Das werde ich ja auch „oft“ gefragt: Wie ich nur immer an meine Ideen gerate! Und im Sinne der Transparenz wie auch der Kundenbindung will ich heute gern die Auskunft erteilen, daß ich gestern, in einem Kurzanfall von Frühjahrsputz, die Küche nicht nur aufgeräumt und staubgesaugt, sondern gleich auch noch mit einem Rest Wandfarbe die diversen Stuhlschrammen, Buntstift- und Fingerspuren beseitigt habe und den Farbtopf dabei auf dem (ungelesenen) Wirtschaftsteil vom Dienstag hatte; und schwupp, hatte der liberale Wirtschaftsmann Marc Beise unter der schon mal attraktiven, weil irgendwas verläßlich Unsozialistisches verheißenden Überschrift „Ach, unsere Reichen“ für alles Nötige gesorgt:

„Die Reichen über das bekannte Maß der progressiven Steuer (je höher das Einkommen, desto höher auch der Steuersatz) hinaus abzukassieren, macht keinen Armen reicher. Es ist die Crux der Umverteilung, daß ganz oben, bei Multimillionären und Milliardären, in der Summe gar nicht genug nachbelastet werden kann, um unten spürbar zu entlasten. Weshalb derart gestrickte Steuerreformen mit ziemlicher Regelmäßigkeit von oben bis weit in die Mittelschicht hineingreifen und damit jene treffen, die zunächst gar nicht gemeint waren“ und die im übrigen Beises Kernkundschaft stellen. „Auch Gesellschaften, die so sozial organisiert sind wie die deutsche“, das hat er schön gesagt, „profitieren von großen Vermögen. Sie sind das Rückgrat manches Traditionsunternehmens“, falls das nicht umgekehrt genauso gilt. „Sie investieren in neue Unternehmen und Ideen. Sie geben Geld, wo Banken sich schwertun. Sie investieren in Kunst und Kultur und in den regionalen Standort. Wenn namentlich in wirtschaftlich schwierigen Zeiten, wie sie viele deutsche Kommunen kennen“ und die, versteht sich, rein gar nichts damit zu tun haben, daß es bei der Umverteilung da diese Crux gibt und die Unternehmenssteuern seit Schröder historisch niedrig sind, damit die Traditionsunternehmen bei der Vermögensbildung helfen können, „die finanziellen Möglichkeiten der öffentlichen Hand zusammenschnurren, wenn die Schwimmbäder und Theater geschlossen werden und das Geld nicht mal mehr für eine Kulturfabrik reicht, dann sind das Engagement und die Spenden der größeren und großen Privatvermögen sehr willkommen.“

Wie Charity ja immer so funktioniert, daß der Marxsche Mehrwert, der sich einzig der Aneignung fremder Arbeit verdankt, zu kleineren Teilen und unterm Beifall der Öffentlichkeit und nach Möglichkeit steuerwirksam zurückgegeben wird, daß also das Traditionsunternehmen mit dem Milliardenvermögen im Rücken dasselbe Schwimmbad beheizen läßt, dessen Heizung einer Politik, die die Bedingungen für das Entstehen von Milliardenvermögen gewährleistet, zum Opfer gefallen ist.

„Dem schlechtsten Ding an Art und an Gehalt / Leiht Liebe dennoch Ansehn und Gestalt.“ Shakespeare/Schlegel, 1605/1797

„Manchmal sind diese Vermögen von schwerem Makel behaftet“, denn das Morgenblatt ist nicht nur liberal, sondern auch kritisch und ja keinesfalls eine Erfüllungsgehilfin von Kapitalinteressen. „Sie sind durch illegales oder fragwürdiges Tun entstanden, durch Steuerhinterziehung, kriminelle Geschäfte und das Gemeinwesen schädigendes Verhalten“, womit jetzt nicht das kalte Schwimmbad gemeint ist, da kann das Traditionsunternehmen ja nichts dafür, daß es so wenig Steuern zahlen muß. „Häufig genug“, also praktisch immer, „aber sind sie Folge von Leistung und Eigeninitiative in einer offenen Gesellschaft“, deren Loblied auch Degenhardts alter Senator schon gesungen hat, „der, dem das ganze Wackelsteiner Ländchen gehört / und alles, was darauf steht“: „Schon mit fünf Jahren ist der Senator jeden Tag / von Wackelrode nach Hohentalholzheim gelaufen, / zwölf Kilometer hin / und zwölf Kilometer zurück. / Und warum? / Weil in Wackelrode ein Liter Milch zweieinhalb Pfennig gekostet hat, / in Hohentalholzheim aber nur zwei Pfennig, / und diesen halben Pfennig, den durfte der Bub behalten. /  Und das hat er auch getan, zehn Jahre lang – von Wackelrode nach Hohentalholzheim, / von Hohentalholzheim nach Wackelrode. / und nach zehn Jahren, da hat sich der Senator gesagt: ,So’, / hat das ganz Geld genommen, / ist hergegangen / und hat das erste Hüttenwerk auf das Wackelsteiner Ländchen gestellt.“

Und den ideellen Gesamt-Marc Beise als PR-Chef verpflichtet; daß der die Schrammen an der Wand (z.B. „Armutsbericht der Bundesregierung“) übermale. – Meine Farbe war übrigens nicht ganz die richtige. Man sieht, wo der Pinsel war.

In der Zeitung hat es ja immer das Vermischte, und es ist nicht einzusehen, warum ich das nicht auch haben soll; allora:

Immer mehr Deutsche schlafen schlecht. Laut DAK-Gesundheitsreport „Deutschland schläft schlecht“ sind Schlafstörungen bei Berufstätigen zwischen 35 und 65 Jahren um 66 Prozent angestiegen. Jeder zehnte Werktätige ist sogar von einer besonders schweren Schlafstörung betroffen. „So beunruhigende Zahlen hatte auch der Berliner Schlafforscher Ingo Fietze nicht erwartet: ,So einen dramatischen Anstieg innerhalb von sechs, sieben Jahren – das beeindruckt schon. Und das macht auch ein bißchen angst.’ Die Gründe hängen bei den meisten Betroffenen mit dem Berufsleben zusammen. Nachtschichten, starker Termin- und Leistungsdruck gelten als Risikofaktoren. Und wer von sich sagt, häufig an der Grenze der Leistungsfähigkeit zu arbeiten, ist prädestiniert für ernsthafte Schlafprobleme. Und die Digitalisierung sei ein entscheidender Grund für den schlechten Schlaf, meint DAK-Chef Storm: ,Viele Menschen kümmern sich nachts um die Akkus ihrer Smartphones, aber ihre eigenen Batterien sind nicht aufgeladen.’ Ständige Erreichbarkeit sei Gift für gesunden Schlaf“ (tagesschau.de).

