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Meditation und Markt mit Dax Werner

Das Jahr der Meinung – Der Dax-Werner-Meinungscheck!

Liebe Meinungsfreunde,

2018 war schon ein sehr guter Jahrgang, aber dieses Jahr wird aus meiner Sicht alles toppen, das hier wird das „Jahr der Meinung“. 2019 ist gerade mal drei Kalenderwochen alt und wir hatten schon sehr geile Debatten und Meinungen zu Nazi-Magnitz, Daten-Doxxing, dem unsichtbaren Kantholz und: Kretzschmar. Der Ex-Handballstar Stefan Kretzschmar aus dem schönen Leipzig hat nämlich in einem Interview auf T-Online.de (!?) einige interessante Überlegungen zum Thema Meinungsfreiheit in Deutschland angestellt. Sozusagen eine Meta-Meinung zum Thema Meinungen, glaube ich. Ich persönlich habe es mir zwar nicht angeguckt (Ad-Block), aber natürlich auch eine Meinung dazu. So wie auch einige Prominente und Angestellte, die für Bild.de heute zu ihrer Meinung zum Thema Meinungsfreiheit befragt wurden. Teaser: „Deutschland diskutiert: Darf man bei uns noch sagen, was man denkt?“ Die Jungs im Axel-Springer-Haus wissen einfach, wie man Meinungs-Junkies wie mich mit dem ersten Satz abholt! Ich habe mir die wichtigsten Meinungen aus dem Artikel mal angeguckt – und natürlich auch meine Meinung dazugeschrieben. Willkommen beim großen Dax-Werner-Meinungscheck!


Til Schweiger: „Stefan hat total recht. Wenn man populäre Meinungen vertritt, dann kriegt man sofort die Populisten-Keule. Wenn man einen Aufruf für eine Familie von einem gefallenen Soldaten postet und Geld sammelt, dann kriegt man Stress von der Linken. Und wenn du sagst, du musst Flüchtlingen helfen, kriegst du Stress von der Rechten.“

Dax Werner: Ich finde, Til hat total recht. Stress im Internet ist immer scheiße, egal ob von links oder rechts! Und Meinungen auch! 8 von 10 Hasenohren für diese Meinung!


Felix Magath: „Wenn ich einen Werbevertrag unterschreibe, dann muss ich mich im Sinne der Firma verhalten. Aber in Zeiten von Fake-News und der Macht einiger Medien ist es natürlich schwieriger geworden, mit anderen Meinungen durchzudringen. Da ist eine Schieflage entstanden.“

Dax Werner: Bodenständig rustikaler Einstieg (Vertrag ist Vertrag), mysteriöse Brücke: „Macht einiger Medien“ – welche Medien meint Magath? „Bild“ kann es ja nicht sein. Dann noch en passant „In Zeiten von Fake-News“ eingebaut: Starke Meinung, die nachhallt. 10 von 10 Meinungspunkten.


Mario Basler: „Kretzsche hat prinzipiell recht. Man hat schon den Eindruck, dass viele diplomatisch und vorsichtig antworten, weil es sonst Stress geben könnte. Ich lass mir aber nichts verbieten und sage was ich denke. Und habe auch keine Probleme mit meinen Leuten oder Werbepartnern.“

Dax Werner: Klassische Bananenflanke von Super-Mario. Einzige Einschränkung: Wenn du keine Werbepartner hast, kannst du natürlich auch keine Probleme mit deinen Werbepartnern bekommen. 4/10.


Anna Loos: „Das ist Quatsch. Ich sage immer meine Meinung und meine Kunden lieben das. Man muss schon ein bisschen nachdenken, also den Kopf auch gerne mal einschalten und nicht nur den Bauch sprechen lassen.“

Dax Werner: Mir egal, wie es die Kunden von Anna Loos finden, aber ich finde es wirklich nicht in Ordnung, wie Frau Loos in ihrem Statement den gesamten Berufsstand der Bauchredner unter Generalverdacht stellt – meine Meinung.


