Newsticker

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Nur kein Gedäh! – von Martin Knepper

Smoke gets in your eyes

Die Tabakkonzerne, so hört man, wollen sich in naher Zukunft aus dem zunehmend unersprießlich gewordenen Geschäft mit Analogkippen zurückziehen und auf das konzentrieren, was sie am besten beherrschen, das Geldverdienen. Zu groß das Risiko, stets aufs Neue durch Menschen verklagt zu werden, die im Irrglauben an die gesundheitsfördernde Wirkung des Rauchens 50 Jahre lang am Tag ihre drei Päckchen weggeschmurgelt haben, sich plötzlich mit Atembeschwerden oder unerwünschtem Zellwachstum konfrontiert sehen und den Hersteller aus enttäuschter Liebe erfolgreich auf die Zahlung einiger Trilliarden (in Europa: Trillionen) Dollar in kleinen, unnummerierten Scheinen verklagen. Solche Wandlungen des Kerngeschäfts sind gar nichts so Seltenes, man denke an Nokia, vom Gummistiefel zum Handy (und wieder zurück). Auch Tankstellen, so heißt es, wollen sich schon bald statt auf mobilitäts- und CO²-fördernden Kraftstoff ganz auf den Abverkauf von Sushi und Bier verlegen. Überall weht Rauchern der Wind ins Gesicht (der Nebentisch wird sich dennoch beschweren); Analogbücher aus Raucherhaushalten sind im Antiquariat praktisch unverkäuflich, und Lesern mit der obligaten Sartre-Fluppe wird empfohlen, ihre Bücher nach dem Ableben gleich mit kremieren zu lassen. Als Traditionsnikotinisten bekümmert mich ein solcher Trend zutiefst; die allseits angepriesenen Verdampfer vermögen mich nicht zu locken, sie sind mir gleichsam elektronischer Tofu, wo meine Bronchien nach Lungenmett letzen. Beschimpft und ausgegrenzt wandele ich seither unruhig durch die Welt, letzte Reservate von Freiheit und Risiko suchend in einer Welt der Enge und Lebensgier. Und finde sie ausgerechnet hinter einer Zapfsäule, wo ich mit dem Tankwart hastig eine Zigarette verdrücke und mich mit ihm erinnerungsselig über Eimerrauchen und Stummelantennen austausche.

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Life & Style mit Antonia Stille

Style: Adiletten und Moral 

Heute ist Crossover-Time: Rap und Badelatschen. Klingt erst mal befremdlich, aber gleich ergibt alles einen Sinn. Trettmann, ein Deutsch-Rapper mit schwarzen Klamotten, Hut und Sonnenbrille, also quasi der ostdeutsche Udo Lindenberg, hat am Freitag die zweite Single seines neuen Albums gedroppt. Aber an der Sache ist ein Haken, denn Tretti, wie ihn seine Fans nennen, hat auf seiner neuen Platte auch mindestens ein Feature mit Gzuz von der 187 Straßenbande (Panzerknacker der Rapszene), der Frauen und Schwäne verprügelt. Was hat das jetzt mit Badelatschen zu tun? Trettmann ist so was wie der Adilettenkönig der Musikszene. Seine Fans eifern ihm trettbrettfahrend nach und schlappen sich durch ihre Insta-Stories und Facebook-Timelines. Adilette ist also zwangsweise Rap, wenn nicht sogar Trettmann-Merch. Sollte man auf die Latschen verzichten, nur weil der aktuelle deutsche Latschenpapst (Schlurfi et Schlappi) mit einem gewalttätigen Arschloch rumhängt? Am Ende stellt sich also die Frage, mit der wir uns so oft konfrontiert sehen. Was geht vor: Style oder Moral? Wie ihr wisst, plädiere ich am Ende immer für den Style. Wer auf der einen Seite gerne den ganzen Tag in Jogginghose rumlaufen würde, aber auf der anderen Seite weiter stilsicher Kreuzberg rocken will, für den (oder die!) sind Adiletten eben oft die einzige schlappbare Option, denn aus irgendeinem Grund sind diese zehenzwischenraumschonenden Gummi?-/Plastik?-Füßlinge gerade Trend und das muss man ausnutzen. Badelatschen sind gerade für eine Gesellschaft geeignet, die zunehmend auf Segway, E-Scooter und Boosted Board umsteigt, denn zum Gehen sind sie – unangenehmer Nebeneffekt – leider nicht geeignet. Man könnte es Schicksal nennen.

