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Dax Werners Debattenrückspiegel KW 37 – Bundestagswahl Edition

Liebe Leser_innen,

Jesus, Maria und Josef, hochgelobt und gebenedeit sei der 26. September, ein Sonntag, so wollten es die Mütter und Väter des Grundgesetzes: Nur noch eine Woche. Dieser erste Post-Merkel-Wahlkampf zieht sich wie ein völlig unvorbereiteter 5-Kilometer-Volkslauf, der als harmloser Quatsch ("Die paar Meter krieg' ich doch wohl noch hin!") beim small talk at the water cooler begann, dann, hard cut, schon 5 Minuten nach dem Start besorgniserregend nach Luft geschnappt wird und die folgende Dreiviertelstunde zu solch einer existenziellen, alles in Frage stellenden Tortur für Leib und Leben werden, dass man, während das Licht am Ende des immer deutlicher Kontur annehmenden Tunnels heller und heller wird, sich stumm von seinen Liebsten zu verabschieden beginnt: Sagt ihr, dass ich sie immer geliebt habe.


 

Auch wenn noch 7 Tage respektive 168 Stunden "zu gehen" sind, ist hier vielleicht Raum für ein kleines Zwischenfazit. Meine Analyse lautet, dass bedingungslos alles in diesem Bundestagswahl-Jahr nicht mehr nur gehäuft, sondern recht eigentlich potenziert auftaucht: Plagiatsdebatten, Naturkatastrophen, Laschet-Auftritte mit Luft nach oben, Comebacks der großen Stars der Babyboomer-Generation (Friedrich Merz, ABBA, Jürgen Todenhöfer), Wahlarenas und last but not least: Trielle. Die Moderation des letzten Dreikampfs mit Maybrit Illner und Oliver Köhr, ausgerichtet von ARD und ZDF, war im Nachgang Gegenstand einiger Diskussionen. Grund dafür ist, wie vieles andere in diesem Land auch, ein kurioses Gesetz, das der gute Bismarck noch 1883 eingeführt hatte: Demzufolge entsendet jedes öffentlich-rechtliche Landesstudio sogenannte "Wahlmänner", die dann im Anschluss auf dem Lerchenberg feierlich die Triell-Moderation ausfechten. Ein kompliziertes Verfahren, für dessen genaue Erklärung an dieser Stelle weder Platz noch Lust vorhanden sind. Und damit zurück nach Mainz!


 

Parallel hat Rezo sein bereits dritte großes Video in diesem Wahlkampf im Youtube Studio hochgeladen. Sorry lieber Rezo, nichts Persönliches, aber ich habe – Stand jetzt – keine Kraft mehr für noch ein Video.


 

"Den Gesprächsfaden nicht abreißen lassen": Armin Laschet und Markus Söder suchen gemeinsam den Dialog mit dem Unternehmer-Flügel der CDU und kehrten unter der Woche in Tommy Frencks "Gasthaus Goldener Löwe" im thüringischen Kloster Veßra ein. Demokratie kann so einfach sein.

 


 

Ein anderer Unternehmer, Frank Thelen, hat seine Auswanderung angekündigt, sollte es zu Rot-Rot-Grün im Bund kommen. Man soll vorsichtig sein mit DDR-Vergleichen, hier jedoch scheint er mir gerechtfertigt: Der durch den linksradikalen SPD-Kanzler Scholz befürchtete brain drain hat bereits begonnen. Es geht los.


 

Apropos DDR. Am Freitagabend tauchte ein Clip auf, in dem der CDU-Kanzlerkandidat noch einmal die Bedeutung des vereinten Deutschlands herausstellt: "1990, als die Mauer bröckelte und fiel, hat Helmut Kohl direkt erkannt, dass wir das Ziel der deutschen Einheit haben. Das hatten andere aufgegeben." Und, wie meine historisch versierten Leser_innen sicher wissen, war diese spezielle historische Konstellation ja letztendlich der Auftakt für die Wiedervereinigung im Jahr 1995. Manchmal verheddert man sich eben auch im Mantel der Geschichte.

 


 

Der oft unterschätzte Laschet spielte dieses Sujet am Vorabend des letzten Triells nicht ohne Grund an, erinnert seine Partei doch im Augenblick stark an die DDR im Endstadium: Nachrichten erreichen ihr Ziel nicht mehr, Akten werden geschreddert und auf den Straßen verkaufen Soldaten Waffen und Munition zu Spottpreisen. Ein Weckruf durch die Blume? Oder ein ziemlich waghalsiger Take meinerseits? Darüber möchte ich mit euch diskutieren, heute Nachmittag ab 16 Uhr in meinem Twitter Space (Ticket: 19,90 €).



