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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Ein Stürmer

Ich hatte gar nicht vor, das „Zeit“-Magazin ungelesen dem Altpapier zu überantworten, ich kaufe die „Zeit“ so gut wie nie und lasse mich auch mal überraschen. Die bei lockerer Durchsicht aus dem Augenwinkel erhaschte Titelzeile der Kolumne von Harald Martenstein, zirka „Warum man heute keine Meinung mehr haben darf“, ließ aber anderes als Wegschmeißen nicht zu, ich habe, bitte, meine Grenzen, und dass Martenstein hochdotiert sagen darf, man dürfe nichts mehr sagen, muss reichen.

Interessant und glücklich eingerichtet aber, dass die SZ ihre Reportageseite ebenfalls dem Thema gewidmet hatte, und zwar mit völlig anderem Tenor. Das war eine Überraschung, ist doch etwa Klutes Hilmar mit Martenstein ganz einer Meinung. Boris Herrmann nun, ehedem Südamerika-Korrespondent und wahrlich kein Linker, hat sich umgehört und nachgefragt und ist zu dem Ergebnis gekommen: Den linken Meinungsterror gibt es nicht, und das Problem sind nicht vermeintliche Sprechverbote, sondern dass alle ihre Meinung elektronisch auskrähen können. Es gibt also nicht zuwenig Meinung, sondern zuviel. Der Text bezieht sich u.a. auf eine Infratest-Umfrage, wonach die Hälfte der Ostdeutschen glaubt, dass es heute sowenig Meinungsfreiheit gebe wie in der DDR. Herrmann hat nun Leute gefragt, die sich mit Umfragen auskennen; die haben den Kopf geschüttelt. „Zwei angeblich so alarmierende Umfragen – die eine wurde überinterpretiert, die andere komplett falsch verstanden.“ Herfried Münkler, ebenfalls kein Kommunist, spricht von „Selbsthysterisierung der Gesellschaft“. Die Parole vom Sprechverbot, weiß der Text, ist eine zentrale rechte.

„Keine Fragen, einfach mitziehn“ Mark Forster, 2016

Martenstein nun, dessen Kolumne, die ich aus dem Altpapier zurückholt habe, mit vollem Namen „Über die Feinde der Freiheit und die Angst, seine Meinung zu äußern“ heißt, hat es sich einfacher gemacht. Er hat nicht nachgefragt, sondern wiedergekäut, denn sein Publikum, das mit der „Zeit“ von links nach rechts gewandert ist, will wieder sagen, was es denkt, etwa dass die Juden unser Unglück sind oder Tunten ekelhaft: „Hauptwaffe gegen die Meinungsfreiheit ist der Shitstorm. Die Moderatorin Barbara Schöneberger war unvorsichtig. Sie hat öffentlich zugegeben, dass sie es nicht mag, wenn Männer sich schminken. Nach einem Shitstorm musste sie sich dafür entschuldigen. Wo leben wir?“

Musste Schöneberger sich entschuldigen? Oder hat sie sich entschuldigt, weil sie wollte? Man denkt und redet ja viel Blödsinn zusammen, wenn der Tag lang ist, und heute wird davon das meiste veröffentlicht. Vielleicht möchte man sich dann entschuldigen, weil sich Leute ja nicht immer nur zu Unrecht beschweren. Martenstein will aber, dass man alles sagen kann, ohne dass sich wer beschwert. Er will, dass man nicht mal mehr auf den Gedanken kommt, eine Reaktion sei möglich, weil sie unnötig ist in der besten aller Spießerwelten. Etwas verantworten, und sei’s eine Äußerung, will weder die Bourgeoisie noch das ihr angeschlossene Kleinbürgertum, und also ist nicht das SUV die Gewalttat, sondern die Nachricht unter dessen Scheibenwischer („Ihr Auto ist zu groß“), die Axel Hacke neulich sehr folgerichtig totalitär fand.

Dass man nichts mehr sagen dürfe, ist die halb projektive, halb autoritärsüchtige Umformulierung von Schernikaus „ende der mitteilungen“: Im geschlossenen System bleibt nichts zu sagen. Also beruft sich Marte auf eine Vorsitzende des Verbandes „Die jungen Unternehmer“, die geäußert habe: „Wir durchleben gerade eine Art Übergangszeitalter von einer freien in eine totalitäre Welt.“ Und daran haben die jungen und alten Unternehmer natürlich nicht den allermindesten Anteil, sondern einzig die mit den Einwänden, also ich, der weiß, wer den Wind macht, in dem die Scheiße so verlässlich weht.