Die Linken in der SPD machen derweil ernst mit dem Sozialismus: „Wir müssen zur Kenntnis nehmen, daß einige Menschen auf absehbare Zeit auf dem ersten Arbeitsmarkt keine Chance haben“, hat der Sprecher der Parlamentarischen Linken (PL) in der SPD-Bundestagsfraktion Matthias Miersch der „Süddeutschen Zeitung“ gesagt. „Für diese Menschen brauchen wir einen öffentlich geförderten Beschäftigungssektor, und zwar in weit größerem Umfang als bisher.“ Miersch denkt dabei an die „Betreuung älterer Menschen“, denen man vorlesen könne, und den „Umweltschutz“, z.B. die Pflege von Grünflächen. 

Derweil ist der Ausstoß von Kohlendioxid in Deutschland gestiegen. Laut Umweltbundesamt lag die Belastung 2016 um knapp vier Millionen Tonnen über der des Vorjahres. „Besonders stark wuchsen die Emissionen im Verkehr … So seien Motoren zwar effizienter geworden, dafür entschieden sich aber immer mehr Autokäufer für großmotorige Fahrzeuge, hieß es aus der Dessauer Behörde“, heißt es in der SZ. Das deutsche Klimaziel zu erreichen, bis 2020 den CO2-Ausstoß gegenüber 1990 um 40 Prozent zu senken, wird damit immer unwahrscheinlicher.

„Der Kapitalismus, der alte Schlawiner, ist uns lang genug auf der Tasche gelegen / Vorbei, vorbei, vorbei, vorbei, jetzt isser endlich vorbei!“ PeterLicht, 2006

Derweil bittet mich am Eingang meines Supermarkts eine Initiative „Lunchbox e.V.“ um eine Nahrungsmittelspende. „Wir betreuen Kinder, deren finanzielle Mittel beschränkt sind und die sich deshalb nur unzureichend ernähren und versorgen können.“ Und das Rote Kreuz bittet per Postwurfsendung, „Kindern aus der Armutsfalle“ zu helfen. „Laut Bundesregierung“ sei „jedes fünfte Kind in Deutschland“ von Armut betroffen. „Oft müssen sie auf Selbstverständliches verzichten, z.B. auf eine tägliche warme Mahlzeit oder einen Schulausflug … Kinder aus armen Familien haben viele Sorgen und sind häufiger krank … Auch in der Schule zeigen sich Probleme, die sich zu geringeren beruflichen Chancen ausweiten können. So sind arme Kinder schon früh in den wichtigsten Lebensbereichen benachteiligt.“

Derweil ist „Spiegel online“ zufolge „endlich wieder Übergangsjackenzeit!“: „Der Winter ist vorbei, der Frühling ist noch nicht richtig da – Zeit, nachts wachzuliegen und sich zu fragen, ob man jetzt eine Übergangsjacke braucht. Noch unsicher? Wir hätten ein paar Tipps.“

Ich hätte da auch einen. Man denke ihn sich bitte.

Ich muß das Urteil des Kollegen Mentz über die ZDF-„Anstalt“ hier nicht wiederholen: „sehr intellektuell, informiert und elegant, ohne jeden Gratismut, dafür mit dem streng unpopulistischen (,Wollen Sie schon wieder mit Fakten die Stimmung relativieren?’) Bekenntnis zu Aufklärung, Humanitas und allem, was der Marktstaat und seine Agenten unter die Räder nehmen“, doch am Dienstag war’s wieder eine starke Sendung; und im Kolumnenzusammenhang der reine, von mir aus auch höhere Zufall, daß es ums Automobil ging, um PS- und SUV-Wahn und einen Abgasskandal in Permanenz, wo Verbrauchswerte im wesentlichen Erfindungen sind und Grenzwerte nur im Labor nicht überschritten werden, in der Praxis dafür ums tödlich Mehrfache, von den Umweltkosten fürs Benzin und jedes neue und noch so „ökologische“ Automobil zu schweigen, und daß die Politik das alles weiß und billigt und fördert und wie sie kriecht und kriecht und immer bloß kriecht. Unvergeßlich auch der Auftritt des Kollegen Gsella, der eine Schwester und eine Nichte auf der Autobahn verloren hat, genauer: an jenes fehlende Tempolimit, dem Studien zufolge 20 Prozent der Toten auf deutschen Fernstraßen geschuldet sind. Ausländischen Studien zufolge, wohlgemerkt; die letzte deutsche Studie ist 25 Jahre alt, der für sie Verantwortliche wurde danach kaltgestellt.

„Die Welt will betrogen sein, also werde sie betrogen.“ Gian Pietro Carafa, später Papst Paul IV., 16. Jahrhundert

Das Publikum war begeistert: Szenenapplaus und kathartischer Jubel, als sei es allerhöchste Zeit gewesen, daß das mal wer ausspreche, eine welch monströse Idiotie und kriminelle Unvernunft die hiesige (per „Dienstwagenprivileg“ auch noch schwer subventionierte) Fixierung ist; dabei zeigten die Kamerafahrten, daß hier, wo schon nicht der CSU-Stammtisch, so doch auch nicht die Antifa zustimmte, sondern ganz normales Publikum. Leute, die natürlich alle selbst Auto fahren, und nicht nur Kleinwagen, denn der deutsche PS-Durchschnitt von mittlerweile 144 PS kommt ja nicht von ungefähr, und die ihren Wohlstand, auf welchen Umwegen immer, den Hunderten Milliarden Euro verdanken, die die deutsche Automobilindustrie Jahr für Jahr umsetzt. Dieser Wohlstand und die „Sorglosigkeit seines Genusses“ bilden sogar unsere „kollektive Identität“, wie das in der „Süddeutschen Zeitung“ der Münchner Soziologe Stephan Lessenich genannt hat, der einen Grund fürs Hoch des Kanzlerkandidaten der SPD gesucht und sie in einem „gigantischen gesellschaftlichen Selbstbetrug“ gefunden hat, nämlich in der „Hoffnung, daß mit neuem Personal die alte Leier weitergehen kann“.

