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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Unerträglich

Diese Kolumne versteht sich ja nicht zuletzt als kritisches Propädeutikum, und also nehmen wir heute, liebe Leserin, lieber Leser, das Wort „pervers“ in den Blick.
Aus verlässlicher Quelle erfahre ich, dass an einer lokalen (städtischen) Schule Drittklässler Referate halten müssen, die benotet werden. Aus anderen Quellen weiß man, dass Lehramts- und andere Studenten (m/w) mitunter in Rechtschreibung unterrichtet werden (müssen). „Pervers“ heißt „verdreht“: Die Achtjährige wird mit aller Strenge in Präsentations- und Selbstvermarktungstechnik unterwiesen, der Zwanzigjährige in Orthographie.

An einer Berliner „Eliteschule“ (meint: für Kinder mit reichen, wichtigen oder wenigstens ehrgeizigen Eltern), „bürgerlich und weltoffen“ (Tagesschau), wird ein Fall von Mobbing mit antisemitischem Antrieb gemeldet, das Opfer ist ein Fünfzehnjähriger, der monatelang unter Hakenkreuz- und Gaskammersprüchen leidet, ehe er sich seinen Eltern anvertraut. Das Lehrpersonal hat wohl zugesehen und -gehört, sich dann entschuldigt, jetzt gibt es die üblichen Aktionstage und Aufklärungsunternehmungen, denn das alles ist „unerträglich“ (Internationales Auschwitz-Komitee). In der Tagesschau ist von einem „besorgniserregenden Trend“ die Rede, allein in Berlin habe sich die Zahl der antisemitischen „Vorfälle“ im vergangenen Jahr verdoppelt, überdies sei die Dunkelziffer wohl sehr hoch. Ein regierungsamtlich Zuständiger erklärt: „Das hat damit zu tun, dass es insgesamt zu einer Verrohung unserer Gesellschaft gekommen ist, die auch leider auf die Schulhöfe sich bezieht. Das Wort ,Jude’ als Schimpfwort hat es früher nicht gegeben“, oder sagen wir, bloß viel früher.

„He shrugged, a gesture that conveyed what they both knew; it was all going to hell. And the closer to the end they moved, the faster it went.“ Stephen King, 2004

Faschismus, sagt Gremliza, ist die Fortsetzung des Kapitalismus mit terroristischen Mitteln. Erziehung nach Auschwitz, sagte Adorno im bekannten gleichnamigen Funkvortrag, bedeute „allgemeine Aufklärung, die ein geistiges, kulturelles und gesellschaftliches Klima schafft, das eine Wiederholung nicht zulässt“. Umgekehrt, sage ich, muss das gesellschaftliche Klima allgemeiner Aufklärung allerdings günstig sein, und dass der Druck im Kessel, noch im bürgerlichen und weltoffenen, schon wieder so hoch ist, dass er sich das bekannte Ventil sucht, ist leider nicht pervers, sondern bloß Mechanik. Vom „Grauen der Sache, die das Grauen unserer Welt ist“, spricht Adorno weiter, und nicht die Araberjungs sind es, die den Judenhass ins weltoffen-friedliche Vaterland tragen; er nährt sich von der Verrohung, vom stillen täglichen Terror aus Druck und Angst und Infamie, und das verantworten nicht Ahmed und Mustafa, das verantworten die, die alles verantworten.

Die Quelle, die das mit den Referaten wusste, wusste auch, dass im Klassenzimmer der frühstmöglich Zu- und Abgerichteten auch Collagen hingen, von Achtjährigen hingebungsvoll angefertigt, von Erwachsenen genauso hingebungsvoll benotet, und zwar, die Noten standen hinten drauf, mit Dreien und Vieren. Der gestalterischen Bemühung eines Grundschulkindes erstens eine Note und zweitens ein „Ausreichend“ zu verpassen und der Gaskammerwitz an der Eliteschule sind wesentlich eins, denn pervers ist das Grauen einer Welt, die sich für das Grauen entscheidet. Erziehung nach Auschwitz? Erziehung nach Bertelsmann; und „nach“ ist hier leider nicht temporal.

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Tiny House

Immer wenn ich finde, es wäre angezeigt, sich den Tag mit einem Lachen (oder wenigstens Grinsen) aufzuhübschen, denke ich: Tiny House. Ich denke Tiny House, und schon muss ich lachen; oder wenigstens grinsen.

Wie kommt’s? Es kommt so:

Ich sehe ja (im Ernst) fast nicht mehr fern; doch neulich saß ich lesend auf dem Sofa, und über dem Wunsch, die Fernsehnachrichten anzusehen, gerieten wir in die ZDF-Reihe „37 Grad“, nach der treffenden Einschätzung meiner trefflichen Frau „Chrismon-TV“, also quasievangelisches Fernsehen rund um Menschen wie du und ich, die entweder einen Schicksalsschlag zu verarbeiten haben oder sich noch einmal neu erfinden, was Autorinnen (es sind immer Frauen) dann sehr einfühlsam und kritiklos begleiten. Diesmal ging es zirka um „Zuhause“ (den Anfang haben wir nicht mitgekriegt) und um diesbezügliche „Lebensmodelle“ o.ä. Eine Familie aus Leipzig hatte ihre Wohnung aufgegeben (oder zwischenvermietet) und fuhr so lange mit einem schrottreifen Camper durch Europa, bis alle wieder nach Hause wollten. Das waren die Vernünftigsten. Die zweiten wollten so dringend in einem Hausboot leben, dass sie dafür einen Hafen (samt nämlich rarem Hausboot-Liegeplatz) gekauft hatten, und die Frau hatte dafür ihren Redakteurinnenjob aufgegeben und saß jetzt den ganzen Tag mit diesem spezifischen „Landlust“-Grinsen im Hausboot bei den Kindern (Hausgeburt, logisch), während ihr Mann 16 Stunden am Tag wullackte, um das alles zu finanzieren. Die waren schon ein bisschen dööfer. Die Allerbesten waren aber zwei Studenten, irgendwie Sarah und Brian, die ihren Traum nicht nur hatten, sondern auch lebten, und zwar nicht den von der Weltreise oder bekifftem Sex, sondern den vom, hahaha!: Tiny House.

