Newsticker

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Nur kein Gedäh! – von Martin Knepper

Within you, without you

Da sind Musiker, die trotz bescheidenen Erfolgs zu Lieblingen der Kritiker werden, die New York Dolls und Yo La Tengo zum Beispiel, während es andere zu Publikumsmagneten bringen, ohne vor der Kritik je große Gnade zu finden, Limp Bizkit oder Andrea Berg etwa. Und dann gibt es noch die Beatles, die alle, alle gut zu finden scheinen, weshalb sie auch gerne als Vergleichsgröße genommen werden. The Clash als Beatles des Punk, Kraftwerk als Beatles des Techno (New York Times), Magnum Double, Magnum Intense Dark, Magnum Mandel, Magnum Weiß als die Beatles des Stieleis. Da drängt sich die Frage auf, wer die Beatles der Parteien sein mögen? Schnell wird man merken, das können nur die Grünen sein. Nicht um Hofreiters Haare oder Özdemirs Sitarspiel willen, doch wie bei den Beatles kennt man eigentlich nur Leute, die die Grünen richtig gut oder ganz furchtbar finden. Dass jemand das White Album Atomausstieg töfte findet, Revolver Bildungspolitik hingegen schon nach "Taxman" aus dem Laufwerk nimmt - schwer vorstellbar. Und bei beiden ist es so, dass die Hater fast immer entweder ganz furchtbar beschränkte oder hochinteressante Menschen sind, oft ist es sogar so, dass die Beatleshasser die mit der besten Plattensammlung sind. Das gesteht man ihnen auch bedingungslos zu, und wirft, wieder zu Hause angekommen, die Knopfzellen vom Hörgerät in den Mülleimer, nicht ohne dabei Eleanor Rigby zu singen.

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Meditation und Markt mit Dax Werner

Erlebnisgutschein Deutschland

Liebe Jesusfreaks! Wenn die blau angelaufenen Finger beim Twittern plötzlich abbrechen, weil man wieder mal stundenlang in einem Fantasie-Bahnhof wie Opladen, Leichlingen oder Nottuln-Appelhülsen feststeckt und auf dem Weihnachtsmarkt Nutella-Crêpes für schmale 7 Euro hinterhergeworfen bekommt, dann spürt man's mal wieder sehr deutlich: Es ist Jahresendfest-Zeit!

Zeit, kurz inne zuhalten und das Jahr 2018 vor dem inneren Auge nochmal in achtfacher Geschwindigkeit ablaufen zu lassen. Deepdive. Wo war schon viel Schönes dabei, was geht vielleicht sogar noch besser? Auch im Privaten. Und da gibt es eine Sache, wo wir – denke ich – noch mal gesamtgesellschaftlich nachkalibrieren müssen: Immer wieder lese ich in den sozialen Netzwerken konsumkritische Posts, es gibt sogar Leute, die sich und anderen am 24. Dezember so gar nichts schenken wollen, die keine Lust mehr haben auf den "Weihnachtswahnsinn", die einem lieben Menschen "auch so etwas schenken können" und dafür keinen "besonderen Feiertag" brauchen.

Davon abgesehen, dass meine Eltern ohne diesen "besonderen Anlass" wohl niemals auf die Idee gekommen wären, mir ein Nintendo zu schenken, stört mich noch etwas anderes an diesem Underperformer-Mindset: Nein, diese Kritik am Einkaufen ist weder marktkonform noch demokratisch, sondern bringt einzig und allein die schwarze Null in Gefahr! Wer glaubt, mit selbstgebastelten Geschenken, gutem Willen und Nicht-Angriffspakten unterm Tannenbaum die Deutschland AG auf Kurs zu halten, hat sich mental schon längst aus der Solidargemeinschaft verabschiedet. Jedes Jahr geben sich liebe Menschen im Silicon Valley und in Südkorea viel Mühe, um für uns immer größere und teurere Geräte herzustellen: Warum in Herrgottsnamen können wir uns diese nicht einfach ohne zu murren kaufen und nach Hause liefern lassen? Überschüssige I-Phones kann man doch auch wieder wegwerfen? Wer sein Kind die Anziehsachen seiner älteren Geschwister auftragen lässt, anstatt neue, coole Anziehsachen bei Otto.de mit 48 Monatsraten zu finanzieren, handelt nicht nachhaltig, sondern verstößt meiner Meinung nach gegen die Europäische Menschenrechtskonvention. Das Konsum-Mindframe hat Deutschland mit die besten Jahre beschert (Stichwort Wirtschaftswunder und Ordoliberalismus). Zeit, dass dies auch in den Köpfen der Menschen ankommt.

