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Gärtners kritisches Pfingstsonntagsfrühstück: Im Zusammenhang

Während vorm Fenster schon wieder einer steht, der bei laufendem Automotor in sein Telefon hineinsieht, im Morgenblatt der Klimaforscher Schnellnhuber, der die „seltsame Gelassenheit“ beklagt, mit der zumal der westliche Weltbewohner das kommende Klimaunglück auf sich zu kommen läßt: „Wir steuern im Irrsinnstempo auf eine unbeherrschbare globale Situation zu, die Risiken erhöhen sich quasi stündlich, aber viele Medien berichten nur noch mit gequälter Beiläufigkeit darüber … Wenn ich ein riesiges Problem habe, bei dem ich nicht weiß, wie ich es in den Griff bekomme, verdränge ich es. Oder ich intensiviere sogar mein Fehlverhalten.“

Es ist, drittens, freilich auch nicht so, daß der moderne Mensch auf mehr als jene Zusammenhänge trainiert würde, die ihn zum fixen Teil des Verwertungszusammenhangs machen, weshalb eine vielleicht siebzehnjährige Hobbykickerin, die in den Tagesthemen den Umstand kommentieren darf, daß ebender Fußballer nicht im Kader für die Fußball-WM ist, der vor vier Jahren die deutsche Mannschaft zum Weltmeistertitel schoß, mit Mario Götze auch kein Mitleid hat: „Also, wenn man nicht liefert, wird man aussortiert.“

Ein paar Minuten zuvor hatte ein Fachmann die „wachsende Gewalt gegen Amtspersonen“ (Tagesthemen), aber auch gegen Sanitäter und Rettungskräfte kommentieren dürfen (die der Vorschautext in der Mediathek „Dienstleister“ nennt), und es war, bewahre, kein Gesellschafts-, sondern ein Neurowissenschaftler, dem aber auch nicht entgangen war, daß (lt. Tagesthemen-Off) „das Gefühl, Teil einer sozialen Gemeinschaft zu sein“, bei „immer mehr Menschen“ schwindet. „Das heißt, für diese Menschen, die sagen, ich bin nur noch alleine in der Welt unterwegs, der Rest interessiert mich nicht, für die wird quasi jeder Träger einer Uniform oder eine Dienstkleidung quasi zum Objekt für Feindseligkeit und Haß.“ Warum diese Menschen sagen, ich bin nur noch alleine in der Welt unterwegs, der Rest interessiert mich nicht, unterfiel freilich keiner weiteren Betrachtung; dafür durfte, s.o., der Nachwuchs genau das grimmige Leistungsregime beklatschen, das bewirkt, daß sich etwa deutsche Nationalfußballer für den Rest der Welt so wenig interessieren, daß ihnen ein Trikottausch mit dem türkischen Folterpräsidenten wie das Unverfänglichste von der Welt vorkommen kann.

„Alles ist freundlich wohlwollend verbunden, / Bietet sich tröstend und traurend [sic] die Hand, / Sind durch die Nächte die Lichter gewunden, / Alles ist ewig im Innern verwandt.“ Brentano, 1801

Paranoiker, Romantikerinnen und Freunde der kritischen Theorie sehen überall den Zusammenhang; das, was vom Menschen übrig ist, sieht nach Kräften keinen mehr. Und darum bin ich auch wieder mal der einzige, der sich für die Verlagsbeilage „Velo Now!“ („Rennrad: Sportlich unterwegs mit Genuß; Made in Germany: Radinnovationen aus der Heimat“) begeistert: „Radfahren in der Gruppe macht nicht immer allen Spaß, gerade die schwächsten Fahrer leiden. Unsere Autorin kennt das Gefühl zur Genüge. Für den Familienurlaub saß sie nun erstmals auf einem E-Mountainbike und siehe da, der Fahrspaß kehrte zurück.“ Wenn ich ein riesiges Problem habe, bei dem ich nicht weiß, wie ich es in den Griff bekomme, und wenn ich, immer nur allein in der Welt unterwegs, schwach bin und leide, dann brauche ich nicht etwa Solidarität, Liebe oder eine Familie, die mehr wäre als eine Horde von Es-geht-voran-Kaputniks; dann brauche ich ein E-Bike. In den zitierten Sätzen wird (bis auf die amtlich tote Kommasetzung) alles kenntlich, was am Zusammenhang, so wie er ist, falsch ist, und niemand sollte eine Schule verlassen, ohne in die Lage versetzt zu sein, das auch zu sehen. Das ist, wiewohl eine Schulstunde reichen würde, natürlich der frömmste aller Wünsche; und also bleiben die einen fanatisch „in Form“ (ebd.) und geht alles andere komplementär aus dem Leim.

„Wir haben uns alle viel zu lange aus der Verantwortung gestohlen“ (Schnellnhuber): es gibt indes kein „Wir“ mehr, und Verantwortung können nur aufgeklärte Erwachsene übernehmen. Noch so’n frommer Wunsch: „Als die Kinder noch klein waren, konnte ich noch gut mitfahren, mittlerweile hängt die Mama jedoch nur noch hinterher und muß sich dann auch noch die blöden Kommentare der Familienmitglieder anhören.“ Und muß doch liefern den rundum Gelieferten. (Und apropos: „Deutsche Post: So krank macht der Job als Paketbote wirklich“, Wiwo.de. Zusammenhänge, Zusammenhänge ...)

Noch mehr Zusammenhang gibt’s live am Dienstag, 20 Uhr, in Nürnberg, K4 (Zentralcafé). 

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Oben ohne

Wenn mich das islamische Kopftuch befremdet, dann nicht, weil ich mir seinetwegen „fremd im eigenen Land“ vorkäme; das tu ich aus ganz anderen Gründen. Es befremdet mich so, wie mich das Tattoo des Mittelschichtsmanns in Shorts befremdet, der sich seinen Jahrgang („1969“) vertikal aufs Schienbein hat stechen lassen. Mich befremdet, was Aufklärung zurücknimmt, deren Erfolg es zwar ist, daß jeder und jede tun, lassen und glauben kann, was er oder sie will, deren tieferer Sinn aber darin liegt, daß gewisse Dinge nicht mehr benötigt werden; „Identität“ als notwendig kollektive und autoritäre gehört dazu. (Dann ist die Frage auch verkehrt, wie „freiwillig“ ein Kopftuch sei – der Mann aus dem Café trägt sein Tattoo ja gleichfalls freiwillig –, und die netten Musliminnen, die in der Titelgeschichte des SZ-Magazins dafür streiten, mit Kopftuch Richterinnen oder Lehrerinnen werden zu dürfen, sind natürlich auch nicht die von Tradition, Patriarchat und Ehrenmord Geknechteten, mit denen das Volksempfinden das Kopftuch verbindet.)