Immer wieder Widmann-Mauz. Ihr Instagram-Account lässt mich in den letzten Wochen nicht los. Doch trotz des digitalen Wahlkampfeuerwerks inmitten von Lebensmittelversorgern in Burladingen-Killer, Vor-Ort-Terminen im Medical Valley Hechingen und einem Haustürwahlkampf, in dessen klaren Zentrum eine mysteriöse Papiertüte mit dem Konterfei der Integrationsbeauftragten steht, wird es eng mit dem Direkteinzug in den nächsten Bundestag. Nicht nur für sie, sondern auch für eine ganze Reihe anderer CDU-Abgeordneter, wie zum Beispiel Peter Altmeier. Überlegung: Wenn wir die vielen engagierten Demokraten in der CDU mit unserem Wahlverhalten solchen Zukunftsängsten aussetzen, wundert es mich nicht, dass wir manche von ihnen geradewegs in dubiose Maskendeals oder in die Arme osteuropäischer Autokraten treiben. Ein merkwürdiger Gedanke, ich weiß.

Wie seht ihr das? Und wo schaut ihr heute Abend das dritte Triell? Bitte schreibt es mir auf gar keinen Fall in die Kommentare.

Herzliche Grüße: Euer Dax Werner

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Dax Werners Debattenrückspiegel KW 36 – Bundestagswahl Edition

Liebe Leser_innen,

aktuell mehren sich die Stimmen, die da sagen: Freund_innen, der Drops namens Bundestagswahl ist gelutscht, die Messe ist gelesen, der Kuchen gegessen, die Würfel jeworfen. Besonderes Geschmäckle: Nicht selten gehören diejenigen, die das sagen, über Umwege zum SPD-Wahlkampfteam. Ich für meinen Teil bin mir da noch nicht so sicher: Erleben wir noch den "september surprise"? Drehen Laschet oder Baerbock das Ding nochmal auf den letzten Metern mit einem Überraschungsangriff im zweiten Triell heute Abend? Wer patzt bei Illner und Köhr? Oder siegt am Ende doch die Olafliebe? Der Debattenrückspiegel in der BTW-Edition.

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Das Timing der Jungs und Mädels von der Ericusspitze wirft in den letzten Wochen Fragen auf, denn auch wenn die SPD gerade einmal 5 Prozentpunkte vor der Union liegt, macht das Hamburger Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL diese Woche bereits mit einem Nachruf auf Armin Laschet auf. Angeblich komme Laschet regelmäßig zu spät zu seinen Wahlkampf-Terminen, weil er unterwegs immer anhalten lässt, um zu rauchen. Quelle: "Manche erzählen". Peinlich! Vorbei die Zeiten, in denen ein Markus Feldenkirchen mit Martin Schulz auf dem Schoß noch quer durch die Republik düste, ihn in meiner Vorstellung hier und da auch inhaltlich beraten, Interviews freigegeben und zum Ende hin auch in seinem Namen Termine zu- und abgesagt hat. Goodbye embedded journalism, welcome Hörensagen-Berichterstattung!

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Aufstand im CDU-Ortsverband Limbach-Altstadt im Saarland: Nein, so das Verdikt, hier werden dieses Jahr keine Armin-Laschet-Poster plakatiert, der Vorsitzende Carsten Baus schließt im Interview sogar nicht aus, den gesamten Parteivorstand nach der Wahl "zum Teufel zu schicken". Egal, wie das Ding am 26. ausgeht: Ich rate der Union zu einer anschließenden angeleiteten Mediation mit ihren saarländischen Verbänden, bevor das Schreckgespenst deutscher Trump aus Limbach-Altstadt Realität wird.

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On a personal note: Ich habe in diesem Wahlkampf Auftritte von Olaf Scholz, Annalena Baerbock (Support: Eckart von Hirschhausen) und nun gestern Jürgen Todenhöfer verpasst. Immer war ich eigentlich ganz in der Nähe des "gigs", immer habe ich genau einen Tag später erst erfahren, dass der "gig" überhaupt stattfand. Auch wenn ich erkennbar Schwierigkeiten habe, diese Anekdote irgendwie auszudeuten, sicher ist: Auch sie gehört zur Geschichte dieser Bundestagswahl dazu

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Auch in Zollernalb-Sigmaringen überschlagen sich einmal mehr die Ereignisse: CDU-Kandidat Thomas "Baku" Bareiß hat hier gestern sein Wahlkampfvideo aus dem heimischen Computer-Keller ins Internet hochgeladen (248 Aufrufe). Main talking point: In den vergangen Jahren konnte er 300 Mio. Euro Fördermittel in die "#Heimat" bewegen. Klasse! Auch der gelungene Einsatz gemafreier Motivations-Musik aus der Youtube-Musikdatenbank ringt mir ein gerüttelt Maß Respekt ab, dennoch hätte ich mir deutsche Untertitel sowie eine Aufschlüsselung, wie viel Fördermittel aus Brüssel und wie viel aus Baku geflossen ist, gewünscht. Urteil: Schon viel Schönes dabei, aber immer noch Luft nach oben.