Es geht mal wieder um unser Land.

Gesegnetes Fest,

Euer Dax Werner

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Leute ... von Paula Irmschler

Kneipengabi

Am Wochenende waren meine Freunde und ich wieder bei ihr: bei der guten, alten, rassistischen Keipenfrau um die Ecke. Um jede Ecke. Urig und ehrlich ist es bei ihr. Alles ist aus Holz, man darf noch rauchen, nein, man muss rauchen, sonst wird man vor die Tür gesetzt, weil man nur Hipster ist und nicht wirklich am Arsch. Die Gläser sind dreckig, die Salzstangen weich, die Deutschlandfahne alt (sehr alt), die Witze von Fips und die Musik rockig-schlimm. Ihre großen Brüste streicheln einen bei der Bestellung im Gesicht oder liegen auf der Theke, manchmal sogar mit ihr dran, et is einfach herrlisch. Und weil sie so skeptisch gegenüber unserer Generation ist, haben wir lustigerweise aufgeschrieben, was sie sagt. Ohne, dass sie davon weiß natürlich.

"Bring uns schon ma 'ne Runde Kölsch, Gabi-Rita, und sag uns mal, was du von Facebook hältst!"

"Abstand! Sag isch mal so gerade raus. Und ich heiße übrigens Petra-Kerstin. Namen sind für mich Schall und Rauch. Facebook oder wie dat heißt, wat? Hätte es bei uns früher nicht gegeben. Wir hatten ja kein Internet. Wat wollt ihr mal trinken, ihr Lüttn? Wie immer?"

"Nu!"

"Jut, hier lecker Gaffel, ne. Aber nit wieder beschweren. Ich sachet mal so. Früher is man noch in die Kneipe gegangen, um sich kennenzulernen, heute machen ja alle dieses Smartphone. Ich seh et ja auch hier in meiner Klause, da sitzen die jungen Leute rum und starren nur auf diese Dinger. Für mich ist dat nix. Mein Sohn hat mir auch mal so eins gekauft, dat hab ich ihm aber direkt wieder um die Ohren gepfeffert. Ich konnt da mit meinen Fingern gar nit. Wollt ihr noch was, ich hab hier noch Grasovka."

"Saufen!"

"Gib mal den Deckel. Manni, kütt ma her. Du hast doch dieses Facebook. Manni, jetzt kütt doch mal. Ach, der Manni, hört wieder nicht. Vielleicht besser so, der labert eh nur Unsinn, wa. Einmal waren wir im Urlaub 1987, und da wurden wir rausgeschmissen aus einer Kneipe, weil der Manni sich mit einem angelegt hat wegen der Jukebox. Apropos, ich mach mal wat an, dat wird euch jefallen. So, und jetzt nochmal herzlich willkommen in meinem bescheidenen Reich, einmal anstoßen. Hier werden ja alle geduzt, wir sind alle gleich. Die Jukebox funktioniert bei uns ja nicht mehr, die hat der Ralle gestern zerdeppert, das gab einen Stress, sag ich euch. Fast wie damals 1987. Hier bekommt man echt einiges mit. Ich muss nit studiere, um dat Leve zu begreifen. Jeden Tag komm se hier rein, die Leut. Mit ihren Geschichten. Letztens kamen hier die ... na ja, ihr wisst schon, die Leute, unsere neuen Mitbürger. Ich hab da ja nix gegen, wir sind aller Kinder Gottes oder wie man sagt. Also, ich glaube nich an Gott, aber ihr wisst, was ich mein. Manni, weißt du noch als die Ausländer letztens hier waren? Manni, jetzt kütt doch mal. Na ja, jedenfalls der Manni, der war ja skeptisch. Hat die jefragt, ob se Skat mitspielen wollen. Wollten se nicht. Aber dat warn nette Jungs. Die wollten einfach nur ein Bierchen trinken und dann sind se auch wieder gegangen. Zum Glück. Stress können wir hier nicht gebrauchen. Wir haben ja schon den Ralle, der reicht uns, hahaha. Meine Tochter hat auch dieses Facebook oder wie dat heißt. Die macht dann immer so Fotos, den janzen Tach."