Was haben sich alle gefreut, als Navid Kermani als Bundespräsident im Gespräch war, weil plötzlich wieder von „Spiritualität“ die Rede sein konnte, und der katholische Schriftsteller Mosebach applaudierte dem Umstand, daß sich Muslime wenigstens noch vor Allah in den Staub würfen, was ja wohl die einzige Konsequenz aus dem Glauben an einen allmächtigen Gott sei. „Und wo hört man heute eigentlich noch Christen von Gott reden, einfach so, aus sich heraus?“ will ein fetter Zwischentitel a.a.O. wissen. „Schon mal ein religiöses Bekenntnis im Alltag gehört?“ Die Frage will das leitkulturelle Geschwafel von „christlich-jüdischer Identität“ als völlig leer und Söders Kreuze als bloß der Ausgrenzung dienend desavourieren: „Das ist das Gegenteil von sinnlichem Glauben, das ist Identitätspolitik mit Religionssymbolen“, bewundert aber diesen „sinnlichen Glauben“, „Spiritualität“ und jenen muslimischen „Glaubensstolz“, von dem Pfarrer Prantl neulich gesprochen hat und der uns urbanen Agnostikern halt fehlt, die wir nicht einmal dann spirituell werden, wenn „der Sex bis ins Hirn gebitzelt hat“ (Magazin-Autorin Fritzsche). „Unvorstellbare Szene: Freunde sitzen zusammen beim Abendessen, sie probieren den neuen Japaner im Viertel aus, einer erzählt von seinem jüngsten Erlebnis mit Gott.“ Wenn das Kopftuch dafür sorgen soll, daß diese Szene wieder vorstellbar wird, dann muß ich’s freilich ablehnen.

„Auch törichte Gesetze geben Freiheit und Ruhe des Gemüts, sofern sich nur viele ihnen unterworfen haben.“ Nietzsche, 1886

Das Dilemma des Staates besteht darin, daß frau füglich glauben dürfen muß, daß ihr Seelenheil davon abhänge, ihr Haar nicht zu zeigen, vor Gericht und in der Schule aber weltanschauliche Neutralität geboten ist, wobei diese Neutralität als eine theoretische verstanden werden darf. An die Marktdemokratie glauben nämlich alle, und wer bei Weltwirtschaftsgipfeln Flaschen wirft, geht schon mal für zweieinhalb Jahre in den Kahn; befangener wird eine Richterin mit Kopftuch auch nicht sein. Von christlich konservativer Seite wird gern beklagt, daß Religion im Alltag immer weniger zu sehen sei; da sage ich: Prima, denn Religion ist eine Privatangelegenheit und öffentliche Religion Reaktion. Ist das Kopftuch, sofern seine Trägerin eine öffentliche Aufgabe wahrnimmt, nun eine Privatangelegenheit, ein Accessoire? „In Sport und Popkultur“, freut sich Fritzsche, „wurden in den vergangenen Monaten sämtliche Hürden genommen: erstes ,Vogue’-Cover mit Kopftuchträgerin, erste Olympiateilnehmerinnen mit Kopftuch. In einer US-Castingshow, die Designer-Talente sucht, stand eine Frau mit Kopftuch im Finale, die ausschließlich muslimische Mode entworfen hatte. Überall wird das Kopftuch sichtbarer, bekommt neue Bedeutungen, verändert seine Symbolik.“ Die aber doch in keinem Fall zu einer nicht-religiösen, nicht-identitären wird, so wie das Kreuz, an welchem Popkultur ja auch nicht ganz vorbeigegangen ist, nach wie vor und unbestritten Religion (oder wenigstens „christliches Abendland“) meint, sonst würde Söder es nicht aufhängen. Hier richtet sich ein Angebot nach einer Nachfrage, und daß die wächst, daß Religion zurückkehrt, und sei’s als Reaktion auf andauernde Diskriminierung und den völkisch-kulturalistischen Identitätsdiskurs abendländischer Mehrheiten, führt zu dem, was Marx als den Anfang aller Kritik bestimmte. „Imagine there's no countries / It isn't hard to do / Nothing to kill or die for / And no religion, too“ – es mag einmal Kitsch gewesen sein, sich auf diese Träumerei John Lennons zu berufen; doch heute können die einen nicht ohne identitätsverzweifelte Kriegsbemalung leben und die anderen nicht ohne religiösen Gehorsam. 

„[Ein] Vater hat seine Position sehr klar gemacht: Sobald das Tuch ihr beruflich schade, müsse es runter. Er sei nicht Ende der achtziger Jahre nach Deutschland gekommen, habe Nachtschichten als Staplerfahrer am Flughafen gerissen, was aufgebaut, die Familie nachgeholt und fünf Kindern die Uni bezahlt, damit die sich heute solche Sperenzchen wie das Kopftuch leisten.“ SZ-Magazin, 2018

Darüber wäre also zu reden; aber da darüber nicht geredet werden soll (und auf den Gedanken, es müsse darüber geredet werden, schon gar niemand mehr kommt), sitzt die freiheitliche Ordnung da nun zu Recht zwischen den Stühlen: Will sie Lehrerinnen und Richterinnen, die Religion und religiöse Demut für sichtlich unverzichtbar halten; oder will sie Neutralität auf dem Rücken derer, deren Spleen zufällig nicht der Spleen der (rassistischen) Mehrheit ist?

Glücklich, wer die Frage nicht beantworten muß, weil er lieber eine andere stellt; ja sozusagen eine ganz andere.

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Attacke

Falschparken ist eine Ordnungswidrigkeit, Steuerhinterziehung ist eine Straftat, Mord ist ein Verbrechen. Bundesheimatschutzminster Horst Seehofer ist es zu verdanken, daß Vergehen, die alle diese Delikte in den Schatten stellen, ab sofort mit einem eigenen Terminus belegt werden: „Schlag ins Gesicht der rechtstreuen Bevölkerung“. „ … des rechtstreuen Volkes“ ist eine Steigerung, die sich der Minister für die nähere Zukunft vorbehält.

