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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Nix passiert

Aus dem Sommerurlaub heimkehrend, stellt, eine Stunde vor Ankunft, zuverlässig Nervosität sich ein, weil es so schwer ist, sich vorzustellen, es solle während dreier Wochen der Abwesenheit sich nichts ereignet haben; und wenn sich aber nicht nichts ereignet haben kann, was soll sich dann in einer leeren Wohnung ereignet haben außer, sagen wir, einem Wasserrohrbruch? Aber alles steht und und liegt so da, wie vor drei Wochen verlassen, und ich bin tatsächlich erleichtert.

Dass immer alles bleibe wie gewohnt, ist die zentrale Sehnsucht von Konservativen, von konservativer Bildungsbeobachtung etwa, und das ist halt immer der Vorteil des Konservatismus: dass er sich auf das berufen kann, was man kennt, denn das Neue kennt man nicht, und was man nicht kennt, frisst man meist weniger gern als das, was man kennt. (Deswegen wäre der allwaltende Tourismus, beriefe er sich auf ein „Fernweh“ der Leute, auch sehr im Unrecht; denn die Leute fressen da, wo man sie unter erheblichem, sozusagen mörderischem Aufwand hingeflogen hat, auch bloß das, was sie kennen.) Was nun die Bildung anlangt, hat sich eine ideelle Allianz von Linken und Konservativen da gebildet, wo diese, etwa Konrad Paul Liessmann, gegen Kompetenz und Bologna anschreiben, so aussichtslos wie beim Publikum erfolgreich, und sich darauf berufen, dass das Ziel von Bildung doch sein müsse, den Geist zu befreien, und dass Bildung ohne Sachwissen, zumal vorderhand „unnötiges“, keine sei. Das ist links, wie man so sagt, anschlussfähig, auch wenn Liessmann das humanistische Gymnasium vorschwebt, gegen das gar nicht viel zu sagen wäre, wäre seine Funktion nicht in erster Linie eine sozialexklusive: Eine Schule für alle, und alle lernen Altgriechisch – das scheint mir mit Bildung mehr zu tun haben als eine Kompetenzorientierung, die, las man, in Hamburg dazu führt, dass ich die abiturielle Biologieklausur praktisch ohne Vorwissen bestehen könnte, weil ich über genug Textkompetenz verfüge, die Lösung dem Aufgabentext zu entnehmen.

„Was anders wäre, ist namenlos“ Adorno, 1942

Was Schülerinnen und Schüler von Schule, zumal der ihren, halten, ist zuletzt zweimal untersucht worden: Einmal von einem Gesamtschullehrer aus NRW, der nichtrepräsentativ herausfand, dass z.B. die deutlich gestiegene Wochenstundenzahl (von durchschnittlich 25 auf 34) für Verdruss sorge, dann, durchaus prominenter und mit ganz anderem Ergebnis, von Hans-Werner („Unsinn“) Sinns ehemaligem Ifo-Institut: „Jugendliche benoten Schulen deutlich besser als Erwachsene – das ist eines der überraschenden Ergebnisse aus dem neuen Bildungsbarometer des Ifo-Instituts. Neben 4000 Erwachsenen waren für die größte deutsche Bildungsumfrage in diesem Jahr erstmals auch 1000 Schüler befragt worden. Die 14- bis 17-Jährigen sind mit ihren Schulen offensichtlich zufriedener, als es sich angesichts der allgegenwärtigen Debatte um fehlende Lehrer, Gebäude und Computer erwarten ließ: Jeder zweite gibt seiner aktuellen Schule die Note 1 oder 2, jeder dritte hat immer noch ein ,befriedigend’ für sie übrig. … Bei Noten und Prüfungen sind Jung und Alt beieinander. 62 Prozent der Schüler sind gegen die Abschaffung von Noten, 76 Prozent für das Sitzenbleiben (Erwachsene: 74 und 83 Prozent). Hoch im Kurs stehen auch bundesweit einheitliche Vergleichstests, in der Grundschule und danach. Ebenso das Zentralabitur: 83 Prozent sind dafür (Erwachsene: 90). Das leistungsorientierte Schulsystem ist offenbar noch viel stärker gewollt, als die Bildungspolitik es wahrhaben will“ (SZ, 14.9.).

Des Menschen Wille ist ja sein Himmelreich, und Kinder, pflegt mein Bruder zu sagen, sind ohnehin CDU. Sehen wir uns die Zahlen an, sind es gemittelt zwei Drittel, die sich für Noten, Leistung, Wettbewerb, Sitzenbleiben entscheiden. Das muss nicht heißen, dass Noten, Leistung, Wettbewerb, Sitzenbleiben „richtig“ sind (für Hitler haben sich bekanntlich noch viel mehr Menschen entschieden); das heißt, dass sich die bewährte Zweidrittelgesellschaft ab ovo über ihr Leistungsregime reproduziert und dass die glücklichen zwei Drittel wollen, dass das so bleibt.

Und wenn ich nach Hause komme und es hat sich nichts verändert, bin ich erleichtert, denn was soll sich in einer leeren Wohnung ereignet haben außer, sagen wir, einem Wasserrohrbruch?

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Dienst ist Dienst

Für den Fall, dass Sie, liebes Publikum, verzweifelt darauf gewartet haben, dass ich mich zum Thema „Dienstpflicht“ äußere: Ich wollte mich, hahaha!, drücken. Drücken vor dem öden Bekenntnis, das so viele gleichalterige Kollegen in ihre Spalten getippt haben, die Zivildienstzeit habe einem doch sehr gutgetan (obwohl’s freilich stimmt); drücken auch vor der Verlegenheit, mit Kramp-Karrenbauer evtl. einer Meinung sein müssen, wenn auch vielleicht aus besseren Gründen; drücken vor dem notwendig altväterlichen Tonfall, der noch das völlig Richtige nach den Freuden der Pflicht klingen lässt: „Da die meisten Abiturienten nach der Schule aber keine Ahnung haben, was sie tun sollen, setzen sich viele von ihnen erst mal in irgendein Flugzeug [und] blasen Kerosin in die Luft … Wann kommt man schon mal raus aus seinem sozialen Kokon? Freundlich gewendet: Wann hat man schon mal die Möglichkeit, wirklich völlig andere Lebenswelten für ein paar Monate kennenzulernen? Wer jetzt sagt: Da redet irgendein Onkel daher – ja, mag sein. Aber die zehn Jahre des Mäanderns mit Zivildienst, Kellnern im Café, zweckfreiem Lesen, Radtouren durch Europa waren sicher so sinnstiftend und prägend wie alles seither.“

