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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Die groben Unterschiede

Keine Regel ohne Ausnahme, und der Einzelfall, wir wissen es, ist ohnehin nicht von Belang; weshalb man das Tattoo als Massenphänomen nicht begrüßen muss, um nicht doch finden zu können, dass das Slide vom Schuster (doch, heute haben Schuster Slides statt Lederschürzen, jedenfalls da, wo Doofis wie ich wohnen) von Geschmack zeugt: sehr aufgeräumt, sorgfältig bedachte Farben, viel eher arty als stumpf, und so lange und genau konnte ich da jetzt nicht hinsehen, aber wirklich vollkommen ausnahmsweise hatte ich nicht das Gefühl, da gäb’s auch nix zu sehen, oder nur was Deprimierendes.

Das ist ja immer das Problem mit dem Selbstausdruck, dass es so schwer ist, ihn vom schlechten Allgemeinen freizuhalten, und wenn es bspw. ein Rezept fürs massenwirksame Schriftstellern gibt, dann lautet es, der Kundschaft nach dem Mund zu schreiben, idealiter sogar genau diesen Mund zu haben. Ungünstigstenfalls klingt der Selbstausdruck nicht einmal nach Mainstream, sondern nach der Decke, die zu kurz ist, und wer im Fernsehen singt, obwohl er es nicht kann, findet sich bloßgestellt, und ob man nun gratulieren soll, falls er das gar nicht merkt, ist die Frage. Die vielleicht Zwanzigjährige im Hallenbad nun ist, auch wenn man über Geschmack nicht streiten soll, ein einziger Tätowierunfall: Ohne Sinn, Konzept oder Idee hat sie Tattoos, die in keiner erkennbaren Beziehung zueinander stehen, über sich verteilen lassen, dahin, wo gerade Platz war, und so genau konnte ich auch da nicht hinsehen, aber auf dem Oberschenkel ein riesiger schwarzer Fleck, vielleicht ein zu dunkel geratener Pferdekopf, sie tut mir leid, sie wird weitermachen, und es ist natürlich völlig klar: Wer so aussieht, hat keine Kanzlei und arbeitet auch in keiner.

„Ich bin außerordentlich empfindlich gegen alles Getöse, allein es verliert ganz seinen widrigen Eindruck, sobald es mit einem vernünftigen Zwecke verbunden ist.“ Lichtenberg, ca. 1793

Denn das ist das Fiese, dass der Tätowiertrend die feinen bis gröberen Unterschiede biologisiert und die Akzidenz so zur Substanz macht wie der gymnasiale Leserbriefschreiber das Schulversagen von erblich Asozialen. Mag sein, im Alltag ist es egal, ob sich die Kassiererin mit CD- vom veganen Taschendesigner mit Plattensammlung nun durch Klamotten und Sprache oder die Elaboriertheit der Tätowierungen unterscheidet; aber ein Stigma ist das, was nicht weggeht, was sich nicht ändern lässt, und das ist dann der Triumph der sog. freien Gesellschaft: dass die, die ihr angehören, es geradezu nicht erwarten können, sich ihre unveränderlichen Rangabzeichen einbrennen zu lassen und ihren Sozialstatus, den niedrigen zumal, nicht mal mehr trotzig, sondern bloß modisch auszustellen. Denn es ist ja Popkultur, und was da einmal Selbstbehauptungszeichen des Randständigen war (und ausnahmsweise noch ist: Die hemmungslos tätowierten „Trucker Babes“ auf D-Max müssen in einer Umgebung, in der Frauen Babes sind, die harten Mädels, genau: markieren), ist jetzt Kulturindustrie; und die schlägt zwar alles mit Ähnlichkeit, lässt aber noch genügend Raum für jene Unterschiede, die die Chancengesellschaft als eine auszeichnen, die keine Zweifel daran lässt, wer seine Chance genutzt hat.

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Drum prüfe

Überraschungen sind im Kolumnistenberuf ja eher selten, denn „wie groß ist der soziale Horizont eines Menschen –? Er ist doch wohl viel kleiner, als man glaubt. Die große Menge der Urteile beruht auf Überlieferung“ (Tucholsky), und die geht bei der FAZ nun einmal so, dass, ist in der Schule was zu schwer, der Schüler zu doof sein muss, und zwar insonderheit der, der sowieso nicht Abitur ist: „Dass es aber offensichtlich eine enorme Diskrepanz zwischen dem Niveau der Abituraufgaben und jenem des Unterrichts gibt, gehört zu den verheerenden Folgen der Inflationierung der Allgemeinen Hochschulreife und der Abwertung niedriger Bildungsabschlüsse. Wenn jeder das Abitur erlangen soll, die Anforderungen im Unterricht dafür gesenkt, in den Abituraufgaben aber wieder hochgeschraubt werden, kann diese Rechnung nicht aufgehen“, weiß die Berliner Feuilletonkorrespondentin Bethke, deren Kinder garantiert keinen niedrigen Bildungsabschluss haben und deren vorzügliche Hochschulreife freilich ausschließt zu wissen, dass es verheerende Folgen außerhalb des Journalphrasenlands nicht gibt, allenfalls die Verheerung als Folge von etwas. Die SZ hat immerhin das Nächstliegende getan und einen Mathelehrer gebeten, das umstrittene Abi mal durchzurechnen, und er hat es zwar geschafft, aber nicht annähernd in der gegebenen Zeit.

Trotzdem wird man vermutlich nie wissen, was an dieser Prüfung nun zu schwer war oder nicht und ob an allem, wie ein Anwurf lautete, die Kompetenzbetrunkenheit modernen Unterrichts schuld hat, obwohl zu der doch gerade jene Texterfassungsfähigkeit gehört, die vor den als zu elaboriert inkriminierten Textaufgaben einmal nützlich gewesen wäre. Was man jedenfalls wissen kann, ist, dass die allermeisten Prüflinge das Allermeiste, was sie im Abi wissen müssen, schleunigst wieder vergessen, sofern sie’s in Studium oder Beruf nicht brauchen, und dass das Abitur ein formaler Bildungsabschluss ist und die Abiturnote die Leistungsfähigkeit beurteilt und nicht eine Bildung, die man mit 18 nicht hat.