Ein Tiny House ist eine Art Wohncontainer, Wohnfläche nicht mal 30 Quadratmeter, und hat unerhört viele Vorteile: Mit 50 000 Euro kostet es viel weniger als ein richtiges Haus, man kann es mit einem handelsüblichen Sattelschlepper herumfahren, und es zwingt einen, nur das Allernötigste zu besitzen, weil im Tiny House halt kein Platz ist. Zwei volle Jahre haben Sarah (20) und Brian (25) an ihrem persönlichen Tiny House herumgeplant und dafür sogar ihr Studium unterbrochen (!), und als es endlich soweit ist, erklärt Brian, ein exemplarisch freudloser Funktionsjackenträger, warum das Tiny House die Zukunft ist bzw. das Modell für seine „Generation“: Man ist superflexibel, aber man besitzt ein Eigenheim, ohne dafür 30 Jahre lang Kredite abzuzahlen. So doof seien die Eltern noch gewesen, so doof seien sie jetzt aber nicht mehr. Und also sehen wir Sarah und Brian, wie sie fast alles, was sie haben, wegschmeißen, um fürderhin zu zweit auf 28 Quadratmetern Tiny House zu wohnen. In derart leere, verheerte, vor der Zeit kaputte Gesichter hat man freilich noch nie geblickt.

„ … dass mich so unglaublich flache Menschen, die das auch noch voll ausspielen und sich keine Schranken auferlegen, dass mich die sehr faszinieren, ja oft begeistern.“ Henscheid, 1973

Der Traum nach dem Traum: die Tiny House-Siedlung, und wir sehen Sarah und Brian, wie sie mit anderen jungen Windjackenmenschen (rollen Sie, liebe Leserin, liebe Leser, ruhig mit den Augen, aber das sagt nun einmal alles, w.z.b.w.!) um ein Tonnenfeuer herumstehen, und im Hintergrund steht schon eine kleine Tiny House-Siedlung, und alle unterhalten sich angeregt über ihre Tiny-Häuser, weil man die nämlich „individuell“ konfigurieren kann usw.; und wer das hergebrachte Vorstadthaus schon deprimierend findet, mag schnurstracks hintenüberfallen: Was hier waltet, ist die restlose Konformität im Gewande des Kreativ-Individuellen, die frühvergreiste Begeisterung angesichts der eigenen bedürfnislosen Verfügbarkeit, und natürlich war die Autorin da sehr einverstanden, zumal Sarah und Brian freilich schon ein Tiny House-Start-Up …

Warum ich das alles lustig finde (und schon wieder lachen muss, wie ich es hinschreibe)? Ich weiß es nicht. Vielleicht weil sich im besten, freiesten und wunderschönsten Deutschland aller Zeiten alles unablässig selbst karikiert, ohne es zu merken?

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Neues aus Bullerbü

Ich war so sicher, dass es es sich bei dem Aktivisten, der aus meiner Nachbarschaft, wie berichtet, einen „Kiez“ zimmern will und jetzt unter nicht unerheblichem Einsatz ein (Drei-)Straßenfest auf die Beine gestellt hat, um einen jungen Mann handle, der seine Heimatbedürfnisse ins Cool-Kiezig-Hauptstädtische übersetzt. Nun erfahre ich, der Mann ist Mitte Fünfzig, leidenschaftlicher (manche sagen: fanatischer) Radfahrer sowie Architekt und Stadtentwickler. Weshalb das „Kiez“-Logo auf den ubiquitären Plakaten und Transparenten, das mir von Anfang an etwas sehr professionell vorkam, schlechtestenfalls auch so gemeint ist.

Denn wo ein Logo ist, ist eine Marke, und wo eine Marke ist, soll was vermarktet werden; und was sich hier stadtentwickelt, sehe ich am Eck, wo sie eins dieser Bestverdienerhäuser hochziehen, die so teuer (oder vermutlich „exklusiv“ werden), dass sie einen eigenen Slogan („Wohnen – arbeiten – genießen“) und eine Internetadresse haben, unter der man allerdings auf der Seite des benachbarten Autohauses landet (dem scheint’s das Grundstück gehört), von der einem grimmig ein neuer Geländewagen ins Gesicht blickt. Auf den Weltgeist und seine Späße ist eben Verlass.

Dieser Spaß hat sogar einen doppelten Boden, denn die Vision unseres umtriebigen Kiezentwicklers ist das autofreie Quartier – also eins für die Fans der Sharing Economy, weniger für die der türkischen Cabrio-Hitparade –, weshalb aus Anlass des Festes geschätzt zwei Kilometer Wohnstraße zur Halteverbotszone erklärt worden sind (es ist erstaunlich, wie leicht das einer einfach so erwirken kann), ganz offiziell per Schild; und also mussten zweihundert Kraftfahrzeuge außerhalb des „Kiezes“ auf Parkplatzsuche gehen, was den kiezfremden Leidtragenden dieser vorbildlichen Externalisierung vermutlich noch etwas doller gestunken (sic) hat als den Suchenden. Aber des einen Quartiers Aufwertung ist des andern Quartiers Abwertung – Metropole und Peripherie, so geht das Spiel nun mal –, und wenn die Kiezaktiven, wie sie schreiben, „das Bedürfnis“ haben, „gemeinschaftlich zusammenzuarbeiten, etwas Neues zu schaffen, Veränderung, Abenteuer“, dann natürlich ausschließlich im eigenen Gärtchen, und da muss dann erst einmal ein Zaun drumrum. Am oberen Eingang zum Quartier hängt deshalb, gewissermaßen als Grenzschild, ein großes, mit Logo prunkendes „Kiez“-Transparent. Damit man willkommen ist, noch nach Feierabend Teil einer Marke zu sein.