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Schöne alte Welt

Ein gutes FAZ-Wort ist „rechtskonservativ“. Rechtskonservativ, das ist Gauland oder Netanjahu; normal- als nämlich liberalkonservativ, das ist die FAZ, und die hat in London einen Korrespondenten, und der trägt eine moderne Glatze samt moderner Brille und stellt seinen Text zum britischen Labour-Wahlkampf unter einen modernen Titel: „Klassenkampf mit Corbyn: Vorwärts in die Vergangenheit!“ Denn „mit der Verheißung einer schönen, neuen Welt staatlicher Fürsorge will der Labour-Chef die britischen Wähler vom Brexit ablenken. Mehr Sozialismus war lange nicht.“

Es gibt ja bekanntlich mehrere Universen. Das FAZ-Universum ist eines davon: „… bedient sich Corbyn schamlos linkspopulistischer Feindbilder. Eine Stimme für den von ihm versprochenen ,echten Wandel’ sei ein Votum gegen ,die Reichen und Mächtigen’, gegen das ,korrupte System’, das sich im Land breitgemacht habe, gegen ,Banker, unseriöse Vermieter und Millionäre’, kurz: gegen ,das Establishment’“, als wäre das schuld an irgendwas. Ausgerechnet! Die, die auf den weichen Stühlen sitzen, die mit Macht und Geld und Einfluss, wie könnten die schuld an irgendwas sein; es ist schlicht unlogisch:

„Dass im Vereinigten Königreich einiges aus dem sozialen Lot geraten ist, lässt sich schwer bestreiten. Trotz des pulsierenden Arbeitsmarktes sind viele Menschen, vor allem im Norden Englands, in prekäre Verhältnisse abgerutscht. Jeder fünfte Brite lebt mittlerweile unter Bedingungen, die an Armut grenzen.“ Wo nicht ganz einfach Armut sind; und in jedem anderen Universum würde nun die Linie gezogen von einem Arbeitsmarkt, der trotz (eigentlich freilich: wegen) Pulsierens prekäre Verhältnisse schafft, zu einem korrupten System der Reichen und Mächtigen. Im Frankfurter Allgemeinen Universum hingegen muss es schamlos liberalpopulistisch werden, damit die, die was merken könnten, es nicht zu merken brauchen: „Es ist daher nicht auszuschließen, dass Corbyns Verheißung einer schönen neuen Welt die Sorgen um den Brexit verdrängen und auf fruchtbaren Boden fallen. Ob der Labour-Vorsitzende mit seinem klassenkämpferischen ,Manifesto’ einen Weg aus der Krise der linken Volksparteien weist oder nur ein letztes, verzweifeltes Aufbäumen vorführt“, das muss sich der Jochen Buchsteiner nicht beantworten, denn es liegt ja auf der Hand: Eine schöne neue Welt (wahrscheinlich denkt Buchsteiner, es wär’ dies was von Orwell, denn Huxley hat ja eher die Welt vom Buchsteiner beschrieben) ohne Banker und Millionäre, aber mit staatlicher Fürsorge, wie verrückt ist allein der Gedanke! Bzw. wer soll ihn, den Buchsteiner, denn dann bloß bezahlen?

„One believes things because one has been conditioned to believe them.“
Aldous Huxley, 1932

Da im FAZ-Universum unsere Gesetze der Logik aber nicht gelten oder nur dann, wenn wir nach dem Cui bono fragen, darf eine kurze Scrollstrecke die Seite hinab die Information stehen, jedes vierte Schulkind in Deutschland sei „psychisch auffällig“, vermutlich aus Angst vor zuviel staatlicher Fürsorge oder Gleichmacherei. Andernorts lasen wir von Trump und davon, dass sie in diesem Ausschuss sagen und belegen und bezeugen können, was sie wollen, es schade Trump kein Stück, weil die, die an ihn glauben, sich für die Wahrheit nicht den Hauch interessierten. Darüber schütteln wir dann den Kopf. So was aber auch. 

Die Wahrheit ist freilich ebenfalls, dass Corbyn antisemitisch auffällig geworden ist. Ist sie auch nicht schön, die Welt, so ist sie immerhin alt.

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Hell, Yes

Schön, ich habe den besten Beruf der Welt: Ich ärgere mich, und dann habe ich die Gelegenheit, meinen Ärger nicht nur in die Welt zu posaunen, sondern bestenfalls zu etwas zu machen, was den Ärger wert war. Das kann auch nicht jeder.