Tom A. (angeblich Installateur aus Hamburg): „Die eigene Meinung kann einem in Deutschland ganz schnell negativ ausgelegt werden. Bist du unter Freunden, sind sich alle einig. Da kannst du auch mal deine ehrliche Meinung zum Beispiel beim Thema Ausländer und Kriminalität sagen. Sagst du das laut bei der Arbeit oder zu Menschen, die du nicht gut kennst, bist du sofort der Rassist und kommst aus der Schublade nicht mehr raus.“

Dax Werner: Wer kennt es nicht: Man sagt einfach nur ganz normal seine Meinung zum Thema Ausländer oder Kriminalität und schon gilt man „sofort als der Rassist“. Vielleicht liegt das ja einfach daran, dass man tatsächlich ein Rassist ist. 0/10.


Sophia Thomalla: „Ich störe mich nicht an dieser Debatte. Ich suche den Konflikt, will dass die Leute heiß diskutieren, was ich von mir gebe, und kann auch harte Kommentare ab. Ich bin aber auch unabhängig. Ich kann übrigens diese weichgespülten Sportler nicht mehr sehen. Authentisch ist was anderes.“

Dax Werner: Starke Meinung. Man spürt sehr deutlich, wie sich absolute finanzielle Unabhängigkeit durch passives Nebeneinkommen ab 3k aufwärts (Stichwort Jürgen-Höller-Intensiv-Sommercamp 2014) anfühlen muss. 15 Till-Lindemann-Punkte, keep rocking, Sophia!


Silke Finken (51), Kaufmännische Angestellte aus Bergheim (NRW): „Ja, es kann schaden, wenn man seine Meinung sagt. Es kommt aber auch auf das Thema und die Art an, wie Kritik geäußert wird. Ich habe das selber schon mal erlebt. Einer meiner damaligen Vorgesetzten wies mich nach einer Kritik im Internet dezent zurecht.”

Dax Werner: Spannend wäre es hier zu wissen, um welches Thema es genau bei der Internet-Meinung von Silke Finken ging, aber ich habe da so einen Verdacht. 7 liebe Grüße nach Bergheim!

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Nur kein Gedäh! – von Martin Knepper

Mutti was a Rolling Stone

In Illustrierten gibt es die galabunten Homestorys, die Teil eines Deals zwischen Presse und Stars sind: Campino zeigt sein Gästeklo, auf das alle Mitglieder der Toten Hosen samt Tontechniker gleichzeitig passen, und darf dafür über seine Kernanliegen Fußball, Gerechtigkeit und Menschbleiben reden. Ozzy Osbourne zeigt seinen begehbaren Medikamentenschrank und räsoniert dafür über begehbare Medikamentenschränke und Fledermäuse. Aber von den Rolling Stones habe ich so etwas noch nie gelesen. Bergen ihre Wohnungen finstere Geheimnisse? Hat Mick Jagger Brian Jones zur Hutablage präparieren lassen? Schläft Charlie Watts in einem Tank mit flüssigem Stickstoff? Nichts weiß man. In dieser Mythenumrauntheit ähneln sie Angela Merkel, von der außer ein paar Kartoffelsuppeleaks nur unscharf Privates ans öffentliche Auge dringt: A. M. kauft am Späti einen Harzer und zwei Bier, A. M. und Gespons bei einer Wanderung, das Foto so televerwackelt, dass man an Big-Foot-Sichtungen denkt. Überhaupt halte ich es nicht für ausgeschlossen, dass alle einem matrixmäßigen Trug unterliegen und wir schon seit Ewigkeiten von den Rolling Stones regiert werden. "Paint it black" und "You can't always get what you want" hätten uns Hinweis genug sein können.