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Inside TITANIC (7)

Intime Einblicke in das Innere der TITANIC-Redaktion und ihrer Mitglieder. Heute: Fabian Lichter über die Raumaufteilung der Redaktion.

Die Redaktionsräume der TITANIC werden nach einem durchdachten Konzept genutzt: Wer den Eingangsbereich betritt, muss an Redaktionsassistenz Moritz Post vorbei, der von weitem schon Eindringlinge von erwünschten Besuchern (Foodora) zu unterscheiden weiß und Einlasssuchende kritischer befingert, als jeder Berghain-Torwächter es je könnte. Außerdem ist die Redaktion bestens alarmgesichert (gesammeltes Flaschenpfand seit 2003 rollt über den Boden), versuchen Sie also erst gar keine krummen Dinger! Die restlichen Flaschen (haha) sitzen verteilt auf hauptsächlich drei Räume. Nun unterscheiden sich die Naturelle der Mitarbeiter gewöhnlich wie Tag und Nacht. Da gibt es die Geselligen, die für ihr Leben gerne fröhlich herumschreien und ohne kräftige Gegenstimme verkümmern würden. Zurückgeworfen lediglich auf das eigene, einsame Grunzen würden sie sich irgendwann den goldenen Schluck gönnen, um nie wieder oder zumindest sehr spät am nächsten Morgen wieder aufzuwachen. Sie leben und werkeln in Raum 1. Dann gibt es die zarten Pflänzchen, die je nach Tagesform zwischen Menschenscheu und beinharter Depression changieren, für die ein zu lautes Vogelzwitschern selbst an guten Tagen schnell einmal akustischer Folter gleichkommt, und die schon aus arbeitspraktischen Gründen durch Glaswände separiert gehören. Sie vegetieren im Dunkeln in Raum 2. Raum 3 ist aus einer langen Tradition heraus (knapp eineinhalb Jahre) dem Chefredakteur vorbehalten und enthält kein (!) Fenster, damit die erwünschte Entwicklung zum weltentrückt schrulligen Satire-Großmufti möglichst schnell vonstatten geht. Für derzeit unbesetzte Räume wird noch Verwendung gesucht. Aktuell wird erwogen, die restlichen Räume zu fluten und sich einen Alligator anzuschaffen. Der Vorschlag stammt übrigens aus Raum 3.

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Meditation und Markt mit Dax Werner

Die große Mockridgiade

Ich habe am Sonntag den Fernsehgarten verpasst. Das passiert mir sonst nie, weil ich wirklich großer Fan dieses Formats bin und mir keine gemütlichere Sonntagmittagbeschäftigung einfällt, als die große, alte Dame Fernsehgarten im Bett liegend zu bingen, dazu ein köstliches, halb aufgetautes Tiefkühl-Croissant und eine gelbe 0,5er Dose Monster Energy (Valentino Rossi Edition) reinzuziehen. Savoir-vivre-mindframe. Aber ausgerechnet letzten Sonntag habe ich den Fernsehgarten verschlafen. Ausgerechnet die Ausgabe, in der der Poetry-Slammer Luke Mockridge eine der denkwürdigsten Fernsehgarten-Performances der letzten Jahrzehnte hingelegt hat. Shame on me.

Ich habe Y-O-U-T-U-B-E in die Adresszeile des Firefox-Browsers getippt. Mockridge hat einen im wahrsten Sinne wahnsinnigen Auftritt hingelegt, in dem er komplizierte narrative Jokes aus Witzekompendien der 1970er Jahre zitiert, Rentner beleidigt, mit einer Banane telefoniert und zum Finale wie ein Affe auf der Bühne tanzt. Die ganze Nummer ist einfach hella unangenehm anzusehen, man fragt sich immer wieder, wie er diese unfassbar peinliche Situation auf der Bühne, auf der sonst Semino Rossi oder Die Amigos performen, vor einem sichtbar überforderten Publikum aushält, am Ende rastet Andrea "Kiwi" Kiewel komplett aus – und ich glaube, all das macht die ganze Nummer so gut. Es funktioniert bei mir komplett über den Körper, weil es ein körperliches (lies: Gänsehaut) Erlebnis ist, das Video von seinem Auftritt anzusehen. Eine große Mockridgiade.

