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Meditation und Markt mit Dax Werner

Jeder kämpft für sich allein

Liebe Leser*innen,

gestern Mittag erreichten mich die ersten wütenden E-Mails: Wo denn die zweiwöchige Kolumne bliebe, es sei langsam ja einmal Zeit und die Fernsehgebühren für den April vorerst einbehalten. Deswegen an dieser Stelle: Bitte beruhige dich, Mama! Keine Entschuldigung, aber der Versuch einer Erklärung: Ich bin beim Streamen eingeschlafen und habe schon länger kein Gefühl mehr dafür, welchen Tag wir eigentlich schreiben. Als ich eben aufwachte, lief jedenfalls das Amazon Original von Chris Tall: Mich hat das irgendwie angepowert, diese subtile "Jeder kann es ins Fernsehen schaffen"-Submessage, das Tröstende in der Tragödie. Und ich glaube, das ist genau der Spirit, den Christian Lindner meinte, als er diese Woche in "Bild" erklärte, dass die Bevölkerung in Normalzeiten betüddelt und unterfordert werde und die Krise eigentlich erst so richtig zeige, was in uns stecke.

Auch mein Eindruck in den letzten Tagen, dass die Ausnahmesituation das Beste aus uns rausholt: In den Supermärkten herrscht zum Beispiel blanker survival of the fittest. Wer nicht schon eine Stunde vor Ladenöffnung auf dem Parkplatz ausharrt, hat es in my humble opinion nach auch nicht verdient, entspannt auf Toilette gehen zu können oder in den Genuss von Bananen zu kommen. Viele Menschen in diesem Land haben den köstlichen Geschmack von purem Weizenmehl (405) inzwischen schon vergessen, weil sie nach wie vor zu zweistelliger Uhrzeit aufstehen. Nichts erzählt die Geschichte dieser Pandemie eindrücklicher als die Blicke der Menschen zwischen den Tiefkühlfächern und dem Aktionsregal. Zwischen "Von hier an kämpft jeder für sich allein" und "Ich habe vier Wochen lang keine Nachrichten gelesen, was ist hier eigentlich los?" ist im Grunde alles dabei.

Und dann sehe ich in junge, hungrige Gesichter, die – Gnade der frühen Geburt – Abitur und Studium schon hinter sich haben und jetzt eigentlich bereit wären für Karriere und Gehaltsverhandlung. Doch statt Zukunftsgeilheit geht bei vielen die Angst um: Was, wenn Julia Klöckner mobilmacht und mich aufs Spargelfeld schickt? Wie macht sich die Saison dann später im CV? Planungssicherheit sieht anders aus.

Full Darwin Mode offenbar auch in der Virologenbubble: Der von mir erst vor zwei Wochen an dieser Stelle hochgelobte Cheferklärer Prof. Dr. Christian Drosten erwägt offenbar den Rückzug aus den Medien. In seinem Podcast beschwert er sich, dass Wissenschaftler mehr und mehr als Entscheidungsträger dargestellt werden. Manche unken schon: Vielleicht ist dieser Mann einfach nicht gemacht für das Haifischbecken Aufmerksamkeitsökonomie. Ich glaube, ich weiß, wie Drosten sich fühlen muss: Als mein erster Tweet bei "Twitterperlen" gefeatured wurde, war da auch erst einmal ein paar Tage Leere. Aber dann ging's weiter. Denn es muss weiter gehen. Irgendwie.

Keep on fighting, Prof. Drosten.

Dein Dax Werner

Kategorie: Meinung



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Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Boah ey, Natur!

»Mit der Anpflanzung von Bäumen im großen Stil soll das Klima geschützt werden«, schreibt der Spiegel. »Jetzt zeigen drei Wissenschaftlerinnen in einer Studie: Die Projekte können unter Umständen mehr schaden als nützen.« Konkret sei das Ökosystem Savanne von der Aufforstung bedroht. Mal ganz unverblümt gefragt: Kann es sein, liebe Natur, dass man es Dir einfach nicht recht machen kann? Wir Menschen bemühen uns hier wirklich um Dich, Du Diva, und am Ende ist es doch wieder falsch!

Wird mit Dir einfach nicht grün: Titanic

 Wussten wir’s doch, »Heute-Journal«!

Deinen Bericht über die Ausstellung »Kunst und Fälschung« im Kurpfälzischen Museum in Heidelberg beendetest Du so: »Es gibt keine perfekte Fälschung. Die hängen weiterhin als Originale in den Museen.«

Haben Originale auch schon immer für die besseren Fälschungen gehalten:

Deine Kunsthistoriker/innen von der Titanic

 Apropos: ¡Hola bzw. holla, spanischer Priester!

Du hast Dir die Worte aus dem Matthäusevangelium »Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach« zu sehr zu Herzen genommen und in Deiner Gemeinde in der Kleinstadt Don Benito einen regen Handel mit Potenzmitteln betrieben. Für diesen nach weltlichem Ermessen offensichtlichen Sündenfall musst Du Dich nun vor einem irdischen Gericht verantworten.

Uns ist zwar nicht bekannt, ob Du Dich gegenüber Polizei und Justiz bereits bußfertig gegeben hast oder weiterhin auf das Beichtgeheimnis berufst. Angesichts der laut Zeugenaussagen freudigen Erregung Deiner überalterten Gemeindemitglieder beim Geläut der Glocken sowie ihres Durchhaltevermögens bei den nicht enden wollenden Eucharistiefeiern inklusive Rumgeorgel, Stoßgebeten und orgiastischer Gottesanrufungen sprechen alle Indizien aber ohnehin gegen Dich!