Nun stehen aber auch diese wahren Worte des SZ-Kollegen Rühle, am 9.8. im Feuilleton erschienen, in der Online-Version unter der Spitzmarke „Berufseinstieg“ und der Überschrift „Mit Lebenslauf ist nicht der Weg zur Arbeit gemeint“, und schon haben wir ihn wieder verlassen, den zweckfreien Mäander, wie halt auch ein Pflichtdienst in die Welt der Zwecke gehört: Die Jugend, nachdem man sie auf schneller, höher, weiter (manche sagen: dümmer) gedrillt hat, bekommt jetzt ein Jahr „Lebenserfahrung“ oktroyiert, weil das den Unternehmen, hört man, fehlt. Der Zivildienst alten Zuschnitts war ja ein Ersatzdienst, mithin einer, dem ein „Anti“ eingeschrieben war, und noch wer ihn aus Bequemlichkeit vorzog, wollte sich nicht früh um fünf aus dem Bett brüllen lassen, nur damit der Russe nicht kommt. Der Ersatzdienst war, wie unfreiwillig immer, eine politische, sogar linke Angelegenheit; das Pflichtjahr (als nämlich nationales) wäre eine rechte, wie es ja nie ganz unwichtig ist, wer da nun auf Pflichterfüllung besteht. In Kramp-Karrenbauers Vision wäre das Pflichtjahr ein Dienst an derselben Gesellschaft, die sich zuletzt bloß durch Asozialität, ja „Arschlöcherigkeit“ (Magnus Klaue) hervorgetan hat und deren Solidarität so aussieht, dass, wer arm ist, arm bleibt und dass, wer krank ist, vielleicht bloß operiert wird, weil das dem Krankenhaus Geld einträgt. (In den Tagesthemen präludiert Zamperoni einen Bericht über das wohl ganz und gar vorbildliche dänische System von Sozialsicherheit im Alter mit der Bemerkung, in Skandinavien werde derlei als „Grundrecht“ empfunden. Verrückt.)

„Er trat … genußvoll … an die Tafel, ergriff die Kreide, hob die unansehnliche Hand und schrieb, während ihm der Ärmel bis zum Ellenbogen hinabrutschte, dabei einen trockenen, gelblichen, wenigstens hundertjährigen Arm freigab, das Thema an die Tafel, in seiner gedruckten, schrägen Schrift, in der Schräge der Scheinheiligkeit. Es hieß: ,Die Freuden der Pflicht.’“ Siegfried Lenz, 1968

Der Ersatzdienst konnte in ein Lebensjahrzehnt des zweckfreien Mäanderns gehören, weil Zweckfreiheit, zumindest ideell, noch ausdrücklicher Teil von Adoleszenz war. Das Pflichtjahr wäre bloß ein weiteres Praktikum, dessen Sinn sich darin erschöpfte, orientierungslosen Schulabgängern die Flucht in den Konsumismus zu ersparen, den freilich dieselbe Gesellschaft verantwortet, die den Nachwuchs jetzt so großartig in die antikonsumistische Pflicht nehmen will. Nicht auszuschließen zwar, dass der eine oder die andere nach einem Jahr als Pflegehilfe die Zeitung oder amtliche Armutsberichte mit anderen Augen läse, und wenn Christian Lindner sich gegen die „Verstaatlichung“ von Lebenszeit wendet, müsste man schon wieder dafür sein. Aber dagegen muss ich sein, weil das Pflichtjahr eine Lüge ist, den üblichen trüben Interessen dient und die Verzweckung des Lebens scheinheilig bemäntelt.

Dass ich der eigenen Brut von Australien dringend abriete und ein Freiwilligenjahr empfähle, steht auf einem anderen Blatt; wo nicht auf demselben.

PS. Falls noch wer seit Mai darauf wartet, dass ich mich zum Fall Dieter Hanitzsch/Netanjahu äußere: Seine Kündigung verdankt das Karikaturisten-Urgestein nicht gnadenloser politischer Korrektheit, sondern der „Süddeutschen Zeitung“, denn sein Netanjahu war, täusche ich mich nicht, kein „Stürmer“-Jude, sondern ein SZ-Jude. Den gibt es mittlerweile, aber weil es ihn nicht offiziell gibt, musste Hanitzsch gehen. So einfach ist das manchmal, und nicht, dass man nichts mehr sagen dürfe, ist das Problem, sondern dass sie’s alle ständig sagen, ohne es freilich gesagt haben zu wollen. – Das Sonntagsfrühstück macht Urlaub und ist am 16.9. wieder für Sie da.

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Post von Gärtner

Es ist ja nicht so, dass ich nie den Wirtschaftsteil läse, schon wegen unserer Performerinnen und Start-upper: „Wenn Oliver Kray von Herausforderungen spricht, sagt er das englische Wort ,Challenge’. Adressen, zum Beispiel, können so eine ,Challenge’ sein, weil es doch nicht sein kann, dass man sie heute, in Zeiten von Smartphones, immer noch braucht, um Post zu verschicken. ,Wer weiß denn heute noch die Straße, Hausnummer und Postleitzahl seiner Freunde?’, fragt Kray“, und ich sage: Ich, aber ich werde nicht gefragt, und also antwortet das Morgenblatt mit immerhin etwas Ironie: „Niemand, natürlich, und das ist gerade die Challenge, schließlich ist Kray Gründer von My Postcard, einem Start-up, das per App“, womit auch sonst, „die gute alte Postkarte wiederbeleben möchte.“

Und das geht dann so, dass man per App seine eigene Postkarte gestalten (oder sagen wir besser: kreieren) kann, mit eigenen Fotos, aber „man findet auch ganz klassische Postkartenmotive, den Eiffelturm, die Brooklyn-Bridge, Positano. Kray hat die Lizenzen von Verlagen gekauft, und nun kann man die Bilder mit eigenen Fotos mischen. ,Wir sind die Postkarte, die du wirklich willst’“, und für 1,99 Euro wird sie dann auch noch verschickt, so dass man seinen Arsch vom Pool schon gleich gar nicht mehr wegheben muss.