Was war geschehen? In einem Flüchtlingsheim im baden-württembergischen Ellwangen sollte ein Mann aus Togo abgeschoben werden. Dort ist es schön, es scheint immer die Sonne, also ab. Andere Flüchtlinge aus anderen sonnigen Ländern solidarisierten sich spontan mit dem Abzuschiebenden und gingen die Beamten derart und handgreiflich an, daß die Abschiebung abgebrochen werden mußte und später ein hundertköpfiges Rollkommando anrückte, um für Ordnung zu sorgen. Dabei gab es Tumult, Menschen sprangen aus dem Fenster. „Zwölf Menschen wurden verletzt. Der Asylbewerber aus Togo wurde festgenommen“ (SZ).

Mein Jurastudium ist erstens lange her und beschränkte sich zweitens auf Staatsrechtliches, doch ich würde sagen, was hier vorging, war so etwas wie Widerstand gegen oder tätlicher Angriff auf Vollstreckungsbeamte, Dinge also, die in diesem unseren Land Tag für Tag tausendmal passieren. Passieren sie aber unter Mitwirkung von Asylbewerbern, ist plötzlich die Rede von einem „Schlag ins Gesicht der rechtstreuen Bevölkerung“. Dabei war es allenfalls ein Schlag ins Gesicht eines Polizeibeamten, über dessen Rechtstreue keine weiteren Erkenntnisse vorliegen. Das Gastrecht, so Seehofer weiter, dürfe nicht mit Füßen getreten werden; ein „Gastrecht“ aber gibt es gar nicht, und wahrscheinlich gerade deswegen muß gegen derlei lt. Seehofer „mit aller Härte“ vorgegangen werden, wahrscheinlich so hart wie gegen Steuerhinterzieherinnen oder die Produzenten von Schummeldieseln. Oder gegen Nazis, hahaha!

„Zur Demokratie gehört als notwendig erstens Homogenität und zweitens – nötigenfalls – die Ausscheidung und Vernichtung des Heterogenen.“ Carl Schmitt, 1926

„Wir dulden keine rechtsfreien Räume“, beeilte sich der lokale, grüne Ministerpräsident Kretschmann zu erklären, denn wo Ausländer sind, drohen die Räume grundsätzlich rechtsfrei zu werden (wg. Scharia u.ä.). Drum war auch die SZ erleichtert: „Polizei greift in Flüchtlingsheim durch“, und es war wahrlich höchste Zeit! Bei Steuerhinterziehung oder Schummeldieselbau, da wird in Ruhe und neutral ermittelt, da gibt es einen Anfangsverdacht oder stellt wer Beweismaterial sicher; aber verliert einer aus dem Busch nach ein paar faulen Jahren in einer Sammelunterkunft die Beherrschung, da greifen wir durch, handelt es sich doch um einen Schlag ins Gesicht unserer Rechtstreue, weil wir nämlich kein Volk ohne rechtsfreien Raum sind und es auch nicht werden wollen. (Es sei denn, beim Kinderballett wird gebeten, die Handykamera in der Tasche zu lassen; jede/r Dritte hat das Ding in der Hand. Selbst erlebt, bei der Nichte.)

Wie von ungefähr lobte da Dr. G. Seibt vom süddeutschen Feuilleton den harten Minister, weil der in der FAZ lieber von „Heimat“ als von Nation hatte sprechen wollen: „Daß Seehofer Heimat an die ,Vielfalt unterschiedlichster Menschen’ bindet, ist begriffspolitisch ein kluger Zug. Er verbindet das Urkonservative mit den aktuellen Realitäten und entlastet den weiterhin unverzichtbaren Begriff der Nation von identitären Anforderungen“, die es nämlich fraglos gibt und die jetzt eben der Heimatbegriff übernimmt. Weswegen ein tätlicher Angriff auf Vollstreckungsbeamte uns (mich!) in unserer (meiner!) Heimat attackiert. Dabei war ich nie in Ellwangen und will auch gar nicht hin.

Daß es ein begriffspolitisch kluger Zug wäre, Seehofer einen Hetzer zu nennen und die sich den identitären Anforderungen mit aller Härte widmende Heimat eine, die sich munter faschisiert: fast mögen wir’s erwägen.

PS. Was macht eigentlich Boris Palmer?

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Zurück in die Zukunft

Natürlich war früher nicht alles besser, es war sogar vieles schlechter; aber eben nicht alles, und was wirklich besser war, war, daß es besser werden konnte: Stichwort Zukunft, die es nach einem Gedanken des britischen Essayisten Mark Fisher im siegreichen Kapitalismus nicht mehr gibt. Denn Kapitalismus ist Kapitalismus ist Kapitalismus, und Zukunft unterm Kapitalismus ist, daß es Flugtaxis geben wird und daß die einen die Taxis chauffieren und die anderen sich chauffieren lassen und die allermeisten sich kein Taxi werden leisten können, weder am Boden noch in der Luft.

Im Morgenblatt schreibt der Architekturredakteur über das Münchner Arabellahaus, einen Appartementkomplex im Nordosten der Stadt, der ab dem Ende der sechziger Jahre bereits das leistete, was Bauen heute wieder soll: Verdichtung, die „Nachbarschaft von Wohnen und Arbeiten, Gastronomie und Versorgung“, die „Stadt in der Stadt“, statt daß man vor ihren Toren ständig neue Flächen versiegelt, damit Tausende Tag für Tag ins Zentrum juckeln müssen und abends im Nichts sitzen. Eine Wohnmaschine, aber im guten Sinne, die jetzt in die Jahre gekommen ist, und darum geht es, aber nicht hier.

Hier geht es um die Ästhetik, die „die der sechziger Jahre“ ist. „Heute baut man Schießschartenhäuser. Vertikales. Früher waren liegende Formate und eine horizontale Fassadengliederung en vogue. Der Horizont war etwas, worauf man gern schaute, denn er versprach die Zukunft“, und Bauten wie das Arabellahaus schürten „heitere Moderne-Erwartungen an eine neue, bessere und auch aufregendere, ja freiere Zeit“, während man nicht wissen will, welche Erwartungen die Berliner BND-Zentrale schürt. Ich möchte meinen: gegenteilige.

