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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: The Art of the Deal

Die drei Fernseher in meinem Rückenstudio laufen natürlich stumm, und so mußte (oder vielleicht durfte) ich die ersten Bilder von der Freilassung Deniz Yücels ohne Tonspur sehen; und hätte den akustischen Teil vielleicht auch später übergangen, wenn mein Kolumnisteninstinkt sich vom Tagesthemen-Kommentar des Bayerischen Rundfunks nicht was versprochen hätte. Zumal da es in Tagesthemen und Heute-Journal wie auch tags drauf im Frühstücksblatt darum ging, ob das nun ein „Deal“ gewesen sei, schlimmstenfalls ein „schmutziger Deal“, wie ihn sich der Gefangene selbst ja verbeten hatte. Für den geschäftsführenden Außenminister, wußte ein Andreas Bachmann (BR), war es jedenfalls ein viel zu guter Deal:

„Wie anbiedernd ist es da, wenn sich Außenminister Sigmar Gabriel heute bei der türkischen Regierung auch noch für die Verfahrensbeschleunigung im Fall Yücel bedankt, nach 367 Tagen Untersuchungshaft. Für Gabriel dürfte die Freilassung des Journalisten eine seiner letzten Taten als Außenminister sein, die in guter Erinnerung bleiben. Entsprechend hat er den Tag heute ausgekostet, flog extra von der Münchner Sicherheitskonferenz nach Berlin, um beim Axel-Springer-Verlag eine Pressekonferenz zu geben. Ein wichtiges Treffen mit den Regierungen Frankreichs, Rußlands und der Ukraine hier in München wurde dagegen aus Termingründen abgesagt. Und so scheint es, aller Beteuerungen Gabriels zum Trotz, daß der Fall Yücel für ihn auch Teil des Kampfes um das Amt des Außenministers ist. Nutzen wird es ihm wohl nicht.“

„Do ut des.“ Aus dem römischen Recht

Politik geht, glauben wir der veröffentlichten Meinung, die etwa aus dem Kopfschütteln über die SPD nicht herausfinden will (Jasper: „würdelos“), ja ohnehin am besten so, daß alle sich immer einig sind und es Deals, ob nun schmutzig oder nicht, gar nicht bedarf; und wenn Zamperoni und Slomka sich nun furchtbar kritisch dabei vorkommen, nach einem Deal zu fahnden, und sich ausgerechnet ein BR-Mann, als wisse er nicht, wo’s verläßlich warm rauskommt (CSU), über sozialdemokratisches Anbiedern mokiert, dann wollen sie die saubere Politik als am besten gar keine. Dann fährt ein Bundesaußenminister zu einem Autokraten, führt einen Habermasschen Dialog, erreicht, was er will, und verabschiedet sich gleich im Anschluß in die Rente, damit ihm niemand unterstelle, er wolle von den Früchten des Erfolges naschen.

Der Widerwille vor der schmutzigen Politik, er sitzt so tief in deutscher Seel’, und fast möchte man zögern, ihr diese Wahrheit mitzuteilen: Politik ist immer Deal, und was Erdogan bekommen hat, ist die Rückkehr in den Kreis derer, mit denen sich verhandeln läßt, u.a., lesen wir, nach Vermittlung durch Exkanzler Schröder, dem „ein Händchen im Umgang mit Autokraten und Halbdemokraten nachgesagt“ wird (SZ), der also weiß, wie Deals mit Schmutzfinken funktionieren, und selbst bekanntlich mit eher dunklen Westen unterwegs ist. Was Deniz Yücel bekommen hat, ist die verdiente Freiheit, das Haus Springer kann sich als Hüter der Pressefreiheit aufspielen, die Medien dürfen ultrakritisch nachfassen, und früher oder später wird es auch wieder Ersatzteile für die deutschen Panzer in Diensten der türkischen Armee geben, ob da nun türkische Journalisten lebenslang in Haft sitzen oder nicht. Das kann man gern häßlich finden, möge aber nicht so tun, als sei es in einer Welt, „in der jede Pore des Lebens zur Ware gemacht wird“ (Stephan Lessenich) und „gerade das streng persönliche Handeln dem jetzigen Begriff der Moralität (als einer allgemeinen Nützlichkeit) entspricht“ (Friedrich Nietzsche), etwas Gott weiß wie Unerhörtes, ja Systemfremdes. 

„Ein einzelner Mensch zählt mehr als die Schöpfung.“ Aus dem Avot de-Rabbi Nathan, 1550

Falls nicht wiederum umgekehrt ein Schuh draus wir: daß sie sich dicktun, weil sie es alles in allem eben gar nicht häßlich finden.

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Ad acta

Unsere Eliten stehen ja neuerdings unter Beschuß; aber nicht wegen Lüge, DAX und Ausbeuterei, sondern ihrer kulturellen Hegemonie wegen. Der verläßliche, im Zweifel überaus linke J. Augstein: „Es gab einen Vertrag, der stand nirgendwo geschrieben. Sein Inhalt war einfach: Die sogenannten kleinen Leute duldeten die gesellschaftliche Liberalisierung, mit der sie in Wahrheit wenig anfangen konnten. Im Gegenzug machten die liberalen Eliten ihren Einfluß dafür geltend, daß Ungerechtigkeit und Chancenungleichheit nicht überhand nahmen. Die Eliten haben diesen Vertrag gekündigt. Warum haben sie nicht gesagt: Wir wollen keine Ehe für alle, solange es keine gerechten Löhne gibt. Wir wollen keine Gleichberechtigung der Frauen, solange Arbeiter befristet beschäftigt werden dürfen.“

„Ja, warum nur?“ frug da der liebe Kollege Mark-Stefan Tietze auf Facebook retour. „Vielleicht, weil die liberalen Eliten auch sonst gar nicht so viel Interesse an gerechten Löhnen und unbefristeten Beschäftigungsverhältnissen für Arbeiter zeigen? Und man auf Ehe für alle und Gleichberechtigung der Frau sonst bis zur Weltrevolution warten müßte?“ Im übrigen bestünden Augsteins sogenannte kleine Leute ja hier und da wohl ebenfalls aus Schwulen, Lesben oder Frauen; und also muß ich hier nicht ausholen, sondern kann diesen Quatsch und Stuß als von fremder Feder erledigt zu den Akten tun. Auch mal schön.

