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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Kein Weltuntergang

Das ganze Leben, wir wissen es, ist ein Quiz, und mitunter ein besonders einfaches: Geht es in der „Süddeutschen Zeitung“ um frische Raketenangriffe der Hamas und wie es sich in den israelischen Grenzgebieten unter Raketenangriffen lebt, wenn zwischen Alarm und  Einschlag 15 Sekunden liegen, was ist dann auf dem Foto zu sehen? a) Verängstigte israelische Kinder nach einem Angriff oder b) verängstigte palästinensische Kinder nach dem Gegenangriff?

Es muss schön für die Korrespondentin Alexandra Föderl-Schmid sein, sich so wacker um Objektivität zu bemühen („Armut, Wut und Stromausfälle: In Gaza formiert sich der Protest gegen die herrschende Hamas. Die lässt Demonstranten verprügeln und verhaften“, 26.3.), wenn die heimatliche Redaktion dann doch wieder Angst vor den Leserbriefen hat oder selbst darauf besteht, dass Vergeltung viel schlimmer sei als der Erstschlag, schon aus gut christlichen Gründen, von denen der Jud’ halt naturgemäß nichts versteht. Derweil veröffentlichen – drei Wochen nachdem auf einem Karnevalswagen in Flandern „zwei bärtige Figuren mit Hakennasen, Schläfenlocken und Hüten orthodoxer Juden vor Geldsäcken und einem Geldschrank“ zu sehen gewesen sind („Neues Deutschland“, 7.3.) – die Riefenstahl-Rocker Rammstein „eine Videoszene in KZ-Kleidung“ (SZ, 29.3.), worüber sich das Feuilleton in der Ahnung aufregt, dass seine Aufregung zum Plan gehört, und jetzt könnte ich googeln und die Zahl der deutschen (französischen, europäischen) Juden ermitteln, die sich mit dem Gedanken an Auswanderung tragen, aber ich spare es mir, denn dass sie enorm gewachsen ist und weiter wächst, reicht völlig. Und wer dann ausgewandert ist, sitzt in Tel Aviv und wird plötzlich von den Leuten gehasst, die Videoszenen in KZ-Kleidung daheim noch beklagt haben. Die Welt ist schön.

„Davon geht die Welt nicht unter / Sieht man sie manchmal auch grau / Einmal wird sie wieder bunter / Einmal wird sie wieder himmelblau“ Zarah Leander, 1943

Das Mantra Oliver Kahns, dass es immer weitergehe, es ist das Mantra der Zeit, sonst stünde es nicht in der FAZ, wo der bewährte Frank Lübberding in genauso bewährtem Positivismus darauf besteht, dass es Zukunft per definitionem immer gibt und sich also niemand von „apokalyptischen Visionen, die jeden Freitag von Tausenden Schülern als Glaubensbekenntnis nacherzählt werden“, ins Bockshorn jagen lassen muss, zumal diese dummen Demos „ohne die Einsicht“ aufgeführt würden, „nichts anzubieten, um die Menschheit tatsächlich zu retten. Es bleibt dann nur der Fatalismus.“ Doch der ist freilich Quatsch, denn die „in Aussicht gestellten Katastrophen durch den Klimawandel sind keineswegs die ersten von uns Menschen fabrizierten. Die letzte namens Zweiter Weltkrieg kostete fünfzig Millionen Menschen das Leben, nicht zuletzt“, bitte einrahmen: Nicht zuletzt!, „von uns Deutschen verursacht“, ohne dass deswegen, wie man so sagt, die Welt untergegangen wäre. „Die Reaktion auf den Klimawandel ist dagegen der erste ernsthafte Versuch der Weltgemeinschaft, solche Entwicklungen mit womöglich desaströsen Konsequenzen durch Kooperation zu verhindern oder wenigstens einzudämmen“, ein Versuch, der zwischenzeitlich zu einem neuen Rekord beim Treibhausgasausstoß geführt hat. „Diese Erkenntnis“, dass es irgendwie noch immer jot jejange hätt, „hilft aber nicht, wenn man wie Ziemiak gestern abend der grassierenden Endzeitstimmung auch noch zustimmt“, es also selbst einem CDU-Generalsekretär im öffentlich-rechtlichen Talkfernsehen nicht mehr recht gelingt, Optimismus zu heucheln.

Ein Optimismus, der aber doch nicht unbegründet wäre, wo die Sonne schließlich jeden Morgen aufgeht und es auch in hundert Jahren noch Menschen geben wird, selbst wenn ein sogenannter, nicht zuletzt von uns Deutschen mitverursachter Klimawandel („Riesen-SUV X7: BMW setzt noch einen drauf“, FAZ.net, 28.3.) zwischenzeitlich vielleicht 50 oder 500 Millionen von ihnen das Leben oder wenigstens das Zuhause gekostet hat; wie die Geschichte schließlich lehrt, dass sich alles überleben lässt, sofern man nur auf der richtigen Seite sitzt. Und die ist a) in Frankfurt und München; und nicht b) in Haifa oder Bangladesch.

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Auf dem Gewissen

Es ist auf der Welt ja so eingerichtet, dass alles seinen Preis hat, und da sind wir, versteht sich, dagegen; auch wenn mir diese Bezahlschranken immer mehr Freude machen.

Denn Lesen ist ja eine Reflexhandlung und ein erweiterter Reflex der des Kolumnisten, auch das Eklige aufzurufen, nicht weil er wollen würde, sondern weil er zu müssen glaubt; und wie schön, wenn es dann auf FAZ.net eine Bezahlschranke gibt und ich Quatsch rechts liegenlassen kann: „Umweltschützer reden uns seit Jahrzehnten ein schlechtes Gewissen ein. Dabei kann die Lösung globaler Probleme, wie des Klimawandels, nicht Aufgabe des einzelnen sein. Ein Plädoyer für mehr politische Verantwortung“, die bzw. das ja garantiert nicht so aussieht, dass der Sozialismus oder ein Anarchismus eingeführt wird und dezentrales Wirtschaften im Einklang mit Mensch und Natur auf die Tagesordnung kommt. Politische Verantwortung, das ist was mit Grenzwerten, Effizienz und Emissionsrechten und jedenfalls eine, die in Klimaschockzyklonen abgesoffene Afrikaner gegen die vielen Vorteile des neuen Citroën C5 („Ein SUV im Van-Sinn“, ebd.) abzuwägen bereit ist.

