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Meditation und Markt mit Dax Werner

Die große Male-Manipulator-Politikeranalyse

Liebe Leser_innen,

vom großen Bruder jenseits des Atlantiks (USA) schwappt ein neuer Trend zu uns herüber: Die Rede ist diesmal nicht von Hip-Hop, sondern von Male Manipulator Music, kurz: MMM. Geführt wird dieser Diskurs von Vertreter_innen der Generation Z auf – na klar – auf Tiktok, der derzeit vermutlich problematischsten Plattform im Internet, und beschäftigt sich in erster Linie mit Bands und Künstlern, die über ihre Texte, Werke und Selbstdarstellung Projektionsfläche für sensible junge Männer voller Weltschmerz und intellektuellem Außenseitertum anbieten. Beispielhaft für MMM sind etwa Radiohead, Sonic Youth, Joy Divison und Mac DeMarco. Für viele Millennials ist das eine harte Nuss, denn schließlich wirkten viele dieser Bands für uns in unserer Jugend identitätsstiftend: Plötzlich tauchen im Internet irgendwelche 17jährigen auf und bezeichnen deine Lieblingsbands als das, was sie insgeheim immer waren: der Rechtfertigungssoundtrack für emotional hoch manipulatives Verhalten.

Was also tun? Wo Licht ist, ist auch immer Schatten, und wo Male Manipulator Music existiert, gibt es natürlich auch cleane Bands: AC/DC, Manowar, Iron Maiden. Also Musik, die nur unter einem ganz bestimmten Gesichtspunkt als vollkommen unproblematisch gelesen werden kann, nämlich unter der Fragestellung, ob sie als Projektionsfläche für emotional manipulative Männer taugt.

Wie es meine Art ist, habe ich das Thema ein paar Schritte weiter gedacht: Male Manipulator Music leuchtet als Konzept natürlich sofort ein, aber was ist eigentlich mit Male Manipulator Politikern? Gibt es unter den deutschen Politpromis, die mit ihrem inhaltlichen und nonverbalen Auftreten und ihrem politischen Programm problematisches Verhalten bei ihren Anhänger_innen forcieren? Und welche Politiker sind clean?

Robert Habeck: Der attraktive Feingeist aus Schleswig-Holstein kokettiert nicht nur mit seiner progressiven Energiepolitik, sondern als Autor diverser Romane (Red Flag!) auch mit seiner künstlerischen Seite und gibt in vielen politischen Auseinandersetzungen den Entschleuniger und Weiterdenker. Fazit: Hohe Male-Manipulator-Energie.

Karl Lauterbach: Mit der Pandemie erlebte der ewige Gesundheitsexperte der SPD seinen zweiten Frühling. Lauterbach verkörpert das Rheinland at its best: Wenig Inszenierung, viel Fakten, Lauterbach ist einer, der lediglich sagt, wie's ist. Einzige Warnhinweise bei ihm: die extravagante Fliege und die Anbindung an die wissenschaftliche Community. Fazit: Weitestgehend Clean.

Andy Scheuer: Gerader Typ vom Land, der ein persönliches Problem mit den Großstadtgrünen hat. Das Gegenteil des intellektuellen Außenseiters, kaum Sensibilität, fährt dafür aber auch diverse Großprojekte krachend an die Wand und kann sich später nicht mehr an getroffene Abmachungen erinnern. Außerdem tätig als Hobby-DJ, strahlt trotzdem eher Truck Stop als Mac DeMarco aus. Fazit: Mittlere Male Manipulator Energie.

Wolfgang Kubicki: Wahrscheinlich der schlimmste Male Manipulator im ganzen Berliner Polit-Game. Pflegt das Image des Rechtsanwalts mit Hang zum Savoir-vivre, engagiert sich in der Nischenpartei FDP als Liebhabereiprojekt. Arbeitet in nahezu jedem Talkshowauftritt mit extrem hoher sexueller Aura, man spürt's regelrecht durch den Bildschirm durchtriefen. Fazit: 99,9-prozentiger Male Manipulator.

Dr. Helmut Kohl: Der Inbegriff von Bodenständigkeit, kaum Red Flags. What you see is what you get. Ähnlich wie Manowar und AC/DC profitiert er davon, dass es in der Male-Manipulator-Diskussion wirklich ausschließlich die jeweilige Manipulationsmagie diskutiert wird, deswegen: 100 Prozent Clean.