„Sprechen Sie leise, mein Mann ist zuhause.“ Ibsen, 1879

In einem anderen Fall schimpft nun Elite auf Elite. Nachdem der Vorsitzende des Daimler-Konzerns sich beim offiziellen China servilst dafür entschuldigt hatte, mit einem Satz des Dalai Lama geworben zu haben, verlor der (gute) Korrespondent des Morgenblatts die Fassung: „Das war ein jämmerliches Schauspiel … Der Kotau vor Peking ist eine Ohrfeige für jenen Rest der Welt, der erstens die Meinungsfreiheit und zweitens vielleicht auch den Dalai Lama ganz in Ordnung findet. Aber es geht ja gar nicht um Respekt. Es geht um die Angst und ums Geschäft.“ Ein „unwürdiges Schauspiel“ sah auch die FAZ, die eigentlich nichts dagegen hat, wenn es ums Geschäft und um die Angst geht (sog. Kapitalismus) und die es aber, sowenig wie der Münchner Kollege, nicht gewohnt ist, wenn es irgendwo einen Primat der Politik gibt.

„Der Vorfall ist lehrreich“ (SZ), aber nicht nur wegen „Chinas Streben nach Weltherrschaft“ (FAZ), sondern wegen des Blicks auf Roß und Reiter. Westliche Werte, jammerte München, habe Daimler „verraten“, als sei die Mönchsherrschaft, für die der sog. Dalai Lama steht, ein Vorbild, und gab wie von ungefähr einen Hinweis darauf, wie sich die westlichen Werte verstehen: als solche nämlich, die darauf gründen, daß die Politik vor der Wirtschaft zu kuschen hat und nicht etwa umgekehrt. Wie unerhört und skandalös, daß der Chef eines Weltunternehmens vor der Politik kriecht! Aber „Rückgrat zu verkaufen“ (SZ), nebbich: Wer auf Teufel komm raus verkaufen muß, der darf keins haben, und wer einer Gesellschaft vorsteht, die dem Verkauf zu Füßen liegt, der muß keins haben. Grad wenn sie weithin selbst keins hat: „Kunst an der Kanne: Kaffee darf man nicht einfach mehr so trinken. Schon die Zubereitung soll zelebriert werden. Stil, S. 53“ (ebd).

Und zum Teufel mit dem offiziellen China, aber zu solch einer Umkehrung der Verhältnisse wäre freilich zu finden, wollen wir von den Zetsches sowenig regiert werden wie von den Xis. Und also muß ich hier nicht ausholen, sondern kann diesen Quatsch und Stuß als von fremder Feder erledigt zu den Akten tun. Auch mal schön.

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Hoch und höher

Daß es heute schon wieder um Hochbegabung geht, liegt daran, daß es ständig um Hochbegabung geht: Am selben Tag, da Bundeshalbbildungsministerin Wanka in Berlin ein „Pilotprojekt“ gestartet hat, das in der Schule wo nicht Crack, so doch Cracks fördern will: „In vielen Klassenzimmern aller Schulformen sitzen unerkannte Talente. Diese Schülerinnen und Schüler wollen wir frühzeitig entdecken und fördern“, und der Deutsche Philologenverband es präzisierend „begrüßte, daß Begabtenförderung zur Regelaufgabe in allen Schulformen, besonders im Gymnasium werden solle“ (Morgenblatt, Hervorhebung SG), tapezierte das Zentralorgan des zukunftsorientierten Bürgermilieus seine „Panorama“-Seite mit dem Besuch bei einer siebenköpfigen deutschen Bürgerfamilie, die komplett hochbegabt ist:

„Martin und Gudula Volbers … sitzen in ihrer Wohnküche in Havixbeck bei Münster und berichten mit leisem Stolz von ihren fünf Kindern, die alle auffällig intelligent sind. Max ist der Älteste … Der Bub sprach sehr früh in ganzen Sätzen und interessierte sich für Buchstaben. Er wirkte gewandter als andere in seinem Alter …  Das Thema Hochbegabung kam ins Spiel … Das Unerklärliche kommt oft nicht gut an. Und wenn ein Fünfjähriger im Kindergarten Bücher vorliest, wie Max Volbers das einst tat, dann ist das für viele unerklärlich … Max langweilte sich in der ersten Klasse. ,Er fing an zu provozieren, was doof ist, wenn man der Kleinste ist’, erzählt Vater Martin Volbers. Erst als er nach den Herbstferien in die zweite Klasse wechseln durfte, entspannte er sich. Und als ihm die Schule wieder zu leicht wurde, entdeckte er das Instrument, das seine rettende Herausforderung wurde: die Blockflöte. ,Gott sei Dank’, sagt Martin Volbers.“ Auch der Zweitgeborene war schlecht in der Schule, Lese-Rechtschreibschwäche, bis der Intelligenztest wußte, der Junge „denkt schneller, als er schreiben kann“; heute macht er eine Mechatroniker-Lehre. „Jonathan, heute 19, war 16, als er einem Professor die Entstehung des Universums erklärte. Wie Max studiert er am Mozarteum in Salzburg Blockflöte. Theresa, elf, und Catharina, neun, haben für ihre Berufsentscheidungen noch etwas Zeit. Und Papa Volbers, 54, Software-Architekt, weiß seit neun Jahren, daß er selbst hochbegabt ist.“

Früher, als ich Kind war, waren Einstein und Bernd Schuster hochbegabt, und bei Einstein wußte jeder, daß der nicht mal gut in der Schule gewesen sei. Bei Einschulung konnte von 25 Kindern meistens eins schon lesen, das war Statistik, und es soll vorgekommen sein, daß diese Kinder trotzdem brav im Leseunterricht saßen und sich freuten, daß sie was konnten, was andere nicht konnten; das machte es einfacher, die Dinge nicht zu können, die andere konnten. Wer provozierte und mit Stühlen schmiß, galt noch nicht als hochbegabt, sondern als psychisch auffällig, und wer einem Erwachsenen das Universum erklärte, der hatte die „Was ist was“-Bände 6 („Die Sterne“) und 16 („Planeten und Raumfahrt“) so oft gelesen, wie das in dem Alter vorkommt. Später, im Studium, kannte ich eine, die hatte drei Klassen übersprungen, studierte Zahnmedizin und hatte sie nicht mehr alle, und bei TITANIC waren dann sowieso alle hochbegabt, wenn auch vielleicht nach anderen Maßstäben.