„Unsere Stadt ist weder groß noch klein / wir haben ein Kino, ein paar Banken, / ein paar Eisenbahnschranken / so gemütlich, so gemein / doch stumme Tränen, stummer Hass / davon erfährt niemand was / (…) wir machen Witze und wir sitzen rum / bloß manchmal bleibe ich stumm / weil es mir vorkommt wie ein Gefängnis / aber wann ist die Strafe um?“ Begemann, 1993

Der ideale Quartiersmensch ist, so stellen die sich das vor, „dynamisch, visionär, vielseitig, konstruktiv, friedlich, optimistisch, energievoll, intelligent, freundschaftlich miteinander verbunden“, alles Eigenschaften, die sich auch das Autohaus auf seine Fahne schreiben kann, und bei all den Aktionen und Spielen und Geselligkeiten geht es freilich keine Sekunde um, böses Wort, Gentrifizierung, also darum, dass es bereits getrennte Eisdielen für die vielseitig visionären Dynamiker hie und die Honks dort gibt, die sich angesichts von neuerdings 13,50-Euro-Kaltmieten (ich wohne zu acht) vielleicht nicht so sehr für den „historischen Kiez“ (Straßenfest-Programmpunkt) interessieren als für den von morgen, wo für Leute, die nicht 1,60 Euro für die Kugel Eis ausgeben können, schlicht kein Platz mehr sein wird.

Anderswo kämpfen die Leute für ihr „Recht auf Stadt“; der vor meinem Fenster proklamierte „Kiez“ will gemeinsam Blumen pflanzen und Kinder schminken und träumt den Selbstversorgertraum in der Spielstraßenidylle, den es ja bloß darum gibt, weil Gesellschaft zum Anachronismus wird. Nun soll es bekanntlich der Appell ans Heimatgefühl richten, wie ihn etwa die „Bild“-Zeitung am 7.6. per kostenloser „Heimat“-Sonderausgabe ans Volk gerichtet hat, und sollten die, die etwas Neues wollen, aber beim ganz Alten landen (bei der Dorfgemeinschaft nämlich und dem „Deutschen Nachbarschaftspreis 2018“, Schirmherr Horst Adolf Seehofer, Bewerbung läuft), je über eine „Kiez“-Zeitung nachgedacht haben:

Da ist sie schon.

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Von A nach B

Ein abgelehnter irakischer Asylbewerber ist dringend verdächtig, in Wiesbaden eine deutsche 14jährige vergewaltigt und getötet zu haben. Als wäre das nicht fürchterlich genug, moderiert Claus Kleber im „Heute-Journal“ seine Spitzenmeldung wie folgt an: „Plötzlich scheinen all die schnellen Urteile bestätigt: Wären die Grenzen doch zugeblieben, dann würde Susanna noch leben.“

Da ist sogar die „Bild“-Zeitung diskreter, die erst bei der Rückführung ansetzt („Wäre er abgeschoben worden, würde sie noch leben“); und weil das Deutsche für einen zitierten Konjunktiv bloß wieder den Konjunktiv vorsieht, müssen wir das selbst entscheiden, ob der Kleber all die schnellen Urteile, die der AfD zu ihrer Popularität verhelfen, teilt. Was er jedenfalls teilt, ist der antiintellektuelle Affekt, was man bei Klebers Beruf vielleicht verstehen kann: „Keine Statistik, keine ,soziokulturelle Analyse’“ – die Anführungszeichen sind deutlich hörbar –, „überhaupt keine schnelle Zahlenanalyse oder akademische Verrenkung kann ein Menschenleben zurückholen oder das Leid der Familie lindern. Und trotzdem ist die Frage berechtigt: ob das Leben in Deutschland gefährlicher geworden ist, seit Hunderttausende, viele von ihnen männlich, jung, traumatisiert oder frustriert, aus fremden Kulturen ins Land gekommen sind. Die Zahlen sprechen zunächst ein eindeutiges Ja. Man muß sie aber auch genauer anschauen.“

Und das tut dann ein Bericht, der, natürlich, mit der Kölner Silvesternacht beginnt und keinerlei Bedenken hat, sich mit unheilschwangerer Kriminalfilmmusik zu unterlegen, während er an Fälle in Freiburg und Kandel erinnert; in Kandel, wo ein Flüchtling seine deutsche Exfreundin erstochen hatte, folgten „massive Proteste der Bevölkerung“, und zwar, sehen wir, in einem Pegida-Wald von schwarz-rot-goldenen Fahnen und Transparenten wie „Integration ist eine Lüge“ oder „Grenzen dicht, schützt unsere Frauen“. Der „Anteil von Flüchtlingen an Tötungsdelikten“, zeigt die Statistik, ist von 2014 bis 2017 von 4,3 auf 15,5 Prozent gestiegen, und der Kriminologe Pfeiffer wußte, daß unter den Flüchtlingen überdurchschnittlich viele junge Männer sind, welche die Kriminalstatistik nun einmal immer anführten; zweitens seien abgelehnte und deshalb frustrierte Asylbewerber besonders gefährlich. (Der mutmaßliche Mörder von Wiesbaden hatte allerdings noch eine Klage gegen seine Ablehnung laufen.) Im vergangenen Jahr hatte indes die „Zeit“ ermittelt, daß die meisten Opfer von durch Flüchtlinge begangenen Gewalttaten selbst Flüchtlinge sind und in jenen aggressionsförderlichen Massenunterkünften zu Opfern werden, die Seehofer gern noch größer hätte.

