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Inside TITANIC (26)

Intime Einblicke in das Innere der TITANIC-Redaktion und ihrer Mitglieder. Heute: Redakteurin Ella Carina Werner über die herzerwärmenden Augenblicke des Alltags.

Es gibt sie noch, die zauberhaften Momente. In der beliebten "Zeit"-Rubrik "Was mein Leben reicher macht", in der Leser/innen ihre Lieblingsmomente ausbreiten, summieren sie sich Woche für Woche mittlerweile zu Tausenden. Von "Im Morgengrauen in der siebten Stunde lausche ich auf dem Markt unserer alten Stadt einer Amsel" über "Wenn der Barista mit dem Milchschaum ein perfektes Herz auf den Cappuccino malt" bis "an einem kalten Winterabend Gustav Mahler hören" ist alles dabei, was den Bildungsbürger heute so bewegt.

Dass es die kleinen Dinge sind, die die größten Glücksmomente ausmachen, weiß natürlich auch die TITANIC-Redaktion. "Wenn der Frühling wieder lässt sein blaues Band flattern durch die Lüfte, und es streifen das Land süße, wohlbekannte Düfte", sinniert Chefredakteur und Volksdichter Moritz Hürtgen und schiebt, fast flüsternd, hinter: "Und dann, von fern, ein leiser Harfenton!" "Der Moment, wenn ich am Sonntag morgen auf meine E-Bike mit einer Tüte warmer Dinkelbrötchen in die Arme meiner drei Söhne radele", weiß Grafiker Tom Hintner zu berichten. "Die sanften, stillen Minuten im Bordbistro in der fünften Morgenstunde auf dem Weg in die Redaktion, auf den Lippen des DB-Baristas ein liebes Lächeln", tut Paula Irmschler mit glänzenden Augen kund. "Schöne heiße Milch mit Honig, eingelassen in meine freistehende Marmorbadewanne. Dazu ein paar Badepralinen aus 80-prozentigem Single Highland Malt Scotch", kommt Genussmensch Martina Werner aus dem Schwärmen nicht mehr heraus. "Einen Iced Latte im Barber-Shop ums Eck, wenn der Barbier Finn-Ole und ich über das spätromantische Klavierlied von Gustav Mahler disputieren", bringt Feingeist Leo Riegel seinen ganz persönlichen Best-of-Moment auf den Punkt. Und Epikureer Torsten Gaitzsch schiebt nach: "Ein Sprung in den Infinity-Pool meiner Wochenend-Datsche in Brandenburg, wenn ich einfach drauflos kraule, bis zum Horizont ..."

Auch Ex-Chefredakteure haben ihre besonderen Momente, darunter Tim Wolff: "Ich liege auf einer sattgrünen Wiese, über mir der königsblaue Himmel, unter mir die neueste Ausgabe der 'Zeit', deren Seiten verheißungsvoll rascheln. Umspielt vom Zwitschern einer Amsel, zaubert mir Harald Martenstein mit seiner Kolumne ein perfektes Herz in meine Gedanken", lobpreist der bärtige Hipster und wischt sich eine Freudenträne aus dem Augenwinkel.

Weitere berührende Momente gibt es an dieser Stelle von nun an Woche für Woche für Woche.

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Meditation und Markt mit Dax Werner

Das Wunder von Hannover

Liebe Leser*innen,

die Stimme ist wie für das Medium gemacht: Sonor, verraucht, mit dem unverwechselbaren Zungenschlag spricht hier einer, den man seit Jahrzehnten aus der Politik kennt. Du lieber Himmel, denkt ihr jetzt, ein merkwürdiger Einstieg für eine neue Ausgabe von "Meditation und Markt", nicht wahr? Die Ursache ist denkbar einfach: Gerhard Schröder hat gemeinsam mit seinem Intimus Bela Anda das 39-Euro-USB-Mikrofon ausgepackt und bei Spotify auf Upload geklickt: Der Altkanzler ist jetzt offiziell Podcaster! Und in jedem der laut Google-Suche 608 Internet-Artikel über den Start von "Gerhard Schröder – Die Agenda" taucht dieser eine große poetische Satz wortwörtlich auf, den ihr, liebe Leser*innen, bereits oben im Intro zu dieser Kolumne genießen durftet: Der nachdenklich-erregte Satz von der Stimme, die "wie für das Medium gemacht" scheint, unverwechselbar Schröder eben; ein Satz jedoch, der sich auf der Zielgeraden noch mal auf die Kerntugend der journalistischen Distanz besinnt und stirnrunzelnd feststellt: Man kennt ihn seit Jahrzehnten aus der Politik. Spätestens hier quillt der aufrührerische Unterton in dem Wort "Jahrzenten" zwischen den Zeilen hervor, Ageism pur. Wer so schreibt, wütet auf Twitter.com auch gegen den "alten weißen Mann".