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Remember Norbert Röttgen? Der schöne Rechtsanwalt aus Meckenheim hat sich aus der aktiven Politik zurückgezogen und verdingt sich nun im Multi-Level Marketing. Beweisfoto vom Wochenende:

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Nach der Razzia im Finanzministerium Ende der Woche wollen es die Gesetze des Wahlkampfs, dass nun auch SPD-Kandidat Olaf Scholz "unter Druck" gerät. Die Schlagzeilen vom Wochenende wirken trotzdem bestenfalls bemüht, den insgeheim wissen wir’s doch alle: Der Kult-Hamburger hat schon ganz andere Dinger ausgesessen und mit strategischen Erinnerungslücken pariert. Und die alte Regel gilt noch immer: Mit einem Skandal, der sich nicht seniorengerecht in einem Satz durch den Hausflur pitchen lässt, ist kein Wahlkampf zu machen.

In diesem Sinne: Keep fighting Armin!

Euer: Dax Werner

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Dax Werners Debattenrückspiegel KW 35 – Bundestagswahl Edition

Liebe Leser_innen,

eines gehört sicher auch zur Wahrheit dieses Wahlkampfes dazu: Er wird gewiss nicht nur vor den 500 Zuschauer_innen bei Bild TV geführt. Sondern eben auch in der Provinz, also der eigentlichen, inzwischen in unzähligen Juli-Zeh-Romanen besungenen Arena der Zukunftsideen.

Und so führt uns der erste Ticker auch direkt nach Mecklenburg-Vorpommern, genauer: Nach Rostock. Das Wahlplakat des FDP-Kandidaten René Domke weicht erkennbar von der CI der Bundes-FDP ab: Ein dreifarbiges Ausrufezeichen direkt aus der Data Becker-Clipart-Sammlung beansprucht fast ein Drittel der gesamten Fläche. Meine Presseanfrage zur Geschichte hinter dieser Design-Entscheidung blieb leider unbeantwortet, doch auch keine Antwort ist eine Antwort: Reicht Christian Linders parteiinterne Macht noch in den Nordosten der Republik?




Wir bleiben in Mecklenburg-Vorpommern, denn auch Manuela Schwesigs Plakatierung wirft Fragen auf. Mit "Die Frau für MV" ist ihrem Team zwar ein catchy Slogan gelungen, einen Hinweis auf die zugehörige Partei sucht man jedoch vergebens. Die Linke? Team Todenhöfer? Die Basis? An einer Google-Recherche führt kein Weg mehr vorbei. Siehe da, offenbar gehört Schwesig zur SPD! Sie hat sich also für das Merkel-Prinzip entschieden und präsentiert sich im Landtagswahlkampf MV nun weitestgehend parteilos. Ein Weg, den nicht alle Sozialdemokraten "hier oben" mitgehen wollen: Ralf Mucha, SPD-Kandidat in Rostock, bietet auf der Heckscheibe seines SPD-Mobils kurzerhand zwei Versionen (mit und ohne SPD-Logo) an. Ein schönes Beispiel für Hands-on-Mentalität, von der sich so manch andere in der Landespolitik etwas abschneiden können, und dazu ein klasse Icebreaker auf dem Wochenmarkt in Warnemünde!

 



Das Nachrichtenmagazin Spiegel setzt diese Woche einmal aus und veröffentlicht stattdessen ein 140-seitiges "Geo Epoche: Angela Merkel". Meine Klartextmeinung dazu: Unter der Erde ist sie ja nun noch nicht.



Er ist wieder da! Martin Schulz (rechts im Bild), seit seinem Roadtrip mit Markus Feldenkirchen Zwosiebzehn in der Partei weitestgehend isoliert, ist sich für nichts zu schade und macht im Wahlkreis Wuppertal I Stimmung für Parteibuddy Helge Lindh: Grimmig, entschlossen, ein echter Teamplayer. Statt Rasenheizung und Flutlicht jetzt also wieder Ascheplatz. Im Amateurfußball sagen wir dazu: Der hat mal höher gespielt.

 


 

Mittwoch: Obwohl ich die Fragen beim Wahl-O-Maten pupileicht finde, errechnet mir dieses Teufelsding 56,8 Prozent Übereinstimmung mit "Team Todenhöfer". Ich verbringe den Rest des Tages damit, mein gesamtes Leben zu hinterfragen.


 

Für Armin Laschet geht eine weitestgehend unfallfreie Woche mit stabilen 20 Prozent für die CDU in der "Wahlkampfarena" der Jungen Union in Hannover zu Ende. Technisch wurde aufgefahren, was das Parteikonto hergibt: Krankamera, Outdoor-Bühne, Youtube-Livestream (46 Zuschauer_innen). Ein gut gelaunter Laschet versucht sich in Box-Metaphern und probiert neue Bits aus seinem Standup aus: "Ich war gestern in Ostdeutschland: Eisenach, Erfurt, Apolder." Dann, das kennt man nicht von ihm, richtet er den Zeigefinger auf jemanden in der ersten Reihe: "Erfurt, Eisenach oder Apolder? Erfurt. Gut." Es liegt ein bisschen Fernsehgarten in der Luft, fast wirkt es, als kämen gleich Armin Roßmeier und Peter R. Neumann auf die Bühne, um gemeinsam mit Laschet ein Rindsfilet an Rotweinjus zu zaubern, bevor Friedrich Merz als Falkner verkleidet ein bisschen etwas über Riesenseeadler erzählt. Sonnenuntergang, Andreas Gabalier entlässt die Partymeute mit "Hulapalu" in die After Show, wo sich Laschet, Neumann und Tilman Kuban den Klaren (was trinkt man in "Hannover"?) reinfahren: Saufen, um zu vergessen. Wahlkampf könnte so schön sein, wenn man ihn mal lässt.