Andererseits habe ich den schlimmsten Beruf der Welt: weil der Ärger nie aufhört und es sturheil immer weitergeht, als hätte ich nie ein Wort verloren. In Jugendzeiten verbrachte ich Ferienzeit einmal in einem Türenlager: Türen wurden angeliefert, mussten in die Regale, andere Türen wurden benötigt, mussten aus den Regalen. So ging es tagein, tagaus, und ich bitte, das mit dem „schlimmsten Beruf“ als schriftstellerische, recht eigentlich sehr anmaßende Übertreibung zu buchen.

Aber schon sind wir beim Thema. Ich lese ein Buch, finde es fürchterlich, schreibe eine Rezension, und bevor ich sie absende, fällt mir ein, bei Perlentaucher zu sehen, was anderen so aufgefallen ist. Es ist ihnen allen das Gleiche aufgefallen: was für ein tolles Buch es sei. Es sei geradezu großartig, vor allem glanzvoll geschrieben.

Nun lässt sich über Geschmack angeblich nicht streiten. Aber erstens stimmt das nicht, und zweitens gibt es in Texten ganz objektive Fehler. Wenn der Erzähler in einem Roman, der 1970 spielt, einen Satz sagt wie: „Das geht gar nicht“, dann geht das gleich zweimal nicht und ist erstens ein Indiz dafür, dass der Autor nicht weiß, was eine Phrase ist, und ihm zweitens ein Begriff davon fehlt, dass Sprache ihre Zeit hat. Wenn ein Erzähler 1970 „dufte“ sagt, geht es an, wenn er es 1930 tut, nicht, und was wie das kleinste denkbare Einmaleins klingt, ist vielen schon zu groß.

Das Problem, wäre es eins von und an Stellen, ließe sich durch Lektorat (wo es das überhaupt noch gibt) aus der Welt schaffen. Eher ist aber ganze Prosa durchseucht von Phrase als jenem fehlendem Schritt beiseite, der über Mittel und Zwecke Bescheid wüsste und die Rede der Apparate nicht für den Maßstab hielte. Das tut nicht einmal der Sechzehnjährige, der in seinem ersten, nach fünf Seiten abgebrochenen Romanversuch wie Siegfried Lenz oder Charles Bukowski klingen will, und so, nämlich anders klingen zu wollen ist allemal weniger verächtlich, als überhaupt nicht mehr klingen zu wollen, sondern bloß noch reproduzieren zu können.

„etwas anderes kam nie vor, immer nur das was war, kein kleinster schritt hinaus. dieses war es, das das leben zu etwas machte, das ich niemals ertrug, zu einer hölle.“ Schernikau, 1989

Es gibt in Prosa nichts Übleres; es gibt heute auch nichts Erfolgreicheres, und Adorno wusste wieder mal warum: „Nur, was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen für verständlich; nur das in Wahrheit Entfremdete, das vom Kommerz geprägte Wort berührt sie als vertraut. Weniges trägt so sehr zur Demoralisierung der Intellektuellen bei.“ „erstaunlicherweise“, schreibt Ronald M. Schernikau in seinen immer wieder phantastischen „Tagen in L.“, „bedeuten die wörter ja etwas über ihren gegenstand hinaus“, aber das sollen sie nicht mehr; sie sollen bloß den Gegenstand kennzeichnen, eine Geschichte als Stoffliches transportieren. „verinhaltlichung von kunst“ nennt Schernikau das. Eine Kunst aus Inhalt ist aber keine.

Das gab es freilich immer schon; Tucholsky kannte mehr als nur ein Buch, „das ich auswendig kenne, ohne es je gelesen zu haben.“ Schlimm ist die mittlerweile fast vollständige Geschlossenheit der Reihen derer, die doch dazu da wären, dass ihnen etwas auffiele. Aber es soll ihnen nichts mehr auffallen, und es kann ihnen vielleicht auch nichts mehr auffallen. Erfolgreiche, massenpublikumsnahe Bücher müssen gelobt werden, denn ihre Kundschaft ist die Kundschaft der Rezension. Das System ist geschlossen, und niemand erfährt mehr, was und wie es anders ginge; dass die Phraseure, die Verinhaltlicherinnen Schullektüre werden, liegt in der Logik der Sache.

Kunst, als Transzendentes, ist das Nichtkonforme, Verstörende, darin Beglückende und darum zu missachten; ihr Gegenteil ist die immanente, zu reproduzierende Hölle. Ein Heizer dort heißt Denis Scheck, und dass er Scheck heißt, ist ein angemessen vulgärer Wink.