Dass alle nun die Welt retten, indem sie in den Bioladen stiefeln, stimmt natürlich nicht; daraus den Schluss zu ziehen, es sei im Alltagshandeln alles wurscht, weil Sache der Politik, stimmt aber ebensowenig, und sei’s des kategorischen Imperativs wegen und weil kein Arschloch zu sein ja vielleicht ein Wert an sich ist. Auf einer ganzen überregionalen Zeitungsseite informiert mich die Fleisch- und Fleischersatzfirma Rügenwalder, es brauche in puncto Klima „bessere Ideen“ als „Fahrverbote“ und „Fleischverzicht“, denn „Verzicht funktioniert nicht“: „Die ganzen Appelle von ,Fahrt bitte mehr Bus und Bahn’ über ,Nutzt bitte weniger Strom’ bis zur Forderung nach einem wöchentlichen Veggie-Day laufen ins Leere. … Und weil auch Verbote keine befriedigende Lösung sind, kommt den Unternehmen eine zentrale Rolle zu. Sie haben die Aufgabe, die vorhandenen Produkte besser zu machen.“ So wie der Bock die Aufgabe hat, den Garten besser zu machen; und so bringt man den Nachwuchs per Bus und Bahn zum Schwimmkurs und trifft, ist der Kurs um, von den bis zu fünfzehn Miteltern grundsätzlich niemanden – in Worten: 0 – an der Straßenbahnhaltestelle, obwohl die vor der Tür ist und die Tram keine Viertelstunde ins Stadtzentrum braucht. Verzicht, es ist wahr, funktioniert nicht, weil in der Zeitung steht, dass Verzicht nicht funktioniert und weil auch niemand Bock auf schlechtes Gewissen hat, das freilich nur in Meinungsbeiträgen wider das schlechte Gewissen existiert und so schlecht nicht sein kann, wenn die Lufthansa ein Rekordergebnis nach dem anderen einfliegt und ganz offenbar eine gewissenlose Nachfrage nach SUVs im Van-Sinn besteht. (Und wo die stolzen Eltern der Zukunftsfreitagskinder Urlaub machen werden, will ich im Ernst gar nicht wissen.)

„Jetzt bin ich Mitte vierzig und will meine Ruhe vor diesen Arschgesichtern, ehrlich, ich verachte sie … und wenn ich jetzt noch eins draufsetze und anmerke, dass diejenigen in der Runde, die den ganzen [Eltern-]Abend über nichts gesagt haben, jüngere Frauen mit roten Schuhen und Filzjacken waren und dass sowohl bei den Schuhen als auch Jacken die Nähte auf lustige Art außen saßen, dann denkst du vielleicht, … das tue nichts zur Sache, doch das sind entscheidende Hinweise, Hinweise auf die Wirklichkeit …“ Anke Stelling, 2018

Gewissen ist das, was jede mit sich selbst abmachen muss, mithin Teil jener Individualität, die unser Gemeinwesen so vorbildlich ausmacht. Dass, wo die freie Selbstentfaltung andere zu Schaden kommen lässt, ein schlechtes Gewissen nicht am Platze ist, ist kein Widerspruch, wenn wir die Sache mit der freien Entwicklung des einzelnen als Voraussetzung usw. vergessen und an das frühe Urteil Krausens denken, wonach die Individualität, die alle haben, immer bloß dieselbe ist. Dann wird Gewissen zum Geschwister dessen, was da einmal „sozialistische Moral“ hieß, nämlich zur kapitalistischen Moral, und deren erste (und letzte) Maxime lautet: Verzicht bringt nichts. Der Fa. Rügenwalder zum Beispiel.

Weshalb ich auf die ewig gleichen Vorwürfe auch nicht verzichten kann.

PS. Eben lese ich, ein grüner Bundestagsabgeordneter habe ein jährliches Pro-Kopf-Flugreisenbudget von drei (!) Hin- und Rückflügen (international) vorgeschlagen – und sich von „Bild“ und FDP sofort der „Bevormundung“ zeihen lassen müssen. Es ist natürlich, wie so vieles, Wahnsinn mit Methode; aber kriminell ist es eben auch.

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Beim Bäcker

Die Welt besteht nicht nur aus Blödianen. Nicht nur, dass mir Leser H. eine überaus freundliche Ansichtskarte aus Burkina Faso geschickt hat; als mein Vorderrad Mitte der Woche in eine Straßenbahnschiene geriet und ein spektakulärer Sturz folgte, eilten mir nicht weniger als drei besorgte Hannoveraner zu Hilfe, und jetzt muss ich zwar ein wenig humpeln, freue mich aber, dass den Leuten dann doch nicht alles wurscht ist. Und meine zwanzig Jahre alte Brille den hohen Bogen unbeschadet überstanden hat.

Derart gestärkt, kann ich mich wieder den Blödianen widmen, und im Morgenblatt ist der Martin Zips, irgendwie fürs Vermischte, immer aber fürs Anzügliche zuständig, einer der verlässlichsten. US-amerikanische Forscherinnen haben herausgefunden, dass nicht bloß Hip-Hop-Texte mit Sex und Gewalt operieren, sondern sich in populärer Musik ganz allgemein und genauso häufig „Anspielungen auf Gewalt“ fänden. Zips nun übersetzt uns nicht nur, auf welche Weise (nämlich mit welchem Objekt) Sex und Gewalt zueinanderfinden, er hilft uns auch bei der Einordnung: „Nicht analysiert wurden Texte des Nockalm Quintetts (,Zieh dich an und geh, bevor was geschieht’), der Gruppe Sofaplanet (,Wir würden einfach liebficken, ficken für vier/Du auf dem Rücken und ich über dir’) sowie von Andreas Gabalier (,Fesche Madl brauchn flotte Buam hollero, zum Zuwadruckn, Liabm und zum Gspiarn’.)“

Köstlich. Bzw. Liabm und Gspiarn und Mann über Frau, wo ist da das Problem? Sexualisierte Gewalt in der populären Kultur, das ist doch wieder Genderquatsch, und wenn FPÖ-Gabalier mal zuwadruckn will, dann sollen die feschen Madl doch froh sein!