In Frankfurt am Main haben sie die alte Oberfinanzdirektion an der Adickesallee ja abgerissen (und, wie passend, irgendeine „Frankfurt School of Finance and Management“ hingestellt), mit dem alten Kanzlerbungalow in Bonn werden sie’s nicht wagen; so daß, wo allerorten (in Frankfurt zumal) die Nachkriegsmoderne abgeräumt wird – was sowohl den leidigen Krieg als auch die nicht mehr benötigte Moderne aus der Welt schafft –, man immerhin da wird sehen können, was das mal war: Horizont, Zukunft, und was an seine Stelle getreten ist: die Schießscharte, der Bunker.

Zeuge: „Ach, in was für einer Zeit leben wir bloß.“ Köster: „In einer fortschrittlichen, Herr Bettler, deswegen schreiten die Dinge ja so fort.“ ZDF, 1980

Daß Autos heute Panzern gleichen (und neue große Audis ihr Blinkzeichen als Ellbogen ausfahren), Familien in synthetischer Uniformiertheit durch die Wochenenden stiefeln und „massiv“ eine so populäre Journalvokabel ist, fügt sich da leider recht paßgenau ein, und auch wenn man die Regression in Retrofreuden nicht übersehen soll, ist eine Stunde mit einem deutschen Fernsehkrimi aus den siebziger oder achtziger Jahren eine ästhetische Wohltat, und nicht allein, weil hin und wieder ein Regisseur Fassbinder gesehen hat, die Einstellungen ewig dauern, niemand gefoltert wird (außer evtl. durch überlange Einstellungen) und der Abspann alle Mitwirkenden in respektvoller Ausführlichkeit aufzählt (das ist vorbei, seit es eine private Konkurrenz gibt, zu der auf keinen Fall umgeschaltet werden darf). Nein: Diese Dezenz und Zivilität (und sei's aus schlechtem Gewissen). Diese Theatersätze im Präteritum. Die Herren in Anzug und Mantel (Patriarchat, okay), Autos, halb so schwer wie heute, mit freundlichen Gesichtern und niedrigen Fensterlinien. Das Böse ist hier noch die Ausnahme und verdankt sich allgemeinen Defekten wie Hab- oder Eifersucht, und die Herren Kriminaler sind noch keine einsamen Psychowracks mit „eigener Geschichte“, sondern freundliche, aufmerksame Beamte, die die Sache im Griff haben. Daß sie, mindestens als Derrick oder der formidabel elegante „Alte“ Erwin Köster, gern im gehobenen Milieu aufklären, darf man natürlich erkennen.

Sozialdemokratie, als sie vielleicht schon falsch war, aber noch als Idee funktionierte. Schimanski hat den sich verhärtenden Verhältnissen dann den Stinkefinger zeigen müssen, und daß die vertikale TV-Moderne aus einer ganzen Kommissarsarmee besteht, erzählt bereits die ganze Geschichte.

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Und es ist Sommer

Unsere wunderbare Welt ist bekanntlich voller Narrative. Einige werden mählich gestrig und zu solchen, die ein Kind vielleicht noch kennenlernt – weil Traditionen, andernfalls sie keine wären, träge sind –, aber mit keiner Realität mehr wird abgleichen können: Daß der April mache, was er will, wie es in den Kindergärten noch gesungen wird, es stimmt ja schon nicht mehr, wenn zur Monatsmitte verläßlich Juni einkehrt; wie zu den ersten ideellen Opfern der Erderwärmung das Aprilwetter rechnet, dieser wunderbar antipositivistische Anachronismus, über dessen Ende sich Frühstücksradio und Wetterbericht denn auch nicht enthusiastisch genug freuen können. Denn daß einer mache, was er will, kann ja keiner wollen: die Chefs nicht, die Lohnabhängigen aber auch nicht, die sich freuen müssen, wenn es an Schreibtisch oder Werkbank auf wenigstens bezahlte Willkür hinausläuft, und die die relative Willkür am Arbeitsplatz der absoluten von Hartz IV jedenfalls und verständlicherweise vorziehen.

„Gestern Heute Morgen / Hoffnungen und Sorgen / Wechselspiel der Formen im April // Nebelschleier fallen / Freudenquellen wallen / Wind spielt mit den Weiden wie er will // Wälder rauschen, Ströme gleiten / Über Felder, durch die Zeiten / Sonnenstrahlen – wie für uns gemacht // Igel tapsen, Füchse tollen / Hier und da ein Donnergrollen / Regen prasselt auf die Blütenpracht“: für diese naivromantische Evokation hat man die späten Blumfeld 2006 ausgelacht. Dabei war es ein Abschied; und nicht will man dauernd den Weltgeist bemühn, aber daß die zeitgenössische Geschichtslosigkeit so schön mit dem Ende des Frühlings als Jahreszeit in eins fällt, ist doch mal eine Pointe. (Für „Zeit“ und „Wetter“ haben die romanischen Sprachen dieselbe Vokabel.) Für die, die so gern von Freiheit reden, ist der neue Sommer nicht nur der Beweis dafür, daß da, wo sie hinlangen, nun mal die Sonne scheint, sondern er ist auch, ganz praktisch, Vertreter und Garant jener stur guten Laune, ohne die es nicht mehr geht; und es ist so begrüßenswert wie aussagekräftig, wenn immer länger Sommer ist, aber mit immer weniger Leben, und die Körper zwar immer früher freigemacht werden, dafür immer verzweifelter bemalt sind. Daß die Leut’ beim Cabriobewegen nichts Fleuchendes mehr auf der Windschutzscheibe haben, weil sie durch mehr oder minder zu Tode Gewirtschaftetes fahren, muß sie nicht kümmern, denn es geht ihnen ja ähnlich; und hat ein Fachmann für Umweltpsychologisches im Morgenblatt nicht erst wieder davon gesprochen, der moderne Zivilisationsmensch sei von den vielen Naturschutzgeboten „überfordert“? Weswegen er aus dem desaströsen Dreieck aus Schrottfleisch, Großmotor und Fernreise nicht und nicht herausfindet? Aus dem er aber auch nicht herausfinden darf, wenn der Boom ein Boom bleiben soll?