Und man will diesen Typen natürlich eigentlich überhaupt nicht gut finden, seine sonstigen Performances sind so vorhersehbar, klischeebeladen und viel zu erfolgreich. Deswegen ist man als kleiner, schüchterner Twitter-Kolumnist gezwungen, sich ein paar Meta-Gedanken zu diesem Spektakel zu machen. Nun denn.

Wenige Tage nach dem 11. September erschien im amerikanischen Nachrichtenmagazin „Time“ ein viel beachteter Aufsatz mit dem Titel "The Age Of Irony Comes To An End". Einen Monat später erschien in der "New York Times" ein Artikel, der das Gegenteil behauptete: "The Age of Irony Isn't Over After All". Man ist sich in dieser Frage also bis heute nicht einig, aber sicher ist: Irgendwas ist mit Ironie. Aber was? Erfüllt sich Mockridge – immerhin in einer Fernsehdynastie groß geworden – hier lediglich einen Kindheitstraum? Angetrieben vom jugendlichen Furor aus der Raucherecke vom städtischen Gymnasium mit MINT-Schwerpunkt? Was treibt dich an, Luke?

Und sind wir es nicht selber, die Internetmenschen, die genau diesen um Distinktion bettelnden, aber im Prinzip nur immer weiter ins Leere laufenden Humor bis zum Gehtnichtmehr kultiviert haben? Immer einmal mehr meta als du, gegen alles und jeden immunisieren, bloß keine wirkliche Haltung zeigen, bloß nie angreifbar machen? Wenn wir Luke Mockridges Auftritt auf Youtube angucken, sehen wir uns selber. Deswegen ist es so unangenehm und kaum auszuhalten. Und deswegen ist die Performance so gut.

Zack, fertig: Dax Werner

 

 

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Life & Style mit Antonia Stille

Life: Plastiktüten – broke oder woke? 

Das Thema Umwelt und Klima ist im wahrsten Sinne des Wortes ein heißes Eisen, das ich eigentlich nur ungern anfasse. Man könnte ja auch einfach das schöne Wetter genießen, sich an den Strand legen und sich mal ernsthaft mit den neuen Insta-Filtern auseinandersetzen, aber na ja: Das ist eben Deutschland, wo sich jetzt alle an einem Thema aufzuhängen scheinen, das alles andere als Pinterest-tauglich ist. Plastiktüten – bah. Schon seit Jahren werden mir zwischen Essensfotos und Schnappschüssen gut beleuchteter Einkaufspassagen Bilder von aufgeschnittenen Walmägen mit Plastikmüll drin in den Insta-Feed gespült. Dabei war ich dem WWF nur wegen der süßen Panda-Pics gefolgt. Never judge a book by its cover … Aber zurück zu den Plastiktüten: Svenja Schulze von der Regierung will sie verbieten lassen und das finden einige Leute uncool und einige Leute cool. Demokratie! Einer von den Leuten, die das uncool finden, ist Philipp Krohn von der FAZ, dem eine Wassermelone heruntergefallen ist. Es hätte sogar Plastiktüten gegeben, um die Melone zu tragen, aber der Mann ist trotzdem wütend auf Svenja Schulze. Politik ist manchmal echt kompliziert. Ich kann ihn aber verstehen. Er will sich die Freiheit nicht nehmen lassen, den wissenschaftlichen Fortschritt der Menschheit im Alltag zu präsentieren, denn am Ende ist Plastik nichts anderes als das. Homo sapiens pride! Im übrigens sollten wir alle mehr darauf achten, milieuangepasst einkaufen zu gehen. Wie sähe das denn aus, wenn ich mit meiner Louis Vuitton in den Kaufland gehe? Nein, nein. Dann lieber Plastiktüten. Die werden ja am Ende sogar von den Walen wiederverwertet. Oder habt ihr schon mal einen Blauwal eine Louis-Vuitton-Tasche essen sehen? Eben.