Dennoch: Ist es nicht ein außerordentliches Mirakel, dass mindestens 608 Autor*innen exakt derselbe Satz einfällt, sobald sie gebeten werden, dieses neue Produkt in Augenschein zu nehmen? Ich zögere nicht, diesen Vorgang konkret zu benennen: ein paranormales Ereignis. Mehr noch: das Wunder von Hannover.

Wie man im Fußball mitunter das "Glück erzwingen" muss, indem man beispielsweise "den einfachen Pass spielt", ging jedoch auch diesem Wunder einiges an Vorarbeit voraus: Für den Launch haben sich Gerhard Schröder und Bela Anda starke Medienpartner ins Boot geholt. Nicht nur das "Handelsblatt" und Arcor machten auf ihren Homepages mächtig Appetit auf des Altkanzlers neuesten Mediencoup, auch die "Nordwestzeitung", Stimme.de, "Die Harke", Radio Euroherz, Radio Bamberg, Redaktionsnetzwerk Deutschland, "Neue Westfälische", "Rheinische Post", "Der Patriot" und einige andere Premium-Outlets berichten wohlwollend. Glück ist eben planbar. Oder wie wir in der Medienbranche sagen: Du brauchst ein geiles Grundrauschen, um dann Druck auf das Thema zu arbeiten.

Und dann brauchst du noch ein geiles Produkt. Und das liefern Schröder und Anda, keine Frage. Schon beim mit kultiger Technomusik unterlegten Teaser zappelte ich nach wenigen Sekunden am Haken: "In den späteren Episoden sind auch Gespräche mit Dritten geplant, wie zum Beispiel mit Vertretern aus Kunst und Kultur." Weiß nicht, wie's euch geht, aber ich hab bei den Worten direkt Bilder im Kopf, Stichwort visuelles Erzählen. Und aus einem skeptischen Hörer wird so fast wie von selbst ein Gefährte, ein Kumpan: Wird es dem Held dieses Epos, Bundeskanzler a. D. Gerhard Schröder, gelingen, im Laufe des Podcasts ein Gespräch mit Vertretern aus Kunst und Kultur zu organisieren? Wen könnte man fragen? Wer hat Zeit? Fallhöhe, Heldenreise, intrinsische Motivation: Alles da, was ein modernes Drama braucht. In Zeiten, in denen jeder Deutsche durchschnittlich 2,5 Podcasts produziert, denken Schröder und Anda das Format neu from scratch: Der Podcast als Audio-Reise, als Mithör-Abenteuer, als – in Anlehnung an Borges: gelenkter Traum.

Lasst uns wieder gemeinsam träumen. Zusammen mit Gerhard Schröder.

Herzlich, Euer Dax Werner

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Inside TITANIC (25)

Intime Einblicke in das Innere der TITANIC-Redaktion und ihrer Mitglieder. Heute: Moritz Hürtgen über neoliberale Satire.

Wenn mich jemand fragt, was ich beruflich mache, antworte ich entweder "Lokaljournalismus!" oder, wenn ich Lust auf eine Unterhaltung habe, wahrheitsgemäß mit: "Ich arbeite bei TITANIC." Und dann will mein Gegenüber meist wissen, "wie das so ist". Und dann schildere ich unsere kleine Frankfurter Paradiesinsel mitten in der von Sparzwängen und Ausbeutung verfinsterten Medienwelt: Flexible Arbeitszeiten inkl. lang Ausschlafen, okayer Bezahlung, absoluter Unabhängigkeit von Anzeigenkunden, voller Autonomie der Redaktion, Bierkühlschrank und natürlich der liebenswerten Kolleg/innen, die alle so tolle Dinge schreiben, zeichnen und gestalten. Wenn noch weiteres Interesse an meiner Arbeit besteht, schwärme ich weiter: Die konsequente interne (Blattkritik) und externe (Leserbriefe) Qualitätskontrolle, das ständige sich Messen an den Vorgänger/innen in der Redaktion, der Druck, sich abzusetzen von ihnen und von anderen Satireportalen, das Streben nach dem Endgültigen, die Notwendigkeit, mindestens drei beschissene Social-Media-Plattformen zu bespielen, die Korrumpierung des eigenen Privatlebens, wenn man abends um elf noch superwichtige Einfälle hat oder man per Mail erinnert wird, dass man unbedingt noch einen Kampagnentext für irgendeinen Unfug schreiben sollte – – –