Zips Kollege Thomas Steinfeld aus dem Feuilleton ist wiederum kein Blödian, und was ihn aber in Rage bringt, ist die Gendersprache, was ein bisschen seltsam ist, weil sie, was er zugibt, in höherer Öffentlichkeit kaum stattfindet, sieht man ab von den „Wählerinnen und Wählern“ oder vereinzelten „Autofahrerinnen und -fahrern“ (Zeit.de). Die einzige größere Zeitung, die gendert, ist die Taz, und Hannover ist die erste Kommune, die das gendern in Amtstexten vorsieht, das aber nicht totalitär meint, sondern freundlich.

„Na, dann müssen wir es packen / einfach frei nach Schnauze backen“ Rolf Zuckowski, 1987

Steinfelds jüngster Feuilletonbeitrag zum Thema – einen Tag nachdem die Leserbriefseite klassisch vier Männer contra und eine Frau pro Gendersprache versammelte – hebt dagegen mit dem Verweis auf nationalistische Sprachreiniger im Ersten Weltkrieg an, wendet sich gegen „revolutionären Furor“ und ein „Aufseherwesen“, von dem man gern wüsste, wo es wirklich herrscht, und leitet daraus die Forderung ab, Sprache und Politik zu trennen – gern, aber dann bitte auch „Arbeitgeber“ abschaffen und die Konformvokabel „nachvollziehen“ bannen –, wie denn auch das generische Maskulinum kein biologisches, sondern grammatisches sei: So wie „der Tisch“ keine Eier hat, sind „Journalisten“ Wesen, die Texte für Zeitungen schreiben. „Wer ,ich gehe zum Bäcker sagt’, denkt dabei nicht notwendig an einen Mann.“ (Sagt ein Teil der Forschung: Eben doch. Derselbe, der findet, bei „der/die Kranke“ sei’s mit der Trennung grammatisch/biologisch Essig.) Diese grammatische Übergeschlechtlichkeit als nämlich Indifferenz wäre, nicht nur aus Gründen der Eleganz, zu bewahren, damit man sich „in einer Gemeinschaft freier Geister bewegen könnte, … ohne Rücksicht auf biologische Voraussetzungen“, was freilich ein haargenauso „idealistisches Vorhaben“ ist wie lt. Steinfeld das Gendern.

„So aber ist die geschlechtergerechte Sprache, wie sie bislang propagiert wird, nicht beschaffen. Statt dessen stößt sie jeden Mann und jede Frau auf seine oder ihre biologische Bedingtheit zurück.“ Wenn vielleicht auch nicht halb so ruppig wie ein Schlagertext oder der Martin Zips oder ein deutscher Firmenvorstand oder die pinke Regalwand in der Spielwarenabteilung oder Kinder- und Jugendbücher, die stur zwischen Abenteuer und Piraten hie und Prinzessin und Pferden da unterscheiden. Aber schuld ist nur der Bossa nova oder jedenfalls „das geschlechtspolitisch alarmierte Sprachempfinden“, unter dessen „Aufsicht“ sich „auch der letzte nur grammatisch als männlich markierte ,Bäcker’ in etwas biologisch Maskulines verwandelt. Gegen ein solches Empfinden ist nur schlecht zu argumentieren – zumal das Ableitungsverhältnis zwischen ,Leser’ und ,Leserin’ bestehen bleibt: Der Dominanz des Männlichen entkommt man im Deutschen nicht. Sie ist mit der Sprache gegeben.“

Und halt nicht nur mit der. Gehe ich nämlich zum Bäcker, dann gehe ich um die Ecke zum Bäcker „(Thomas) Göing“, oder vielleicht zu „Tom Maas“, oder ich besuche „(Cord) Buck’s Backparadies“, und in 999 von tausend Fällen werde ich von Frauen bedient. „Der einzig mögliche Ausweg wird darin liegen, … einen freien, souveränen Umgang der Geschlechter (in allen Varianten) im Praktischen anzustreben, anstatt ihn über eine Regelung der Sprache … erzwingen zu wollen.“ Da strebe ich gern mit und plädiere dafür, den Zips mal zum Brötchenschmieren in die Kantine abzuordnen, wo er sich mit den garantiert weiblichen Fachkräften über so etwas Lachhaftes wie Geschlecht und Gewalt beömmeln kann; oder über die Ironie, dass in der SZ meine Hannoveraner Helfer als biologisch männliche gar nicht kenntlich würden.

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Erfolg

Es gibt ja keine dummen Fragen, sondern bloß dumme Antworten, aber auch hier hat die Regel ihre Ausnahme: „Wie wichtig ist die Kindheit für das Leben?“ will „SZ Familie“ wissen, und da ist natürlich alles drin: Entweder ist die Kindheit so wichtig für das Leben wie das Frühstück für den Tag, dann kann man den Nachwuchs auch weiterhin in den Arm nehmen und ihm die Arbeit in der Coltanmine ausreden. Oder Heimito von Doderer hat unrecht: „Jeder bekommt seine Kindheit über den Kopf gestülpt wie einen Eimer“, und „ein ganzes Leben lang rinnt das an uns herunter“, dann braucht es aber auch keine Studien zu „DDR-spezifischen Konstellationen sexueller Gewalt gegen Kinder und Jugendliche“, die grosso modo nichts anderes ergeben, als was Studien zur Gewalt gegen Heimkinder West ergeben haben, abgesehen freilich davon, dass „die Situation für Kinder, die zu Hause Missbrauch erlebten“, sogar besonders „ausweglos“ war, weil es „nach außen nach heiler sozialistischer Familie (habe) aussehen müssen“, wie meine neue beste Freundin H. Roßbach nur zu gern rapportiert. Im Westen dagegen war die heile kapitalistische Familie bekanntlich längst von allen als Trug und Zwangsanstalt durchschaut und nahmen Mütter die missbrauchenden Väter schon aus Prinzip und wirtschaftlicher Unabhängigkeit nicht in Schutz; und wurde Kindsmissbrauch nur dann beschwiegen, wenn die Opfer die Kinderfreunde von Michael Jackson waren. (Im übrigen war die Scheidungsrate in der DDR viel höher als im Westen; soviel zur heilen sozialistischen Familie.) 