„Wir dürfen nicht vergessen, daß die Weltbeschreibung durch die Mechanik immer die ganz allgemeine ist. Es ist in ihr z.B nie von bestimmten materiellen Punkten die Rede, sondern immer nur von irgendwelchen.“ Wittgenstein, 1922

Bei stabil jährlich ca. 36000 aufgeklärten Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung hat sich der Anteil von „tatverdächtigen Zuwanderern“ (ZDF) von 599 auf 3404 erhöht, und das Off fragt arglos: „Stimmt also die These, daß Flüchtlinge die Sicherheit in Deutschland besonders gefährden?“ Pfeiffer: „Das sagt der Bundesinnenminister, genauso wie es Wissenschaftler sagen, das ist einhellige Meinung. Durch die Flüchtlinge hat sich das Gewaltrisiko erhöht, und wir haben es auch wissenschaftlich klar nachgewiesen.“ Der Bundesinnenminister sagt es freilich auch ohne Wissenschaft, und warum bei aufgeklärten Fällen die Tatverdächtigen eine Rolle spielen (deren Zahl naturgemäß größer ist), weiß der Autor allein; und wenn aber seine Grafik stimmt und die Gesamtzahl der aufgeklärten Fälle bis wenigstens 2016 stabil ist, hat sich, was Sexualstraftaten angeht, durch Flüchtlinge das Gewaltrisiko nicht erhöht: Erhöht hat sich lediglich das Risiko, daß der Gewalttäter ein Flüchtling ist.

Dietmar Dath hat gelegentlich die Selbstverständlichkeit ausgesprochen, daß, wo Menschen kommen, die Dummen und Bösen mitkommen. Daß die Mainzer Schülerin noch leben würde, wären die vor Gewalt, Tod und Elend Flüchtenden in ihren Höllen geblieben, ist jedoch so spekulativ wie die Annahme, das Kleinkind, das ein Asylbewerber in Paris vom Balkon geholt hat, werde als Erwachsener einen tödlichen Autounfall verursachen. „Hätte man das Kind sterben lassen, der Unfall wäre nie passiert“: vielleicht aber ein anderer, sogar viel üblerer. Aus einem guten A kann ein böses B folgen; das macht das gute A nicht schlecht. Falls man denn A jemals für gut gehalten hat.

Auf dem Kreuz, das jemand am Fundort der Leiche aufgestellt hat, steht: „Susanna, 14 Jahre, Opfer der Toleranz“. Sosehr das Fernsehen hier auch applaudiert: Nein. Susanna, 14 Jahre, ist das Opfer eines Verbrechens.

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Es ist vorbei

Kurz der Verdacht, ich sei aus unbekannten Gründen in einem Paralleluniversum gelandet, und zwar in einem, wo ich an zwei Tagen hintereinander auf der Leserbriefseite des Morgenblatts ausschließlich Richtiges zu lesen kriege; als Reaktion auf einen Bildungsartikel: „… daß es doch gerade die Mittelschicht ist, die Chancengleichheit gar nicht will. Und zwar seit Jahrzehnten nicht. Ihr liegt nichts am Aufstieg anderer. Ihr geht es einzig und allein darum, die eigenen Kinder in eine gute Position zum Wohlstand zu bringen. Und wer dem vermeintlich im Wege steht – seien es Arme, Ausländer, Behinderte – wird gnadenlos zur Seite geboxt. Dann wird er Bürger zum Tier. Und redet weiter über ,Chancengleichheit’. Aber er redet nicht. Er sülzt.“ Und zum kommenden, von der Bourgeoisie und den ihr angeschlossenen Mittelschichten verantworteten Weltuntergang: „In einem Zeitalter des Egoismus ist es nur folgerichtig, wenn einem die Belange der Nachwelt egal sind. Doch wenn Helikoptereltern … ihren Nachwuchs zu jeder der zahlreichen außerhäusigen Aktivitäten mit dem SUV fahren, in den Urlaub mit dem Flugzeug fliegen usw. usf., dann stellt sich schon die Frage, wie es sein kann, daß diese nicht unintelligenten Menschen völlig ausblenden, daß sie mit ihrem Verhalten den uns nachfolgenden Generationen aus purer Genußsucht und Bequemlichkeit die Lebensgrundlage entziehen.“

Wie das sein kann, könnte Leser Hermann Woelke, Dortmund, sicher beim FAZ-Wirtschaftsredakteur Holger Appel erfahren, der, weil Wirtschaft und Motor ja eins sind, für die Abteilung „Technik und Motor“ zuständig ist: „Weil die politische Korrektheit vor nichts und niemandem haltmacht, sei sogleich gesagt: Es gibt auch diesen Lexus mit Hybridantrieb, der stromert sich 359 PS zusammen und gibt wahrscheinlich noch laktosefreien Sake. Jetzt für alle Liebhaber des Automobils: Lexus offeriert diesen GT auch als LC 500 mit saugendem V8-Superbenziner, 5 Litern Hubraum, 477 PS und 540 Nm Drehmoment. Nur, falls jemand zweifelt, wovon hier die Schreibe ist, es handelt sich um einen Toyota, jener rollenden Umwelthilfeorganisation, der die Freude am Fahren eher fremd ist … Nun kommt sie mit dieser Granate daher, und wenn du gerade denkst, im Frankfurter Szeneviertel könntest du damit keinen Augenaufschlag gewinnen gegen die mattschwarzen M und AMG und RS, dann fährt die oberarmtätowierte Grazie in ihrem Smart neben dich, reckt den Daumen in die Höhe und sagt: Klasse. … Mit betörendem Klang kommt der ohne Turbo atmende Achtzylinder seiner Aufgabe nach. Der Vorwärtsdrang ist von entschlossener Naturgewalt … 13 Liter Verbrauch stehen im Testprotokoll … 99 200 Euro kostet dieses verführerische japanische Menü in der Basis, und jetzt zitieren wir den Kollegen von ,Auto-Bild’, weil das Fazit schöner nicht zu formulieren ist: Irgendwann, wenn Anton Hofreiter uns zum Liegeradfahren verpflichtet hat, werden wir solchen Autos hinterherheulen.“

„weil die wollen, daß wir werden sollen wie sie / bleibt nur: weiter, weiter, weiter“ Blumfeld, 1992