Es stimmt: Bei TITANIC arbeiten ein Dutzend Leute im Paradies, jedoch: es liegt auch im Schweinesystem, das uns alle kaputtmacht. Ist unser Bierkühlschrank am Ende die Entsprechung zur Matcha-Lounge im Google-Office? Gewiss nicht – aber es ist halt mein Beruf, zu überspitzen.

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Meditation und Markt mit Dax Werner

Die Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen

Liebe Leser*innen,

dieser Tage erreichen mich viele Emails und Nachrichten in meiner geschlossenen Telegramgruppe, die Fragen laufen alle in eine ähnliche Richtung: Wie navigiert Dax Werner momentan privat durch die Krise?

Die Antwort ist relativ einfach: Ich bin seit Wochen damit beschäftigt, die sich ständig verändernden Pandemie-Maßnahmen in meine Tagesroutinen zu integrieren. Dabei erweist sich das föderale Mega-Puzzle Bundesrepublik einmal mehr als Stärke und Schwäche zugleich: Aus Sorge vor einer Infektion meines Huawei-Mobiltelefons habe ich bislang alle Houseparty-Konferenzen mit Freunden in anderen Bundesländern abgesagt, vorgestern bin ich dann aber doch mal in unseren Ikea in Kamen gefahren, weil die Nachbarn schon eine ganze Weile angewiderte Blicke in Richtung unseres „Balkons“ werfen und unser MP Laschet die Möbelhäuser als bundesweit erster wieder aufgeschlossen hat. Auch hier wieder: Deutschland der unterschiedlichen Geschwindigkeiten. Oder wie Ulf Poschardt schreiben würde: Ein Land mit unterschiedlichen "Drifts".

Die Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen. Zum Beispiel ist Markus Söder formal noch Ministerpräsident des Freistaats Bayern, obwohl er für mich eigentlich und durch die normative Kraft des Faktischen – ein Begriff, den ich gerade gegoogelt habe – schon längst die BRD regiert. Denn während der hemdsärmlige Mit-Aspirant Laschet mit peinlichen Nachfragen zur Heinsberg-Studie aufgehalten wird, hat sich Söder, der vor noch gar nicht allzu langer Zeit lediglich durch extrem nischige Karnevalsverkleidungen auffiel, längst in den präsidialen Modus kalibriert: Interviews führt er nur noch per Webcam-Schalte, in Talkrunden übernimmt er die Rolle des verständnisvollen Mediators und lobt seit einigen Tagen Journalisten für ihre in Fragen verpackte Sachkenntnis. Mehr Kanzlerformat geht nicht.

Doch ein Wort der Warnung sei hier auch gesetzt: Selten fallen Helden schneller als in Krisenzeiten, die Beispiele sind zahllos. Mit dem nachlassenden Interesse an RKI-Pressekonferenzen sank auch rasch der Stern des entschlossenen Krisenmanagers Jens Spahn, und selbst der Podcast des Popvirologen Prof. Christian Drosten rangiert zwar in den Charts noch auf der Eins, jedoch Obacht: Er spürt bereits den Atem der deutlich älteren Männer auf den Plätzen 3 (Gabor Steingart) und 9 (Kekulés Corona-Kompass), und auf Twitter und in der "Bild" gilt Drosten sogar schon länger als persona non grata.

Wie man gut erkennen kann, habe ich für die heutige Kolumne einige Fremdwörter gegoogelt. Das hat mit meiner durch die Krise neu entfachten Leidenschaft für komplizierte Wörter zu tun: Jeden Tag versuche ich, ein neues schwieriges Wort zu lernen und damit im Internet anzugeben.

Vielleicht klappt es ja auch mit dieser Kolumne?

Herzlich, Euer Dax Werner

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Inside TITANIC (24)

Intime Einblicke in das Innere der TITANIC-Redaktion und ihrer Mitglieder. Heute: Fabian Lichter über das Abgehängt-Sein.

