Aus meiner Lieblingsstadt Frankfurt am Main schreibt mir Freund und Kollege Jürgen Roth: „Lieber Stefan, Dein Nachruf auf Kohl ist, wie ich meine, nur weitgehend zutreffend; denn die ,geistig-moralische Wende’ hat es, ausgenommen Privat-TV, nie gegeben. (Und RTL etc. haben im Sinne des Schlagwortes gewiß nichts geistig-moralisch gewendet.) Das Geschwätz hat Kohl selbst nicht ernst genommen. Und die D-Mark-Sache und die Ausplünderung der DDR gehen vor allem auf das Konto vom schon damals faschistischen Schäuble und zumal der FDP. Kohl hat wiederholt geäußert, wie ihm die ,Wirtschaftskriecher’ der FDP mit ihrer Politik auf Zuruf der Deutschen Bank auf den Sack gingen, da gibt es Zitate genug. Kohl hat das halt gemacht, weil er sehr gern Kanzler war. Das war alles. Er war weder ein Staatsmann noch sonst was, er war ein gemütlicher Opportunist, der mir, verglichen mit Kommandeuren wie Schmidt und Schröder und dem Kapitalappendix Merkel, mittlerweile sogar ziemlich sympathisch ist. (…) Der wollte, daß sein Parteiladen finanziert wird und in seinem Sinne schnurrt und daß es keinen Zirkus mit dem Franzos’ gibt. Das war sein Programm. Alles andere ist linke Mystifikation. (…) Mir ist der Kohlsche Gemütlichkeitsmuff (das Leben als eine Art ewig geöffnete Schankwirtschaft) lieber als das Brandtsche ,Zusammen’-Gewichse. Und Kohl war keine ,kalte’ Figur, im Gegenteil, man hat an ihm tatsächlich wenigstens Spuren von Ehrlichkeit wahrgenommen. Stell Schröder und Merkel dagegen, diese Killer.“

„Wir sehen, daß in dem Maße, als, in der organischen Welt, die Reflexion dunkler und schwächer wird, die Grazie darin immer strahlender und herrschender hervortritt. – (...) so findet sich auch, wenn die Erkenntnis gleichsam durch ein Unendliches gegangen ist, die Grazie wieder ein; so, daß sie, zu gleicher Zeit, in demjenigen menschlichen Körperbau am reinsten erscheint, der entweder gar keins, oder ein unendliches Bewußtsein hat, d. h. in dem Gliedermann, oder in dem Gott.“ Kleist, 1810

Das Temperaturempfinden ist ja bekanntlich ein relatives, und daß Kohl heute Wärme bescheinigt werden kann, ist nichts als Ausdruck der kalten und immer kälteren Verhältnisse, die ihm folgten. „Kohl verkörperte, sobald er auf einem TITANIC-Cover auftauchte, in einer Gestalt sowohl die herrschenden Verhältnisse als auch die Kritik daran“, hat Hans Zippert dem Altkanzler in der „Welt“ nachgerufen. „Das wird ihm leider keiner mehr nachmachen“, und schon gar nicht die, die heute allein noch das (Kapital-)Verhältnis als solches sind. Kohl war, darüber weit hinaus, der Witz, für den ihn so viele gehalten haben, und wenn jeder (gute) Witz das Seine in Frage und auf den Kopf stellt – Trump, nebenbei, ist ein schlechter –, war Kohl sein eigener Widerspruch, ein dialektisches Verhältnis an und in sich, über dem Kabarett redundant werden mußte. Die Synthese KOHL, war sie von komischer Kunst erst einmal entdeckt und ausstaffiert, hatte mit geistig-moralischen Wenden, Spätgeburtsgnaden und Gorbatschow-ist-Goebbels-Allotria dann gar nichts mehr zu tun, weshalb die KOHL-Titel der TITANIC auch keine Satire (mehr) waren, sondern ein Gottesdienst, in dem sich KOHL der Welt als Wahrheit offenbarte, als höchster Sinn im durchaus Gewöhnlichen. KOHL war das (durchaus auch klangmagisch plausible) Zauberwort, und daraus ergab sich alles.

Romantische Kunst mithin, und auch Eckhard Henscheids einschlägiges Meisterwerk, die ’85er Kohl-„Biographie einer Jugend“, führt nicht läppisch den täppischen Kohl vor, sondern verehrt die universalpoetische Chiffre (KOHL), und was daran zum Lachen ist, ist nicht der Mann als Witzfigur, sondern Novalis’ „ursprünglicher Sinn“, dessen Totalität nicht hindert, daß er – in und durch und wegen Kohl – einfach keinen ergibt; bloß immer KOHL, und das ist sehr viel besser als nichts. Wenn auch nicht viel mehr als nichts.

So liegt im alten Wort vom ewigen Kanzler eine tiefere Wahrheit, und wer will, mag es wider das Urteil meines Freundes für trostvoll halten, daß Kohls Mädchen Merkel ihm nicht nur in der Persistenz, sondern auch semantisch so freudig rudernd nacheifert.

Mit Helmut Kohl ist „ein großer Europäer“ (Angela Merkel, Focus online, Sigmar Gabriel, SZ, „Hannoversche Allgemeine Zeitung“, Jean-Claude Juncker, Cem Özdemir, ZDF u.v.a.) von uns gegangen, dessen Vision von einem europäischen Deutschland „ein Vermächtnis an die deutsche Nation und an ganz Europa“ sei, wie einer gesagt hat, der den Unterschied zwischen einem europäischen Deutschland und einem deutschen Europa sowenig kennt wie den zwischen einem sozialdemokratischen Parteivorsitzenden und einem, der nicht gelernt hat, Vermächtnisse an die deutsche Nation rechts liegen zu lassen. Chulz hätte auch sagen können, er melde vor der deutschen Geschichte den Eintritt ihres Größten in das Reich des Herrn.

Es ist eine gut bekannte Tatsache, daß den „großen Staatsmann“ (Zeit online, Annegret Kramp-Karrenbauer, Sigmar Gabriel, SWR, Henriette Reker, Frank-Walter Steinmeier, Volker Bouffier, Wiesbadener Tagblatt u.a.m), politisch angeschlagen, wie er 1989 war, allein der Fall der Mauer gerettet hat (und, glauben wir Heiner Geißler, die Intervention der Deutschen Bank). Daß er diesen Fall wie kein zweiter zu nutzen verstanden habe und den Mantel der Geschichte im entscheidenden Moment ergriff, wird nur der nicht bejubeln, dem die deutsche Nation am Podex vorbeigeht und der überdies Schwierigkeiten hat, sich vorzustellen, irgend etwas wäre 1989ff ohne Kohl anders gelaufen, als es gelaufen ist. Kohl hat es, in einem späten Interview, selbst gesagt, daß die Sowjets aus dem letzten Loch pfiffen und eine DDR hergaben, die sie nicht mehr finanzieren wollten oder konnten (der Anfang vom Ende waren zwei Millionen Tonnen Erdöl, die die UdSSR ab 1981 nicht mehr lieferte), und er war der Mann, der zur richtigen Zeit am richtigen Ort war und Gorbatschow die DDR gewissermaßen abkaufte, für 15 Milliarden D-Mark. Seine Strickjackendiplomatie mochte die Hoffnung nähren, das neue Deutschland werde ebenfalls ein gemütliches.

„Geschichte ist nur das, was in der Entwicklung des Geistes eine wesentliche Epoche ausmacht.“ Hegel, 1805

Dieses Deutschland, als es dann da war, war eines, das seinen östlichen Teil dem westlichen zur Ausplünderung überließ, begünstigt durch die Währungsunion, die, trotz verzweifelter Warnungen von Fachleuten, auf Kohls Drängen einen Umtauschkurs von 1:1 vorsah und damit auf einen Schlag die DDR-Industrie ruinierte, die ihre Produkte zum regulären Westpreis nicht mehr loswurde. Als, auch deshalb, dann die Asylantenheime und Häuser türkischer Familien brannten, „hat Kanzler Kohl sich an diesen Tatorten leider nicht sehen lassen“, und der nächste Pressepreis gehe an H. Prantl für dieses „leider“, in Prantls Nachruf auf den „großen Instinktpolitiker Helmut Kohl“. Dessen Instinkt ihm halt sagte, daß seine Bundesdeutschen, die neuen noch weniger als die alten, ihr Deutschland nicht als Einwanderungsland begriffen, was er ja ebensowenig tat, er, der Ende ’89 in Dresden davon sprach, man sei jetzt wieder so etwas wie eine große deutsche Familie; und halt keine ausländische.

