden teilen Twittern mit Google+ teilen

Meditation und Markt mit Dax Werner

Niemand ist mehr sicher

Ungemütlicher Branchenfunk aus Berlin: Der Finanzinvestor KKR steigt bei Springer ein und will den ganzen Laden auf links drehen. Die Kiste muss so langsam wirklich mal profitabel & zu Ende digitalisiert werden und Tausende Arbeitsplätze sind plötzlich auf dem Prüfstand (jedoch erst mal nicht die Chefredaktionen: "Da wird es vielleicht Verkleinerungen, aber keine spektakulären Veränderungen geben", Döpfner), auch bei "Bild", aber vor allem bei der "Welt".

Natürlich greift man bei dieser Nachrichtenlage instantly nach den low-hanging fruits: "Staatliche Soforthilfe für die Springer-Männer aus Berlin!", "Tja, euren Job regelt dann wohl jetzt auch der freie Markt, was?" oder "He Ulf, wie schmeckt Dir Deine eigene Medizin?" Fertig ist die Kolumne, abschicken, Feierabend.

Die Wahrheit ist: Das ist mir zu billig. Zu uninspiriert. Das bin nicht ich. Und ganz so einfach ist eben auch nicht.

Denn auch in dieser Kolumne habe ich wieder einen sogenannten Hot Take untergebracht. Von einem Hot Take spricht man, wenn man das Gegenteil von dem zu verargumentieren versucht, was einem der gesunde Menschenverstand und die Mehrheitsmeinung auf Twitter bezüglich dieses oder jenen Sachverhalts sagt. Also, einmal anschnallen bitte: Wenn "Welt"-Chefredakteur Ulf Poschardt am Ende dieser Umstrukturierungen tatsächlich seinen Job verliert oder plötzlich die Leserbriefe bei "Auto Motor und Sport" beantworten muss, dann, ja dann werden auch wir unsere Jobs auch auf kurz oder lang verlieren. Perspektivisch zumindest.

Oder anders gesagt: Wenn Ulf fällt, fallen wir auch. Denn Ulf ist – and I take no pleasure in saying this – wenn man mal alles, was er so den lieben langen Tag von sich gibt, mal außer Acht lässt, genau dieselbe verkrachte Existenz wie wir: Irgendwas mit Geisteswissenschaften studiert, kurze, sehr intensive Technophase, dies & das, und dann mit Ende 20 beim Blick auf den Kontoauszug bisschen Panik bekommen, Endstation Festanstellung. Und jetzt sitzt man in irgendwelchen Büros mit großen Fenstern, verdammt zur Wertschöpfung, zur Leistung, zum Funktionieren. Aber wir spüren's doch recht deutlich: Irgendwie ist da nichts mehr, keine Wut, kein Furor, keine Idee. Immer nur derselbe eine Joke. Nichts regt uns mehr wirklich auf. Stattdessen vertreiben wir uns den Tag mit Mario Sixtus, Ralph Ruthe und ca. 2000 weiteren deutschsprachigen Nutzer*innen auf Twitter-dot-com und schreiben für ein paar Favs minütlich ins Internet, wie wir unterschiedliche Sachverhalte unterschiedlich bewerten. Und Ulf munter mit dabei.

Und das alles vielleicht nur, um der brutalen Wahrheit nur ein paar lange Augenblicke mehr aus dem Weg gehen zu können: Die Einschläge kommen näher. Niemand ist mehr sicher, da kann dein Podcast noch so gut laufen. In Zeiten, in denen selbst die Markt-Ultras vom Markt weggeregelt zu werden drohen, gilt es, zusammenzurücken. Auch unsere Jobs, die ganzen Projektstellen und befristeten Verträge, in denen wir uns so tummeln, könnten morgen schon wegrationalisiert werden, weil sie in den Tabellenkalkulationen von Menschen, die früh genug aus Bitcoins raus sind, keinen Sinn mehr ergeben. Wenn's hart auf hart kommt, sind wir eben alle nur noch kleine Pixel auf einem Macbook-Retina-Display eines 25jährigen Controllers mit drei Abschlüssen und ohne jede Fantasie.

Ich, nein: WIR müssen irgendwas tun. Ein erster, kleiner Schritt: Anfang Dezember werde ich in Kooperation mit Wolfram Kons vom RTL-Spendenmarathon eine Charity-Gala auf N24 auf die Beine stellen, damit der Redaktionsbetrieb der "Welt" aufrechterhalten werden kann. Weitermachen. Irgendwie. So lange es geht. Helfen Sie mit.