Die dumme Frage erhält aber ihren guten Sinn, wenn wir bei der Frankfurter Konkurrenz vorbeischauen und die Bezahlschranke uns gottlob einen Artikel über Helikopter-Eltern vom Hals hält, die, gegen das Klischee, „vieles richtig“ machten, denn „laut einer Studie machen Eltern, die sich intensiv um ihre Kinder kümmern, diese im späteren Leben erfolgreicher. Müssen wir unsere Kleinen mehr coachen?“

„Der Artikel wurde erfolgreich in den Warenkorb gelegt.“ Verkaufsdeutsch, Internet, 2019 (und früher)

Unbedingt, denn Kindheit wird zweifellos wichtig, wo sich ihr Erfolg am Erfolg bemisst, und wer sich heute nicht dafür schämt, seine Kleinen zu coachen, wird später, wenn sie Chefärzte, Geigenvirtuosen, Kindheitsforscherinnen oder Qualitätsjournalistinnen geworden sind, die nach dem Motto „Mein Name ist Phrase, ich weiß von nichts“ ständig „nach dem Motto“ sagen („Das Stigma Heimkind habe an ihnen gehaftet. Nach dem Motto: ,Die lügen sowieso’“), im Bewusstsein diese schöne Welt verlassen, den Nachwuchs gut aufgestellt und topfit gemacht zu haben. Wie sich auch eine Karriere als Fußballmillionario längst nicht mehr irgendwelchen Dorfbolzplätzen (= einer Freiheit) verdankt, sondern Sportinternaten als Teil eines „Drill- und Züchtungsapparates“ (Jürgen Roth), zu dem naturgemäß der „eklatante Mangel an Erfahrungen“ außerhalb seiner selbst gehört. Ein Mangel, der im sich abschließenden und verrammelnden Bürgertum zur Tugend wird.

Das, und nichts anderes, ist coachen, und wer coacht, will, dass sein Kind gewinnt. (Ruhig mal jemand fragen, der ein Kind auf einer Schule für die höheren Stände hat, wie der letzte Elternabend gewesen ist.) Nun kann man finden, dass man da in unserer schönen Leistungsgesellschaft keine Wahl hat; aber wer über die Bezahlschranke einer Zeitung für Gutverdiener hüpfen kann, hätte soviel Wahl allemal, dem „Sinn für das Defizitäre, das Unbesonnene, das Unpraktische“ (Gunnar Homann) ein Türchen offenzuhalten, wär’n sie nicht alle durchs Dauerfeuer der Agenturen so rettungslos blödkartätscht, dass die Nachricht, wie singulär der Sozialismus seine Kinder missbraucht hat, nur das bestätigt, was sie immer schon wussten:

nichts.

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Die Vernichtung der Sorgen

Begeisterungsfähigkeit ist nicht die schlechteste Voraussetzung für die Arbeit als Spitzenkolumnist, und wie gut also, dass mich der im Qualitätsmorgenblatt vermeldete „vorzeitige Abbruch“ des vietnamesischen Gipfels so begeistert wie die Freude des angeschlossenen Magazins über unsere „offene, bunte, sich schnell verändernde Welt“ mit nämlich Vorstadtsiedlungen, in denen sich Kinder „optimal entfalten“ können, zu schweigen von der Freude über die felsendicke Spitzenlüge nicht vom 27. April, sondern Februar: „Wenn in diesen Tagen nach einem langen Winter die Temperaturen auf bis zu 20 Grad steigen“, einem Winter, der selbst in den südlichen Schneegebieten allenfalls sechs Wochen gedauert hat und den man drum verlängern muss, damit sich in die bereits Mitte Feber vom Gute-Laune-Radio verbreitete Frühlingslaune auch kein Zweifel schleiche. Und wir reden hier von „Antenne Niedersachsen“, wo der Winter unterhalb des Harzes schlicht ausgefallen ist.

Ich bin begeistert, auch über den wunderbaren „Stern“-Titel betr. „anständig leben und nachhaltig. Im Einklang mit uns, unseren Mitmenschen und der Natur. So kann es funktionieren“, und aus dem Heft fallen dann erst einmal die „,Stern’-Reisewelten“ heraus („Nepal: Tempel, Dschungel, Himalaya“), dann das zwölfseitige „Fiat Giornale“, Ausgabe 1/19, mit dem wirklich gelungenen, weil prima nachhaltigen, das Weltverhängnis auf den Punkt hämmernden Slogan „Ciao Sorgen – hallo neuer Fiat“; und im Text selbst natürlich keine Silbe über Kapitalismus und Vernutzungszwang, sondern bloß das übliche Gequengel darüber, wie schwer es für uns Großstädter ist, immer das Richtige zu tun und nicht in Widersprüche zu geraten, wie der nächste bereits auf den Seiten 96ff wartet (Reise-Extra mit Urlaubsideen von Vietnam bis Mexiko); doch wenn wir uns schon auf die Reise in die anständige Welt machen („beginnt mit einem kleinen Schritt“!), kann ein Reiseteil nicht verkehrt sein. Mexiko-Stadt ist übrigens die „Wunderwelt der Gegensätze“, und auch über diese unausrottbarste aller reisejournalistischen Phrasen freue ich mich wie ein veganes Schnitzel, klaro!  

„Ich freu’ mich!“ Patrick Lindner, o.J.

Tatsächlich die größte aller Begeisterung löst allerdings ein Peter Dabrock aus, Professor für evangelische Theologie und Mitglied des Deutschen Ethikrats, der den Nachhaltigkeitsbeauftragten vom „Stern“ im ICE über das Ideal eines politischen Systems informiert, „in dem das Wohl der Gemeinschaft nicht einfach den Interessen des einzelnen geopfert wird. Das aber geht nur mit Kompromissbereitschaft. Wer es schafft, seine eigenen Interessen wichtigen Zielen der Gesellschaft unterzuordnen, ohne sich und seine Überzeugungen zu verleugnen, hat schon viel erreicht.“ Und vorbildlich hat sich hier laut Prof. Dabrock wer verhalten? Kommt man nicht drauf: Gerhard Schröder. „Dieser angebliche Ego-Politiker hat seine politische Karriere für die Durchsetzung der Arbeitsmarktreformen aufs Spiel gesetzt, weil er überzeugt war, dass sie dem Gemeinwohl dienten. Davor habe ich Respekt.“

In einer Welt, in der ein paar Tage Schneefall als langer und harter Winter gelten, kann bzw. muss ein „Handelsvertreter in eigener Sache“ (Oliver Maria Schmitt) – „Sein Lebensziel, die Kanzlerschaft, ist erreicht, der Rest wird sich schon ergeben“ (TITANIC 1/1999) – und Genosse der Bosse zum selbstlosen Gemeinwohltäter werden, was freilich stimmt, wenn man aus dem ICE-Fenster den deutschen Dauerboom samt bunter und offener Welt sieht und die Prekären, Obdachlosen und sonstwie Grauen nicht einmal dann, wenn man evangelischer Professor ist.