Gute Idee. Sandra-Bärbel hat so alte Ü-Eier-Figuren. Die fotografierten wir schön für Insta und dann mussten wir leider auch wieder.

"Kommt mal wieder, ne. Und passt auf euch auf. Und macht mal weniger mit die Handys. Der Manni sacht dat auch."

Manni ist der Radiomoderator von dem Sender, der in der Kneipe läuft, und seit 20 Jahren tot.

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Nur kein Gedäh! – von Martin Knepper

Sagt an, kennt ihr den Nikolaus? 

Fährt bienenemsig durch die unverschneiten Gassen, mit einem gelben, braunen, und wenn alle Beteiligten Pech haben, auch einem blauen Schlitten und bringt für kargen Lohn Geschenke. Ganz müd geworden ist der Nikolaus vom Ausfüllen all der Abholkarten, denn die Menschen sind nicht zu Hause, weil sie für neue Gaben arbeiten müssen. Und all die Knechte und die Elfen vom Nikolaus, die arbeiten in den Paketgruben für kleinen Lohn bei Tag und Nacht, und ihr Herr und der vom Nikolaus, der ist der reichste Mensch auf diesem Erdenrund, so reich, dass er nicht einmal Haar und Bart benötigt. Damit jedoch der Nikolaus, wenn er in ferner Zukunft mal so müde ist, dass er all die Pakete nicht mehr heben kann, noch Speis und Trank hat, legt er jeden Monat von seinem kargen Lohn ein paar Rentiertaler zurück, damit er Anteile an den Paketgruben kaufen kann; denn so sagt ein Talerphilosoph aus dem Sauerland, wo all der Schnee und all die Elfen wohnen: Wer Aktien kauft, der muss nicht darben, wenn des Lebens Winter kommt. Der Nikolaus ist ein armer Narr.

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Meditation und Markt mit Dax Werner

Gib Reformen jetzt, Geiler!

Die Menschen vergessen zu schnell. Wer kann sich heute noch dran erinnern, dass Emmanuel Macron Frankreich und Europa 2017 mit seiner beispiellosen Bewegung En Marche vor der rechtsradikalen Marine Le Pen gerettet hat? Ich schon! Und auch daran, welchen Hustle und Spirit der liberale Beau seither hingelegt hat: Umverteilung von unten nach oben und coole Zitate, die den einfachen Franzosen von der Straße eigentlich bis unter die Haarspitzen motivieren müssten: "Der beste Weg, um sich einen Anzug kaufen zu können, ist arbeiten zu gehen!" oder "Französische Arbeiter sollten weniger auf die Barrikaden gehen, streiken und Fabriken blockieren, sondern sich lieber eine neue Arbeit suchen, wenn ihr Betrieb schließt!"

Schade, dass dieser regelrecht akzelerationistische Approach weder in Deutschland noch in Frankreich so richtig verstanden wird. Gut, hierzulande haben wir ohnehin keine Denker vom Format eines Macron, am ehesten vielleicht noch Frank Thelen. Aber auch in Frankreich formiert sich Protest: Über das Internet haben sich die Gelbwesten oder wie wir Frankreich-Kenner sagen: Le mouvement des gilets jaunes formiert und veranstalten seit drei Wochen entspannte Protest-Spaziergänge im ganzen Land. Das klappt bisher ganz gut! Vor allem, wenn man bedenkt, dass, sobald sich Deutsche in Facebookgruppen organisieren, am Ende immer so ungeile Sachen rauskommen wie der "Trauermarsch" in Chemnitz oder die Scharia Polizei in Wuppertal.

