Newsticker

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Inside TITANIC (37)

Intime Einblicke in das Innere der TITANIC-Redaktion und ihrer Mitglieder. Heute: Leo Riegel über vorweihnachtliche Hausmannskost, buttrige Goldbarren und Pinguine an Tannenbäumen.

Wie allerorts entfällt auch bei TITANIC die diesjährige Weihnachtsfeier. Je nach Corona-Infektionslage wird ein weiteres vorweihnachtliches Ritual jedoch stattfinden können: der Besuch im "Goldenen Engel". Seit ein paar Jahren pilgert die Redaktion an einem Dezemberabend ans andere Ende Frankfurts. Dort wird sie in dem für seine polnische Hausmannskost berüchtigten Lokal schon erwartet. Es kommt dann durchaus vor, dass wir die einzigen Gäste des Abends bleiben werden. Möglicherweise liegt es daran, dass die Eingangstür nach unserem Eintritt verriegelt wird, was die Raucher beim Versuch hinauszugehen wenig später feststellen werden. Fürchtet man sich etwa vor weiterer Kundschaft? Egal: Wir sind drin und machen es uns in der urigen und gespenstisch stillen Stube gemütlich. Neben Landschaftsgemälden platzierte Keramikgänse beäugen uns mit Skepsis.

Die Inhaberin und Chefköchin kommt zwecks Bestellungsaufnahme persönlich an den Tisch. Extrawünsche, wie "Kann ich die Steinpilzpiroggen auch ohne Sauerkraut bekommen?" werden mit eiserner Miene und Schweigen quittiert, solange bis die bestellende Person ihren Wunsch zurückzieht. Wenig später wird als Vorspeise eine (traditionell polnische?) Scheibe Ananas gereicht. Es folgt die Hauptspeise. Kleine Goldbarren aus Butter zerfließen auf hausgemachten Klößen und Piroggen. Dampfendes Bigos versprüht seinen fein-säuerlichen Duft. Die VegetarierInnen kratzen die auf der Speisekarte nicht erwähnten Garnitur-Speckwürfel von ihrem Essen. Später werden sie dafür einen Rüffel von der Köchin kassieren ("Sagen Sie doch einfach, dass Sie vegetarisch möchten!").

Alles ist frisch zubereitet und schmeckt fantastisch! Leider kommt es hin und wieder zu Problemen bei der Getränkeversorgung, denn sowohl Köchin als auch Kellner ziehen sich nach dem Servieren der Hauptspeise zurück und kehren so schnell nicht wieder. Als es den dürstenden Kollegen Tietze nicht mehr auf dem Stuhl hält und er nach dem Kellner rufend in den Bereich hinter der Theke vordringt, kommt dieser zurück und stellt ein silbernes, hotelrezeptionstypisches Glöckchen mit der Aufschrift "Bierklingel" auf den Tisch. Nun kann auch Thomas Hintner seine überfällige Bestellung aufgeben: "Noch so ein Zschüüsch ... ein Zwüchsch-sch ... so ein ..." - "Noch ein Zywiec?" - "Ja, genau!" Leider scheint die Bierklingel defekt zu sein. Zwar gibt sie einen Ton von sich, wenn man draufhaut, doch will trotzdem niemand zu uns an den Tisch kommen, um uns zu bedienen.

Am Ende des Abends herrscht zufriedenes Schweigen. Zum Reden ist man zu satt. Dank völlereibedingter Stille kehrt so etwas wie weihnachtliche Besinnlichkeit ein. Dafür sorgt auch der riesige, mit Schnee-Eulen und Pinguinen geschmückte Weihnachtsbaum, der mitten im Raum verkehrt herum von der Decke hängt.

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Jetzt müssen die Wunden heilen!

Ein Gastbeitrag von Friedrich Merz
(Ihr nächster Kanzler!)