„Das eine der Blätter, im halben Format, bescheinigte sachlich, dass der Schüler am heutigen Tag die Reifeprüfung bestanden habe. Unterschrift und Siegel. Ich barg es in der Brusttasche, denn das brauchte ich zum Studieren. – Das andere, große Blatt aber war das Zeugnis (…), und andächtig zerriss ich es in viele kleine Schnipsel, bis es Konfetti war, legte es in die hohle Hand und pustete es zum geöffneten Fenster hinaus.“ Alexander Spoerl, 1950

Dass diese Leistungsfähigkeit vom Elternhaus abhängt, ist immer noch wahr, und solange das wahr ist, ist der Vorwurf, das Abitur werde inflationiert, notwendig ein klassenpolitischer. Dass auf dem Gymnasium zu viele seien, die da nicht hingehörten, ist natürlicherweise die Beschwerde derer, die keinen Zweifel daran haben, ihre Kinder täten es, und dass das Abitur um so weniger wert ist, je mehr es machen, liegt weniger an sozialdemokratischen Lehrplänen denn in der Logik der Sache. Dass Kollegin Bethke, die nicht die banalste Nullstelle mehr wird ausrechnen können, ins Keifen gerät, wo doch der Nachwuchs, der die Logik der Sache verinnerlicht hat, nur auf fairen Wettbewerb besteht, ist nichts als die Sehnsucht nach der guten alten Zeit, als das Abitur noch was wert war, und dass es heute weniger wert ist, müssen die bedauern, die es sich immer schon haben leisten können.

Dann sollen sie uns aber nicht damit in den Ohren liegen, Konkurrenz belebe das Geschäft. 

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: An der Grenze (2)

Fast das Schwierigste an dieser Kolumne ist, sich nicht zu wiederholen, und sei es nur in der Überschrift oder im Zitat: „Es ist ein Unglück, dass die SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands heißt. Hieße sie seit dem 1. August 1914 Reformistische Partei oder Partei des kleinern Übels oder Hier können Familien Kaffee kochen oder so etwas –: vielen Arbeitern hätte der neue Name die Augen geöffnet, und sie wären dahin gegangen, wohin sie gehören: zu einer Arbeiterpartei. So aber macht der Laden seine schlechten Geschäfte unter einem ehemals guten Namen.“ Aber vor 87 Jahren, als Tucholsky es schrieb, war’s halt so wahr wie vor sechs, als ich es hier zitiert habe, und heute ist es immer noch wahr. Es sei denn, wir erkennten, 60 Jahre nach Godesberg, Verjährung und akzeptierten die SPD so, wie sie sich selbst versteht: als Standort- und Facharbeiterpartei, die möchte, dass alle ein bisschen Kuchen bekommen, oder wenigstens die Fleißigen, oder wenigstens die, die am Standort leben und nicht in Afrika oder sonst einem Hinterhof.

Kaum will ein Juso-Vorsitzender das, was eine Partei der Werktätigen, eine Partei der kleinen Frau und der Männer ohne Erbschaft, wollen muss: nämlich Expropriation der größten Expropriateure und genossenschaftliches, kollektives, selbstverantwortliches Wirtschaften für den Menschen statt immer nur gegen ihn – auf dass bei BMW (Betriebsrat: „Für Arbeiter ist diese SPD nicht mehr wählbar“) keine Idiotenautos mehr produziert werden müssten –, kriegt die Partei des werweiß sogar größern Übels wo keine Gewissensbisse, so doch immerhin solche Panik, dass sie hyperventiliert und sich alle Mühe gibt, den Ton noch der schärfsten CSU-Granaten (Scheuer: „verschrobenes Retro-Weltbild eines verirrten Fantasten“) zu treffen: „absurd und abwegig“, „grober Unfug“, „linke Revolutionsrhetorik“.  Und was immer man nun von Kevin Kühnert halten mag, neuerdings fällt ihm immer nur das Richtige ein: „Die empörten Reaktionen zeigen doch, wie eng mittlerweile die Grenzen des Vorstellbaren geworden sind. Da haben 25 Jahre neoliberaler Beschallung ganz klar ihre Spuren hinterlassen.“

Haben sie; und da muss das liberale Feuilleton gar nicht jammern, dass „die Dystopie zum Mainstream geworden“ sei, „dabei ginge es auch ganz anders“, wenn wir uns bloß dazu verstünden, „die Erzählungen einer Welt, wie sie sein könnte, zur Analyse dessen (zu) nutzen, was ist. Damit die Katastrophe nicht zur einzigen Alternative wird.“ Denn was ist, interessiert so gut wie keinen, und die einzige Alternative zur Katastrophe ist grosso modo das, was (laut Spon-Zahlen) 70 Prozent der Deutschen und (laut meiner Schätzung) 90 Prozent ihrer Abgeordneten für absurd und irre halten; wenn auch, immerhin, bloß 60 Prozent der unverdrossenen SPD-Fans, eine Zahl, die sich bei aktuell 17 Prozent in den Umfragen freilich relativiert.