„Du stehst in der Früh auf, und schon wieder scheint die Sonne. Das ist so deprimierend, Olga, das kannst du dir gar nicht vorstellen. Jeden Tag Sonne. Da trinkst du schon mal einen, den ersten, weil, sonst hältst du’s nicht aus.“ Dietl/Süskind, 1982

Im nämlichen Morgenblatt war ein Kommentator dann sogar „deprimiert“ angesichts einer Agrarministerin, die im wesentlichen will, daß alles beim Bewährten bleibt, und jetzt erst mal solange alles prüft, bis wirklich alles tot ist; doch dafür akkurat rapsgelb, wie der Zwischenton, als dessen Sinnbild wir den alten April gern begreifen, ja generell verschwindet. Und übrig bleibt ein Gelb und Blau als Schwarz und Weiß, und aus mindestens vier Jahreszeiten werden zwei, eine schöne und eine doofe, eine richtige und eine falsche. So wie die Demokratie als alternativlos marktkonforme halt kein Nuancenparadies sein kann.

Auch wenn sich z.B. die „Zeit“ alle Mühe gibt: „Einst besiedelten Juden aus aller Welt arabisches Land. Sie schufen einfach Fakten, aus denen der Staat Israel wuchs.“ Es sind April-Scherze wie diese, für die dann auf Berliner Straßen die garantiert Falschen Prügel beziehen. Und die Sonne scheint immer früher und immer heißer auf die Gerechten und das „Kroppzeug“ (Thomas Mann), und daß uns Sonnenfreunden die Laune mal vergeht, wir glauben nicht mehr dran.

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: An der Urne

Es war natürlich eine Überreaktion, ein erster Reflex und völlig daneben, Bundesheimatminister Horst Seehofer (und auch nur in Gedanken, unausgesprochen, ganz für mich) ein Arschloch zu nennen, nur weil er (und eben nicht: es!) lt. Morgenblatt „Sympathie“ für ein anderes wirkliches Arschloch, den Faschisten und Judenhasser V. Orbán gezeigt hatte; denn er, Seehofer, hatte ja die allerbesten Gründe für diese Sympathie, wenn ein populärer Kollege mit der Angst vor Kaffern und Weltjudentum eine Wahl gewinnt: „Es ist ja wiederholt ein sehr deutlicher Wahlsieg“, sagte Seehofer, bevor er die EU vor einer „Politik des Hochmuts und der Bevormundung“ warnte. „Orbán habe durch den Wahlsieg einmal mehr einen Vertrauensbeweis der Bevölkerung erhalten. ,Nichts ist eine stärkere Bestätigung als der Erfolg an der Wahlurne’, sagte er“, Horst Seehofer, den ich hier, wie gesagt, ausdrücklich nicht Arschloch nenne, denn erstens wäre Horst Seehofer ein Arschloch zu nennen eine (füglich verbotene) Beleidigung, zweitens sind die Sitten schon verroht genug, und drittens hat er ja recht: Wenn das Volk, der freie Souverän, Faschismus und Judenhaß will, dann muß es beide kriegen können, und wenn ein Arschloch Politiker von der NSDAP CSU für eine Landtagswahl Stimmen braucht, dann schlägt er sich natürlich auf die Seite der Bevölkerung, die kriegen soll, was sie will oder was sie nach Regierungspropaganda wollen soll, das ist im Einzelfall nicht immer leicht zu unterscheiden.

Denn natürlich hat H. Seehofer in seiner knappen Freizeit (wg. Heimatministerium) keine Zeit, etwa Joseph Goebbels’ Tagebücher zu lesen, und vermutlich reicht es nicht einmal dazu, Jürgen Roths fulminante Franz Josef Strauß-Audiocollage (München: Kunstmann 2012) anzuhören: „Mich können Sie nicht stoppen, ich bin da!“ Dabei könnte man da so schön sentimental werden und traurig darüber, was man als CSU einst alles noch sagen konnte und auch gesagt hat, um den sog. rechten Rand zu bedienen, und was aber die linksversifften Hauptstadtkontrollettis heute alles unter Strafe stellen. Denn das wird man ja wohl noch sagen dürfen, daß es ein völlig normaler demokratischer Vorgang ist, wenn faschistische, antisemitische Staatsmedien wider Juda hetzen und die faschistische, antisemitische Regierungspartei dann eine schöne Mehrheit bekommt!

„dein goldenes Haar Margarete / dein aschenes Haar Sulamith“ Celan, 1948

Natürlich ist Horst („Hotte“) Seehofer kein Antisemit, er hat nichts gegen Juden, ein paar seiner wirklich allerbesten Freunde sind welche. Aber daß sinistre Mächte konservativen Heimat- und Volkswohlbeauftragten nicht das Braune unterm Fingernagel gönnen, das ist ja wohl einfach so, und daß Deutschland die Kontrolle über seine Grenzen verliert, auch. Da muß ein Heimatminister doch anerkennend nicken und nicken dürfen, wenn ein demokratisch oder wenigstens demagogisch gewählter Heimatpolitiker es andernorts einmal an- und deutlich ausspricht, daß die Fremdenflut, daß der Strom aus Kanaken, Geschmeiß, Kohns und Gesindel das Blut und den Boden der heiligen Heimat gefährdet! Und daß keine EU und kein linksversiffter Bundestag (Ausnahmen: CSU, AfD) hochmütig und bevormundend werden darf, wenn eine Mehrheit von Volksgenossen eine Regierung der nationalen Erhebung und des nationalen Widerstands bestätigt; eine Regierung, die schon dafür sorgen wird, daß der Haß und die Dummheit nimmer aufhören, mindestens solange nicht, wie Arschlöcher damit Wahlen gewinnen.

Allzuviel Aufregung hat es um Seehofers Einlassung nicht gegeben; falls überhaupt welche. Warum auch: Demokratie, man weiß es, findet nun mal an der Urne statt.

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: In Serie

Und das ist dann auch keine Lösung, statt des einen Morgenblatts einfach ein anderes Morgenblatt zu lesen: „Streit mit Rußland über Nervengiftattacke eskaliert“, schreibt die FAZ und meint aber nicht einen anhängigen Atomkrieg, sondern lediglich, daß der Streit „heftiger“ wird. Es ist dieselbe FAZ, die hinten im Blatt wieder mal über den Verlust der (Hand-)Schriftkultur jammern läßt; vermutlich geht die Befürchtung dahin, daß niemand mehr mit dem Füller „eskalieren“ schreiben kann, wenn es garantiert nicht paßt.