Die Frage: Was soll das? ist natürlich in unserer herrlichen App-Welt dumm und völlig falsch gestellt, denn das freshe Challenge-Unternehmen verschickt bereits zwei Millionen Stück im Jahr, so dass, wer in Zukunft Urlaubspost bekommt, nicht mehr handschriftliche Grüße auf wunderbar austauschbaren Postkartenmotiven findet, sondern austauschbar Selbstgemachtes, nur ohne die Handschrift, als wäre die Handschrift auf der guten alten Postkarte nicht das Selbstgemachteste schlechthin. Im übrigen ist es freilich Schwachsinn, Postkartenmotive selbst zu fotografieren, denn wer sich daheim das Colosseum ansehen will, kann sich einen Bildband kaufen, und wenn ich sehen will, dass jemand anderes das Colosseum gesehen hat, reicht mir das Colosseum auf der Ansichtskarte, die ja viel mehr verrät als das stumpf gewordene „Ich war da“ und die Fähigkeit des Absenders, Handyfotos zu machen. Die Ansichtskarte als solche spricht die Sprache ihres Ortes, in Bildauswahl und Beschriftung, und wenn eine Freundin, sagen wir, in Burkina Faso ist, dann will ich doch wissen, wie die Ansichtskarten in Burkina Faso aussehen und nicht, wie kreativ die Freundin ist, zumal da, wie jeder weiß, ein Ansichtskartentext bereits als genügend große kreative Herausforderung zu gelten hat.

„Um diese Zeit wurde die Fahrt für mich langsam zu einer Art Delirium, nach der nervösen halbwachen Nachtfahrt, der putzigen Schweiz, dem verlodderten Norditalien, dazwischen ein paar Postkarteneindrücke der Seen, und ich habe gemerkt, dass diese Fahrt eine Ochsentour ist. – Der Eindruck einer allgemeinen Verkommenheit war überhaupt nicht wegzudenken.“ Brinkmann, 1972

Die Ansichtskarte ist ein Versatzstück, aber ein offenes, ein augenzwinkernder Verweis auf die Austauschbarkeit des Reiseerlebnisses, auf nämlich „die ewigen Ramblas von Prag“ (Gunnar Homann: Sabbatical, München 2017, sehr gute Reiselektüre übrigens); eine „individuell“ gestaltete Ansichtskarte ist bloß ein Widerspruch in sich und ein Hinweis darauf, dass auch hier keine Distanz, keine Ironie mehr walten soll, wo sich noch der stumpfste Urlaub als gottweißwie individuell und kreativ verkauft. Im übrigen ist auf Urlaubsgrüße von Leuten gepfiffen, die es „viel zu kompliziert“ (Challenge-Kray) finden, sich um „Stift, eine Marke und auch einen Briefkasten“ zu bemühen, und deren Gruß sich bloß zerstreuungssüchtiger Smartphone-Daddelei verdankt.

Aber was rede ich; mir ist ja auch die E-Grußformel „LG“ suspekt. Denn wer „Liebe Grüße“ ehrlich meint, der schreibt sie hin, und wer nicht, der lasse es. It’s the form, stupid, aber wenn irgend etwas heutzutage in den Wind gesprochen ist, dann das.

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Hausgeburt Hitler

Die Rückenstudios, die ich besuche, haben grundsätzlich (weil billig) keine Klimaanlage, und also muss man sich das so vorstellen, dass ich, bildlich gesprochen, in der Sauna Liegestütz mache, und hinterher geht es mir, als hätte ich in der Sauna Liegestütz gemacht. Dann ist es, heimgekehrt, freilich Essig mit Kafkas Briefen oder „To Hell and Back: Europe 1914–1949“, und der Fernseher geht an, und um den Abend aber nicht völlig herzuschenken, sehe ich auf DVD endlich die letzte Folge von Fassbinders „Acht Stunden sind kein Tag“, einer (ausdrücklich so genannten) „Familienserie“ von 1972. In dieser letzten Folge setzen sich die Arbeiter (!) mit ihrer Forderung durch, ihre Arbeit selbst zu organisieren, aber bloß, weil sie einen klugen Chef (Klaus Löwitsch) haben, der sich die Hälfte des durch die Selbstorganisation gemachten Extragewinns für die Firma sichert, was nicht nur der italienische Kollege, sondern auch Hanna Schygulla (als Freundin von Arbeitervordenker Gottfried John) unfair findet: Dass dem, dem immer alles gehört, immer alles gehört! (So ging einmal öffentlich-rechtliches Fernsehen, jedenfalls beim roten WDR.)

In der Gegenwart dann im Morgenblatt eine Reportage über den, natürlich, „dramatischen“ Hebammenmangel, denn immer mehr Frauen kriegen immer mehr Kinder, aber „es fehlt an Personal, Pflegenotstand auch hier. Im Sommer, wenn die Hebammen mit eigenen Schulkindern Ferien machen müssen, ist es noch dramatischer als sonst“, zumal da es immer weniger Hebammen gibt, die auch tatsächlich Geburtshilfe leisten, der hohen Versicherungsprämien wegen. Wäre das eine Familienserie von Fassbinder, Hanna Schygulla wäre die Vorsitzende des Bayerischen Hebammenverbandes und könnte (wie die echte im Artikel) sagen: „Unser Gesundheitssystem ist doch rein wirtschaftlich orientiert, und mit Geräten und Technik wird das Geld verdient, aber doch nicht mit der Geburtshilfe.“ Und dann ginge Gottfried John mit seinen Arbeitern zum feinen Herrn Spahn und würde ihm die Meinung geigen.

