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Fabian Lichters Economy Class

Deutsche Versöhner

Es ist schon eine besondere Leistung, die Laschet vollbracht hat, nämlich dafür zu sorgen, dass sich einmal wenigstens auch auf Twitter alle einig in etwas sind, jedenfalls darin: Laschet kann es nicht. Der neue Versöhner, er kommt also wohl aus Aachen. Der Rest liegt bekanntlich an den Wählerinnen und Wählern da draußen. Und da muss man einfach ganz klar sagen, dass die Existenz des Mediums Film jemandem wie Laschet in der Hinsicht nicht gerade in die Hände spielt.

Was im Zeitalter mündlicher Überlieferung noch hätte irgendwie gesteuert und verschleiert werden können, dass Laschet eben so ist, wie er aussieht und dass all diese Sätze also tatsächlich und nachweislich aus ihm herauskommen, das könnte im Medienzeitalter doch ein entscheidender Nachteil für ihn sein. Das fällt ihm jetzt sozusagen auf die verdächtig sauberen Gummistiefel.

Es ist dann aber wiederum ein seltsamer Dreh, wenn man ihm ausgerechnet vorwirft, im Wahlkampf nun eben vorrangig das, nämlich Wahlkampf zu betreiben. Wem es genützt hätte, wenn – wie ebenfalls auf Twitter vielfach gewünscht – er doch mal eine Viertelstunde mitgeschippt hätte in den vom Hochwasser verschlammten Eifel-Straßen, das weiß nur die Bubble. Und ob es dem Schlamm überhaupt recht gewesen wäre?

Regelrecht streberhaft dagegen schon Kandidat Scholz, der etwa zeitgleich einen Videobeweis online stellte, der zeigt, wie er bei der Tafel in seinem Wahlkreis Potsdam sehr wohl tatkräftig mittat, Essenskisten schleppte, zumindest einmal, und mit "Teamleiterin Sabine" die Kelle für die Bedürftigen schwang. Dazu auch noch bescheiden genug, nicht gleich prahlerisch damit herauszuplatzen, dass dank ihm und der Agenda 2010 der Laden, gerade was die Kundschaft angeht, ja erst so richtig brummen dürfte.

"Es gibt kein Recht auf Faulheit", sagte bekanntlich schon Gerhard Schröder und wer denkt, bei den Grünen gelte das nichts, übersieht, dass Baerbock sich in Sachen Bürgerdialog in den letzten Tagen wohl einfach nur auf das Portal abgeordnetenwatch.de zurückgezogen hat (698 von 898 Fragen beantwortet), wo sie sich dem Fragen-Dauerfeuer ihrer Wähler und Kritiker stellt. "Wieso ist ihre für Ihre Partei für E-Motoren bei E-Autos?" [sic], will da etwa ein Gregor Helbing am 29. Juli endlich einmal klipp und klar wissen. Volltreffer offensichtlich: Bis jetzt jedenfalls keine Antwort von Baerbock.

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Arbeit und Struktur

In Island wurde jüngst erfolgreich die 4-Tage-Woche getestet, heißt es. Und erfolgreich bedeutet selbstredend, dass bei reduzierter Arbeitszeit die Produktivität nachweislich gestiegen ist. Denn first things – bitte schön – immer noch first.

Nun fühlten sich aber tatsächlich auch die Probanden der Arbeitnehmerschaft wohler, wo sie selbstbestimmter leben und arbeiten konnten, was in der Berichterstattung beinahe als netter, auch irgendwie kurioser Nebeneffekt daherkommt. Endlich einmal keine Verlierer? Man glaubt es eben selbst nicht so recht. Fragt sich, warum existiert dergleichen Abbau von Lebensarbeitszeit dann nur in Versuchsmodellen? Ja, warum geht der Trend weltweit zu wachsenden Arbeitszeiten? Irgendwie so eine Mindset-Sache wahrscheinlich:

"Es ist schlicht und ergreifend eine Tatsache, dass Zeit nicht als politische Gestaltungsaufgabe begriffen wird, denn was macht man mit den Produktivitätszuwächsen, die es ohne Zweifel gibt?" fragt sich z.B. Harald Welzer (philomag.de) und stößt damit in das gleiche Horn wie etwa der "anarchistische" Anthropologe David Graeber, der seinerzeit mit der These, die Berufswelt sei voll von Bullshitjobs aus welchen Gründen auch immer und nicht zuletzt in sich emanzipatorisch dünkenden Kreisen Erfolge feierte.