Vielleicht bekommen wir sogar Johannes B. Kerner.

Ihr: Dax Werner

Nur diese Kategorie anzeigen:Meinung Eintrag teilenEintrag per Email versenden Mit Facebook-Freunden teilen Twittern mit Google+ teilen

Nur kein Gedäh! – von Martin Knepper

Poesie der Proteine

Die Lieder, Comedy-Nummern, Cartoons und Kolumnen der letzten Jahre, die sich um Pizza-Bestellungen, Wagyu-Rinder, Erlebnisse mit veganer Küche oder den obligaten Chinarestaurant-Witz mit Ente #43 drehen, sie sind im Grunde Wiederaufnahmen einer schreiberischen Ahnenreihe von Courths-Mahler und Marlitt, Fontane und Thomas Mann, bei denen das Essen stets auch zur Abschilderung sozialer Distinktion dient; die dampfende Kloßschüssel, der Wein, der in kristallnen Gläsern funkelt, der Duft der Weihnachtsgans, das steht alles in einer Tradition, die auch beim ersten Sex mit Helmut Kohl nach dem Verzehr eines "Puddings" (der eigentlich eine Mousse ist) noch nicht an ihr Ende gekommen ist, im sich fortschrittlich gebenden Lager jedoch fast nur noch in ironisch gebrochener Form sich zu thematisieren wagt. Die den Verdauungsvorgang einleitenden Rituale, die zu den wenigen zählen, mit denen wir täglich konfrontiert werden, sie können, so scheint es, nach Grass' fünfzigstem Gang in die Pilze nebst Kosung des Köchinnenhinterns nicht mehr für sich stehen und verraten doch immer noch viel über existentielle Aufschwünge und Schwundstufen der Zivilisation. Unverstellte Verzehrgeilheit wird kompensatorisch durch Fernsehköche genossen und umgehend wieder in kritischer Distanz verarbeitet; anschließend jedoch Bereitung und Verzehr eines Ramen zum 1000-Zeichen-Event aufgebläht. Und alles laviert nur um den eigentlichen Sündenfall herum, der an dem Tage geschah, als der erste Mensch für sein Essen bezahlen musste. Die Folgen können wir bis heute beileibe nicht nur in Sachsen (Saure Flecke) und Brandenburg (Klemmkuchen) sehen.

Nur diese Kategorie anzeigen:Meinung Eintrag teilenEintrag per Email versenden Mit Facebook-Freunden teilen Twittern mit Google+ teilen

Life & Style mit Antonia Stille

Life: Aperol, save the Queen 

Um so viel vorwegzunehmen: Dies ist (leider) kein gesponserter Text. Das beworbene Produkt war höchstens indirekt an seiner Entstehung beteiligt. Aber von vorne. Habt ihr auf dem (Bild-)Schirm, was gerade in Großbritannien/UK/England/London abgeht? Ich will nicht zu sehr ins Detail gehen, aber, so sagen es zumindest "Spiegel" und "Heute-Show": Das britische Unterhaus der Stars hat jetzt Sendepause. Der wuschelköpfige Sendedirektor hat die Handbremse gezogen, und deshalb steht das Parlamentsflugzeug still. Meine Meinung: Die Pause ist eine Chance. Wanne-Eickel an London: Entspannt euch einfach mal, dann wird das schon mit Europa! Offensichtlich haben jahrelanger Bier- und Essigkonsum das britische Parlament in den Untergang getrieben. Aber das muss nicht das Ende vom Leid, äh, Lied sein. Ich kenne ein Hausmittelchen, das mich noch schwupp-di-wupp durch jede kleine und große Demokratiekrise getragen hat: Aperol Spritz, der Aperitivo, der so ikonisch italienisch schmeckt, dass selbst Jamie Oliver sich seinen Namen nur im Flüsterton auszusprechen traut. Aperol Spritz ist die unangefochtene Queen der Getränke und muss sich dafür nicht mal wöchentlich mit Boris Johnson zum Tee treffen. Egal, ob ein gescheitertes Update das MacBook Air oder ein böswilliger Wischmob das Parlament lahmlegt – wenn man leicht einen spritzen hat, sieht die Welt gleich ganz anders (verschwommen) aus. Deshalb, liebe Engländer: Knallt euch einen Aperol in die Birne, steckt euch ein paar Eiswürfel in die Ohren und genießt, wie eure Sorgen langsam gemeinsam mit eurem Hörvermögen dahinschmelzen. Und wenn das rote Gold (Farbe der Hoffnung!) dem feinen britischen Gaumen zu sehr nach Europa schmeckt, kann immer noch ein Schuss Essig oder ein Beutel PG-Tip Abhilfe schaffen. Jeder kann Aperoliker sein.