Es war eine Zitterpartie, das steht fest. Zur Wahl stand nichts weniger als der demokratische Konsens, Anstand und Fairness, ja die gemeinsamen Werte des Westens selbst. Noch nie wurde in einer westlichen Demokratie so sehr unterhalb der Gürtellinie geschossen wie bei meiner Kandidatur zum CDU-Vorsitz. Armin Laschet mag nicht den Eindruck eines durchtriebenen Strategen erwecken - dennoch hatte er endlose Intrigen gegen mich gesponnen, bediente sich dazu sogar ausländischer Schadsoftware, dem sogenannten "WhatsApp". Ich scheue mich nicht zu sagen: "Sleepy Arm", wie er in der Partei auch genannt wird, wird die Wahl fälschen. Hier haben Sie es zuerst gehört!

Wenn wir aus dem Rumgeeier der Amerikaner in den letzten Tagen überhaupt etwas lernen können, dann das: Wir dürfen in einer so wichtigen Fragen wie einer Spitzenkandidatur nicht auf überkommene Instrumente wie Wählerbefragungen, Parteitage oder Abstimmungen bauen. Ohnehin geben einzelne Sondierungen die Stimmung an der CDU-Basis nie so exakt wieder, wie es etwa das exzellente Politik-Team der "Welt"-Redaktion vermag. Ich frage mich aber schon, warum ein Millionär, der für eines der widerwärtigsten Unternehmen der Welt gearbeitet hat und für seine Kampagne mit dem widerwärtigsten Medienkonzern Deutschlands zusammenarbeitet, noch derart würdelos um Zustimmung betteln muss wie ich. Auch hier können wir viel von den Vereinigten Staaten lernen!

Mit Joe Biden wird ein Mann Präsident der Vereinigten Staaten. Ein weißer heterosexueller Cis-Mann, das darf hier durchaus mal unterstrichen werden. Denn auch das hat die US-Wahl gezeigt: Unsereins ist noch kein Auslaufmodell! Die Menschen da draußen vertrauen uns noch immer. Und ich kann Ihnen, den Menschen da draußen, voll Zuversicht versprechen: Ich werde ganz sicher nicht schwul werden für meine Kandidatur! Denn dafür liegt mir das Wohl unserer Kinder zu sehr am Herzen.

Wie es mit Amerika jetzt weitergeht, wird die Zeit zeigen. Sicherlich wird es keine Rückkehr mehr zu der Welt geben, in der Amerika alles für uns regelt. Aber dennoch verbinden uns unsere gemeinen Wertpapiere und die Möglichkeit, schnell wieder in die Wirtschaft zurückzukehren, wenn mir diese Kandidaturscheiße um die Ohren fliegt. Der amerikanische Traum ist noch nicht ausgeträumt. Jedenfalls meiner!

God bless America!

Ihr

Friedrich Merz

Chief Political Asset Manager

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Präsidentschaftswahl in den USA: Es gibt einen Gewinner!

Ein Kommentar von TITANIC-Amerikakorrespondent Valentin Witt 

Liebe Leserinnen und Leser, my dear english speaking readers!

Viele Menschen rund um den Globus haben lange auf diese Nachricht gewartet, nun gibt es endlich Gewissheit: Die US-Amerikaner haben einen neuen Präsidenten gewählt! Nur welchen – darüber herrscht bislang Unklarheit. Wenn es nach Adam Riese geht, wird Amtsinhaber Donald Trump diesmal den Kürzeren ziehen, aber die Gesetze der Mathematik gelten im Land der unbegrenzten Möglichkeiten nicht überall gleichermaßen.

Präsidentenwahl in den USA ist – anders als hierzulande – Sache der Bundesstaaten. Am Ende entscheidet der Supreme Court, zunächst jedoch darf überall gewählt und gezählt werden, wie es die lokale Gesetzgebung eben vorsieht. Der Föderalismus ist in den Vereinigten Staaten ein hohes Gut, das nicht ohne Not aufgegeben wird.

Ginge es nach absoluten Zahlen, hätte Herausforderer Joe Biden das Präsidentenamt längst in trockenen Taschentüchern. Doch die Mehrheit der Wählerstimmen garantiert im "homeland of the free" noch lange nicht den Wahlsieg. Entscheidend ist vielmehr die Anzahl der Wahlmänner, die dem erfolgreichsten Kandidaten eines Bundesstaat nach dem Winner-takes-it-all-Prinzip samt und sonders zugeschlagen werden.