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Nur kein Gedäh! – von Martin Knepper

Within you, without you

Da sind Musiker, die trotz bescheidenen Erfolgs zu Lieblingen der Kritiker werden, die New York Dolls und Yo La Tengo zum Beispiel, während es andere zu Publikumsmagneten bringen, ohne vor der Kritik je große Gnade zu finden, Limp Bizkit oder Andrea Berg etwa. Und dann gibt es noch die Beatles, die alle, alle gut zu finden scheinen, weshalb sie auch gerne als Vergleichsgröße genommen werden. The Clash als Beatles des Punk, Kraftwerk als Beatles des Techno (New York Times), Magnum Double, Magnum Intense Dark, Magnum Mandel, Magnum Weiß als die Beatles des Stieleis. Da drängt sich die Frage auf, wer die Beatles der Parteien sein mögen? Schnell wird man merken, das können nur die Grünen sein. Nicht um Hofreiters Haare oder Özdemirs Sitarspiel willen, doch wie bei den Beatles kennt man eigentlich nur Leute, die die Grünen richtig gut oder ganz furchtbar finden. Dass jemand das White Album Atomausstieg töfte findet, Revolver Bildungspolitik hingegen schon nach "Taxman" aus dem Laufwerk nimmt - schwer vorstellbar. Und bei beiden ist es so, dass die Hater fast immer entweder ganz furchtbar beschränkte oder hochinteressante Menschen sind, oft ist es sogar so, dass die Beatleshasser die mit der besten Plattensammlung sind. Das gesteht man ihnen auch bedingungslos zu, und wirft, wieder zu Hause angekommen, die Knopfzellen vom Hörgerät in den Mülleimer, nicht ohne dabei Eleanor Rigby zu singen.

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Meditation und Markt mit Dax Werner

Erlebnisgutschein Deutschland

Liebe Jesusfreaks! Wenn die blau angelaufenen Finger beim Twittern plötzlich abbrechen, weil man wieder mal stundenlang in einem Fantasie-Bahnhof wie Opladen, Leichlingen oder Nottuln-Appelhülsen feststeckt und auf dem Weihnachtsmarkt Nutella-Crêpes für schmale 7 Euro hinterhergeworfen bekommt, dann spürt man's mal wieder sehr deutlich: Es ist Jahresendfest-Zeit!

Zeit, kurz inne zuhalten und das Jahr 2018 vor dem inneren Auge nochmal in achtfacher Geschwindigkeit ablaufen zu lassen. Deepdive. Wo war schon viel Schönes dabei, was geht vielleicht sogar noch besser? Auch im Privaten. Und da gibt es eine Sache, wo wir – denke ich – noch mal gesamtgesellschaftlich nachkalibrieren müssen: Immer wieder lese ich in den sozialen Netzwerken konsumkritische Posts, es gibt sogar Leute, die sich und anderen am 24. Dezember so gar nichts schenken wollen, die keine Lust mehr haben auf den "Weihnachtswahnsinn", die einem lieben Menschen "auch so etwas schenken können" und dafür keinen "besonderen Feiertag" brauchen.

Davon abgesehen, dass meine Eltern ohne diesen "besonderen Anlass" wohl niemals auf die Idee gekommen wären, mir ein Nintendo zu schenken, stört mich noch etwas anderes an diesem Underperformer-Mindset: Nein, diese Kritik am Einkaufen ist weder marktkonform noch demokratisch, sondern bringt einzig und allein die schwarze Null in Gefahr! Wer glaubt, mit selbstgebastelten Geschenken, gutem Willen und Nicht-Angriffspakten unterm Tannenbaum die Deutschland AG auf Kurs zu halten, hat sich mental schon längst aus der Solidargemeinschaft verabschiedet. Jedes Jahr geben sich liebe Menschen im Silicon Valley und in Südkorea viel Mühe, um für uns immer größere und teurere Geräte herzustellen: Warum in Herrgottsnamen können wir uns diese nicht einfach ohne zu murren kaufen und nach Hause liefern lassen? Überschüssige I-Phones kann man doch auch wieder wegwerfen? Wer sein Kind die Anziehsachen seiner älteren Geschwister auftragen lässt, anstatt neue, coole Anziehsachen bei Otto.de mit 48 Monatsraten zu finanzieren, handelt nicht nachhaltig, sondern verstößt meiner Meinung nach gegen die Europäische Menschenrechtskonvention. Das Konsum-Mindframe hat Deutschland mit die besten Jahre beschert (Stichwort Wirtschaftswunder und Ordoliberalismus). Zeit, dass dies auch in den Köpfen der Menschen ankommt.

Es geht mal wieder um unser Land.