Für einen Staatsmann hat Helmut („Weiter so!“) Kohl innenpolitisch wenig hinterlassen, wenn man von den Folgen seines Umtausch-Befehls absieht (die ostdeutsche Wirtschaftsleistung liegt nach wie vor nur bei 70 Prozent der westlichen), seinem legendären Besuch auf dem SS-Friedhof, seiner Haltung zu Parteispende(r)n und der geistig-moralischen Vorbereitung dessen, was heute, zwischen „Famillje“, Leistungsfetisch und Privatfernsehen, neues Biedermeier heißt: „Von der Birne heiß / rinnen muß der Schweiß / Ist der Feierabend da / Hausschuh Marke Romika“ (Gremliza, 1982). Außenpolitisch ist Osteuropa deutscher Hinterhof und leidet der Westen unterm Euro, der es unmöglich macht, die deutsche Wirtschaftsmacht per Abwertung der nationalen Währung zu unterlaufen. Privat hatte sich der legendäre Männerfreund Kohl zuletzt mit so gut wie allen seinen Männerfreunden (wie auch seinen Söhnen) zerstritten, und mit derart hölzernen Worten, wie sie Theo Waigel im Heute-Journal sprach, der als einer der letzten beim Altkanzler gelitten war, möchte ich jedenfalls nicht verabschiedet werden.

Daß Helmut Kohl Dutzende unvergeßlicher TITANIC-Titel stimuliert hat, bleibt sein historisches Verdienst.

Man ist der Dinge manchmal müde, und wie müde, merkt man mitunter erst, wenn man von der Müdigkeit der Mitmenschen Mitteilung erhält. Der Freund und Kollege R., der noch richtig Kritische Theorie studiert hat, sogar in Frankfurt, hat im Alumni-Newsletter seiner alten Universität einen Aufmacher titels „EAT! Essen schafft Identität“ zur Kenntnis nehmen müssen. „Essen ist heute nicht nur Nahrungsaufnahme, sondern Ausdruck eines Lebensgefühls, eine Botschaft.“ Und die lautet: „Wir sind Besser-Esser. Spaß, Genuß, Kultur. Gemeinsam kochen und essen als Event läuft gut. Besser-Esser wissen, was gut für den eigenen Körper und vor allem fürs Ego ist.“ Denn: „‚Essen ist Pop‘, sagt die Ernährungswissenschaftlerin Hanni Rützler, weil es als Ausdruck eines Lifestyles längst zu einem Medium der Individualisierung geworden sei.“ Was heute halt alles als Individualität durchgeht. „Wer es schafft, den perfekten Speiseplan zu erstellen, hat mehr als nur einen Lebensstil gefunden:‚Ernährungsentscheidungen schaffen Identität‘, sagt die Frankfurter Professorin für Literaturwissenschaft, Christine Ott.“ Als wäre die Unverschämtheit, mit der die Leute „ich“ sagen,  nicht schon groß genug. „‚Man kauft heute nicht nur Lebensmittel ein, man kauft ein Konzept‘, sagt Ott. ‚Der Ernährungsstil demonstriert Lifestyle und die persönliche ethische, politische Haltung. (…) Es gibt den starken Wunsch nach ethisch und politisch korrektem Essen. Junge Menschen erleben hier, daß sie mit Ernährung etwas in der Welt ändern können.‘“

Nun ist die Herrschaft spätestens da in die Menschen eingewandert, wo von „perfekten Speiseplänen“ die Rede ist, und wenn junge Menschen beim konzeptuellen Besser-Essen überhaupt etwas erleben, was über das spätkapitalistische Dumm- und Zurichtungsformat „Event“ hinausgeht, dann die Mechanismen der konsumierenden Klassengesellschaft, die beim Essen nicht nur nicht aufhört, sondern sogar anfängt.

Denn Essen ist die Grundform des Konsums, und wer seine „Individualität“ durch ein „Beef“-Abo zu stärken sucht, der hat schon keine mehr. Nichts gegen den starken Wunsch nach ethisch und politisch korrektem Essen, den habe ich auch; aber wer mit Ernährung, per Konsum versucht, etwas in der Welt zu ändern, der sorgt dafür, daß alles so bleibt. In der verschärften Klassengesellschaft ist jeder Selbstausdruck, noch der gutgemeinte, eine klassenpolitische Ansage, und niemand, der im Bioladen einkauft, hat nicht mindestens Abitur. Vegetarismus und Veganismus, was immer sich zu ihren Gunsten vorbringen läßt, sind da zur distinktorischen Waffe geworden, wo die Bürgermutti bei der Kita-Besichtigung nicht deshalb lauthals nach fleischlosem Essen fragt, weil ihr die Tiere leid tun, sondern damit es jeder mitkriegt. (Es gibt längst auch zuckerfreie Kitas. Denn wo schon jeder Honk aufs Gymnasium darf, lassen sich die Prolos zuverlässig daran erkennen: daß es bei ihnen Zucker gibt und Fleisch und Fernsehen.) Die Wurst, hoffen Wohlmeinende, werde über kurz oder lang zur „Zigarette des 21. Jahrhunderts“, also etwas für Ausländer, Drogensüchtige und verbildete Randfiguren wie R., der Zigaretten raucht und Würste ißt; wenn er denn mal was ißt, vorbildlicher Konsumverweigerer auch hier.

„Einer Menschheit, welche Not nicht mehr kennt, dämmert gar etwas von dem Wahnhaften, Vergeblichen all der Veranstaltungen, welche bis dahin getroffen wurden, um der Not zu entgehen, und welche die Not mit dem Reichtum erweitert reproduzierten.“ Adorno, 1945 

Sollen in Zeiten, wo in acht von zehn Restaurants die Soßen aus dem Tetrapack kommen, die Schulen – alle Schulen – ruhig zeigen, daß Kochen eine Kulturleistung ist, und wer den „Veggie-Day“ verhöhnt, der werde einen Tag lang in den Schlachthof geschickt. Darüber hinaus herrsche bitte die Einsicht, daß „ausdrucksuchende Rudereien“ (Henscheid) Rudereien sind und nichts, was man ernst meint, zum Lifestyle werden darf. Adorno, falls man das selbst in Frankfurt schon nicht mehr weiß, auf die „Frage nach dem Ziel der emanzipierten Gesellschaft“: „So illegitim die unvermeidliche Frage, so unvermeidlich das Abstoßende, Auftrumpfende der Antwort, welche die Erinnerung an das sozialdemokratische Persönlichkeitsideal vollbärtiger Naturalisten der neunziger Jahre aufruft, die sich ausleben wollten. Zart wäre einzig das Gröbste: daß keiner mehr hungern soll. Alles andere setzt für einen Zustand, der nach menschlichen Bedürfnissen zu bestimmen wäre, ein menschliches Verhalten an, das am Modell der Produktion als Selbstzweck gebildet ist. In das Wunschbild des ungehemmten, kraftstrotzenden, schöpferischen Menschen ist eben der Fetischismus der Ware eingesickert, der in der bürgerlichen Gesellschaft Hemmung, Ohnmacht, die Sterilität des Immergleichen mit sich führt.“

Ich brauch’ jetzt einen Kaffee, und ob er fair & bio ist, behalte ich für mich.

Es mag daran liegen, daß ich diese Zeilen, weil ich über Pfingsten müßiggehen will, vorfristig schreibe und noch nicht wieder genug passiert ist; oder daß ich meines ewigen Gemosers überdrüssig bin; oder schlicht daran, daß ich einen passenden Text für den schönen Kolumnentitel benötige.