„Nicht mehr für die ,da draußen’ (den Anderen, die Nächsten und Liebsten, für ,uns’, die Gemeinschaft, die Gesellschaft, die Menschheit, den Planeten, den wir miteinander teilen) bin ich verantwortlich, sondern für meinen Körper: für sein Vermögen und seine Fähigkeit, mir die Belohnung durch ,Wellness’ zu verschaffen.“ Bauman, 2017

Aber es ist nicht Fassbinder, es ist die Renate Meinhof von der „Süddeutschen“, und also kriegen wir, weil unser Gesundheitssystem rein technisch orientiert ist und die Gewährsfrau eine Hausgeburtshebamme, nebenbei noch das Loblied aufs Hausgebären gesungen: „Wer [die Hebamme] erlebt, spürt, dass sie Gebärenden genau die Sicherheit und Ruhe spiegeln [?] kann, die sie brauchen, um ihr Kind loszulassen [!], ohne Technik, ohne Saugglocke, Anästhesie, Wehentropf und Dammschnitt.“ Was immer das nun mit dem Pflegenotstand zu tun hat. „Hier, im wohlhabenden Münchner Umland, … ist die Rate der Hausgeburten deutlich höher als anderswo“, sie liegt in den Industrieländern bei zwei Prozent, obwohl des Kindes „allererste Erfahrungen seine ganze Entwicklung, seine physische und seelische Gesundheit prägen werden, wissen Hirnforscher, Psychotraumatologen und und Neurowissenschaftler seit langem. … Von Anfang an, auch im Uterus schon, lernt das Kind, der Welt zu trauen – oder eben nicht.“ Weswegen Geburtshilfe – und nicht etwa der perennierende Skandal der Klassen- und Beutelschneidermedizin – „ein Thema der ganzen Gesellschaft werden muss. Mit Menschen, die der Welt nicht trauen, ist nämlich kein Staat zu machen, im Sinne des Wortes, jedenfalls kein guter“, und jedenfalls kein so guter wie, sagen wir, Großdeutschland mit seinen wunderbar vielen Hausgeburten. Wie sich die Vorzüglichkeit der menschlichen Geschichte bis ca. 1950 durch die Hausgeburt sehr schön erklären lassen lässt.

Journalismus ist Klassendienst, und deren Traum ist ja neuerdings, in einem Bauernhaus das fünfte Kind inmitten einer Margarinereklame zu kriegen: „ … und so schnitt  Nike der Schwester die Nabelschnur durch. Hitze drang ins Zimmer. Im Garten wogte der Wein, scharrten die Hühner im Sand, strahlte der Phlox. Ein Tag im Sommer.“ Und einer in „Retrotopia“ (Zygmunt Bauman), „in dem der chronische Mangel an Erfüllung genuiner Bedürfnisse mit dem Trick der illusorischen Gratifikation phantomartiger Bedürfnisse lebbar gemacht wird.“ Und natürlich alles bleiben kann, wie es ist, solange die feineren Herrschaften mit den guten, einfachen Dingen beschäftigt sind und ihre Blagen seelisch optimiert gebären, um dann mit ihnen Staat zu machen.

Er ist danach.   

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Race under Pressure

Ich habe es wirklich versucht. Ich habe mir Kommentare unter einem „Tagesspiegel“-Beitrag zum Klimawandelsommer („Die Erde glüht“) angesehen („Nicht vorhanden …  ist der Zusammenhang zwischen CO2-Gehalt der Atmosphäre und der globalen Mitteltemperatur, der der Treibhausthese zugrunde liegt. Wenn Sie schon 10000 Jahre zurückblicken, dann ist Ihnen doch sicher das Temperaturmaximum vor 8000 Jahren aufgefallen, dem ein CO2-Minimum gegenübersteht. Die Diagramme dazu finden Sie …“); habe mir ebd. einen Kommentar zur zeitlosen Frage „Was will die SPD eigentlich?“ durchgelesen („Steuertransparenz für Konzerne? Der sozialdemokratische Bundesfinanzminister Olaf Scholz lehnt ab – und vergrößert so die Leerstelle hinter der Sinnfrage an seine Partei“); war sogar bei „Spiegel online“ („Garmisch hält den Blitz-Rekord“). Und doch führt, fürchte ich, auch an diesem Sonntag kein Weg vorbei an dieser Debatte um diesen in Gelsenkirchen geborenen, mit deutschen Bürgerrechten ausgestatteten, aber u.a. türkischsprachigen Fußballspieler; und „Debatte“, also den rhetorischen Schlagabtausch nach festen Regeln, darf man’s spätestens seit Mittwoch nennen, als im Morgenblatt die türkischstämmige Buchautorin der türkischen Community empfahl, sich nicht in der Opferrolle zu gefallen, sondern sich lieber zu integrieren und aufzusteigen; also gegen den Hunger nach Anerkennung einfach mehr zu spachteln.

Dass sich in der Causa fast alle idiotisch aufgeführt haben, ist vielleicht als Ergebnis völlig ausreichend, und die zuletzt drängende Frage, welche Sätze des Rassismus-Tweets nun vom Fußballer selbst stammten (der doch als Stiller galt und, so die SZ in einem wirklich restlos korrupten Satz, schon zu Schulzeiten „massiv vor sich hin träumte“) und welche von seinem ausgefuchsten Berater, mag meinetwegen so im Sommerloch verschwinden wie der ganze Unsinn insgesamt; denn dass der durchschnittliche Fußballer von Politik weder Ahnung hat, noch sich für sie interessiert, ist doch genauso klar wie die Tatsache, dass hier Rassismus, der offene wie der latente, die Gelegenheit ergriffen hat. Und dass die „Zivilgesellschaft“ längst keine so zivilisierte ist, wie es etwa die FAZ („Özil wurde nicht für seine Herkunft kritisiert – sondern für sein Verhalten“) gern hätte: Ein argloser SPD-Stadtrat aus dem Osthessischen schreibt auf Facebook unter ein Foto des deutschen WM-Kaders: „25 Deutsche und zwei Ziegenficker“, entschuldigt sich dann und sagt der DPA, ihm seien da „die Pferde durchgegangen“, er habe „vielleicht nicht gleich überlegt“, aber er sei „nicht ausländerfeindlich“, seine Wortwahl bloß „nicht gut“ gewesen. Wo doch die bessere nun wirklich auf der Hand lag: 25 Deutsche und zwei Undeutsche.