Graeber kam zur Erkenntnis, dass das alles in der Tat durchaus seltsam und vor allem ineffektiv sei – so fallen Anarchismus und Libertarismus wieder einmal in eines –, und es läge wohl an der politischen Klasse, dass derlei Zustände herrschten, die sich schon irgendeinen Vorteil davon verspräche. Vielleicht, so heißt es knapp 500 Seiten später, sei ja ein Grundeinkommen die Lösung. Dass man damit in die Sachbuch-Bestsellerliste kommt, wundert einen dann schon, bzw. eigentlich auch nicht mehr.

Marx kam jedenfalls recht schnell darauf, dass den Kapitalismus geradezu auszeichnet, dass die Arbeitskraft selbst zur Ware wird, und das wäre ja möglicherweise ein Anknüpfungspunkt gewesen. Von dem aus man aber z.B. auch das Schreiben und hauptberufliche Nachdenken über Bullshitjobs und Gemeinwohlökonomien eben als – nun – Bullshitjob entlarven könnte, der seinen eigenen Gesetzen folgt.

Und man fragt sich weiter: Was nur könnte Menschen dazu veranlassen, in Jobs zu verharren, die sie eigentlich als recht sinnlos erleben, bisweilen hassen? Und was könnte Unternehmerseits der Antrieb sein, doch lieber und stets weiter zu investieren? Wer dazu auch keine Antwort weiß, kann unter Umständen – Vorsicht, Spoiler! – noch ganz gut Geld damit verdienen.

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Nach uns die Sintflut

Man gewöhnt sich ja an alles, selbst an die Irrationalität. Die wird mittlerweile auch schon so offen und unbefangen zur Schau getragen, dass es einen kaum noch wundert, wie sich eine planlose und destruktive Produktionsweise den Menschen doch schon zurechtgemodelt hat. So können Nachrichtensprecher und Journalisten dieses Landes anlässlich der jüngsten Hochwasser dann auch noch wie im Chor von "sintflutartigen Regenfällen" palavern und der Blödsinn hat dennoch sein Wahres, weil man zu großen Teilen eher bereit wäre, eine göttliche Strafe zu bejammern und qualvoll über sich ergehen zu lassen, als eine drohende menschengemachte Katastrophe endlich einmal ernsthaft anzugehen und vielleicht gar abzuwenden. Halleluja!

Ob nun der Klimawandel oder doch nur der Starkregen schuld war an der Zerstörung ganzer Ortschaften, das ist dann nämlich doch eine Frage, die viele gerne noch vorher geklärt wissen wollen. Als ob die Tendenz, dass Starkregen und Extremwetterlagen nachweislich zunehmen, nicht genügen würde, und dieses Entweder-oder schon allein deshalb nicht so ganz aufgehen mag. Und bei wem kopftechnisch schon längst Land unter ist, der sieht im Leid der Menschen, die Angehörige, Existenz und Heim verloren haben, in erster Linie die Gefahr, dass daraus noch ein paar Stimmen für die Grünen herauskommen könnten und warnt: Stoppt die Politisierung der Ereignisse.

Das ist nur konsequent, gibt man sich damit etwa im Hause Springer doch ganz frank und frei als das zu erkennen (nicht dass es weiterer Beweise bedurft hätte), was man ist; in der Polis des antiken Griechenlands galt derjenige, der sich partout aus den öffentlichen Angelegenheiten politischer und gesellschaftlicher Natur heraushielt und den Privatismus vorzog, bekanntlich als Idiot, und wer wollte in dem Falle widersprechen.

Dass heute durchaus beides geht, Politik treiben und ein Idiot sein, das beweist wiederum Armin "Arminion" Laschet und zeigt, was Demokratie 2021 so alles kann: nichts natürlich. Denn wenn Politik im Sehr-spät-Kapitalismus überhaupt noch eine grundlegende Funktion hat außer der Erhaltung der eigenen Machtpöstchen und dem Sichern des Weiter-so, dann wäre das ja selbst das Entpolitisieren aller gesellschaftlichen Widersprüche.