Nur diese Kategorie anzeigen:Meinung Eintrag teilenEintrag per Email versenden Mit Facebook-Freunden teilen Twittern mit Google+ teilen

Inside TITANIC (8)

Intime Einblicke in das Innere der TITANIC-Redaktion und ihrer Mitglieder. Heute: Torsten Gaitzsch über eine verbrechensfreie Zone.

Ich habe ja mal als junger Hüpfer so ein Work-&-Travel-Dings gemacht – das würde ich am liebsten gar nicht zugeben, denn heutzutage machen so was nur Bonzenkinder ohne Flugscham und Bento-Redakteurinnen, die sich nach der Rückkehr über "die große Leere" ausheulen und darüber schreiben, dass sie seit dem WWOOFing-Gap-year auf der Lamafarm nur noch auf spanisch träumen, aber vor 15 Jahren war das halt gang und gäbe; na ja, jedenfalls wurde mir im Rahmen dieser Reise einmal in einem Hostel eine Schachtel Speiseeis gestohlen. Aus dem Gemeinschaftskühlschrank! Mit meinem Namen beschriftet! Obendrein so eine richtig geile Sorte, "Rocky Road" oder "Hokey Pokey", mmhhh! Diese Schandtat fällt locker in die Top 20 der größten Ungerechtigkeiten, die ich je erfahren musste, und war so INFURIATING, dass ich noch heute regelmäßig voller Ingrimm daran denke. In der TITANIC-Redaktion könnte sich dergleichen nicht zutragen. Was hier einmal im Kühlschrank landet, bleibt auch dort, es ist wie in Las Vegas. Selbst Dinge, die von einzelnen Redaktionsmitgliedern vergessen oder der Allgemeinheit vermacht werden, pflegen darin weit über das Mindesthaltbarkeitsdatum hinaus zu lagern. Zu diesem Zeitpunkt befindet sich im Frostfach ein Viererpack Semmelknödel, das irgendwer im Frühjahr dieses Jahres auf dem Wochenmarkt gekauft hat, und im Herzen des Kühlschranks ruht auf einer Untertasse seit – I kid you not – unserer letzten Weihnachtsfeier ein Stück Butter. Eine Schweizer Bank, deren Privatschließfächer zur Neige gegangen sind, könnte ruhigen Gewissens unseren Kühlschrank zwischenmieten, denn selbst Edelmetallbarren und Wertpapiere wären in dieser inter- oder transdimensionalen Niedrigtemperatur-Ausbuchtung auf alle Zeit sicher.

Aktuelle Cartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Huhu, Wolfgang Kubicki, Bundestagsvizepräsident (FDP)!

Huhu, Wolfgang Kubicki, Bundestagsvizepräsident (FDP)!

In Ihrem Kampf gegen Kontaktverbote und für das Menschenrecht auf Infektion tönten Sie in der »Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung«: »Mittlerweile habe ich das Gefühl, einige Ministerpräsidenten gefallen sich in der Rolle, dass sie auftreten können wie Sonnenkönige, und den Eindruck vermitteln, die Gewährung von Freiheiten sei Gnadensache.«

Und das, Kubicki, sagten Sie gewiss auf die selbstherrlichste, herablassendste Art, die man sich nur denken kann, fuhren mit Ihren Fingern lächelnd durch die gepuderte Allongeperücke und ließen sich von Ihrer Mätresse ein paar Weintrauben in den Mund schieben – einfach weil Sie keine anderen Sonnenkönige neben sich dulden, nicht wahr?

Winkt zur Warnung mit der Guillotine: Titanic

 Monika Maron!

Das war natürlich eine Menschenrechtsverletzung erster Güte, dass Sie im Zuge der Corona-Bekämpfungsverordnungen nicht mehr in Ihrem Landhaus im tiefsten Mecklenburg-Vorpommern bleiben durften. Klar, dass Sie das nicht einfach hinnehmen konnten und sich durch die Ausreiseverfügung »an die DDR erinnert« fühlten. Und wo Sie schon mal an die erinnert wurden, ist Ihnen als Tochter des ehemaligen DDR-Innenministers Karl Maron auch gleich noch eingefallen, wie man sich als Bonze dort eine Vorzugsbehandlung sichert: sich nämlich via Parteizeitung (»Bild«) direkt beim Innenminister (Caffier) beklagen, der diesem unhaltbaren Zustand dann trotz anderslautender Verordnung gleich Einhalt gebot.