Und irgendwann, wenn wieder mal Leute vor ihren weggeschwemmten Häusern stehen oder dürrebedingt verhungernde Kinder in Nachrichtenkameras blicken, heulen dann wir, weil wir dem Appel keine schießen können, und zitieren den Kollegen Distelmeyer, weil das Fazit nicht schöner zu formulieren ist: „Ihr habt immer nur weggesehen / es wird immer so weitergehen / gebt endlich auf – es ist vorbei! / Ihr habt alles falsch gemacht / habt ihr nie drüber nachgedacht? / Gebt endlich auf – es ist vorbei!“ Und während man das als Konzertbesucher hört, zählt man zerstört die Leute, die handyfilmen oder ihr scheiß WhatsApp betrachten, weil halt auch die bildungsnahen Freunde des Diskursrocks alles falsch machen und über nichts mehr nachdenken und erst eine Zugabe fordern und während der Zugabe dann quasseln und nur deshalb keine Selfies schießen, weil sie das während des Auftaktstücks schon erledigt haben. Später an der Bushaltestelle hält dann ein Auto, der Beifahrer geht zum Geldautomaten, der Motor läuft, der Fahrer glotzt aufs Handy: es ist vorbei.

Möchte freilich sein, gegenwärtige Gesellschaft ist aufs Nachdenken insgesamt nicht recht eingerichtet. Weil halt auch nicht angewiesen.

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Zweifellos

In dieser Kolumne kann ich im Grunde nicht viel falsch machen: Hab ich recht, dann hab ich recht; hab ich einmal nicht recht, um so besser, weil dann irgend etwas nicht so arg steht, wie ich gemeint hab’.

Es verdankt sich diesem Zusammenhang, daß mich Nachrichten, die quasi wortgleich noch das bestätigen, was ich polemisch zusammengefaßt habe, den Kern des beruflichen Selbstverständnisses berühren: Im besten Fall ist man ja so was wie ein Müllmann, der den Dreck Woche für Woche wenigstens symbolisch beiseite räumt; im nicht so günstigen wäre man ein Aasfresser, der sich an dem labt, was da tot am Wegrand liegt. Im „Freitag“ berichtet eine Schauspielerin von ihrer Zeit unter Hartz IV, dieser „Martermühle“ und „Schreckenskammer der Gesellschaft“: Armut sei „selbst im Kollegenkreis tabu. Manche hungern und frieren, aus Stolz, aus Scham, aus Furcht vorm Amt. Ich ging hin; doch nach elf fehlerhaften Bescheiden, zehn Widersprüchen und einer Sanktion wurde mir klar: Hartz IV bekämpft nicht die Armut, sondern die Armen“, die nämlich, wir hatten das, selbst schuld sind und für die Mehrheit schuld sein sollen. „,Hier hast du auch was zu trinken!’, sagte ein Politiker, als er bei einem Weinfest einem Obdachlosen Sekt über den Kopf goß. Fußfesseln für Arbeitslose wurden diskutiert, ein Professor schlug vor, Arbeitslose sollten ihre Organe verkaufen (dürfen). Selbst schwangere Frauen werden ,sanktioniert’. Sie können wegen Stromsperren nach Leistungskürzungen ihren Babys kein Fläschchen mehr warm machen. Ich wollte die unglaublichen Geschichten erzählen und schrieb ein Buch, wie das Alltagsleben mit Heart’s Fear wirklich ist: erniedrigend, bedrohlich, bedrückend, aussichtslos, existenzgefährdend, absurd“; und Teil einer „skrupellosen Gesellschaft“.

„Nicht der Zweifel, die Gewißheit ist das, was wahnsinnig macht …“ Nietzsche, 1888

Im Morgenblatt berichtet derweil ein „Spiegel“-Journalist indisch-pakistanischer Abkunft über die Haßmails, die er Tag für Tag bekommt: „Man schrieb mir zum Beispiel auch schon, daß eine Ratte, die in einem Pferdestall geboren ist, trotzdem immer eine Ratte bleiben wird – und niemals ein Pferd werden kann. Diese Zeilen kamen übrigens von einem Juraprofessor.“ Im Feuilleton fällt im Zuge einer Konzertkritik das Wort „Frustrations-Rechtsruck“; worüber der Juraprofessor wohl frustriert ist? Daß ihm sein schönes Vaterland durch Ratten – Ratten! – derart versaut wird?

Der sagenhafte Dietmar Dath in der „Frankfurter Allgemeinen“: „Der ,Gesellschaftvertrag’, den Marx in Verlängerung und Zuspitzung von Rousseaus einziger wirklich guter Idee realisiert wissen wollte, wird von allen mit allen geschlossen, macht so Privilegien unmöglich und schützt damit unter anderem auch die Privatsphäre, übrigens auch das Eigentum an persönlichen Gebrauchswerten (das andernfalls von denen, die Produktionsmittel besitzen, zugeteilt oder entzogen werden kann).“ Der aktuell gültige Gesellschaftsvertrag kommt da nicht ganz mit, sieht er doch vor, daß die, die haben, das, was sie haben, behalten und mehren können, und zwar um so sicherer, je mehr sie haben; und unterstellen wir, dies sei – auch wenn Eigentum grundgesetzlich irgendwie „verpflichtet“ – tatsächlich das, worum es dieser Gesellschaft geht (und wir können es, weil sie ja eine „marktkonforme“ ist), dann folgen daraus noch jene Skrupellosigkeiten ganz logisch, die auf den ersten Blick bloß pathologisch dünken: Denn auch das Schwein, das Menschen Ratten heißt, ist das Produkt einer Privilegswirtschaft, die sich eine Gesellschaft so hält wie ein völkischer Ordinarius seine fremdrassige Putzfrau.

Ein Skrupel ist laut Fremdwortduden zuallererst ein „Zweifel“. Ein Zweifel an der Triftigkeit dessen, was da zur Zeit Gesellschaft ist, besteht bekanntlich nicht mehr. Das macht Gesellschaft skrupellos; und Hartz IV ist nicht irgendein Unfall oder Auswuchs, sondern, traun, ihr genuiner Ausdruck.

