Newsticker

Nur diese Kategorie anzeigen:Meinung Eintrag teilenEintrag per Email versenden Mit Facebook-Freunden teilen Twittern mit Google+ teilen

Leute ... von Paula Irmschler

Kneipengabi

Am Wochenende waren meine Freunde und ich wieder bei ihr: bei der guten, alten, rassistischen Keipenfrau um die Ecke. Um jede Ecke. Urig und ehrlich ist es bei ihr. Alles ist aus Holz, man darf noch rauchen, nein, man muss rauchen, sonst wird man vor die Tür gesetzt, weil man nur Hipster ist und nicht wirklich am Arsch. Die Gläser sind dreckig, die Salzstangen weich, die Deutschlandfahne alt (sehr alt), die Witze von Fips und die Musik rockig-schlimm. Ihre großen Brüste streicheln einen bei der Bestellung im Gesicht oder liegen auf der Theke, manchmal sogar mit ihr dran, et is einfach herrlisch. Und weil sie so skeptisch gegenüber unserer Generation ist, haben wir lustigerweise aufgeschrieben, was sie sagt. Ohne, dass sie davon weiß natürlich.

"Bring uns schon ma 'ne Runde Kölsch, Gabi-Rita, und sag uns mal, was du von Facebook hältst!"

"Abstand! Sag isch mal so gerade raus. Und ich heiße übrigens Petra-Kerstin. Namen sind für mich Schall und Rauch. Facebook oder wie dat heißt, wat? Hätte es bei uns früher nicht gegeben. Wir hatten ja kein Internet. Wat wollt ihr mal trinken, ihr Lüttn? Wie immer?"

"Nu!"

"Jut, hier lecker Gaffel, ne. Aber nit wieder beschweren. Ich sachet mal so. Früher is man noch in die Kneipe gegangen, um sich kennenzulernen, heute machen ja alle dieses Smartphone. Ich seh et ja auch hier in meiner Klause, da sitzen die jungen Leute rum und starren nur auf diese Dinger. Für mich ist dat nix. Mein Sohn hat mir auch mal so eins gekauft, dat hab ich ihm aber direkt wieder um die Ohren gepfeffert. Ich konnt da mit meinen Fingern gar nit. Wollt ihr noch was, ich hab hier noch Grasovka."

"Saufen!"

"Gib mal den Deckel. Manni, kütt ma her. Du hast doch dieses Facebook. Manni, jetzt kütt doch mal. Ach, der Manni, hört wieder nicht. Vielleicht besser so, der labert eh nur Unsinn, wa. Einmal waren wir im Urlaub 1987, und da wurden wir rausgeschmissen aus einer Kneipe, weil der Manni sich mit einem angelegt hat wegen der Jukebox. Apropos, ich mach mal wat an, dat wird euch jefallen. So, und jetzt nochmal herzlich willkommen in meinem bescheidenen Reich, einmal anstoßen. Hier werden ja alle geduzt, wir sind alle gleich. Die Jukebox funktioniert bei uns ja nicht mehr, die hat der Ralle gestern zerdeppert, das gab einen Stress, sag ich euch. Fast wie damals 1987. Hier bekommt man echt einiges mit. Ich muss nit studiere, um dat Leve zu begreifen. Jeden Tag komm se hier rein, die Leut. Mit ihren Geschichten. Letztens kamen hier die ... na ja, ihr wisst schon, die Leute, unsere neuen Mitbürger. Ich hab da ja nix gegen, wir sind aller Kinder Gottes oder wie man sagt. Also, ich glaube nich an Gott, aber ihr wisst, was ich mein. Manni, weißt du noch als die Ausländer letztens hier waren? Manni, jetzt kütt doch mal. Na ja, jedenfalls der Manni, der war ja skeptisch. Hat die jefragt, ob se Skat mitspielen wollen. Wollten se nicht. Aber dat warn nette Jungs. Die wollten einfach nur ein Bierchen trinken und dann sind se auch wieder gegangen. Zum Glück. Stress können wir hier nicht gebrauchen. Wir haben ja schon den Ralle, der reicht uns, hahaha. Meine Tochter hat auch dieses Facebook oder wie dat heißt. Die macht dann immer so Fotos, den janzen Tach."

Gute Idee. Sandra-Bärbel hat so alte Ü-Eier-Figuren. Die fotografierten wir schön für Insta und dann mussten wir leider auch wieder.

"Kommt mal wieder, ne. Und passt auf euch auf. Und macht mal weniger mit die Handys. Der Manni sacht dat auch."

Manni ist der Radiomoderator von dem Sender, der in der Kneipe läuft, und seit 20 Jahren tot.