Dafür steht er, Kandidat Laschet, und grinst dumm aus der Wäsche, während die Deiche brechen. Manche Katastrophen laufen eben auf zwei Beinen herum. Und dank des irrwitzigen freien Spiels der Kräfte ist zumindest für eines mit Sicherheit gesorgt: dass für sie immer die Sonne scheint.

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Lasst die Köche rollen

Mit dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk ist es für Menschen, die soziale Netzwerke nicht nur aus Erzählungen kennen, meist in etwa so wie mit der Oper: Man findet es schon gut, dass es das alles noch irgendwo gibt, aber man kommt einfach nur sehr selten dazu, weil lol, guck mal da. Das mag ein Problem für die Sender sein, nach den jüngst angekündigten Umbauplänen – unterm Strich: Kürzungen im Bereich Kultur und bei den journalistischen Magazinen, etwa dem Weltspiegel – stellen sich einem dann aber schon ein paar Fragen. Zum Beispiel, warum sie beim ÖRR mittlerweile exakt wie die Privaten klingen, vor allem, wenn es um die Argumentation zur Programmplanung geht.

Dass Menschen sich nicht für Bücher interessieren etwa, das wäre ja immerhin ein deutlicher Beleg für die Notwendigkeit einer Betätigung in diesen Gefilden, statt ein Argument für den Rückzug. Vielleicht würden ein paar mehr im Diesseits verhaftete Gestalten jenseits der Experimentiersparten ja schon helfen? Und dass politischer Journalismus in einem Zeitalter, in dem Menschen glauben, die Erde werde von Echsen regiert, eher was fürs Nachtprogramm ist, dürfte auch nicht die taghellste Entscheidung sein.

Vielleicht haben wir über die Jahre aber auch einfach vergessen, wofür ein öffentlich-rechtlicher Rundfunk da ist: Vielleicht dafür, verhaltensauffällige Köche von der Straße zu holen und ihnen ein menschenwürdiges Leben im Scheinwerferlicht zu ermöglichen. Die Auslandsberichterstattung wird halbiert, das ist natürlich schade, aber bei Horst Lichter gibt es dafür gleich Ingwer-Gnocchi. Njam, njam!

Mag sein, dass das ganze Unternehmen Fernsehen den Bach runtergeht, aber wäre dann nicht immer noch ein halbwegs stilvoller Abgang einem solchen Gewurstel vorzuziehen? Warum also – mein Rezept für einen ausgewogenen ÖRR – nicht da kürzen, wo es alleine schon der gute Geschmack dringend fordert? Denn was das für eine Kultur sein soll, bei aller Liebe zum Genuss, die zwar aus dem FF einen Rehbraten schmoren kann und auch nachts aus dem Schlaf gerissen pflichtbewusst das Rezept für eine Béchamelsauce dahermurmeln könnte, ein Buch jedoch allenfalls noch als Topfunterlage zu nutzen weiß, das mag mir mal ein Medienmanager erklären.

Gegen Stumpfheit hilft kein Schneebesen und den Eskapismus einer Gesellschaft, in der niemand mit jemandem außer sich selbst oder seinesgleichen noch etwas zu tun haben möchte, kann man wunderbar fördern, in dem man den Menschen beständig sich selbst spiegeln lässt. All das, während Sender wie RTL und Prosieben verkünden, nun ja, seriöser werden zu wollen, und man weiß nicht, was schlimmer ist. Zum Glück gibt es ja Youtube.

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Abgekupfert

An der Debatte zur Baerbock-Plagiatsaffäre ist zum einen erstaunlich, wie gut es doch immer wieder funktioniert, Wahlkämpfe zu entpolitisieren und von Inhalten abzulenken, zum anderen, wie viele Menschen noch glauben, dass jemand wie Annalena Baerbock – immerhin als Kanzlerkandidatin bzw. Bundesvorsitzende nicht gerade unbeschäftigt – ihr obligatorisches Wegwerfbuch für die statistisch errechneten paar Extrastimmen persönlich schreibt.

Schließlich macht Baerbock selbst keinen Hehl daraus, beim Verfassen "Unterstützung" gehabt zu haben. Heißt, ihr Fehler war wohl eher, den falschen Ghostwriter angeheuert zu haben, sofern sie wiederum diesen überhaupt alleine engagiert haben sollte. Letzteres mal eher herbeiphantasiert, doch um mir Annalena Baerbock vor einem leeren Word-Dokument sitzend vorstellen zu können, nach dem richtigen Worte ringend, während draußen gerade die Wahlkampfmaschine rattert, dafür langt es dann doch nicht bei mir.