Paukenschlag am Samstagabend: Rezo veröffentlicht ein neues Youtube-Video, diesmal zum Thema Klimawandel. Ohne mir die 32 Minuten angeguckt zu haben: Das war’s dann wohl endgültig für Laschet.

Euch eine erfolgreiche KW 36,

euer: Dax Werner

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Dax Werners Debattenrückspiegel KW 34 – Bundestagswahl Edition

Liebe Leser_innen,

es sind nur noch rund 700 Stunden bis zur Bundestagswahl. Deswegen erscheint der Debattenrückspiegel ab heute in leicht verändertem Gewand: als Ticker, der die sich überschlagenden Ereignisse aus Berlin und der Welt in mundgerechte Häppchen (sogenannte "Snacks") übersetzt, gleichsam chronologisiert und einordnet. Ab heute wird hier der einfache Pass gespielt. Let’s get it!


Während die Sozialdemokraten eigenen Angaben nach schon an über einer Million Haustüren geklingelt haben und zum ersten Mal seit 600 Jahren in einer Sonntagsfrage vor der Union liegen, lädt CDU-Mann Thomas Bareiß – vielen besser bekannt als Baku-Thommy – via Instagram zur dritten politischen Sommerwanderung. In Zollernalb-Sigmaringen ticken die Uhren eben noch anders, hier geht es um Kennernlernen auf Augenhöhe, hier gilt ein Handschlag noch was. Muss natürlich am Ende jede Partei individuell für sich entscheiden.


Habe einen Vertipper in Thomas Bareiß' Insta-Bio entdeckt: "Staatssekretär beim @bmwi_bund - Energie, Tourismus, Mittlestand!" Überlege kurz, ihn per DM darauf hinzuweisen. Lasse es dann bleiben.


Im SPD-Spot beschwört Olaf Scholz kraft seiner hanseatischen Langeweile den Geist von Helmut Schmidt. Ein starkes Motiv, welches mich an diverse Szenen aus der bekannten Filmreihe "Der Herr der Ringe" erinnert. Dynastisches Denken at work: Im Kampf und die Kanzlerkrone positioniert sich Scholz als Quasi-Erbe des Über-Hanseaten Schmidt, zieht eine Linie vom Held der Sturmflut ‘62 bis zu sich: Olaf Scholz. Sauber gearbeitetes Ding, da bleibt was hängen.


Etwas stört mich doch am Kanzlerspot der SPD: Das "Wir" bei "Wir haben manches erreicht" (0:49) wird von der darunter ausklingenden Motivationsmusik nahezu "verschluckt". Oder sagt Scholz etwas anderes, nämlich: "Haben manches erreicht"? Wäre vom Wording her gleichermaßen "nah dran" an den "Menschen da draußen". Ich fertige eine Spektrumanalyse an, doch auch diese liefert keine klare Antwort, so dass ich dem Willy-Brandt-Haus eine gepfefferte Presseanfrage reinfaxe, mit Bitte "um eine kurzfristige Stellungnahme bis morgen um 12 Uhr."


Annette Widmann-Mauz postet auf Instagram eine Veranstaltungsankündigung (38 Likes) für nächste Woche: Unter dem Motto "Vom Hof auf den Teller – Regional ist erste Wahl!" lädt die CDU Ammerbuch auf den Bauernhof der Familie Eißler. Mit dabei: Julia Klöckner. Schade, aber da kann ich leider nicht.


Auch Hans-Georg Maaßen teilt Fotos einer Wahlkampf-Wanderung mit Christiane Lieberknecht auf Twitter. Mit Maaßen ist ganz offenbar etwas passiert, eine Art Makeover, aus Hans-Georg ist nun "Schorch" geworden, der Schorch von nebenan. Schöne Arbeit an der brand: Der signature Dreiteiler wurde gegen Karohemd und Weste getauscht. Maaßen erinnert jetzt eher an den Typ Landwirt, der seinen Landkreis-Abgeordneten seit 10 Jahren mit kompromittierenden Fotos erpresst.


E-Mail aus dem Willy-Brandt-Haus. Man bedankt sich für die Anfrage, Scholz sage "Wir haben manches erreicht", so ein SPD-Sprecher. Dann aber der Hammer. Auf meine Frage, warum sich Scholz in dem Video gerade für das Indefinitpronomen "manches" entscheide (und nicht etwa für die attraktiven Synonyme "Verschiedenes" oder "Dies und das"), sagt man mir: "Nachdem wir bei der Bundestagswahl 2017 bekanntermaßen Probleme mit dem Wort 'manche' hatten (Vgl. 'Schulz-Story'), wollten wir dieses Mal unter Beweis stellen, dass wir in der Lage sind, ein solches Wort fehlerfrei auf Hochdeutsch auszusprechen." Was für ein übles Nachtreten gegen Martin Schulz. Eine boden- und stillose Frechheit. Einem Mann, der in einer mehr als schwierigen Situation für die SPD den Kopf hingehalten hat und gegen massive innerparteiliche Widerstände zu kämpfen hatte, einem so großen Aachener und Europäer so noch einen mitzugeben, das lässt mich dann doch wieder an der Regierungstauglichkeit der SPD zweifeln. Für diese Woche bin ich draußen.