„Als erste Zeitschrift überhaupt stellen wir an dieser Stelle unseren Lesern die faszinierende ,Sidis-Methode' vor, die aus duchschnittlich intelligenten Kindern Hochbegabte macht.“ This Week Magazine, 1952, zit. n. Zehrer, „Das Genie“, 2017

Heute, verstehe ich recht, sind Familien durch die Bank hochbegabt, jedenfalls wenn sie in Havixbeck bei Münster wohnen und nicht im Hasenbergl von München. „Nur zwei Prozent der Bevölkerung besitzen diese Eigenschaft“, schränkt die Zeitung ein, „leider weniger, als die meisten Eltern denken“, wie sie einen Jugendpsychiater zitiert. Man darf annehmen, daß sich dieser Wert über die Jahrtausende stabil gehalten hat, aber heute tut sich „die Gesellschaft“ angeblich „schwer mit Hochbegabten“ (SZ), die deshalb in Asylen oder Wohnmaschinen am Stadtrand hausen wie alle, mit denen sich die Gesellschaft schwertut. Was statistische Normalität ist (und freilich mit der Grenze, jenseits deren eins hochbegabt ist, schwankt; früher waren das mal 140, heute sind’s schon 130 IQ-Punkte), wird als irrer, fast schon bemitleidenswerter Spezialfall herausgemeißelt, und daß die Supertalente in allen Schulformen sitzen, ist nicht mehr als ein Disclaimer.

Denn Bildung ist immer die distinktorische Hauptwaffe des deutschen Bürgertums gewesen, das Norbert Elias als „politisch völlig ohnmächtig, aber radikal im Geistigen“ beschrieben hat; wer nur Latein und nicht Griechisch konnte, war, wie sich bei Hans-Ulrich Wehler nachlesen läßt, schon ein Prolet. An der Ohnmacht hat sich, wenn auch unter anderen Vorzeichen, nichts Wesentliches geändert, und was Bildung heute sei, darüber gehen die Meinungen auseinander. Wissen gibt’s im Internet. Bleibt: das Talent, die Hochbegabung, die, wichtig, bloß vererbt werden kann und inskünftig in Spezialschulen isoliert wird, die so klassendiskret werden, wie es die Gymnasien kaum mehr sind. Aber auch wenn einer von uns Mechaniker wird, dann, weil er schlicht zu intelligent fürs Abitur ist. Muß man erst mal drauf kommen; und kann man freilich, wenn man nur hochbegabt ist.

Und die Welt, in dialektischer Weisheit, stündlich dümmer wird.

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Die Blumen des Bösen

Eigentlich war diese Kolumne längst fertig, in der Wochenmitte in fünfzehn Minuten heruntergeklopft und des Inhalts, die Alice Salomon Hochschule Berlin, die Gomringers Avenidas-Gedicht nun wg. Sexismus von ihrem Gebäude pinseln lassen wird, sei schon darum verrückt, weil „sie nun wirklich alle Klischeevorstellungen, die man von Hier-werde-ich-aber-diskriminiert-Dödeln und -Dödelinnen haben kann, so sturheil bestätigt, daß man es nur einen Bärinnendienst nennen kann“, und weil sie mich zwinge, mich momentweise an die Seite Springers und aller zu verfügen, die vor der Korrektheitsdiktatur der allzeit Beleidigten warnen. Unter meine Zeilen setzte ich noch ein eng an Gomringer angelehntes Spottgedicht, und gut war es.

Nun ist es selten verkehrt, noch einmal drüber zu schlafen, und am nächsten Tag stolperte ich über Margarete Stokowski, die ich zwar mal eine „metropolitane Plappertrine“ genannt habe, die aber einen unbornierten Feminismus vertritt und in der Sache auf die Münchner Literaturprofessorin Vinken verwies: Die hatte im Deutschlandfunk von einem „sehr bewundernswürdigen Gedicht“ gesprochen, das aber nun mal sein Publikum habe bzw. halt nicht: „Das scheint mir Symptom für eine Welt zu sein, … in der die Frauen eben nicht mehr bewundert oder verehrt, sondern eher ausgenutzt, angemacht, ge- und verbraucht werden. Das hat mit dem Gedicht eigentlich weniger zu tun. Es ist trostlos, daß wir offensichtlich in einer Welt leben, in der solche Interpretationen … zum Zuge kommen. Das ist bedenklich, finde ich.“ Und fand ich ja neulich ebenfalls.

„avenidas / avenidas y flores // flores / flores y mujeres // avenidas / avenidas y mujeres // avenidas y flores y mujeres y / un admirador y // estúpidos“ Gomringer feat. Gärtner, 2018

Das soll andererseits nicht hindern, die Argumente wider das (öffentliche) Poem für mäßig instruktiv zu halten. Das eine lautet: Das Gedicht formuliere einen männlichen Blick auf Frauen und mache sie zu Objekten. Das zweite fand ich auf der Seite der Feministin Luise F. Pusch, die sich am reihenden „und“ rieb: „Gomringers Gedicht aus dem Jahre 1952 stammt aus einer Zeit, da wir in den Illustrierten noch Sätze wie den folgenden lesen konnten: ,Er (irgendein Playboy, Filmstar oder Prinz) liebt rassige Pferde, schnelle Autos und schöne Frauen’. Nach Jahrzehnten genervter Kritik von Feministinnen sind solche Sätze, die uns auf derselben Ebene wie Pferde und Autos ansiedeln, seltener geworden. Es sei denn, sie werden auf Hausfassaden auch noch verewigt.“

Dazu würde mir ja nun einfallen, daß schlechthin jeder Blick etwas zum Objekt macht (des Blickes nämlich) und ein Liebesgedicht oder ein einschlägiger Popsong ohne ein (und sei’s verhohlenes) Objekt der Sehnsucht gar nicht auskommen. (Sarah Kirsch: „Immer wollen dich meine Augen“.) Zweitens lassen sich die Reihen Pferde – Autos – Frauen und Straßen – Blumen – Frauen nicht gleichsetzen, wie ein Illustriertenartikel (Achtung, Textsorte!) nun einmal kein Gedicht ist, welches dazu neigt, eine Sinnebene mehr zu haben: Wenn es eine Chiffre für (männliche?) Sehnsucht gibt, dann ist es die Straße, und wenn es an dieser Straße Blumen (Schönheit) hat, sind wir eher bei Eichendorff als bei Weinstein. Dann Auftritt der Frauen, die sowenig „Blumen“ sein müssen wie, um in Puschs Analogie zu bleiben, Autos: Es gibt auf und an der Straße Blumen und Frauen, wie es Autos und Frauen gibt. – Freilich ist es nicht verboten, vielleicht sogar erwünscht, die Reihung als Griff ins Arsenal zu lesen, in dem Frauen schön sind wie Blumen, und „Blumen sind zu nichts nütze, aber schön sind sie – Zierpflanzen eben, keine Nutzpflanzen!“ (Pusch) – aber wenn Frauen in Gedichten nur als Nutzpflanzen vorkommen dürfen, sind sie dann nicht erst recht Objekte, mindestens für den Mähdrescher? 