So weit, so zwingend. Stutzig macht uns lediglich, warum Sie eigentlich so unbedingt in Ihrem Zonenhäuschen zu bleiben trachten, schrieben Sie doch im »Spiegel« einst: »Der Osten verursacht mir Ekel. Ich halte es für eine Krankheit und weiß nicht, wie man sie heilt. Die Krankheit nenne ich Zonophobie.« Ein Glück, scheint zwischenzeitlich ja erfolgreich therapiert.

Ihre Pillen hätte auch gern: Titanic

 Kneipp GmbH!

»Der einfachste Weg zum Glück ist«, sofern wir Deiner Werbung glauben dürfen, »das Leben mit einem Augenzwinkern zu sehen« und also Aroma-Pflegeduschen namens »Sei frech, wild und wunderbar!« bzw. sogar »Sei frech, verrückt und glücklich!« zu kaufen.

Wunderbar glücklich wären wir aber erst beim Erwerb eines Pflegeprodukts mit der frech-wilden Bezeichnung »Sei nicht traurig, dass der Name dieser Aroma-Dusche so lang ist, dass wir ihn gar nicht vollständig auf die Aroma-Pflegeduschen-Verpackung dru«.

Zwinker, zwinker: Titanic

 Pflegeroboter!

Was müssen wir da im »Handelsblatt« lesen? »Corona könnte Tür für Roboter öffnen«. Aber ist nicht gerade der Punkt, dass Ihr angeblich so nützlichen Pflegeroboter Euch selbst die Tür zu Corona bzw. Corona-Patienten öffnen können solltet? Solange ein kleines Virus schweren Maschinen wie Euch noch den Weg frei machen muss, ist Eure Zeit wohl doch noch nicht gekommen!

Meinen mitleidlos wie Ihr: die Witzmaschinen von Titanic

 Scorpions-Fossil Klaus Meine!

Ihre Powerballade »Wind of Change« soll von der CIA geschrieben worden sein. Das behauptet zumindest der amerikanische Journalist Patrick Radden Keefe, der daraus gleich eine ganze achtteilige Podcast-Serie bastelte, in der Sie, Meine, in der letzten Folge selbst auftreten und alle Behauptungen verneinen.

Was für eine Zeitverschwendung, ist doch schon vorher klar gewesen: So manche schmutzige Geschichte hat die CIA sicherlich am Hals, aber für ein Verbrechen wie »Wind of Change« sind selbst die nicht skrupellos genug.

Pfeift auf Sie: Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Filmkunde

In Zeiten von Zoom-Konferenzen kann es nicht schaden, der Leserschaft ein wenig Nachhilfe in filmischen Fachtermini zu geben. Eine sogenannte Text-Bild-Schere zum Beispiel kann für einen visuellen Bruch und Komik sorgen. Während der Video-Sprechstunde mit meiner Internistin erzählte ich ihr zum Beispiel, dass ich seit vier Monaten nichts trinke, während sie auf eine Galerie leerer Weinflaschen hinter mir starrte. Wichtig ist auch, dass man sich bereits vor jeder Zoom-Konferenz im Klaren ist, auf welches Genre man hinaus will, sich dabei aber genug Raum offenlässt für spontane Änderungen. Meine Video-Sprechstunde hatte ich zum Beispiel eher als »Komödie« gepitcht (aktuelle Blutwerte), am Ende wurde dann aber ein ziemlich bombastischer High-Budget-Horrorstreifen daraus (Privatbehandlung).

Jürgen Marschal

 Verwöhnt

Meinen Lebensstil muss man sich erst mal leisten können. Ich zum Beispiel konnte es noch nie.

Tanja Schmid

 Deutsch, wie es singt und kracht

Wer Deutsch als Fremdsprache lernt, wird zunächst naiv annehmen, dass sich hinter einem Wort wie »Scheiblettenkäse« etwas unsagbar Absurdes, in der Muttersprache nur unter Zuhilfenahme sperrigster Umschreibungen Wiederzugebendes verbirgt, ähnlich gewissen japanischen oder isländischen Vokabeln, die zum Beispiel die mundwässernde Wirkung eines seit sechs Monaten im eigenen Sperma marinierten Walhodens bezeichnen. Um dann, mit wachsendem Sprachverständnis, zu begreifen, dass diese Ahnung nicht getrogen hat.