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Nur kein Gedäh! – von Martin Knepper

Alles in Dutt

Aufgewachsen bin ich in einer kleinen Stadt im Bergischen, die durch den Einfluss des nahen und sektenfrohen Wuppertal über eine starke evangelisch-freikirchliche Gemeinde gebietet. Auch die protestantische Amtskirche am Ort war von reformierter Strenge gekennzeichnet; in meinem Katechumenenunterricht gab es keine Gitarren oder Prophetensammelkarten, das war knallharter Drill; noch bis heute, dem Glauben lange entwachsen, schießen mir bei kirchlichen Anlässen (die in zunehmendem Maß Beerdigungen sind) plötzlich komplette zwölfstrophige Preisgesänge in den ergrauenden Schädel zurück, die ich dann aus sportivem Stolz ohne Blick in das Gesangbuch zu schmettern vermag. Doch die demütig zur Schau getragene Spröde vieler Gottesdienstbesucherinnen der Hauptkirche wurde stets getoppt durch die Freikirchlerinnen, oft Damen der bergischen Hautevolee, schon von weitem erkennbar an ihren Farbmixen aus grau- und stuhlfarbenen, zuweilen auch blaukarierten Grobstofflichkeiten, deren einzig freiliegendes Körperteil, den Kopf, oft noch ein Kopftuch barg. Und unter diesem herauswulstend: DER DUTT. Als Kind dachte ich, er müsse die Heimstatt lichtscheuer Kerbtiere sein; stand man jedoch einmal beim Bäcker hinter einer der spröden Gesellschaftsdamen, sah man ein Geflecht aus Haarklammern, das jegliches Leben im Keim erstickte.

Nach meinem Auszug aus der Stadt der Bibelarbeiterinnen hätte ich den Haarbalg fast aus den Augen verloren. Doch er war, so scheint es, nie tot, und findet sich in miniaturisierter Form längst auf vielen Köpfen wieder. Es gibt ironische Brillen, ironische Kopfbedeckungen, viel zu viele ironische T-Shirts, aber der Haarknoten ist eigentlich immer unironisch, er ist sogar die dinggewordene Ernsthaftigkeit. Eine ins Haarige gewendete Zwei-Reiche-Lehre: Hie Welt der Arbeit, gewissenhaft wird jegliches Haupthaar aus dem durch Zugkräfte gleich mitgestrafften Antlitz nach hinten gerafft; dort die Stunden der Freizeit, in denen kundige Hände den Knoten herausoperieren, und das Haar in die Sinnlichkeitsbereitschaft zurückführen. (Vergleichbar hiermit der Pferdeschwanz, Schnauzbartäquivalent aller Polizistinnen.) "Eine (…) Blüte erlebte der Haarknoten in den 1940er Jahren, als in der Kriegsindustrie arbeitende Frauen ihre Haare im Knoten trugen, um sie während der Arbeitszeit zu schützen." (Wiki) Heutzutage, im Zeitalter zwar unverknoteter Verteidigungsministerinnen, ist die Dienstbereitschaft in die freigelegten Gesichter eingeschrieben: Keine Catherine Deneuve, keine Gudrun Ensslin kaschiert mehr ihre Herzensabgründe hinter dem langen Vorhang ihrer seidigen Haare, während sie über unverlattetem Kaffee Notizen ihrer Liebhaber oder Anschlagsziele durchforstet; Gesichter, offen wie moderne Steakhausküchen, die vornehme Blässe verstärkt durch das Licht ihrer Handtelefone, markieren heute die Stunden angespannter Straffung, einem Abend entgegenlebend, da mit dem Lösen des Ballerinen- und sonstigen Knotens Weichheitsreste in die Antlitze der doppeltbelasteten Kriegsarbeiterinnen zurückfinden. Doch schweig ich noch von dem, was ärger als der Tod: Den Man-Bun, den Herrenhaartumor zu geißeln, bedarf es unerschrockenerer Schreiber, als ich es bin; hebe ich nur zu einem Gedanken an, so durchbohrt es meine Finger wie mit 1000 Haarnadeln – Darum muß der Kluge zur selben Zeit schweigen; denn es ist eine böse Zeit. (Amos 5,13. Wer kriegt sie noch aufgezählt, die kleinen Propheten?)