Deutschland lockert sich, doch ich bin nicht dabei. Während die ersten bereits wieder aus ihren Homeoffice-Höhlen in ihre Büro- oder Redaktionsräume tigern, um loszupowern und das BIP anzukurbeln, arbeite ich immer noch eremitisch von zu Hause aus, umgeben von Staubsauger und Wäscheständer, ewiges Provisorium. Grund: familiäre Verpflichtungen und Todesangst. Das ist okay und fühlt sich richtig an. Die Nachteile eines Lebens über Monate in denselben vier Wänden liegen aber auf der Hand: Verwahrlosung, Hausstauballergie und seltsame Halluzinationen von Tentakelwesen, die mir dann und wann erscheinen und mich mit meinen geheimsten Gedanken erpressen, ehe sie sich mit einem Funkenschlag in Luft auflösen. Meine einzige Verbindung zur Außenwelt, der Jitsi-Stream in die TITANIC-Redaktion, läuft mysteriöserweise in gerade noch messbaren Geschwindigkeiten und liefert mir nurmehr knapp einen mickrigen Frame pro Sekunde auf meinen Bildschirm. Folge: Meine KollegInnen sind zu unheimlichen Schemengestalten verkommen, ein breiiger Matsch aus Pixeln, so groß wie Fußballfelder. Auch der Sound lässt lediglich noch einzelne Wortbröckchen durchsickern, die ich mir notiere und aus denen ich versuche, meine Aufgabenstellung für das kommende Heft zusammenzureimen. Meine Notizen aus 1 1/2 Stunden Redaktionskonferenz lauten: Maske, Laschet, Frankfurter Schnitzel. Hilfe! Kann mich irgendjemand hören?

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Meditation und Markt mit Dax Werner

Neues aus Wissenschaft & Forschung

Liebe Leser*innen,

der Innovationsstandort Deutschland bebt auch trotz Pandemie weiter! Denn im Technologiecluster Berlin ereignete sich am vergangenen Sonntag ein wissenschaftlicher Durchbruch von internationaler Bedeutung: Einem Forschungsteam der Fachhochschule Biberach an der Riß ist es zum ersten Mal gelungen, eine komplette, geschlossene Facebook-Verschwörungsgruppe aus dem Internet in die physische Welt, genauer: vor die Tore der Berliner Volksbühne zu teleportieren. Anwohner twitterten in den sozialen Medien bereits von Lichtblitzen und Explosionen, als sich nur wenige Sekunden später eine bunte Horde von Truthern, Reichsbürgern und Skeptikern auf dem Rosa-Luxemburg-Platz materialisierte: Manche trugen ein Pappschild mit dem Grundgesetz vor dem Bauch herum, viele filmten sich sogar bereitwillig selbst.

In einem ersten gut gelaunten Statement zeigten sich die Forscher zufrieden: "Heute ist vielleicht ein kleiner Tag für die Quantenforschung, ein großer Tag jedoch für viele Mitglieder der Facebook-Gruppe, von der so mancher seit Jahren kein Tageslicht mehr gesehen hat! Zur Stunde gehen wir von circa 1000 erfolgreichen Teleportationen aus."

Gleichzeitig wurde jedoch auch Kritik am Test laut, den manch einer unter ethischen Gesichtspunkten für mindestens fragwürdig hält: "Den Teilnehmern wurde weisgemacht, dass sie auf eine ganz gewöhnliche Hygienedemonstration gehen würden! Quo vadis, Germaniae?" polterte Tübingens OB Boris Palmer auf Facebook. "Inhaltlich geht es den Demonstrierenden um legitime Anliegen", pflichtete ihm Prof. Kekulé in den Drunterkommentaren bei. "Etwa, dass die NWO, Bill Gates und China den Corona-Virus erfunden haben, damit die ohnehin schon gebeutelten Menschen dieses Landes ihr Grundrecht auf Grillen und Demonstrieren verlieren. Aufwachen, Leute!"

Längst aufgewacht zeigte sich später am Abend NRWs Ministerpräsident Armin Laschet, oder wie wir Nordrhein-Westfalen ihn inzwischen liebevoll nennen: der Macher aus Öcher. In einem vieldiskutierten Auftritt bei Anne Will brachte AL das große Unbehagen der Deutschen gegen die Wissenschaft als solche volksnah zum Ausdruck und führte als Beispiel die ständigen Kurswechsel der Top-Virologen in der Pandemie an: "Frau Will, da wird doch der Hund in der Pfanne verrückt: Eine Sache ist entweder richtig oder falsch. Und wenn das einmal feststeht, ändert sich das auch nicht mehr!" Schade, dass alle Talkshows gerade auf Studiopublikum verzichten: Hier hätte es Applaus hageln müssen!