„avenidas y flores y mujeres y / un admirador“ – wär’s eine Interpretationsübung, ich würde vorschlagen: Sehnsucht und Schönheit und Frauen und / einer, dem das Herz von all dem übergeht. So ein Minnesänger war ich mit 27 freilich auch. – Zum guten (oder nicht so guten) Schluß hat Kollegin Stokowski noch etwas sehr Kluges gesagt: „Ganz, ganz vielleicht könnte das mal eine Debatte sein, in der am Ende rauskommt, daß Leute Dinge unterschiedlich wahrnehmen, ohne daß jemand ,politische Korrektheit’ ruft, denn sobald dieser Begriff fällt, kann man meistens direkt schlafen gehen, ist gesünder.“

Danke sehr. Ich werd’ noch zum admirador.

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: NS, 1a

Der Deutsche Oskar Gröning, der „Buchhalter von Auschwitz“, wegen Beihilfe zum Mord in 300 000 Fällen zu vier Jahren Haft verurteilt, hat, weil er steinalt ist, um Gnade ersucht. Das war der Morgenzeitung Anlaß für ein Pro und Contra.

Kollege Prantl, Überraschung, war dafür: „Es leben nur noch ganz wenige von denen, die vor langer Zeit verbrecherischen Dienst getan haben im Schlachthaus der Weltgeschichte … Er ist wohl der allerletzte überlebende Täter der NS-Vernichtungspolitik … Es wäre dies nur Recht, angesichts der Ungeheuerlichkeit der NS-Verbrechen … Heinrich Wefing von der ,Zeit’ hat in bezug auf den Gröning-Prozess geschrieben: ,Am Ende aber, wenn es um die Zumessung der Strafe geht, steht immer ein Individuum vor den Richtern, ein Mensch, welch ungeheuerliche Taten er auch begangen haben mag. In Lüneburg stand der Mann Oskar Gröning vor Gericht. Nicht die NS-Gewaltherrschaft an sich.’ Das gilt auch jetzt in bezug auf das Gnadengesuch Grönings. Es ist verständlich, wenn viele Opfer oder deren Nachkommen die NS-Täter in Haft sehen wollen – wenn und weil es nicht mehr anders geht, auch als Hundertjährige …  Die Zeugin Eva Mozes Kor, Überlebende von Auschwitz, hat im Strafprozeß dem Angeklagten Gröning die Hand gereicht. Der Staat kann das nicht. Er kann nur gnädig sein“.

Kollege Kreye war dagegen: „Deutschland ist das einzige Land, in dem Verbrechen der NS-Jahre noch vor Gericht gebracht und bestraft werden können … Die Täter der NS-Verbrechen haben ihren Opfern gegenüber niemals Gnade gezeigt … Ginge Oskar Gröning nun ins Gefängnis, wäre dies ein Signal an alle anderen NS-Verbrecher, daß sie ihrer Schuld nicht entkommen … Rechnet man durch, wann die jüngsten Täter geboren wurden und welche hohen Lebenserwartungen Menschen heute in Europa haben, dann steht die Welt in der Pflicht, das größte Verbrechen der Menschheit noch bis in die 2030er Jahre zu verfolgen. Nur dann kann die Menschheit zeigen, daß sie auch die Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Kambodscha, Burundi, Ruanda, Bosnien, Syrien, im Irak und all den anderen Ländern sühnen will.“

„Von euch werden die meisten wissen, was es heißt, wenn hundert Leichen beisammenliegen, wenn fünfhundert daliegen oder wenn tausend daliegen. Dies durchgehalten zu haben und dabei – abgesehen von Ausnahmen menschlicher Schwächen – anständig geblieben zu sein, das hat uns hart gemacht und ist ein niemals geschriebenes und niemals zu schreibendes Ruhmesblatt unserer Geschichte.“ Himmler, 1943

Mein Vorschlag zur Güte: Sperrt ihn ein, den deutschen Verbrecher aus dem deutschen Schlachthaus, den Täter der deutschen Gewaltherrschaft und gnadenlosen deutschen Vernichtungspolitik, auf daß alle anderen deutschen und von Deutschen angestifteten Verbrecher dies als Signal empfangen, daß sie ihrer Schuld am größten Verbrechen gegen die Menschheit, einem Verbrechen, erdacht und ins Werk gesetzt vom Reich der Deutschen und diesen Deutschen selbst, nicht entkommen. Steht allerdings die Welt in der Pflicht, das größte Verbrechen ihrer Menschheit gegen die Menschlichkeit zu sühnen, damit die vielen anderen Verbrechen im Schlachthaus der Weltgeschichte nicht in Vergessen geraten, von Kambodscha bis Burundi, von Ruanda bis Syrien, dann soll er sein ein freier deutscher Mensch, der sich zu schade sei, stellvertretend überstaatlich als NS-Verbrecher in den Kahn zu gehen.

Laßt ihn von mir aus laufen. Aber Euch nicht.

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Zu Tal

Nun war es fast passiert: daß schlicht nichts los war. Ein neuer Ausfall des mächtigsten und evendöll lustigsten Mannes der Welt („Why are we having all these people from shithole countries come here?” – Kommentar CNN.com: „his new rock bottom“), ein vom FAZ-Blogger und Herrenreiter Don Alphonso lustvoll dokumentierter Zickenkrieg im Me-Too-Milieu (Leserkommentar: „Da werden Weiber zu Hyänen!“), die Erfolge der SPD bei den Koalitionsverhandlungen (das Auspeitschen von Arbeitslosen wird mit einer Übergangsfrist verboten); so daß ich fast die Kolumne hätte schreiben können, die davon handelt, daß peak idiocy vielleicht nunmehr erreicht sei und Frieden einkehre, wenigstens unter Umständen und krankhaften Optimismus unterstellt.

