Die Zeitung vom Mittwoch war umständehalber liegengeblieben, jene vom Samstag erst gar nicht gekommen, so wie die Zeitung recht regelmäßig nicht kommt, ohne daß die Beschwerden irgend etwas nützten. „Ist ja auch kein Job, den man machen wollte“, sagt die Nachbarin, deren Taz vom selben Austräger oder derselben Austrägerin geliefert wird oder eben nicht geliefert wird, und da hat sie freilich recht; andererseits kostet mein tägliches Liberalquatschblatt 700 Euro im Jahr. Allein deshalb bin ich für den Sozialismus: daß er mit diesen quälenden Widersprüchen endlich einmal aufräumt.

Aber es war dann Glück im Pech, denn auf der Seite drei der aus dem Altpapier gezogenen frischen Mittwochszeitung fand sich eine Reportage über das Elend in den katastrophal überbelegten, heillos vergammelten, von Mord, Bandenkriegen, sogar Kannibalismus heimgesuchten brasilianischen Gefängnissen. „Reginaldo Santos Soares ist seit zwei Jahren hier. Er sagt: ,Das Essen ist schlecht, das Klopapier reicht längst nicht für alle, wir brauchen uns nicht über Menschenwürde zu unterhalten.’ Santos ist der Gefängnisdirektor.“

Das Hauptproblem ist die üble Überbelegung: Drei Mann in einer Einzelzelle, sechs Quadratmeter brutto, sie schlafen in Schichten. Die meisten Insassen sind Kleindealer und -dealerinnen oder „Untersuchungshäftlinge, die auf ihren Prozeß warten – oder einfach vergessen wurden“. Ein Anwalt wird zitiert: „Der klassische brasilianische Häftling hat ein Alter, eine Hautfarbe und eine Adresse: jung, schwarz, Vorstadtsiedlung.“ Der Anwalt begleitet eine 19jährige zum Haftrichter, die wegen 20 Gramm Gras einfahren wird, für Jahre. „Ihr Fall sei in jeder Hinsicht typisch … Das Gericht kann bei der Entscheidung, ob sie als Konsumentin oder Dealerin einzustufen ist, … den ,sozialen Kontext’ bewerten. In der Praxis bedeutet das: ,Die Armen wandern wegen kleinster Mengen von Marihuana in den Bau. Die Kids der Oberschicht können mit noch so viel Kokain erwischt werden, sie kommen als Konsumenten davon.’ Menschenrechtler laufen seit Jahren Sturm gegen diese Form der Segregation. Vergeblich.“

„Wenn es net so traurig wär', / entsetzlich schaurig wär', / man würde lachen ohne End'.“ Falco, 1982

So vergeblich wie in den USA die Appelle, das groteske Mißverhältnis zwischen der Zahl weißer und schwarzer Strafgefangener zu ändern, und auch hier ist die Drogenkriminalität die Eintrittskarte in die Welt des Strafvollzugs, der halbe Generationen schwarzer junger Männer aus dem Leben nimmt. Das wird leicht für die Spezialität US-protestantischer Moraldrakonik gehalten, verschärft durch Rassismus und ein Geschäftsinteresse, das ein privatisierter Strafvollzug haben muß. Daß es im fröhlichen Mañana- (bzw. Amanhã-)Brasilien genauso zugeht, läßt es noch etwas unwahrscheinlicher werden, daß all dies nichts mit einem Klassenkampf von oben zu tun hätte, für den die Drogen, bei allem moralistischem Gejammere, ein willkommener Vorwand sind, den Menschenmüll von der Straße zu schaffen.

„Menschenrechtsexperten, Kriminalwissenschaftler, Soziologen, UN-Beobachter … kommen zu dem Schluß, daß der Drogenkrieg deutlich mehr Opfer fordert als der Drogenkonsum. Kaum irgendwo ist das so offensichtlich wie in den Gefängnissen. Aber kaum etwas ist politisch so schwer vermittelbar.“ Weil nämlich nicht gewollt: um die Unterschicht im Gefängnis verschwinden zu lassen und die Affekte der Mittelschicht umzulenken. Der „Krieg gegen die Drogen“ ist in Bausch und Bogen gescheitert, wird aber aus klassenpolitischem Interesse weitergeführt werden, so wie das deutsche Klasseninteresse Schulkinder nach der vierten Klasse (aus-)sortiert, allen gebetsmühlenartigen Warnungen aus Pädagogik und Sozialarbeit zum Trotz.

Mit Appellen an die Vernunft kommt man da nicht weiter, weder hier noch da. Es wird doch nicht so sein, daß die Klassengesellschaft als solche schlicht unvernünftig ist?

Der Elektriker kam auf Zuruf, nach einer halben Stunde war im Bad wieder Licht, und ich bedankte mich herzlich für die schnelle Erledigung. Der Geselle, ein paar Jahre älter als ich, nickte müd und sagte, das gehöre bald der Vergangenheit an. Ich fragte: Ja? Warum? Er sagte, sie hätten niemanden mehr. In ihrer Firma seien sie mal zu zehnt gewesen, jetzt nur mehr zu dritt. Nachwuchsprobleme. Sie hätten keine Lehrlinge mehr. Ein Teil schmeiße nach spätestens einem Jahr, ein anderer Teil sei schlicht nicht zu gebrauchen, und „Aussiedler“ (er nannte das so), gern, aber das sei, trotz allem, ein Riesenproblem, sprachlich.

Ich stand dabei und hob die Schultern. Im heimischen IHK-Bezirk, machte der Geselle weiter, habe sich die Zahl der Elektrikerlehrlinge in den letzten dreißig Jahren um volle zwei Drittel reduziert. Es gebe zwar immer mehr Firmen, denn die Gesellen machten sich alle selbständig, aber diese Firmen hätten immer weniger Leute. In anderen Berufen, ob nun Gas/Wasser oder Tischler, sei es genauso, wenn nicht noch schlimmer. Jetzt hob er die Schultern, und da mir dazu nichts einfiel – jedenfalls nichts, was sich zwischen Tür und Angel und unter Vermeidung der Vokabel „Klassengesellschaft“ hätte anbringen lassen –, verlegte ich mich auf diese wortlose Mischung aus Brummen und Kopfwackeln, die zugleich Interesse und Distanz ausdrückt.