Das Nähere regele der „geheime Sozialvertrag der Wohlstandsrepublik Deutschland“: „Ihr, die politischen und ökonomischen Funktionseliten dieser Gesellschaft, dürft uns, die besitzlosen, aber mit dem allgemeinen Wahlrecht ausgestatteten Massen, im Betrieb und über das Parlament beherrschen, soweit und solange ihr für permanentes Wachstum und steigende Konsummöglichkeiten (…) sorgt (…). Und, so der wichtige Zusatzartikel zu diesem Vertrag auf Gegenseitigkeit, wenn ihr die Kosten dieses Arrangements von uns fern und uns dessen Nebenwirkungen vom Halse haltet: nämlich die für ökonomisches Wachstum notwendige Naturzerstörung, die trotz Umverteilung verbleibende Armut, das Wissen um die Gründung hiesigen Wohlstands auf der harten Arbeit von Menschen anderswo auf der Welt“. So beruht, kann man sagen, die Deutschland-AG auf dem Stillhalten derer, die es nicht besser wissen, und jener, die es nicht besser wissen wollen. Daß die, die in der „Anstalt“ sitzen, es wenigstens wissen wollen, ehrt sie; doch ihre schizophrene Lage macht den Applaus immer dann am lautesten, wenn es gegen eine Herrschaft geht, von der sie gern annehmen – oder sich wünschen? –, sie hätten nichts mit ihr zu tun.

Man soll sich ja nicht wundern, was die Leute alles wissen; oder eben nicht wissen. Ein mir nahestehender männlicher Verwandter schwört Stein und Bein, die Antwort auf die im Zuge einer TV-Umfrage gestellte Frage nach der Einwohnerzahl der Bundesrepublik Deutschland habe gelautet: „Lassen Sie mich nicht lügen – eine Milliarde!“ Ähnlich kuriose Ergebnisse darf erwarten, wer nach der Zahl der Bundesländer fragt oder der Zahl der Abgeordneten im Bundestag, der ungefähren auch nur, nach dem (vergleichsweise komplizierten) Unterschied von Erst- und Zweitstimme oder dem (vergleichsweise simplen) Inhalt des Rechtsfahrgebotes, von dessen Existenz nach meiner Erfahrung die Hälfte der Automobilisten (m/w) noch die etwas gehört hat.

Nun kann man finden, daß, wer mit einem Kraftfahrzeug in einer geschlossenen Ortschaft mit 140 oder gar 160 Stundenkilometern unterwegs ist und reihenweise rote Ampeln überfährt, unbedingt wissen müßte, was für Konsequenzen das haben kann; genauso wie man wohl findet, es sollte auch der Schulabbrecher wenigstens eine ungefähre Idee von der Größe des Staatswesens haben, in dem er seine Tage zubringt. Nun ist „man“ aber der, der es weiß, und es ist, siehe oben, schlicht unglaublich, wie viele Leute selbst simple Dinge nicht wissen, nicht einmal einschätzen können. So soll einer der Fahrer von Berlin einer Verkehrsgutachterin auf die Frage, wie man denn bei Rot vorausschauend fahren könne, geantwortet haben: „Ich gucke kilometerweit voran.“ Er hätte vorausschicken können: Lassen Sie mich nicht lügen.

„Wissen ist Macht. Weiß nichts. Macht nichts.“ Spontispruch, 1970er Jahre

Es steht hier nicht zur Debatte, Hamid B. und Marvin N., die bei einem sog. Straßenrennen einen Rentner totgefahren haben, freizusprechen. Die Frage ist, ob es eine Verurteilung wegen Mordes sein muß, selbst wenn wir davon absehen, daß bei der legalen Raserei auf deutschen Fernstraßen ja ebenfalls „gemeingefährliche Mittel“ unterwegs sind. Sogar der bedingte oder Eventualvorsatz, der für eine Verurteilung wegen Mordes nötig ist, setzt nach deutscher Rechtsprechung voraus, daß „der Täter den Taterfolg als Folge seines Handelns ernsthaft für möglich hält und ihn zugleich billigend (im Rechtssinne) in Kauf nimmt“ (Wikipedia). Deutsche Richter, welche in aller Regel weder Hamid noch Marvin heißen, halten es selbstredend für möglich, daß bei einem innerstädtischen Autorennen wer zu Schaden kommt. Was sie nicht für möglich halten, ist, daß es jemand nicht für möglich hält; daß jemand auf die Frage, wie viele Einwohner die Bildungsrepublik Deutschland hat, sagt: eine Milliarde.

Daß man Dummheit, Unbildung, Ahnungslosigkeit nicht für möglich hält, schafft sie nicht aus der Welt, und der Richterspruch am Berliner Landgericht setzt die bürgerliche Neigung ins Bild, mangelnde Bildung und alles, was daraus folgt, allein dem voll schuldfähigen einzelnen in die Schuhe zu schieben. In der Chancengesellschaft und vor Gericht sind alle gleich, und wenn Marvin und Hamid ihre Chancen nicht nutzen, sondern lieber Rentner totfahren, dann sind sie selber schuld, so schuld wie ihre Eltern, die sie nicht aufs Gymnasium geschickt haben.

Das Berliner Urteil, eine „historische Entscheidung“ (Künast), ein „richtungweisendes Signal“ (Gewerkschaft der Polizei)? Lassen Sie mich nicht lügen, aber ich würde sagen, es ist das Signal einer Klassenjustiz, die sich von den Ursachen so verabschiedet wie die Klassengesellschaft von ihren Folgen.

Ich stelle mir das so vor: Ich bin Korrespondent in der Türkei und werde, weil ich aus meiner Ablehnung der immer autoritärer werdenden türkischen Regierung keinen Hehl mache, unter erfundenen Vorwürfen eingesperrt. Unliebsame Ausländer wirft die Türkei zwar eigentlich aus dem Land, aber ich besitze neben der deutschen Staatsbürgerschaft die türkische: Meine Eltern stammen von dort, ich habe zwei Muttersprachen, ich habe mir gewünscht, als Journalist aus der Türkei zu berichten. Als Inländer werde ich so behandelt wie andere inländische Kollegen auch, nämlich schlecht. Ich bin überhaupt der erste deutsche Journalist, der sich hier im Gefängnis wiederfindet.