„Ich kann freilich nicht sagen, ob es besser werden wird wenn es anders wird; aber so viel kann ich sagen, es muß anders werden, wenn es gut werden soll. “ Lichtenberg, 1796

Dass sich die SPD längst nicht mehr als Alternative, sondern als Katastrophe verkauft, hat freilich auch wieder seinen Charme, und möchte sein, es hat dies gar nichts mit dem Neoliberalismus als mit der Kaffeekoch-Partei selbst zu tun und dem Verrat, mit dem sie leben muss, aber augenscheinlich nicht leben kann. Im frühen Jahr 1981 beklagte sich der sozialdemokratische Bundestagsabgeordnete Karl-Heinz Hansen über den Kanzler Schmidt, der auf- statt abrüste und immer nur Diktatoren helfe, und auch da übernahm es der eigene Laden gern, den Abgeordneten abzubügeln, der, wie die „Ungeheuerlichkeit“ seiner „Ausfälle“ voller „Anmaßung“ beweise, „nicht im Vollbesitz seiner Gesundheit“ sei und „ein groteskes Maß an Aufgeblasenheit“ zeige, und die Presse, auch die linksliberale, krähte mit: Hansen sei ein „Wirrkopf“ mit „Profilneurose“, Kennzeichen: „Humorlosigkeit“. Gremliza, der den Fall notierte, fasste zusammen: „Und das Volk zählte die Stimmen zusammen, und siehe, es erkannte den Abgeordneten als ein grotesk aufgeblasenes, im Kopf krankes, delinquentes Subjekt, hässlich und humorlos, deviant, kriminell und neurotisch. Genau den Typen, den Degenhardt vor 15 Jahren in seinem ,Väterchen Franz’ besang: ,Der schwule Kommunist mit Tbc und ohne Pass ...’“

Ich hoffe, Kevin Kühnert („Macht er die SPD zur SED?“, „Die Zeit“) ist gesund.

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Aus dem Trainingslager

„Leben heißt Hoffnungen begraben“, lässt Fontane in seinem eher langweiligen Roman „Cécile“ den jungen Herrn von Gordon sagen, und der Journalist Fontane wusste, wovon er schrieb. Doch wollen wir nicht immer auf die Zeitung schimpfen, dient sie doch mindestens dem trainierten Leser (mir!) als sozusagen Realitätsrelais und bietet Aufschluss noch da, wo es vorderhand bloß Zeitung ist.

In Sri Lanka haben kranke Köpfe viele hundert Menschen in die Luft gesprengt, in der allerhöchstwahrscheinlich irrigen Annahme, der liebe Gott begrüße das, und wenn ich „krank“ schreibe, dann meine ich das so, dass hier wer in einem geschlossenen Wahnsystem lebt; anders als etwa der „Vorsitzende der Wirtschaftsvereinigung der Union“ nebst „führenden Unionspolitikern“, die direkt neben dem Aufmacher vom Blutbad eine Kohlendioxidsteuer ablehnen, die das Autofahren um lächerliche 28 Cent pro hundert Kilometer verteuern würde und sowieso viel zu niedrig ist. Aber Steuern auf tödliche Gase, wo kämen wir da hin; wir schaffen doch nicht unsere stetig wachsenden Plastikmüllberge nach Asien, um jetzt beim Weiterbrummen kleinlich zu werden.

„Luft Luft“ Falco, 1986

Es gibt ja immer nur die eine Luft, und das ist nun mal die Luft, die sie atmen, und kommt wer und fordert Luftveränderung, dann verstehen sie das gar nicht. Wissenschaftler der katholischen Universität Eichstätt haben, zwei Meldungen weiter, herausgefunden, dass zweisprachiger Unterricht in der Grundschule „auch die Leistungen in Deutsch und Mathematik“ verbessere, denn „das Gehirn wird besser trainiert“, weshalb die Artikelüberschrift auch nicht die üblich sportifizierende, bei strengerer Auslegung sogar schon fast faschonable Vulgarität ist („Liegestütz fürs Gehirn“), sondern sich einfach zuviel falschem Training verdankt, jenem Training, das den modernen Leistungs- als Verbrauchs- und letztlich Powermenschen hervorbringt, einen Apparat unter Apparaten, und was verlangen wir von Apparaten? Dass sie so wunderbar funktionieren wie Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner, die jetzt heimlich geheiratet hat, und zwar nicht im heimischen Rheinland-Pfalz, weil das, in jeder Beziehung, zu nahe gelegen hätte, sondern in Südafrika. Weil ihr Angetrauter nämlich Südafrikaner ist? Nee: „Geschäftsführer eines Oldtimerzentrums in Mülheim-Klärlich“.

Und also fliegen 20 Leute nach Südafrika, damit man die „vierstöckige Torte“ (SZ) nicht in Kusel verzehren muss; schließlich: „Es ist unser aller Aufgabe, die Lebensgrundlagen künftiger Generationen und die biologische Vielfalt zu erhalten. Wir setzen das Prinzip der Nachhaltigkeit politisch um“ (julia-kloeckner.de), und weil sich „Wetterextreme häufen, setzt sich Landwirtschaftsministerin Klöckner für gentechnisch verändertes Saatgut ein. Es gibt aber auch Alternativen“ (Welt.de, 23.4.), aber dann kommt man nicht mehr nach Südafrika, und nach Marseille muss der SZ-Magazinist Haberl die Bahn nehmen: „Ich plädiere an dieser Stelle für Pastis. Warum? Nehmen Sie den nächsten Billigflieger nach Marseille und gehen Sie morgens runter zum Hafen“, und dann trinken wir Pastis und sind „für ein deutsches Frühstückscafé, in dem die Gäste um neun Uhr morgens die Kopfhörer aufsetzen und drauflosmailen, für immer verloren“. Das also ist die Multioptionsgesellschaft: Entweder mit den modernen Leistungs- als Verbrauchs- und letztlich Powermenschen das Frühstückscafé teilen oder mit denselben Menschen zum formvollendeten Runterkommen in den Billigflieger steigen.

Und dann in Marseille am Hafen sitzen und sich dort ein Morgenblatt besorgen; und es wieder mal nicht fassen können, wie tödlich eng es in manchen Köpfen ist.