Dieter Dehm: Ähnlich wie bei Kubicki macht auch Dieter Dehm den Eindruck, Politik lediglich als Brotjob für seinen eigentlichen Traum zu betreiben: den Traum vom Leben als politischer Liedermacher. Weitere Red Flags: Romanautor und (!) Musikproduzent. Fiel ungefähr zur Halbzeit der bisherigen Pandemie mit einem reichlich skurrilen Corona-Song auf, der mehr Projektionsfläche für verschwörungsaffine Sensibelmänner jenseits der 50 bot als ein durchschnittliches Multiplex-Kino. Fazit: Steht im Urban Dictionary mit Foto im Male Manipulator-Eintrag.

Ich hoffe, ich habe euch heute wieder ein paar wertvolle Insights mitgeben können. Kommt gut durch den Herbst, euer: Dax Werner

Kategorie: Meinung



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Aktuelle Startcartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Vorbildlich, Landwirtschaftsminister Cem Özdemir,

finden wir ja Ihren Vorstoß, Containern zu legalisieren. Wir hoffen allerdings doch sehr, dass dies nicht schon die von Ihnen als »Deutschlanddiät« angekündigte Kampagne für bezahlbares Essen ist?

Muss auch so genug Müll schlucken: Titanic

 Eine Frage, Dating-App Bumble …

Welchen Sinn hat es, dass Du in einer Werbung eine Nutzerin Deines Dienstes wahnsinnig davon beeindruckt zeigst, dass ein Lukas laut eigenen Angaben »Abenteuer und Kaffee« liebt? Was möchtest Du uns damit vermitteln, dass sie ihn sofort anschreibt und ein Treffen vorschlägt? Willst Du uns unbedingt den langweiligsten Typen andrehen, den es auf Deiner Plattform gibt? Oder ist das – bedenkt man die begeisterte Reaktion der Frau – etwa noch der interessanteste, den du zu bieten hast?

Sind vor der Antwort trotz Kaffee eingeschlafen:

Deine anspruchsvollen Großstadtsingles von der Titanic

 Hmmm, Ex-FIFA-Boss Sepp Blatter,

zu Ihrer Rolle bei der Vergabe der Männerfußball-WM an Katar sagen Sie heute: »Die Leute stellen sich Einflussnahme immer wie in Gangsterfilmen vor – mit Koffern voller Geld, die an einem geheimen Ort übergeben werden. So war das aber nicht.« Ach: So war das nicht – na dann! Eine Frage, Blatter: Wie sehr mussten Sie sich konzentrieren, um nicht versehentlich die Beschaffenheit der besagten Geldkoffer und den Übergabeort zu beschreiben?

Fragen sich

Ihre Detektiv/innen von Titanic

 Wie wenig, »Spiegel«,

muss man eigentlich tun, um von Dir als nicht rechts entlastet zu werden? Liest man Deine Reportage über die SPD-Bundestagsabgeordnete Isabel Cademartori, wohl sehr wenig. Denn dort schreibst Du, Cademartori sei »keine Rechte. Sie steht für eine diverse Gesellschaft, wenn bei Veranstaltungen Altherrenwitze gerissen werden, rollt sie mit den Augen.« Oha, mit den Augen rollt sie, na dann. Lass uns raten: Wer Zunge schnalzend an einem brennenden Flüchtlingsheim vorbeiläuft, ist kein Nazi, und wer »pfft« macht während einer AfD-Kundgebung, kein Faschist?

Presst entschieden die Lippen aufeinander: Titanic

 Ihnen, Steve Jobs,

Ihnen, Steve Jobs,

wird es wahrscheinlich egal sein, aber wir wollten Sie dennoch informieren, dass Ihr Vermächtnis auf Erden recht vielgestaltig ausgefallen ist. So lasen wir bei stern.de: »Alte Schlappen für über 20 000 US-Dollar: Birkenstock-Sandalen von Steve Jobs stehen zum Verkauf.«

Dieser Reliquienhandel ist übrigens ein wahres Geschäftsmodell geworden: »Die Schuhe sind nur ein kleiner Teil von Jobs’ mehr oder weniger freiwilligem Nachlass. Seine Angestellten leerten die Mülltonnen offenbar mehrfach gründlich. Die Beute habe man mit den Gärtnern, Freunden oder Second-Hand-Geschäften geteilt.« Sollte es nun bald an Ihren Sargdeckel klopfen, Jobs, dann wissen Sie: Da braucht wer Nachschub. Aber als Ex-CEO kennen Sie sich ja aus mit der dubiosen Beschaffung von Ressourcen!