Natürlich ist bereits die Problemstellung "Darf eine potentielle Kanzlerin so ein Buch abliefern?" – ob nun per Kampagne gesetzt oder nicht – geradezu lächerlich sinnfrei. Wer sich nach 16 Jahren CDU-Regierung von den Grünen tatsächlich grundlegende Änderungen erhofft und wegen eines schlampig verfassten Grabbeltischbuchs von Enttäuschung derart übermannt ist, lieber einem Totalausfall wie Laschet seinen Segen zu geben, seine Empörung also über eine erwartete Besserung der eigenen Lebensumstände und der anderer stellt, der muss schon ein sagenhaft moralischer Depp sein.

Andererseits ist es vielleicht auch gerade das, was bei einer solchen Wahl überhaupt noch einen Unterschied macht, weil tatsächliche Verbesserungen der Verhältnisse längst ins Reich des Utopischen abgewandert sind – das gute Gefühl, das einem dabei bleibt. Somit müsste sich Politik zwangsläufig auf die Ebene der Moral verschieben, wo es bei den anderen wirklich nicht besser aussieht: bei Laschet, der während eines Lehrauftrags die Arbeiten seiner Studenten verschlampte und sich die Noten für sie – pragmatisch praktisch gut – aus den Fingern gesaugt hat. Der selbst zu Hans-Georg Maaßens Pöbeleien vom rechtesten Rand keinen klaren Satz herausbekommt. Oder bei Olaf Scholz, der … aber muss ich das hier wirklich noch mal alles aus den Zeitungen von gestern abkupfern?

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Keinen Plan

Es muss schon einigermaßen schlimm um die Wahrnehmung der Leute stehen, wenn ein Faktencheck der Tagesschau notwendig wird, um zu klären, dass die Grünen aller Wahrscheinlichkeit nach nicht die Planwirtschaft einführen werden. Denn das ist bekanntlich der Grundton u.a. im AfD-Umfeld, aber eben auch darüber hinaus. Auch Christian Lindner, man erinnert sich, raunte 2019 noch, die Grünen würden den Klimawandel nutzen, um "mit Planwirtschaft die Industrie umzubauen und Menschen umzuerziehen". Und man fragt sich, wo bloß die unsichtbare Hand bleibt, die den Mann einmal sorgsam aber bestimmt des Platzes verweist.

Bei einer Umfrage unter Wirtschaftsvertretern zur präferierten Kanzlerin kam Annalena Baerbock kürzlich jedenfalls noch auf 26,5 Prozent der Stimmen. Entweder ist man neuerdings an den Hebeln der Macht überraschend offen für ökonomische Experimente, oder aber man traut den Grünen in rechten Kreisen zu viel zu. Fragt sich nur: Wie weit müssen sich die Grünen noch in Richtung Wirtschaft und Altparteien bewegen, damit der Spuk in rechten Hirnen endlich ein Ende nimmt? Und wie um Himmels willen sollte so ein Übergang zum – dann eben grünen – Sozialismus aussehen? Wird es Bananensmoothies geben?

Wer im jüngst erschienen Wälzer "Schriften zu Planwirtschaft und Krise" von Friedrich Pollock Antwort sucht, stellt fest, dass es ihm zumindest 1929 (nach einer Forschungsreise nach Moskau für das Frankfurter Institut für Sozialforschung) tatsächlich möglich schien, dass eine Planwirtschaft, heißt eine Planung aller (!) Wirtschaftsbereiche, innerhalb einer Volkswirtschaft im Westen funktionieren könnte. Nur eben aller Voraussicht nach nicht im Einvernehmen mit den Eigentümern der Produktionsmittel. Man kann sich nun spaßeshalber ausmalen, wie Baerbock, Habeck und Co. ein solches Vorhaben 2021 Industrie und Bankenwesen schmackhaft machen würden. Ob das Habeck-Lächeln da ausreichte?