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Gärtners kritisches Pfingstsonntagsfrühstück: Im Zusammenhang

Während vorm Fenster schon wieder einer steht, der bei laufendem Automotor in sein Telefon hineinsieht, im Morgenblatt der Klimaforscher Schnellnhuber, der die „seltsame Gelassenheit“ beklagt, mit der zumal der westliche Weltbewohner das kommende Klimaunglück auf sich zu kommen läßt: „Wir steuern im Irrsinnstempo auf eine unbeherrschbare globale Situation zu, die Risiken erhöhen sich quasi stündlich, aber viele Medien berichten nur noch mit gequälter Beiläufigkeit darüber … Wenn ich ein riesiges Problem habe, bei dem ich nicht weiß, wie ich es in den Griff bekomme, verdränge ich es. Oder ich intensiviere sogar mein Fehlverhalten.“

Es ist, drittens, freilich auch nicht so, daß der moderne Mensch auf mehr als jene Zusammenhänge trainiert würde, die ihn zum fixen Teil des Verwertungszusammenhangs machen, weshalb eine vielleicht siebzehnjährige Hobbykickerin, die in den Tagesthemen den Umstand kommentieren darf, daß ebender Fußballer nicht im Kader für die Fußball-WM ist, der vor vier Jahren die deutsche Mannschaft zum Weltmeistertitel schoß, mit Mario Götze auch kein Mitleid hat: „Also, wenn man nicht liefert, wird man aussortiert.“

Ein paar Minuten zuvor hatte ein Fachmann die „wachsende Gewalt gegen Amtspersonen“ (Tagesthemen), aber auch gegen Sanitäter und Rettungskräfte kommentieren dürfen (die der Vorschautext in der Mediathek „Dienstleister“ nennt), und es war, bewahre, kein Gesellschafts-, sondern ein Neurowissenschaftler, dem aber auch nicht entgangen war, daß (lt. Tagesthemen-Off) „das Gefühl, Teil einer sozialen Gemeinschaft zu sein“, bei „immer mehr Menschen“ schwindet. „Das heißt, für diese Menschen, die sagen, ich bin nur noch alleine in der Welt unterwegs, der Rest interessiert mich nicht, für die wird quasi jeder Träger einer Uniform oder eine Dienstkleidung quasi zum Objekt für Feindseligkeit und Haß.“ Warum diese Menschen sagen, ich bin nur noch alleine in der Welt unterwegs, der Rest interessiert mich nicht, unterfiel freilich keiner weiteren Betrachtung; dafür durfte, s.o., der Nachwuchs genau das grimmige Leistungsregime beklatschen, das bewirkt, daß sich etwa deutsche Nationalfußballer für den Rest der Welt so wenig interessieren, daß ihnen ein Trikottausch mit dem türkischen Folterpräsidenten wie das Unverfänglichste von der Welt vorkommen kann.

„Alles ist freundlich wohlwollend verbunden, / Bietet sich tröstend und traurend [sic] die Hand, / Sind durch die Nächte die Lichter gewunden, / Alles ist ewig im Innern verwandt.“ Brentano, 1801

Paranoiker, Romantikerinnen und Freunde der kritischen Theorie sehen überall den Zusammenhang; das, was vom Menschen übrig ist, sieht nach Kräften keinen mehr. Und darum bin ich auch wieder mal der einzige, der sich für die Verlagsbeilage „Velo Now!“ („Rennrad: Sportlich unterwegs mit Genuß; Made in Germany: Radinnovationen aus der Heimat“) begeistert: „Radfahren in der Gruppe macht nicht immer allen Spaß, gerade die schwächsten Fahrer leiden. Unsere Autorin kennt das Gefühl zur Genüge. Für den Familienurlaub saß sie nun erstmals auf einem E-Mountainbike und siehe da, der Fahrspaß kehrte zurück.“ Wenn ich ein riesiges Problem habe, bei dem ich nicht weiß, wie ich es in den Griff bekomme, und wenn ich, immer nur allein in der Welt unterwegs, schwach bin und leide, dann brauche ich nicht etwa Solidarität, Liebe oder eine Familie, die mehr wäre als eine Horde von Es-geht-voran-Kaputniks; dann brauche ich ein E-Bike. In den zitierten Sätzen wird (bis auf die amtlich tote Kommasetzung) alles kenntlich, was am Zusammenhang, so wie er ist, falsch ist, und niemand sollte eine Schule verlassen, ohne in die Lage versetzt zu sein, das auch zu sehen. Das ist, wiewohl eine Schulstunde reichen würde, natürlich der frömmste aller Wünsche; und also bleiben die einen fanatisch „in Form“ (ebd.) und geht alles andere komplementär aus dem Leim.

„Wir haben uns alle viel zu lange aus der Verantwortung gestohlen“ (Schnellnhuber): es gibt indes kein „Wir“ mehr, und Verantwortung können nur aufgeklärte Erwachsene übernehmen. Noch so’n frommer Wunsch: „Als die Kinder noch klein waren, konnte ich noch gut mitfahren, mittlerweile hängt die Mama jedoch nur noch hinterher und muß sich dann auch noch die blöden Kommentare der Familienmitglieder anhören.“ Und muß doch liefern den rundum Gelieferten. (Und apropos: „Deutsche Post: So krank macht der Job als Paketbote wirklich“, Wiwo.de. Zusammenhänge, Zusammenhänge ...)

Noch mehr Zusammenhang gibt’s live am Dienstag, 20 Uhr, in Nürnberg, K4 (Zentralcafé). 

Aktuelle Cartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Charlotte Roche!

Charlotte Roche!

In »Spiegel« und SZ, »Zeit« und Ihrem eigenen Podcast haben wir nun lang und breit zu lesen bzw. hören bekommen, dass Ihre Ehe nicht perfekt, sondern »ganz normal« sei. So normal kann sie aber doch nicht sein, schließlich haben »normale« Paare weder einen eigenen Ehepodcast noch Zeitungs- und landesweite Berichterstattung über ihr Privatleben, meinen Sie nicht?