„Und die Arbeiter dürfen auch in den Park … / Gut. Das ist der Pfennig. / Aber wo ist die Mark –?“ Tucholsky, 1928

Denn irgendwas Klassengesellschaftliches, wenn die Spekulation erlaubt ist, wird der Sache ja zugrunde liegen, zumal die bessere Hälfte zuhause bestätigte, haargenau diese Geschichte habe sie neulich beim Friseur gehört: Wer überhaupt noch komme, um sich ausbilden zu lassen, habe im Grunde keine Lust, schwänze die Berufsschule und sei bald weg. Friseure (m/w), wußte ich da, seien legendär schlecht bezahlt, zumal in der Ausbildung, und daß Klempner zwar alle mit Badsanierung in Marmor werben, im Tagesgeschäft aber eher verstopfte Klos wieder gängig machen, ist sicher auch kein Grund für Fünfzehnjährige, bei der Berufsberatung „Hier!“ zu schreien.

Die Klassengesellschaft, steht irgendwo in Rudolf Bahros „Die Alternative“, beginnt da, wo die einen sich hintern Schreibtisch setzen können und die anderen nicht, und in Zeiten, wo die Leute hinterm Schreibtisch immer mächtiger werden, sollen Akademiker sich hüten, über den „Akademisierungswahn“ zu klagen. Denn das Abitur, wie gehaltvoll es immer sei, ist und bleibt die Eintrittskarte in jene Gesellschaft, die den legendären deutschen Facharbeiter zwar für ihr Exportwunder benötigt, ihn aber allenfalls dann im selben Stadtviertel wohnen läßt, wenn er sich als Handwerksmeister selbständig gemacht und sein Proletarisches abgelegt hat; und um wieviel weniger die, für die in der Exzellenz- und Elitengesellschaft nicht mehr genug Bildung überbleibt, daß es selbst für einfachere Texte noch reichte: „Bei Eignungstests“, berichtet die Morgenzeitung, „scheitern viele Kandidaten an der Rechtschreibung. Aber muß man wirklich korrekt schreiben können, wenn man zum Beispiel Feuerwehrmann in Nordspanien ist?“ Eine Frage, die noch im schäbigsten Realsozialismus undenkbar gewesen wäre; hier sind die studierten Redakteure sich ihrer Herablassung nicht einmal mehr bewußt, die eine zentrale Kulturtechnik an jene, die den Laden Tag für Tag am Laufen halten, schon gar nicht mehr verschwendet sehen will.

Bleibt ausnahmsweise die Hoffnung auf die Marktwirtschaft, die auf ein sich verknappendes Angebot durch steigende Preise reagiert. Könnte sein, der Klempner, die Elektrikerin wird bald richtig teuer. Ich gönne es ihnen.

Es gibt, glauben wir „Spiegel online“, in Deutschland also einen „Schulz-Hype“, denn in der Frage, wen die Deutschen lieber als Kanzler hätten, habe Martin Schulz Angela Merkel bereits „überflügelt“. In der Printausgabe hat der Sozialdemokrat „die Kernpunkte seiner Kampagne“ vorgestellt: „Millionen von Menschen fühlen, daß es in diesem Staat nicht gerecht zugeht“, denn „Unternehmensgewinne und Bonuszahlungen haben ebenso zugenommen wie die Zahl prekärer Arbeitsverhältnisse“. Diese Zahl soll kleiner werden, denn Leiharbeit sei eigentlich bloß was für „Engpässe“: „Wir könnten die Zulässigkeit von Leih- und Zeitarbeit deutlich mehr begrenzen, wenn wir die dafür notwendige Mehrheit hätten.“ Zwar sei die Agenda 2010 „die richtige Antwort auf eine Phase der Stagnation“ gewesen. „Aber wir haben auch Fehler gemacht. Wir hätten gleichzeitig den Mindestlohn einführen und Superreiche stärker belasten müssen.“

Die Geschichte der „Agenda 2010“ geht ja bekanntlich so, daß in einer Phase der Stagnation die Sozialdemokratie dafür sorgen durfte, Arbeitskraft so billig, willig und verfügbar wie möglich zu machen. Was unter einer CDU-Regierung so reaktionär erschienen wäre wie ein Angriffskrieg gegen ein Land, das einem erstens nichts getan und zweitens unter einem früheren deutschen Angriff mal ziemlich gelitten hatte, war unter einem SPD-Kanzler eine coole, unbedingt nötige Reform, um heillos Verkrustetes so nachhaltig aufzusprengen wie, sagen wir, ein Belgrader Krankenhaus. Jetzt, zwanzig Jahre später, ist Deutschland der unangefochtene Champ Europas: Das Exportgeschäft brummt, so viele Leute wie noch nie sind in Arbeit, dem Bundeshaushalt geht es gut. Genutzt hat der SPD dieser Kärrnerdienst fürs Kapital nichts: Als sie ihre Schuldigkeit getan hatte, durfte sie gehen oder allenfalls als Juniorpartnerin einer christdemokratischen Kanzlerin mitmachen. Zwischenzeitlich sanken die Werte der SPD bei Sonntagsfragen auf unter 20 Prozent.

„Alles in allem … begann das Gewisse in bezug auf die Gerechtigkeit, in den stummen Zeiten, mit dem Körper; dann, als die sogenannten artikulierten Sprachen gefunden waren, ging es über auf die gewissen Ideen oder Formeln aus Worten; endlich, als sich unsere menschliche Vernunft ganz entwickelt hatte, endete es in dem Wahren der Ideen über das Gerechte, die von der Vernunft bestimmt werden nach den jeweiligen Tatumständen.“ Giambattista Vico, 1744

Damit soll nun Schluß sein, denn es geht, ist Martin Schulz aufgefallen, in diesem schönen Land „nicht gerecht“ zu. Das kann es auch nicht, denn spätestens seit Schröder gilt in Deutschland das Diktat der supply-side economics: Steuern und Arbeitskosten werden gesenkt, damit Unternehmen günstiger und wettbewerbsfähiger produzieren. Das funktioniert auch, allerdings nur für die Unternehmen, denn der angenommene trickle down effect, daß also von den steigenden Gewinnen ein bißchen was unten ankomme, tritt und tritt nicht ein: Der Boom kommt, die Löhne bleiben niedrig, der Sektor prekärer Arbeit – Leih- und Zeitarbeit, Minijobs, Scheinselbständigkeit – wächst, die Besitzenden profitieren.