Bestürzte, fast wütende Grüße: Dax Werner

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Dax Werners Debattenrückspiegel KW33

Liebe Leser_innen,

Michael Sack, CDU-Spitzenkandidat in Mecklenburg-Vorpommern, nestelt im delfingrauen Sommersakko unentschieden an einer Wahlkampfbroschüre herum, sein Kompagnon Georg Günther wartet noch zwei Sekunden, bis die Leitung ins Berliner Tempodrom steht. Dann wirft er wahllos Kugelschreiber und Luftballons in ein christdemokratisches Goodiebag. Er ist Direktkandidat in Wahlkreis 15, jawohl, im Merkel-Wahlkreis, den sie seit 1990 ununterbrochen gewonnen hat. Günther und Sack erinnern in dieser Sekunde eher an zwei Typen, die in hektische Geschäftigkeit verfallen, wenn der Chef ins Büro lugt, ansonsten aber den lieben Gott einen guten Mann sein lassen.

Von Beginn an sendet der Wahlkampfauftakt der Union mixed signals: Mal erinnert das Tempodrom mit Moderatorin Rebecca Mir an das GNTM-Finale, dann wieder an das fünfundzwanzigjährige Dienstjubiläum eines Maschinenbauers aus dem Hochsauerlandkreis. Manchmal sind die Grenzen fließend ...

Plötzlich sieht man Doro Bär auf der Leinwand: rosa T-Shirt, Beach-Club-Atmo, hinter ihr Menschen, die die junge Union aus Überzeugung leben. Warum wackelt die Kamera so und warum sehen wir Doro Bär lediglich in 640 x 480-Auflösung? Ist das diese Internet-Ironie, Kennzeichen der inhalts- und politikmüde gewordenen globalen Klasse mit 3 Netflix-Accounts? Auch diese Frage wird nie geklärt, stattdessen wird‘s blitzschnell wieder ernst: "Trotzdem ist das Umarmen, der Mensch als soziales Wesen, etwas das uns wichtig ist." Moment mal, war dieses ganze Körperlichkeitsding nicht das Steckenpferd des neuen politischen Endgegners der Union – Robert Habeck?

Nachdem Olaf Scholz mit seiner SPD in den Umfragen zuletzt gleichauf lag, war schon spekuliert worden, ob sich Markus Söder in puncto Kanzlerkandidatur möglicherweise doch noch selbst einwechselt wie weiland Günther Netzer im Pokalfinale 1973. Nichts da, auch der Bajuvare bläst plötzlich ins selbe versexte Horn, will die Union "sexy und solide" aufstellen. Auch der CSU-Wahlwerbespot, im Prinzip ein 30-sekündiger Closeup auf Söder, trieft vor erotischer Energie und feiert in Berlin Weltpremiere. Pro-Tipp: Den Ton ausmachen, dann könnte es sich auch um eine Parship-Werbung handeln. Als Söder doch noch die Kurve bekommt und in seiner Rede inhaltlich wird, klingt er plötzlich fast so linksradikal wie Olaf Scholz: "Diese Welt zu erhalten, sie ein Stück weit auch zu retten." Verkehrte Welt im Tempodrom.

Dann betritt er die Bühne. Armin Laschet, dead man walking, so meinen ja einige. Er wirkt entschlossen, vorbereitet, hochmotiviert, wissend, dass das hier eine All-or-Nothing-Rede werden muss. Er muss liefern. Wird er wieder den Bergmannstaler aus der Hosentasche grabbeln? Nein, der neue Armin Laschet klingt anders: "Ich war mit Elon Musk in Brandenburg." Was für ein Satz. Hier hätte ich an seiner Stelle ein paar Sekunden innegehalten und die Reaktionen abgewartet. Laschet stürmt jedoch durch, nichts kann ihn halten: "Ich hab’ ihn gefragt ‘Warum denn hier?’, da hat er gesacht: ‘Weil hier so gut ausgebildete Leute sind!'" Rumms! Das sitzt. Kann ja nicht alles scheiße gewesen in den letzten 16 Jahren, wenn Elon Musk in Brandenburg baut, oder? Laschet hat jetzt die richtige Temperatur, auf seiner Stirn bilden sich winzige Schweißtropfen, so viel Energie habe ich das letzte Mal bei den Jürgen-Höller-Power-Days 2017 gespürt. Der Mann hat noch was vor. "Armin, Armin!"-Rufe in der Halle, standing ovations, und während ich mich frage, wo eigentlich sein Teamkollege Jens Spahn steckt, meldet sich schon Sophia Thomalla mit einer Videobotschaft für die Partei. So viel Energie, so ein Aufbäumen kenne ich eigentlich nur von Fußballclubs, wenn der Klassenerhalt 5 Spieltage vor Schluss nur noch theoretisch möglich ist.