Dann geht, so stelle ich mir das vor, ein Aufschrei durch die Reihen der Kolleginnen und Kollegen und braust Solidarität wie Donnerhall durch die Flure der Redaktionen: In der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ fragt Kollege Martens, warum denn auch immer Türken über die Türkei berichten müßten, es sei dies doch im Grunde diskriminierend und außerdem nicht gut für den journalistischen Ertrag, schließlich mache Liebe blind: „Warum reduzieren deutsche Verlage die Kinder oder Enkel türkischer ,Gastarbeiter’ so oft auf die Rolle von Türkei-Erklärern? Weil sie türkisch sprechen? Hoffentlich nicht, denn es gibt viele Menschen, die die Sprache eines Landes gut beherrschen und das Land dennoch oder just deshalb fließend mißverstehen. Enge emotionale oder gar familiäre Verbundenheit mit einem Land muß kein Vorteil sein, wenn man über das Land berichtet.“ Weshalb z.B. bei der FAS die Inlandsredaktion nicht etwa, wie man denken könnte, aus autochthonen Patrioten (m/w) besteht, sondern aus familienlosen Ausländern, und meine Parteinahme für die Gegner Erdoğans auch nicht „objektiv“ ist, sondern gewissermaßen verblendet, eben weil ich Türke bin, Türke mit deutschem Paß, wie es so treffend heißt, ich kann das alles nämlich gar nicht beurteilen.

„Gewiß glaube ich nicht, daß Hitler Herr der Welt werden wird; auch sage ich nicht, daß sie es verdient. Das verdient man schwerlich. Aber sie wird es kaum verdient haben, wenn er ihrer nicht Herr wird.“ Thomas Mann, 1941

In der Berliner „Tageszeitung“, wo ich, der eingesperrte Korrespondent, einmal gearbeitet habe, wird dieser fiese Mist dann in Tat und Wahrheit noch geadelt: „Journalismus darf nicht Betroffenenjournalismus sein. Eine Diskussion über den Umgang mit Minderheiten in Redaktionen ist überfällig. Auch wenn Deniz Yücel dafür nicht den Anlaß liefert“ bzw., wie’s aussieht, eben doch, und warum ist ein Deutscher mit türkischen Vorfahren von Vorgängen in der Türkei anders betroffen als ein Deutscher mit hessisch-niedersächsischen von solchen in Frankfurt oder Braunschweig?

„Besonders“, grub auch die SZ mit Lust die fremden Wurzeln aus, „dürfte Yücel ein Autokorso gefreut haben, der am Sonntag durch Berlins Straßen fuhr, um laut hupend auf sein Schicksal hinzuweisen. Die Türken lieben den Autokorso. Yücel liebt die Liebe der Türken zum Autokorso und die lauten Hupen.“ Und ist überdies ein „Dauerraucher“ und „Journalist auf Seiten der Gegner Erdoğans“, „der Übergang zum Aktivisten: fast schon fließend“, was von einer so vorbildlichen Neutralität wie z.B. im „Heute-Journal“ absticht, das in seiner Ausgabe vom 20. Januar zweimal und ohne jede Einschränkung die Mitteilung machte, die Agenda 2010, die Schulz (SPD) jetzt freundlich anmalen will, habe Deutschland sozusagen gerettet. Dieselbe Agenda, die der objektive deutsche Bürgerjournalismus einhellig begrüßt, wo nicht sogar herbeigeschrieben hat.

„Yücels Journalismus ist immer auch ein ganz großes: ,Trööt!’“ (SZ) und mußte den Faschisten halt irgendwann aufstoßen. „Deshalb hatte er sich auch mit den türkischen Journalisten solidarisiert, die reihenweise weggesperrt worden sind.“ Die germanischen Kollegen schaffen es nicht einmal bei einem. Hut ab.

Die Zeitung vom Mittwoch war umständehalber liegengeblieben, jene vom Samstag erst gar nicht gekommen, so wie die Zeitung recht regelmäßig nicht kommt, ohne daß die Beschwerden irgend etwas nützten. „Ist ja auch kein Job, den man machen wollte“, sagt die Nachbarin, deren Taz vom selben Austräger oder derselben Austrägerin geliefert wird oder eben nicht geliefert wird, und da hat sie freilich recht; andererseits kostet mein tägliches Liberalquatschblatt 700 Euro im Jahr. Allein deshalb bin ich für den Sozialismus: daß er mit diesen quälenden Widersprüchen endlich einmal aufräumt.

Aber es war dann Glück im Pech, denn auf der Seite drei der aus dem Altpapier gezogenen frischen Mittwochszeitung fand sich eine Reportage über das Elend in den katastrophal überbelegten, heillos vergammelten, von Mord, Bandenkriegen, sogar Kannibalismus heimgesuchten brasilianischen Gefängnissen. „Reginaldo Santos Soares ist seit zwei Jahren hier. Er sagt: ,Das Essen ist schlecht, das Klopapier reicht längst nicht für alle, wir brauchen uns nicht über Menschenwürde zu unterhalten.’ Santos ist der Gefängnisdirektor.“

Das Hauptproblem ist die üble Überbelegung: Drei Mann in einer Einzelzelle, sechs Quadratmeter brutto, sie schlafen in Schichten. Die meisten Insassen sind Kleindealer und -dealerinnen oder „Untersuchungshäftlinge, die auf ihren Prozeß warten – oder einfach vergessen wurden“. Ein Anwalt wird zitiert: „Der klassische brasilianische Häftling hat ein Alter, eine Hautfarbe und eine Adresse: jung, schwarz, Vorstadtsiedlung.“ Der Anwalt begleitet eine 19jährige zum Haftrichter, die wegen 20 Gramm Gras einfahren wird, für Jahre. „Ihr Fall sei in jeder Hinsicht typisch … Das Gericht kann bei der Entscheidung, ob sie als Konsumentin oder Dealerin einzustufen ist, … den ,sozialen Kontext’ bewerten. In der Praxis bedeutet das: ,Die Armen wandern wegen kleinster Mengen von Marihuana in den Bau. Die Kids der Oberschicht können mit noch so viel Kokain erwischt werden, sie kommen als Konsumenten davon.’ Menschenrechtler laufen seit Jahren Sturm gegen diese Form der Segregation. Vergeblich.“