Also wird es irgendwann wieder Zeit für die SPD; denn erstens tut sich hier ein politischer Markt auf (sofern die Leute vergessen haben oder vergessen wollen, wer ihnen das alles federführend eingebrockt hat), und zweitens leidet unter der Angebotspolitik nicht nur die Infrastruktur (weil die Unternehmen viel weniger Steuern zahlen, als sie könnten), sondern auch die Binnennachfrage: Sind die Löhne niedrig und die Arbeitsverhältnisse unsicher, geben die Leute kein (oder weniger) Geld aus, so daß sich der deutsche Boom ganz und gar dem Exportgeschäft verdankt, das naturgemäß ein einseitiges ist. Wenn jene Volkswirtschaften, die unter Deutschlands stark positiver Außenhandelsbilanz leiden, nun hergehen und Importzölle verhängen, ist es mit dem Boom vorbei.

„Die Demokratie kennt weder Herr noch Knecht.“ Martin Schulz, 2017

Also wird die SPD wieder gebraucht, als Sozialpartei, die „Ungerechtigkeit“ aus der Welt schafft bzw. dem Standort so dient, wie sie es immer getan hat. Daß die Unternehmenssteuern zu steigen hätten, ist deshalb auch keine Option: „Ganz sicher müssen wir bei der Besteuerung von großen Vermögen nachlegen.“ Denn in die Portokasse der Superreichen, welche die Agenda 2010 noch reicher gemacht hat, traut sich die SPD allemal zu fassen.

Sind es also doch große Männer, die Geschichte machen?

An den Gedanken hatten wir uns ja nun gewöhnt, daß die Geschichte die Geschichte von Klassenkämpfen ist – oder, hinter Marx zurückgehend, „die Auslegung des Geistes in der Zeit“ (Hegel) – , und daß es letztlich keinen Unterschied macht, wer sich als „Geschäftsführer des Weltgeistes“ (ders.) betätigt oder den Klassenkampf der Bourgeoisie anführt. Nun aber Trump, der vielleicht kein großer Mann ist (eher schon, mit Jacob Burckhardt, ein „kräftiger Ruinierer“), aber drauf und dran, Weltgeschichte zu hinterlassen: rücksichtslose Rückkehr zu Gas und Öl, eine Mauer zu Mexiko, ein Rückzug aus Europa, der die transatlantische Nachkriegszeit beenden und die Deutschen in den Besitz von Atomwaffen bringen könnte. Alles nichts ohne Trump und alles anders als unter Clinton, die ja nicht insofern Opposition war, als sie die amerikanische Arbeiterklasse vertreten hätte. Das tut, wollen wir’s vereinfachen, eher Trump, der als Feind von Freihandel und Arbeitsplatzkonkurrenz der blue collar-Welt als völlig plausibel erscheinen muß.

Es empfiehlt sich, die Absage an die großen Männer (oder Frauen) als eine zu lesen, die weiß, daß personalisierte Verengung Absolution will: Daß Mao die Kulturrevolution erfunden und losgetreten hat, spricht nicht jene frei, die ihre Lehrer an den Haaren durch die Straßen gezogen haben, und Hitler, ohne den es sicher auch einen deutsch-imperialistischen Revanchekrieg gegeben hätte, aber vermutlich nicht diesen, haben die Leute gewählt, verehrt und bis aufs Blut (zumal fremdes) verteidigt. Beide sind aber ohne jenen Klassenkampf nicht zu denken, den der Nationalsozialismus auf die schlimmstmögliche Weise, nämlich durch völkischen Raubmord, stillgestellt hat und dessen chinesischer Anführer Mao war.

„Dies sind die großen Menschen in der Geschichte, deren eigene partikuläre Zwecke das Substantielle enthalten, welches Wille des Weltgeistes ist.“ Hegel, 1837

Trump nun, bei allem, was er tut und was andere eben nicht täten und was ihn also einzigartig macht, ist natürlich Bourgeoisie und auch politisch Nutznießer des schlechten alten Klassengegensatzes, den er, „America First“, übers Nationale, Rassistische und insgesamt Ressentimentale zu befrieden gedenkt, so wie seine rechten Freunde in Europa auch. Teilen seiner Klasse, denen er (hier paßt der Hitler-Vergleich einmal) zu proletig ist, mag das nicht behagen; der Dow Jones Index hat indessen die historische Marke von 20 000 Punkten überschritten. Seinen Wahlsieg verdankt Trump jahrzehntelanger, haßblinder Propaganda wider „Washington“, die Liberalen, die Wissenschaft, die Komplexität als solche, Propaganda, die seit Ronald Reagan (der als der amerikanische Erfinder des antiintellektuellen Ressentiments zu Wahlkampfzwecken gilt) natürlich Klassenpropaganda ist: Denn wo die Welt Gottes Wille ist und der Markt die Dinge regelt, werden die Reichen reicher und haben die Depravierten nichts zu melden.

Daß sie das nicht erfahren (oder es, noch besser, billigen), dafür sorgt nicht nur die Propaganda aus Fox-News und „The Apprentice“, sondern eine Kulturindustrie insgesamt, deren Produkt Trump ist (Georg Seeßlen), und zwar in viel stärkerem Maße noch, als es der Schauspieler Reagan war. „Denn das ist natürlich das Risiko“, schrieb Gremliza 1980 zu dessen Wahl: „ ... Daß die so entmündigten, kretinisierten Bürger mit ihrem verballhornten Bewußtsein und ihrer verkitschten Gefühlswelt auch einen Führer wollen, in dem sie sich ,wiederfinden’. Was also bleibt den Herrschenden übrig, als ihnen einen Kretin zu präsentieren, einen, der als das erscheint, wozu sie die anderen gemacht haben, bloß höher. Daß sie diesmal ausgerechnet einen Westernhelden genommen haben, ist natürlich Zufall. Das nächste Mal könnte es Pat Boone sein.“

Er ist es leider nicht geworden.