Seit den Tagen wissenschaftlichen Arbeitens zur Planwirtschaft und den realen Versuchen folgten eben doch noch einige Jahrzehnte Wirken und Walten des Kapitalismus, Globalisierung und Neoliberalismus (hierzulande nicht zuletzt salonfähig gemacht durch die Grünen). Und wer nun ausgerechnet in diesen Grünen die neuen Geburtshelfer der klassenlosen Gesellschaft sieht, dem kann man eigentlich wirklich nur noch gute Besserung wünschen. Es ist dann natürlich schon eindeutig dem Wahnhaften zuzuordnen, was da von rechts auf diese Partei hereinprasselt, und – das dürfte ein mindestens gleichrangiges Problem sein – von allerlei anderen Stimmen dankend aufgenommen und weitergesponnen wird, solange sich damit nur Stimmung gegen jedwede Idee von Regulierung vom Tempolimit bis selbst zum nachhaltigen Kantinenplan machen lässt. Da wünscht man sich doch schon beinahe wieder, es wäre nur ein klein wenig was dran, an den Geschichten.

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Meinung vs. Meinung

"Wir lassen uns die Meinung nicht verbieten", posaunte die Bild in Anlehnung an das Ergebnis einer Allensbach-Umfrage unlängst von der Titelseite, und Promigrimassen wie Kristina Schröder und ausgerechnet Hendrik Streeck klagten ihr Leid, das unbestritten das derzeit liebste Leid der Deutschen ist. Denn: "Jeder zweite Deutsche traut sich nicht mehr, offen seine Meinung zu sagen …" Und man darf in diesem Fall ausnahmsweise einmal auf steigende Zahlen hoffen.

Es ist und bleibt, das belegt die Aktion unfreiwillig gleich mit, eben ein doch recht konstruiertes Problem. Allein schon, weil man das alles bereits so unendlich oft gehört hat, sei es zum Thema Gender, dem Islam oder eben auch Corona. Nicht nur in Bild konnte z.B. Streeck, der sich diffamiert fühlt, seinen Sermon schließlich über ein Jahr lang gegen die Mehrheitsmeinung aus der Forschung in die Öffentlichkeit kippen. Und das ist natürlich dann auch sein Dreh: "Dabei gibt es nicht 'die' Wissenschaft", so Streeck. "Wissenschaft ist ständiger Widerspruch, ist das Ringen um Erkenntnisse. Fortschritt entsteht gerade dann, wenn der Konsens durchbrochen wird." Und man möchte selbst einfach nur noch brechen. Es eilten keine dunklen Herrschaften herbei, um ihn eines Nachts abzuholen, es gab lediglich Gegenmeinungen und Kritik, nicht zuletzt aus der Wissenschaft. Nein, nein, das ist nicht der Meinungs-Faschismus.

Totalitär ist da eher schon das zwanghafte Abwägen und Ausmitteln qua Medienmacht, wo längst überwiegende Einigkeit, wenn nicht Klarheit herrscht, nur, um Lobbyarbeit für seine eigenen Interessen zu betreiben. Sei es in der Causa Corona oder beim Klimawandel. Wo leider Gottes eben eine wissenschaftliche Mehrheitsmeinung bestand bzw. seit Jahrzehnten besteht, zu der man sicher nicht ohne Auseinandersetzung gekommen ist, gegen die man hierzulande aber dennoch gerade immer wieder diesen einen Suppenkasper in die Talkshow setzen muss, der anderer Meinung ist. Alles, um ein Entweder-Oder zu inszenieren, ein falsches 50:50-Verhältnis zweier vermeintlich gleichwertiger Standpunkte. Wir haben uns ja auch irgendwann von der mittelalterlichen Säftelehre verabschiedet und muss man jetzt hinter jedem Selbstdarsteller noch einen neuen Galilei vermuten?

Die Irrationale auf der Straße freut's. Ein dialektischer Treppenwitz, dass man nicht müde wird, ausgerechnet derlei Schmu immer wieder mit den schweren Geschützen von Aufklärung und Demokratie zu rechtfertigen. Blinder kann gar kein Positivismus sein. Nichts ist derzeit schließlich ein markanteres Resultat der Aufklärung als der Pieks in den Arm und das ein oder andere Leben, das auf dem Weg dahin geschützt wurde. Und wer dieser Tage nicht schon wieder im Biergarten oder im Café sitzt, sondern in der (Meinungs-)Diktatur, der hat sich eindeutig verirrt.