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Inside TITANIC (6)

Intime Einblicke in das Innere der TITANIC-Redaktion und ihrer Mitglieder. Heute: Redakteurin Ella Carina Werner über unerwartete Leser-Besuche.

Vor kurzem, es war ein Sonntagabend, klingelte es bei mir an der Haustür. Dort stand ein älterer Herr. Er sagte: "Hallo! Ich bin Hans-Gerd. Und Sie", er zeigte auf mich, "arbeiten bei TITANIC." Er wolle gerne mal jemanden "aus der Truppe" persönlich kennenlernen. Bis in die Redaktion sei es ihm ein paar hundert Kilometer zu weit, er habe jedoch meine private Postadresse im Telefonbuch gefunden. Er wohne auch in Hamburg und sei, seine Stimme nahm einen feierlichen Ausdruck an, "Abonnent der ersten Stunde". Mit diesen Worten schob er sich über die Türschwelle.
Natürlich ließ ich ihn hinein. TITANIC-Abonnenten der ersten Stunde sind etwas Besonderes. Abonnenten d.e.St. schreiben handschriftliche Leserbriefe, teilweise in Sütterlinschrift, in denen sie schreiben, sie seien Abonnenten der ersten Stunde. Fürs Frankieren lecken sie jede Briefmarke an, auch wenn die selbstklebend ist. (Man kann im Internet freimütig über sie schreiben, denn Abonnenten d.e.St. sind nicht im Internet.)
Strahlend saß Hans-Gerd an meinem Küchentisch, die Hände ineinander verschränkt. Dann beugte er sich vor. "Und? Wie ist es bei euch denn so? Immer Halligalli? Immer Gaudi?" Ich dachte an die Wahrheit. Ich sah in seine erwartungsfroh-wässrigen Augen und wusste nicht, wie antworten, aber er kam mir zuvor, denn Abonnenten d.e.St. haben immer gleich die nächste Frage auf den Lippen. "Und wie ist es", seine linke Hand machte ein paar geheimnisvolle Kippbewegungen vor und zurück, "mit Saufisaufi?" Dazu muss man sagen: Abonnenten der ersten Stunde trinken selber am meisten. Sie saufen immer, außer wenn sie gerade einen Leserbrief verfassen. Ich sagte, ich tränke eher wenig und nie vor 18 Uhr. Mein Gegenüber stutzte, dann knuffte er mir laut wiehernd gegen die Schulter: "Immer für einen Witz gut!"
Am Ende stand ich in der Tür, die Hand in den Nachthimmel erhoben, denn Abonnenten der ersten Stunde winkt man noch lange nach.

 

 

Aktuelle Cartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Otto Schenk! Otto Schenk!

Als 91jähriges Urgestein der deutschsprachigen Theaterlandschaft plauderten Sie in der TV-Sendung »Willkommen Österreich« über Ihre Tierliebe im Allgemeinen und zu Papageien im Besonderen. Einem von Ihnen so genannten »Leihpapagei« wollen Sie den Satz »Heut red’ i nix« beigebracht haben. Und wie nebenbei konstatierten Sie: »Nicht sprechende Papageien sind für mich keine Papageien.«

Aber aber, Herr Schenk, gehen Sie doch nicht so hart ins Gericht mit unseren kunterbunt gefiederten Freunden. Selbst der beredteste aller Papageien ist von Zeit zu Zeit unpässlich oder schlecht aufgelegt oder womöglich im Alter taub geworden. Denken Sie bitte noch mal darüber nach!