Es gehe heute jedenfalls darum, wie gut doch alles sei; ja wie geradezu herrlich.

Der Fernseh-Wettermann Plöger z. B. kündigt Maitemperaturen von 33 Grad an und hält das nicht für ein Menetekel, sondern für „schönes Wetter“. In Koblenz waren es dann fast 35, der höchste Wert seit Beginn der Aufzeichnungen, und die Unwetter folgten prompt; und ich wohne Erdgeschoß und überlege bisweilen, ein Notfallköfferchen bereit zu halten, damit mir nicht irgendwann die mühsam erworbenen Anstreichungen im Adorno wegschwimmen; und denke mir weiters, daß es einem Fernseh-Wettermann, auch wenn ihm solche Sorgen fremd sein mögen, nicht schlecht zu Gesicht stünde, einfach mal zu sagen: Für die Jahreszeit zu warm. Aber der Wettermann, der ist halt für die guten Nachrichten da, und darüber wollen wir uns ja heute freuen.

In der druckfrischen „Konkret“ zitiert Kollege Leo Fischer aus einem Programm der Frankfurter Goethe-Universität, die einen „starken Start ins Studium“ ermöglichen will, und zwar mit Kursen wie „Bausteine der Grammatik“, „Selbstorganisation und Zielmanagement“ oder „VORbereitungskurs Literaturwissenschaften“, den z.B. Josefine glücklich absolviert hat: „Mir hat es sehr gut gefallen, daß wir über verschiedene Autoren gesprochen haben, da ich mich bisher mit deutscher Literatur nicht so viel beschäftigt habe. Mir hat es auch gefallen, daß wir auf die Unterschiede zwischen Drama, Prosa und Lyrik eingegangen sind. Ich wußte natürlich, daß es welche gibt, aber die Frage ist dann: Welche? Jetzt weiß ich es.“ Und wir für unseren Teil wissen und haben unseren Gefallen daran, daß mit der Bildungsrepublik Großdeutschland, an deren Hochschulen „die Alphabetisierung noch einmal nachgeholt“ wird (Fischer), alles zum wirklich Allerbesten steht, ja geradezu massiv zum Besten steht, wie es heute morgen in meinem geliebten Morgenblatt wieder derart massiv zuging, daß sogar der arme Sellering (Krebs) keinen Ausweg mehr sah und mitteilte, er habe sich jetzt einer „massiven Therapie“ zu unterziehen.

„... und es war alles, alles gut!“ Eichendorff, 1826

Variatio delectat? Auf die Unterschiede eingehen, ja überhaupt welche machen? Aber wo; bzw. sind wir nun alternativlos, oder sind wir es nicht? Deshalb geht auch das Plusquamperfekt seinem stillen Tod entgegen („Nachdem Männer aus dem arabischen Raum … Frauen sexuell belästigten und beklauten, herrschte in dieser Frage große Verunsicherung“, SZ, wo sonst) und es aber bei der Frühförderung heiter weiter; und hat die Deutsche Post Kinderbücher im Regal, die unter dem Reihentitel „Ich lerne“ auftreten: „Ich lerne: Spielen & Toben. Meine Freizeitgestaltung für drinnen und draußen“, und deshalb ist moderne Kindheit auch nicht mit der öden zu vergleichen, die, sagen wir, die Kinder aus Bullerbü hatten, die ganz ohne Anleitungen zur Freizeitgestaltung spielten und tobten, daß es nur so eine Art hatte, aber eben nicht die, die unsere „westliche Wertegemeinschaft“ (Dr. G. Seibt, München) immer reichlicher auszeichnet. Deren würgend komplementäre Hauptimpulse, Selbstvermarktung und Gängelung, sich nun in der Mode niederschlagen, die Kinder im Holzwagen vor dem Fahrrad spazierenzufahren. Irgendwas Holländisches und garantiert eine gute Möglichkeit, distinktionswirksam tausend Euro aus dem Fenster zu werfen.

Wo war ich? Ach ja. Daß alles gut ist. Deswegen sagen es ja auch alle immerzu. Wirklich ständig!

Es wird doch keine Beschwörung sein?

Es gibt eine Aufnahme von Hitler, auf der er, noch vor der Machtübernahme, erschöpft eine seiner Massenkundgebungen verläßt, nach welchen ihn sein Adjutant abschirmt mit den u.a. von Joachim Fest zitierten Worten: „Lassen Sie ihn doch in Ruhe, sehen Sie nicht, der Mann ist fertig!“ In Ruhe lassen konnte Sandra Maischberger den sozialdemokratischen Kanzlerkandidaten am Mittwoch abend freilich nicht, und allerdings war Chulz auch bereits vor seiner Kundgebung erschöpft; und so grau und trostlos, wie er da saß und fahrig Maischbergers Auflockerungsfragen beantwortete: Ja, er könne schon mit Geld umgehen, er brauche ja auch nicht viel, er kaufe allenfalls Bücher usw. – tat er mir leid, weil das mir Teilzeit-Vortragskünstler so bekannt vorkam: Wenn mal wieder bloß acht Leute da sind, von denen nur drei bezahlt haben, und man etwas, das schon verloren ist, mit Haltung hinter sich bringen muß.

Der Mann war fertig, und es ist ganz ausgeschlossen, daß aus der sozialdemokratischen Kampagne noch was wird; zumal der SPD-Spot, Youtube hat ihn, vor Banalität geradezu schimmert. Nichts einfacher, als jetzt hämisch zu werden und der SPD ihren ständigen Verrat am kleinen (und sogar größeren) Mann vorzurechnen, den der halt nicht vergißt. In der Mai-„Konkret“ holte Kollege Florian Sendtner aber nun die April-„Konkret“ aus dem Jahr 1965 aus dem Archiv, wo Sebastian Haffner, damals ein bürgerlicher Linker, eine Lanze für das kleinere Übel brach: „Nichts ist leichter, als aus SPD-Reden und -Schriften der letzten Jahre entmutigende Zitate zusammenzustellen oder aus der Parteigeschichte entmutigende Episoden. (…). Nun gibt es auf der deutschen Linken eine Tradition, in solcher Lage lieber das größere Übel gewinnen zu lassen – 1925 lieber Hindenburg als Marx, 1932 lieber Hitler als Hindenburg. Man bestraft mit einer gewissen selbstquälerischen Schadenfreude die SPD dafür, daß sie nicht besser ist, als sie ist, und schlägt die Folgen in den Wind: ,Ist ja doch alles eins.’ Aber ist wirklich alles eins?“

„Komm! Die Rechnungen / sind geschrieben, / aus den Trompeten fährt Staub.“ Eich, 1964

Das findet der liebe Florian zum Beispiel nicht, denn wer SPD wähle, verhindere vielleicht vier weitere Jahre Merkel und damit die Nebenregierung des Parafaschisten Seehofer; wie überhaupt der Supereuropäer Chulz eine Bank wider die allüberall erstarkenden Nationalen sei. Eine Seite weiter rechnet Georg Fülberth zwar vor, daß auch mit dieser SPD kein Rechtstrend zu stoppen ist; aber, um einen klassischen Haffner-Satz zu kopieren: Das gibt zu denken. Ist ein gemildertes Hartz-IV-Regime, bei allen Verlogenheiten, nicht besser als ein ungemildertes? Ist die Scheißpartei SPD, wenn es darum geht, was nach Lage der Dinge in diesem Land möglich ist, nicht etwas weniger scheiße als die Scheißpartei CDU, schlimmstenfalls im Verbund mit der Oberscheißpartei FDP? Sollen wir, weil Revolution ja erst einmal nicht zu haben ist, mit den Revisionisten gehen, für die Revision überdies bloß heißt, die Depravierten, denen vom Euro immer nur der Cent bleibt, jetzt mit anderthalb Cent zu locken?