Bleibt auch ganz ohne künstliche Stimulanzien weiter standfest im Nichtglauben: Titanic

 Du, »Brigitte«,

füllst Deine Website mit vielen Artikeln zu psychologischen Themen, wie z. B. diesem hier: »So erkennst Du das ›Perfect-Moment -Syndrom‹«. Kaum sind die ersten Zeilen überflogen, ploppen auch schon die nächsten Artikel auf und belagern unsere Aufmerksamkeit mit dem »Fight-or-Flight-Syndrom«, dem »Empty-Nest-Syndrom«, dem »Ritter-Syndrom« und dem »Dead- Vagina-Syndrom«. Nun sind wir keine Mediziner/innen, aber könnte es sein, Brigitte, dass Du am Syndrom-Syndrom leidest und es noch gar nicht bemerkt hast? Die Symptome sprechen jedenfalls eindeutig dafür!

Meinen die Hobby-Diagnostiker/innen der Titanic

 Sie, Victoria Beckham,

Sie, Victoria Beckham,

behaupteten in der Netflix-Doku »Beckham«, Sie seien »working class« aufgewachsen. Auf die Frage Ihres Ehemanns, mit welchem Auto Sie zur Schule gefahren worden seien, gaben Sie nach einigem Herumdrucksen zu, es habe sich um einen Rolls-Royce gehandelt. Nun verkaufen Sie T-Shirts mit dem Aufdruck »My Dad had a Rolls-Royce« für um die 130 Euro und werden für Ihre Selbstironie gelobt. Wir persönlich fänden es sogar noch mutiger und erfrischender, wenn Sie augenzwinkernd Shirts mit der Aufschrift »My Husband was the Ambassador for the World Cup in Qatar« anbieten würden, um den Kritiker/innen so richtig den Wind aus den Segeln zu nehmen.

In der Selbstkritik ausschließlich ironisch: Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 No pain, no gain

Wem platte Motivationssprüche helfen, der soll mit ihnen glücklich werden. »There ain’t no lift to the top« in meinem Fitnessstudio zu lesen, das sich im ersten Stock befindet und trotzdem nur per Fahrstuhl zu erreichen ist, ist aber wirklich zu viel.

Karl Franz

 Einmal und nie wieder

Kugelfisch wurde falsch zubereitet. Das war definitiv meine letzte Bestellung.

Fabian Lichter

 Tiefenpsychologischer Trick

Wenn man bei einem psychologischen Test ein Bild voller Tintenkleckse gezeigt bekommt, und dann die Frage »Was sehen Sie hier?« gestellt wird und man antwortet »einen Rorschachtest«, dann, und nur dann darf man Psychoanalytiker werden.

Jürgen Miedl

 Die Touri-Falle

Beim Schlendern durchs Kölner Zentrum entdeckte ich neulich an einem Drehständer den offenbar letzten Schrei in rheinischen Souvenirläden: schwarzweiße Frühstücks-Platzmatten mit laminierten Fotos der nach zahllosen Luftangriffen in Schutt und Asche liegenden Domstadt. Auch mein Hirn wurde augenblicklich mit Fragen bombardiert. Wer ist bitte schön so morbid, dass er sich vom Anblick in den Fluss kollabierter Brücken, qualmender Kirchenruinen und pulverisierter Wohnviertel einen morgendlichen Frischekick erhofft? Wer will 365 Mal im Jahr bei Caffè Latte und Croissants an die Schrecken des Zweiten Weltkriegs erinnert werden und nimmt die abwischbaren Zeitzeugen dafür sogar noch mit in den Urlaub? Um die Bahn nicht zu verpassen, sah ich mich genötigt, die Grübelei zu verschieben, und ließ mir kurzerhand alle zehn Motive zum Vorteilspreis von nur 300 Euro einpacken. Seitdem starre ich jeden Tag wie gebannt auf das dem Erdboden gleichgemachte Köln, während ich mein Müsli in mich hineinschaufle und dabei das unheimliche Gefühl nicht loswerde, ich würde krachend auf Trümmern herumkauen. Das Rätsel um die Zielgruppe bleibt indes weiter ungelöst. Auf die Frage »Welcher dämliche Idiot kauft sich so eine Scheiße?« habe ich nämlich immer noch keine Antwort gefunden.

Patric Hemgesberg

 Frühlingsgefühle

Wenn am Himmel Vögel flattern,
wenn in Parks Familien schnattern,
wenn Paare sich mit Zunge küssen,
weil sie das im Frühling müssen,
wenn überall Narzissen blühen,
selbst Zyniker vor Frohsinn glühen,
Schwalben »Coco Jamboo« singen
und Senioren Seilchen springen,
sehne ich mich derbst
nach Herbst.

Ella Carina Werner

Vermischtes

Erweitern

Das schreiben die anderen

Titanic unterwegs
20.04.2024 Eberswalde, Märchenvilla Max Goldt
20.04.2024 Itzehoe, Lauschbar Ella Carina Werner
24.04.2024 Trier, Tuchfabrik Max Goldt
25.04.2024 Köln, Comedia Max Goldt