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Gärtners kritisches Ostersonntagsfrühstück: My Baby Baby Balla Balla

Dass sich „im besten, freiesten und wunderschönsten Deutschland aller Zeiten alles unablässig selbst karikiert, ohne es zu merken“, ist an dieser Stelle bereits dargelegt worden, falls diese Darlegung nicht sogar der regelmäßige Zweck dieser Kolumne ist, und ob mein alter Einwand, die Rede von der „Realsatire“ sei eo ipso Unsinn, da noch viel mehr ist als Prinzipienreiterei, ich weiß es nicht. Was ich weiß, ist, dass mein Fenster auf die Straße geht und eben eines dieser großen, mit tischplattengroßen, haifischmaulartigen Kühlergrills versehenen Aus-dem-Weg-Arschloch-Autos (das „Arschloch“ hier ruhig als Scharnier lesen) hinter einem alten Golf geparkt hat und die Motorhaube des einen fast mit der Dachkante des anderen abschließt; und dass auch der neue 7er-BMW wirklich wie eine Karikatur auf Aus-dem-Weg-Arschloch-Autos aussieht, entworfen und gebaut von Leuten, die für derlei entweder kein Auge haben oder deren Hand gar nicht die eigene ist, sondern die bewährt unsichtbare des Marktes, die leider, fragt man mich, allzu sichtbar ist und immer sichtbarer wird.

Im Buchladen ist Satire jetzt tatsächlich in die Realität gewandert: „Allgemeine Relativitätstheorie für Babys“, ein Pappbilderbuch „ab 2 Jahren“, darin etwa ein von einem schweren Objekt gekrümmtes Raumzeitgitter, und wenn ich schreibe: Das ist kein Witz, dann stimmt das nur zur Hälfte. „Allgemeine Relativitätstheorie für Babys ist eine heitere und verständliche Hinführung zu Albert Einsteins berühmtester Theorie. Kleinkinder (und Erwachsene!) lernen alles über Schwarze Löcher, Gravitationswellen und mehr. Auf unnachahmlich leichte Weise und stets mit einem Augenzwinkern schafft es der Quantenphysiker und Familienvater Chris Ferrie, Kinder und Erwachsene gleichermaßen zu inspirieren. Die Bücher der Baby-Universität sind der einfachste Weg, um schon unsere Jüngsten für die Wunder der Wissenschaft zu begeistern.“ Genau. Bzw.: „Es ist niemals zu früh, ein Genie zu werden!“

Ich, bis unter die Kopfhaut inspiriert, lese es mit einem Zwinkern derselben Augen, die die anderen Titel der Reihe im Regal liegen sehen („Evolution“, „Quantenphysik“, „Raketenwissenschaft“), und also darf man annehmen, dass die Reihe bereits ein Erfolg ist; und vergleichsweise von gestern mithin der „Kinder-Hörsaal“ der deutschen Grammophon, und geradezu von vorgestern die Frage, was das soll. Und wer das kauft. Und warum.

„Wer hier lacht, der kriegt gescheuert.“ Helge Schneider, 1995

Und wieder bin ich gezwungen, auf unsere Bildungsbürger und Mittelschichtsmuttis einzuhauen, die ja glauben, sie verdienten Mitleid, aber statt irgendeiner Art von Reflexion (oder gar Selbstreflexion) nur immer den allerärgsten Unsinn und verächtlichst vulgärdistinktorischen Scheißdreck ausbrüten und ihre Kleinsten jetzt auch noch mit Einstein traktieren, der allerdings wusste, dass die menschliche Dummheit noch viel unendlicher ist als das Universum. Falls es hier um persönliche Dummheit geht und nicht um die schlichte Konsequenz der Tatsache, dass Krieg herrscht und dass, wer kann, sich bewaffnet, der eine mit dem Messer, die andere mit Einstein und beide mit zu großen Autos.

Mag sein, die bürgerliche Gesellschaft ist nie etwas übertrieben Geistreiches gewesen; aber mit welch grimmer Entschlossenheit und immer noch einmal saublöder das voranwürgt und -walkt und -spinnt, ist vielleicht doch ein Indiz dafür, dass sie, in ihrer Schwundform als „Chancen-“ bzw. „Wissensgesellschaft“, jetzt wirklich in die Auflösung rast und kurz vor knapp noch ebenjenen Geist in die Kleinsten zu peitschen versucht, den sie auf ihren realen Baby-Universitäten an Bertelsmann verschenkt. Dass der Vorgang indes schon viel weniger traurig als längst eher widerlich ist, spricht dann freilich wieder gegen Diagnosen, die kalmierend Realsatire erkennen mögen; denn Satire, bitte sehr, wär’ ja im Idealfall zum Lachen.

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Exklusiv

„Massive Zweifel an wichtiger Studie … Laut der von dem Neurowissenschaftler und Tübinger Professor Niels Birbaumer geleiteten Untersuchen sei es möglich, mithilfe einer speziellen Gehirnkappe mit vollständig gelähmten Menschen zu kommunizieren“ – eigentlich müsste ich die massiven Grammatik- und Stilschwächen meiner Morgenzeitung als Eintreten fürs Schwache und Widerstand gegen den Perfektionswahn gutheißen, denselben, der drei Seiten weiter freilich geleugnet wird: „Welch ein Menschenbild liegt der Vorstellung zugrunde, dass ein Test auf Kosten der Kasse zu einem Aussortieren jeden Lebens führt, das nicht einer gesellschaftlichen Norm entspricht? Es ist die Idee von Paaren, die so lange testen und abtreiben, bis sie endlich ein makelloses Baby erwarten können. Von Schwangerschaften unter Vorbehalt. Mit der Marktreife jedes neuen Gentests müsste man sich künftig dieselbe Frage stellen: Zerstören Eltern mit diesen Informationen die Vielfalt unserer Gesellschaft?“