„Wenn es net so traurig wär', / entsetzlich schaurig wär', / man würde lachen ohne End'.“ Falco, 1982

So vergeblich wie in den USA die Appelle, das groteske Mißverhältnis zwischen der Zahl weißer und schwarzer Strafgefangener zu ändern, und auch hier ist die Drogenkriminalität die Eintrittskarte in die Welt des Strafvollzugs, der halbe Generationen schwarzer junger Männer aus dem Leben nimmt. Das wird leicht für die Spezialität US-protestantischer Moraldrakonik gehalten, verschärft durch Rassismus und ein Geschäftsinteresse, das ein privatisierter Strafvollzug haben muß. Daß es im fröhlichen Mañana- (bzw. Amanhã-)Brasilien genauso zugeht, läßt es noch etwas unwahrscheinlicher werden, daß all dies nichts mit einem Klassenkampf von oben zu tun hätte, für den die Drogen, bei allem moralistischem Gejammere, ein willkommener Vorwand sind, den Menschenmüll von der Straße zu schaffen.

„Menschenrechtsexperten, Kriminalwissenschaftler, Soziologen, UN-Beobachter … kommen zu dem Schluß, daß der Drogenkrieg deutlich mehr Opfer fordert als der Drogenkonsum. Kaum irgendwo ist das so offensichtlich wie in den Gefängnissen. Aber kaum etwas ist politisch so schwer vermittelbar.“ Weil nämlich nicht gewollt: um die Unterschicht im Gefängnis verschwinden zu lassen und die Affekte der Mittelschicht umzulenken. Der „Krieg gegen die Drogen“ ist in Bausch und Bogen gescheitert, wird aber aus klassenpolitischem Interesse weitergeführt werden, so wie das deutsche Klasseninteresse Schulkinder nach der vierten Klasse (aus-)sortiert, allen gebetsmühlenartigen Warnungen aus Pädagogik und Sozialarbeit zum Trotz.

Mit Appellen an die Vernunft kommt man da nicht weiter, weder hier noch da. Es wird doch nicht so sein, daß die Klassengesellschaft als solche schlicht unvernünftig ist?

Der Elektriker kam auf Zuruf, nach einer halben Stunde war im Bad wieder Licht, und ich bedankte mich herzlich für die schnelle Erledigung. Der Geselle, ein paar Jahre älter als ich, nickte müd und sagte, das gehöre bald der Vergangenheit an. Ich fragte: Ja? Warum? Er sagte, sie hätten niemanden mehr. In ihrer Firma seien sie mal zu zehnt gewesen, jetzt nur mehr zu dritt. Nachwuchsprobleme. Sie hätten keine Lehrlinge mehr. Ein Teil schmeiße nach spätestens einem Jahr, ein anderer Teil sei schlicht nicht zu gebrauchen, und „Aussiedler“ (er nannte das so), gern, aber das sei, trotz allem, ein Riesenproblem, sprachlich.

Ich stand dabei und hob die Schultern. Im heimischen IHK-Bezirk, machte der Geselle weiter, habe sich die Zahl der Elektrikerlehrlinge in den letzten dreißig Jahren um volle zwei Drittel reduziert. Es gebe zwar immer mehr Firmen, denn die Gesellen machten sich alle selbständig, aber diese Firmen hätten immer weniger Leute. In anderen Berufen, ob nun Gas/Wasser oder Tischler, sei es genauso, wenn nicht noch schlimmer. Jetzt hob er die Schultern, und da mir dazu nichts einfiel – jedenfalls nichts, was sich zwischen Tür und Angel und unter Vermeidung der Vokabel „Klassengesellschaft“ hätte anbringen lassen –, verlegte ich mich auf diese wortlose Mischung aus Brummen und Kopfwackeln, die zugleich Interesse und Distanz ausdrückt.

„Und die Arbeiter dürfen auch in den Park … / Gut. Das ist der Pfennig. / Aber wo ist die Mark –?“ Tucholsky, 1928

Denn irgendwas Klassengesellschaftliches, wenn die Spekulation erlaubt ist, wird der Sache ja zugrunde liegen, zumal die bessere Hälfte zuhause bestätigte, haargenau diese Geschichte habe sie neulich beim Friseur gehört: Wer überhaupt noch komme, um sich ausbilden zu lassen, habe im Grunde keine Lust, schwänze die Berufsschule und sei bald weg. Friseure (m/w), wußte ich da, seien legendär schlecht bezahlt, zumal in der Ausbildung, und daß Klempner zwar alle mit Badsanierung in Marmor werben, im Tagesgeschäft aber eher verstopfte Klos wieder gängig machen, ist sicher auch kein Grund für Fünfzehnjährige, bei der Berufsberatung „Hier!“ zu schreien.

Die Klassengesellschaft, steht irgendwo in Rudolf Bahros „Die Alternative“, beginnt da, wo die einen sich hintern Schreibtisch setzen können und die anderen nicht, und in Zeiten, wo die Leute hinterm Schreibtisch immer mächtiger werden, sollen Akademiker sich hüten, über den „Akademisierungswahn“ zu klagen. Denn das Abitur, wie gehaltvoll es immer sei, ist und bleibt die Eintrittskarte in jene Gesellschaft, die den legendären deutschen Facharbeiter zwar für ihr Exportwunder benötigt, ihn aber allenfalls dann im selben Stadtviertel wohnen läßt, wenn er sich als Handwerksmeister selbständig gemacht und sein Proletarisches abgelegt hat; und um wieviel weniger die, für die in der Exzellenz- und Elitengesellschaft nicht mehr genug Bildung überbleibt, daß es selbst für einfachere Texte noch reichte: „Bei Eignungstests“, berichtet die Morgenzeitung, „scheitern viele Kandidaten an der Rechtschreibung. Aber muß man wirklich korrekt schreiben können, wenn man zum Beispiel Feuerwehrmann in Nordspanien ist?“ Eine Frage, die noch im schäbigsten Realsozialismus undenkbar gewesen wäre; hier sind die studierten Redakteure sich ihrer Herablassung nicht einmal mehr bewußt, die eine zentrale Kulturtechnik an jene, die den Laden Tag für Tag am Laufen halten, schon gar nicht mehr verschwendet sehen will.