Und für seine ganz eigene Wissenschaftstheorie ist Laschet vermutlich selbst das beste Beispiel: Denn während einige immerfort Schlechtgelaunte ihm aktuell vorwerfen, das Interesse am Wohl der Kinder und Schwächen der Gesellschaft in der Lockerungs-Diskussion nur vorzuschieben, um die Jahresbilanzen seiner rheinischen Wirtschaftsbuddies zu retten, ist doch das Gegenteil der Fall: Ich kann mich an keine Talkshow seit Ende der Neunzigerjahre erinnern, in denen Laschet das Wohl der Armen, Schwachen und Kinder nicht an die erste Stelle gesetzt hätte! Ich möchte sogar weitergehen: Laschet ist für mich der deutsche Bernie Sanders. Denn auch gegen ihn gab es beispiellose Schmutzkampagnen. Weil er nicht davor zurückschreckte, die Wahrheit auszusprechen.

Cui bono? Connected die Dots, Leute.

Euer Dax Werner

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Inside TITANIC (23)

In der heutigen Folge der Zuhauskolumne schildert Telepraktikantin Julia Mateus, wie eine TITANIC-Hospitanz in der Isolation abläuft.

Über das Arbeiten im Home-Office ist in den letzten Wochen viel kolumniert worden. Zwischenbilanz: Es ist grundsätzlich möglich, aber ein Home-Office ist oft doch eher ein Heim als ein Büro, so wie auch ein sog. Hotelzug, in dem Fahrgäste bei Unwettern übernachten müssen, weiterhin ein Zug ist und kein Hotel, auch wenn die Bezeichnungen vielleicht etwas anderes suggerieren mögen.

Der Arbeitstag im TITANIC-Heimpraktikum beginnt am Frühstückstisch. Hier werden Nachrichten konsumiert und je nach Tagesform die ersten Scherze am Lebenspartner getestet. Danach steht ausführliche Themenrecherche auf dem Programm. "Mal was ohne Corona-Bezug" will ich mir einfallen lassen. Eine typische Praktikantenaufgabe, die schon mal ein paar Stunden am Wohnzimmerschreibtisch füllen kann.

Kaum habe ich mich zwischendurch zum nachmittäglichen Spaziergang durchs nahe gelegene, hoffentlich niedrig frequentierte Industriegebiet aufgemacht, kriege ich eine Benachrichtigung, dass uns Webmaster Alexander Golz asap zur Videokonferenz erwartet. Fast hätte ich es verschwitzt!

Nach zehn Minuten voll gegenseitigem Mobbing ("Er kann uns alle lachen sehen, aber hört nichts", "Dein Kopf ist angeschnitten", "Haha, jetzt hat sie sich bewegt") sind die psychisch angeschlagenen Redaktionsmitglieder erschöpft. Sinnkrisen entstehen, die Systemrelevanz der Satire wird infrage gestellt: "Mit welchen Themen soll man jetzt noch um die Ecke kommen?" fragt Chefredakteur Moritz Hürtgen.

Dann ist das Meeting bald zu Ende und der Arbeitstag auch. Doch es ist nicht die einzige Frage, die offen bleibt. Wird der Zuchtpilz von Torsten Gaitzsch und Martina Werner in den nächsten Wochen die Redaktionsräume erobern? Welcher Supermarkt liefert uns doch noch unsere lieb gewonnene Konferenzschokolade, die 300g-Erdnuss-Karamell-Milka, ins Home-Office?

Die eine oder andere beantwortet vielleicht die nächste Folge der Hauskolumne oder auch das kommende TITANIC-Heft, das am Freitag erscheint.

Aktuelle Cartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Kommissarischer DFB-Präsident Peter Peters!

Bis der DFB einen neuen Präsidenten gefunden hat, lenken Sie dessen Geschicke und sagen in WDR-Interviews Sätze wie diesen: »Die Entscheidung, die WM nach Katar zu geben, war falsch und fiel in einer Zeit, als der Fußball käuflich war.«

Haha! Falls Sie nach dem DFB noch nichts vorhaben, können Sie mit solchen Sprüchen jederzeit bei uns anfangen!