Für eine polemisch gemeinte Kolumne ist die Antwort: Ich weiß es nicht, keine recht passende; und glücklich vielleicht, wem der Rückzug auf die Maxime gelingt, daß Politik nicht gemacht, sondern exekutiert wird. Doch auch hier lauert Dialektik, denn wenn egal ist, wen man wählt, weil ja immer bloß der scheiß Standort gewinnt, dann könnten wir auch den wählen, der die Parteienkonkurrenz nutzt, um für irgendeinen und irgendeine eine Erleichterung herauszuholen, unabhängig davon, ob er nur etwas zurücknimmt, was er selbst ins Werk gesetzt hat.

Gottlob ist auf die SPD Verlaß; und hat ihr Chef bei Anne Will verlauten lassen, es sei nicht okay, wenn vor Bahnhöfen „unsere Frauen“ angegriffen würden. Das fand sogar der „Spiegel“ eklig; und wir können die Akte SPD mit der Feststellung schließen, daß die SPD noch da das größere Übel vorstellt, wo sie vorgibt, das kleinere zu sein. Und ich bin „SZ“-Abonnent und weiß, wovon ich rede.

In Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern werden, auf die Einwohnerzahl gerechnet, mit Abstand die meisten Nazi-Straftaten begangen, also das, was amtlich unter „rechtsextremistische Gewalt“ fällt. Die für die Studie verantwortlich Ostbeauftrage der Bundesregierung will natürlich nicht sagen, daß nun alle Ostler Nazis wären, glaubt aber Spezifika erkannt zu haben, als das Aufwachsen in der „geschlossenen“, „homogenen“ DDR-Gesellschaft jene, die sie noch erlebt haben, fürs Fremde eher untauglich gemacht habe. Dann – zusammengefaßt – kam der Westen, und die Landschaften blühten viel weniger als erhofft, und was die große Freiheit sein sollte, war Konkurrenz und Arbeitslosigkeit, denn aus der Wärme des sozialistischen Wohnküchenkollektivs war es in die Kälte der freien Marktwirtschaft gegangen, und woran sich in Ostdeutschland mehr Menschen wärmen als im Westen, ist nicht allein ostalgische Erinnerung, sondern wieder das, woran sich Deklassierte eben wärmen, und hier ist es nicht die Religion.

Die Linkspartei, Sachwalterin ostdeutschen Lebensgefühls, ist mit der Studie nicht einverstanden: „Wenngleich nostalgische Attitüden ohne Zweifel mitschwingen, läßt sich daraus beim schlechtesten Willen keine Ursache für einen gesellschaftlichen Rechtsruck momentanen Ausmaßes konstruieren“, verriet die Vorsitzende Katja Kipping, und „momentanen Ausmaßes“, das hatten wir auch noch nicht gehört; und jedenfalls ist es jetzt so, daß die einen sagen, die DDR ist schuld, die anderen, die DDR ist nicht schuld.

In einem jener Bücher, die zum festen Bestandteil politischer Bildung in diesem Land gehören sollten (und es, versteht sich, genau darum nicht tun), in Wolfgang Pohrts „Das Jahr danach“ aus dem Jahr 1992, läßt sich unvergeßlich nachlesen, daß der Ausländerhaß in den Ostgebieten seinen Ursprung in der Projektion hat, mittels deren sich die DDR-Bevölkerung die Scham über die eigene Schamferne von 1989f. vom Hals schaffte: „In der DDR und an ihren Grenzen spielten sich Szenen an, bei denen die Ossis ihrem Namen alle Ehre und eine ziemlich schäbige Figur machten. Um Plastiktüten mit Reklamematerial, die von Lastautos herab in die Menge geworfen wurden, prügelte man sich fast, wie dies in Elendsvierteln der Dritten Welt die Kinder tun, oder wie es früher angeblich die Eingeborenen taten, wenn es Glasperlen gab. Die Gratisverteilung von Bananen und Kaffeepäckchen erinnerte stark an die Viehfütterung im Zoo. Auf jegliche Selbstachtung verzichteten Leute, die Verzicht wirklich nicht nötig hatten (…) Der Ossi Ende 1989 also, wie der Wessi ihn sah und wie er sich auf Grund seines vorangegangenen Verhaltens bald selber sehen mußte: ein gieriger Schnorrer, der sich gern erniedrigen und beschämen läßt“.

„Der Ossi als Revolutionsheld, der im Westen das große Wort schwingt und alles kostenlos haben will, zur Belohnung dafür, daß er so mutig für die Einheit des Vaterlandes kämpfte. Aber natürlich auch der Wessi als reicher Protz, der dem Ossi eine Banane und ein Bier spendiert. Die ganze Wiedervereinigung war eine Mischung aus Selbstdemütigung und wechselseitiger Demütigung.“ Pohrt, 1992

Und nun die Projektion, denn „mit den Ostdeutschen, wie sie waren, konnte keiner leben. Sie selber konnten es nicht, und die Westdeutschen konnten es auch nicht“, und dafür mußte nun einmal wer herhalten und büßen, für diesen Minderwertigkeitskompex, genauer: diese „wirkliche Minderwertigkeit, wie jeder Mensch sie sich selber vorwerfen muß, wenn er moralisch versagt hat“.

Also ist, wo man schon mit sich selbst nicht leben kann, aber schließlich leben muß, mit den Fidschis, Negern und Wirtschaftsflüchtlingen kein Auskommen möglich, diesen minderwertigen, unmoralischen, schnorrenden Menschen zweiter Klasse: sic, sic und dreimal sic. Für mich klingt’s plausibel, und wer heute noch nichts Besseres vorhat, der lese bitte gleich noch mal das ganze Buch. Nicht daß jemand auf die Idee kommt, die Kolonialmacht sei ausnahmsweise weniger schuldig, als es die Kolonisierten sind.

Und dann hatte mein Bruder den „Spiegel“ dabei, und natürlich wollte ich gleich die Titelgeschichte lesen, in der die legendäre Illustrierte in bewährter Personalisierung einen „eitlen“ Kampf der Ministerin gegen „ihre skandalreiche Truppe“ ausmalte, den von der Leyen bereits „verzweifelt“ kämpfe usw., was, nach allem, was man so mitbekommen hat, der üblich aufgeblasene Quatsch ist – wer hätte uns’ Uschi je verzweifelt erlebt! – und also so vergessenswert wie der Rest des Heftes; wäre da im Kulturteil nicht die Begegnung Thomas Hüetlins mit der hirntoten Hose Andreas Frege („Campino“) gewesen.

„Die Toten Hosen haben die Hymne des Jahrzehnts geschrieben. Jetzt sollen die goldenen Schallplatten brennen. Unterwegs mit der besten Punkband des Landes.“ Erstaunlich, wieviel Blindheit in drei Untertitelzeilen paßt, denn eine Band kann entweder die beste Punkband des Landes sein oder für hymnentauglichen Formatradio-Unrat sorgen („Tage wie diese“), zu dem, wir erinnern uns ungern, sogar die CDU ihren letzten Bundestagswahlsieg feierte. „Nach der Party rief die Bundeskanzlerin persönlich bei Campino an und entschuldigte sich dafür, daß ,wir so auf Ihrem Lied herumgetrampelt sind’. Als wären die Hosen die Könige eines anderen, ihr unbekannten Deutschlands’“ und eben nicht jene des bekannten Formatradiodeutschlands, das sich so schön in Merkel inkarniert und dessen „Spiegel“-lesendem Teil der Hüetlin den masssentauglich mediokren Campino als gequälten Linksintellektuellen verkaufen muß; denn Campino hat es sich „nie leicht gemacht mit Deutschland. Campinos Mutter war Engländerin“, der Opa väterlicherseits ein Richter, der „sich weigerte, Juden ohne Verhandlung zu verurteilen. Die Drohungen von Nazis und Rechtsradikalen begleiten die Band bis heute. Bei Fußballspielen hält Campino zu England. Selbst im Finale 2014 schaffte er es nicht, Deutschland die Daumen zu drücken. Er war für Argentinien. Was verrückt ist, denn im Fußball ist Argentinien so etwas wie ein Erzgegner Englands. Probleme, irgendjemand?“ Absatz. „Na ja, Probleme sind so etwas wie Campinos zweiter Vorname.“ Absatz. „Er hat sie.“ Absatz. „Manchmal lacht er über sie. Manchmal lassen sie ihn toben vor Wut. Manchmal löst er sie auch. Auf jeden Fall geht er seinen Problemen selten aus dem Weg.“

„Nein, Sie und ich, wir sind beide – Menschen ein und desselben Wahnsinns!“ Dostojewski, 1875

Eine wirkliche Ausnahmeerscheinung also, ganz anders als sein Fan Hüetlin, der das macht, was Schmöcke wie Osang und Kurbjuweit auch machen, und die übelsten Platitüden durch Kurz- und Absätze derart aufbläst, daß das Publikum sich in einem Film wähnen kann, dessen Drehbuch von Hemingway persönlich stammt.