„Both Germany and Turkey are similar in having persistent ideas of ,race’ and ,blood’ defining the nation.”  „The Guardian“, 23.7.2018

Rassismus ist halt immer das, was drin ist und raus will, und es oblag, natürlich, der „Bild“-Zeitung, hier Öl ins Feuer zu schütten, indem sie, das Volksempfinden sowohl bedienend als auch schürend, von des Fußballers „Jammer-Rücktritt“ zeterte und seinem „wirren“ Angriff aufs Vaterland, und Patrick Bahners, der in der FAZ die „Kampagne“ beschrieb, war noch viel zu freundlich: „Spielverderber, Heulsuse, Memme: Özil einen Jammerlappen zu nennen ist die Logik der Schulhofkämpfe, mit denen eine deutsche Tageszeitung sonst vor dem Ende der multikulturellen Gesellschaft warnt.“ Das Schwache, Weibische, Querulantische als undeutsch zu qualifizieren ist nämlich Nazi-Logik, wie das Gebarme von „Experten“ (Basler, Matthäus) wegen des Fußballers fehlender/falscher „Körpersprache“ wiederum faschistische Männerscheiße ist (und auch fachlich völlig fehlgeht: „Warum die Kritik an Özils Körpersprache schwachsinnig ist“, „Elf Freunde“, 20.6.2018). Im übrigen hat jeder Spieler, der in Russland angetreten ist, Werbung für die dortige Autokratie gemacht, und wird jeder, der 2022 in Katar dabei ist, Werbung für den dortigen „Sklavenstaat“ („Tagesspiegel“) machen. Mag sein, zeitgenössischer Fußball ist eine Werbung für Freiheit und Demokratie; allerdings im Sinne Springers.

Und dann wär’s ja geradezu inkonsequent, wenn er nicht, kommt es drauf an, rassistisch wäre.

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Andererseits

Die Welt, ein Widerspruch: Einerseits heult das Morgenblatt jetzt sogar im Wirtschaftsteil herum, wg. Klimawandels müsse sich das Konsumverhalten endlich ändern; andererseits bewirbt, einen Tag später, dasselbe Morgenblatt ganzseitig seine Reiseführerreihe: „Alles perfekt. Nicht lange suchen, Buch kaufen, Flug buchen und eine perfekte Zeit erleben“, was immer das sei. Klingt jedenfalls ekelhaft, nach Urlaub für Befehlsempfänger (m/w), und das ist es ja wohl auch.

Einerseits lesen wir von einer CSU im Umfragetief und davon, dass da ein Kalkül nicht aufgegangen sei und sich nämlich die sog. Zivilgesellschaft bewege und auf Demos („Ausgehetzt!“) und an der Urne dem Rechtspopulismus eine schöne Absage erteile; andererseits sitze ich im Eiscafé neben einem freundlichen Vertreter und einer freundlichen Vertreterin des solventen Bürgertums (Typ Kanarische Inseln, 2x im Jahr), mindestens eine Hälfte mit höheren akademischen Weihen, und die Herrschaften loben Seehofer in hohen Tönen: Wenn er nicht wäre, geschähe ja gar nichts! Und einerseits ist Israel die einzige funktionierende Demokratie im Nahen Osten, andererseits (Achtung, Pseudowiderspruch!) hat die Knesset jetzt ein Gesetz verabschiedet, wonach Israel zum „Nationalstaat für jüdische Menschen“ wird, was die große arabische Minderheit im Land nicht freuen kann. Einerseits ist das, und das sage ich als Freund, scheiße; andererseits ist, etwa in Deutschland, die Zahl antisemitischer Angriffe, sowohl verbal/online als auch physisch, zuletzt explodiert (Faz.net: „Es wird schlimmer, Tag für Tag“). In Bonn hat es zuletzt einen jüdischen Gastprofessor aus den USA getroffen.

Einerseits ist Netanjahu ein nationalistischer Blödmann; andererseits hat eine demokratische Mehrheit diesen Blödmann genauso gewählt wie den Faschisten und Antisemiten Orbán, der jetzt von Netanjahu mit allen Ehren empfangen worden ist und von „exzellenten persönlichen Beziehungen“ gesprochen hat. Einerseits liegt das daran, dass beide sich in einer Welt aus Feinden wähnen; andererseits ist das im ungarischen Falle eine aus machtstrategischen Gründen gepflegte, faschistische Halluzination, im israelischen nicht und sucht, wo alle Welt was gegen Juden hat, Netanjahu die Nähe derer, die noch mehr als gegen Juden was gegen Muslime haben.

„Die Welt ist eben die Hölle, und die Menschen sind einerseits die gequälten Seelen und andererseits die Teufel darin.“ Schopenhauer, 1851

Einerseits hat in Israel das Gesetz das Parlament nur knapp (und nach Tumulten) passiert, hat der Staatspräsident Distanz gezeigt und ruhen liberale Hoffnungen auf dem Obersten Gericht; andererseits haben Orbáns polnische Freunde von der klerikalfaschistischen PiS dafür gesorgt, dass auf den Gerichten des Landes keine liberalen Hoffnungen mehr ruhen können, und beschwert sich der polnische Präsident allenfalls darüber, wie verzerrt sein schönes Polen im Ausland dargestellt werde. Einerseits hat sich die EU sogleich „besorgt“ über die israelischen Entwicklungen gezeigt; andererseits haben die Polen jahrelang ihren Rechtsstaat demontieren dürfen und sind dafür sogar noch mit EU-Milliarden ausgestattet worden. Einerseits ist Israel noch eine funktionierende, wenn auch trendgemäß ins Illiberale driftende Demokratie; andererseits ist Ostmitteleuropa längst rechtspopulistisch-illiberales Kernland, wo, anders als in Israel, niemand gegen die Abschiebung von Migranten protestiert: Es gibt nämlich fast keine.

Ich geh’ jetzt erst mal ins Freibad, zum Kindergeburtstag: Da gibt es hoffentlich einerseits Eis und andererseits Pommes. Shalom.

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Jungs

Im Morgenblatt stand jetzt ein glossierendes Plädoyer dafür, den Sprachwandel als Sprache selbst zu akzeptieren und sich weder über „Denglisch“, noch über das Verschwinden von Wörtern wie etwa „Schlingel“ zu grämen. Wörter stürben nun einmal und machten neuen Platz, und dass zu Goethes Zeiten der Teufel noch „Voland“ gerufen wurde, sei nun mal so sehr Vergangenheit wie die Vokabel „Volant“ fürs Lenkrad: tempi passati, vieux jeu. (Neulich benutzte am Küchentisch eine Besucherin ganz arglos das Wort „saumselig“. Ich war begeistert und musste darauf bestehen, dass es keine ironische Begeisterung war.)