Wird immer käuflich bleiben: Titanic

 Heda, Cornelia Funke!

Heda, Cornelia Funke!

Nach Jahren der Dürre haben Sie sich, wie Sie der Zeit berichten, entschlossen, Ihre Farm in Malibu aufzugeben: »Natürlich, eigentlich sollte der Mensch Kalifornien verlassen und zugeben, dass unsere Art der Zivilisation dort gescheitert ist; dass die Einzigen, die mit diesem Land umgehen konnten, die amerikanischen Ureinwohner waren. Von ihnen hätten wir viel lernen können. Stattdessen kommen immer mehr Millionäre nach Malibu.«

Nun ist mit Ihnen, der erfolgreichsten deutschen Jugendbuchautorin, wenigstens eine Millionärin weggezogen. Und wo zieht man als solche – demütig und ehrfürchtig geworden – danach hin? Ins Kloster? Auf eine kleine Berghütte? Nein: »In der Toskana, nahe Volterra, besitzt Funke nun fünf Hektar Land mit 300 Olivenbäumen« (Zeit) und mehreren Gebäuden. Allerdings zunächst recht spartanisch: »Die 500 Kisten, in die ich mein Leben gesteckt habe, kommen erst Ende November an.«

Mensch, Funke! Das ist, ob Sie es glauben oder nicht, immer noch die gleiche »Art der Zivilisation«! Wenn Sie uns nicht glauben, fragen Sie doch mal die 300 alten Olivenbäume um Rat. Die flüstern nachts manchmal Weisheiten.

Bella Ciao! Titanic

 Hören wir, Anna Friedrich und Annika Gollnik,

ein bisschen Erstaunen aus Ihrem Artikel für faz.net heraus, wenn Sie schreiben: »Ernährungsberater, Coach oder Tätowierer kann sich jeder nennen. Das birgt nicht nur Chancen, sondern auch Risiken. Nicht zuletzt für die Glaubwürdigkeit der Berufstätigen«? Denn Sie stellen in Ihrem Text »Ungeschützt: Berufe ohne Regeln« weiter fest, dass sich dort Menschen in Jobs tummeln könnten, die »ohne besondere Fachkompetenz nachweisen zu müssen« machen, was sie eben machen.

Herrje, das ist ja wie beim Journalisten bzw. der Journalistin!

Hihi: Titanic

 Du, »Redaktionsnetzwerk Deutschland«,

fragst in einer Schlagzeile: »Kein entspannter Corona-Winter?« Eine sehr schwierige Frage! Denn normalerweise verheißen Komposita mit dem Wort »Corona« ja automatisch Entspannendes: Coronapandemie, Coronaleugner, Coronakrise, Coronahotspot, Coronatote … Warum sollte es jetzt ausgerechnet beim flauschigen Winter anders sein?

Fragt entspannt zurück: Titanic

 Etwas Richtiges, Karin Prien,

Bildungsministerin von Schleswig-Holstein und Mitglied im CDU-Bundesvorstand, sagten Sie über die laut Tagesspiegel »klaren« Ambitionen der Kandidaten für den CDU-Vorsitz nach Arminion Laschet: »Machtanspruch gehört zur Politik. Wir leben ja nicht im Mädchenpensionat.«

Und wissen Sie was, Frau Prien, das bestätigte sich, als wir das letzte Mal unvorsichtigerweise an Ihrer Parteizentrale vorbeischlenderten. Es roch dort sehr ungewaschen nach Jungs-Umkleidekabine eines Landschulheims. Versichern Ihnen Ihre Privatschnüffler von der Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Bad Spies – (k)eine Kritik

Eines Montagabends lief im ZDF der Streifen »Bad Spies«, den ich allerdings verpasst habe und folglich hier nicht rezensieren kann, weil ich mittlerweile dermaßen von deutschen Regionalkrimis traumatisiert bin, dass ich beim Studieren des Fernsehprogramms nicht an eine ja möglicherweise unterhaltsame US-amerikanische Agentenkomödie, sondern an einen hessischen Kurort namens Bad Spies dachte.

Cornelius W.M. Oettle

 Rätsel gelöst

Das eigentliche Ziel der ständigen Musikbeschallung im Konsumtempel ist es, das Wisch-Wusch-Geräusch zu übertönen, welches die Arme beim Anprobieren von Outdoorjacken machen. Nach dem Kauf, zuhause im stillen Kämmerlein, ist man dann schlauer.