Gesegnetes Fest,

Euer Dax Werner

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Leute ... von Paula Irmschler

Kneipengabi

Am Wochenende waren meine Freunde und ich wieder bei ihr: bei der guten, alten, rassistischen Keipenfrau um die Ecke. Um jede Ecke. Urig und ehrlich ist es bei ihr. Alles ist aus Holz, man darf noch rauchen, nein, man muss rauchen, sonst wird man vor die Tür gesetzt, weil man nur Hipster ist und nicht wirklich am Arsch. Die Gläser sind dreckig, die Salzstangen weich, die Deutschlandfahne alt (sehr alt), die Witze von Fips und die Musik rockig-schlimm. Ihre großen Brüste streicheln einen bei der Bestellung im Gesicht oder liegen auf der Theke, manchmal sogar mit ihr dran, et is einfach herrlisch. Und weil sie so skeptisch gegenüber unserer Generation ist, haben wir lustigerweise aufgeschrieben, was sie sagt. Ohne, dass sie davon weiß natürlich.

"Bring uns schon ma 'ne Runde Kölsch, Gabi-Rita, und sag uns mal, was du von Facebook hältst!"

"Abstand! Sag isch mal so gerade raus. Und ich heiße übrigens Petra-Kerstin. Namen sind für mich Schall und Rauch. Facebook oder wie dat heißt, wat? Hätte es bei uns früher nicht gegeben. Wir hatten ja kein Internet. Wat wollt ihr mal trinken, ihr Lüttn? Wie immer?"

"Nu!"

"Jut, hier lecker Gaffel, ne. Aber nit wieder beschweren. Ich sachet mal so. Früher is man noch in die Kneipe gegangen, um sich kennenzulernen, heute machen ja alle dieses Smartphone. Ich seh et ja auch hier in meiner Klause, da sitzen die jungen Leute rum und starren nur auf diese Dinger. Für mich ist dat nix. Mein Sohn hat mir auch mal so eins gekauft, dat hab ich ihm aber direkt wieder um die Ohren gepfeffert. Ich konnt da mit meinen Fingern gar nit. Wollt ihr noch was, ich hab hier noch Grasovka."

"Saufen!"

"Gib mal den Deckel. Manni, kütt ma her. Du hast doch dieses Facebook. Manni, jetzt kütt doch mal. Ach, der Manni, hört wieder nicht. Vielleicht besser so, der labert eh nur Unsinn, wa. Einmal waren wir im Urlaub 1987, und da wurden wir rausgeschmissen aus einer Kneipe, weil der Manni sich mit einem angelegt hat wegen der Jukebox. Apropos, ich mach mal wat an, dat wird euch jefallen. So, und jetzt nochmal herzlich willkommen in meinem bescheidenen Reich, einmal anstoßen. Hier werden ja alle geduzt, wir sind alle gleich. Die Jukebox funktioniert bei uns ja nicht mehr, die hat der Ralle gestern zerdeppert, das gab einen Stress, sag ich euch. Fast wie damals 1987. Hier bekommt man echt einiges mit. Ich muss nit studiere, um dat Leve zu begreifen. Jeden Tag komm se hier rein, die Leut. Mit ihren Geschichten. Letztens kamen hier die ... na ja, ihr wisst schon, die Leute, unsere neuen Mitbürger. Ich hab da ja nix gegen, wir sind aller Kinder Gottes oder wie man sagt. Also, ich glaube nich an Gott, aber ihr wisst, was ich mein. Manni, weißt du noch als die Ausländer letztens hier waren? Manni, jetzt kütt doch mal. Na ja, jedenfalls der Manni, der war ja skeptisch. Hat die jefragt, ob se Skat mitspielen wollen. Wollten se nicht. Aber dat warn nette Jungs. Die wollten einfach nur ein Bierchen trinken und dann sind se auch wieder gegangen. Zum Glück. Stress können wir hier nicht gebrauchen. Wir haben ja schon den Ralle, der reicht uns, hahaha. Meine Tochter hat auch dieses Facebook oder wie dat heißt. Die macht dann immer so Fotos, den janzen Tach."

Gute Idee. Sandra-Bärbel hat so alte Ü-Eier-Figuren. Die fotografierten wir schön für Insta und dann mussten wir leider auch wieder.