Zwei Männer, zwei Reden, doch jedem liberalen Journalisten fallen die Unterschiede sofort auf: „Genau das ist der Unterschied zu Martin Walsers Paulskirchen-Rede von 1998, in deren Kontinuität Höcke sich stellt. Walser erkannte damals ,unsere unvergängliche Schande’ wenigstens an, bevor er gegen die Erinnerungskultur polemisierte“ (Detlef Esslinger, SZ), wofür er, wir hatten das bereits, mit stehenden Ovationen gefeiert wurde. Höcke dagegen polemisierte ohne Disclaimer gegen die Erinnerungskultur, indem er gegen „diese Dauerpräsentation unserer Schande“ ätzte, „die unaufhörliche Präsentation unserer Schande“, die „Kranzabwurfstelle“ Holocaust-Denkmal und den „fußballfeldgroßen Albtraum im Herzen der Hauptstadt“ – bzw. war das ja wiederum Walser; Höcke dagegen in der unvergleichlichen Sprache des Unmenschen: „Die Deutschen sind das einzige Volk der Welt, das sich ein Denkmal der Schande in das Herz seiner Hauptstadt gepflanzt hat.“

Folglich und füglich stießen laut „Frankfurter Allgemeine“ die so divergenten Äußerungen Höckes „insbesondere bei Holocaust-Überlebenden auf Entsetzen“, ganz anders als noch bei Walser: „Nach Walsers Rede war im Anschluß allgemein von den Anwesenden stehend applaudiert worden, mit Ausnahme des Vorsitzenden des Zentralrates der Juden in Deutschland Ignatz Bubis, dessen Frau Ida und Friedrich Schorlemmer“ (Wikipedia), welchletzterer bekanntlich kein Überlebender des Holocaust ist. Und also ist die Übersicht wieder hergestellt: Höcke ist der Nazi und Walser freilich kein „geistiger Brandstifter“ (Bubis), sondern der letzte große Nationaldichter, dessen jüngste Prosa-Ruderei das Feuilleton entsprechend geschlossen akklamiert hat.

„Dieses Gefühl, zugleich der Sieger und der Besiegte zu sein! Das ist das Leben selbst.“ Walser, 2017 

Was damals ein Skandal der Mitte war, ist heute einer von rechts, und das liegt nicht daran, daß dieses famose Land nach links gerückt wäre. Im Gegenteil ist die „Wiedergutwerdung der Deutschen“ (Eike Geisel) im „besten Deutschland aller Zeiten“ (Pfr. Gauck) längst abgeschlossen, was bedingt, daß dieselben Meinungen, die das nationale Selbstbild einst geraderücken halfen, spätestens dann als falsche gelten müssen, wenn sie von den falschen, nicht vorzeigbaren Leuten geäußert werden. Von „Höckes moralischer Verdunkelung“ sprach denn auch eine Hoffnung namens Justus Bender in der FAZ und machte ohne jeden Arg deutlich, was das neue Deutschland in den letzten Jahrzehnten moralisch gestemmt hat – und zu wessen Nutzen:

„Der zentrale Standort des Denkmals entspricht der Bedeutung, welche die Erinnerungskultur in der Bundesrepublik hat. Schließlich gehört die Losung, Menschheitsverbrechen wie die Schoa dürften sich niemals wiederholen, zum Fundament der bundesrepublikanischen Verfassungsordnung“, die Verbrechen der Menschheit an der Menschheit halt einfach nicht mehr gutheißt. „Daß Höcke nicht mit Stolz auf die Integrität blickt, mit der sich Deutschland seiner Vergangenheit gestellt hat“, nach zwanzig, dreißig, fünfzig Jahren, als die ganzen dicken Nazis in Amt und Würden endlich tot waren, und auch dann nur so verlogen und selbstmitleidig wie nur eben möglich, „sondern mit einem Gefühl der Angegriffenheit. Daß er sich für die Hauptstadt lieber eine pompöse Inszenierung nationaler Größe wünscht als neben viel Herrschaftsarchitektur auch einen Ort stiller Nachdenklichkeit, an dem nicht ein therapiebedürftiger Schuldkomplex, sondern eine Haltung von moralischer Größe ausgedrückt wird“, wie sie ja bereits in dem fürstlichen Taschengeld zum Ausdruck drängte, mit dem die deutsche Industrie nach Jahrzehnten ihre Zwangsarbeiter abgefunden hat. „Selbst in den romantischen Begrifflichkeiten eines Björn Höcke könnte daraus ein Nationalstolz erwachsen, der nicht ausgrenzt“ und der mit 50 Millionen Vergasten, Erschossenen, Ausgehungerten, zu Tode Gefolterten und bei lebendigem Leibe Verbrannten halt nicht zu teuer bezahlt ist.

Per aspera ad astra: Das ist sie, die Instrumentalisierung von Auschwitz zu gegenwärtigen Zwecken. Müßten wir olle Walser fast mal recht geben. 

Eigentlich sollte diese Kolumne mit der Frage beginnen, wieviel die Elbphilharmonie hätte kosten müssen, daß es nicht trotzdem gleich vergessen gewesen wäre: zwei Milliarden? Zehn? Vor ein paar Jahren, „Elphi“ war noch im Bau, rechnete die Hamburger Gewerkschaftskampagne „Gerecht geht anders!“ vor, ziemlich exakt die 500 Millionen, die der weltbeste Konzertsaal des Universums damals noch kosten sollte, wolle der Hamburger Senat im Haushalt streichen, weshalb das „Prestigeprojekt“ (NDR) das „Hamburger Symbol für die ungerechte Verteilung und die soziale Spaltung in der Stadt“ (Kampagne) sei.

Vergangenheit; und schließlich soll es, Demokratie!, jetzt darum gehen, „mehr klassikferne Menschen in die Veranstaltungen zu locken. Und zwar nicht nur in für Junge, Arbeitslose und Asylanten angebotene Konzerte, sondern in das reguläre Programmangebot“ (SZ), das, ich vermute es mal, dann doch etwas umfangreicher sein wird als das kulturelle Almosen für die, die im Zweifel sowieso andere Probleme haben und für die die Elbphilharmonie sowenig gebaut worden ist wie sonst irgendein Kulturtempel. In Hamburg, wußte die Bürgerillustrierte „Spiegel“ schon im Januar 2006, werde an einer „Freiheitsstatue des hanseatischen Bürgertums“ gebaut, und genau elf Jahre später findet Faz.net-Leser Marcus Oehler: „Wenn die Kleingeister das Sagen hätten, gäbe es keinen Eiffelturm und keine Elbphilharmonie.“ Sondern, horribile dictu, erst das Fressen und das Obdach für alle und dann die Moral und den Beethoven fürs sog. Bildungsbürgertum, das, glauben wir Gremliza, „weder gebildet noch bourgeois“ ist, sondern aus „ambitionierten Kleinbürgern, Ärzten, Rechtsanwälten, Studienräten und ihren Gattinnen“ besteht, „die durch Tischdekoration und Konzertbesuch vom ordinären Pöbel sich abzuheben bemühen“. Der halt auch von den Milliarden, die der Finanzminister übrig hat, nichts abbekommen wird, weil Steuersenkungen eher die treffen, die was zum Versteuern haben.