Was können wir Deutschen nun konkret tun, wo können wir unserem französischen Nachbarn in dieser wirren politischen Gemengelage helfen? Das können meiner Meinung nach ganz einfache Dinge sein: In Hamburg und Berlin organisieren sich beispielsweise zur Stunde G20-erprobte Twitter-Influencer_innen, die gemeinsam mit dem VW Bulli nach Paris fahren, um dort Sparkassen zu putzen – Prima! Und auch an einem anderen Geschenk führt meines Erachtens kein Weg mehr dran vorbei: Wenn es uns ernst ist mit der Deutsch-Französischen Freundschaft, wenn uns Macrons Worte von Ende November ("Frankreich liebt Deutschland!") irgendetwas bedeuten, dann müssen wir den Hamburger Polizeidirektor Hartmut Dudde wieder ausbuddeln und nach Paris schicken (als Geschenk). Ein gerader und ehrlicher Typ aus dem Norden: Nur er kann die Proteste demokratisch und mit Augenmaß wieder in geordnete Bahnen lenken.

Und zu guter Letzt: Gelassen bleiben. Auch online. Viele Journalist_innen haben jahrelang ihr Frankreich-Auskennertum (wirres Zeug über irgendwelche innenpolitischen Sachen; Namen, die keiner kennt; in jedem Artikel fünfmal Grande Nation erwähnen) zelebriert, Tweets ins Internet gedrückt und jahrelang sind die Dinger bei 4 bis 5 Likes verhungert. Jetzt schlägt ihre Stunde. Gönnen wir ihnen diesen Moment.

Und drücken wir die Daumen, dass Emmanuel Macron der Laden nicht um die Ohren fliegt. Das wäre kein gutes Signal für Europa.

Au revoir und bis in zwei Wochen,

Euer:

Dax Werner

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Leute ... von Paula Irmschler

Schwarzer Humor

Leute,

neulich habe ich einen kennengelernt, der machte in schwarzem Humor, den nicht jeder versteht. Normaler schwarzer Humor kam für ihn nicht in die Tüte, es musste wirklich einer sein, der schon auch mal wehtut.

Schwarzer Humor einfach.

Auch mal wirken lassen.

Die einen kennen ihn, die anderen können ihn.

Doch keiner kann ihn ab.

"Ich kann nicht anders", rabaukte er mir saufend ins Gesicht, "das kommt alles einfach so aus mir raus". Er sei nicht für jeden etwas, der schwarze Humor, den nicht jeder versteht. Manchmal sei er sogar ziemlich deftig und durchaus auch mal richtig krass. Jeder, der ein Problem mit ihm habe, solle sich doch erstmal an der eigenen Nase packen. Und der darf dann auch alles, der schwarze Humor, den nicht jeder versteht. Genial war der Moment, als er auf der WG-Party, auf der ich ihn traf, auf die Social Justice Warriors komplett schiss, die sich beschwerten, weil er den Hitlergruß machte. Mutig, wie er "Haha, getriggert!" ausrief, als er Vergewaltigungswitze über die anwesenden Frauen machte. Sweet, wie er den arabisch aussehenden Menschen im Raum die Ausreise nahelegte. Beeindruckendes Ding ebenfalls, einfach den Roflcopter anzuschmeißen, als Leute seinen AfD-Ausweis fanden. Aber wir verstanden nur nicht. Und auch die Polizei, die ihn wegen Rumfuchtelns mit geladener Waffe noch am selben Abend einkassierte, ist ein trauriger humorloser Haufen, der es schlichtweg nicht ertragen kann, wenn es zur Abwechslung auch mal in die andere Richtung geht. Als ich dann noch kurz darauf in den Zeitungen von seinem aberwitzigen mass shooting las, konnte mich wirklich nichts mehr halten. Und Gänsehaut pur war dann am Ende nur noch angesagt während seiner Machtübernahme mit den anderen Jungs.

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Nur kein Gedäh! – von Martin Knepper