Aber dann diese zwei harmlosen Sätze aus der Online-FAZ, und wieder ist alles perdu: „Rodeln macht Spaß, es fördert Körpergefühl und Kondition. Falls Schnee liegt. Das pure Erlebnis liefert nach unserem Geschmack das Hightech-Material Holz.“

Wieviel Tor- und Gemeinheit in diesen Sätzen, und wer geglaubt hatte, etwas Unschuldigeres als Rodeln (in der Nicht-Rennversion) könne es kaum geben, der sieht sich wiederum getäuscht. Wann hat das angefangen, daß nichts mehr unternommen werden kann ohne Zweck, und wie gräßlich die Vorstellung, daß, wo früher Kinder harmlos talwärts schossen, sich jetzt die Entscheider einen Schlitten aus dem Hightech-Material Holz besorgen, um per pures Erlebnis Körpergefühl und Kondition zu trainieren? Falls doch noch jener Schnee ins Mittelgebirge rieselt, dessen regelmäßiges Ausbleiben die Herrschaften genau jener instrumentellen Vernunft zu verdanken haben, mit der sie sich so widerstandslos, ja begeistert „identifizieren“ (Horkheimer): „Der Prozeß der Anpassung ist jetzt vorsätzlich und deshalb total geworden. … Anpassung wird daher zum Maßstab für jeden denkbaren Typ subjektiven Verhaltens. … Für den Durchschnittsmenschen ist Selbsterhaltung von der Raschheit seiner Reflexe abhängig geworden“, weshalb er sie, der „Tempo-Gleichschaltung“ (Günther Anders) zu genügen, in einem fort trainieren will und, unterm Bann allwaltender Sportifizierung, mit Autos, die noch als nominelle Kleinwagen vor Muskeln kaum fahren können, in die Berge prescht, die längst nicht mehr als Natur verlangt werden, sondern als Zirkuspark und Abenteuerspielplatz für den sich im Anders’schen Sinne zum superioren „Gerät“ hinaufsehnenden Restmenschen: Ist Holz nicht Hightech, ist es gar nichts.

„Beat today.“ Reklameslogan für Körperfunktions-Überwachungsgerätschaften, 2017f.

Die Verrenkungen des „heutigen Leistungssubjekts, … das sich selbst Gewalt antut, das mit sich selbst Krieg führt“ (Byung-Chul Han) ist die Rückkehr der Horkheimerschen „totalen Ausbeutung“ in die Menschen, die sie veranstalten, und daß die optimalsüchtigen Fans der „zweiten Natur“ (Lukács) sich beidem, Ausbeutung und Selbstausbeutung, so freudvoll zur Verfügung stellen, ist sowohl Folge als auch Motor der reflexionsfeindlichen, weil negationsaversen „allgemeinen Positivierung der Welt“, in der sich „sowohl der Mensch als auch die Gesellschaft in eine autistische Leistungsmaschine“ (Han) verwandelt haben: „Gerade die überspannte Anstrengung, die Leistung zu maximieren, schafft die Negativität ab, weil diese den Beschleunigungsprozeß verlangsamt.“

Und wenn was nicht sein darf, dann ja wohl das, und daß wir um die Folgen positiv unbekümmert sind, liegt in der Logik der Sache: „Jetzt braucht es nur noch ein wenig Schnee. Und falls uns der Klimawandel den Spaß verdirbt, schlittern wir halt künftig von Sanddünen hinunter“ (FAZ).

Sie haben fast alles kaputtgekriegt; und sich halt auch. Es ist nur konsequent.

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Los geht’s

Die neue österreichische Regierung, lese ich, „dreht die Zeit zurück“ („Tagesspiegel“) und verläßt den Weg zum Bevormundestaat: „In der Präambel ihres Programms steht der Satz: ,Wir müssen der staatlichen Bevormundung ein Ende setzen.’ Und vier Sätze später gleich noch einmal: ,Statt Bevormundung von oben herab geht es darum, den Dienst an den Österreicherinnen und Österreichern zu leben.’ Es geht um das Ende der tatsächlichen, empfundenen oder bloß behaupteten Gängelung der Bürger eines Landes durch dessen Obrigkeit, durch den Staat mit seinen Gesetzen, durch Leute in den Großstädten und deren Moralismus, durch ,Gutmenschen’ und die Sprachschöpfungen von Feministen und Gender-Experten. Vor allem die Wähler der FPÖ beklagen das. Und der Regierung geht es darum zu zeigen, daß tatsächlich eine neue Zeit angebrochen ist in Österreich. Kurz vor Weihnachten sprach der neue Verkehrsminister in Interviews davon, über eine Lockerung des Autobahn-Tempolimits von 130 Kilometern pro Stunde nachzudenken.“ Das absolute Rauchverbot in der Gastronomie ist bereits kassiert.

Aber nicht nur die WählerInnen (kleiner Scherz!) der FPÖ beklagen das; auch der österreichische Kulturprofessor und Bestsellerautor Robert Pfaller schimpft auf die allwaltende Askese und beklagt den Verlust von „Lust- und Genußpraktiken, die, wie das Tragen von Pelzen, das Autofahren, das Austauschen von Komplimenten, die körperliche Liebe, das Rauchen, das Verschwenden von Zeit oder das Essen von Fleisch, heute für viele Zeitgenossen, sei es aus hygienischen, moralischen, politischen oder ökologischen Gründen etc., nur noch abstoßend sind“; und weil, wichtiger, „pedantische Oberaufseher“, „Oberlehrer“ und „Mimosen“, mithin die Moralisten und Sprachreglerinnen aus den „liberalen, wohlhabenden Innenbezirken“ der Großstädte das so verlangten.