Denn wenn unsere Gesellschaft etwas auszeichnet, dann ist es nicht etwa Konformität, sondern Vielfalt, Vielfalt und dreimal Vielfalt, und wenn wir etwas ablehnen, dann ist es das Aussortieren, auch wenn die, die es können, beizeiten darauf sehen, dass die Kinder den richtigen Arzt und die richtige Kita und die richtige Schule und das richtige Essen und die richtigen Freunde (mit dem richtigen Essen) haben, und auf meinen Schreibtisch der Prospekt einer Kinderboutique gelangt ist, wo man Kindermöbel (bzw. „Homeware“) von String und Vitra kaufen kann, denn: „Wer einen guten Geschmack entwickeln will, sollte früh damit anfangen“, schon wegen der kleinen, aber bekanntlich so entscheidenden Unterschiede. Das ist natürlich kein Aussortieren, eher ein Einsortieren, und wenn andere das nicht wollen oder können und dann mit ihrem Schrottgeschmack vor der Schrankwand sitzen, kann wieder niemand was dafür.

„Unser ganzer Gesellschaftszustand, der sich wunder wie hoch dünkt, ist mehr oder minder Barbarei“ Fontane, 1897

„Doch der Weg zu einer Gesellschaft, in der Menschen mit und ohne Behinderung ihren Platz haben, führt nicht über die Unwissenheit der Eltern.“ Noch über überhaupt jemandes Unwissenheit, etwa die der SZ-Redakteurin, die eine Gesellschaft, die strukturell behindert, lieber aufs populäre Beispiel bringt: „Die Politik muss sich die Frage stellen, warum eine Behinderung heute noch so vielen Menschen Sorgen bereitet … Sie benötigen ihre Kraft nicht nur für das Kind, sondern auch für die Bürokratie des deutschen Gesundheitswesens … In den Schulen, die je nach Bundesland mal mehr und mal weniger in die Inklusion der Kinder investieren, fehlen oft gut ausgebildete Pädagogen. Noch immer besuchen viele dieser Kinder spezielle Fördereinrichtungen, abseits der regulären Schulen. Sie bekommen im Schnitt schlechtere Abschlüsse und sind später häufiger arbeitslos als Menschen ohne Beeinträchtigung. Deswegen sind sie und auch ihre Eltern ihr ganzes Leben lang eher von Armut bedroht.“

So wie allerdings alle, die in der Sortieranlage namens Klassengesellschaft dem deutschen Schul- oder Sozialwesen zum Opfer fallen, wie die sog. Leistungsgesellschaft noch da auf Exklusion beruhte, wo sie, statt eine der vererbten Privilegien zu sein, im Ernst eine wäre. „Am Ende zählt der Umgang mit den Menschen, auch mit jenen, die ihre Behinderung erst nach der Geburt bekommen haben. Diese bilden schließlich die absolute Mehrheit.“ Dunkel ist der Rede Sinn, aber ausschließen will ich nicht, dass der Satz dasselbe meint, was ich gesagt habe, bloß in weniger schön; mit der Einschränkung vielleicht, dass es mir nicht um das Einsammeln der schlimm eingeschränkten Mittelschicht aus Dünkel-Muttis und Leistungseseln geht, die sich außer Konkurrenz mit den Nichtkonformen solidarisiert, um den eigenen Konformismus, unsolidarisch, wie er ist, zu etwas zu machen, wofür schon wieder niemand etwas kann.

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Widerspruchslösung

Es ist schön und nützlich, weniger fernzusehen, und sei es deshalb, weil man, sieht man doch mal wieder die Tagesthemen, einem das alles so wundersam frisch (lies: „frisch“) vorkommt und neue Begeisterung sich rauschend einstellt: wie etwa die Börsendame so aufgeräumt von den „Chancen der Künstlichen Intelligenz“ schwärmt und dass das (zirka) ein Megathema ist und die Industrie sich darauf einstellen muss und freilich wird usw., also alles inskünftig dank 5G noch schneller, noch effizienter, noch automatisierter vonstatten geht und noch vielviel mehr Wachstum dabei herausspringt, das Land im internationalen Wettbewerb gut aufzustellen – und dass Kollege Dath neulich von einer „erschöpften, ungerechten und wahnsinnigen Welt“ schrieb, macht da schon gar nix mehr, und um so weniger, als die Zeitung, wo er’s schrieb, von sehr viel, ja „dramatisch“ (SZ) viel weniger Menschen gelesen wird, als Tagesthemen gucken. Und also ist, nach Lage der Dinge wie der Börse, „alles, alles gut“ (Jupp Eichendorff) und auch jedenfalls viel, ja „massiv“ (SZ) besser als bei der Aktuellen Kamera des DDR-Fernsehens, wo (wg. Diktatur des SED-Regimes) immer alle einverstanden waren, und das sind sie bei ARD und ZDF ja nun überhaupt nicht. Wir haben ja auch keine Diktatur, ein Dax-Regime etwa.

Der Heute-Journalist Claus Kleber z.B. Der ist nicht einverstanden, der ist kritisch, außer vielleicht bei der Wahl seiner Sakkos (am Kragen immer viel zu weit, achten Sie mal drauf, vorbildlich dagegen: I. Zamperoni) oder wenn es um 70 Jahre Nato geht. Dann fasst er die Geschichte des Nordatlantikpakts ungefähr so zusammen, dass die Nato erst sehr schön den aggressiven Russen hinter der Elbe gehalten habe, und nun sei der aggressive Russe wieder da, und darum müsse die Nato jetzt zusammenstehen. Bei Sachen also, die der gesunde Menschenverstand nicht anzweifelt, da lässt Kleber die kritischen Zügel auch mal locker in der Hand; bei anderen Sachen, die der gesunde Menschenverstand  (seiner!) zwar genausowenig anzweifelt, die von der verstandesfernen Politik aber ignoriert werden, da zieht Klaus Cleber (oder unseretwegen andersherum) andere Saiten auf. Und z.B. der Annalena Baerbock („Die Bündnisgrünen“) die Hammelbeine lang.