Bleibt ausnahmsweise die Hoffnung auf die Marktwirtschaft, die auf ein sich verknappendes Angebot durch steigende Preise reagiert. Könnte sein, der Klempner, die Elektrikerin wird bald richtig teuer. Ich gönne es ihnen.

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St. Gärtner ist der Schutzheilige der Alphabetisierten und Literaten. Gerühmt und bekannt als Parodist Daniel Kehlmanns, Ildikó von Kürthys, Arno Geigers und Thomas Gsellas, hat er nun seinen ersten Roman "vorgelegt" (Feuilletonphrase). "Putins Weiber" ist ein Pageturner (Klappentextphrase) des Gut-Schreibers (Idiotenphrase), voll mit Frauen, Alkohol, Psychotherapie, Aphorismen und Geschwätz, seltsamen Nachbarn, noch mehr Frauen, Männerfreundschaft und Autofahrten. So würde Nick Hornby schreiben, wenn ihm Eckhard Henscheid rechtzeitig Lawrence Sterne vorgestellt hätte!Hans Zippert: "Würden Sie an einer Tortengrafik teilnehmen?"
Würden Sie die Frage "Würden Sie gerne ein Buch mit dem Namen 'Würden Sie an einer Tortengrafik teilnehmen?' lesen?" mit "Ja" beantworten? Und würde der Fakt, daß dieses Buch von TITANIC-Alt-Urgestein Hans Zippert stammt und den Untertitel "199 Fragen und 197 Antworten zu den Allgemeinen Geschäftsbedingungen für das Leben in Deutschland" trägt, Ihre Leseentscheidung positiv oder negativ beeinflussen? Zu kompliziert für Sie? OK, dann also in Ausrufesätzen: Neues Buch! Von Zippert! Mit langem Titel! Lesi lesi machen! Damit Ihr träges Hirn mal was zu tun kriegt!!Heinz Strunk: "Das Strunk-Prinzip"
Sie sind ein totaler Versager und können sich Bücher nur als Abo-Prämie leisten? Dann nehmen Sie wenigstens dieses hier: "Das Strunk-Prinzip", die beliebte Kolumne aus TITANIC als Buch! Power- und 110-Prozent-Autor Heinz Strunk zwiebelt Ihnen blitzgescheite Weisheiten um die Ohren bis Sie gar nicht mehr anders können als in Erfolg, Geld und Sex zu ersaufen. Das Strunk-Prinzip setzt Ihrem Elend endlich ein Ende. Mutter wird sich freuen!Anselm Neft: "Helden in Schnabelschuhen"
Anselm Neft ist Großinquisitor auf Lesebühnen und Mitherausgeber des EXOT-Magazins für komische Literatur. Sein zweiter Roman führt geradewegs hinein in die finstere, stinkende, voraufklärerische Welt der Mittelaltermärkte. Dorthin verschlägt es seine Helden Max und Katja, die nach ihrem Studienabschluß in Philosophie aus schierer Verzweiflung mit der Mittelalterband Kobold auf Tour gehen und sich dabei in höchst komplizierte Liebes- und Lebenshändel verstricken. Neft schreibt, wie ihm der Schnabel(schuh) gewachsen ist – genau das Richtige für mittelalte Komik-Connaisseure mit Hang zum Schalmeienklang!Leo Fischer + Leonard Riegel: "Fröhliche Hundegeschichten"
Ein Buch, bei dem Sie "Wau" sagen: Leo Fischer und Leo Riegel haben ihre Talente gebündelt und gemeinsam 1001 moderne Hundemärchen in Wort und Bild erschaffen. Zum Lesen, Lachen, Anknabbern! Und außerdem ein echter Lebensretter. Jedenfalls dann, wenn Sie Nacht für Nacht von einer dreiköpfigen Bulldogge heimgesucht werden, die Sie vor die knifflige Wahl stellt, ihr entweder eine "Fröhliche Hundegeschichte" vorzulesen oder den Arsch abgebissen zu kriegen. Ihre Entscheidung!Michael Ziegelwagner: "Der aufblasbare Kaiser"
Seit dem putzigen Präsidentschafts-Hahnenkampf zwischen Alexander Van der Bellen und Norbert Hofer interessiert sich plötzlich auch Resteuropa für das Land, um das es in diesem Buch geht: Österreich. Dabei ist der Donaustaat schon seit 2014 eine literarische Reise wert, jenem Jahr, als "Der aufblasbare Kaiser" für die Longlist des Deutschen Buchpreises nominiert wurde. Lassen Sie sich auf diese Reise mitnehmen: von Michael Ziegelwagner, dem liebenswertesten Randbalkanesen der TITANIC. Pflichtprämie für Kaisertreue!Markus Riexinger: "Kaktus der Verwesung"
Der "Gott des komischen Gemetzels" (L. Fischer) schlägt zurück: Markus Riexinger schlachtet sich einmal quer durch die deutsche Sprache, zerdrischt halbfertige Dramolette und prügelt poetische Versatzstücke in die Unkenntlichkeit. Frei nach Niels Bohr: Wer über die Miniaturen und Erzählanfälle des Berliner Jungautors nicht entsetzt ist, hat sie nicht verstanden.Wiglaf Droste: "Schalldämpfer"
Bei Wiglaf Droste, der "linken und rechten Hand des Fehlerteufels" (Bud Spencer), sitzt nicht nur der "Colt der Sprachkritik" (Terence W. Adorno) locker, er kann auch Fortsetzungsromankompilationen schreiben, die Herz und Hirn treffen. Z.B. diese, "Schalldämpfer", in der das "Kommando Leise Welt", eine Organisation zur Rettung des menschlichen Trommelfells, Lärmbolde und Schreihälse ganz leise wegknallt. Pflicht für alle, die den Schuß noch nicht gehört haben.Elias Hauck (Hrsg.): "Alles Spargel oder was?"
Endlich ist ganzjährig Spargelsaison! Elias Hauck, die eine Hälfte von Hauck & Bauer und Herausgeber des Frauenmagazins "Sonja", serviert die reifsten Spargelwitze der Welt – gezeichnet und erzählt von dutzenden gemüseliebenden Cartoonisten und Autoren. Lachen Sie unter anderem über: den mit den polnischen Erntehelfern, den mit dem kaputten Spargelschäler und den mit der Fliege in der Hollandaise.Wenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