Ich glaube, der Wahlkampf hat gerade erst begonnen.

Euer: Dax Werner

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Dax Werners Debattenrückspiegel KW 32

Liebe Leser_innen,

je länger ich darüber nachdenke, desto deutlicher habe ich das Gespräch im Ohr: "Armin", sagten sie ihm, "keine Angst. Das ist eine sichere Nummer, da kannst du nur gewinnen!"

So halb stimmt das ja auch: Armin Laschet ist an einem Punkt in seinem Wahlkampf, an dem nicht viel mehr schief gehen kann. Vielleicht sollte das meetup mit Elon Musk ja die Trendwende im Kampf ums Kanzleramt bringen. Für die, die ihn nicht kennen: Elon Musk ist so etwas wie der US-amerikanische Frank Thelen. Das Treffen mit Musk in der Gigafactory könnte Laschet ein wenig internationales Flavour in seine bislang semi-erfolgreiche Kampagne zaubern: Big Armin auf Du und Du im Gespräch mit den ganz Großen der Welt.

Doch wieder einmal wurde der fidele Aachener Opfer manipulativen Video-Editings auf der Debatten-Schaltzentrale Twitter.com. Während es im hochgejazzten Clip den Anschein macht, dass Armin neben dem Südafrikaner eines Kanzlerkandidaten nicht würdige Lücken im E-Mobilitätsdiskurs ("What is the future of cars? Hydrogene?") offenbart, zeigt die Langfassung ein anderes Bild: In Wahrheit sollen sich Musk und Laschet gemeinsam köstlich über einen Journalisten beömmelt haben. Nun denn.

Für mich hat diese schon jetzt legendäre PK in der Grünheide etwas gänzlich anderes deutlich gemacht: Elon Musks verhaltensauffälliges Lachen - ob nun in Richtung Laschet oder in Richtung Presse - markiert den Endpunkt des langen popkulturellen Siegeszugs des Nerds. Der muskulöse Laschet hätte noch in jedem Highschool-Film der Achtziger Jahre zum prototypischen School-Bully getaugt. Nun ist der Kryptowährungs-Typ, der mit Vorname Elon heißt und seine Kinder nach der Star Wars-Figur R2D2 benennt, der Chef-Bully. Und Laschet der Typ Mensch, der auf einer durchschnittlichen Autofahrt viermal Streit mit dem Navigationsgerät anfängt.

Oh, the times they are a-changin'.

Euer: Dax Werner

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Dax Werners Debattenrückspiegel KW 30

Liebe Leser_innen,

die letzten Tage verbrachte ich auf einem herrlichen Ferienhaus auf dem Land, in dem jedoch das WLAN nicht funktionierte. Für jemanden wie mich, der auch in der Freizeit ständig angeschwitzt mit anderthalb Füßen im Debatten-Boxring steht, natürlich nicht weniger als eine Katastrophe. Wie soll das Internet eine Woche ohne meine Meinung auskommen? Wie soll ich ohne die Meinung der anderen auskommen? Je länger ich über meine Situation nachdachte, desto mehr wurde mir die nationale Tragweite des WLAN-Problems bewusst. Hier ging es nicht nur um mich, hier ging es um unser Land.

Ich beschloss, die Ruhe zu bewahren und zu überlegen, was Florian Schröder in meiner Situation tun würde. Der Passwortschutz der einbalkigen “Merkel muss Weg”-Netzwerke in Reichweite war das eine My zu strong, auch meine 20 Gigabyte reinsten teutonischen LTE-Datenvolumens waren nach einer Handvoll Focus-online-Artikel mit selbststartenden Werbevideos schnell runtergerockt, deswegen schrieb ich mit den letzten paar Megabyte eine gepfefferte Mail an den Ferienhaus-Vermieter: “Entschuldigung, aber das Internet ist irgendwie alle? NOTFALL! GLG”. Nun half nur noch beten.

Tagelang geschah nichts. Keine Antwort, kein Internet, keine Debatte. Dann, ein Tag vor der Abreise, die Überraschung, nein: das Wunder: Jemand hatte während unseres Wanderausflugs einen handgeschriebenen Zettel unter die Wohnungstür geschoben. Darauf der Name einer Fritzbox und ein 32-stelliges Passwort. “Es gibt doch noch einen Gott”, hörte ich mich tränenerstickt flüstern. Unten rechts auf dem Zettel hatte jemand einen Bärchen-Sticker aus der Ummantelung einer Backzeitschrift platziert, beide Bären schmiegten sich aneinander und blickten zufrieden nach oben. Richtung WLAN.

Doch das Signal war zu schwach. Ich bewegte mich Richtung Haustür, dann in den Flur, nach einem Moment Zögern auch in die Gärten der benachbarten Ferienhäuser. Immer wieder war das Netzwerk für einen Moment lang einen Balken stark da, verschwand jedoch gleich darauf wieder. Ich beschloss es im Nachbarort zu probieren und wanderte eine Stunde zu Fuß in den nächsten Ort. Es dämmerte, mein Blick war auf mein Display fixiert, so dass ich immer wieder vom Fußweg abkam in Richtung der Bundesstraße neben mir. Immer wieder torkelte ich auf die Fahrbahn, hin und wieder mussten mir Autos und Traktoren hupend und fluchend ausweichen. Sie konnten nicht wissen, worum es hier ging.