Will ’nen Keks: Titanic

 Entlarvend, lieber Kapitalismus,

ist ausgerechnet die Arte-Doku »An den Ufern des Nil: Zwischen Assuan und Luxor«. Darin erklärt der Sprecher mit gewohnt sonorer Stimme: »Die losgesprengten Felsbrocken werden zum Nil geschleppt und auf Frachtkähne verladen. Eine Szene wie vor Jahrtausenden. Heute schultern keine Fronsklaven die zentnerschwere Last für die Tempel der Pharaonen. Die Männer arbeiten freiwillig und schuften für einen kargen Lohn.«

Einfach toll, was Du, Kapitalismus, in 4000 Jahren so geschafft hast. Nächste Revision dann in weiteren 4000 Jahren, vielleicht sogar zum Mindestlohn?

Glaubt aber eher nicht: Titanic

 Huhu, Frank Thelen!

Huhu, Frank Thelen!

Sie sind ein teiggesichtiger deutscher Unternehmer, Investor bei der strunzdummen Show »Höhle der Löwen« und außerdem noch Autor von Büchern, in denen ehrlich das Allerdämlichste steht, was man aus eh schon schwachsinnigen Wörtern wie »Mindset« im Jahr 2020 noch machen kann. Ihr neustes Schundwerk heißt »10xDNA«, und darin erklären Sie u.a., dass bald Flugtaxis durch unsere Städte sausen werden. Aber das wissen Sie ja alles selbst!

Warum wir Ihnen schreiben? Weil Sie der behämmerten Münchner »Abendzeitung« im Interview steckten, dass ein Start-up aus Ihrem »Portfolio« sich das »retronasale Riechen zunutze gemacht« habe und daher naturgemäß eine Flasche entwickeln musste, aus »der man pures Wasser trinkt und dennoch Geschmack über Geruch wahrnimmt«. Das habe es »bislang so noch nicht gegeben«.

Und hier möchten wir entschieden widersprechen! In unserer Gestaltungsabteilung sitzt nämlich ein Herr namens Thomas Hintner, und dieser hat das retronasale Riechen schon vor vielen Jahren so weit auf die Spitze getrieben, dass er herbes Pilsbier trinken kann – und dabei nichts als Wasser schmeckt. Dafür braucht er nicht mal Flaschen wie Sie! Und wenn Ihnen, Esel Thelen, dieser Brief zu frech ist, dann schickt Kollege Hintner Ihrem idiotischen Start-up eine Patentklage.

Gluck, gluck! Titanic

 Roland Tichy, alter Einblicker!

Auch in zweiter Instanz haben Sie Ihre Klage gegen Claudia Roth verloren, die Ihnen zugeschrieben hatte, dass Ihr »Geschäftsmodell«, das in der Herausgabe des rechten Blogs »Tichys Einblick« besteht, »auf Hetze und Falschbehauptungen beruht«, was Sie als falsche Tatsachenbehauptung gewertet und untersagt wissen wollten.

Und ob Sie es glauben oder nicht, Tichy: Wir können Ihren Ärger verstehen. Wozu macht man sich schließlich die ganze Mühe? Weshalb wir also gegen Roths dreiste Ehrabschneiderei ein für alle Mal klarstellen wollen: Selbstverständlich beruht Ihr Geschäftsmodell nicht nur auf Hetze und Falschbehauptungen, sondern mindestens ebenso sehr auf Dummheit, Infamie, bewussten Lügen, Perfidie, Täuschung und nicht zu vergessen einem ordentlichen Schuss Narzissmus.

Mit ganz tiefem Einblick: Titanic

 »Spiegel«!

»Schwimmen im Freibad ist wie ein Besuch bei McDonald’s«, heißt es im Teaser einer Deiner Artikel. Weil man nie hundertprozentig weiß, ob nicht vielleicht irgendwo jemand reingespuckt hat, aber zumindest auf die Pommes immer Verlass ist?

Fragen Deine Freunde in Fett schwimmender Nahrungsmittel aus der Redaktion von Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Revolte

Schon seit Jahrtausenden lassen sich die Bienen vom Menschen nach Strich und Faden ausbeuten und hinters Licht führen. Wilde Instinkte und Resistenz gegen Milben und Krankheiten wurden zugunsten von Zahmheit und ungesundem Fleiß weggezüchtet, hochwertiger Honig wurde immer wieder entwendet, im Tausch gegen billige Glukoselösung. Doch damit ist jetzt Schluss. Widerstand regt sich in den Bienenstöcken, zumindest bei meiner Nachbarin, deren Bienen dazu übergegangen sind, den Honig lieber gleich zu verputzen und die Waben mit dem lauen Zuckerwasser vollzupumpen.