„Ich bin so frei, von dieser Scheißkultur nichts wissen zu wollen.“ Gremliza, 2016

Aber das wollten wir ja gar nicht ausführen, denn im Fernsehen lief jetzt „Bubis: Das letzte Gespräch“, in dem das letzte Interview, das der auf den Tod kranke Zentralratsvorsitzende der Juden in Deutschland gab (und zwar im Sommer 1999 dem „Stern“), filmisch rekonstruiert und mit Dokumentarmaterial versehen wurde: Bubis, wie er 1992 Rostock-Lichtenhagen besucht: und weint. Udo Samel als Bubis, wie er sich, weinend, an seinen in Treblinka ermordeten Vater erinnert. Bubis, wie er 1985 die Aufführung von „Der Müll, die Stadt und der Tod“ mitverhindert und wie er den Interviewern den zentralen Satz in den Block spricht: Ich habe nichts bewirkt. (Der sich in der Druckversion zu „Ich habe fast nichts bewirkt“ gemildert fand.) Bubis, der die Frankfurter OB Roth in Schutz nahm, die ihm, Bubis, zum „Friedensprozeß in Ihrem Land“ gratuliert und mit Bubis’ Land Israel gemeint hatte. Der vergessene Eklat von 1992, als ein CDU-Provinzpolitiker ebenfalls der Meinung war, des deutschen Juden Bubis Vaterland sei Israel, und der unvergessene Eklat von 1998, als Walser in Gegenwart Bubis’ seine Friedenspreisrede hielt, die in Originalton und -bild noch widerwärtiger ist als der blanke Text, weil sie alle, alle des Nationaldichters „Moralkeule“ und der „Instrumentalisierung von Auschwitz“ zu (jüdischen) Erpressungszwecken applaudierten, und wie sich Bubis dann in Tel Aviv beerdigen läßt, aus Angst, daß sein Grab ebenso „in die Luft fliegt“ wie das seines Vorgängers Heinz Galinski.

Im Morgenblatt gestern der Bericht über einen Provinzpolitiker, der sich für Flüchtlinge eingesetzt und vor den Haßmails kapituliert hat, in denen sehr oft das Wort „Jude“ vorkommt. Ein paar Seiten später eine Bildunterschrift zu „Israels Siedlungsbau, der die … Zweistaatenlösung Haus für Haus unmöglich macht“, während die palästinensische Friedenspolitik bekanntlich eine bedingungslose ist. Tja. Um einen Begriff von deutscher Kultur anno 2017 zu bekommen, brauche jedenfalls ich die Elbphilharmonie kein Stück.

Das Internet ist ja bekanntlich der neustzeitliche Zentralort für Intelligenz und gutes Benehmen, und kaum hatte sich die Co-Vorsitzende der Grünen über ein mögliches „Racial Profiling“ der Kölner Polizei an Silvester beschwert, weil „Journalisten und Passanten … beobachtet hatten, wie die Polizei Männer mit vermutetem Migrationshintergrund am Kölner Hauptbahnhof von vermeintlichen Mitteleuropäern trennte und in einem Polizeikordon festhielt. Die Polizei bedachte sie mit dem Kürzel ,Nafris’, was für ,nordafrikanische Intensivtäter’ steht“ (SZ), wurde es „im Netz“ nach bewährter Art „unglaublich frauenfeindlich und rassistisch. Das ging von Verleumdung bis Gaskammer“ (Peter).

So weit, so üblich und eigentlich kein Grund, vom Frühstück aufzublicken, und daß sich Peters eigene Partei, voran der blöde Özdemir, umgehend von ihr distanzierte, damit die Klientel, für die Multikulti ist, wenn der Gemüsetürke auch Ajvar im Regal hat, nicht unruhig wird: ebenfalls geschenkt. Glücklich vergessen hatte ich allerdings, was für ein klassisch analoger Abort die ungute alte Bild-Zeitung ist. Das Morgenblatt wußte es: „Selten ist eine Parteichefin so abgewatscht worden, selten war das öffentliche Begleitkonzert so gehässig. ,Dumm, dümmer, Grüfri’, höhnte Bild, gemeint: Peter. Grüfri stehe für ,Grün-fundamentalistisch-realitätsfremde Intensivschwätzerin’, erklärte das Blatt etwas bemüht“, dessen stets bemühte Angestellte sich bekanntlich im Arbeitsvertrag verpflichten müssen, nicht für Gaskammern und deren Einsatz einzutreten; was freilich nicht hindert, gegens polizei- und obrigkeitskritische, linksversiffte Gutmenschentum so frei von der Leber weg zu hetzen, als sei Benno Ohnesorg eben erst erschossen worden.

„Der Wein erfindet nichts, er schwatzt’s nur aus.“ Schiller, 1799

Ein Glück fürs „größte Drecksblatt der westlichen Welt“ (Gremliza), daß die Rolle der „Cloaca maxima der öffentlichen Meinung“ (Kraus) so schön vom Internet ausgefüllt wird, und während vor der elektronischen Öffentlichkeit kaum ein Entkommen ist – und sei’s bloß, weil die Zeitungen ständig Trumps neuste Twitter-Einfälle zitieren –, gibt’s von Bild meist nur das, was im Supermarkt auf dem Weg zu Kasse überm Knick zu lesen steht: „Große Liste: Hartz IV und Ausländer in Ihrer Stadt“; was aber kein Grund zur Beruhigung ist. Denn das, was die Leute im Internet auskübeln, ist ja nicht im Schlaf über sie gekommen, und als im Jahr 2000, nachdem TITANIC die Fußball-WM nach Deutschland geholt hatte, Springers Kettenhund zum Angriff auf die Redaktion blies („Böses Spiel gegen Franz“), klang das, was da auf dem Anrufbeantworter landete (und auf der CD „Bild-Leser beschimpfen TITANIC“ angehört werden kann), ziemlich so wie jener Dreck, mit dem heute öffentliche Personen beworfen werden, die irgend etwas Linkes sagen (was, nebenbei, das Gejammer über linke Sprechverbote wie die Projektion klingen läßt, die es ist): „Sie sind ein ganz großes Schwein.“ „In einem Rechtsstaat gehören Leute wie Sie ins KZ.“

Alles mithin schon dagewesen; und mit dem „asozialen Hetzwerk von Idioten, Denunzianten, Polizisten und anderen Rechtsbrechern“ (Greml) hat der Haß also bloß sein Medium gewechselt. „Facebook und dergleichen Einrichtungen gehörten verboten. Statt in die Illegalität freilich geht Facebook an die Börse, wo die Firma für ihre Aktien hundert Milliarden Dollar erlösen wird. Der Wahrheit solchen Interesses hält kein Gedanke stand.“ Das freilich mit dem Interesse jenes anderen, stilbildenden Bewußtseinskonzerns identisch ist, dessen Enteignung seit einem halben Jahrhundert aussteht.