"Kommt mal wieder, ne. Und passt auf euch auf. Und macht mal weniger mit die Handys. Der Manni sacht dat auch."

Manni ist der Radiomoderator von dem Sender, der in der Kneipe läuft, und seit 20 Jahren tot.

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Nur kein Gedäh! – von Martin Knepper

Sagt an, kennt ihr den Nikolaus? 

Fährt bienenemsig durch die unverschneiten Gassen, mit einem gelben, braunen, und wenn alle Beteiligten Pech haben, auch einem blauen Schlitten und bringt für kargen Lohn Geschenke. Ganz müd geworden ist der Nikolaus vom Ausfüllen all der Abholkarten, denn die Menschen sind nicht zu Hause, weil sie für neue Gaben arbeiten müssen. Und all die Knechte und die Elfen vom Nikolaus, die arbeiten in den Paketgruben für kleinen Lohn bei Tag und Nacht, und ihr Herr und der vom Nikolaus, der ist der reichste Mensch auf diesem Erdenrund, so reich, dass er nicht einmal Haar und Bart benötigt. Damit jedoch der Nikolaus, wenn er in ferner Zukunft mal so müde ist, dass er all die Pakete nicht mehr heben kann, noch Speis und Trank hat, legt er jeden Monat von seinem kargen Lohn ein paar Rentiertaler zurück, damit er Anteile an den Paketgruben kaufen kann; denn so sagt ein Talerphilosoph aus dem Sauerland, wo all der Schnee und all die Elfen wohnen: Wer Aktien kauft, der muss nicht darben, wenn des Lebens Winter kommt. Der Nikolaus ist ein armer Narr.

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Meditation und Markt mit Dax Werner

Gib Reformen jetzt, Geiler!

Die Menschen vergessen zu schnell. Wer kann sich heute noch dran erinnern, dass Emmanuel Macron Frankreich und Europa 2017 mit seiner beispiellosen Bewegung En Marche vor der rechtsradikalen Marine Le Pen gerettet hat? Ich schon! Und auch daran, welchen Hustle und Spirit der liberale Beau seither hingelegt hat: Umverteilung von unten nach oben und coole Zitate, die den einfachen Franzosen von der Straße eigentlich bis unter die Haarspitzen motivieren müssten: "Der beste Weg, um sich einen Anzug kaufen zu können, ist arbeiten zu gehen!" oder "Französische Arbeiter sollten weniger auf die Barrikaden gehen, streiken und Fabriken blockieren, sondern sich lieber eine neue Arbeit suchen, wenn ihr Betrieb schließt!"

Schade, dass dieser regelrecht akzelerationistische Approach weder in Deutschland noch in Frankreich so richtig verstanden wird. Gut, hierzulande haben wir ohnehin keine Denker vom Format eines Macron, am ehesten vielleicht noch Frank Thelen. Aber auch in Frankreich formiert sich Protest: Über das Internet haben sich die Gelbwesten oder wie wir Frankreich-Kenner sagen: Le mouvement des gilets jaunes formiert und veranstalten seit drei Wochen entspannte Protest-Spaziergänge im ganzen Land. Das klappt bisher ganz gut! Vor allem, wenn man bedenkt, dass, sobald sich Deutsche in Facebookgruppen organisieren, am Ende immer so ungeile Sachen rauskommen wie der "Trauermarsch" in Chemnitz oder die Scharia Polizei in Wuppertal.

Was können wir Deutschen nun konkret tun, wo können wir unserem französischen Nachbarn in dieser wirren politischen Gemengelage helfen? Das können meiner Meinung nach ganz einfache Dinge sein: In Hamburg und Berlin organisieren sich beispielsweise zur Stunde G20-erprobte Twitter-Influencer_innen, die gemeinsam mit dem VW Bulli nach Paris fahren, um dort Sparkassen zu putzen – Prima! Und auch an einem anderen Geschenk führt meines Erachtens kein Weg mehr dran vorbei: Wenn es uns ernst ist mit der Deutsch-Französischen Freundschaft, wenn uns Macrons Worte von Ende November ("Frankreich liebt Deutschland!") irgendetwas bedeuten, dann müssen wir den Hamburger Polizeidirektor Hartmut Dudde wieder ausbuddeln und nach Paris schicken (als Geschenk). Ein gerader und ehrlicher Typ aus dem Norden: Nur er kann die Proteste demokratisch und mit Augenmaß wieder in geordnete Bahnen lenken.