Also will ich mich gern noch ärger freuen über Gespräche, die sich, wie neulich eins im Biergarten, so gut wie ausschließlich aus den Vokabeln voll, total, echt, krass und nice zusammensetzten (es sprachen, wie ich mitbekam, zwei fortgeschrittene Studentinnen der Touristik) und mich anderseits nicht ärgern, dass aus Umgangssprache Standard wird und aus derentwegen wegen derer; falls nicht schon wegen denen. Zumal da sich Sprache im Wandel natürlich ständig verbessert und durchaus farbiger wird: Wo es, zum Beispiel, früher bloß Jungen und Mädchen hatte, haben sich zu den Mädels nun auch die Jungs gesellt, etwa die, die in Thailand gottlob nicht abgesoffen oder erstickt sind. „Durchhalten, Jungs!“ hatte „Bild“ gekräht, derart den alten, flapsigen Sinn des Kumpelplurals noch angemessen transportierend; aber auch sonst war allenthalben von den Jungs die Rede: „Seit dem 23. Juni sitzen zwölf Jungs und ihr Fußballtrainer in einer verwinkelten Höhle fest, von einer Überflutung eingeschlossen“ (meedia.de), und die Vermutung geht nicht fehl, dass der Plural „Jungen“ aussterben wird.

Der Satz zeigt die logische Form der Wirklichkeit. / Er weist sie auf.“ Wittgenstein, 1922

Ist das schlimm? Eben nicht: Jungen, das waren bloß die mit dem Pullermann; Jungs, das sind schon die Kerle von später, Jogis Jungs, die Jungs vom Bau oder unsere Jungs, die Jungs mit den Bärten und Bildern auf dem Bizeps. Jungs sind die, die immer Jungs bleiben, sich mit den anderen Jungs zum Profigrillen treffen (während die Mädels beim Mädelsabend die Kartoffelchipsorte „Mädelsabend“ verzehren) und sich für Autos, Dry Aged Beef und Technikspielzeug interessieren. Jungen waren mal groß oder klein, dick oder dünn, forsch oder schüchtern; Jungs dagegen sind stramm, froh und zupackend und müssen, wenn sie dann einmal Neue Väter sind, ihre Zuwendung sofort als „Bespaßung“ in instrumentell lockeres Jungsvokabular packen. Mädchen werden zu Frauen; Mädels sind dagegen altersunabhängig Kommerz- und Verwertungsobjekte, die in den Jungs ihr Komplement finden. Mädels und Jungs sind immer jung, und wenn sich die Jungs mit Mitte Vierzig ihre Basecaps verkehrt herum aufsetzen, dann sind sie die Jungs geblieben, die Herrschaft gut gebrauchen kann. „Jungs und Mädels protestieren gegen gesellschaftliches Unrecht“, das ist Wittgensteinscher Unsinn, denn Jungs und Mädels gehen shoppen, sind gut drauf und halten durch.

Man merkt, ich bin dann doch nicht recht einverstanden, denn das schwante Kraus ja schon, dass sich im Journalismus (und wer sonst wäre für Sprache heute mehr verantwortlich) die Sprache als Klischee reproduziert; und die Wirklichkeit gleich mit. „Als wären Deutschtürken Bürger auf Bewährung“ – das wird die „Süddeutsche“, das wird (oder will) die deutsche Presse in hundert Jahren nicht begreifen, dass „Deutschtürke“, ich sag’s nicht gern noch mal, dasselbe ist wie ein „US-Afrikaner“ und die dusselige, sogar rassistische Formel ebenjene Bewährung festnagelt, die man doch beseitigen will. Wenn Sprachwandel unter den Verhältnissen, wie sie sind, nicht immer nur die Phrase meinte, ich wär’ sogar dafür; so bin ich Schlingel wieder mal dagegen.

Und wünsche sie alle zum Voland.

Aktuelle Cartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 »Auto Motor und Sport«!

In Deiner Ausgabe vom 28. März hast Du den Audi R8 getestet und mit fünf von fünf Sternen bewertet. Da steht dann zum Beispiel unter »Umwelt« als Pluspunkt »geringe Umweltbelastung dank geringer Stückzahl« sowie, allen Ernstes, »nachhaltig, da voraussichtlich lange Nutzung«. Nun lässt sich derlei natürlich auch über Kreuzfahrtschiffe sagen, die es ja auch nicht in sooo hoher Zahl gibt und die immerhin ein paar Jahrzehnte halten.

Aber Minuspunkte hast Du in dieser Rubrik ebenfalls ausfindig gemacht, wenigstens einen: »Okay, sagen wir, wie es ist: sehr hoher Verbrauch«. Der aber letztlich wurscht ist, denn über dem Testkasten resümierst Du mit brutaler Ehrlichkeit: »Fünf Sterne? Aber der CO2-Ausstoß und der … egal. Einfach egal! Fünf Sterne verdient sich alleine schon der V10, weil er einer der letzten Sauger ist. Am besten heute fahren, morgen ist es zu spät.«

Haha, lustig. Und weißt Du was, »Auto Motor und Sport«, übermorgen ist es sogar noch später, weil wir alle zu tot sind, um Zehnzylinder-Monstren zu fahren.

Du saugst! Titanic

 For fuck’s sake, George Clooney!

In einer englischen TV-Show erzählten Sie uns, dass Sie einmal vor Ihrer Haushälterin die »braune Windel« eines Ihrer Kinder aus dem Müll genommen hätten, um diese dann genüsslich auszulecken. »Sie lief schreiend weg!« feixten Sie. Und wenn Sie, Clooney, jetzt denken, dass an dieser Geschichte auch nur irgendetwas besser wird, weil Sie, wie Sie nachschoben, die Windel vorher mit Nutella präpariert hatten – dann irren Sie krankes Schwein sich aber gewaltig.

Begeben Sie sich in Behandlung! Titanic

 Winfried Kretschmann!

Auch Sie haben die Schüler der Bewegung »Fridays for Future« dafür kritisiert, dass sie freitags nicht in die Schule, sondern für eine bessere Klimapolitik auf die Straße gehen. Die Proteste müssten früher oder später ein Ende finden und könnten »nicht ewig so weitergehen«, befanden Sie. Und: Auch Klimaschützer müssten sich an Regeln halten, es gelte die Schulpflicht.

Stimmt genau, Kretschmann, das haben Sie gut erkannt! Die Schüler müssen unbedingt wieder öfter in die Schule! Dann lernen sie noch viel schneller, dass einer wie Sie vollkommen unwählbar ist.