Um so besser, wenn dann noch Kerle aneinandergeraten, so wie Jan Böhmermann und Frege, als dieser einen deutschen Benefizsong für afrikanische Ebola-Waisen organisiert hatte und jener fernsehöffentlich den Titel verriet: Do they know it’s Scheiße? „Dazu war eine Fotomontage eingeblendet. Ein Bild von Campino. Mit einem Doppelkinn, geformt aus einem Hodensack … Die Assoziation war klar: ein reicher alter Sack, der sich mit der Not in Afrika wichtig macht. Eine Denkfigur, immer wieder gern genommen. Vor allem in Deutschland, wo der Staat für alles Mögliche zuständig sein soll und individuelle Wohltäter Verdacht auf sich ziehen.“ Jedenfalls dann, wenn sie der besten Punkband des Landes vorstehen und nicht sehen, daß Großkopferten-Benefiz als Establishmentveranstaltung das reine Gegenteil von Punk ist und Benefizsongs, weil sie ja ins formatierte Radio müssen, kaum anders sein können als Scheiße.

Fünf Millionen Euro kamen zusammen, davon ist in Sierra Leone eine Schule gebaut worden. „Es hätte möglicherweise eine viel größere Schule werden können“, spekuliert da Hüetlin in Richtung Böhmermann, der ja, zersetzender Charakter, der er ist, nicht einmal dann Rücksicht nimmt, wenn es „um das Leben von Menschen“ geht. Campino: „Ich halte nichts von diesem böhmermannschen Zeitgeistgeplapper, sich lustig zu machen, weil der Joke wichtiger ist als die Sache, um die es geht“, denn wenn die Sache auf den Witz trifft, das Wahre auf den Zeitgeist und Substanz auf Oberfläche, dann sehen gute Deutsche selbst dann rot, wenn sie beim Fußball zu England halten oder in hochdemokratischen Wochenblättern Fazits ziehen: „Campino gegen Böhmermann, das ist auch ein Kulturkampf. Analog gegen digital, Herz gegen Kälte, Spontaneität gegen Strategie, offenes Visier gegen jüdische Tücke“, hoppla: „geschlossenes Visier.“

Deutscher Volkspunk sozusagen, der dann auch in „Bild“ sein Plätzchen hat. Wer solche Fans hat, der braucht das „Arschloch“ (Frege) Böhmermann jedenfalls nicht mehr.

»