Aus diesem Grund darf Republikaner Donald Trump beim Kopf-an-Kopf-Rennen ums Weiße Haus trotz insgesamt weniger "Votes", wie es im Politjargon aus Übersee heißt, noch auf einen Sieg über Demokrat Joe Biden spekulieren. Ob den amtierenden US-Präsidenten Trump das Ergebnis der Auszählungen überhaupt juckt, ist eine andere Frage. Für den Wahlsieger von 2016 scheint eine Niederlage ohnehin undenkbar. Wieder einmal präsentiert Trump sich mit seinem Gebaren als Antidemokrat, dem am eigenen Wohlergehen mehr gelegen ist als an dem seines Landes.

Der Schaden, den der selbsternannte Multimilliardär Trump in seiner vierjährigen Regierungszeit sowohl dem Präsidentenamt als auch dem Ansehen der USA in der Welt zugefügt hat, ist irreparabel. Er hinterlässt ein tief gespaltenes Land, in dem die einen Trump so sehr verehren, wie andere ihn verabscheuen. Die Gräben zwischen Republikanern und Demokraten scheinen inzwischen unüberwindbar.

Auch deshalb dauert die Auszählung der Stimmen weiter an. Besonderes Augenmerk gilt hier den sogenannten Swing States, in denen mal mehrheitlich republikanisch, mal demokratisch gewählt wird. Über den künftigen Präsidenten der USA wird zumeist hier entschieden. Trump täte gut daran, auf juristische Scharmützel zu verzichten und im Falle einer Niederlage in gegenseitigem Einvernehmen seinen Platz im Weißen Haus zugunsten seines Herausforderers Biden zu räumen. Die Folgen für die Glaubwürdigkeit der US-amerikanischen Demokratie wären ansonsten kaum abzusehen.

Valentin Witt ist freier Amerikakorrespondent für TITANIC. Intime Einblicke in die US-amerikanische Seele gewährten ihm insbesondere zahlreiche Videospiele wie GTA I-V und die Wahlberichterstattung großer deutscher Nachrichtenseiten. Valentin Witt lebt und arbeitet in Frankfurt am Main.

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Inside TITANIC (36)

Intime Einblicke in das Innere der TITANIC-Redaktion und ihrer Mitglieder. Heute: Fabian Lichter über das Verstreichen der Wochen.

Es fällt schwer, eine Kolumne über das Innere einer Redaktion zu schreiben, an die man sich nur noch vage erinnert. Dazu braucht es gar keine likörweingetränkten Franz-Josef-Wagner-Gehirnlappen. Es reichen völlig: Urlaubswochen, heftfreie Wochen, Wochenbettwochen, Mc-Donald's-Los-Wochos-Wochen, verlängerte Wochenendwochen und Isolations- und Homeoffice-Wochen, wie just dieser Tage mal wieder. Sie drängen sich immer offensiver in die unterm Strich lächerlich wenigen KWs des Kalenderjahres.

Fast vergesse ich bisweilen, woher das Geld kommt, das ich so manisch sorglos in Ritter Sport, Babywindeln und I-Tunes-Angebote versenke. Nachts kehren sie dann zurück, die Plagegeister namens Erinnerungen und Schuldgefühle. Gruselige kleine Wesen mit roten Köpfen und bayerischem Akzent suchen mich in meinen Träumen heim und verlangen Texte, von denen ich nichts weiß, eine verzweifelte Stimme hallt aus dem Off und kann nicht fassen, dass ich schon wieder vergessen habe, für unser unverschämt gutes Abo-Angebot zu werben (Jetzt TITANIC abonnieren und fette Prämien einsacken!).

Dazu all die Dinge, die erledigt werden wollen, wenn ich einst wieder meinen Landsitz im Moloch Offenbach verlasse und den Moloch Frankfurt betrete: Seit langem möchte ich meinen Kollegen einen Kuchen kredenzen, der idealerweise weder Laktose noch SARS-Viren enthält, ein noch sperrig verpacktes Möbelstück (meiner Erinnerung nach ein Schränkchen) wartet seit gut einem halben Jahr darauf, von mir aufgebaut oder wenigstens einmal aus dem Weg geräumt zu werden, und ein sauberer Umtrunk (siehe Gehirnlappen) wäre auch mal wieder schön. Nur teilweise trägt "das böse C" Schuld an diesem Chaos. Ich halte es da mit der Bundesregierung, die gerade auf ganz andere Art in einer ganz ähnlichen Situation steckt, und behaupte: 2021 wird alles besser!