Zweijahres-Abo: 92,40 EUR (Ausland: 112,80 EUR)Katharina Greve: "Eigentlich ist Wurst umgestülptes Tier: Cartoons & Comicstrips"
Katharina Greve ist nicht nur Architektin, Situationsdesignerin und stolze Besitzerin einer Vakuumiermaschine, sondern auch Prophetin: Via Kalenderblatt sagte sie im Jahr 2013 auf den Tag genau den Rücktritt von Papst Benedikt XVI. voraus. Wer wissen will, welche sonderbaren Ereignisse die Zukunft noch bereithält, braucht deshalb dieses Bilderbuch. Gegenstände mit Gefühl, Menschen ohne Gesicht, Tapetenmuster von göttlicher Anmut – all das findet sich in Greves fantastisch-wurstigem Cartoonband!Fischer/Wolff/Ziegelwagner (Hrsg.):  "Die TITANIC-Bibel: Segen, Sünden, Sauereien"Was sind schon Markus, Matthäus, Lukas, Johannes, Paulus, Gott gegen Knorr, Eilert, Bernstein, Pfarr, Schmitt, Zippert, Hurzlmeier, Raddatz usf.? Bestenfalls mittelmäßige Autoren und Zeichner. Deswegen greift der moderne Religionskenner zur TITANIC-Bibel. Das ideale Weihnachtsgeschenk für alle, die noch wissen, worum es bei Weihnachten wirklich geht (ideale Weihnachtsgeschenke).Zweijahres-Abo: 92,40 EUR (Ausland: 112,80 EUR)Stephan Rürup: "Basteln mit Bier"
Während eine Baumarktkette nach der andere pleitegeht, zeigt uns Stephan Rürup, wie auch ohne Hobel und Schrauben schöne Bastelarbeiten entstehen können: nämlich mit Bier! Der TITANIC-Hauszeichner hat sich einmal um den Globus getrunken und dessen bedeutendste Monumente nachgeb(r)aut. Ergebnis: ein handliches Prachtbändchen, das in keinem Hobby- und Getränkekeller fehlen darf.Volker Surmann: "Lieber Bauernsohn als Lehrerkind"
Lesebühnenautor, Gelegenheits-Slammer, TITANIC-Autor – und Provinz-Exilant: Volker Surmann stammt aus den Tiefen des Teutoburger Waldes, heute wohnt er im Trend-Städtchen Berlin. In seinem ironisch-autobiografischen Heimatroman beschreibt der „Alien vom Planeten Acker“ (Eigenwerbung) u.a. den grausamen Mord an seiner Lieblingskuh und sein Versagen beim Traktorfahren – Blut und Boden sind also garantiert! „Ist Volker bloß ein metrosexueller Großstädter, gefangen im Körper eines ostwestfälischen Bauernkinds?“ Finden Sie es heraus!Gerhard Henschel: "Beim Zwiebeln des Häuters – Glossen und Verrisse 1992-2012"Margot Käßmanns buntscheckige Gedankenwelt, Heinos faszinierende Schlichtheit, Slavoj Žižeks Parallaxengeschwurbel oder Günter Grassens Gedächtnislücken – TITANIC-Chefschimpfer Gerhard Henschel versucht Gestalten zu begreifen, von denen andere sich wünschen, sie nie kennengelernt zu haben. In diesem Sammelsurium herausragender Schleimfiguren finden Sie die schönsten Henschel-Polemiken aus zwanzig Jahren.Heiko Werning: "Schlimme Nächte: Von Abstürzen und bösen Überraschungen"Jeder von uns hat schon mal eine erlebt und würde sie am liebsten für immer aus dem Gedächtnis löschen: eine schlimme Nacht. Heiko Werning aber, Lesebühnengott und Reptilienforscher, hat sich an über 30 schlimme Nächte erinnert und sie tapfer aufgeschrieben. Kindlicher Kaninchenmord bei der Nachtwanderung, verpaßte Chancen im malaysischen Massagesalon, Prügeleien mit Fußballfans, psychopathische Spermien-Strickerinnen: diese Nachtmahre werden Sie nicht mehr schlafen lassen!Das Ingrid-Hirsch-Gedächtnisabo: 15 Postkarten und 1 FeuerzeugDieser Geniestreich modernen Verlagsmanagements bedient altmodische Printbriefschreiber und Pyromanen gleichermaßen! Sie wollten schon immer mal einen Kinderhort anzünden und die passende Bekenner-Postkarte an die Polizei verfassen, die Beamten aber zugleich subtil darauf hinweisen, daß Sie TITANIC-Fan sind? Sie wollten schon immer mal fünfzehn herrliche TITANIC-Motive in Flammen aufgehen sehen, ohne sich aber zu sehr vom Heft zu distanzieren? Sie wollten schon immer mal 15 alte Postkarten und 1 Feuerzeug zusammen mit einem Kamm, einem blutigen Messer und dem Büstenhalter Ihrer Mutter in ein Paket an die Kanzlerin schicken? Dieses verlagsintern "Irren-Abo" genannte Komplettpaket kann (Liquidität vorausgesetzt) noch heute Ihnen gehören!Heiko Werning/Volker Surmann (Hrsg.): "Fruchtfleisch ist auch keine Lösung"
Fernsehkocharenen und Jamie-Oliver-Apps auf der einen Seite – Ehec, Dioxin und Cranberrybier auf der anderen: Ernährung fasziniert und verängstigt heute gleichermaßen. Höchste Zeit für einen kritischen Sammelband, in dem 35 Hobby-Esser über Antivegetarismus und Provitamine, über Thymian, Safran und Foer debattieren. Zu den Textköchen zählen Sterne-Satiriker, die sich mit den Grenzen des guten Geschmacks nur allzu gut auskennen: Leo Fischer, Stefan Gärtner, Oliver Nagel, Katharina Greve, Wiglaf Droste, Mark-Stefan Tietze u.v.a.m.Die PARTEI-Wahlwerbungs-DVD mit allen vier Wahlwerbespots aus dem Bundestagswahlkampf 2005: Höhepunkte der Politpropaganda, die von Otto Schily mit dem Prädikat "ein Skandal" ausgezeichnet wurden. Besser aufgelöst als auf Youtube und noch dazu mit einer praktischen, farbechten Hülle drumrum - das ist doch was, was?
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Das schreiben die anderen
  • 27.03.:

    In der Taz informiert Torsten Gaitzsch über den aktuellen Stand der Weltraumfotografie.