bezahlte Anzeige

Dominik Bauer (Hrsg.): "Trump Countdown-Kalender Teil 1"
Nur noch 1361 Tage bis zum Ende seiner Amtszeit. Am 29. April 2017 ist Donald Trump 100 Tage im Amt - somit endet seine Schonfrist und der Präsidentschafts-Countdown kann offiziell beginnen.
Herausgeber Dominik Bauer hat diesen einzigartigen Wochenkalender zusammengestellt, mit vortrefflichen Beiträgen von BECK, Uwe Becker, Jan Böhmermann, Gideon Böss, Tim Feicke, Leo Fischer Burkhard Fritsche, Torsten Gaitzsch, Greser & Lenz, Katharina Greve, Severin Groebner Thomas Gsella, Gerhard Haderer, Hauck & Bauer, Michael Holtschulte, Frank Hoppmann, Rudi Hurzlmeier, Oli Hilbring, Moritz Hürtgen, Kittihawk, Dorthe Landschulz, Mario Lars, Til Mette, Denis Metz, OL, Martin Perscheid, Ari Plikat, Rattelschneck, Hannes Richert, Leo Riegel, Stephan Rürup, Ralph Ruthe, Schilling & Blum, Roland Scholle, David Schuh, Martin Sonneborn, Mark-Stefan Tietze, Friedemann Weise, Ella Carina Werner, Heiko Werning, Ruedi Widmer, Valentin Witt, Tim Wolff, Miriam WursterHans Zippert: "Fernsehen ist wie Radio, nur ohne Würfel"
Die steile Karriere des Hans Zippert begann im Jahr 1967 mit einem  Schülerpraktikum beim Kulturmagazin "TV Spielfilm". Nach einem  Volontariat bei "TV Direkt" übernahm er das angesehene 20-Uhr-15-Ressort  bei "TV Okayokay", bevor er schließlich Programmchef der auflagestarken  "TV Superwoche" wurde. Nachdem er über einen Bestechungsskandal rund um  eine 3-Sterne-Empfehlung für "Rote Rosen" stolperte, sah sich Zippert  1990 gezwungen, Chefredakteur von TITANIC zu werden. Der Tiefpunkt war  erreicht. Das alles und noch mehr erfahren Sie in diesem Buch!Heiko Werning: "Vom Wedding verweht – Menschliches, Allzumenschliches"
Es ist dies Buch etwas ganz besonderes: Heiko Werning, renommierter  Forscher aus Berlin, lag jahrelang in seinem Kiez, dem Wedding, auf der  Lauer. Kein Ereignis entging ihm, der Wedding konnte ihm nichts,  aber auch gar nichts verheimlichen. Abgründe, tiefe Täler und  menschliche Katastrophen – erfreuen Sie sich an heiteren G’schichterl,  die Werning noch so einen Urenkeln erzählen wird.Friedemann Weise: "Die Welt aus der Sicht von schräg hinten"
Laut seiner Homepage ist er der "King of Understatement" und der "lustigste Mensch im deutschsprachigen Internet". Er ist aber auch Gitarrenmann, Viralblogger (15000 Follower!), Gagautor und Promiexperte mit Diplom. Die Rede ist von Friedemann Weise, dem Mann mit dem Namen! Der Mann, der den "Satiropop" erfand. Und jetzt auch noch ein Buch vorlegt. Ob das gutgeht? Ordern Sie diese Prämie und teilen Sie Ihr vernichtendes Urteil bitte zeitnah der TITANIC-Redaktion mit.Torsten Gaitzsch/Sebastian Klug: "Akte D: Die Wahrheit über Deutschland"
Die Redaktion versichert: Torsten Gaitzsch und Sebastian Klug, die  Autoren dieses Buches, wissen Dinge – schreckliche Dinge! – von denen  Sie, die Leser, nicht einmal zu träumen wagen. Denn es wären Alpträume!  Wählen Sie diese Prämie und erhalten Sie Einblicke in die tiefsten  Abgründe Deutschlands, die Sie wahnsinnig lachend und mit Schaum vor dem  Mund zurücklassen werden. Bisher hat es kein Leser bis zur letzten  Seite geschafft…Gerhard Henschel: "Harry Piel sitzt am Nil"
Fuck, dieses Buch sollte man gelesen haben, wenn man  kein übelst versiffter Wichser sein will. Schmähungen und böse Wörter  machen das Leben echt oberarschmäßig zum Kotzen. Vielleicht kapieren Sie  Versager das endlich, wenn Sie Henschels neuesten Streich gelesen  haben. Können Sie überhaupt lesen? Wahrscheinlich nicht. Trollen Sie  sich, Sie Wicht! Aber trotzdem abonnieren und diese Top-Prämie wählen.Serdar Somuncu: "H2 Universe: Die Machtergreifung", DVD
Er ist der selbsternannte Hassias – viel wichtiger aber noch: der designierte Kanzlerkandidat für Die PARTEI. Holen Sie sich jetzt die neue DVD von Merkel-Nachfolger Serdar Somuncu als Gratisprämie und stehen Sie damit schon vor der Machtergreifung auf der richtigen Seite. Ihre Kinder werden es Ihnen danken!
Zweijahres-Abo: 92,40 EUR (Ausland: 112,80 EUR)Katz & Goldt: "Lust auf etwas Perkussion, mein kleiner Wuschel?"
Stephan Katz und Max Goldt: Ihr monatlicher Comic ist der einzige  Bestandteil von TITANIC, an dem nie jemand etwas auszusetzen hat. In  diesem Prachtband findet sich also das Beste aus dem endgültigen  Satiremagazin und noch besseres, das bisher zurückgehalten wurde.  Gewicht: schwer. Anmutung: hochwertig. Preis: zu gering. Bewertung: alle  Sterne.
Zweijahres-Abo: 92,40 EUR (Ausland: 112,80 EUR)Kamagurka & Herr Seele: "Cowboy Henk"
Er ist Belgier, Kamagurka. Belgier! Wissen Sie, was der Mann       alles durchgemacht hat in letzter Zeit? Eben, er ist Belgier. Und       hat trotzdem in einem Finger mehr Witz als Sie im ganzen Leib! Und       Heldenmut! Glauben Sie nicht? Dann lassen Sie sich von Cowboy       Henk überzeugen, dem einzigen Helden, der wirklich jeden Tag eine       gute Tat begeht.
Zweijahres-Abo: 92,40 EUR (Ausland: 112,80 EUR)Hauck & Bauer: "Ich kann einfach nicht Wein sagen"
Die beste Zeit, einen Band des Zeichnerduos Hauck & Bauer zu kaufen – sie ist seit sicher zehn Jahren vorbei. Heute sind die Werke von Elias Hauck und Dominik Bauer kein Geheimtip mehr. Die zerstrittenen Künstler kommunizieren inzwischen ausschließlich per Fax, leben in luxussanierten Altbauwohnungen mit kugelsicheren Whirl- und Autorenpools, in denen hungernde Leiharbeiter Comics anfertigen müssen. Leider ist auch der neueste Band der beiden Ausbeuter sehr gut, bestellen Sie hier!Thomas Gsella: "Von Aachen bis Zzwickau: Ihre Stadt im Schmähgedicht"
Alle lieben Schmähgedichte, aber nur einer schreibt so schöne wie der TITANIC-Haus- und Husten-Dichter Thomas Gsella aus "Pimmelhausen" (Aschaffenburg). Gsella begnügt sich dabei nicht mit der Beleidigung von Einzelpersonen, sondern watscht die Deutschen gleich in Zehntausenderstärke ab - bzw. die doofen Städte, in denen sie (z.T. freiwillig!) wohnen. In dieser kostbaren Hetzprämie reimt sich der Gernhardt-Preisträger einmal quer durch die Republik. Wer weiß, vielleicht ist ja auch Ihr beschissenes Kaff dabei...Max Goldt: "Räusper"
Max Goldt, der "Otto Waalkes der kultivierten Kolumne" (Daniel Kehlmann), hat eine neue Kunst entdeckt: Er zaubert aus kleinen Comics von gestern große Dramen von heute. Ergebnis: Kopfkino vom Feinsten! Da sagt sogar Gott demütig: "Ja, ähm, das will ich, hüstel hüstel, meinem Sohn zum Geburtstag schenken..."Heiko Werning, Volker Surmann (Hrsg.): "Ist das jetzt Satire oder was? Beiträge zur humoristischen Lage der Nation"
Sie werden vom Papst verklagt, lassen sich von Islamisten erschießen oder müssen sogar bestbezahlt und hochgelobt für das ZDF arbeiten: Satiriker. Die besten Satireschaffenden der Republik bekennen in dieser uneigentlich-eindeutigen Mut-Anthologie, wie das für sie so ist, im "Bergwerk des Humors" (FAZ) zu "malochen" (Thomas Gsella). Für dieses schamlos vom Charlie-Hebdo-Attentat profitierende Taschenbuch schreiben und zeichnen u.a.: ganz viele Leute aus dem TITANIC-Umfeld, Silke Burmester, Ahne, Fritz Eckenga und Knut Tucholsky.Sonneborn/Gsella/Schmitt:  "Titanic BoyGroup Greatest Hits"
20 Jahre Krawall für Deutschland
Sie bringen zusammen gut 150 Jahre auf die Waage und seit zwanzig Jahren die Bühnen der Republik zum Beben: Thomas Gsella, Oliver Maria Schmitt und Martin Sonneborn sind die TITANIC BoyGroup. In diesem Jubiläumswälzer können Sie die Höhepunkte aus dem Schaffen der umtriebigen Ex-Chefredakteure noch einmal nachlesen. Die schonungslosesten Aktionsberichte, die mitgeschnittensten Terrortelefonate, die nachdenklichsten Gedichte und die intimsten Einblicke in den SMS-Speicher der drei Satire-Zombies – das und mehr auf 333 Seiten (z.T. in Großschrift)! 
Zweijahres-Abo: 92,40 EUR (Ausland: 112,80 EUR)Dorthe Landschulz: "Problemzonen"
Sie können nicht tanken, besitzen im Durchschnitt bis zu vier Paar Schuhe, gehen immer zu zweit aufs Klo in der Führungsetage - und jetzt zeichnen sie auch noch: Weiber! Eine von ihnen ist die phantastische Dorthe Landschulz. Mit der ihr eigenen (weiblichen!) Art nimmt die TITANIC-Cartoonistin und Wahlbretonin ihre Geschlechtsgenossinnen unter den (prämierten!) Stift und spart dabei auch nicht an der Erfüllung von überwunden geglaubten Gender-Klischees. Typisch! Die besten Witze werden sogar von Männern begriffen.Nicolas Mahler: "Der Urknall"