Im Magazin der Konkurrenz dann Grisham, der, sagt er, gar nicht sehr prominent sei: „Ich bin höchstens ein bekannterer Schriftsteller in einem Land, in dem niemand mehr liest. Bei jedem neuen Roman von mir sind die Verkaufszahlen rückläufig. Kein Jugendlicher liest mehr. Sogar ich komme immer seltener zum Lesen. Die Verleger verkaufen immer weniger in immer weniger Buchläden. Die Entwicklung ist nicht dramatisch, aber besorgniserregend.“ Daß das mit den Jugendlichen eine polemische Übertreibung ist, weiß er selbst, denn das hat das Milieu ja gemerkt, daß sich Lesen aus dem bürgerlichen Disktinktionskanon dann doch noch nicht entfernen läßt. (In Hamburg, wußte die Taz über einen „Bring your own device“-Versuch zum digitalen Unterricht, waren „die Geräte der Schüler an den Stadtteilschulen … im Schnitt neuer als die der Gymnasiasten“.) Dasselbe Milieu, das freilich selbst nicht mehr liest, weil Serien ja die neue Literatur sind, wie Leute ins Feuilleton schreiben, deren Erleichterung grenzenlos ist, daß Geist endlich bedeutet, die Fernbedienung zu finden.

„Immer weiter, immer weiter!“ Oliver Kahn, 2001

Man muß ja gar nichts gegen die Visualkultur haben, wie schließlich das lokale Bildungsbürgerressentiment dafür gesorgt hat, daß die Angelsachsen in Pop und (komischer) Unterhaltung soviel besser sind. Aber seit Anbruch des „goldenen Fernsehzeitalters“, der ja nun auch schon etwas her ist, habe ich nur ein einziges Mal etwas Skeptisches gelesen, als eine erschöpfte SZ-Kollegin die Mechanik des Seriellen nicht mehr übersehen wollte (oder konnte), und selbst bei so etwas Klassischem wie „Breaking Bad“ sprang ja ins Auge, wie und wann gestreckt worden war; und dann ähnelt noch die beste Serie Facebook in dem Ziel, so viele wie möglich so lange wie möglich am Schirm zu halten. („House of Cards“ hat im britischen Original von 1990 vier Folgen, die alles erzählen, in der US-amerikanischen, zur Massenwirkung gelangten Version sind es bislang 65.) Adornos pauschalen Einwand gegen das Kino „als bloße Verdopplung und Verstärkung dessen, was ohnehin ist“ wird man nicht unterschreiben wollen; fürs Fernsehen gilt er spätestens dann, wenn im (Dauer-)Seriellen das schlechte Unendliche als „sich wiederholende Einerleiheit“ (Hegel) aufscheint. (Und auch darum war „True Detective“ prima: Weil nach einer Staffel die Geschichte zu Ende war; jedenfalls die erste Geschichte.)

Fernsehen, hieß es mal, mache die Dummen dümmer und die Klugen klüger. Fernsehen wäre also das Instrument der Klassenherrschaft, die sich, weiß man seit Schröder, mit „Bild“ und Glotze exekutieren läßt und die gerade in rauher werdenen Zeiten nichts dagegen hat, wenn auch die Klügeren verdummen und sich noch weißgott wie klug dabei vorkommen. Wer will, daß die Vernünftigen nicht aussterben, dem schadet die Erkenntnis nicht, daß auch Serienfernsehen Fernsehen ist; und daß unsere urbanen Konsumblödiane samt der Welt, die sie prolongieren, nicht als Opfer von, sagen wir, Gottfried Keller gelten können.

Aktuelle Cartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Gute Idee, Spektrum.de!

Die zukünftige Kolonialisierung des Weltalls und die dazu nötige Raketentechnologie kommt zwar auch dank privater Unternehmen ganz gut voran, doch nach oben ist natürlich – buchstäblich – keine Grenze gesetzt. Und so verkündetest Du, dass die Raumsonde New Horizons auf dem Kuipergürtelobjekt Ultima Thule Alkohol gefunden hat.

Damit wäre der erste Schritt für ein schnelleres Vorantreiben der Besiedlung getan. Jetzt müssen wir dieses Ergebnis nur noch der Schnapsnase Jean-Claude Juncker stecken, und in weniger als zehn Jahren ist jeder noch so kleine Asteroid durch die ESA auf Fusel abgeklopft und besiedelt.

Verneigt sich vor Deiner intergalaktischen Genialität: Titanic

 Hola, mexikanischer Drogenboss Joaquín »El Chapo« Guzmán!

Hola, mexikanischer Drogenboss Joaquín »El Chapo« Guzmán!

Weil Ihnen u.a. aufgrund jahrzehntelangen Kokainschmuggels in die USA dort eine lebenslange Haft droht, versuchen Sie nun, auf dem ebenso hart umkämpften Modemarkt Fuß zu fassen. Via Instagram kündigte Ihre Ehefrau Emma Coronel Aispuro Ihr gemeinsames Fashion-Label »JGL« an: »Ich habe ein Projekt für eine Modelinie. Ich will meinen und Joaquíns Stil voranbringen.«

Dass auch Ihre Haute Couture süchtig machen und zahlreiche Abnehmer finden wird, steht indes nicht zu bezweifeln – bei Ihrem feinen Näschen für guten Stoff!

War dagegen noch nie en vogue: Titanic

 »Auto Motor und Sport«!

In Deiner Ausgabe vom 28. März hast Du den Audi R8 getestet und mit fünf von fünf Sternen bewertet. Da steht dann zum Beispiel unter »Umwelt« als Pluspunkt »geringe Umweltbelastung dank geringer Stückzahl« sowie, allen Ernstes, »nachhaltig, da voraussichtlich lange Nutzung«. Nun lässt sich derlei natürlich auch über Kreuzfahrtschiffe sagen, die es ja auch nicht in sooo hoher Zahl gibt und die immerhin ein paar Jahrzehnte halten.