  • 25.03.:

    Leo Fischer besucht mit Martin Walser die Leipziger Buchmesse und berichtet in der Taz.

Titanic unterwegs
29.03.2017 Frankfurt, Naxos Halle
  Tim Wolff, Hans Zippert, Michael Ringel u.a.
30.03.2017 Kassel, Schloß Wilhelmshöhe
  Ausstellungseröffnung »300 Jahre Herkules«
03.04.2017 Darmstadt, Centralstation
  Max Goldt
03.04.2017 Berlin, DRIVE. Volkswagen Group Forum
  Gerhard Henschel u.a.

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Briefe an die Leser

 Lieber Klemens Kindermann (Deutschlandfunk),

da hatten Sie ja waggonweise Metaphern aufgefahren für Ihren Kommentar zum Rücktritt des Bahnchefs Rüdiger Grube. »Auch an der Spitze des Unternehmens Deutsche Bahn gibt es keine reservierten Vertragsverlängerungen und keine ungestörten Betriebsabläufe«, beglückten Sie uns und ratterten gleich weiter: »… hatte er den Bahn-Konzern doch wieder auf die Spur gesetzt«. Ohne Zwischenstopp fuhren Sie fort: »Beim Projekt Zukunft Bahn übernahm er selbst die Führungsrolle und damit die Verantwortung für die Weichenstellungen der Zukunft« und kriegten Ihren Anschluß mit »völlig überraschender Halt auf freier Strecke«, nur um kurz darauf in die Endstation einzurollen: »Streiterei um die Konzernführung braucht die Bahn aber nicht, sondern einen entschlossenen Lokführer an der Spitze«.

Herr Kindermann, wir fürchten, es gibt da einen unbeschrankten Übergang von Ihrem Kopfbahnhof zu Ihren Durchsagen.

Mit Volldampf ab: Titanic

 Böse Überraschungen, »Focus online«,

lauern Dir zufolge derzeit im Gemüseregal: »Ob Zucchini oder Eisbergsalat, vieles ist gerade relativ teuer.« Schon, »Focus online«, aber: Sind Zucchini und Eisbergsalat an und für sich nicht schon böse Überraschungen? Und was ist mit Deiner Druckversion im Zeitschriftenregal? Da mal drüber nachgedacht?

Wenig überraschend böse: Titanic

 Sie, Christian Schmidt (CSU),

sind Bundeslandwirtschaftsminister und damit auch zuständig für Legehennen bzw. deren unerwünschten männlichen Nachwuchs. Für diesen verkündeten Sie nun die frohe Botschaft: »Küken müssen dank neuer Lasertechnik bald nicht mehr geschreddert werden.« Zukünftig werden die dann also … geschmort?

Grüße aus dem Wienerwald Titanic

 Echt jetzt, Kongregation für Selig- und Heiligsprechungsprozesse, c/o Vatikan!

Du würdest gern den 2006 verstorbenen fünfzehnjährigen Carlos Acutis heiligsprechen, der nicht nur sehr fromm war, täglich in die Kirche ging und sich aufopfernd für Arme und Schwache engagierte, sondern auch als Computergenie galt und daher glatt Dein Schutzpatron für das Internet werden könnte. Alles, was Dir jetzt noch fehlt, ist ein amtliches Wunder.

Wenn wir da mal kurz aushelfen dürften: Der Junge hat schon als Neunjähriger einen Windows-PC stabil zum Laufen gekriegt! Was willst Du denn noch? Da könnten ja selbst wir ganz gottesfürchtig werden! Titanic

 Heda, Kanzlerin!

Wir erinnerten uns gerade an Ihr letztes Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko und Ihre wunderbar merkeligen Ausführungen zu abermaligen Gefechten und Toten an der russisch-ostukrainischen Grenze: »Deshalb muß ich sagen, daß die Sicherheitslage an der Kontaktlinie besorgniserregend ist.« Wir fragen uns ja immer, ab wie vielen Toten aus der schon öfter bemühten Kontaktlinie für Sie wohl eine Front wird. Vermutlich muß dafür bis zu einem todesähnlichen Zustand warten: Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Warum kein Warnhinweis?

Selten bescheuert ist es freilich, die an Karstadts Süßwarenstand gekaufte Tafel »Feodora Edelbitter Sahne« zusammen mit dem an Karstadts Grilltheke gekauften halben Hähnchen im vollgepackten Rucksack zu verstauen, es sei denn, man hat nach der Heimkehr gleich Lust auf einen schönen Schluck heiße Schokolade.

Mark-Stefan Tietze

 Anthropologie

Der Mensch: ein Naturprodukt mit geplanter Kondoleszenz.

Theobald Fuchs

 Analoger Dialog

Anruf aus dem Callcenter von 1&1.

»Sie sind Firmenkunde bei 1&1. Wir können Ihnen helfen, Ihre Firma in den Ergebnissen von Suchmaschinen besser zu plazieren.«
»Geht auch schlechter, zur Vermeidung von Nerverei und für weniger Geld?«
»Das geht nicht.«
»Dann kommen wir leider nicht zusammen.«

Achim Greser

 Gesundheitsfrage

Wenn Frühstücken das neue Rauchen ist, wie britische Forscher behaupten, welche Rolle spielt dann, ernährungswissenschaftlich betrachtet, eigentlich das sogenannte Nuttenfrühstück (Kaffee und Zigarette)?

Julia Mateus

 Automatensegen

Social Bots könnten die Betreuung all der Soziopathen bei Facebook und Co. übernehmen, die man keinem Menschen zumuten will: Aufmerksamkeit bereitstellen, Monologe entgegennehmen, als Like-Maschinen gute Gefühle erzeugen und durch Flirten das Ego streicheln. Je besser dies funktioniert, um so mehr wird die Kundschaft aus dem Real Life ferngehalten. Ich persönlich nutze die technische Errungenschaft umgekehrt, indem ich meine Wutimpulse ungehemmt an den Bots auslasse. Erstaunlich finde ich dabei, daß diese heute schon die Überschreitung von Toleranzschwellen genausogut simulieren können wie echte Menschen.

Michael Höfler