„Die Transparenzgesellschaft ist eine lustfeindliche Gesellschaft.“ Byung-Chul Han, 2012

Und zwar, und das ist die Pointe von Pfallers frischem Buch „Erwachsenensprache“, als neoliberale Agenten. Gleichheit sei nämlich ganz und nicht dasselbe wie Diversität, sondern ihr reines Gegenteil: Die unterm neoliberalen Diktat schwindende materielle Gleichheit werde durch eine bloß symbolische ersetzt, in welcher zwar immer mehr Menschen immer weniger haben, dafür aber über einen Reichtum an Empfindlichkeiten und Identitäten verfügen, deren umfängliche Anerkennung lediglich die perfide Kehrseite des Umstands ist, daß die neoliberale Gegenwart vieles anerkennt, den Menschen als Humanum aber ganz gewiß nicht. Korrektheit sei deshalb neoliberale „Propaganda“ und überdies ein Distinktions- und Konkurrenzmittel der linksliberalen Mittelschicht, um „falsche“ Lebensweisen und „das rebellische, vulgäre und ungehörige Sprechen sämtlicher anderer zu diskreditieren“. Tatsächliche, konkrete Gleichheit und „politische Selbstbestimmung“, so Pfallers Schluß, könnten nur da gedeihen, wo es mit der Korrektheit ein Ende habe und wieder das Argument zähle, nicht die Person.

Das ist bedenkenswert, einerseits; Verwandtes habe ich selbst schon geschrieben (und später relativiert). Andererseits sind das die Sorgen der FPÖ-Kundschaft und ließe sich umgekehrt argumentieren, daß Rasen und Fressen („Die Spezialität des Hauses kommt in einer Art Blechtrog: ein Meter Österreich mit Schweineschnitzel, Rindsgulasch, Blunzengröstl, Eiernockerln und Würstchen“, „Tagesspiegel“) ja auch bloß konsumistische Sedativa sind und „Genuß“ unterm Kapitalismus nicht das ist, was vielleicht Adorno darunter verstand. (Ein akademisch-moralischer Großstadteinwand wiederum, gewiß; aber warum sind die Menschen jetzt plötzlich freie Genußwesen, wo sie doch sonst Charaktermasken sind?) Die Leute, schreibt Pfaller, würden systematisch zu Jammerlappen gemacht, die wegen jedem Pups zur Diskriminierungsstelle liefen; aber müssen nicht allenthalben die Kinder schon „stark“ werden (wegen Drogen, Markt usw.), und ist der resiliente Sport- und Outdoortypus nicht mindestens genauso zeittypisch wie Pfallers Gendermimose? Und ist das Mittelschichtspublikum, das sich nicht von akademischen Verbotsbeauftragten gängeln lassen will, beim Jammern (nämlich übers „Verbot“, Auto zu fahren und Fleisch zu essen, was ja nun ein Witz ist) nicht vorne mit dabei? Und zutiefst dankbar, daß wer die Schuld an Ausbeutung und Armut ausdrücklich nicht in den klassenspezifischen Konsum- und Ellbogengewohnheiten (als nämlich durchaus moralfernen) erkennt, sondern bei den Eierköpf*innen und dem Ami ablädt, der den PC-Quark aus den üblichen sinistren Motiven angerührt hat?

„Wovon man nicht sprechen kann, darüber muß man schweigen.“ Wittgenstein, 1918

Sündengeiß Diversität also. Was aber ist mit der Bewußtseinsindustrie, der täglichen Konsum- und Systempropaganda und jenem „Klassenkampf der Mitte“, geführt von der „großen Koalition der Wohlstandsbewahrer“ (Stephan Lessenich), denen Gleichheit (oder gar Sozialismus) zirka tausendmal weniger wichtig ist als die Möglichkeit, die optimale Schule fürs Kind zu finden und ohne Gewissensnot den Osterferienflug buchen zu können? Hat man sich in der guten alten präneoliberalen und vorkorrekten Zeit wirklich pauschal „erwachsener“ verständigt, wenn man Schauspielerinnen wie Helen Mirren in Talkshows männlicherseits auf ihr Dekolleté ansprach (SZ, 5.1.) oder Spaghettifresser wie Tonio Schiavo in Herne vom Dach schmiß? Gibt's nicht auch queere Facharbeiter auf dem Land, und kriegt etwa die Antifa Systemablehnung und *-Kultur nicht auch zusammen? Und wenn nur das Argument zählt, warum hält es Pfaller dann mit dem 9/11-Verschwörungstheoretiker Daniele Ganser?

Das sind so Fragen. Aber sie zu stellen ist ja Teil des produktiven, systemüberwindenden Dissenses, der wieder möglich werden soll. Ich bin dabei.

Aktuelle Cartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 For fuck’s sake, George Clooney!

In einer englischen TV-Show erzählten Sie uns, dass Sie einmal vor Ihrer Haushälterin die »braune Windel« eines Ihrer Kinder aus dem Müll genommen hätten, um diese dann genüsslich auszulecken. »Sie lief schreiend weg!« feixten Sie. Und wenn Sie, Clooney, jetzt denken, dass an dieser Geschichte auch nur irgendetwas besser wird, weil Sie, wie Sie nachschoben, die Windel vorher mit Nutella präpariert hatten – dann irren Sie krankes Schwein sich aber gewaltig.

Begeben Sie sich in Behandlung! Titanic

 Gute Idee, Spektrum.de!

Die zukünftige Kolonialisierung des Weltalls und die dazu nötige Raketentechnologie kommt zwar auch dank privater Unternehmen ganz gut voran, doch nach oben ist natürlich – buchstäblich – keine Grenze gesetzt. Und so verkündetest Du, dass die Raumsonde New Horizons auf dem Kuipergürtelobjekt Ultima Thule Alkohol gefunden hat.

Damit wäre der erste Schritt für ein schnelleres Vorantreiben der Besiedlung getan. Jetzt müssen wir dieses Ergebnis nur noch der Schnapsnase Jean-Claude Juncker stecken, und in weniger als zehn Jahren ist jeder noch so kleine Asteroid durch die ESA auf Fusel abgeklopft und besiedelt.

Verneigt sich vor Deiner intergalaktischen Genialität: Titanic

 Hola, mexikanischer Drogenboss Joaquín »El Chapo« Guzmán!

Hola, mexikanischer Drogenboss Joaquín »El Chapo« Guzmán!

Weil Ihnen u.a. aufgrund jahrzehntelangen Kokainschmuggels in die USA dort eine lebenslange Haft droht, versuchen Sie nun, auf dem ebenso hart umkämpften Modemarkt Fuß zu fassen. Via Instagram kündigte Ihre Ehefrau Emma Coronel Aispuro Ihr gemeinsames Fashion-Label »JGL« an: »Ich habe ein Projekt für eine Modelinie. Ich will meinen und Joaquíns Stil voranbringen.«

Dass auch Ihre Haute Couture süchtig machen und zahlreiche Abnehmer finden wird, steht indes nicht zu bezweifeln – bei Ihrem feinen Näschen für guten Stoff!