Dann hielt ein Lkw neben mir. Der Fahrer kurbelte das Beifahrerfenster herunter und obwohl der Motor noch lief, konnte ich es deutlich hören: Im Innern des Fahrerhaus lief der “Geistertruck” von Tom Astor. Mir wurde mulmig. “Wohin musst du, Junge?” fragte mich der Fahrer. “Richtung Internet, Trucker”, antwortete ich lautlos. Dann nahm er mich mit.

Stumm fuhren wir durch die Nacht, ich stellte keine Fragen. Kurz vor der tschechischen Grenze erreichten wir einen Serways-Rasthof, in dem noch Licht brannte. Der Trucker grüßte wortlos und warf mich vor dem Eingang raus. Inzwischen war es 3 Uhr morgens, ich blickte auf mein Huawei: Tatsächlich, hier gab es ein funktionierendes WLAN. Atemlos loggte ich mich in das offene Netzwerk und akzeptierte die AGBs, ohne sie durchzulesen. Dafür war heute keine Zeit.

Binnen Sekunden holte ich mir das Debatten-Update, das ich so dringend gebraucht hatte: TikTok, Instagram, Bild-Startseite. Irgendetwas stimmte nun wohl auch nicht mit einem zehn Jahre alten Buch von Armin Laschet, das er ohnehin nicht selbst geschrieben hatte. In der Zeit, in der ich nach Internet gesucht hatte, hatte sich der inzwischen zweite Plagiatsskandal dieses Bundestagswahlkampfs ereignet. Ein stummer Schock. Ich öffnete die Facebook-App und tippte ohne nachzudenken los, mit jedem Buchstaben spürte ich, wie ich langsam ruhiger wurde:

“Die Literatur verliert seit jeher an Bedeutung (wie anders wäre das Phänomen Ferdinand von Schirach zu erklären?), im öffentlich-rechtlichen Rundfunk wird inzwischen jede Sendung, in der zufällig ein Buch auftaucht, vorsorglich abgesetzt – und plötzlich kennt ein ganzes Land kein anderes Thema als die kollaborativ erarbeiteten Werbebroschüren eines 1,72 Meter großen Aacheners und einer grünen Fast-Noch-Millennial aus Hannover? Ich möchte nicht in einer Gesellschaft leben, in der Bücher so viel bedeuten.”

Der Morgen graute. Den Schlusssatz schrieb ich mit letzter Kraft und konnte gerade noch so auf “Absenden” klicken, bevor ich völlig entkräftet vor dem Raststätten-Eingang zusammen sackte und in einen tiefen, traumlosen Schlaf fiel.

Eine erholsame KW wünscht euch einmal mehr:

Dax Werner

Aktuelle Startcartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Good Lord, Russell Brand!

Good Lord, Russell Brand!

Nach Ausflügen in den Buddhismus, in die Transzendentale Meditation und ins Schwurbelmilieu machen Sie seit einer Weile einen auf Christ. Auf Ihrem Youtube-Kanal zeigen Sie sich mit Kreuz und Bibel, beten den Rosenkranz und salbadern über Ihre neuesten spirituellen Epiphanien. Jetzt haben Sie sich sogar in der Themse taufen lassen!

»Sterben und wiedergeboren werden … eine Gelegenheit, die Vergangenheit hinter sich zu lassen«, das erhofften Sie sich von dem Akt laut einer Videobotschaft auf X. Falls Sie mit »the past« auf die gegen Sie erhobenen Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs anspielen, dann haben wir schlechte Nachrichten für Sie: Um sich von derartigen Assoziationen zu lösen, ist die christliche Kirche ein denkbar schlechter Verein.

Mit allen Wassern gewaschen: Titanic

 Oh no, Kölner Brautpaar!

170 Fotos hat der von Dir engagierte Fotograf auf Deiner Hochzeit geschossen, und dann haben gerade die allerwichtigsten gefehlt – die mit den Luftballons drauf, die Gruppenfotos und noch ein paar andere. Statt dem Idioten nun seinen USB-Stick samt der gespeicherten Fotos zu zerstampfen, einfach die Rechnung nicht zu bezahlen oder anonyme Beschimpfungen gegen diesen Stümper ins Internet zu klopfen, wie es erwachsene Menschen tun würden, zogst Du, so entnehmen wir der Kölner Lokalpresse, vor Gericht. Die Forderung: mindestens 2000 Euro Schmerzensgeld. Der Grund: »Enttäuschung und Trauer«.

Und was, Kölner Brautpaar, machten die Rohlinge vom Amtsgericht Köln? Wiesen Deine Klage ab. Denn »geringfügige Beeinträchtigungen des seelischen Wohlempfindens« lösten »keinen Schmerzensgeldanspruch« aus.