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Meditation und Markt mit Dax Werner

Zwei Geschichten von dir

Liebe Leser_innen,

sicher habt ihr es schon mitbekommen: Die große Koalition hat in Sachen Rassismus-Studie in der Polizei nach Monaten endlich zu einem Kompromiss gefunden. Dafür zuallererst einmal herzlichen Glückwunsch von mir!

Gemeinsam mit der Bundeskanzlerin Fr. Dr. Angela Merkel (CDU) und Innenminister Horst Seehofer (CSU) verhandelte Vizekanzler Olaf Scholz von der SPD einen goldenen Kompromiss und zeigte einmal mehr, wie vernünftige Sachpolitik jenseits ideologischer Gräben im Jahr 2020 auszusehen hat. Statt einer expliziten Studie über den in der Polizei verbreiteten Rassismus wird nun untersucht, welche Erfahrungen von Hass und Gewalt von Polizisten selbst gemacht werden. Auch wenn das genau genommen gar nichts mehr mit der ursprünglichen Forderung zu tun hat. Sei's drum, das Politikgeschäft ist mitunter ein ziemlich undankbares Spiel, nicht immer ist auf der großen Berliner Politbühne Platz für die kühle hanseatische Politik mit Augenmaß.

Während sich in den sozialen Netzwerken – wobei genau genommen manchmal von "sozial" gar nicht mehr die Rede sein kann … – gerade mal wieder ein Shitstorm gegen die GroKo und die SPD formiert, möchte ich zwei kleine Anekdoten über Olaf Scholz erzählen, die euch vielleicht helfen, diesen politischen Ausnahmekönner ein paar Mü mehr verstehen zu können.

Die erste Anekdote wurde mir aus Frankfurt erzählt. Ein vermögendes Banker-Ehepaar interessierte sich für eine Immobilie in der Stadt, jedoch hielten sie den veranschlagten Preis für zu teuer. Also baten sie Olaf Scholz um einen Kompromiss. Olaf Scholz antwortete: "Ich denke mal laut nach: Was wäre, wenn das Hamburger Finanzamt die Millionenforderung gegen euch ganz einfach verjähren lässt? Oder, noch besser: Was wäre, wenn wir das Objekt einfach zusammen klauen?"

Ein anderer Fall stammt aus dem Jahr 2007 oder 2008. Ein extrem sowohl in Deutschrap als auch Politik involvierter Student möchte im Master-Studiengang Literaturwissenschaft seine Abschlussarbeit unbedingt über "Rap und Politik" verfassen, an der Uni Hamburg hat jedoch keine Professorin und kein Professor Lust, diese Arbeit zu betreuen. Olaf Scholz wird zu Hilfe gerufen, sein Kompromiss: Der Mann bricht sein Studium komplett ab und beginnt eine Ausbildung zum Mechatroniker in Köln.

Nur zwei kleine Anekdoten, die, wie ich finde, eine ganze Menge über den Olaf Scholz hinter dem Olaf Scholz erzählen. Sie zeichnen das Bild eines Möglichmachers, eines Über-den-Tellerrand-Denkers, Scholz als jemanden, der es zustande bringt, die unterschiedlichsten Interessen irgendwie miteinander zu vereinen.

Ein Ausgleicher und Versöhner, wie ihn dieses unsere Land womöglich schneller brauchen wird, als wir uns gerade noch vorstellen können.

In diesem Sinne

euer: Dax Werner

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Inside TITANIC (35)

Intime Einblicke in das Innere der TITANIC-Redaktion und ihrer Mitglieder. Heute: Paula Irmschler über das widerwärtige Messieleben und die Falltüren in der Redaktion. Gesendet von ihrem I-Phone.