War dagegen noch nie en vogue: Titanic

 Winfried Kretschmann!

Auch Sie haben die Schüler der Bewegung »Fridays for Future« dafür kritisiert, dass sie freitags nicht in die Schule, sondern für eine bessere Klimapolitik auf die Straße gehen. Die Proteste müssten früher oder später ein Ende finden und könnten »nicht ewig so weitergehen«, befanden Sie. Und: Auch Klimaschützer müssten sich an Regeln halten, es gelte die Schulpflicht.

Stimmt genau, Kretschmann, das haben Sie gut erkannt! Die Schüler müssen unbedingt wieder öfter in die Schule! Dann lernen sie noch viel schneller, dass einer wie Sie vollkommen unwählbar ist.

Strike! Titanic

 »Auto Motor und Sport«!

In Deiner Ausgabe vom 28. März hast Du den Audi R8 getestet und mit fünf von fünf Sternen bewertet. Da steht dann zum Beispiel unter »Umwelt« als Pluspunkt »geringe Umweltbelastung dank geringer Stückzahl« sowie, allen Ernstes, »nachhaltig, da voraussichtlich lange Nutzung«. Nun lässt sich derlei natürlich auch über Kreuzfahrtschiffe sagen, die es ja auch nicht in sooo hoher Zahl gibt und die immerhin ein paar Jahrzehnte halten.

Aber Minuspunkte hast Du in dieser Rubrik ebenfalls ausfindig gemacht, wenigstens einen: »Okay, sagen wir, wie es ist: sehr hoher Verbrauch«. Der aber letztlich wurscht ist, denn über dem Testkasten resümierst Du mit brutaler Ehrlichkeit: »Fünf Sterne? Aber der CO2-Ausstoß und der … egal. Einfach egal! Fünf Sterne verdient sich alleine schon der V10, weil er einer der letzten Sauger ist. Am besten heute fahren, morgen ist es zu spät.«

Haha, lustig. Und weißt Du was, »Auto Motor und Sport«, übermorgen ist es sogar noch später, weil wir alle zu tot sind, um Zehnzylinder-Monstren zu fahren.

Du saugst! Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Ehrliche Speisekarte

Ich fand es bemerkenswert, wie auf dem Menüplan zumindest im Diminutiv auf das Tierleid in der Fleischproduktion hingewiesen wurde: »Heute: Schwein-Elendchen«. Es war dann aber leider doch nur ein Tippfehler.

Jürgen Miedl

 Zwiebelschlaf, der:

tritt auf nach langen Kochsitzungen mit Zerschneidung von Zwiebelgewächsen. Aufgrund der Überanstrengung und Überessung erfolgt beschleunigtes abendliches Müdewerden. Da in den Augen aber immer noch (!) ätherische Zwiebelöle herumschwimmen, folgt direkt auf jedes noch so beiläufig-friedliche Zufallen derselben ihr unmittelbares, schreckbegleitetes und schmerzvoll-brennendes Wiederaufreißen. Kann sich bis drei Uhr morgens hinziehen und nur überwunden werden, indem die betroffene Person sich einen in Mixed-Pickles-Sud getränkten Waschlappen über den Kopf zieht und die Worte »Gelegenheit macht Zwiebel, jetzt reicht es aber mal« geheimnisvoll vor sich hinmurmelt, aus dem Fenster springt und selig auf dem Komposthaufen verschimmelt.

Adrian Schulz

 Waschzwang

Ich wasche immer erst ab, wenn alle kleinen Löffel dreckig sind. Die gehen mir immer als erstes aus. Wenn ich also beim Morgenkaffee merke, dass ich keinen sauberen kleinen Löffel mehr habe, dann wird richtig krass abgewaschen. Zumindest ein kleiner Löffel.

Dorthe Landschulz

 Technikpionier

Dass meine Zeitmaschinen viel besser funktionieren als sämtliche Konkurrenzmodelle, ist nun wirklich keine Überraschung. Ich bau’ die Dinger ja schließlich schon seit 2069.

Andreas Maier

 Neuer Ethik-Kodex

Um mehr Fairness im Online-Handel zu erreichen, schlage ich vor, dass profitmaximierende Abmahnanwälte hin und wieder auch mal etwas bei ihren Opfern bestellen.