Nicolas Mahler, Meister des opulenten knappen Strichs, legt mit "Urknall" sein grundlegendstes, ursprünglichstes Werk vor. Von Kalauern wie "Sie sind mir aber eine Urknallcharge" bis "Wer hat an der Ur gedreht?" nimmt er zum Glück größtmöglichen Abstand und präsentiert statt dessen ein kleines, unglaublich dichtes Buch, in dem die ganze Welt des komischen Zeichnens angelegt ist, und das vor den Augen des Betrachters regelrecht explodiert. Ein Lichtblick im riesigen Dunkel des Buchmarkts!Stefan Gärtner: "Putins Weiber"
St. Gärtner ist der Schutzheilige der Alphabetisierten und Literaten. Gerühmt und bekannt als Parodist Daniel Kehlmanns, Ildikó von Kürthys, Arno Geigers und Thomas Gsellas, hat er nun seinen ersten Roman "vorgelegt" (Feuilletonphrase). "Putins Weiber" ist ein Pageturner (Klappentextphrase) des Gut-Schreibers (Idiotenphrase), voll mit Frauen, Alkohol, Psychotherapie, Aphorismen und Geschwätz, seltsamen Nachbarn, noch mehr Frauen, Männerfreundschaft und Autofahrten. So würde Nick Hornby schreiben, wenn ihm Eckhard Henscheid rechtzeitig Lawrence Sterne vorgestellt hätte!Hans Zippert: "Würden Sie an einer Tortengrafik teilnehmen?"
Würden Sie die Frage "Würden Sie gerne ein Buch mit dem Namen 'Würden Sie an einer Tortengrafik teilnehmen?' lesen?" mit "Ja" beantworten? Und würde der Fakt, daß dieses Buch von TITANIC-Alt-Urgestein Hans Zippert stammt und den Untertitel "199 Fragen und 197 Antworten zu den Allgemeinen Geschäftsbedingungen für das Leben in Deutschland" trägt, Ihre Leseentscheidung positiv oder negativ beeinflussen? Zu kompliziert für Sie? OK, dann also in Ausrufesätzen: Neues Buch! Von Zippert! Mit langem Titel! Lesi lesi machen! Damit Ihr träges Hirn mal was zu tun kriegt!!Heinz Strunk: "Das Strunk-Prinzip"
Sie sind ein totaler Versager und können sich Bücher nur als Abo-Prämie leisten? Dann nehmen Sie wenigstens dieses hier: "Das Strunk-Prinzip", die beliebte Kolumne aus TITANIC als Buch! Power- und 110-Prozent-Autor Heinz Strunk zwiebelt Ihnen blitzgescheite Weisheiten um die Ohren bis Sie gar nicht mehr anders können als in Erfolg, Geld und Sex zu ersaufen. Das Strunk-Prinzip setzt Ihrem Elend endlich ein Ende. Mutter wird sich freuen!Leo Fischer + Leonard Riegel: "Fröhliche Hundegeschichten"
Ein Buch, bei dem Sie "Wau" sagen: Leo Fischer und Leo Riegel haben ihre Talente gebündelt und gemeinsam 1001 moderne Hundemärchen in Wort und Bild erschaffen. Zum Lesen, Lachen, Anknabbern! Und außerdem ein echter Lebensretter. Jedenfalls dann, wenn Sie Nacht für Nacht von einer dreiköpfigen Bulldogge heimgesucht werden, die Sie vor die knifflige Wahl stellt, ihr entweder eine "Fröhliche Hundegeschichte" vorzulesen oder den Arsch abgebissen zu kriegen. Ihre Entscheidung!Michael Ziegelwagner: "Der aufblasbare Kaiser"
Seit dem putzigen Präsidentschafts-Hahnenkampf zwischen Alexander Van der Bellen und Norbert Hofer interessiert sich plötzlich auch Resteuropa für das Land, um das es in diesem Buch geht: Österreich. Dabei ist der Donaustaat schon seit 2014 eine literarische Reise wert, jenem Jahr, als "Der aufblasbare Kaiser" für die Longlist des Deutschen Buchpreises nominiert wurde. Lassen Sie sich auf diese Reise mitnehmen: von Michael Ziegelwagner, dem liebenswertesten Randbalkanesen der TITANIC. Pflichtprämie für Kaisertreue!Markus Riexinger: "Kaktus der Verwesung"
Der "Gott des komischen Gemetzels" (L. Fischer) schlägt zurück: Markus Riexinger schlachtet sich einmal quer durch die deutsche Sprache, zerdrischt halbfertige Dramolette und prügelt poetische Versatzstücke in die Unkenntlichkeit. Frei nach Niels Bohr: Wer über die Miniaturen und Erzählanfälle des Berliner Jungautors nicht entsetzt ist, hat sie nicht verstanden.Wiglaf Droste: "Schalldämpfer"
Bei Wiglaf Droste, der "linken und rechten Hand des Fehlerteufels" (Bud Spencer), sitzt nicht nur der "Colt der Sprachkritik" (Terence W. Adorno) locker, er kann auch Fortsetzungsromankompilationen schreiben, die Herz und Hirn treffen. Z.B. diese, "Schalldämpfer", in der das "Kommando Leise Welt", eine Organisation zur Rettung des menschlichen Trommelfells, Lärmbolde und Schreihälse ganz leise wegknallt. Pflicht für alle, die den Schuß noch nicht gehört haben.Elias Hauck (Hrsg.): "Alles Spargel oder was?"
Endlich ist ganzjährig Spargelsaison! Elias Hauck, die eine Hälfte von Hauck & Bauer und Herausgeber des Frauenmagazins "Sonja", serviert die reifsten Spargelwitze der Welt – gezeichnet und erzählt von dutzenden gemüseliebenden Cartoonisten und Autoren. Lachen Sie unter anderem über: den mit den polnischen Erntehelfern, den mit dem kaputten Spargelschäler und den mit der Fliege in der Hollandaise.Wenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
Zweijahres-Abo: 92,40 EUR (Ausland: 112,80 EUR)Katharina Greve: "Eigentlich ist Wurst umgestülptes Tier: Cartoons & Comicstrips"
Katharina Greve ist nicht nur Architektin, Situationsdesignerin und stolze Besitzerin einer Vakuumiermaschine, sondern auch Prophetin: Via Kalenderblatt sagte sie im Jahr 2013 auf den Tag genau den Rücktritt von Papst Benedikt XVI. voraus. Wer wissen will, welche sonderbaren Ereignisse die Zukunft noch bereithält, braucht deshalb dieses Bilderbuch. Gegenstände mit Gefühl, Menschen ohne Gesicht, Tapetenmuster von göttlicher Anmut – all das findet sich in Greves fantastisch-wurstigem Cartoonband!Fischer/Wolff/Ziegelwagner (Hrsg.):  "Die TITANIC-Bibel: Segen, Sünden, Sauereien"Was sind schon Markus, Matthäus, Lukas, Johannes, Paulus, Gott gegen Knorr, Eilert, Bernstein, Pfarr, Schmitt, Zippert, Hurzlmeier, Raddatz usf.? Bestenfalls mittelmäßige Autoren und Zeichner. Deswegen greift der moderne Religionskenner zur TITANIC-Bibel. Das ideale Weihnachtsgeschenk für alle, die noch wissen, worum es bei Weihnachten wirklich geht (ideale Weihnachtsgeschenke).Zweijahres-Abo: 92,40 EUR (Ausland: 112,80 EUR)Volker Surmann: "Lieber Bauernsohn als Lehrerkind"
Lesebühnenautor, Gelegenheits-Slammer, TITANIC-Autor – und Provinz-Exilant: Volker Surmann stammt aus den Tiefen des Teutoburger Waldes, heute wohnt er im Trend-Städtchen Berlin. In seinem ironisch-autobiografischen Heimatroman beschreibt der „Alien vom Planeten Acker“ (Eigenwerbung) u.a. den grausamen Mord an seiner Lieblingskuh und sein Versagen beim Traktorfahren – Blut und Boden sind also garantiert! „Ist Volker bloß ein metrosexueller Großstädter, gefangen im Körper eines ostwestfälischen Bauernkinds?“ Finden Sie es heraus!Heiko Werning: "Schlimme Nächte: Von Abstürzen und bösen Überraschungen"Jeder von uns hat schon mal eine erlebt und würde sie am liebsten für immer aus dem Gedächtnis löschen: eine schlimme Nacht. Heiko Werning aber, Lesebühnengott und Reptilienforscher, hat sich an über 30 schlimme Nächte erinnert und sie tapfer aufgeschrieben. Kindlicher Kaninchenmord bei der Nachtwanderung, verpaßte Chancen im malaysischen Massagesalon, Prügeleien mit Fußballfans, psychopathische Spermien-Strickerinnen: diese Nachtmahre werden Sie nicht mehr schlafen lassen!Das Ingrid-Hirsch-Gedächtnisabo: 15 Postkarten und 1 FeuerzeugDieser Geniestreich modernen Verlagsmanagements bedient altmodische Printbriefschreiber und Pyromanen gleichermaßen! Sie wollten schon immer mal einen Kinderhort anzünden und die passende Bekenner-Postkarte an die Polizei verfassen, die Beamten aber zugleich subtil darauf hinweisen, daß Sie TITANIC-Fan sind? Sie wollten schon immer mal fünfzehn herrliche TITANIC-Motive in Flammen aufgehen sehen, ohne sich aber zu sehr vom Heft zu distanzieren? Sie wollten schon immer mal 15 alte Postkarten und 1 Feuerzeug zusammen mit einem Kamm, einem blutigen Messer und dem Büstenhalter Ihrer Mutter in ein Paket an die Kanzlerin schicken? Dieses verlagsintern "Irren-Abo" genannte Komplettpaket kann (Liquidität vorausgesetzt) noch heute Ihnen gehören!Heiko Werning/Volker Surmann (Hrsg.): "Fruchtfleisch ist auch keine Lösung"
Fernsehkocharenen und Jamie-Oliver-Apps auf der einen Seite – Ehec, Dioxin und Cranberrybier auf der anderen: Ernährung fasziniert und verängstigt heute gleichermaßen. Höchste Zeit für einen kritischen Sammelband, in dem 35 Hobby-Esser über Antivegetarismus und Provitamine, über Thymian, Safran und Foer debattieren. Zu den Textköchen zählen Sterne-Satiriker, die sich mit den Grenzen des guten Geschmacks nur allzu gut auskennen: Leo Fischer, Stefan Gärtner, Oliver Nagel, Katharina Greve, Wiglaf Droste, Mark-Stefan Tietze u.v.a.m.Die PARTEI-Wahlwerbungs-DVD mit allen vier Wahlwerbespots aus dem Bundestagswahlkampf 2005: Höhepunkte der Politpropaganda, die von Otto Schily mit dem Prädikat "ein Skandal" ausgezeichnet wurden. Besser aufgelöst als auf Youtube und noch dazu mit einer praktischen, farbechten Hülle drumrum - das ist doch was, was?
Erweitern
Das schreiben die anderen
  • 27.06.:

    "Spon" über den Maler Wolfgang Herrndorf und eine neue Ausstellung in Stade.

Titanic unterwegs
30.06.2017 Neapel, Goethe-Institut
  Katharina Greve: »Komische Kunst«
17.07.2017 Lunzenau, Eisenbahnmuseum Zum Prellbock
  Hauck & Bauer: »Man kann einfach nicht Wein sagen«
23.07.2017 Frankfurt, Museum für Komische Kunst
  Ari Plikat
13.08.2017 Wuppertal, Café du Congo
  Thomas Gsella: Gute Gedichte auf schönem Papier.

bezahlte Anzeige

Briefe an die Leser

 O là là, ZDF-Anchorman Claus Kleber!

Für die »Welt am Sonntag« sind Sie einen Monat lang hocherregt in einem Elektroauto herumgesurrt und haben den Fahrbericht schließlich unter dem Titel »Meine Affäre mit Tesla« zu Papier gebracht. Ihre Spitzenidee für den Text: das Chauvi-Bild vom automobilen Gefährt als anschmiegsamer Gefährtin so schwiemelig, abstoßend und unzeitgemäß wie nur irgend möglich auszuwalzen. Diesen Riemen ziehen Sie tatsächlich vom Anfang (»Sofort erwischt mich die Leidenschaft von neuem«) bis zum Ende (»Nicht nur Tesla ist reifer geworden«) fernsehtauglich durch. So prahlen Sie mit den Umständen Ihres Kennenlernens: »Wir begegnen uns auf dem Parkplatz eines Autobahnhotels in der Nähe des Wiesbadener Kreuzes.« Und verschweigen auch nicht, daß jede Affäre ihren Preis hat: »Mich kostet dieser Monat … bei einem Anbieter im Raum Frankfurt 3500 Euro.« Zwischendurch erinnern Sie sich an eine Testfahrt mit einem früheren Modell, »als Tesla noch ein pubertierender Teenager im Flegelalter war, mit großen Sprüchen und noch größeren Problemen«. Mittlerweile vermelden Sie jedoch: »Dieses Mal sitze ich am Steuer und kontrolliere mit sanfter Berührung des Bildschirms das Temperament der Schönheit.« Weshalb Sie denn auch resümieren können: »Es ist wie beim ersten Mal, nur eleganter«, was vermutlich darin begsründet ist, zwinker zwinker, »daß Tesla den Nahbereich im Griff hat«.

Mit anderen Worten, Herr Kleber: Einfach schade, daß Tesla nicht – wie andernorts schon geschehen – unter Ihrem Hintern explodiert ist!

Zum Totalschaden gratuliert dennoch: Titanic

 Liedermacher Reinhard Mey (74)!

Liedermacher Reinhard Mey (74)!

Angesichts Ihrer anstehenden Tournee räumten Sie ein, von Vergeßlichkeit geplagt zu sein und sich Ihre eigenen Songs nicht merken zu können: »Wenn ich ein Lied geschrieben habe, weiß ich nach zwei Tagen nicht mehr, wie der Text genau lautet, in einer Woche weiß ich nicht mehr, wovon es handelte. Und nach einem Monat weiß ich nicht mehr, daß ich es geschrieben habe.« Da es bis zu Ihren Konzerten im Herbst noch etwas hin ist, fragen wir uns, welche Hits das Publikum dann laut Bühnensetlist (DIN A4-Blatt, weiß, unbeschrieben) nicht zu hören bekommen wird: »Don’t Speak«, »Hush«, »The Sound of Silence« oder »Stille Nacht«? Wie, die sind alle gar nicht von Ihnen? Wissen Sie’s?

Stummer Gruß von Dings

 Als wir, »Zeit online«,

neulich abgehetzt ins Büro kamen und nur kurz sehen wollten, was auf Facebook los ist, poppte eine Mitteilung von Dir auf. »Was ist Streß?« stand dort, und darüber: »›Zeit online‹ ist jetzt live«. Um Deine Frage zu beantworten: Genau das ist Streß!

Schon längst ganz woanders: Titanic

 Klaus Gehrig, Chef von Lidl und Kaufland!

Vom »Spiegel« gefragt, ob nach dem für alle Mitarbeiter der Schwarz-Gruppe im letzten Jahr eingeführten Duzen nun auch Lidl-Gründer Dieter Schwarz von allen geduzt werde, antworteten Sie: »Nein, nur von uns«, und als das Magazin nachhakte: »Also vom Vorstand?«, stellten Sie klar: »Nein, von mir und meiner Frau. Er hat uns vor etwa einem halben Jahr das Du angeboten, kurz nach meinem 40. Dienstjubiläum.«

Donnerwetter, Gehrig, nach so langer Zeit und exklusiv für Sie und Ihre Gattin! Na, dann war es ja wohl, diesen naheliegenden Scherz mögen Sie uns zubilligen, ein Sonderangebot, was?

Buckeln lohnt sich, meint Titanic

 Du, Zweirad Feld,

erleichterst potentiellen Kunden in einer Werbeanzeige die Qual der Wahl: »Welches Fahrrad paßt zu mir? Entscheidend ist, wo und wie der Käufer ein Rad nutzen möchte. Hieraus ergibt sich, ob es am Ende ein Trekkingbike, Cityrad oder Mountainbike wird.«

Toll! Wunderbar! Nachahmenswert! Und so warten wir bereits gespannt auf Werbetexte à la »Welches Paar Schuhe paßt zu mir? Entscheidend ist, wo und wie der Käufer ein Paar Schuhe nutzen möchte. Hieraus ergibt sich, ob es am Ende Lederslipper, Springerstiefel oder Ballerinas werden.«

Paßt schon: Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Alles richtig gemacht

Nachdem ich den Kurs in der allseits empfohlenen Achtsamkeits-(»MBSR«-)Meditation absolviert und per Aufmerksamkeitssteuerung zu mir selbst zurückgefunden habe, kann ich nur sagen: Ich weiß jetzt genau, warum es all die Jahre richtig war, jeder verfügbaren Ablenkung nachzugehen.

Michael Höfler

 Ersatzdroge

Da ich mit zunehmendem Alter immer weniger Alkohol vertrage, dafür aber immer klüger werde, mache ich mir einen Spaß daraus, die Leute unter den Tisch zu denken.

Tibor Rácskai

 Blick voraus

Etwas Poetisches hatte ich im Sinn, aber ein noch nicht komplett abgetöteter Instinkt hielt mich im letzten Moment davon ab. »Jedem Anfang wohnt ein Ende inne«, hatte ich nämlich schreiben wollen, auf die Glückwunschkarte für den Kollegen, zur Geburt seines ersten Kindes.

Theobald Fuchs

 Der Morgen danach

Nachdem ich letzte Nacht mal wieder eine Niederlage im Kampf mit meiner Diplomarbeit um deren bestmöglichen Aufbau einstecken mußte, spüre ich noch heute den Schmerz in allen Gliederungen.

Matthias Stangel

 Gegen Windmühlen

Es gibt mir das Gefühl, einen Teilsieg erstritten zu haben, wenn ich die eingegangenen Spams von dubiosen Geschäftemachern nicht gleich lösche, sondern auf »E-Mail ablehnen« klicke. Die meisten kommen dann zwar als unzustellbar zurück und ich muß sie trotzdem löschen, aber den kleinen Mehraufwand leiste ich mir.

Miriam Wurster