Tina Manske

 Vom Schreiben eines Witzes. Drama in vier Akten

Erster Akt: Aus der klanglichen Ähnlichkeit von Mario Kart und Mario Barth kann man sicher etwas Komisches konstruieren. Zweiter Akt: Aber welcher Kontext? Irgendwas mit Fun als Stahlbad, geistiger Verelendung durch die Unterhaltungsindustrie – so in die Richtung könnte das klappen! Dritter Akt: Jetzt nur noch pointiert ausformulieren und … Vierter Akt: Obwohl … So gut ist die Idee auch wieder nicht.

Jürgen Miedl

 Am Schalter

Neulich wurde ich zufällig und unfreiwillig Ohrenzeuge des folgenden Verkaufsgesprächs in einer Postfiliale: Kundin (wichtigtuerisch, fast feierlich): »Ich hätte gerne Briefmarken, am liebsten SONDERMARKEN! Was hamse denn da da?« Verkäuferin (trocken, monoton): »Beethoven, Sendung mit der Maus, Digitalisierung. Das war’s.« Das fasst, so will ich wohl meinen, den Zustand der Gesellschaft, ihren Denk- und Gedenkhorizont, recht präzise zusammen.

Andreas Meinzer

 Militarismus unter Tieren

Seien wir doch einmal ehrlich zueinander: Schildkröten sind auch nichts anderes als Stahlhelme auf vier Beinen.

Theobald Fuchs

Vermischtes

Kamagurka & Herr Seele: "Cowboy Henk"
Er ist Belgier, Kamagurka. Belgier! Wissen Sie, was der Mann alles durchgemacht hat in letzter Zeit? Eben, er ist Belgier. Und hat trotzdem in einem Finger mehr Witz als Sie im ganzen Leib! Und Heldenmut! Glauben Sie nicht? Dann lassen Sie sich von Cowboy Henk überzeugen, dem einzigen Helden, der wirklich jeden Tag eine gute Tat begeht.
Zweijahres-Abo: 117,80 EURGerhard Henschel: "Harry Piel sitzt am Nil"
Fuck, dieses Buch sollte man gelesen haben, wenn man  kein übelst versiffter Wichser sein will. Schmähungen und böse Wörter  machen das Leben echt oberarschmäßig zum Kotzen. Vielleicht kapieren Sie  Versager das endlich, wenn Sie Henschels neuesten Streich gelesen  haben. Können Sie überhaupt lesen? Wahrscheinlich nicht. Trollen Sie  sich, Sie Wicht! Aber trotzdem abonnieren und diese Top-Prämie wählen.Wenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
Zweijahres-Abo: 117,80 EURKatz & Goldt: "Lust auf etwas Perkussion, mein kleiner Wuschel?"
Stephan Katz und Max Goldt: Ihr monatlicher Comic ist der einzige Bestandteil von TITANIC, an dem nie jemand etwas auszusetzen hat. In diesem Prachtband findet sich also das Beste aus dem endgültigen Satiremagazin und noch besseres, das bisher zurückgehalten wurde. Gewicht: schwer. Anmutung: hochwertig. Preis: zu gering. Bewertung: alle Sterne.
Zweijahres-Abo: 117,80 EUR
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Das schreiben die anderen

  • 02.11.:

    "Keinmal um die ganze Welt - Ein Pauschalreiseabend für Zurückgebliebene" - so heißt das WDR-5-Spezial mit Thomas Gsella, Oliver Maria Schmitt und Hans Zippert.

  • 29.10.:

    Das Bornheimer Wochenblatt berichtet vom TITANIC-Normalitätswettbewerb.

  • 28.09.:

    Oliver Maria Schmitt hat versucht, mit der Kraftradgruppe Frohsinn die Demokratie zu retten – zumindest in der FAS.

  • 28.09.:

    Das "Medienmagazin" vom BR hat mit Martina Werner (und anderen) über Satire, Journalismus und Politik gesprochen.

  • 25.09.:

    TITANIC-Herausgeber Martin Sonneborn spricht mit der Taz über Frauen in der Redaktion und erinnert sich an die beste Zeit für Satire.

Titanic unterwegs
01.12.2021 Oldenburg, Laboratorium Max Goldt
01.12.2021 Hamburg, Polittbüro Gerhard Henschel und Frank Schulz
01.12.2021 Köln, Kulturkirche Köln Martin Sonneborn
02.12.2021 Hamburg, Schauspielhaus Max Goldt