Unfassbar! Was hast Du da empfunden? Noch mehr Enttäuschung? Noch tiefere Trauer? Fein, dann weißt Du ja, welche Schweine Du als Nächstes verklagst. Und sei nicht enttäuscht und traurig, wenn Du nun durch ganz viele Instanzen oder sogar bis zum Jüngsten Gericht gehen musst. Denn zwei Dinge sind für eine lange und glückliche Ehe schließlich ganz wichtig: 1. gemeinsame Projekte und 2. gemeinsame Hassobjekte.

Tipp von Deiner alten Junggesellin Titanic

 Also wirklich, Metallica-Bassist Robert Trujillo!

Im Rahmen Ihres 20. Ehejubiläums wandten Sie sich in einem Instagram-Post an Ihre Ehefrau Chloe und bedankten sich bei ihr für »Motivation, Kreativität und eine superstarke Arbeitsmoral«. Das erscheint uns jetzt aber doch ein wenig unromantisch, ja geradezu bürokratisch.

Fällt Ihnen denn gar nichts anderes zum 20jährigen ein? Wir sind uns sicher, Ihre Frau hätte sich bestimmt gefreut, wenn Sie ihr mehr Urlaubstage, eine Dienstreise oder wenigstens eine Begrünung der Arbeitsfläche angeboten hätten!

Nur einige Ideen von

Ihrer Beziehungsratgeberin von Titanic

 Ach so, Jella Haase!

Ach so, Jella Haase!

Auf das Thema patriarchale Strukturen in der Filmbranche angesprochen, sagten Sie: »Frauen sind Teil meiner Filmfamilie geworden.«

Wir freuen uns schon auf Ihre nächsten Interviews mit ähnlich aussagekräftigen Zitaten wie: »Stühle sind Teil meiner Einrichtung geworden«, »Kohlenhydrate sind Teil meiner Ernährung geworden« oder »Dämliche Statements rauszuhauen, ist Teil meiner Tätigkeit als Schauspielerin geworden«!

Grüßt erwartungsvoll: Ihr Briefeteil der Redaktionsfamilie Titanic

 Cześć, Koma-Transporte aus Polen!

Wir sind ja nicht anspruchsvoll, aber von einem Speditionsunternehmen erwarten wir schon, dass die Fahrer/innen zumindest zwischendurch mal bei Bewusstsein sind.

Da entscheiden wir uns doch lieber für die Konkurrenz von Sekundenschlaf-Logistik!

Wache Grüße von Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Neuer Schüttelreim

Soeben in fünf Minuten erzwungener Wartezeit vor dem Limette-Minze-Mandarine-Aufguss die ausführliche Saunaordnung meines Stadtteilschwimmbades an der Wand studiert. In dem peniblen Regelwerk unter anderem erfahren, dass in den Räumlichkeiten neben Wäschewaschen und anzüglichen Bemerkungen auch Kratzen und »Schweißschaben« verboten sind, was immer das sein mag. Sofort Gedichtidee gehabt: »Wer denkt sich ein Wort aus wie Schweißschaben? / Das waren bestimmt diese« – na, ihr könnt es euch ja denken.

Mark-Stefan Tietze

 Verrücktes Kapitalismus-Experiment

Was würde wohl passieren, müssten alle Soldaten ihre Munition selbst bezahlen?

Katharina Greve

 Falscher Titel

Kürzlich habe ich einen Brief meiner ehemaligen Universität erhalten, dass ich mich, da ich in meiner Abschlussarbeit in Gletscherwissenschaften plagiiert haben soll und mir mein Titel nun aberkannt wird, fortan bitte nicht mehr Glaziologe, sondern lediglich Halbglaziologe nennen soll.

Ronnie Zumbühl

 Ehe-Aus

Die hohe Scheidungsrate zeigt doch, dass so gut wie jeder Mensch hassenswert ist, wenn man ihn nur lange und gut genug kennt.

Dorthe Landschulz

 Should I stay or should I go?

Kurz vor meinem ersten Backpacker-Urlaub seit dreißig Jahren habe ich beim Befüllen des Kulturbeutels festgestellt, dass statt der fünfunddreißig Kondome, die ich als Teenager in Erwartung amouröser Begegnungen eingepackt und natürlich originalverschweißt wieder mit nach Hause gebracht hatte, nun Tablettenschachteln, Cremes, Salben, Pflästerchen, Nahrungsergänzungsmittel und massenhaft Tütchen mit Gel gegen saures Aufstoßen das Gros meines Waschtascheninhalts ausmachen. Mein Problem: Bei aller Ernüchterung ist die Gewissheit, dass ich dieses Mal jedes einzelne Teil aufreißen und hemmungslos zur Anwendung bringen werde, für mich schon wieder so aufregend, dass ich am liebsten zu Hause bleiben würde.

Patric Hemgesberg

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Das schreiben die anderen

Titanic unterwegs
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30.05.2024 Frankfurt, Museum für Komische Kunst Hans Traxler: »Die Dünen der Dänen«
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01.06.2024 Hamburg, Altonale-Festival Ella Carina Werner