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Meditation und Markt mit Dax Werner

Corona im Kopf

Liebe Leser*innen,

die Ereignisse des vergangenen Monats hätten früher für ein ganzes Jahr gereicht: Am 5. Februar wählen CDU und AfD gemeinsam einen völlig unbekannten FDP-Landtagsabgeordneten zum neuen Ministerpräsidenten von Thüringen (von dem man seither nichts mehr gehört hat), AKK kündigt als Reaktion darauf ihren Rückzug vom CDU-Parteivorsitz an, Mitte Februar werden ein Dutzend Rechtsterroristen mit konkreten Anschlagsplänen um einen Trödelhändler namens "Teutonico" festgenommen (auch darüber hört man nichts mehr) und einige Tage später ereignet sich in Hanau der zweitgrößte rechtsextreme Terroranschlag in der Geschichte der Bundesrepublik.

So richtig Luft, mal auch nur irgendeines dieser Themen in Ruhe einzuordnen, blieb jedoch leider nicht, weil zeitgleich Karnevals-Session war, oder wie wir in der TITANIC-Redaktion sagen: "Deutsche Spring Break!" Für jede der ARD-Landesrundfunkanstalten muss jeweils eine sechsstündige Fastnachtssitzung übertragen werden, so will es der Jecken-Paragraph im Rundfunkstaatsvertrag. Und wenn zu Hanau und Teutonico erst einmal alles valide ausrecherchiert ist, werden wir in der nahen Zukunft ohnehin noch mal eine breite mediale Debatte dazu führen, daran lassen zahlreiche ähnliche Beispiele aus der Vergangenheit jedenfalls keinen Zweifel.

Einen Vorgeschmack gab es ja ohnehin schon bei "Mainz bleibt Mainz", als die im breiten Rheinhessisch gehaltene Rede des Obermessdieners Andreas Schmitt viral die Runde machte: "Hanau war ein Angriff auf uns alle!" Gänsehaut im Festsaal und am Smartphone! "Auf uns alle" klingt zwar wunderbar demokratisch, blendet aber schon aus, dass Andreas Schmitt in seinem Alltag wahrscheinlich weniger beeinträchtigt bleibt als direkt Betroffene. Sperriger Gedanke, ich weiß, weil man dazu den Betroffenen ja überhaupt erst einmal zuhören müsste.

Und auch in einem anderen Punkt ist die bierselige Rede von Schmitt in den eineinhalb Wochen nach Veröffentlichung nicht besonders gut gealtert, denn was vermutlich als (etwas weirder) Verweis auf den 2. Weltkrieg gemeint war ("Unsere Kinder werden nicht mehr für euch erfrieren"), ist in dieser Sekunde Realität für Zehntausende Flüchtende an der Grenze zwischen der Türkei und Griechenland.

Klar, in der Rückschau ist man immer schlauer. Doch was "Sea Watch" aktuell zu Recht als "vollständige Auflösung der Europäischen Union als sogenannte Verteidigerin der Menschenrechte" bezeichnet, ist für den marktradikalen Lindner – der vor nicht mal vier Wochen noch gemeinsame Sache mit der Höcke-AfD in Thüringen machte – nicht mehr als ein Stichwort, "Frau Merkel" via Twitter an ihr Versprechen, dass es keinen "#Kontrollverlust bei der Zuwanderung wie 2015" mehr geben dürfe, zu erinnern. Erstaunlich frech für einen, der streng genommen gar nicht mehr im Amt sein dürfte!
Und gerade in dem Augenblick, in dem man sich ernsthaft fragt, ob es überhaupt noch kaputter geht, spawnt er plötzlich doch noch aus dem Nichts auf, der langersehnte gesellschaftliche Konsens gegen Gewalt, denn: Ein Milliardär aus Sinsheim wurde bei einem Fußballspiel als "Hurensohn" bezeichnet. Man spürt's: Hier wurde dann doch eine Grenze zu viel überschritten, wenn's hart auf hart kommt, steht man gesellschaftlich zusammen gegen Hass und Gewalt. United we stand. Ein Zeichen, das Mut macht.

Was mir auch Mut macht: Dass man von Tom Buhrow seit seinem Video-Statement zu #Omagate Ende Dezember 2019 – in unserer Familien-Whatsappgruppe übrigens liebevoll als Outsider-Art gelabelt – nicht mehr so wirklich was gehört hat. Das kann für mich nur heißen, dass Buhrow gerade fleißig an der Verwirklichung seines vollmundig angekündigten neuen "Klima des Miteinanders" arbeitet. Ich freue mich darauf!

Bleibt sauber und wascht Euch zwischendurch mal die Hände, Euer: Dax Werner ...

Kategorie: Meinung



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Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Einfach mal kreativ sein, Rishi Sunak!

Der BBC sagten Sie: »Ich bin nicht sicher, ob sich die Leute so sehr für meine Ernährung interessieren, aber ich versuche, zu Beginn jeder Woche etwas zu fasten.« Wir glauben, dass Ihre Unsicherheit berechtigt ist: An Ihren Beliebtheitswerten kann man ablesen, dass sich das Interesse an Ihren Gewohnheiten in Grenzen hält.

Das ließe sich aber leicht ändern: Bei den ganzen verschiedenen Varianten wie TV-, Auto- und Plastikfasten gäbe es bestimmt auch für Sie etwas, durch das Sie die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit »eight days a week« auf sich zögen. Wie wäre es z. B. mit Abschiebungsfasten, Verbrennerverbotverzögerungsfasten oder Zweiteamtszeitfasten?