Es ist Kalenderwoche irgendwas und ich bin mal wieder übersät mit blauen Flecken. Das kam so: Der Chef wollte was aus dem Lager ("Die guten Kaffeepads und ein Snickers"), dazu muss man eine steile Treppe runter, das Lager befindet sich in einem großen Keller. Ebenjene Treppe ist vollgestellt mit Merchandise-Kisten, Büchern aller alten TITANIC-Redakteur/innen, Foto-Equipment von Tom Hintner, Technik-Bedarf von Alexander Golz, der "Die Zeit"-Sammlung von Tim Wolff, dem "Wein-Repertoire" von Martina Werner und alten Küchlein, die "nicht so gut geschmeckt haben", von Kristin Eilert. Was das soll? Ja, das fragte ich mich auch. Ich fand es in wochenlanger Recherche heraus und sage es jetzt einfach, wie es ist: Wir sind Hausbesetzer, Schmarotzer, Mietnomaden! Die gesamte TITANIC-Redaktion ist wohl so eingerichtet, "dass es Bullenschweine richtig schwer haben hier durchzuhacken, falls die mal kommen", so Anarcho-Redakteur Fabian Lichter (flüsternd). Eigentum sei Diebstahl, fügte Zecken-Fürst Moritz Hürtgen hinzu und klaute mir schon wieder die Schokomilch. Es kam, wie es kommen musste:  Ich stürzte die Treppe hinab. Nur um unten noch fünfmal mehr Müll zu finden, durch den man durchstiefeln muss, um zum eigentlichen Lager mit dem Vorrat zu kommen.

Plötzlich fiel es mir wie Schuppen von den Augen! Überall sind Fallen aufgestellt! Nun begriff ich, dass es gar nicht Faulheit ist, wieso es bei uns aussieht wie bei Hempels unterm Sofa. Die Bierflaschen im Eingangsbereich, die Zeitungsstapel im Konferenzraum, all die Bildschirme, die kreuz und quer in den Räumen rumstehen, das gepolsterte Tonstudio, der Bürobedarf auf dem Tisch vom gepiercten Redaktionsassistenten Moritz Post, die ungünstig positionierte Schneidemaschine bei Punk-Zeichner Leo Riegel, die Prime-Pakete hie und da, die Requisite für Fotos, TITANIC-Jahrgänge aus mehreren Jahrzehnten: Das ist alles nur Barrikade! Zudem sind wohl Anwohner angehalten, ihren Müll einfach bei uns abzuladen, Behauptung: "Da könnte was Lustiges dabei sein." Und noch lachen wir, wenn jemand gegen unsere gläsernen Türen stolpert, doch sie werden ihre Wirkung tun. Eines Tages ...

Vielleicht bin ich ab sofort meinen Job los, doch ich konnte nicht länger schweigen. Das ist doch kein Leben! Sehnen die anderen sich nicht nach einer schnieken Redaktion in einem Penthouse mit Mainblick wie ich? Es könnte so schön und einfach sein. Und ich ohne blaue Flecken. Exklusive Fotos aus der Redaktion finden Sie übrigens über die Google-Bildersuche "Messiehaushalt extrem schlimm haha arme Schweine Spiegel TV Reportage". Helfen Sie uns beim Ausstieg aus dieser Szene! Zum Beispiel mit einem Abo.

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Meditation und Markt mit Dax Werner

Die große Male-Manipulator-Politikeranalyse

Liebe Leser_innen,

vom großen Bruder jenseits des Atlantiks (USA) schwappt ein neuer Trend zu uns herüber: Die Rede ist diesmal nicht von Hip-Hop, sondern von Male Manipulator Music, kurz: MMM. Geführt wird dieser Diskurs von Vertreter_innen der Generation Z auf – na klar – auf Tiktok, der derzeit vermutlich problematischsten Plattform im Internet, und beschäftigt sich in erster Linie mit Bands und Künstlern, die über ihre Texte, Werke und Selbstdarstellung Projektionsfläche für sensible junge Männer voller Weltschmerz und intellektuellem Außenseitertum anbieten. Beispielhaft für MMM sind etwa Radiohead, Sonic Youth, Joy Divison und Mac DeMarco. Für viele Millennials ist das eine harte Nuss, denn schließlich wirkten viele dieser Bands für uns in unserer Jugend identitätsstiftend: Plötzlich tauchen im Internet irgendwelche 17jährigen auf und bezeichnen deine Lieblingsbands als das, was sie insgeheim immer waren: der Rechtfertigungssoundtrack für emotional hoch manipulatives Verhalten.