Vom Frauenschuh lernen



Vornehmster Sinn der Anschaffung eines Kleintiers ist in jungen Familien die Heranführung der Kinder an Empathie, Fürsorge und die Auseinandersetzung mit dem Tod. Denn kurz bemessen ist das Leben eines Hamsters, einer Zwergmaus, und ist es vorbei, so mögen die Erziehungsberechtigten auf das steife Etwas im Käfig deuten und sagen: "Und wie der Sittich, so dereinst Opa Klaus, Tante Hedwig, wir, ja sogar du, mein Kind!" An der meist kurz bemessenen Trauer reift der junge Mensch und exerziert die Stadien des Abschieds durch. Was aber bei Tierhaarallergie oder dem Unwillen der Beteiligten, ein Lebewesen zu pädagogischen Zwecken sein kurzes Leben hindurch einzukerkern? In solchen Fällen tut es auch eine Zimmerpflanze. Man schenke dem Knirps zum Beispiel eine Orchidee, sei es Kanarenstendel, Kahnlippe oder Frauenschuh. Ohne allergenen Haarwuchs wird das Stirb und Werde demonstriert: Prachtvoll strotzend aus der Eihülle der Obiverpackung geschlüpft, kündet schon bald nur noch ein darrender Strunk von einstiger Schönheit. Dann wird kalkarm und liebevoll weitergewässert, das letzte schlaffe Grün erhaltend, bis im kommenden Jahr die Maschinen abgeschaltet und die florale Tante Hedwig unter großem Hallo der Tonne überantwortet wird. Und wem über der Vegetationsphase die Zeit immer noch zu lang wird, dem sei als Weihnachtsgabe eine Leberwurstpatenschaft anempfohlen.

Aktuelle Startcartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Vorbildlich, Landwirtschaftsminister Cem Özdemir,

finden wir ja Ihren Vorstoß, Containern zu legalisieren. Wir hoffen allerdings doch sehr, dass dies nicht schon die von Ihnen als »Deutschlanddiät« angekündigte Kampagne für bezahlbares Essen ist?

Muss auch so genug Müll schlucken: Titanic

 Eine Frage, Dating-App Bumble …

Welchen Sinn hat es, dass Du in einer Werbung eine Nutzerin Deines Dienstes wahnsinnig davon beeindruckt zeigst, dass ein Lukas laut eigenen Angaben »Abenteuer und Kaffee« liebt? Was möchtest Du uns damit vermitteln, dass sie ihn sofort anschreibt und ein Treffen vorschlägt? Willst Du uns unbedingt den langweiligsten Typen andrehen, den es auf Deiner Plattform gibt? Oder ist das – bedenkt man die begeisterte Reaktion der Frau – etwa noch der interessanteste, den du zu bieten hast?

Sind vor der Antwort trotz Kaffee eingeschlafen:

Deine anspruchsvollen Großstadtsingles von der Titanic

 Hmmm, Ex-FIFA-Boss Sepp Blatter,

zu Ihrer Rolle bei der Vergabe der Männerfußball-WM an Katar sagen Sie heute: »Die Leute stellen sich Einflussnahme immer wie in Gangsterfilmen vor – mit Koffern voller Geld, die an einem geheimen Ort übergeben werden. So war das aber nicht.« Ach: So war das nicht – na dann! Eine Frage, Blatter: Wie sehr mussten Sie sich konzentrieren, um nicht versehentlich die Beschaffenheit der besagten Geldkoffer und den Übergabeort zu beschreiben?

Fragen sich

Ihre Detektiv/innen von Titanic

 Wie wenig, »Spiegel«,

muss man eigentlich tun, um von Dir als nicht rechts entlastet zu werden? Liest man Deine Reportage über die SPD-Bundestagsabgeordnete Isabel Cademartori, wohl sehr wenig. Denn dort schreibst Du, Cademartori sei »keine Rechte. Sie steht für eine diverse Gesellschaft, wenn bei Veranstaltungen Altherrenwitze gerissen werden, rollt sie mit den Augen.« Oha, mit den Augen rollt sie, na dann. Lass uns raten: Wer Zunge schnalzend an einem brennenden Flüchtlingsheim vorbeiläuft, ist kein Nazi, und wer »pfft« macht während einer AfD-Kundgebung, kein Faschist?

Presst entschieden die Lippen aufeinander: Titanic

 Ihnen, Steve Jobs,

Ihnen, Steve Jobs,

wird es wahrscheinlich egal sein, aber wir wollten Sie dennoch informieren, dass Ihr Vermächtnis auf Erden recht vielgestaltig ausgefallen ist. So lasen wir bei stern.de: »Alte Schlappen für über 20 000 US-Dollar: Birkenstock-Sandalen von Steve Jobs stehen zum Verkauf.«

Dieser Reliquienhandel ist übrigens ein wahres Geschäftsmodell geworden: »Die Schuhe sind nur ein kleiner Teil von Jobs’ mehr oder weniger freiwilligem Nachlass. Seine Angestellten leerten die Mülltonnen offenbar mehrfach gründlich. Die Beute habe man mit den Gärtnern, Freunden oder Second-Hand-Geschäften geteilt.« Sollte es nun bald an Ihren Sargdeckel klopfen, Jobs, dann wissen Sie: Da braucht wer Nachschub. Aber als Ex-CEO kennen Sie sich ja aus mit der dubiosen Beschaffung von Ressourcen!