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Nicolas Mahler, Meister des opulenten knappen Strichs, legt mit "Urknall" sein grundlegendstes, ursprünglichstes Werk vor. Von Kalauern wie "Sie sind mir aber eine Urknallcharge" bis "Wer hat an der Ur gedreht?" nimmt er zum Glück größtmöglichen Abstand und präsentiert statt dessen ein kleines, unglaublich dichtes Buch, in dem die ganze Welt des komischen Zeichnens angelegt ist, und das vor den Augen des Betrachters regelrecht explodiert. Ein Lichtblick im riesigen Dunkel des Buchmarkts!Oliver Maria Schmitt: "Ich bin dann mal Ertugrul – Traumreisen durch die Hölle und zurück"
TITANIC-Mitherausgeber und Gelegenheits-Bürgermeister Oliver Maria Schmitt ist über alle möglichen Kontinente gehüpft und hat Reisereportagen mitgebracht, die Ihnen den Spannungsschweiß auf Ihr Teiggesicht treiben werden! Er läßt sich in Simbabwe zum Survivalspezialisten ausbilden, verkostet in einer kasachischen Jurte Stutenmilch, wird beim Tangotanzen von finnischen (Meer-)Busen erdrückt und vermarktet sich auf der Frankfurter Buchmesse als Literaturtürke "Ertugrul Osmanoglu". Am Ende dieser Lektüre werden Sie sich vor allem eins fragen: "Was habe ich falsch gemacht, daß ich nicht so einen Job wie Oliver Maria Schmitt habe?"Stefan Gärtner: "Putins Weiber"
St. Gärtner ist der Schutzheilige der Alphabetisierten und Literaten. Gerühmt und bekannt als Parodist Daniel Kehlmanns, Ildikó von Kürthys, Arno Geigers und Thomas Gsellas, hat er nun seinen ersten Roman "vorgelegt" (Feuilletonphrase). "Putins Weiber" ist ein Pageturner (Klappentextphrase) des Gut-Schreibers (Idiotenphrase), voll mit Frauen, Alkohol, Psychotherapie, Aphorismen und Geschwätz, seltsamen Nachbarn, noch mehr Frauen, Männerfreundschaft und Autofahrten. So würde Nick Hornby schreiben, wenn ihm Eckhard Henscheid rechtzeitig Lawrence Sterne vorgestellt hätte!Hans Zippert: "Würden Sie an einer Tortengrafik teilnehmen?"
Würden Sie die Frage "Würden Sie gerne ein Buch mit dem Namen 'Würden Sie an einer Tortengrafik teilnehmen?' lesen?" mit "Ja" beantworten? Und würde der Fakt, daß dieses Buch von TITANIC-Alt-Urgestein Hans Zippert stammt und den Untertitel "199 Fragen und 197 Antworten zu den Allgemeinen Geschäftsbedingungen für das Leben in Deutschland" trägt, Ihre Leseentscheidung positiv oder negativ beeinflussen? Zu kompliziert für Sie? OK, dann also in Ausrufesätzen: Neues Buch! Von Zippert! Mit langem Titel! Lesi lesi machen! Damit Ihr träges Hirn mal was zu tun kriegt!!Heinz Strunk: "Das Strunk-Prinzip"
Sie sind ein totaler Versager und können sich Bücher nur als Abo-Prämie leisten? Dann nehmen Sie wenigstens dieses hier: "Das Strunk-Prinzip", die beliebte Kolumne aus TITANIC als Buch! Power- und 110-Prozent-Autor Heinz Strunk zwiebelt Ihnen blitzgescheite Weisheiten um die Ohren bis Sie gar nicht mehr anders können als in Erfolg, Geld und Sex zu ersaufen. Das Strunk-Prinzip setzt Ihrem Elend endlich ein Ende. Mutter wird sich freuen!Anselm Neft: "Helden in Schnabelschuhen"
Anselm Neft ist Großinquisitor auf Lesebühnen und Mitherausgeber des EXOT-Magazins für komische Literatur. Sein zweiter Roman führt geradewegs hinein in die finstere, stinkende, voraufklärerische Welt der Mittelaltermärkte. Dorthin verschlägt es seine Helden Max und Katja, die nach ihrem Studienabschluß in Philosophie aus schierer Verzweiflung mit der Mittelalterband Kobold auf Tour gehen und sich dabei in höchst komplizierte Liebes- und Lebenshändel verstricken. Neft schreibt, wie ihm der Schnabel(schuh) gewachsen ist – genau das Richtige für mittelalte Komik-Connaisseure mit Hang zum Schalmeienklang!Leo Fischer + Leonard Riegel: "Fröhliche Hundegeschichten"
Ein Buch, bei dem Sie "Wau" sagen: Leo Fischer und Leo Riegel haben ihre Talente gebündelt und gemeinsam 1001 moderne Hundemärchen in Wort und Bild erschaffen. Zum Lesen, Lachen, Anknabbern! Und außerdem ein echter Lebensretter. Jedenfalls dann, wenn Sie Nacht für Nacht von einer dreiköpfigen Bulldogge heimgesucht werden, die Sie vor die knifflige Wahl stellt, ihr entweder eine "Fröhliche Hundegeschichte" vorzulesen oder den Arsch abgebissen zu kriegen. Ihre Entscheidung!Michael Ziegelwagner: "Der aufblasbare Kaiser"
Seit dem putzigen Präsidentschafts-Hahnenkampf zwischen Alexander Van der Bellen und Norbert Hofer interessiert sich plötzlich auch Resteuropa für das Land, um das es in diesem Buch geht: Österreich. Dabei ist der Donaustaat schon seit 2014 eine literarische Reise wert, jenem Jahr, als "Der aufblasbare Kaiser" für die Longlist des Deutschen Buchpreises nominiert wurde. Lassen Sie sich auf diese Reise mitnehmen: von Michael Ziegelwagner, dem liebenswertesten Randbalkanesen der TITANIC. Pflichtprämie für Kaisertreue!Markus Riexinger: "Kaktus der Verwesung"
Der "Gott des komischen Gemetzels" (L. Fischer) schlägt zurück: Markus Riexinger schlachtet sich einmal quer durch die deutsche Sprache, zerdrischt halbfertige Dramolette und prügelt poetische Versatzstücke in die Unkenntlichkeit. Frei nach Niels Bohr: Wer über die Miniaturen und Erzählanfälle des Berliner Jungautors nicht entsetzt ist, hat sie nicht verstanden.Wiglaf Droste: "Schalldämpfer"
Bei Wiglaf Droste, der "linken und rechten Hand des Fehlerteufels" (Bud Spencer), sitzt nicht nur der "Colt der Sprachkritik" (Terence W. Adorno) locker, er kann auch Fortsetzungsromankompilationen schreiben, die Herz und Hirn treffen. Z.B. diese, "Schalldämpfer", in der das "Kommando Leise Welt", eine Organisation zur Rettung des menschlichen Trommelfells, Lärmbolde und Schreihälse ganz leise wegknallt. Pflicht für alle, die den Schuß noch nicht gehört haben.Elias Hauck (Hrsg.): "Alles Spargel oder was?"