Was also tun? Wo Licht ist, ist auch immer Schatten, und wo Male Manipulator Music existiert, gibt es natürlich auch cleane Bands: AC/DC, Manowar, Iron Maiden. Also Musik, die nur unter einem ganz bestimmten Gesichtspunkt als vollkommen unproblematisch gelesen werden kann, nämlich unter der Fragestellung, ob sie als Projektionsfläche für emotional manipulative Männer taugt.

Wie es meine Art ist, habe ich das Thema ein paar Schritte weiter gedacht: Male Manipulator Music leuchtet als Konzept natürlich sofort ein, aber was ist eigentlich mit Male Manipulator Politikern? Gibt es unter den deutschen Politpromis, die mit ihrem inhaltlichen und nonverbalen Auftreten und ihrem politischen Programm problematisches Verhalten bei ihren Anhänger_innen forcieren? Und welche Politiker sind clean?

Robert Habeck: Der attraktive Feingeist aus Schleswig-Holstein kokettiert nicht nur mit seiner progressiven Energiepolitik, sondern als Autor diverser Romane (Red Flag!) auch mit seiner künstlerischen Seite und gibt in vielen politischen Auseinandersetzungen den Entschleuniger und Weiterdenker. Fazit: Hohe Male-Manipulator-Energie.

Karl Lauterbach: Mit der Pandemie erlebte der ewige Gesundheitsexperte der SPD seinen zweiten Frühling. Lauterbach verkörpert das Rheinland at its best: Wenig Inszenierung, viel Fakten, Lauterbach ist einer, der lediglich sagt, wie's ist. Einzige Warnhinweise bei ihm: die extravagante Fliege und die Anbindung an die wissenschaftliche Community. Fazit: Weitestgehend Clean.

Andy Scheuer: Gerader Typ vom Land, der ein persönliches Problem mit den Großstadtgrünen hat. Das Gegenteil des intellektuellen Außenseiters, kaum Sensibilität, fährt dafür aber auch diverse Großprojekte krachend an die Wand und kann sich später nicht mehr an getroffene Abmachungen erinnern. Außerdem tätig als Hobby-DJ, strahlt trotzdem eher Truck Stop als Mac DeMarco aus. Fazit: Mittlere Male Manipulator Energie.

Wolfgang Kubicki: Wahrscheinlich der schlimmste Male Manipulator im ganzen Berliner Polit-Game. Pflegt das Image des Rechtsanwalts mit Hang zum Savoir-vivre, engagiert sich in der Nischenpartei FDP als Liebhabereiprojekt. Arbeitet in nahezu jedem Talkshowauftritt mit extrem hoher sexueller Aura, man spürt's regelrecht durch den Bildschirm durchtriefen. Fazit: 99,9-prozentiger Male Manipulator.

Dr. Helmut Kohl: Der Inbegriff von Bodenständigkeit, kaum Red Flags. What you see is what you get. Ähnlich wie Manowar und AC/DC profitiert er davon, dass es in der Male-Manipulator-Diskussion wirklich ausschließlich die jeweilige Manipulationsmagie diskutiert wird, deswegen: 100 Prozent Clean.

Dieter Dehm: Ähnlich wie bei Kubicki macht auch Dieter Dehm den Eindruck, Politik lediglich als Brotjob für seinen eigentlichen Traum zu betreiben: den Traum vom Leben als politischer Liedermacher. Weitere Red Flags: Romanautor und (!) Musikproduzent. Fiel ungefähr zur Halbzeit der bisherigen Pandemie mit einem reichlich skurrilen Corona-Song auf, der mehr Projektionsfläche für verschwörungsaffine Sensibelmänner jenseits der 50 bot als ein durchschnittliches Multiplex-Kino. Fazit: Steht im Urban Dictionary mit Foto im Male Manipulator-Eintrag.

Ich hoffe, ich habe euch heute wieder ein paar wertvolle Insights mitgeben können. Kommt gut durch den Herbst, euer: Dax Werner

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Aktuelle Startcartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Stark, Bürgerbewegung Finanzwende!