Und zu guter Letzt: Gelassen bleiben. Auch online. Viele Journalist_innen haben jahrelang ihr Frankreich-Auskennertum (wirres Zeug über irgendwelche innenpolitischen Sachen; Namen, die keiner kennt; in jedem Artikel fünfmal Grande Nation erwähnen) zelebriert, Tweets ins Internet gedrückt und jahrelang sind die Dinger bei 4 bis 5 Likes verhungert. Jetzt schlägt ihre Stunde. Gönnen wir ihnen diesen Moment.

Und drücken wir die Daumen, dass Emmanuel Macron der Laden nicht um die Ohren fliegt. Das wäre kein gutes Signal für Europa.

Au revoir und bis in zwei Wochen,

Euer:

Dax Werner

Aktuelle Startcartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Gruselig, »FAZ«!

Man sagt ja, dass Print tot sei. Du scheinst das zwar zu bestätigen, aber zu Deinem Vorteil zu nutzen, um, glaubt man Deiner Schlagzeile »Schäuble nennt weitere Details zur CDU-Spendenaffäre«, brisante Informationen direkt aus der Gruft zu erhalten! Zu so viel journalistischer Einsatzbereitschaft gratuliert todernst

Deine Titanic

 Aha, Altkanzler Schröder-Gerd!

Aha, Altkanzler Schröder-Gerd!

Im großen Bunte-Interview haben Sie das Geheimnis Ihrer Gesundheit preisgegeben: Gute Ernährung mit Obst, Nüssen und Hafermilch, Currywurst und Wein dagegen nur noch selten. Doch auch Ihre politische Einstellung scheint bei Ihrer Frische eine Rolle zu spielen. Die Vermutung der Bunten, dass Sie sich langweilen würden, wenn »Ruhe einkehren würde«, sei nicht ganz falsch: »Wahrscheinlich würde mir die Herausforderung fehlen, wenn sich keiner mehr an mir reibt.«

Also deshalb, Schröder, stehen Sie seit Jahrzehnten unverbrüchlich an Putins Seite – damit dessen Kritiker/innen Ihnen ordentlich Feuer unterm Hintern machen und Sie schön den Puls oben halten können!

Wird einiges klar: Titanic

 Ach so, Jella Haase!

Ach so, Jella Haase!

Auf das Thema patriarchale Strukturen in der Filmbranche angesprochen, sagten Sie: »Frauen sind Teil meiner Filmfamilie geworden.«

Wir freuen uns schon auf Ihre nächsten Interviews mit ähnlich aussagekräftigen Zitaten wie: »Stühle sind Teil meiner Einrichtung geworden«, »Kohlenhydrate sind Teil meiner Ernährung geworden« oder »Dämliche Statements rauszuhauen, ist Teil meiner Tätigkeit als Schauspielerin geworden«!

Grüßt erwartungsvoll: Ihr Briefeteil der Redaktionsfamilie Titanic

 Oh no, Kölner Brautpaar!

170 Fotos hat der von Dir engagierte Fotograf auf Deiner Hochzeit geschossen, und dann haben gerade die allerwichtigsten gefehlt – die mit den Luftballons drauf, die Gruppenfotos und noch ein paar andere. Statt dem Idioten nun seinen USB-Stick samt der gespeicherten Fotos zu zerstampfen, einfach die Rechnung nicht zu bezahlen oder anonyme Beschimpfungen gegen diesen Stümper ins Internet zu klopfen, wie es erwachsene Menschen tun würden, zogst Du, so entnehmen wir der Kölner Lokalpresse, vor Gericht. Die Forderung: mindestens 2000 Euro Schmerzensgeld. Der Grund: »Enttäuschung und Trauer«.