Endlich ist ganzjährig Spargelsaison! Elias Hauck, die eine Hälfte von Hauck & Bauer und Herausgeber des Frauenmagazins "Sonja", serviert die reifsten Spargelwitze der Welt – gezeichnet und erzählt von dutzenden gemüseliebenden Cartoonisten und Autoren. Lachen Sie unter anderem über: den mit den polnischen Erntehelfern, den mit dem kaputten Spargelschäler und den mit der Fliege in der Hollandaise.Wenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
Zweijahres-Abo: 92,40 EUR (Ausland: 112,80 EUR)Katharina Greve: "Eigentlich ist Wurst umgestülptes Tier: Cartoons & Comicstrips"
Katharina Greve ist nicht nur Architektin, Situationsdesignerin und stolze Besitzerin einer Vakuumiermaschine, sondern auch Prophetin: Via Kalenderblatt sagte sie im Jahr 2013 auf den Tag genau den Rücktritt von Papst Benedikt XVI. voraus. Wer wissen will, welche sonderbaren Ereignisse die Zukunft noch bereithält, braucht deshalb dieses Bilderbuch. Gegenstände mit Gefühl, Menschen ohne Gesicht, Tapetenmuster von göttlicher Anmut – all das findet sich in Greves fantastisch-wurstigem Cartoonband!Fischer/Wolff/Ziegelwagner (Hrsg.):  "Die TITANIC-Bibel: Segen, Sünden, Sauereien"Was sind schon Markus, Matthäus, Lukas, Johannes, Paulus, Gott gegen Knorr, Eilert, Bernstein, Pfarr, Schmitt, Zippert, Hurzlmeier, Raddatz usf.? Bestenfalls mittelmäßige Autoren und Zeichner. Deswegen greift der moderne Religionskenner zur TITANIC-Bibel. Das ideale Weihnachtsgeschenk für alle, die noch wissen, worum es bei Weihnachten wirklich geht (ideale Weihnachtsgeschenke).Zweijahres-Abo: 92,40 EUR (Ausland: 112,80 EUR)Stephan Rürup: "Basteln mit Bier"
Während eine Baumarktkette nach der andere pleitegeht, zeigt uns Stephan Rürup, wie auch ohne Hobel und Schrauben schöne Bastelarbeiten entstehen können: nämlich mit Bier! Der TITANIC-Hauszeichner hat sich einmal um den Globus getrunken und dessen bedeutendste Monumente nachgeb(r)aut. Ergebnis: ein handliches Prachtbändchen, das in keinem Hobby- und Getränkekeller fehlen darf.Volker Surmann: "Lieber Bauernsohn als Lehrerkind"
Lesebühnenautor, Gelegenheits-Slammer, TITANIC-Autor – und Provinz-Exilant: Volker Surmann stammt aus den Tiefen des Teutoburger Waldes, heute wohnt er im Trend-Städtchen Berlin. In seinem ironisch-autobiografischen Heimatroman beschreibt der „Alien vom Planeten Acker“ (Eigenwerbung) u.a. den grausamen Mord an seiner Lieblingskuh und sein Versagen beim Traktorfahren – Blut und Boden sind also garantiert! „Ist Volker bloß ein metrosexueller Großstädter, gefangen im Körper eines ostwestfälischen Bauernkinds?“ Finden Sie es heraus!Gerhard Henschel: "Beim Zwiebeln des Häuters – Glossen und Verrisse 1992-2012"Margot Käßmanns buntscheckige Gedankenwelt, Heinos faszinierende Schlichtheit, Slavoj Žižeks Parallaxengeschwurbel oder Günter Grassens Gedächtnislücken – TITANIC-Chefschimpfer Gerhard Henschel versucht Gestalten zu begreifen, von denen andere sich wünschen, sie nie kennengelernt zu haben. In diesem Sammelsurium herausragender Schleimfiguren finden Sie die schönsten Henschel-Polemiken aus zwanzig Jahren.Heiko Werning: "Schlimme Nächte: Von Abstürzen und bösen Überraschungen"Jeder von uns hat schon mal eine erlebt und würde sie am liebsten für immer aus dem Gedächtnis löschen: eine schlimme Nacht. Heiko Werning aber, Lesebühnengott und Reptilienforscher, hat sich an über 30 schlimme Nächte erinnert und sie tapfer aufgeschrieben. Kindlicher Kaninchenmord bei der Nachtwanderung, verpaßte Chancen im malaysischen Massagesalon, Prügeleien mit Fußballfans, psychopathische Spermien-Strickerinnen: diese Nachtmahre werden Sie nicht mehr schlafen lassen!Das Ingrid-Hirsch-Gedächtnisabo: 15 Postkarten und 1 FeuerzeugDieser Geniestreich modernen Verlagsmanagements bedient altmodische Printbriefschreiber und Pyromanen gleichermaßen! Sie wollten schon immer mal einen Kinderhort anzünden und die passende Bekenner-Postkarte an die Polizei verfassen, die Beamten aber zugleich subtil darauf hinweisen, daß Sie TITANIC-Fan sind? Sie wollten schon immer mal fünfzehn herrliche TITANIC-Motive in Flammen aufgehen sehen, ohne sich aber zu sehr vom Heft zu distanzieren? Sie wollten schon immer mal 15 alte Postkarten und 1 Feuerzeug zusammen mit einem Kamm, einem blutigen Messer und dem Büstenhalter Ihrer Mutter in ein Paket an die Kanzlerin schicken? Dieses verlagsintern "Irren-Abo" genannte Komplettpaket kann (Liquidität vorausgesetzt) noch heute Ihnen gehören!Heiko Werning/Volker Surmann (Hrsg.): "Fruchtfleisch ist auch keine Lösung"
Fernsehkocharenen und Jamie-Oliver-Apps auf der einen Seite – Ehec, Dioxin und Cranberrybier auf der anderen: Ernährung fasziniert und verängstigt heute gleichermaßen. Höchste Zeit für einen kritischen Sammelband, in dem 35 Hobby-Esser über Antivegetarismus und Provitamine, über Thymian, Safran und Foer debattieren. Zu den Textköchen zählen Sterne-Satiriker, die sich mit den Grenzen des guten Geschmacks nur allzu gut auskennen: Leo Fischer, Stefan Gärtner, Oliver Nagel, Katharina Greve, Wiglaf Droste, Mark-Stefan Tietze u.v.a.m.Die PARTEI-Wahlwerbungs-DVD mit allen vier Wahlwerbespots aus dem Bundestagswahlkampf 2005: Höhepunkte der Politpropaganda, die von Otto Schily mit dem Prädikat "ein Skandal" ausgezeichnet wurden. Besser aufgelöst als auf Youtube und noch dazu mit einer praktischen, farbechten Hülle drumrum - das ist doch was, was?
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Das schreiben die anderen
  • 24.02.:

    TITANIC-Chefredakteur Tim Wolff erklärt bei Meedia, warum Breitbart News gleich zwei mal mit Matthias Matussek telefonieren durfte.

  • 22.02.:

    TITANIC-Jungredakteur Fabian Lichter jammert in der Taz über seine Gebrechen (Boxerfraktur).

Titanic unterwegs
27.02.2017 Frankfurt, Henscheid
  Die 3 TITANIC-Chefredakteure
02.03.2017 Hamburg, Polittbüro
  Hans Zippert
03.03.2017 Fürstenfeldbruck, Kunsthaus
  Hans Traxler: »Cartoons«
03.03.2017 Bielefeld, Bunker Ulmenwall
  Hans Zippert

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Briefe an die Leser

 Wackerer »Spiegel«!

Fein, wie Du da in Deinem Inneren mit Vorurteilen kämpfst: »Sind Ausländer krimineller als Deutsche? Amtliche Statistiken legen das auf den ersten Blick nahe. Doch Kriminologen warnen: Schon die Frage führe in die Irre.« Eine so richtige wie wichtige Warnung – weswegen Du auch den Artikel auf Deinem Titelblatt wie ankündigst? Genau, mit der Frage: »Sind Ausländer krimineller als Deutsche?«

Wer solche Nachrichtenmagazine hat, braucht keine Lügenpresse.

Hat Deine Äußerlichkeiten stets im Blick: Titanic

 Sie, Schauspielerin Josefine Preuß,

begründen den Erwerb des kleinen Waffenscheins in der »Bunten« damit, daß Sie sich »durch die Entwicklungen der letzten Zeit nicht mehr so sicher« fühlen. Der Schein erlaube Ihnen, »ein spezielles Reizgas zu tragen«. War das wirklich notwendig? Schließlich fällt das Mexx-Parfum »Ice Touch Woman«, für das Sie vor geraumer Zeit als Testimonial warben, (noch) nicht unter das Waffengesetz!

Erteilt Selbstverteidigung für Anfänger: Titanic

 Thomas Steinfeld c/o »Süddeutsche Zeitung«!

In Ihrem Artikel über Keith Jarrett (»Italienisches Solo«) zitieren Sie den Musikkritiker John S. Wilson, der über Jarretts »Köln Concert« schrieb, die Musik klinge, als seien Frédéric Chopin und Art Tatum gemeinsam in einem Kanu flußabwärts unterwegs, und finden das Bild »immer noch treffend«. Dabei, Steinfeld, seien Sie ehrlich, ist es schlicht rasender Unfug, unter dem sich jeder alles und nichts vorstellen kann. Und deshalb ist es heute wie 1975 nicht einen Hauch von treffend.

Ihre Jazzkritiker von Titanic

 Du wiederum, Polizei Niedersachsen,

hast für Deine Beamten wegen der Terrorgefahr neue Maschinenpistolen und kugelsichere Westen angeschafft, die auch Schüsse aus Kalaschnikows aushalten sollen. Und das ist dann wohl auch dringend nötig, wenn man bedenkt, wie viele Verletzte es immer wieder in Deinen eigenen Reihen allein schon beim unsachgemäßen Gebrauch von Pfefferspray durch die werten Kollegen gibt.

Halali! Titanic

 Sie, Mario Adorf (86),

Sie, Mario Adorf (86),

halten sich selbst nicht für einen Bilderbuch-Großvater: »Ich bin wohl nicht der typische Opa.« Sie seien glücklich, wenn Sie Ihren Enkel »ab und zu« sehen, und waren nach eigenen Worten davon angetan, als er im Alter von zehn Jahren im Kinderchor der Staatsoper gesungen hat. »Ich verfolge, was er tut, und ich freue mich darauf, daß wir bald richtige Gespräche miteinander führen können. Das könnte spannend werden.« Ob Ihr Enkel es in ein paar Jahren allerdings ebenso spannend finden wird, sich mit Ihnen wieder in der Art »Gagack, blablubli, atta atta« zu unterhalten, wagen zu bezweifeln

Ihre Sprachpfleger von Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 AC/DC vs. Jesus

»Säkularisierung rockt!« dachte ich mir, als in der Fußgängerzone in Reaktion auf das einsetzende Kirchenglockenläuten ein Junge zu seinen Eltern sagte: »Wie bei Hells Bells!«

Jan-Oliver

 Geistes Gegenwart

Laut Heraklit ist Bildung »nicht das Befüllen von Fässern, sondern das Entzünden von Flammen«. Andererseits: Man hat schon Fässer brennen sehen.

Dominik Wachsmann

 Richtig traurig

Traurig sein, ja, aber bitte gesundheitsbewußt: Naturtrübsal blasen.

Burkhard Niehues

 Ludwig und ich

Mit dem guten alten, von mir sehr geschätzten Beethoven habe ich schon einiges gemein: schlechtes Gehör, schwache Augen und zwei linke Hände. Deshalb habe ich dem Raum mit dem soeben fertig verlegten Laminatboden in Anlehnung an das Op. 133 auch den Ehrentitel »Die Große Fuge« verliehen.

Helge Möhn

 Familientradition

Zu seinem runden Geburtstag durfte sich jeder von uns elf Enkeln ein bißchen Gold aus Opas Zahn schlagen.

Teja Fischer