Und falls sich nun wer über das „nicht einmal“ freut: Meinen Segen (sic!) hat er. Und sie freilich auch.

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Nordkorea, diskutabel

Im nächsten Jahr wird diese Kolumne, rechnet man ihre Vorgängerin hinzu, zehn Jahre alt, und zehn Jahre lang wird es immer dasselbe gewesen sein: Ein dummes Zitat aus der Qualitätspresse, dann Adorno oder Haffner, fertig.

Zehn Jahre sind freilich nichts gegen die Zähigkeit, mit welcher der bürgerliche Leitartikel sich durch die Zeiten argumentiert, und zwar womöglich sogar noch variantenärmer, als selbst ich es vermag. In Berlin drängt eine Initiative auf einen Volksentscheid, um die Verstaatlichung privater Wohnungsgesellschaften zu erwirken, etwa die „Deutsche Wohnen“, der allein in Berlin die sagenhafte Menge von 100 000 Wohnungen gehört. „Zunächst“, sagt da der Leitartikel, „hört es sich an wie eine spätsozialistische Rachefantasie“; jedoch: „Die Verstaatlichung privaten Eigentums ist kein Willkürakt, sondern unter bestimmten Rechtsannahmen diskutabel.“ Gleichwohl: „Gleichwohl wäre es absurd, würde man die private Wohnungswirtschaft auf diese Weise enteignen, um aus der sozialen Marktwirtschaft in Deutschland eine Art Immobilien-Nordkorea zu machen.“

„Gé-nau“ (Herr Alfred), denn es geht gewiss anders, aber so geht es auch: „Die Lösung der Wohnungskrise liegt in der gerechten Nutzung von Wohnraum und einem sozialen Bodenrecht. Ohne den Neubau von Wohnungen wird es nicht gehen. Und der kann nur mit den Bürgern, aber nicht gegen ihren Willen durchgesetzt werden. Partizipation ist daher das Gebot der Stunde. Politik und Bauwirtschaft müssen das verloren gegangene Vertrauen zurückerobern. Das wird schwer – aber es ist der einzige Weg.“ Was wir also brauchen, ist mehr Gerechtigkeit. Dazu muss besseres Recht geschaffen werden. Der Neubau von Wohnungen schadet gewiss auch nicht, und hier müssen die Bürgerinnen und Bürger mitentscheiden dürfen, damit sich das Vertrauen in die Demokratie recht bald wiederhergestellt finde. Leicht ist das nicht, und es wird seine Zeit dauern, aber Politik und Bauwirtschaft verdienen unser Vertrauen, und anders geht es nun einmal nicht.

„Alles, was der Feind bekämpft, müssen wir unterstützen; alles, was der Feind unterstützt, müssen wir bekämpfen.“ Mao, 1939

Geht es, was mich betrifft, freilich doch, aber im Gegensatz zum süddeutschen Architektur-Redakteur bin ich nicht gehalten, die Auslieferung von Grundbedürfnissen ans Großkapital noch dann zu verteidigen, wenn selbst in der eigenen Zeitung ständig steht, wohin das führt. In meiner Welt muss es Mietwohnungskonzerne sowenig geben wie solche für Lebensmittel oder Versicherungen; will man diese Welt aber behalten, etwa weil man selbst für eine Medienholding arbeitet, dann soll, wer in München oder sonstwo sein halbes Einkommen fürs Wohnen ausgibt, die Idee nicht gut finden dürfen, dass 100 000 Stadtwohnungen der öffentlichen (oder irgendeiner genossenschaftlichen) Hand gehören könnten, damit sich niemand vor dem Schicksal jener kleinen Leute fürchten muss, denen, es stand im Lokalteil, in Nordschwabing ein Wohnkonzern die Bude sanieren will, um hernach die Miete zu verdreifachen. Also schreibt man „Immobilien-Nordkorea“, so wie man in anderen Fällen „Bautzen“ schreibt (oder die üblichen CDU-Granaten, präsentiert die Umweltministerin einen Plan zur Klimarettung, „Planwirtschaft“ krähen), und überlässt den Rest dem guten demokratischen Gang, der, muss er zwischen Geld- und Lebensinteressen wählen, noch stets die richtige Entscheidung getroffen hat.

Zwei Tage nach diesem leidenschaftlich lehrbuchhaften Leitartikel verteidigt ein Kollege an gleicher Stelle die Entscheidung der ARD, sich durch linguistische Expertise aus der Framing-Falle („Staatsfunk“) führen zu lassen: „Gegner von Information und Aufklärung gibt es links und rechts … Wer andere Ansichten vertritt, soll als Feind empfunden werden.“

Falls nicht als Nordkorea.

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Eberts Erben

Man soll der ewig gescholtenen SPD ruhig auch mal dankbar sein, und sei’s dafür, dass sie das System zur Selbstbezichtigung anleitet: Ca. einen „Angriff auf die soziale Marktwirtschaft“ sahen CDU und CSU in dem sozialdemokratischen Versuch, mittels perspektivischer Mindestlohnerhöhung und „Respekt-Rente“ dem „Land ohne Würde“ (Die Antwort) ein ganz kleines bisschen Egalität zu verschaffen, und dass soziale Marktwirtschaft also ist, die Werktätigen bis an die Grenzen des linksliberalen Leitartikels zu verheizen, haben wir nun schriftlich. Irgendein Esel i-aahte dann noch von „Leistungsgerechtigkeit“, und man wusste wieder mal Bescheid. (Liebe Straßenbahnfahrer, Krankenpfleger und Bäckereifachverkäuferinnen mit Euren 1500 netto: Leistet einfach mehr. Oder streikt und sagt dem Esel, er soll seinen Dreck alleene machen.)