Und was, Kölner Brautpaar, machten die Rohlinge vom Amtsgericht Köln? Wiesen Deine Klage ab. Denn »geringfügige Beeinträchtigungen des seelischen Wohlempfindens« lösten »keinen Schmerzensgeldanspruch« aus.

Unfassbar! Was hast Du da empfunden? Noch mehr Enttäuschung? Noch tiefere Trauer? Fein, dann weißt Du ja, welche Schweine Du als Nächstes verklagst. Und sei nicht enttäuscht und traurig, wenn Du nun durch ganz viele Instanzen oder sogar bis zum Jüngsten Gericht gehen musst. Denn zwei Dinge sind für eine lange und glückliche Ehe schließlich ganz wichtig: 1. gemeinsame Projekte und 2. gemeinsame Hassobjekte.

Tipp von Deiner alten Junggesellin Titanic

 Stark, Bürgerbewegung Finanzwende!

Dass CumEx-Chefermittlerin Anne Brorhilker ihren Job als Oberstaatsanwältin aufgibt und stattdessen bei Eurem zwar ehrenwerten, aber vergleichsweise machtlosen Verein anheuert, war, wie Ihr in Eurem Newsletter mitteiltet, auch für Euch eine »Riesenüberraschung«.

Irritiert hat uns allerdings die dortige Zusammenfassung Eurer Ziele: »Gemeinsam arbeiten wir für Finanzmärkte, die uns allen dienen. Gegen Finanzkriminalität und Ungeheuerlichkeiten wie CumEx. Und dafür, dass Überschuldete nicht mit ihren Problemen alleine gelassen werden, dass die Schufa ihre Marktmacht nicht ausnutzt und dass öffentliche Gelder weiter intransparent und klimaschädlich angelegt werden können.« Na, wenn Ihr Euch dafür einsetzt, finden wir Eure Machtlosigkeit gar nicht mehr so schlimm!

Arbeitet für und gegen alles und jeden: Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Bräunungstagebuch 2017

Normalerweise kennt meine Haut nur drei Farbtöne: Glasnudel, Aschenbecher und Hummer. Zu meinem 37. wollte ich mal was Verrücktes machen und kaufte mir eine Flasche Bräunungscreme. Weil ich diese grandiose Idee im wärmsten August seit Beginn des Klimawandels hatte, kam ich von der Creme bald übel ins Schwitzen. Da saß ich nun auf der Couch, mit macchiatobraunem Leib und leuchtend gelbem Bart, triefend und hechelnd mit offenem Hemd, wie der sehr späte Jürgen Drews. Mein Verlangen nach Abenteuer war danach jedenfalls gestillt.

Dominik Wachsmann

 Neue Metaphern braucht das Land

Selbst wenn mir der Klimawandel egal ist, kann ich das angesichts der verdorrten Wälder und Felder leider nicht mehr damit veranschaulichen, dass »nach mir die Sintflut« kommen könne.

Tibor Rácskai

 Should I stay or should I go?

Kurz vor meinem ersten Backpacker-Urlaub seit dreißig Jahren habe ich beim Befüllen des Kulturbeutels festgestellt, dass statt der fünfunddreißig Kondome, die ich als Teenager in Erwartung amouröser Begegnungen eingepackt und natürlich originalverschweißt wieder mit nach Hause gebracht hatte, nun Tablettenschachteln, Cremes, Salben, Pflästerchen, Nahrungsergänzungsmittel und massenhaft Tütchen mit Gel gegen saures Aufstoßen das Gros meines Waschtascheninhalts ausmachen. Mein Problem: Bei aller Ernüchterung ist die Gewissheit, dass ich dieses Mal jedes einzelne Teil aufreißen und hemmungslos zur Anwendung bringen werde, für mich schon wieder so aufregend, dass ich am liebsten zu Hause bleiben würde.

Patric Hemgesberg

 Frage an die bovine Orthopädie

Haben Buckelrinder überhaupt eine Chance, je die Haltungsform »Premium« zu erreichen?

Torsten Gaitzsch

 Verrücktes Kapitalismus-Experiment

Was würde wohl passieren, müssten alle Soldaten ihre Munition selbst bezahlen?

Katharina Greve

Vermischtes

Erweitern

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