Na ja, was Sie sonst so alles Normales tun, werden wir mangels Interesse wohl nie erfahren. Unser Leben geht trotzdem ganz normal weiter. Titanic

 Ahoi, Jörg Thadeusz!

Gewohnt inhaltslos polternd beklagen Sie in der »Berliner Morgenpost« die moralische Hybris Deutschlands am Beispiel der Seenotretterin Carola Rackete: »Recht gilt nur so lange, bis ein deutscher TV-Fritze wie Jan Böhmermann, eine deutsche Nicht-Regierungsorganisation oder die gesamte deutsche Öffentlichkeit eine höher stehende Moral definieren.« So kommen Sie nebst originellen Bemerkungen über Quinoa essende »Szene-Berliner« schließlich zum Fazit: »Denn was moralisch geboten ist und was nicht, bestimmen nun mal die Deutschen.«

Da haben Sie aber etwas missverstanden: Die Königsdisziplin deutscher Hybris ist längst das moralische Gejammer über die Moral der anderen, aus dem vulgärdialektischen Irrglauben heraus, sich so in argumentative Höhen zu poltern. Objektiv gesehen, Herr Thadeusz, befinden Sie sich nämlich geistig längst selbst unter dem Meeresspiegel.

Fern jeder Hybris:

Ihre Seenotretter von Titanic

 Wenn ausgerechnet Sie, Kölner Weihbischof Ansgar Puff,

im Interview mit der Katholischen Nachrichten-Agentur dazu aufrufen, sich durch das eigene Verhalten stärker gegen Menschenhandel zu organisieren, und predigen »Fangen wir bei der Prostitution an: Einfach nicht ins Bordell gehen. Punkt« – ist Ihre Aussage dann letztlich nicht auch ein Sinnbild der bigotten Sexualmoral Ihrer Kirche? Nomen est schließlich omen. Titanic

 Huhu, Pia Ratzesberger (SZ)!

»Im Kampf gegen den Klimawandel bleibt das Ozonloch eher eine abstrakte Vorstellung, während man irgendeine Plastikfolie jeden Tag aufreißt.«

Genau; bzw. apropos Loch: Regnet’s rein? Aber schön warm, wegen Ozonwandel?

Puh!

Löchrig grüßt Titanic

 Hey na, AKK?

Der Hype um Ihre Initialien will wohl einfach nicht abflauen. So lesen wir etwa auf »Spiegel online«, dass die Menüfolge des »Düsseldorfer Ständetreffs« ganz auf Ihre Initialen abgestimmt gewesen sei – »von der Vorspeise (Avocado, Kastenbrot, Krabben) über den Hauptgang (Apfel, Karotte, Kalbstafelspitz) bis zum Dessert (Ananas, Kokos, Kalamansi). Die Tischdekoration ebenfalls – Pflanzen in ihren Buchstaben, der Kaktus als Krönung.«

Leider im Bericht unerwähnt bleiben Spirituosen (Apfelkorn, Kabänes, Korianderlikör), Besetzung der Band (Alphorn, Kornett, Kwetschkommode) und Gäste (Arschlöcher, Kleingeister, Knalltüten) wie zum Beispiel Ihr ebenfalls anwesender Ex-Rivale Friedrich Merz (Aktienhandel, KumEx-Geschäfte, Karibikkonten). Der bekam laut »Spiegel« vom Publikum sogar mehr Beifall (Applaus, Klatschen, Kundgabe [von Zustimmung]) als Sie. Dabei sollte man doch meinen, dass Sie jemanden, der menü- und initialienmäßig zuerst an Froschhirne, Miesmuscheln und Fermentierte Magermilch denken lässt, mit links in die Tasche (Akten-, Korb-, Kosmetik-) stecken. Sind da womöglich wieder mal Aufstand, Kritik und Krawall im Anmarsch (im Kommen, am Kenntlichwerden)?

Okay, reicht. Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 LinkedIn oder Tod

Nach langer Funkstille habe ich mich dazu entschlossen, meine Ex-Freundin und ehemalige Kollegin bei Xing zu adden, um ihr zu zeigen, dass sie mir auch beruflich absolut nichts mehr bedeutet.

Karl Franz

 Sommerabend-Komplex

Auch wir ließen die Gardinen offen bei unserem Hollandurlaub, wir wollten teil sein dieser freundlichen Gesellschaft, die nichts zu verbergen hat. Doch schnell wurde ein gewisser Zugzwang merkbar - ist es aufgeräumt genug für die Betrachter? Bin ich zu nachlässig gekleidet? Hinter all den hübschen Präsentierzimmern gibt es vermutlich neonbeleuchtete Räume mit Resopalmöbeln, dort sitzt man Krumm und mit strähnigen Haaren in ausgebeutelten Jogginghosen, blafft herum, isst kalte Pizza vor dem Fernseher.

Miriam Wurst

 Überlegung

»Falls ich diesen Abend nicht überleben sollte, möchte ich wenigstens so viele Delphine wie möglich mit in den Tod genommen haben« sprach er. Und bestellte nach acht Maß Bier und drei Schnaps eine Pizza Thunfisch ohne Käse.

Theobald Fuchs

 Remake

des Filmklassikers mit Demi Moore und Patrick Swayze: »Ghosting – keine Nachricht von Sam«.

Elias Hauck

 Neues aus Brüssel

Laut eines Urteils des EuGH können alle Termine, die Sie bereits beim Dermatologen ausgemacht haben, ab sofort auch von etwaigen Nachfahren genutzt werden. Diese müssen explizit auch noch nicht geboren sein.