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Aktuelle Cartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Hotel Detva, Detva, Slowakei,

in Deiner Hausordnung schreibst Du: »Das Umssstellen der Mobel ist verboten. Bei Zuwiderhandlung Berechnen wir EUR 3,32.« Und, Hotel Detva, für EUR 6,64 darf man auch das Nachbarzimmer umräumen?

Frage für die Urlaubsplanung von Titanic

 Winfried Kretschmann!

Winfried Kretschmann!

Bei einer Debatte über Künstliche Intelligenz und Ethik beim Katholikentag in Stuttgart sagten Sie: »Ich schaue mir gern Opern auf Youtube an. Das Tolle ist und auch das Beängstigende: Diese Maschine kennt uns ja nach kurzer Zeit, sie weiß, wo mein Geschmack liegt.« Und über den Algorithmus befanden Sie: »Und dann ist er noch so raffiniert, weil er wahrscheinlich rausgefunden hat, dass ich ein Mann bin, denn ab und zu kommt ein Porno dazwischen. Und ich denke, was ist jetzt das?«

Bon, Kretschmann, aber verhält es sich nicht anders herum? Sie sind ein Mann und schauen gern Pornos auf Youporn an. Das Tolle ist und auch das Beängstigende: Diese Maschine kennt Sie ja nach kurzer Zeit und weiß, wo Ihr Geschmack liegt. Und dann ist sie noch so raffiniert und hat wahrscheinlich rausgefunden, dass Sie Opernfreund sind, denn ab und zu kommt »Tosca« oder »Fidelio« dazwischen. Und Sie denken, was ist jetzt das?

Da nicht für: Titanic

 Unangenehm, »Spiegel«!

In Deinem Porträt der Drehbuchautorin und Regisseurin Anika Decker weißt Du uns das Folgende zu berichten: »Wenn man ein paar Stunden mit Decker verbringt, kann man sich gut vorstellen, warum sie viele Freunde hat. Man kann mit ihr aufs Klo gehen und neben ihr pinkeln, ohne dass es sich komisch anfühlt.«

Damit hast Du, Spiegel, einen neuen Lackmustest für Freundschaften etabliert. Nach vielen Litern Bier haben wir unsere Freund/innen antanzen lassen und müssen nun traurig zugeben, dass es sich jedes Mal komisch angefühlt hat, vor ihnen zu pinkeln.

Leergepisst und schrecklich einsam: Titanic

 Vonovia!

In einem Schreiben an Deine Mieter formulierst Du hilfsbereit: »Uns ist bewusst, dass die Mieterhöhung für einige Mieter finanziell sehr belastend sein kann. Falls dies bei Ihnen der Fall ist, wenden Sie sich bitte an das Vonovia Mietenmanagement. Vielleicht können wir bei der Suche nach einer Lösung behilflich sein, zum Beispiel, indem wir Ihnen eine kostengünstigere Wohnung anbieten.«

Wie gutherzig, Vonovia! Du scheinst in Sorge zu sein, Du könntest zahlende Kundschaft, die sich Deine Miete nicht mehr leisten kann, endgültig verlieren. Aber kostengünstigere Wohnungen? Ernsthaft? Vermietest Du noch keine Parkbänke und Schlafplätze unter Brücken, die von ihres Wohnraums Beraubten bald aufgesucht werden müssen?

Tapeziert bereits die Hundehütte: Titanic

 Computercracks der ersten Stunde!

Als wir neulich die Oma ins Sanitätshaus begleiteten, vertrieben wir uns die Wartezeit mit dem Lesen der Namen von Rollatoren und staunten nicht schlecht: Es gab ein Modell »Pixel«, eins hieß »Server«, ein drittes war nach dem Prozessor »Athlon« benannt.

Da die Benennung von Gehhilfen vermutlich wie bei allen anderen Waren auch auf der Basis von Zielgruppenanalysen entsteht, fragen wir uns nun und hier auch Euch: Ist es schon so weit mit Euch? Gerade noch die Wochenenden im WDR Computerclub durchgemacht und anschließend gleich weiter zu den Kumpels, um bei den Summer Games den Joystick im Staffellauf zum Glühen zu bringen, und nun schiebt Ihr Euch nur mühsam vorwärts? Bei »Civilisation« einen Kontinent nach dem anderen erobert, jetzt inkontinent? Den ehemaligen Königen im Assembler-Programmieren musste ein Chirurg den gesplitterten Oberschenkelhals wieder zusammensetzen? Statt »Resident Evil« zocken in der Seniorenresidenz hocken?