Jan Guthmann

Vermischtes

Hans Zippert: "Fernsehen ist wie Radio, nur ohne Würfel"
Die steile Karriere des Hans Zippert begann im Jahr 1967 mit einem  Schülerpraktikum beim Kulturmagazin "TV Spielfilm". Nach einem  Volontariat bei "TV Direkt" übernahm er das angesehene 20-Uhr-15-Ressort  bei "TV Okayokay", bevor er schließlich Programmchef der auflagestarken  "TV Superwoche" wurde. Nachdem er über einen Bestechungsskandal rund um  eine 3-Sterne-Empfehlung für "Rote Rosen" stolperte, sah sich Zippert  1990 gezwungen, Chefredakteur von TITANIC zu werden. Der Tiefpunkt war  erreicht. Das alles und noch mehr erfahren Sie in diesem Buch!Friedemann Weise: "Die Welt aus der Sicht von schräg hinten"
Laut seiner Homepage ist er der "King of Understatement" und der "lustigste Mensch im deutschsprachigen Internet". Er ist aber auch Gitarrenmann, Viralblogger (15000 Follower!), Gagautor und Promiexperte mit Diplom. Die Rede ist von Friedemann Weise, dem Mann mit dem Namen! Der Mann, der den "Satiropop" erfand. Und jetzt auch noch ein Buch vorlegt. Ob das gutgeht? Ordern Sie diese Prämie und teilen Sie Ihr vernichtendes Urteil bitte zeitnah der TITANIC-Redaktion mit.Torsten Gaitzsch/Sebastian Klug: "Akte D: Die Wahrheit über Deutschland"
Die Redaktion versichert: Torsten Gaitzsch und Sebastian Klug, die  Autoren dieses Buches, wissen Dinge – schreckliche Dinge! – von denen  Sie, die Leser, nicht einmal zu träumen wagen. Denn es wären Alpträume!  Wählen Sie diese Prämie und erhalten Sie Einblicke in die tiefsten  Abgründe Deutschlands, die Sie wahnsinnig lachend und mit Schaum vor dem  Mund zurücklassen werden. Bisher hat es kein Leser bis zur letzten  Seite geschafft…Serdar Somuncu: "H2 Universe: Die Machtergreifung", DVD
Er ist der selbsternannte Hassias – viel wichtiger aber noch: der designierte Kanzlerkandidat für Die PARTEI. Holen Sie sich jetzt die neue DVD von Merkel-Nachfolger Serdar Somuncu als Gratisprämie und stehen Sie damit schon vor der Machtergreifung auf der richtigen Seite. Ihre Kinder werden es Ihnen danken!
Zweijahres-Abo: 98,60 EURKamagurka & Herr Seele: "Cowboy Henk"
Er ist Belgier, Kamagurka. Belgier! Wissen Sie, was der Mann alles durchgemacht hat in letzter Zeit? Eben, er ist Belgier. Und hat trotzdem in einem Finger mehr Witz als Sie im ganzen Leib! Und Heldenmut! Glauben Sie nicht? Dann lassen Sie sich von Cowboy Henk überzeugen, dem einzigen Helden, der wirklich jeden Tag eine gute Tat begeht.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURHauck & Bauer: "Ich kann einfach nicht Wein sagen"
Die beste Zeit, einen Band des Zeichnerduos Hauck & Bauer zu kaufen – sie ist seit sicher zehn Jahren vorbei. Heute sind die Werke von Elias Hauck und Dominik Bauer kein Geheimtip mehr. Die zerstrittenen Künstler kommunizieren inzwischen ausschließlich per Fax, leben in luxussanierten Altbauwohnungen mit kugelsicheren Whirl- und Autorenpools, in denen hungernde Leiharbeiter Comics anfertigen müssen. Leider ist auch der neueste Band der beiden Ausbeuter sehr gut, bestellen Sie hier!Sonneborn/Gsella/Schmitt:  "Titanic BoyGroup Greatest Hits"
20 Jahre Krawall für Deutschland
Sie bringen zusammen gut 150 Jahre auf die Waage und seit zwanzig Jahren die Bühnen der Republik zum Beben: Thomas Gsella, Oliver Maria Schmitt und Martin Sonneborn sind die TITANIC BoyGroup. In diesem Jubiläumswälzer können Sie die Höhepunkte aus dem Schaffen der umtriebigen Ex-Chefredakteure noch einmal nachlesen. Die schonungslosesten Aktionsberichte, die mitgeschnittensten Terrortelefonate, die nachdenklichsten Gedichte und die intimsten Einblicke in den SMS-Speicher der drei Satire-Zombies – das und mehr auf 333 Seiten (z.T. in Großschrift)! 
Zweijahres-Abo: 98,60 EURLeo Fischer + Leonard Riegel: "Fröhliche Hundegeschichten"
Ein Buch, bei dem Sie "Wau" sagen: Leo Fischer und Leo Riegel haben ihre Talente gebündelt und gemeinsam 1001 moderne Hundemärchen in Wort und Bild erschaffen. Zum Lesen, Lachen, Anknabbern! Und außerdem ein echter Lebensretter. Jedenfalls dann, wenn Sie Nacht für Nacht von einer dreiköpfigen Bulldogge heimgesucht werden, die Sie vor die knifflige Wahl stellt, ihr entweder eine "Fröhliche Hundegeschichte" vorzulesen oder den Arsch abgebissen zu kriegen. Ihre Entscheidung!Michael Ziegelwagner: "Der aufblasbare Kaiser"
Seit dem putzigen Präsidentschafts-Hahnenkampf zwischen Alexander Van der Bellen und Norbert Hofer interessiert sich plötzlich auch Resteuropa für das Land, um das es in diesem Buch geht: Österreich. Dabei ist der Donaustaat schon seit 2014 eine literarische Reise wert, jenem Jahr, als "Der aufblasbare Kaiser" für die Longlist des Deutschen Buchpreises nominiert wurde. Lassen Sie sich auf diese Reise mitnehmen: von Michael Ziegelwagner, dem liebenswertesten Randbalkanesen der TITANIC. Pflichtprämie für Kaisertreue!Elias Hauck (Hrsg.): "Alles Spargel oder was?"
Endlich ist ganzjährig Spargelsaison! Elias Hauck, die eine Hälfte von Hauck & Bauer und Herausgeber des Frauenmagazins "Sonja", serviert die reifsten Spargelwitze der Welt – gezeichnet und erzählt von dutzenden gemüseliebenden Cartoonisten und Autoren. Lachen Sie unter anderem über: den mit den polnischen Erntehelfern, den mit dem kaputten Spargelschäler und den mit der Fliege in der Hollandaise.Wenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURKatharina Greve: "Eigentlich ist Wurst umgestülptes Tier: Cartoons & Comicstrips"
Katharina Greve ist nicht nur Architektin, Situationsdesignerin und stolze Besitzerin einer Vakuumiermaschine, sondern auch Prophetin: Via Kalenderblatt sagte sie im Jahr 2013 auf den Tag genau den Rücktritt von Papst Benedikt XVI. voraus. Wer wissen will, welche sonderbaren Ereignisse die Zukunft noch bereithält, braucht deshalb dieses Bilderbuch. Gegenstände mit Gefühl, Menschen ohne Gesicht, Tapetenmuster von göttlicher Anmut – all das findet sich in Greves fantastisch-wurstigem Cartoonband!Die PARTEI-Wahlwerbungs-DVD mit allen vier Wahlwerbespots aus dem Bundestagswahlkampf 2005: Höhepunkte der Politpropaganda, die von Otto Schily mit dem Prädikat "ein Skandal" ausgezeichnet wurden. Besser aufgelöst als auf Youtube und noch dazu mit einer praktischen, farbechten Hülle drumrum - das ist doch was, was?
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Das schreiben die anderen

Titanic unterwegs
26.05.2019 Berlin, Volksbühne Heiko Werning mit Paula Irmschler u.a.
28.05.2019 Hamburg, Grüner Jäger Ella Carina Werner
28.05.2019 Frankfurt, Museum für Komische Kunst »Hans Traxler. Zum Neunzigsten«
29.05.2019 Schwäbisch Gmünd, Esperanza Thomas Gsella