Grüße ins ewige Business von Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Taktik für 8

Besuch bei Tante und Onkel, beide sehr betagt. Beim Scrabblespiel liegen sie zu Beginn etwas zurück, es fallen ihnen nur kurze Worte wie »EIN« ein. Nach dem abgeschmetterten Versuch, den schon daliegenden Artikel »DER« in das zusammenhängende Wort »DERRABE« zu verwandeln, bekommt das Spiel eine Wendung: Die Senioren entdecken den S-Buchstaben und den Genitiv für sich und heimsen viele Punkte ein mit »MOPSES«, »STRUMPFLOCHS«, »RATTENZAHNS«, alles ist wieder offen …

Miriam Wurster

 Täter-Opfer-Umkehr

Nächte im Krankenhaus sind nie besonders schön. Diesmal aber war es der reine Horror. Mein hochmodernes Bett ließ sich nicht um einen Millimeter verstellen, egal, wie oft und wie verzweifelt ich immer wieder auf die Tasten der Fernbedienung drückte. Und die Tatsache, dass alle paar Minuten eine arme Seele im Nebenzimmer vor Schmerzen laut schrie und jammerte, machte die Situation nicht besser. Am nächsten Morgen klärte mich das Pflegepersonal darüber auf, dass ich nicht zu dumm zum Drücken einer Taste sei, sondern dass es sich einfach um die falsche Fernbedienung gehandelt habe, nämlich um die eines anderen Bettes! Jetzt finde ich: Auch wenn man frisch operiert die ganze Nacht komplett ferngesteuert in seinem Bett hin- und her- und hoch- und runtergefahren wird, ist das noch lange kein Grund, so zu schreien, dass die anderen Patienten nicht schlafen können.

Martina Werner

 Konsequent

Wer Ananas sagt, muss auch Abnabnabs sagen!

Daniel Sibbe

 Lasst mich in Ruhe!

Sollten jemals Zeitreisen möglich sein, müsste man fast Mitleid mit dem jungen Hitler haben. Ohne etwas getan zu haben, würde er in ständiger Angst leben, weil andauernd Fremde versuchten, ihn umzubringen.

Karl Franz

 Waldbaderegel Nr. 1

Nicht vom Waldrand springen!

Tom Breitenfeldt

Vermischtes

Erweitern

Das schreiben die anderen

  • 10.01.: "Der Teufel vom Dachboden" – Eine persönliche Pardon-Geschichte in der Jungen Welt von Christian Y. Schmidt.
  • 13.12.:

    Anlässlich des 85. Geburtstages Robert Gernhardts erinnert Christian Y. Schmidt in der Jungen Welt an den Satiriker und Vermieter.

  • 26.10.:

    Chefredakteurin Julia Mateus spricht über ihren neuen Posten im Deutschlandfunk, definiert für die Berliner-Zeitung ein letztes Mal den Satirebegriff und gibt Auskunft über ihre Ziele bei WDR5 (Audio). 

  • 26.10.:

    Julia Mateus erklärt dem Tagesspiegel, was Satire darf, schildert bei kress.de ihre Arbeitsweise als Chefredakteurin und berichtet der jungen Welt ein allerletztes Mal, was Satire darf. 

  • 26.10.:

    Ex-Chef-Schinder Moritz Hürtgen wird von Knut Cordsen für die Hessenschau über seinen neuen Roman "Der Boulevard des Schreckens" interviewt (Video) und liest auf der TAZ-Bühne der Buchmesse Frankfurt aus seiner viel gelobten Schauergeschichte vor (Video). 

Titanic unterwegs
10.02.2023 Reutlingen, Franz K Thomas Gsella
19.02.2023 Aschaffenburg, Kirchnerhaus Thomas Gsella
22.02.2023 Berlin, Universität der Künste Martin Sonneborn
28.02.2023 München, Heppel und Ettlich Moritz Hürtgen