Strike! Titanic

 Gute Idee, Spektrum.de!

Die zukünftige Kolonialisierung des Weltalls und die dazu nötige Raketentechnologie kommt zwar auch dank privater Unternehmen ganz gut voran, doch nach oben ist natürlich – buchstäblich – keine Grenze gesetzt. Und so verkündetest Du, dass die Raumsonde New Horizons auf dem Kuipergürtelobjekt Ultima Thule Alkohol gefunden hat.

Damit wäre der erste Schritt für ein schnelleres Vorantreiben der Besiedlung getan. Jetzt müssen wir dieses Ergebnis nur noch der Schnapsnase Jean-Claude Juncker stecken, und in weniger als zehn Jahren ist jeder noch so kleine Asteroid durch die ESA auf Fusel abgeklopft und besiedelt.

Verneigt sich vor Deiner intergalaktischen Genialität: Titanic

 Hola, mexikanischer Drogenboss Joaquín »El Chapo« Guzmán!

Hola, mexikanischer Drogenboss Joaquín »El Chapo« Guzmán!

Weil Ihnen u.a. aufgrund jahrzehntelangen Kokainschmuggels in die USA dort eine lebenslange Haft droht, versuchen Sie nun, auf dem ebenso hart umkämpften Modemarkt Fuß zu fassen. Via Instagram kündigte Ihre Ehefrau Emma Coronel Aispuro Ihr gemeinsames Fashion-Label »JGL« an: »Ich habe ein Projekt für eine Modelinie. Ich will meinen und Joaquíns Stil voranbringen.«

Dass auch Ihre Haute Couture süchtig machen und zahlreiche Abnehmer finden wird, steht indes nicht zu bezweifeln – bei Ihrem feinen Näschen für guten Stoff!

War dagegen noch nie en vogue: Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Ehrliche Speisekarte

Ich fand es bemerkenswert, wie auf dem Menüplan zumindest im Diminutiv auf das Tierleid in der Fleischproduktion hingewiesen wurde: »Heute: Schwein-Elendchen«. Es war dann aber leider doch nur ein Tippfehler.

Jürgen Miedl

 Technikpionier

Dass meine Zeitmaschinen viel besser funktionieren als sämtliche Konkurrenzmodelle, ist nun wirklich keine Überraschung. Ich bau’ die Dinger ja schließlich schon seit 2069.

Andreas Maier

 Waschzwang

Ich wasche immer erst ab, wenn alle kleinen Löffel dreckig sind. Die gehen mir immer als erstes aus. Wenn ich also beim Morgenkaffee merke, dass ich keinen sauberen kleinen Löffel mehr habe, dann wird richtig krass abgewaschen. Zumindest ein kleiner Löffel.

Dorthe Landschulz

 Neuer Ethik-Kodex

Um mehr Fairness im Online-Handel zu erreichen, schlage ich vor, dass profitmaximierende Abmahnanwälte hin und wieder auch mal etwas bei ihren Opfern bestellen.

Jan Guthmann

 Zwiebelschlaf, der:

tritt auf nach langen Kochsitzungen mit Zerschneidung von Zwiebelgewächsen. Aufgrund der Überanstrengung und Überessung erfolgt beschleunigtes abendliches Müdewerden. Da in den Augen aber immer noch (!) ätherische Zwiebelöle herumschwimmen, folgt direkt auf jedes noch so beiläufig-friedliche Zufallen derselben ihr unmittelbares, schreckbegleitetes und schmerzvoll-brennendes Wiederaufreißen. Kann sich bis drei Uhr morgens hinziehen und nur überwunden werden, indem die betroffene Person sich einen in Mixed-Pickles-Sud getränkten Waschlappen über den Kopf zieht und die Worte »Gelegenheit macht Zwiebel, jetzt reicht es aber mal« geheimnisvoll vor sich hinmurmelt, aus dem Fenster springt und selig auf dem Komposthaufen verschimmelt.