Kategorie: Meinung



Eintrag versenden Newstickereintrag versenden…
Felder mit einem * müssen ausgefüllt werden.

optionale Mitteilung an den Empfänger:

E-Mail-Adresse des Absenders*:

E-Mail-Adresse des Empfängers*
(mehrere Adressen durch Semikolon trennen, max. 10):

Aktuelle Startcartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Du, Mey & Edlich,

preist ein sommerlich überteuertes Leinenhemd mit den Worten an: »Stellt bei Hitze keine Fragen.« Und bei Kälte? Wispert es da herbstlich aus der Achsel: »Könnte mal bitte jemand das Fenster schließen?« oder »Warum macht die Knopfleiste nicht einfach ihren Job, die faule Sau?« Wäre für uns das ganze Jahr ein Kaufargument!

Deine Modeflüster/innen von der Titanic

 Soso, Hendrik Wüst (CDU)!

Nachdem Kanzler Scholz angeregt hatte, Schwerverbrecher/innen auch nach Afghanistan abzuschieben, forderten Sie die Bundesregierung dazu auf, »in den sauren Apfel zu beißen« und baldigst mit den Taliban Kontakt aufzunehmen.

Smarter Move! Spitzen Sie also doch auf eine Kanzlerkandidatur? Stellen Sie sich vor, wie Scholz persönlich bei den Taliban vorspricht und wegen irgendeines kulturellen Fauxpas (Liedchen gepfiffen, Gattin nicht ausgepeitscht, Lyonerstückchen im Mundwinkel) ein Weilchen länger als geplant bei seinen Verhandlungspartnern bleiben darf? Und nur stückchenweise in seine Heimat entlassen wird? Wir möchten Ihnen aber natürlich keine gewissenlosen Gedanken unterstellen (außer jenen, Menschen einem islamistischen Folterregime überantworten zu wollen)!

Würde ungeachtet der Partei alle politischen Wüstlinge in die Wüste schicken: Titanic

 Ciao, Gigi D’Agostino!

Ciao, Gigi D’Agostino!

Auf die Frage, ob Sie sich erklären könnten, warum die Rechten auf Sylt gerade Ihr Lied »L’amour toujours« ausgewählt hatten, antworteten Sie: »Keiner von ihnen wird meinen Song jemals ernsthaft gehört haben.«

Das stimmt, D’Agostino, aber liegt das nicht einfach daran, dass vermutlich kein Mensch jemals ganz bedacht, feierlich und seriös »L’amour toujours« gehört hat?

Fragt sich ernsthaft

Ihre Titanic

 Ey, Unbekannter!

Über Sie schreibt T-Online: »Mann masturbiert vor Frau im Zug«. Wie unhöflich! Noch nie was von »Ladies first« gehört?

Fragt gentlemanlike Ihre Titanic

 Du, »FAZ«,

betitelst in Deinem Wirtschaftsteil einen Artikel über bezahlbaren Wohnraum mit »Eine neue Waffe gegen Wohnungsnot«. Aber ist es volkswirtschaftlich überhaupt sinnvoll, überzählige Mieter/innen zu erschießen?

Ist da noch nicht ganz entsichert: Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Vorteil Mensch

In der Süddeutschen lese ich »Scholz will sich einschalten« und denke: Das kann die Künstliche Intelligenz noch nicht.

Jürgen Simon

 Helmut Kohls Erbe

Endlich beginnen auch in unserem Viertel die Bauarbeiten für den Glasfaseranschluss. Bis es soweit ist, lässt die Leis ung des urzeitlich n Kupfe k bels a l rdi gs m hr de n je z wü sc n übr

Teresa Habild

 Beim Marktstand mit dem schlechten Verkäufer

»Entschuldigung, dürfte ich die zwei Gurken da hinten links haben und drei kleine Äpfel?«

»Nein!«

Laura Brinkmann

 Körper-Wunder Mensch

Wussten Sie schon, dass Finger- und Zehennägel den Hauptteil ihres Wachstums ausgerechnet in der Zeit, während der man nicht hinsieht, absolvieren? Man lernt nie aus …

Theobald Fuchs

 Im Rahmen

meiner Arbeit als Psychiater musste ich einmal eine Dame untersuchen, die leider dement, aber dennoch sehr feinsinnig und geistreich war. Ich überprüfte standardmäßig die örtliche Orientierung und fragte, in welchem Land wir seien. Sie spekulierte, es könne Island sein, musste aber einräumen, dass sie es nicht wisse. »Kennen Sie denn die Stadt?« versuchte ich es mit der nächstkleineren Kategorie.

Da schaute sie mich an und sagte: »Hören Sie mal, junger Mann, wenn ich noch nicht mal weiß, in welchem Land wir uns befinden, werde ich die Stadt ja wohl erst recht nicht wissen!«

Robert Friedrich von Cube

Vermischtes

Erweitern

Das schreiben die anderen

Titanic unterwegs
17.07.2024 Singen, Gems Thomas Gsella
19.07.2024 Hohwacht, Sirenen-Festival Ella Carina Werner
04.08.2024 Frankfurt/M., Museum für Komische Kunst Die Dünen der Dänen – Das Neueste von Hans Traxler
04.08.2024 Frankfurt/M., Museum für Komische Kunst »F. W. Bernstein – Postkarten vom ICH«