„ … ich bin kein ausgeklügelt Buch / Ich bin ein Mensch mit seinem Widerspruch …“ C.F. Meyer, 1872

Die will nämlich nicht, dass man Leute, die sich nicht als Organspender deklariert haben, einfach so ausräumt. Der Kleber will aber schon, weil er zwar, einerseits, Journalist und neutral und objektiv ist, schon klar, andererseits das aber voll nicht kapiert und echt nicht „nachvollziehen“ (SZ) kann, dass jetzt bspw. er mit sagenwirmal einer Schrumpfleber (Spaß!) auf Station liegt und er keine neue kriegt, weil die Leute zwar immer alles gut finden, Klimaschutz und Organspende und so, dann aber doch in die Karibik fliegen und keinen Organspendeausweis haben. Deswegen soll, findet etwa Jens („Jensi“) Spahn und findet auch Claus („Alles“) Kleber, eine Widerspruchslösung her: Wer nicht ausdrücklich nein sagt, dessen Körper wird der Verwertung zugeführt, was, muss man zugeben, viel besser ist als Kapitalismus zu Lebzeiten, denn da wird grundsätzlich alles verwertet, ob es nun nein sagt oder nicht.

„So viele unnötige Tote“, greint da Kleber sinngemäß, meint aber nicht die durch die ungerechte, wahnsinnige Weltwirtschaft oder die tödlich zahllosen ZDF-Krimis, sondern durch fehlende Organe, und die Annalena Baerbock, wiewohl von Klebern als „Juristin“ vorgestellt, braucht tatsächlich ein ganzes worthülsensattes, mit Hängern und Gewürge absolviertes Interview, um am Ende mitzuteilen, Grundgesetz, Menschenwürde, Recht auf körperliche Unversehrtheit, da könne man eine Widerspruchslösung vergessen, „auch wegen unserer Geschichte“ o.ä. Wer sich einen Perso machen lasse, solle sich auf dem Amt als Spender oder Nichtspenderin registrieren lassen müssen, dann muss auch niemand in meinem vergammelten Portemonnaie nach meinem vergammelten Spenderausweis kramen; und trotzdem ist der Kleber nicht recht froh, weil: Widerspruchslösung, das ist nun mal sein Ding.

Wäre er sonst Journalist geworden?

Aktuelle Cartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Hola, mexikanischer Drogenboss Joaquín »El Chapo« Guzmán!

Hola, mexikanischer Drogenboss Joaquín »El Chapo« Guzmán!

Weil Ihnen u.a. aufgrund jahrzehntelangen Kokainschmuggels in die USA dort eine lebenslange Haft droht, versuchen Sie nun, auf dem ebenso hart umkämpften Modemarkt Fuß zu fassen. Via Instagram kündigte Ihre Ehefrau Emma Coronel Aispuro Ihr gemeinsames Fashion-Label »JGL« an: »Ich habe ein Projekt für eine Modelinie. Ich will meinen und Joaquíns Stil voranbringen.«

Dass auch Ihre Haute Couture süchtig machen und zahlreiche Abnehmer finden wird, steht indes nicht zu bezweifeln – bei Ihrem feinen Näschen für guten Stoff!

War dagegen noch nie en vogue: Titanic

 Winfried Kretschmann!

Auch Sie haben die Schüler der Bewegung »Fridays for Future« dafür kritisiert, dass sie freitags nicht in die Schule, sondern für eine bessere Klimapolitik auf die Straße gehen. Die Proteste müssten früher oder später ein Ende finden und könnten »nicht ewig so weitergehen«, befanden Sie. Und: Auch Klimaschützer müssten sich an Regeln halten, es gelte die Schulpflicht.

Stimmt genau, Kretschmann, das haben Sie gut erkannt! Die Schüler müssen unbedingt wieder öfter in die Schule! Dann lernen sie noch viel schneller, dass einer wie Sie vollkommen unwählbar ist.

Strike! Titanic

 For fuck’s sake, George Clooney!

In einer englischen TV-Show erzählten Sie uns, dass Sie einmal vor Ihrer Haushälterin die »braune Windel« eines Ihrer Kinder aus dem Müll genommen hätten, um diese dann genüsslich auszulecken. »Sie lief schreiend weg!« feixten Sie. Und wenn Sie, Clooney, jetzt denken, dass an dieser Geschichte auch nur irgendetwas besser wird, weil Sie, wie Sie nachschoben, die Windel vorher mit Nutella präpariert hatten – dann irren Sie krankes Schwein sich aber gewaltig.

Begeben Sie sich in Behandlung! Titanic

 »Auto Motor und Sport«!

In Deiner Ausgabe vom 28. März hast Du den Audi R8 getestet und mit fünf von fünf Sternen bewertet. Da steht dann zum Beispiel unter »Umwelt« als Pluspunkt »geringe Umweltbelastung dank geringer Stückzahl« sowie, allen Ernstes, »nachhaltig, da voraussichtlich lange Nutzung«. Nun lässt sich derlei natürlich auch über Kreuzfahrtschiffe sagen, die es ja auch nicht in sooo hoher Zahl gibt und die immerhin ein paar Jahrzehnte halten.