Dass CumEx-Chefermittlerin Anne Brorhilker ihren Job als Oberstaatsanwältin aufgibt und stattdessen bei Eurem zwar ehrenwerten, aber vergleichsweise machtlosen Verein anheuert, war, wie Ihr in Eurem Newsletter mitteiltet, auch für Euch eine »Riesenüberraschung«.

Irritiert hat uns allerdings die dortige Zusammenfassung Eurer Ziele: »Gemeinsam arbeiten wir für Finanzmärkte, die uns allen dienen. Gegen Finanzkriminalität und Ungeheuerlichkeiten wie CumEx. Und dafür, dass Überschuldete nicht mit ihren Problemen alleine gelassen werden, dass die Schufa ihre Marktmacht nicht ausnutzt und dass öffentliche Gelder weiter intransparent und klimaschädlich angelegt werden können.« Na, wenn Ihr Euch dafür einsetzt, finden wir Eure Machtlosigkeit gar nicht mehr so schlimm!

Arbeitet für und gegen alles und jeden: Titanic

 Eine Frage, »Redaktionsnetzwerk Deutschland« …

»Manche Abiturienten in Hessen machen womöglich absichtlich einige Rechtschreibfehler. Sie wollen beim Gendern ein Statement zu setzen« – und Du, RND? Wofür willst Du Dein Statement zu setzen?

Fragt absichtlich Titanic

 Wir haben da eine Idee, FiniBee!

Ihr seid »Frankfurts erstes Powerbank Sharing Startup« und versprecht mit Euren Ladestationen schnelle Abhilfe, wenn man mal mit fünf Prozent Restladung auf dem Telefon vor dem Kiosk steht.

Da uns genau das jetzt passiert ist, sind wir zur Powerbank-Station geschwirrt und hatten im Handumdrehen wieder Saft: nur schnell den QR-Code scannen, die App installieren, die eigene Telefonnummer eintippen, ein Passwort ausdenken (»AarghGleich3%«), ein Bezahlverfahren einrichten, einen anderen QR-Code scannen, den richtigen Aufstellort per Kartenansicht suchen, ein paar Knöpfe drücken und schon die rettende Leihbatterie entnehmen. Puh!

Wenn Ihr jetzt noch die Spannung, die der Wettlauf zwischen Telefontod und Ausleihe in uns erzeugt, direkt zur Energiegewinnung nutzen könntet, hättet Ihr eine komplett ökologische Lösung ganz ohne Powerbanks gefunden!

Geladene Grüße von Titanic

 Grüß Gott, Jan-Christian Dreesen!

Als Vorstandsvorsitzender vom FC Bayern München fanden Sie nach dem Ausscheiden aus der Champions League gegen Real Madrid die richtigen Worte: »Das ist das, was die FC-Bayern-Familie auszeichnet – dass wir nach so bitteren Niederlagen stärker als zuvor zurückkommen. Das ist das, was wir als unseren Mia-san-mia-Reflex bezeichnen.«

Wir sind, Dreesen, medizinisch und anatomisch nicht so firm. Aber dieser »Mia-san-mia-Reflex« – ist das jener, der 2017 dafür sorgte, dass Sie sich bei einem Jagdunfall den eigenen Zeigefinger weggeballert haben? Klick-peng!

Mia san neugierig: Titanic

 Oh no, Kölner Brautpaar!

170 Fotos hat der von Dir engagierte Fotograf auf Deiner Hochzeit geschossen, und dann haben gerade die allerwichtigsten gefehlt – die mit den Luftballons drauf, die Gruppenfotos und noch ein paar andere. Statt dem Idioten nun seinen USB-Stick samt der gespeicherten Fotos zu zerstampfen, einfach die Rechnung nicht zu bezahlen oder anonyme Beschimpfungen gegen diesen Stümper ins Internet zu klopfen, wie es erwachsene Menschen tun würden, zogst Du, so entnehmen wir der Kölner Lokalpresse, vor Gericht. Die Forderung: mindestens 2000 Euro Schmerzensgeld. Der Grund: »Enttäuschung und Trauer«.