Miriam Wurster

 Metaphysik

Wahre Physiker sterben nicht, es reorganisieren sich nur ihre Teilchen.

Jürgen Miedl

 Genusspunkte

Dass Umlautzeichen appetitanregend wirken können, wird einem so richtig bewusst, wenn man beim Lesen einer Speisekarte zum ersten Mal mit »Raucherlachs« konfrontiert wird.

Julia Mateus

 Ohne Worte

Man kann das Wesen eines Menschen ja in vielem erkennen. Zum Beispiel darin, wie er über seine Badezimmertürschwelle stolpert. Oder darin, wie er ein Glas Wasser fallen lässt. Vielleicht auch darin, wie er auf sein Bett springt und wie er sich abrollt, wenn er hinunterfällt. Aber was für ein Wesen hat einer, frage ich mich, der, wie mein neuer Nachbar, all dies im selben Moment tut?

Teja Fischer

 Schlechter Werbeslogan

Mit Sagrotan läuft Sack rot an

Elias Hauck

Vermischtes

Hauck & Bauer: "Ich kann einfach nicht Wein sagen"
Die beste Zeit, einen Band des Zeichnerduos Hauck & Bauer zu kaufen – sie ist seit sicher zehn Jahren vorbei. Heute sind die Werke von Elias Hauck und Dominik Bauer kein Geheimtip mehr. Die zerstrittenen Künstler kommunizieren inzwischen ausschließlich per Fax, leben in luxussanierten Altbauwohnungen mit kugelsicheren Whirl- und Autorenpools, in denen hungernde Leiharbeiter Comics anfertigen müssen. Leider ist auch der neueste Band der beiden Ausbeuter sehr gut, bestellen Sie hier!Friedemann Weise: "Die Welt aus der Sicht von schräg hinten"
Laut seiner Homepage ist er der "King of Understatement" und der "lustigste Mensch im deutschsprachigen Internet". Er ist aber auch Gitarrenmann, Viralblogger (15000 Follower!), Gagautor und Promiexperte mit Diplom. Die Rede ist von Friedemann Weise, dem Mann mit dem Namen! Der Mann, der den "Satiropop" erfand. Und jetzt auch noch ein Buch vorlegt. Ob das gutgeht? Ordern Sie diese Prämie und teilen Sie Ihr vernichtendes Urteil bitte zeitnah der TITANIC-Redaktion mit.Die PARTEI-Wahlwerbungs-DVD mit allen vier Wahlwerbespots aus dem Bundestagswahlkampf 2005: Höhepunkte der Politpropaganda, die von Otto Schily mit dem Prädikat "ein Skandal" ausgezeichnet wurden. Besser aufgelöst als auf Youtube und noch dazu mit einer praktischen, farbechten Hülle drumrum - das ist doch was, was?Kamagurka & Herr Seele: "Cowboy Henk"
Er ist Belgier, Kamagurka. Belgier! Wissen Sie, was der Mann alles durchgemacht hat in letzter Zeit? Eben, er ist Belgier. Und hat trotzdem in einem Finger mehr Witz als Sie im ganzen Leib! Und Heldenmut! Glauben Sie nicht? Dann lassen Sie sich von Cowboy Henk überzeugen, dem einzigen Helden, der wirklich jeden Tag eine gute Tat begeht.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURHans Zippert: "Fernsehen ist wie Radio, nur ohne Würfel"
Die steile Karriere des Hans Zippert begann im Jahr 1967 mit einem  Schülerpraktikum beim Kulturmagazin "TV Spielfilm". Nach einem  Volontariat bei "TV Direkt" übernahm er das angesehene 20-Uhr-15-Ressort  bei "TV Okayokay", bevor er schließlich Programmchef der auflagestarken  "TV Superwoche" wurde. Nachdem er über einen Bestechungsskandal rund um  eine 3-Sterne-Empfehlung für "Rote Rosen" stolperte, sah sich Zippert  1990 gezwungen, Chefredakteur von TITANIC zu werden. Der Tiefpunkt war  erreicht. Das alles und noch mehr erfahren Sie in diesem Buch!Sonneborn/Gsella/Schmitt:  "Titanic BoyGroup Greatest Hits"