Aber Minuspunkte hast Du in dieser Rubrik ebenfalls ausfindig gemacht, wenigstens einen: »Okay, sagen wir, wie es ist: sehr hoher Verbrauch«. Der aber letztlich wurscht ist, denn über dem Testkasten resümierst Du mit brutaler Ehrlichkeit: »Fünf Sterne? Aber der CO2-Ausstoß und der … egal. Einfach egal! Fünf Sterne verdient sich alleine schon der V10, weil er einer der letzten Sauger ist. Am besten heute fahren, morgen ist es zu spät.«

Haha, lustig. Und weißt Du was, »Auto Motor und Sport«, übermorgen ist es sogar noch später, weil wir alle zu tot sind, um Zehnzylinder-Monstren zu fahren.

Du saugst! Titanic

 Winfried Kretschmann!

Auch Sie haben die Schüler der Bewegung »Fridays for Future« dafür kritisiert, dass sie freitags nicht in die Schule, sondern für eine bessere Klimapolitik auf die Straße gehen. Die Proteste müssten früher oder später ein Ende finden und könnten »nicht ewig so weitergehen«, befanden Sie. Und: Auch Klimaschützer müssten sich an Regeln halten, es gelte die Schulpflicht.

Stimmt genau, Kretschmann, das haben Sie gut erkannt! Die Schüler müssen unbedingt wieder öfter in die Schule! Dann lernen sie noch viel schneller, dass einer wie Sie vollkommen unwählbar ist.

Strike! Titanic

 For fuck’s sake, George Clooney!

In einer englischen TV-Show erzählten Sie uns, dass Sie einmal vor Ihrer Haushälterin die »braune Windel« eines Ihrer Kinder aus dem Müll genommen hätten, um diese dann genüsslich auszulecken. »Sie lief schreiend weg!« feixten Sie. Und wenn Sie, Clooney, jetzt denken, dass an dieser Geschichte auch nur irgendetwas besser wird, weil Sie, wie Sie nachschoben, die Windel vorher mit Nutella präpariert hatten – dann irren Sie krankes Schwein sich aber gewaltig.

Begeben Sie sich in Behandlung! Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Technikpionier

Dass meine Zeitmaschinen viel besser funktionieren als sämtliche Konkurrenzmodelle, ist nun wirklich keine Überraschung. Ich bau’ die Dinger ja schließlich schon seit 2069.

Andreas Maier

 Zwiebelschlaf, der:

tritt auf nach langen Kochsitzungen mit Zerschneidung von Zwiebelgewächsen. Aufgrund der Überanstrengung und Überessung erfolgt beschleunigtes abendliches Müdewerden. Da in den Augen aber immer noch (!) ätherische Zwiebelöle herumschwimmen, folgt direkt auf jedes noch so beiläufig-friedliche Zufallen derselben ihr unmittelbares, schreckbegleitetes und schmerzvoll-brennendes Wiederaufreißen. Kann sich bis drei Uhr morgens hinziehen und nur überwunden werden, indem die betroffene Person sich einen in Mixed-Pickles-Sud getränkten Waschlappen über den Kopf zieht und die Worte »Gelegenheit macht Zwiebel, jetzt reicht es aber mal« geheimnisvoll vor sich hinmurmelt, aus dem Fenster springt und selig auf dem Komposthaufen verschimmelt.

Adrian Schulz

 Ehrliche Speisekarte

Ich fand es bemerkenswert, wie auf dem Menüplan zumindest im Diminutiv auf das Tierleid in der Fleischproduktion hingewiesen wurde: »Heute: Schwein-Elendchen«. Es war dann aber leider doch nur ein Tippfehler.

Jürgen Miedl

 Waschzwang

Ich wasche immer erst ab, wenn alle kleinen Löffel dreckig sind. Die gehen mir immer als erstes aus. Wenn ich also beim Morgenkaffee merke, dass ich keinen sauberen kleinen Löffel mehr habe, dann wird richtig krass abgewaschen. Zumindest ein kleiner Löffel.

Dorthe Landschulz

 Neuer Ethik-Kodex

Um mehr Fairness im Online-Handel zu erreichen, schlage ich vor, dass profitmaximierende Abmahnanwälte hin und wieder auch mal etwas bei ihren Opfern bestellen.