Da muss es der Sozialdemokratie guttun, wenn sie wenigstens für ihre ruhmreiche Vergangenheit gelobt wird, die vielleicht nicht mit der vielzitierten Gewährung der Kriegskredite 1914, aber doch mit dem ersten sozialdemokratischen Präsidenten Deutschlands begann: Friedrich Ebert, den die Nationalversammlung vor hundert Jahren zum Reichspräsidenten wählte, Friedrich Ebert, nach dem in ganz Deutschland Straßen benannt sind, dieweil er nämlich „Revolutionär und Präsident“ (SZ) war, für die „Neue Zürcher Zeitung“ gar ein „linker Patriot“, der die „fragile Demokratie zusammenhielt“, indem er nämlich, das lesen wir anderswo, die Revolution der Arbeiter- und Soldatenräte von den reaktionären Freikorps „zusammenschießen“ ließ (Sebastian Haffner, „1918/19. Eine deutsche Revolution“, älterer Titel: „Die verratene Revolution“), weil er die Revolution nicht wollte: „Ich hasse sie wie die Sünde.“ Und wenn irgendwas, dann macht das in Deutschland einen Deutschen zum großen Deutschen: das Vaterland vor dem Bolschewismus zu retten.

Wer die Entwicklung im bolschewistischen Russland kennt, mag finden, nach Lage der Dinge habe Ebert richtig gehandelt, als er den drohenden kommunistischen Umsturz abwürgte. Bloß: Er drohte nicht. Die KPD wurde erst 1919 gegründet, und der Spartakusbund war eine Splittergruppe. Was tatsächlich drohte, und zwar von den Massen der Arbeiter und Soldaten, nennt Haffner eine „konstitutionelle Rätedemokratie“ (also keine Diktatur) und die Entfernung der alten Verwaltungs- und Militäreliten von der Macht. Antimilitaristisch und egalitär war sie, diese deutsche Revolution, ja „gutmütig“, und von der revolutionären Umwälzung der Produktionsverhältnisse noch gar keine Rede: „Die Revolution von 1918 war kein russischer Importartikel, sie war deutsches Eigengewächs; und sie war keine kommunistische, sie war eine sozialdemokratische Revolution – genau die Revolution, die die SPD fünfzig Jahre lang vorausgesagt und gefordert, auf die sie ihre Millionen Anhänger vorbereitet und als deren Organ sie sich ihnen ihr Leben lang angeboten hatte … Das ist die Tatsache: Was die SPD blutig niedergeworfen hat …, ist keine kommunistische Revolution, sondern eine sozialdemokratische.“

„In der ganzen Naturgeschichte kenne ich kein ekelhafteres Lebewesen als die Sozialdemokratische Partei.“ Gustav Landauer, 1919

Nun mag wiederum einer finden, dass eine sozialdemokratische Revolution ein Widerspruch in sich ist (Haffner weiß es a.a.O. selbst: „Die Sozialdemokratie ist eine ehemalige Arbeiterpartei, die der Kapitalismus für seine Zwecke gezähmt hat“) und dass der „Arbeiterstaat“, den sich die Massen laut Haffner erhofften, über kurz oder lang fragen muss, wem die Fabriken gehören. Was bleibt, ist aber der (friedliche) Wille, mit jenen reaktionär-imperialistischen Zuständen zu brechen, die eben erst Abermillionen Tote gefordert hatten und deren uneingeschränktes Fortwesen Tucholsky dann beklagen wird; und dass es die deutsche Sozialdemokratie war, der Kleinbürger Ebert vorweg, die der Reaktion diesen Arbeiterwiderstand aus dem Weg geräumt hat. Um, als der Faschismus die Freikorps dann an die Regierung gebracht hatte, die Heldin zu geben.

Hier darf man ruhig was merken; und falls nicht: einfach „Ebert“ durch „Schröder“ ersetzen.

Aktuelle Cartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 For fuck’s sake, George Clooney!

In einer englischen TV-Show erzählten Sie uns, dass Sie einmal vor Ihrer Haushälterin die »braune Windel« eines Ihrer Kinder aus dem Müll genommen hätten, um diese dann genüsslich auszulecken. »Sie lief schreiend weg!« feixten Sie. Und wenn Sie, Clooney, jetzt denken, dass an dieser Geschichte auch nur irgendetwas besser wird, weil Sie, wie Sie nachschoben, die Windel vorher mit Nutella präpariert hatten – dann irren Sie krankes Schwein sich aber gewaltig.

Begeben Sie sich in Behandlung! Titanic

 »Auto Motor und Sport«!

In Deiner Ausgabe vom 28. März hast Du den Audi R8 getestet und mit fünf von fünf Sternen bewertet. Da steht dann zum Beispiel unter »Umwelt« als Pluspunkt »geringe Umweltbelastung dank geringer Stückzahl« sowie, allen Ernstes, »nachhaltig, da voraussichtlich lange Nutzung«. Nun lässt sich derlei natürlich auch über Kreuzfahrtschiffe sagen, die es ja auch nicht in sooo hoher Zahl gibt und die immerhin ein paar Jahrzehnte halten.

Aber Minuspunkte hast Du in dieser Rubrik ebenfalls ausfindig gemacht, wenigstens einen: »Okay, sagen wir, wie es ist: sehr hoher Verbrauch«. Der aber letztlich wurscht ist, denn über dem Testkasten resümierst Du mit brutaler Ehrlichkeit: »Fünf Sterne? Aber der CO2-Ausstoß und der … egal. Einfach egal! Fünf Sterne verdient sich alleine schon der V10, weil er einer der letzten Sauger ist. Am besten heute fahren, morgen ist es zu spät.«

Haha, lustig. Und weißt Du was, »Auto Motor und Sport«, übermorgen ist es sogar noch später, weil wir alle zu tot sind, um Zehnzylinder-Monstren zu fahren.

Du saugst! Titanic

 Winfried Kretschmann!

Auch Sie haben die Schüler der Bewegung »Fridays for Future« dafür kritisiert, dass sie freitags nicht in die Schule, sondern für eine bessere Klimapolitik auf die Straße gehen. Die Proteste müssten früher oder später ein Ende finden und könnten »nicht ewig so weitergehen«, befanden Sie. Und: Auch Klimaschützer müssten sich an Regeln halten, es gelte die Schulpflicht.

Stimmt genau, Kretschmann, das haben Sie gut erkannt! Die Schüler müssen unbedingt wieder öfter in die Schule! Dann lernen sie noch viel schneller, dass einer wie Sie vollkommen unwählbar ist.