Und kommt es Euch eigentlich auch so vor, als sei die Lebenszeituhr ziemlich übertaktet? Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Frühwarnsystem

Aufgrund meines spärlichen Haupthaars merke ich stets als Erster, dass es zu regnen beginnt.

Fabio Kühnemuth

 Selbsterkenntnis

Dass ich dann doch ein ziemlich verwöhntes Arschloch bin, habe ich gemerkt, als ich neben einem schlafenden Obdachlosen eine geschenkte Tüte Nachos sah und ganz kurz dachte »Was soll er damit? Er hat doch gar keinen Dip.«

Karl Franz

 Fragment

Kafka war schon deshalb ein größerer Autor als Proust, weil dieser zu Lebzeiten nur einen einzigen Meisterroman nicht vollenden konnte, Kafka hingegen gleich drei unabgeschlossen ließ? Äußerst reizvolle These! Aber irgendwie unfertig …

Andreas Maier

 Der Fehler im Rogen

Ich kann mir nicht helfen: Jedes Mal, wenn ich Kaviar esse, habe ich ein Störgefühl.

Lukas Haberland

 Kein Mitgefühl

In Leute, die keine Empathie empfinden, kann ich mich einfach nicht hineinversetzen.

Laura Brinkmann

Vermischtes

Friedemann Weise: "Die Welt aus der Sicht von schräg hinten"
Laut seiner Homepage ist er der "King of Understatement" und der "lustigste Mensch im deutschsprachigen Internet". Er ist aber auch Gitarrenmann, Viralblogger (15000 Follower!), Gagautor und Promiexperte mit Diplom. Die Rede ist von Friedemann Weise, dem Mann mit dem Namen! Der Mann, der den "Satiropop" erfand. Und jetzt auch noch ein Buch vorlegt. Ob das gutgeht? Ordern Sie diese Prämie und teilen Sie Ihr vernichtendes Urteil bitte zeitnah der TITANIC-Redaktion mit.Kamagurka & Herr Seele: "Cowboy Henk"
Er ist Belgier, Kamagurka. Belgier! Wissen Sie, was der Mann alles durchgemacht hat in letzter Zeit? Eben, er ist Belgier. Und hat trotzdem in einem Finger mehr Witz als Sie im ganzen Leib! Und Heldenmut! Glauben Sie nicht? Dann lassen Sie sich von Cowboy Henk überzeugen, dem einzigen Helden, der wirklich jeden Tag eine gute Tat begeht.
Zweijahres-Abo: 117,80 EURWenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
Zweijahres-Abo: 117,80 EURKatz & Goldt: "Lust auf etwas Perkussion, mein kleiner Wuschel?"
Stephan Katz und Max Goldt: Ihr monatlicher Comic ist der einzige Bestandteil von TITANIC, an dem nie jemand etwas auszusetzen hat. In diesem Prachtband findet sich also das Beste aus dem endgültigen Satiremagazin und noch besseres, das bisher zurückgehalten wurde. Gewicht: schwer. Anmutung: hochwertig. Preis: zu gering. Bewertung: alle Sterne.
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Das schreiben die anderen

  • 08.08.: Moritz Hürtgen und Dax Werner sprachen mi dem hr zum Thema "Sind wir alle zu ironisch?!"
  • 25.07.:

    Merkur.de fasst die Reaktionen auf einen Uwe-Seeler-Cartoon von TITANIC zusammen.

  • 23.07.:

    Tag24 berichtet, dass TITANIC den Tod Uwe Seelers für einen "fragwürdigen Witz missbraucht" hat.

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    Christian Y. Schmidt lehrt bei Arte Karambolage Wissenswertes über den Gießkannenhalter auf deutschen Friedhöfen.

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    Herausgeberchefin Ella Carina Werner verrät im Fragebogen vom Medium Magazin ihre Zukunftsideen für TITANIC.

Titanic unterwegs
16.08.2022 Berlin, Pfefferberg Theater Max Goldt
17.08.2022 Frankfurt, Museum für Komische Kunst Buchpräsentation »Die große Marie Marcks«
19.08.2022 Zeven, Volksbank Gerhard Henschel
24.08.2022 Chemnitz, Villa Esche Tim Wolff