Adrian Schulz

Vermischtes

Hans Zippert: "Fernsehen ist wie Radio, nur ohne Würfel"
Die steile Karriere des Hans Zippert begann im Jahr 1967 mit einem  Schülerpraktikum beim Kulturmagazin "TV Spielfilm". Nach einem  Volontariat bei "TV Direkt" übernahm er das angesehene 20-Uhr-15-Ressort  bei "TV Okayokay", bevor er schließlich Programmchef der auflagestarken  "TV Superwoche" wurde. Nachdem er über einen Bestechungsskandal rund um  eine 3-Sterne-Empfehlung für "Rote Rosen" stolperte, sah sich Zippert  1990 gezwungen, Chefredakteur von TITANIC zu werden. Der Tiefpunkt war  erreicht. Das alles und noch mehr erfahren Sie in diesem Buch!Friedemann Weise: "Die Welt aus der Sicht von schräg hinten"
Laut seiner Homepage ist er der "King of Understatement" und der "lustigste Mensch im deutschsprachigen Internet". Er ist aber auch Gitarrenmann, Viralblogger (15000 Follower!), Gagautor und Promiexperte mit Diplom. Die Rede ist von Friedemann Weise, dem Mann mit dem Namen! Der Mann, der den "Satiropop" erfand. Und jetzt auch noch ein Buch vorlegt. Ob das gutgeht? Ordern Sie diese Prämie und teilen Sie Ihr vernichtendes Urteil bitte zeitnah der TITANIC-Redaktion mit.Torsten Gaitzsch/Sebastian Klug: "Akte D: Die Wahrheit über Deutschland"
Die Redaktion versichert: Torsten Gaitzsch und Sebastian Klug, die  Autoren dieses Buches, wissen Dinge – schreckliche Dinge! – von denen  Sie, die Leser, nicht einmal zu träumen wagen. Denn es wären Alpträume!  Wählen Sie diese Prämie und erhalten Sie Einblicke in die tiefsten  Abgründe Deutschlands, die Sie wahnsinnig lachend und mit Schaum vor dem  Mund zurücklassen werden. Bisher hat es kein Leser bis zur letzten  Seite geschafft…Serdar Somuncu: "H2 Universe: Die Machtergreifung", DVD
Er ist der selbsternannte Hassias – viel wichtiger aber noch: der designierte Kanzlerkandidat für Die PARTEI. Holen Sie sich jetzt die neue DVD von Merkel-Nachfolger Serdar Somuncu als Gratisprämie und stehen Sie damit schon vor der Machtergreifung auf der richtigen Seite. Ihre Kinder werden es Ihnen danken!
Zweijahres-Abo: 98,60 EURKamagurka & Herr Seele: "Cowboy Henk"
Er ist Belgier, Kamagurka. Belgier! Wissen Sie, was der Mann alles durchgemacht hat in letzter Zeit? Eben, er ist Belgier. Und hat trotzdem in einem Finger mehr Witz als Sie im ganzen Leib! Und Heldenmut! Glauben Sie nicht? Dann lassen Sie sich von Cowboy Henk überzeugen, dem einzigen Helden, der wirklich jeden Tag eine gute Tat begeht.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURHauck & Bauer: "Ich kann einfach nicht Wein sagen"
Die beste Zeit, einen Band des Zeichnerduos Hauck & Bauer zu kaufen – sie ist seit sicher zehn Jahren vorbei. Heute sind die Werke von Elias Hauck und Dominik Bauer kein Geheimtip mehr. Die zerstrittenen Künstler kommunizieren inzwischen ausschließlich per Fax, leben in luxussanierten Altbauwohnungen mit kugelsicheren Whirl- und Autorenpools, in denen hungernde Leiharbeiter Comics anfertigen müssen. Leider ist auch der neueste Band der beiden Ausbeuter sehr gut, bestellen Sie hier!Sonneborn/Gsella/Schmitt:  "Titanic BoyGroup Greatest Hits"
20 Jahre Krawall für Deutschland
Sie bringen zusammen gut 150 Jahre auf die Waage und seit zwanzig Jahren die Bühnen der Republik zum Beben: Thomas Gsella, Oliver Maria Schmitt und Martin Sonneborn sind die TITANIC BoyGroup. In diesem Jubiläumswälzer können Sie die Höhepunkte aus dem Schaffen der umtriebigen Ex-Chefredakteure noch einmal nachlesen. Die schonungslosesten Aktionsberichte, die mitgeschnittensten Terrortelefonate, die nachdenklichsten Gedichte und die intimsten Einblicke in den SMS-Speicher der drei Satire-Zombies – das und mehr auf 333 Seiten (z.T. in Großschrift)! 
Zweijahres-Abo: 98,60 EURLeo Fischer + Leonard Riegel: "Fröhliche Hundegeschichten"
Ein Buch, bei dem Sie "Wau" sagen: Leo Fischer und Leo Riegel haben ihre Talente gebündelt und gemeinsam 1001 moderne Hundemärchen in Wort und Bild erschaffen. Zum Lesen, Lachen, Anknabbern! Und außerdem ein echter Lebensretter. Jedenfalls dann, wenn Sie Nacht für Nacht von einer dreiköpfigen Bulldogge heimgesucht werden, die Sie vor die knifflige Wahl stellt, ihr entweder eine "Fröhliche Hundegeschichte" vorzulesen oder den Arsch abgebissen zu kriegen. Ihre Entscheidung!Michael Ziegelwagner: "Der aufblasbare Kaiser"
Seit dem putzigen Präsidentschafts-Hahnenkampf zwischen Alexander Van der Bellen und Norbert Hofer interessiert sich plötzlich auch Resteuropa für das Land, um das es in diesem Buch geht: Österreich. Dabei ist der Donaustaat schon seit 2014 eine literarische Reise wert, jenem Jahr, als "Der aufblasbare Kaiser" für die Longlist des Deutschen Buchpreises nominiert wurde. Lassen Sie sich auf diese Reise mitnehmen: von Michael Ziegelwagner, dem liebenswertesten Randbalkanesen der TITANIC. Pflichtprämie für Kaisertreue!Elias Hauck (Hrsg.): "Alles Spargel oder was?"
Endlich ist ganzjährig Spargelsaison! Elias Hauck, die eine Hälfte von Hauck & Bauer und Herausgeber des Frauenmagazins "Sonja", serviert die reifsten Spargelwitze der Welt – gezeichnet und erzählt von dutzenden gemüseliebenden Cartoonisten und Autoren. Lachen Sie unter anderem über: den mit den polnischen Erntehelfern, den mit dem kaputten Spargelschäler und den mit der Fliege in der Hollandaise.Wenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURKatharina Greve: "Eigentlich ist Wurst umgestülptes Tier: Cartoons & Comicstrips"
Katharina Greve ist nicht nur Architektin, Situationsdesignerin und stolze Besitzerin einer Vakuumiermaschine, sondern auch Prophetin: Via Kalenderblatt sagte sie im Jahr 2013 auf den Tag genau den Rücktritt von Papst Benedikt XVI. voraus. Wer wissen will, welche sonderbaren Ereignisse die Zukunft noch bereithält, braucht deshalb dieses Bilderbuch. Gegenstände mit Gefühl, Menschen ohne Gesicht, Tapetenmuster von göttlicher Anmut – all das findet sich in Greves fantastisch-wurstigem Cartoonband!Die PARTEI-Wahlwerbungs-DVD mit allen vier Wahlwerbespots aus dem Bundestagswahlkampf 2005: Höhepunkte der Politpropaganda, die von Otto Schily mit dem Prädikat "ein Skandal" ausgezeichnet wurden. Besser aufgelöst als auf Youtube und noch dazu mit einer praktischen, farbechten Hülle drumrum - das ist doch was, was?
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Das schreiben die anderen

  • 22.05.:

    Hans Traxler zum Neunzigsten gratulieren u.a. die "Frankfurter Rundschau"
    und das "Neue Deutschland". Der "Stern" zeigt Werke aus der Sonderausstellung im Frankfurter Caricatura-Museum, und für HR2 Kultur liest der Autor aus seinem aktuellen Kindheitserinnerungs-Buch.

  • 21.05.:

    Torsten Gaitzsch schreibt in der Taz über die schwindende Prozessierlaune der Deutschen.

Titanic unterwegs
24.05.2019 Menden, Scaramouche Lyrikpreis »Der große Dinggang«
25.05.2019 Menden, Scaramouche Lyrikpreis »Der große Dinggang«
25.05.2019 Kassel, Caricatura-Galerie »Deutschland dreht durch«
26.05.2019 Berlin, Volksbühne Heiko Werning mit Paula Irmschler u.a.