Nur dass Sie gerade beim Thema »Neuwahlen« dem Verzicht huldigen, sollten Sie nach Ansicht der Mehrheit Ihrer Landsleute schleunigst ändern. Zwischendurch kann man sich doch auch ruhig mal was gönnen, oder?

Mampft Ihre Scones mit Clotted Cream und reichlich Marmelade gleich mit: Titanic

 Dir, Tod,

gefiel es im Jahr 2010, im Abstand von einem Tag Bärbel Bohley (11. September) und Claude Chabrol (12. September) abzuberufen, worauf wir damals in unserer Online-Rubrik »Fakt vs. Frage« scharfsinnig spekulierten, als Nächstes treffe es nun wohl Dieter Dehm, Erhard Eppler und Frank Farian. Knapp daneben! Denn Frank Farian holtest Du erst dieses Jahr, am 23. Januar – nicht ohne vorher noch die Büchnerpreisträgerin Elke Erb (22. Januar) abzuräumen.

Und langsam durchschauen wir Dich, Gevatter: A darf leben, B und C müssen sterben; D darf leben, E und F müssen sterben …

Um es kurz zu machen: Gundula Gause ist, trotz ihres boulevardmedial großflächig breitgetretenen Schwächeanfalls vom Dezember (Bild: »total unnötig«, »hätte mich krankmelden sollen«), fürs Erste fein raus, während Heimatsänger Hansi Hinterseer und Malertochter Ida Immendorff sich lieber schon mal das letzte Hemd anziehen sollten. Stimmt’s?

Gruselt sich vor der Antwort: Titanic

 Bonjour, Marine Le Pen!

Bonjour, Marine Le Pen!

Das Potsdamer Treffen der AfD mit anderen extremen Rechten war selbst Ihnen zu heftig: Sie seien nie für eine »Remigration« in dem Sinne gewesen, dass Französinnen und Franzosen ihre Nationalität entzogen würde, selbst wenn die Einbürgerung unter fragwürdigen Bedingungen geschehen sei, meinten Sie und fügten hinzu: »Ich denke also, dass wir, wenn es denn so ist, eine krasse Meinungsverschiedenheit mit der AfD haben.«

Keine Ahnung, Le Pen, ob Sie mit dieser Haltung eine Chance aufs französische Präsidentenamt haben. Ministerpräsidentin von Thüringen würden Sie mit diesem Weichei-Schlingerkurs aber ganz sicher nicht!

Schon ein bisschen enttäuscht: Titanic

 Na, na, na, welt.de!

»Warum ›Barbie‹ klüger ist als alle anderen nominierten Filme zusammen«, titeltest Du in Deinem Feuilleton bezüglich der diesjährigen Oscar-Kandidaten. Allein: Wir haben noch mal den Taschenrechner gezückt, und wenn man auch die Dokumentar-, Kurz- und Dokumentarkurzfilme berücksichtigt, sind alle anderen nominierten Filme zusammen exakt 1,76 Klugheitspunkte klüger als »Barbie«.

Welches Medium dümmer ist als alle anderen Medien zusammen, braucht hingegen nicht nachzurechnen: Titanic

 Moin, Hamburger Craft-Brauerei ÜberQuell!

Dein Firmenname zeugt ja bereits von überschäumender Wortspiellust, aber so richtig freidrehend auf die Kacke haust Du erst bei den Bezeichnungen Deiner einzelnen Biersorten: Die heißen nämlich zum Beispiel »Supadupa IPA«, »Palim Palim Pale Ale«, »Pille Palle Alkoholfreies Ale« oder sogar »Franzbrewtchen Imperial Pastry Brown Ale«. Auweia!

Gerade bei Letzterem, das außerhalb Hamburgs von vielen gar nicht zu entschlüsseln sein dürfte, mussten wir, obschon viel gewohnt, dann doch schlucken, weil uns allein der Name innerhalb von Sekunden pappsatt und sturzbetrunken machte. Er erschien uns einfach zu brewtal, fast schon brauenhaft! Auf Dein Bier haben wir dann lieber verzichtet.

Aus der Ausnüchterungszelle grüßt trotzdem: Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Und das Brot erst!

Einen Krankenwagen rufen, ohne sich in Schulden zu stürzen, mehr Urlaubs- als Arbeitstage, Bier zum Frühstück: Deutschland ist toll. Mit solchen Takes können US-amerikanische Influencerinnen hierzulande natürlich punkten. Aber betreiben sie damit nicht einfach nur billiges Kraut-Pleasing?

Alexander Grupe

 Nach Explosion in der Molkerei

Alles in Butter.

Loreen Bauer

 Pandemisches Passionsspiel

Die Erfahrungen aus der Coronazeit wirken teils immer noch nach. So fragt man sich heute bei der Ostergeschichte: Hat Pontius Pilatus, als er seine Hände in Unschuld wusch, dabei zweimal »Happy Birthday« gesungen?

Jürgen Miedl

 Lauf, Junge!

Die Ordner bei einem Fußballspiel würden sich wesentlich mehr Mühe geben, wenn sie bei der Jagd nach dem Flitzer auch nackt sein müssten.

Rick Nikolaizig

 Authentisch

Jedes Mal, wenn mir ein bekennender Feinschmecker erklären will, wie aufwendig ein echt italienisches Risotto zubereitet gehört, habe ich das Gefühl, es würde stundenlang um den heißen Brei herumgeredet!

Mark-Stefan Tietze

Vermischtes

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