Jasper Nicolaisen

 Idee für 2021: Spargelernte per Silvesterrakete

Die jungen Feuerwerkskörper werden im April ins Spargelbeet gesät, wachsen dort bis zur erntereifen Rakete. Am 5. Mai heißt es dann: DER SPARGEL SCHIESST, und zwar uns unter großem Hallo und Funkenregen direkt in die Münder. Tradition (Spargel) trifft auf Tradition (Feuerwerk), bzw. »Volksspeisung mal anders«. Noch eine kleine Gegendemo (Querfront) dazu, einem Kind fliegt ein Spargel direkt ins Auge, im Folgejahr wird es Einschränkungen geben müssen, fertig ist DAS DEUTSCHE NEUJAHR.

Elias Hauck

 Zieleinlauf eines Dialogs

Kundin (alte Dame): »Das ist dann schon sehr anstrengend.«
Kassiererin (ältere Dame): »Nein, ich könnte das nicht!«
Kundin: »Aber es macht auch Spaß.«
Kassiererin: »Das ist die Hauptsache.«
»Ja.«
»Ja. 14,60 bitte.«

Worum auch immer es sich dreht, das Gespräch ergibt Sinn.

Theobald Fuchs

Vermischtes

Hans Zippert: "Fernsehen ist wie Radio, nur ohne Würfel"
Die steile Karriere des Hans Zippert begann im Jahr 1967 mit einem  Schülerpraktikum beim Kulturmagazin "TV Spielfilm". Nach einem  Volontariat bei "TV Direkt" übernahm er das angesehene 20-Uhr-15-Ressort  bei "TV Okayokay", bevor er schließlich Programmchef der auflagestarken  "TV Superwoche" wurde. Nachdem er über einen Bestechungsskandal rund um  eine 3-Sterne-Empfehlung für "Rote Rosen" stolperte, sah sich Zippert  1990 gezwungen, Chefredakteur von TITANIC zu werden. Der Tiefpunkt war  erreicht. Das alles und noch mehr erfahren Sie in diesem Buch!Heiko Werning: "Vom Wedding verweht – Menschliches, Allzumenschliches"
Es ist dies Buch etwas ganz besonderes: Heiko Werning, renommierter  Forscher aus Berlin, lag jahrelang in seinem Kiez, dem Wedding, auf der  Lauer. Kein Ereignis entging ihm, der Wedding konnte ihm nichts,  aber auch gar nichts verheimlichen. Abgründe, tiefe Täler und  menschliche Katastrophen – erfreuen Sie sich an heiteren G’schichterl,  die Werning noch so einen Urenkeln erzählen wird.Friedemann Weise: "Die Welt aus der Sicht von schräg hinten"
Laut seiner Homepage ist er der "King of Understatement" und der "lustigste Mensch im deutschsprachigen Internet". Er ist aber auch Gitarrenmann, Viralblogger (15000 Follower!), Gagautor und Promiexperte mit Diplom. Die Rede ist von Friedemann Weise, dem Mann mit dem Namen! Der Mann, der den "Satiropop" erfand. Und jetzt auch noch ein Buch vorlegt. Ob das gutgeht? Ordern Sie diese Prämie und teilen Sie Ihr vernichtendes Urteil bitte zeitnah der TITANIC-Redaktion mit.Torsten Gaitzsch/Sebastian Klug: "Akte D: Die Wahrheit über Deutschland"
Die Redaktion versichert: Torsten Gaitzsch und Sebastian Klug, die  Autoren dieses Buches, wissen Dinge – schreckliche Dinge! – von denen  Sie, die Leser, nicht einmal zu träumen wagen. Denn es wären Alpträume!  Wählen Sie diese Prämie und erhalten Sie Einblicke in die tiefsten  Abgründe Deutschlands, die Sie wahnsinnig lachend und mit Schaum vor dem  Mund zurücklassen werden. Bisher hat es kein Leser bis zur letzten  Seite geschafft…Gerhard Henschel: "Harry Piel sitzt am Nil"
Fuck, dieses Buch sollte man gelesen haben, wenn man  kein übelst versiffter Wichser sein will. Schmähungen und böse Wörter  machen das Leben echt oberarschmäßig zum Kotzen. Vielleicht kapieren Sie  Versager das endlich, wenn Sie Henschels neuesten Streich gelesen  haben. Können Sie überhaupt lesen? Wahrscheinlich nicht. Trollen Sie  sich, Sie Wicht! Aber trotzdem abonnieren und diese Top-Prämie wählen.Serdar Somuncu: "H2 Universe: Die Machtergreifung", DVD