20 Jahre Krawall für Deutschland
Sie bringen zusammen gut 150 Jahre auf die Waage und seit zwanzig Jahren die Bühnen der Republik zum Beben: Thomas Gsella, Oliver Maria Schmitt und Martin Sonneborn sind die TITANIC BoyGroup. In diesem Jubiläumswälzer können Sie die Höhepunkte aus dem Schaffen der umtriebigen Ex-Chefredakteure noch einmal nachlesen. Die schonungslosesten Aktionsberichte, die mitgeschnittensten Terrortelefonate, die nachdenklichsten Gedichte und die intimsten Einblicke in den SMS-Speicher der drei Satire-Zombies – das und mehr auf 333 Seiten (z.T. in Großschrift)! 
Zweijahres-Abo: 98,60 EURSerdar Somuncu: "H2 Universe: Die Machtergreifung", DVD
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Zweijahres-Abo: 98,60 EURTorsten Gaitzsch/Sebastian Klug: "Akte D: Die Wahrheit über Deutschland"
Die Redaktion versichert: Torsten Gaitzsch und Sebastian Klug, die  Autoren dieses Buches, wissen Dinge – schreckliche Dinge! – von denen  Sie, die Leser, nicht einmal zu träumen wagen. Denn es wären Alpträume!  Wählen Sie diese Prämie und erhalten Sie Einblicke in die tiefsten  Abgründe Deutschlands, die Sie wahnsinnig lachend und mit Schaum vor dem  Mund zurücklassen werden. Bisher hat es kein Leser bis zur letzten  Seite geschafft…Gerhard Henschel: "Harry Piel sitzt am Nil"
Fuck, dieses Buch sollte man gelesen haben, wenn man  kein übelst versiffter Wichser sein will. Schmähungen und böse Wörter  machen das Leben echt oberarschmäßig zum Kotzen. Vielleicht kapieren Sie  Versager das endlich, wenn Sie Henschels neuesten Streich gelesen  haben. Können Sie überhaupt lesen? Wahrscheinlich nicht. Trollen Sie  sich, Sie Wicht! Aber trotzdem abonnieren und diese Top-Prämie wählen.Elias Hauck (Hrsg.): "Alles Spargel oder was?"
Endlich ist ganzjährig Spargelsaison! Elias Hauck, die eine Hälfte von Hauck & Bauer und Herausgeber des Frauenmagazins "Sonja", serviert die reifsten Spargelwitze der Welt – gezeichnet und erzählt von dutzenden gemüseliebenden Cartoonisten und Autoren. Lachen Sie unter anderem über: den mit den polnischen Erntehelfern, den mit dem kaputten Spargelschäler und den mit der Fliege in der Hollandaise.Heiko Werning: "Vom Wedding verweht – Menschliches, Allzumenschliches"
Es ist dies Buch etwas ganz besonderes: Heiko Werning, renommierter  Forscher aus Berlin, lag jahrelang in seinem Kiez, dem Wedding, auf der  Lauer. Kein Ereignis entging ihm, der Wedding konnte ihm nichts,  aber auch gar nichts verheimlichen. Abgründe, tiefe Täler und  menschliche Katastrophen – erfreuen Sie sich an heiteren G’schichterl,  die Werning noch so einen Urenkeln erzählen wird.Wenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
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Das schreiben die anderen

  • 07.07.:

    Hans Zippert schreibt in der FAZ über 80 Jahre Ringo Starr.

Titanic unterwegs
15.07.2020 Berlin, Literaturforum im Brecht-Haus Oliver Maria Schmitt, Michael Sowa u.a.
17.07.2020 Falkensee-Finkenkrug, Privatgarten Thomas Gsella, Gartenlesung
19.07.2020 Schwarzenbach a. d. Saale, Erika-Fuchs-Haus Museum für Comic und Sprachkunst Katharina Greve: »Die dicke Prinzessin Petronia«
27.07.2020 Leipzig, Werk 2 Martin Sonneborn