Grüße ins ewige Business von Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Täter-Opfer-Umkehr

Nächte im Krankenhaus sind nie besonders schön. Diesmal aber war es der reine Horror. Mein hochmodernes Bett ließ sich nicht um einen Millimeter verstellen, egal, wie oft und wie verzweifelt ich immer wieder auf die Tasten der Fernbedienung drückte. Und die Tatsache, dass alle paar Minuten eine arme Seele im Nebenzimmer vor Schmerzen laut schrie und jammerte, machte die Situation nicht besser. Am nächsten Morgen klärte mich das Pflegepersonal darüber auf, dass ich nicht zu dumm zum Drücken einer Taste sei, sondern dass es sich einfach um die falsche Fernbedienung gehandelt habe, nämlich um die eines anderen Bettes! Jetzt finde ich: Auch wenn man frisch operiert die ganze Nacht komplett ferngesteuert in seinem Bett hin- und her- und hoch- und runtergefahren wird, ist das noch lange kein Grund, so zu schreien, dass die anderen Patienten nicht schlafen können.

Martina Werner

 Lasst mich in Ruhe!

Sollten jemals Zeitreisen möglich sein, müsste man fast Mitleid mit dem jungen Hitler haben. Ohne etwas getan zu haben, würde er in ständiger Angst leben, weil andauernd Fremde versuchten, ihn umzubringen.

Karl Franz

 Taktik für 8

Besuch bei Tante und Onkel, beide sehr betagt. Beim Scrabblespiel liegen sie zu Beginn etwas zurück, es fallen ihnen nur kurze Worte wie »EIN« ein. Nach dem abgeschmetterten Versuch, den schon daliegenden Artikel »DER« in das zusammenhängende Wort »DERRABE« zu verwandeln, bekommt das Spiel eine Wendung: Die Senioren entdecken den S-Buchstaben und den Genitiv für sich und heimsen viele Punkte ein mit »MOPSES«, »STRUMPFLOCHS«, »RATTENZAHNS«, alles ist wieder offen …

Miriam Wurster

 Waldbaderegel Nr. 1

Nicht vom Waldrand springen!

Tom Breitenfeldt

 Konsequent

Wer Ananas sagt, muss auch Abnabnabs sagen!

Daniel Sibbe

Vermischtes

Erweitern

Das schreiben die anderen

  • 10.01.: "Der Teufel vom Dachboden" – Eine persönliche Pardon-Geschichte in der Jungen Welt von Christian Y. Schmidt.
  • 13.12.:

    Anlässlich des 85. Geburtstages Robert Gernhardts erinnert Christian Y. Schmidt in der Jungen Welt an den Satiriker und Vermieter.

  • 26.10.:

    Chefredakteurin Julia Mateus spricht über ihren neuen Posten im Deutschlandfunk, definiert für die Berliner-Zeitung ein letztes Mal den Satirebegriff und gibt Auskunft über ihre Ziele bei WDR5 (Audio). 

  • 26.10.:

    Julia Mateus erklärt dem Tagesspiegel, was Satire darf, schildert bei kress.de ihre Arbeitsweise als Chefredakteurin und berichtet der jungen Welt ein allerletztes Mal, was Satire darf. 

  • 26.10.:

    Ex-Chef-Schinder Moritz Hürtgen wird von Knut Cordsen für die Hessenschau über seinen neuen Roman "Der Boulevard des Schreckens" interviewt (Video) und liest auf der TAZ-Bühne der Buchmesse Frankfurt aus seiner viel gelobten Schauergeschichte vor (Video). 

Titanic unterwegs
29.01.2023 Hagen im Bremischen, Burg zu Hagen Miriam Wurster: »Gute Manieren«
01.02.2023 Berlin, Pfefferberg Theater Hauck & Bauer, Schilling & Blum und Hannes Richert
02.02.2023 Halle, Objekt 5 Max Goldt
02.02.2023 Nürnberg, Z-Bau Moritz Hürtgen