Und was, Kölner Brautpaar, machten die Rohlinge vom Amtsgericht Köln? Wiesen Deine Klage ab. Denn »geringfügige Beeinträchtigungen des seelischen Wohlempfindens« lösten »keinen Schmerzensgeldanspruch« aus.

Unfassbar! Was hast Du da empfunden? Noch mehr Enttäuschung? Noch tiefere Trauer? Fein, dann weißt Du ja, welche Schweine Du als Nächstes verklagst. Und sei nicht enttäuscht und traurig, wenn Du nun durch ganz viele Instanzen oder sogar bis zum Jüngsten Gericht gehen musst. Denn zwei Dinge sind für eine lange und glückliche Ehe schließlich ganz wichtig: 1. gemeinsame Projekte und 2. gemeinsame Hassobjekte.

Tipp von Deiner alten Junggesellin Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Bräunungstagebuch 2017

Normalerweise kennt meine Haut nur drei Farbtöne: Glasnudel, Aschenbecher und Hummer. Zu meinem 37. wollte ich mal was Verrücktes machen und kaufte mir eine Flasche Bräunungscreme. Weil ich diese grandiose Idee im wärmsten August seit Beginn des Klimawandels hatte, kam ich von der Creme bald übel ins Schwitzen. Da saß ich nun auf der Couch, mit macchiatobraunem Leib und leuchtend gelbem Bart, triefend und hechelnd mit offenem Hemd, wie der sehr späte Jürgen Drews. Mein Verlangen nach Abenteuer war danach jedenfalls gestillt.

Dominik Wachsmann

 Gute Aussichten

Für mich ist es ganz wichtig, auch im Alter neugierig zu bleiben. Darum habe ich mir ein neues Kissen für mein Fensterbrett geleistet.

Uwe Becker

 Energievampir

Wie groß doch der Unterschied zwischen dem Leben in der Stadt und dem auf dem Land ist, fiel mir wieder auf, als ich mit meiner Tante vom Hof telefonierte und wir uns über unsere Erschöpfung austauschten: Ich erklärte mir meine große Müdigkeit damit, dass ich den Tag zuvor in der Therapie eine neue Erkenntnis gewonnen hatte, gegen die ich mich aber noch sperre. Das verbrauche natürlich schon viel Energie, außerdem wolle sich mein Gehirn so wenig mit der neuen Erkenntnis beschäftigen, dass es lieber in die Schläfrigkeit flüchte. Sie wiederum begründete ihre Mattheit mit den Worten: »Ich glaube, mich hat was gebissen, das müde macht.«

Laura Brinkmann

 Neuer Schüttelreim

Soeben in fünf Minuten erzwungener Wartezeit vor dem Limette-Minze-Mandarine-Aufguss die ausführliche Saunaordnung meines Stadtteilschwimmbades an der Wand studiert. In dem peniblen Regelwerk unter anderem erfahren, dass in den Räumlichkeiten neben Wäschewaschen und anzüglichen Bemerkungen auch Kratzen und »Schweißschaben« verboten sind, was immer das sein mag. Sofort Gedichtidee gehabt: »Wer denkt sich ein Wort aus wie Schweißschaben? / Das waren bestimmt diese« – na, ihr könnt es euch ja denken.

Mark-Stefan Tietze

 Falscher Titel

Kürzlich habe ich einen Brief meiner ehemaligen Universität erhalten, dass ich mich, da ich in meiner Abschlussarbeit in Gletscherwissenschaften plagiiert haben soll und mir mein Titel nun aberkannt wird, fortan bitte nicht mehr Glaziologe, sondern lediglich Halbglaziologe nennen soll.

Ronnie Zumbühl

Vermischtes

Erweitern

Das schreiben die anderen

Titanic unterwegs
30.05.2024 Frankfurt, Museum für Komische Kunst »POLO«
30.05.2024 Frankfurt, Museum für Komische Kunst Hans Traxler: »Die Dünen der Dänen«
30.05.2024 Frankfurt, Museum für Komische Kunst »F. W. Bernstein – Postkarten vom Ich«
01.06.2024 Hamburg, Altonale-Festival Ella Carina Werner