Er ist der selbsternannte Hassias – viel wichtiger aber noch: der designierte Kanzlerkandidat für Die PARTEI. Holen Sie sich jetzt die neue DVD von Merkel-Nachfolger Serdar Somuncu als Gratisprämie und stehen Sie damit schon vor der Machtergreifung auf der richtigen Seite. Ihre Kinder werden es Ihnen danken!
Zweijahres-Abo: 98,60 EURKamagurka & Herr Seele: "Cowboy Henk"
Er ist Belgier, Kamagurka. Belgier! Wissen Sie, was der Mann alles durchgemacht hat in letzter Zeit? Eben, er ist Belgier. Und hat trotzdem in einem Finger mehr Witz als Sie im ganzen Leib! Und Heldenmut! Glauben Sie nicht? Dann lassen Sie sich von Cowboy Henk überzeugen, dem einzigen Helden, der wirklich jeden Tag eine gute Tat begeht.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURHauck & Bauer: "Ich kann einfach nicht Wein sagen"
Die beste Zeit, einen Band des Zeichnerduos Hauck & Bauer zu kaufen – sie ist seit sicher zehn Jahren vorbei. Heute sind die Werke von Elias Hauck und Dominik Bauer kein Geheimtip mehr. Die zerstrittenen Künstler kommunizieren inzwischen ausschließlich per Fax, leben in luxussanierten Altbauwohnungen mit kugelsicheren Whirl- und Autorenpools, in denen hungernde Leiharbeiter Comics anfertigen müssen. Leider ist auch der neueste Band der beiden Ausbeuter sehr gut, bestellen Sie hier!Sonneborn/Gsella/Schmitt:  "Titanic BoyGroup Greatest Hits"
20 Jahre Krawall für Deutschland
Sie bringen zusammen gut 150 Jahre auf die Waage und seit zwanzig Jahren die Bühnen der Republik zum Beben: Thomas Gsella, Oliver Maria Schmitt und Martin Sonneborn sind die TITANIC BoyGroup. In diesem Jubiläumswälzer können Sie die Höhepunkte aus dem Schaffen der umtriebigen Ex-Chefredakteure noch einmal nachlesen. Die schonungslosesten Aktionsberichte, die mitgeschnittensten Terrortelefonate, die nachdenklichsten Gedichte und die intimsten Einblicke in den SMS-Speicher der drei Satire-Zombies – das und mehr auf 333 Seiten (z.T. in Großschrift)! 
Zweijahres-Abo: 98,60 EURElias Hauck (Hrsg.): "Alles Spargel oder was?"
Endlich ist ganzjährig Spargelsaison! Elias Hauck, die eine Hälfte von Hauck & Bauer und Herausgeber des Frauenmagazins "Sonja", serviert die reifsten Spargelwitze der Welt – gezeichnet und erzählt von dutzenden gemüseliebenden Cartoonisten und Autoren. Lachen Sie unter anderem über: den mit den polnischen Erntehelfern, den mit dem kaputten Spargelschäler und den mit der Fliege in der Hollandaise.Wenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURDie PARTEI-Wahlwerbungs-DVD mit allen vier Wahlwerbespots aus dem Bundestagswahlkampf 2005: Höhepunkte der Politpropaganda, die von Otto Schily mit dem Prädikat "ein Skandal" ausgezeichnet wurden. Besser aufgelöst als auf Youtube und noch dazu mit einer praktischen, farbechten Hülle drumrum - das ist doch was, was?
Erweitern

Das schreiben die anderen

  • 02.06.:

    Culturmag.de bespricht Christian Y. Schmidts "Der kleine Herr Tod".

     

Titanic unterwegs
04.06.2020 Berlin, Buchhändlerkeller Gerhard Henschel
15.06.2020 Frankfurt, Jahrhunderthalle Autokino TITANIC-BoyGroup (Sonneborn/Gsella/Schmitt)
16.06.2020 Wilhelmshaven, Stadtbücherei Gerhard Henschel
19.07.2020 Schwarzenbach a. d. Saale, Erika-Fuchs-Haus Museum für Comic und Sprachkunst Katharina Greve: »Die dicke Prinzessin Petronia«