Jan Guthmann

Vermischtes

Hans Zippert: "Fernsehen ist wie Radio, nur ohne Würfel"
Die steile Karriere des Hans Zippert begann im Jahr 1967 mit einem  Schülerpraktikum beim Kulturmagazin "TV Spielfilm". Nach einem  Volontariat bei "TV Direkt" übernahm er das angesehene 20-Uhr-15-Ressort  bei "TV Okayokay", bevor er schließlich Programmchef der auflagestarken  "TV Superwoche" wurde. Nachdem er über einen Bestechungsskandal rund um  eine 3-Sterne-Empfehlung für "Rote Rosen" stolperte, sah sich Zippert  1990 gezwungen, Chefredakteur von TITANIC zu werden. Der Tiefpunkt war  erreicht. Das alles und noch mehr erfahren Sie in diesem Buch!Friedemann Weise: "Die Welt aus der Sicht von schräg hinten"
Laut seiner Homepage ist er der "King of Understatement" und der "lustigste Mensch im deutschsprachigen Internet". Er ist aber auch Gitarrenmann, Viralblogger (15000 Follower!), Gagautor und Promiexperte mit Diplom. Die Rede ist von Friedemann Weise, dem Mann mit dem Namen! Der Mann, der den "Satiropop" erfand. Und jetzt auch noch ein Buch vorlegt. Ob das gutgeht? Ordern Sie diese Prämie und teilen Sie Ihr vernichtendes Urteil bitte zeitnah der TITANIC-Redaktion mit.Torsten Gaitzsch/Sebastian Klug: "Akte D: Die Wahrheit über Deutschland"
Die Redaktion versichert: Torsten Gaitzsch und Sebastian Klug, die  Autoren dieses Buches, wissen Dinge – schreckliche Dinge! – von denen  Sie, die Leser, nicht einmal zu träumen wagen. Denn es wären Alpträume!  Wählen Sie diese Prämie und erhalten Sie Einblicke in die tiefsten  Abgründe Deutschlands, die Sie wahnsinnig lachend und mit Schaum vor dem  Mund zurücklassen werden. Bisher hat es kein Leser bis zur letzten  Seite geschafft…Serdar Somuncu: "H2 Universe: Die Machtergreifung", DVD
Er ist der selbsternannte Hassias – viel wichtiger aber noch: der designierte Kanzlerkandidat für Die PARTEI. Holen Sie sich jetzt die neue DVD von Merkel-Nachfolger Serdar Somuncu als Gratisprämie und stehen Sie damit schon vor der Machtergreifung auf der richtigen Seite. Ihre Kinder werden es Ihnen danken!
Zweijahres-Abo: 98,60 EURKamagurka & Herr Seele: "Cowboy Henk"
Er ist Belgier, Kamagurka. Belgier! Wissen Sie, was der Mann alles durchgemacht hat in letzter Zeit? Eben, er ist Belgier. Und hat trotzdem in einem Finger mehr Witz als Sie im ganzen Leib! Und Heldenmut! Glauben Sie nicht? Dann lassen Sie sich von Cowboy Henk überzeugen, dem einzigen Helden, der wirklich jeden Tag eine gute Tat begeht.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURHauck & Bauer: "Ich kann einfach nicht Wein sagen"
Die beste Zeit, einen Band des Zeichnerduos Hauck & Bauer zu kaufen – sie ist seit sicher zehn Jahren vorbei. Heute sind die Werke von Elias Hauck und Dominik Bauer kein Geheimtip mehr. Die zerstrittenen Künstler kommunizieren inzwischen ausschließlich per Fax, leben in luxussanierten Altbauwohnungen mit kugelsicheren Whirl- und Autorenpools, in denen hungernde Leiharbeiter Comics anfertigen müssen. Leider ist auch der neueste Band der beiden Ausbeuter sehr gut, bestellen Sie hier!Sonneborn/Gsella/Schmitt:  "Titanic BoyGroup Greatest Hits"
20 Jahre Krawall für Deutschland
Sie bringen zusammen gut 150 Jahre auf die Waage und seit zwanzig Jahren die Bühnen der Republik zum Beben: Thomas Gsella, Oliver Maria Schmitt und Martin Sonneborn sind die TITANIC BoyGroup. In diesem Jubiläumswälzer können Sie die Höhepunkte aus dem Schaffen der umtriebigen Ex-Chefredakteure noch einmal nachlesen. Die schonungslosesten Aktionsberichte, die mitgeschnittensten Terrortelefonate, die nachdenklichsten Gedichte und die intimsten Einblicke in den SMS-Speicher der drei Satire-Zombies – das und mehr auf 333 Seiten (z.T. in Großschrift)! 
Zweijahres-Abo: 98,60 EURLeo Fischer + Leonard Riegel: "Fröhliche Hundegeschichten"
Ein Buch, bei dem Sie "Wau" sagen: Leo Fischer und Leo Riegel haben ihre Talente gebündelt und gemeinsam 1001 moderne Hundemärchen in Wort und Bild erschaffen. Zum Lesen, Lachen, Anknabbern! Und außerdem ein echter Lebensretter. Jedenfalls dann, wenn Sie Nacht für Nacht von einer dreiköpfigen Bulldogge heimgesucht werden, die Sie vor die knifflige Wahl stellt, ihr entweder eine "Fröhliche Hundegeschichte" vorzulesen oder den Arsch abgebissen zu kriegen. Ihre Entscheidung!Michael Ziegelwagner: "Der aufblasbare Kaiser"
Seit dem putzigen Präsidentschafts-Hahnenkampf zwischen Alexander Van der Bellen und Norbert Hofer interessiert sich plötzlich auch Resteuropa für das Land, um das es in diesem Buch geht: Österreich. Dabei ist der Donaustaat schon seit 2014 eine literarische Reise wert, jenem Jahr, als "Der aufblasbare Kaiser" für die Longlist des Deutschen Buchpreises nominiert wurde. Lassen Sie sich auf diese Reise mitnehmen: von Michael Ziegelwagner, dem liebenswertesten Randbalkanesen der TITANIC. Pflichtprämie für Kaisertreue!Elias Hauck (Hrsg.): "Alles Spargel oder was?"
Endlich ist ganzjährig Spargelsaison! Elias Hauck, die eine Hälfte von Hauck & Bauer und Herausgeber des Frauenmagazins "Sonja", serviert die reifsten Spargelwitze der Welt – gezeichnet und erzählt von dutzenden gemüseliebenden Cartoonisten und Autoren. Lachen Sie unter anderem über: den mit den polnischen Erntehelfern, den mit dem kaputten Spargelschäler und den mit der Fliege in der Hollandaise.Wenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURKatharina Greve: "Eigentlich ist Wurst umgestülptes Tier: Cartoons & Comicstrips"
Katharina Greve ist nicht nur Architektin, Situationsdesignerin und stolze Besitzerin einer Vakuumiermaschine, sondern auch Prophetin: Via Kalenderblatt sagte sie im Jahr 2013 auf den Tag genau den Rücktritt von Papst Benedikt XVI. voraus. Wer wissen will, welche sonderbaren Ereignisse die Zukunft noch bereithält, braucht deshalb dieses Bilderbuch. Gegenstände mit Gefühl, Menschen ohne Gesicht, Tapetenmuster von göttlicher Anmut – all das findet sich in Greves fantastisch-wurstigem Cartoonband!Die PARTEI-Wahlwerbungs-DVD mit allen vier Wahlwerbespots aus dem Bundestagswahlkampf 2005: Höhepunkte der Politpropaganda, die von Otto Schily mit dem Prädikat "ein Skandal" ausgezeichnet wurden. Besser aufgelöst als auf Youtube und noch dazu mit einer praktischen, farbechten Hülle drumrum - das ist doch was, was?
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Das schreiben die anderen

  • 22.05.:

    Hans Traxler zum Neunzigsten gratulieren u.a. die "Frankfurter Rundschau"
    und das "Neue Deutschland". Der "Stern" zeigt Werke aus der Sonderausstellung im Frankfurter Caricatura-Museum, und für HR2 Kultur liest der Autor aus seinem aktuellen Kindheitserinnerungs-Buch.

  • 21.05.:

    Torsten Gaitzsch schreibt in der Taz über die schwindende Prozessierlaune der Deutschen.

Titanic unterwegs
24.05.2019 Menden, Scaramouche Lyrikpreis »Der große Dinggang«
25.05.2019 Menden, Scaramouche Lyrikpreis »Der große Dinggang«
25.05.2019 Kassel, Caricatura-Galerie »Deutschland dreht durch«
26.05.2019 Berlin, Volksbühne Heiko Werning mit Paula Irmschler u.a.