Strike! Titanic

 Gute Idee, Spektrum.de!

Die zukünftige Kolonialisierung des Weltalls und die dazu nötige Raketentechnologie kommt zwar auch dank privater Unternehmen ganz gut voran, doch nach oben ist natürlich – buchstäblich – keine Grenze gesetzt. Und so verkündetest Du, dass die Raumsonde New Horizons auf dem Kuipergürtelobjekt Ultima Thule Alkohol gefunden hat.

Damit wäre der erste Schritt für ein schnelleres Vorantreiben der Besiedlung getan. Jetzt müssen wir dieses Ergebnis nur noch der Schnapsnase Jean-Claude Juncker stecken, und in weniger als zehn Jahren ist jeder noch so kleine Asteroid durch die ESA auf Fusel abgeklopft und besiedelt.

Verneigt sich vor Deiner intergalaktischen Genialität: Titanic

 Hola, mexikanischer Drogenboss Joaquín »El Chapo« Guzmán!

Hola, mexikanischer Drogenboss Joaquín »El Chapo« Guzmán!

Weil Ihnen u.a. aufgrund jahrzehntelangen Kokainschmuggels in die USA dort eine lebenslange Haft droht, versuchen Sie nun, auf dem ebenso hart umkämpften Modemarkt Fuß zu fassen. Via Instagram kündigte Ihre Ehefrau Emma Coronel Aispuro Ihr gemeinsames Fashion-Label »JGL« an: »Ich habe ein Projekt für eine Modelinie. Ich will meinen und Joaquíns Stil voranbringen.«

Dass auch Ihre Haute Couture süchtig machen und zahlreiche Abnehmer finden wird, steht indes nicht zu bezweifeln – bei Ihrem feinen Näschen für guten Stoff!

War dagegen noch nie en vogue: Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Technikpionier

Dass meine Zeitmaschinen viel besser funktionieren als sämtliche Konkurrenzmodelle, ist nun wirklich keine Überraschung. Ich bau’ die Dinger ja schließlich schon seit 2069.

Andreas Maier

 Zwiebelschlaf, der:

tritt auf nach langen Kochsitzungen mit Zerschneidung von Zwiebelgewächsen. Aufgrund der Überanstrengung und Überessung erfolgt beschleunigtes abendliches Müdewerden. Da in den Augen aber immer noch (!) ätherische Zwiebelöle herumschwimmen, folgt direkt auf jedes noch so beiläufig-friedliche Zufallen derselben ihr unmittelbares, schreckbegleitetes und schmerzvoll-brennendes Wiederaufreißen. Kann sich bis drei Uhr morgens hinziehen und nur überwunden werden, indem die betroffene Person sich einen in Mixed-Pickles-Sud getränkten Waschlappen über den Kopf zieht und die Worte »Gelegenheit macht Zwiebel, jetzt reicht es aber mal« geheimnisvoll vor sich hinmurmelt, aus dem Fenster springt und selig auf dem Komposthaufen verschimmelt.

Adrian Schulz

 Waschzwang

Ich wasche immer erst ab, wenn alle kleinen Löffel dreckig sind. Die gehen mir immer als erstes aus. Wenn ich also beim Morgenkaffee merke, dass ich keinen sauberen kleinen Löffel mehr habe, dann wird richtig krass abgewaschen. Zumindest ein kleiner Löffel.

Dorthe Landschulz

 Neuer Ethik-Kodex

Um mehr Fairness im Online-Handel zu erreichen, schlage ich vor, dass profitmaximierende Abmahnanwälte hin und wieder auch mal etwas bei ihren Opfern bestellen.

Jan Guthmann

 Ehrliche Speisekarte

Ich fand es bemerkenswert, wie auf dem Menüplan zumindest im Diminutiv auf das Tierleid in der Fleischproduktion hingewiesen wurde: »Heute: Schwein-Elendchen«. Es war dann aber leider doch nur ein Tippfehler.