Felix Scharlau

Vermischtes

Hans Zippert: "Fernsehen ist wie Radio, nur ohne Würfel"
Die steile Karriere des Hans Zippert begann im Jahr 1967 mit einem  Schülerpraktikum beim Kulturmagazin "TV Spielfilm". Nach einem  Volontariat bei "TV Direkt" übernahm er das angesehene 20-Uhr-15-Ressort  bei "TV Okayokay", bevor er schließlich Programmchef der auflagestarken  "TV Superwoche" wurde. Nachdem er über einen Bestechungsskandal rund um  eine 3-Sterne-Empfehlung für "Rote Rosen" stolperte, sah sich Zippert  1990 gezwungen, Chefredakteur von TITANIC zu werden. Der Tiefpunkt war  erreicht. Das alles und noch mehr erfahren Sie in diesem Buch!Friedemann Weise: "Die Welt aus der Sicht von schräg hinten"
Laut seiner Homepage ist er der "King of Understatement" und der "lustigste Mensch im deutschsprachigen Internet". Er ist aber auch Gitarrenmann, Viralblogger (15000 Follower!), Gagautor und Promiexperte mit Diplom. Die Rede ist von Friedemann Weise, dem Mann mit dem Namen! Der Mann, der den "Satiropop" erfand. Und jetzt auch noch ein Buch vorlegt. Ob das gutgeht? Ordern Sie diese Prämie und teilen Sie Ihr vernichtendes Urteil bitte zeitnah der TITANIC-Redaktion mit.Serdar Somuncu: "H2 Universe: Die Machtergreifung", DVD
Er ist der selbsternannte Hassias – viel wichtiger aber noch: der designierte Kanzlerkandidat für Die PARTEI. Holen Sie sich jetzt die neue DVD von Merkel-Nachfolger Serdar Somuncu als Gratisprämie und stehen Sie damit schon vor der Machtergreifung auf der richtigen Seite. Ihre Kinder werden es Ihnen danken!
Zweijahres-Abo: 98,60 EURKamagurka & Herr Seele: "Cowboy Henk"
Er ist Belgier, Kamagurka. Belgier! Wissen Sie, was der Mann alles durchgemacht hat in letzter Zeit? Eben, er ist Belgier. Und hat trotzdem in einem Finger mehr Witz als Sie im ganzen Leib! Und Heldenmut! Glauben Sie nicht? Dann lassen Sie sich von Cowboy Henk überzeugen, dem einzigen Helden, der wirklich jeden Tag eine gute Tat begeht.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURSonneborn/Gsella/Schmitt:  "Titanic BoyGroup Greatest Hits"
20 Jahre Krawall für Deutschland
Sie bringen zusammen gut 150 Jahre auf die Waage und seit zwanzig Jahren die Bühnen der Republik zum Beben: Thomas Gsella, Oliver Maria Schmitt und Martin Sonneborn sind die TITANIC BoyGroup. In diesem Jubiläumswälzer können Sie die Höhepunkte aus dem Schaffen der umtriebigen Ex-Chefredakteure noch einmal nachlesen. Die schonungslosesten Aktionsberichte, die mitgeschnittensten Terrortelefonate, die nachdenklichsten Gedichte und die intimsten Einblicke in den SMS-Speicher der drei Satire-Zombies – das und mehr auf 333 Seiten (z.T. in Großschrift)! 
Zweijahres-Abo: 98,60 EURLeo Fischer + Leonard Riegel: "Fröhliche Hundegeschichten"
Ein Buch, bei dem Sie "Wau" sagen: Leo Fischer und Leo Riegel haben ihre Talente gebündelt und gemeinsam 1001 moderne Hundemärchen in Wort und Bild erschaffen. Zum Lesen, Lachen, Anknabbern! Und außerdem ein echter Lebensretter. Jedenfalls dann, wenn Sie Nacht für Nacht von einer dreiköpfigen Bulldogge heimgesucht werden, die Sie vor die knifflige Wahl stellt, ihr entweder eine "Fröhliche Hundegeschichte" vorzulesen oder den Arsch abgebissen zu kriegen. Ihre Entscheidung!Michael Ziegelwagner: "Der aufblasbare Kaiser"
Seit dem putzigen Präsidentschafts-Hahnenkampf zwischen Alexander Van der Bellen und Norbert Hofer interessiert sich plötzlich auch Resteuropa für das Land, um das es in diesem Buch geht: Österreich. Dabei ist der Donaustaat schon seit 2014 eine literarische Reise wert, jenem Jahr, als "Der aufblasbare Kaiser" für die Longlist des Deutschen Buchpreises nominiert wurde. Lassen Sie sich auf diese Reise mitnehmen: von Michael Ziegelwagner, dem liebenswertesten Randbalkanesen der TITANIC. Pflichtprämie für Kaisertreue!Elias Hauck (Hrsg.): "Alles Spargel oder was?"
Endlich ist ganzjährig Spargelsaison! Elias Hauck, die eine Hälfte von Hauck & Bauer und Herausgeber des Frauenmagazins "Sonja", serviert die reifsten Spargelwitze der Welt – gezeichnet und erzählt von dutzenden gemüseliebenden Cartoonisten und Autoren. Lachen Sie unter anderem über: den mit den polnischen Erntehelfern, den mit dem kaputten Spargelschäler und den mit der Fliege in der Hollandaise.Wenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURDie PARTEI-Wahlwerbungs-DVD mit allen vier Wahlwerbespots aus dem Bundestagswahlkampf 2005: Höhepunkte der Politpropaganda, die von Otto Schily mit dem Prädikat "ein Skandal" ausgezeichnet wurden. Besser aufgelöst als auf Youtube und noch dazu mit einer praktischen, farbechten Hülle drumrum - das ist doch was, was?
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Das schreiben die anderen

  • 16.08.:

    Christian Y. Schmidt schreibt im "Neuen Deutschland" über die Ausstellung "Summer of China" in Berlin.

  • 16.08.:

    Die "Neue Westfälische" über das legendäre Bielefelder Satiremagazin "Dreck".

Titanic unterwegs
27.08.2019 Hamburg, Grüner Jäger Ella Carina Werner mit A. Neft, B. Maak u.a.
28.08.2019 Berlin, Theater im Pfefferberg Max Goldt
15.09.2019 Göppingen, Schloss Filseck F. W. Bernstein: »Sinnverlust ist Lustgewinn«
22.09.2019 Frankfurt, Museum für Komische Kunst »Hans Traxler. Zum Neunzigsten«