Aber Minuspunkte hast Du in dieser Rubrik ebenfalls ausfindig gemacht, wenigstens einen: »Okay, sagen wir, wie es ist: sehr hoher Verbrauch«. Der aber letztlich wurscht ist, denn über dem Testkasten resümierst Du mit brutaler Ehrlichkeit: »Fünf Sterne? Aber der CO2-Ausstoß und der … egal. Einfach egal! Fünf Sterne verdient sich alleine schon der V10, weil er einer der letzten Sauger ist. Am besten heute fahren, morgen ist es zu spät.«

Haha, lustig. Und weißt Du was, »Auto Motor und Sport«, übermorgen ist es sogar noch später, weil wir alle zu tot sind, um Zehnzylinder-Monstren zu fahren.

Du saugst! Titanic

 Gute Idee, Spektrum.de!

Die zukünftige Kolonialisierung des Weltalls und die dazu nötige Raketentechnologie kommt zwar auch dank privater Unternehmen ganz gut voran, doch nach oben ist natürlich – buchstäblich – keine Grenze gesetzt. Und so verkündetest Du, dass die Raumsonde New Horizons auf dem Kuipergürtelobjekt Ultima Thule Alkohol gefunden hat.

Damit wäre der erste Schritt für ein schnelleres Vorantreiben der Besiedlung getan. Jetzt müssen wir dieses Ergebnis nur noch der Schnapsnase Jean-Claude Juncker stecken, und in weniger als zehn Jahren ist jeder noch so kleine Asteroid durch die ESA auf Fusel abgeklopft und besiedelt.

Verneigt sich vor Deiner intergalaktischen Genialität: Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Zwiebelschlaf, der:

tritt auf nach langen Kochsitzungen mit Zerschneidung von Zwiebelgewächsen. Aufgrund der Überanstrengung und Überessung erfolgt beschleunigtes abendliches Müdewerden. Da in den Augen aber immer noch (!) ätherische Zwiebelöle herumschwimmen, folgt direkt auf jedes noch so beiläufig-friedliche Zufallen derselben ihr unmittelbares, schreckbegleitetes und schmerzvoll-brennendes Wiederaufreißen. Kann sich bis drei Uhr morgens hinziehen und nur überwunden werden, indem die betroffene Person sich einen in Mixed-Pickles-Sud getränkten Waschlappen über den Kopf zieht und die Worte »Gelegenheit macht Zwiebel, jetzt reicht es aber mal« geheimnisvoll vor sich hinmurmelt, aus dem Fenster springt und selig auf dem Komposthaufen verschimmelt.

Adrian Schulz

 Ehrliche Speisekarte

Ich fand es bemerkenswert, wie auf dem Menüplan zumindest im Diminutiv auf das Tierleid in der Fleischproduktion hingewiesen wurde: »Heute: Schwein-Elendchen«. Es war dann aber leider doch nur ein Tippfehler.

Jürgen Miedl

 Technikpionier

Dass meine Zeitmaschinen viel besser funktionieren als sämtliche Konkurrenzmodelle, ist nun wirklich keine Überraschung. Ich bau’ die Dinger ja schließlich schon seit 2069.

Andreas Maier

 Neuer Ethik-Kodex

Um mehr Fairness im Online-Handel zu erreichen, schlage ich vor, dass profitmaximierende Abmahnanwälte hin und wieder auch mal etwas bei ihren Opfern bestellen.

Jan Guthmann

 Waschzwang

Ich wasche immer erst ab, wenn alle kleinen Löffel dreckig sind. Die gehen mir immer als erstes aus. Wenn ich also beim Morgenkaffee merke, dass ich keinen sauberen kleinen Löffel mehr habe, dann wird richtig krass abgewaschen. Zumindest ein kleiner Löffel.