Jürgen Miedl

Vermischtes

Hans Zippert: "Fernsehen ist wie Radio, nur ohne Würfel"
Die steile Karriere des Hans Zippert begann im Jahr 1967 mit einem  Schülerpraktikum beim Kulturmagazin "TV Spielfilm". Nach einem  Volontariat bei "TV Direkt" übernahm er das angesehene 20-Uhr-15-Ressort  bei "TV Okayokay", bevor er schließlich Programmchef der auflagestarken  "TV Superwoche" wurde. Nachdem er über einen Bestechungsskandal rund um  eine 3-Sterne-Empfehlung für "Rote Rosen" stolperte, sah sich Zippert  1990 gezwungen, Chefredakteur von TITANIC zu werden. Der Tiefpunkt war  erreicht. Das alles und noch mehr erfahren Sie in diesem Buch!Friedemann Weise: "Die Welt aus der Sicht von schräg hinten"
Laut seiner Homepage ist er der "King of Understatement" und der "lustigste Mensch im deutschsprachigen Internet". Er ist aber auch Gitarrenmann, Viralblogger (15000 Follower!), Gagautor und Promiexperte mit Diplom. Die Rede ist von Friedemann Weise, dem Mann mit dem Namen! Der Mann, der den "Satiropop" erfand. Und jetzt auch noch ein Buch vorlegt. Ob das gutgeht? Ordern Sie diese Prämie und teilen Sie Ihr vernichtendes Urteil bitte zeitnah der TITANIC-Redaktion mit.Torsten Gaitzsch/Sebastian Klug: "Akte D: Die Wahrheit über Deutschland"
Die Redaktion versichert: Torsten Gaitzsch und Sebastian Klug, die  Autoren dieses Buches, wissen Dinge – schreckliche Dinge! – von denen  Sie, die Leser, nicht einmal zu träumen wagen. Denn es wären Alpträume!  Wählen Sie diese Prämie und erhalten Sie Einblicke in die tiefsten  Abgründe Deutschlands, die Sie wahnsinnig lachend und mit Schaum vor dem  Mund zurücklassen werden. Bisher hat es kein Leser bis zur letzten  Seite geschafft…Serdar Somuncu: "H2 Universe: Die Machtergreifung", DVD
Er ist der selbsternannte Hassias – viel wichtiger aber noch: der designierte Kanzlerkandidat für Die PARTEI. Holen Sie sich jetzt die neue DVD von Merkel-Nachfolger Serdar Somuncu als Gratisprämie und stehen Sie damit schon vor der Machtergreifung auf der richtigen Seite. Ihre Kinder werden es Ihnen danken!
Zweijahres-Abo: 98,60 EURKamagurka & Herr Seele: "Cowboy Henk"
Er ist Belgier, Kamagurka. Belgier! Wissen Sie, was der Mann alles durchgemacht hat in letzter Zeit? Eben, er ist Belgier. Und hat trotzdem in einem Finger mehr Witz als Sie im ganzen Leib! Und Heldenmut! Glauben Sie nicht? Dann lassen Sie sich von Cowboy Henk überzeugen, dem einzigen Helden, der wirklich jeden Tag eine gute Tat begeht.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURHauck & Bauer: "Ich kann einfach nicht Wein sagen"
Die beste Zeit, einen Band des Zeichnerduos Hauck & Bauer zu kaufen – sie ist seit sicher zehn Jahren vorbei. Heute sind die Werke von Elias Hauck und Dominik Bauer kein Geheimtip mehr. Die zerstrittenen Künstler kommunizieren inzwischen ausschließlich per Fax, leben in luxussanierten Altbauwohnungen mit kugelsicheren Whirl- und Autorenpools, in denen hungernde Leiharbeiter Comics anfertigen müssen. Leider ist auch der neueste Band der beiden Ausbeuter sehr gut, bestellen Sie hier!Sonneborn/Gsella/Schmitt:  "Titanic BoyGroup Greatest Hits"
20 Jahre Krawall für Deutschland
Sie bringen zusammen gut 150 Jahre auf die Waage und seit zwanzig Jahren die Bühnen der Republik zum Beben: Thomas Gsella, Oliver Maria Schmitt und Martin Sonneborn sind die TITANIC BoyGroup. In diesem Jubiläumswälzer können Sie die Höhepunkte aus dem Schaffen der umtriebigen Ex-Chefredakteure noch einmal nachlesen. Die schonungslosesten Aktionsberichte, die mitgeschnittensten Terrortelefonate, die nachdenklichsten Gedichte und die intimsten Einblicke in den SMS-Speicher der drei Satire-Zombies – das und mehr auf 333 Seiten (z.T. in Großschrift)! 
Zweijahres-Abo: 98,60 EURLeo Fischer + Leonard Riegel: "Fröhliche Hundegeschichten"
Ein Buch, bei dem Sie "Wau" sagen: Leo Fischer und Leo Riegel haben ihre Talente gebündelt und gemeinsam 1001 moderne Hundemärchen in Wort und Bild erschaffen. Zum Lesen, Lachen, Anknabbern! Und außerdem ein echter Lebensretter. Jedenfalls dann, wenn Sie Nacht für Nacht von einer dreiköpfigen Bulldogge heimgesucht werden, die Sie vor die knifflige Wahl stellt, ihr entweder eine "Fröhliche Hundegeschichte" vorzulesen oder den Arsch abgebissen zu kriegen. Ihre Entscheidung!Michael Ziegelwagner: "Der aufblasbare Kaiser"
Seit dem putzigen Präsidentschafts-Hahnenkampf zwischen Alexander Van der Bellen und Norbert Hofer interessiert sich plötzlich auch Resteuropa für das Land, um das es in diesem Buch geht: Österreich. Dabei ist der Donaustaat schon seit 2014 eine literarische Reise wert, jenem Jahr, als "Der aufblasbare Kaiser" für die Longlist des Deutschen Buchpreises nominiert wurde. Lassen Sie sich auf diese Reise mitnehmen: von Michael Ziegelwagner, dem liebenswertesten Randbalkanesen der TITANIC. Pflichtprämie für Kaisertreue!Elias Hauck (Hrsg.): "Alles Spargel oder was?"
Endlich ist ganzjährig Spargelsaison! Elias Hauck, die eine Hälfte von Hauck & Bauer und Herausgeber des Frauenmagazins "Sonja", serviert die reifsten Spargelwitze der Welt – gezeichnet und erzählt von dutzenden gemüseliebenden Cartoonisten und Autoren. Lachen Sie unter anderem über: den mit den polnischen Erntehelfern, den mit dem kaputten Spargelschäler und den mit der Fliege in der Hollandaise.Wenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURKatharina Greve: "Eigentlich ist Wurst umgestülptes Tier: Cartoons & Comicstrips"
Katharina Greve ist nicht nur Architektin, Situationsdesignerin und stolze Besitzerin einer Vakuumiermaschine, sondern auch Prophetin: Via Kalenderblatt sagte sie im Jahr 2013 auf den Tag genau den Rücktritt von Papst Benedikt XVI. voraus. Wer wissen will, welche sonderbaren Ereignisse die Zukunft noch bereithält, braucht deshalb dieses Bilderbuch. Gegenstände mit Gefühl, Menschen ohne Gesicht, Tapetenmuster von göttlicher Anmut – all das findet sich in Greves fantastisch-wurstigem Cartoonband!Die PARTEI-Wahlwerbungs-DVD mit allen vier Wahlwerbespots aus dem Bundestagswahlkampf 2005: Höhepunkte der Politpropaganda, die von Otto Schily mit dem Prädikat "ein Skandal" ausgezeichnet wurden. Besser aufgelöst als auf Youtube und noch dazu mit einer praktischen, farbechten Hülle drumrum - das ist doch was, was?
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Das schreiben die anderen

  • 22.05.:

    Hans Traxler zum Neunzigsten gratulieren u.a. die "Frankfurter Rundschau"
    und das "Neue Deutschland". Der "Stern" zeigt Werke aus der Sonderausstellung im Frankfurter Caricatura-Museum, und für HR2 Kultur liest der Autor aus seinem aktuellen Kindheitserinnerungs-Buch.

  • 21.05.:

    Torsten Gaitzsch schreibt in der Taz über die schwindende Prozessierlaune der Deutschen.

Titanic unterwegs
24.05.2019 Menden, Scaramouche Lyrikpreis »Der große Dinggang«
25.05.2019 Menden, Scaramouche Lyrikpreis »Der große Dinggang«
25.05.2019 Kassel, Caricatura-Galerie »Deutschland dreht durch«
26.05.2019 Berlin, Volksbühne Heiko Werning mit Paula Irmschler u.a.