Dorthe Landschulz

Vermischtes

Hans Zippert: "Fernsehen ist wie Radio, nur ohne Würfel"
Die steile Karriere des Hans Zippert begann im Jahr 1967 mit einem  Schülerpraktikum beim Kulturmagazin "TV Spielfilm". Nach einem  Volontariat bei "TV Direkt" übernahm er das angesehene 20-Uhr-15-Ressort  bei "TV Okayokay", bevor er schließlich Programmchef der auflagestarken  "TV Superwoche" wurde. Nachdem er über einen Bestechungsskandal rund um  eine 3-Sterne-Empfehlung für "Rote Rosen" stolperte, sah sich Zippert  1990 gezwungen, Chefredakteur von TITANIC zu werden. Der Tiefpunkt war  erreicht. Das alles und noch mehr erfahren Sie in diesem Buch!Friedemann Weise: "Die Welt aus der Sicht von schräg hinten"
Laut seiner Homepage ist er der "King of Understatement" und der "lustigste Mensch im deutschsprachigen Internet". Er ist aber auch Gitarrenmann, Viralblogger (15000 Follower!), Gagautor und Promiexperte mit Diplom. Die Rede ist von Friedemann Weise, dem Mann mit dem Namen! Der Mann, der den "Satiropop" erfand. Und jetzt auch noch ein Buch vorlegt. Ob das gutgeht? Ordern Sie diese Prämie und teilen Sie Ihr vernichtendes Urteil bitte zeitnah der TITANIC-Redaktion mit.Torsten Gaitzsch/Sebastian Klug: "Akte D: Die Wahrheit über Deutschland"
Die Redaktion versichert: Torsten Gaitzsch und Sebastian Klug, die  Autoren dieses Buches, wissen Dinge – schreckliche Dinge! – von denen  Sie, die Leser, nicht einmal zu träumen wagen. Denn es wären Alpträume!  Wählen Sie diese Prämie und erhalten Sie Einblicke in die tiefsten  Abgründe Deutschlands, die Sie wahnsinnig lachend und mit Schaum vor dem  Mund zurücklassen werden. Bisher hat es kein Leser bis zur letzten  Seite geschafft…Serdar Somuncu: "H2 Universe: Die Machtergreifung", DVD
Er ist der selbsternannte Hassias – viel wichtiger aber noch: der designierte Kanzlerkandidat für Die PARTEI. Holen Sie sich jetzt die neue DVD von Merkel-Nachfolger Serdar Somuncu als Gratisprämie und stehen Sie damit schon vor der Machtergreifung auf der richtigen Seite. Ihre Kinder werden es Ihnen danken!
Zweijahres-Abo: 98,60 EURKamagurka & Herr Seele: "Cowboy Henk"
Er ist Belgier, Kamagurka. Belgier! Wissen Sie, was der Mann alles durchgemacht hat in letzter Zeit? Eben, er ist Belgier. Und hat trotzdem in einem Finger mehr Witz als Sie im ganzen Leib! Und Heldenmut! Glauben Sie nicht? Dann lassen Sie sich von Cowboy Henk überzeugen, dem einzigen Helden, der wirklich jeden Tag eine gute Tat begeht.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURHauck & Bauer: "Ich kann einfach nicht Wein sagen"
Die beste Zeit, einen Band des Zeichnerduos Hauck & Bauer zu kaufen – sie ist seit sicher zehn Jahren vorbei. Heute sind die Werke von Elias Hauck und Dominik Bauer kein Geheimtip mehr. Die zerstrittenen Künstler kommunizieren inzwischen ausschließlich per Fax, leben in luxussanierten Altbauwohnungen mit kugelsicheren Whirl- und Autorenpools, in denen hungernde Leiharbeiter Comics anfertigen müssen. Leider ist auch der neueste Band der beiden Ausbeuter sehr gut, bestellen Sie hier!Sonneborn/Gsella/Schmitt:  "Titanic BoyGroup Greatest Hits"
20 Jahre Krawall für Deutschland
Sie bringen zusammen gut 150 Jahre auf die Waage und seit zwanzig Jahren die Bühnen der Republik zum Beben: Thomas Gsella, Oliver Maria Schmitt und Martin Sonneborn sind die TITANIC BoyGroup. In diesem Jubiläumswälzer können Sie die Höhepunkte aus dem Schaffen der umtriebigen Ex-Chefredakteure noch einmal nachlesen. Die schonungslosesten Aktionsberichte, die mitgeschnittensten Terrortelefonate, die nachdenklichsten Gedichte und die intimsten Einblicke in den SMS-Speicher der drei Satire-Zombies – das und mehr auf 333 Seiten (z.T. in Großschrift)! 
Zweijahres-Abo: 98,60 EURLeo Fischer + Leonard Riegel: "Fröhliche Hundegeschichten"
Ein Buch, bei dem Sie "Wau" sagen: Leo Fischer und Leo Riegel haben ihre Talente gebündelt und gemeinsam 1001 moderne Hundemärchen in Wort und Bild erschaffen. Zum Lesen, Lachen, Anknabbern! Und außerdem ein echter Lebensretter. Jedenfalls dann, wenn Sie Nacht für Nacht von einer dreiköpfigen Bulldogge heimgesucht werden, die Sie vor die knifflige Wahl stellt, ihr entweder eine "Fröhliche Hundegeschichte" vorzulesen oder den Arsch abgebissen zu kriegen. Ihre Entscheidung!Michael Ziegelwagner: "Der aufblasbare Kaiser"
Seit dem putzigen Präsidentschafts-Hahnenkampf zwischen Alexander Van der Bellen und Norbert Hofer interessiert sich plötzlich auch Resteuropa für das Land, um das es in diesem Buch geht: Österreich. Dabei ist der Donaustaat schon seit 2014 eine literarische Reise wert, jenem Jahr, als "Der aufblasbare Kaiser" für die Longlist des Deutschen Buchpreises nominiert wurde. Lassen Sie sich auf diese Reise mitnehmen: von Michael Ziegelwagner, dem liebenswertesten Randbalkanesen der TITANIC. Pflichtprämie für Kaisertreue!Elias Hauck (Hrsg.): "Alles Spargel oder was?"
Endlich ist ganzjährig Spargelsaison! Elias Hauck, die eine Hälfte von Hauck & Bauer und Herausgeber des Frauenmagazins "Sonja", serviert die reifsten Spargelwitze der Welt – gezeichnet und erzählt von dutzenden gemüseliebenden Cartoonisten und Autoren. Lachen Sie unter anderem über: den mit den polnischen Erntehelfern, den mit dem kaputten Spargelschäler und den mit der Fliege in der Hollandaise.Wenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURKatharina Greve: "Eigentlich ist Wurst umgestülptes Tier: Cartoons & Comicstrips"
Katharina Greve ist nicht nur Architektin, Situationsdesignerin und stolze Besitzerin einer Vakuumiermaschine, sondern auch Prophetin: Via Kalenderblatt sagte sie im Jahr 2013 auf den Tag genau den Rücktritt von Papst Benedikt XVI. voraus. Wer wissen will, welche sonderbaren Ereignisse die Zukunft noch bereithält, braucht deshalb dieses Bilderbuch. Gegenstände mit Gefühl, Menschen ohne Gesicht, Tapetenmuster von göttlicher Anmut – all das findet sich in Greves fantastisch-wurstigem Cartoonband!Die PARTEI-Wahlwerbungs-DVD mit allen vier Wahlwerbespots aus dem Bundestagswahlkampf 2005: Höhepunkte der Politpropaganda, die von Otto Schily mit dem Prädikat "ein Skandal" ausgezeichnet wurden. Besser aufgelöst als auf Youtube und noch dazu mit einer praktischen, farbechten Hülle drumrum - das ist doch was, was?
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Das schreiben die anderen

Titanic unterwegs
25.05.2019 Menden, Scaramouche Lyrikpreis »Der große Dinggang«
25.05.2019 Kassel, Caricatura-Galerie »Deutschland dreht durch«
26.05.2019 Berlin, Volksbühne Heiko Werning mit Paula Irmschler u.a.
28.05.2019 Hamburg, Grüner Jäger Ella Carina Werner