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Denk dir nix

Allzuviel hab ich im Leben leider nicht gelesen, und vielleicht war selbst das zuviel. Gremliza, Hacks, Schernikau, Dath – hätt’ ich all das beiseite gelassen, ich müsst’ mich nicht immerzu wundern: darüber etwa, dass mir aus Tagesthemen und Heute-Journal in der Mauerfalljubiläumswoche unablässig das Wort „Freiheit“ entgegenstürzt, während der Rewe-Supermarkt jetzt „Tafel-Tüten“ an der Kasse stehen hat:. Für fünf Euro kann man einem sog. Bedürftigen eine Papiertüte mit Tiefkühlpizza und Schokokeks der hauseigenen Ja!-Marke schenken, weil staatliche Daseinsvorsorge durch Caritas und Almosenprinzip ersetzt worden ist. Auch fiele mir, hätte ich nicht soviel Mist gelesen, die wunderbare Doppelseite in der wunderbar liberalen „Süddeutschen“ nicht auf: Links, auf der Seite zwei, eine ganze Seite zum Hartz-Urteil des Bundesverfassungsgerichts, wonach im Sinne des ALG II straffällig Gewordenen nicht mehr bis zu 100 Prozent (!) des Allernötigsten gekürzt werden dürfen, sondern nur mehr 30; gleichwohl: „Die Karlsruher Richter billigen das Prinzip der Hartz-IV-Gesetze: Jobcenter können Leistungen kürzen, wenn jemand nicht mitzieht.“

Direkt nebenan auf der Seite drei dann wie bestellt und gleichfalls ganzseitig: „In der DDR-Diktatur wurden Schüler verfolgt – wegen ihres Glaubens oder weil sie sich nicht anpassten.“ Hätte ich, noch einmal, nicht gelesen, was ich gelesen habe, ich dächte mir nichts dabei: dass im freien Westen mit Billigung des höchsten Gerichts Leute staatlich geschurigelt werden, weil sie nicht mitziehen, und dass man im unfreien Diktatur-Osten Leute geschurigelt hat, weil sie nicht mitzogen; bloß dass sie im einen Fall nicht beim Kapitaldienst mitziehen (können), im anderen sich weigerten, jenen Christenglauben zu verleugnen, der nach dem Sieg des christlichen Abendlands reaktionäre Stimmungskanonen wie Göring-Eckart (Hartz IV ein „Bewegungsangebot“) und Joachim Gauck (Bundeswehr in alle Welt) ins Rampenlicht gerollt hat. Christlichen Schülern in der DDR wurde „Staatsfeindschaft“ vorgeworfen, mithin die feindlich-negative Einstellung zur Überzeugung, genau solche Leute dürften nie mehr etwas zu sagen haben; dass sie’s heute haben, verbaut nicht mehr jungen Christen die Zukunft, sondern anderen.

„Das Problem aller gegenwärtigen Propaganda ist, dass man dem Imperialismus, der mehr Grund zu Vorwürfen bietet als jede Gesellschaftsform sonst, gar nichts vorwerfen kann: weil ihm gelungen ist, den Leuten alle Kriterien für recht und unrecht, wahr und falsch, schön und hässlich aus den Hirnen zu waschen. Nichts gilt mehr, und wie argumentieren, wo nichts gilt? Das Waschmittel ist der Positivismus, die Wäscherei das Fernsehen. Es gibt Ausbeutung, es gibt Elend, es gibt Arbeitslosigkeit, es gibt Verweigerung von Gesundheit, es gibt Mietwucher, es gibt Bureaukratie, es gibt die Gewohnheit der öffentlichen Lüge, es gibt Krieg. Alle wissen es, keiner bezweifelts, und keinen störts.“ Hacks, 2000

Eine, die die Zukunft anders haben wollte, sitzt heute im glücklich befreiten Osten auf der Couch und quält sich, weil sie damals Kommunistin war: „Ich habe sogar die Mauer verteidigt.“ Das war schlimm, wenn man heute pensionsberechtigt im Warmen sitzt (Moral, schreibt Schernikau in der frisch wiederaufgelegten „Legende“, ist eine Folge der Fernheizung), könnte heute aber etwas weniger „fanatisch“ (Selbsteinschätzung der Lehrerin) dünken, wenn sich die Schere zwischen Arm und Reich mal wieder ein Stückchen weiter geöffnet hat und das im Fernsehen kommt und sich nicht trotzdem nichts ändert, sondern gerade deshalb. Aber es ist natürlich auch vieles besser geworden, denn als DDR-Journalistin hätte die Renate Meinhof bloß blind reproduziert, was sich in die allgemeine Auffassung fügt, statt kritisch-widerständig nachzuhaken: „Hat man Kinder für eine Idee geopfert? ,Ja, natürlich’, sagt sie (…). So wurde Stefan Gerber geopfert, und Tausende andere wie er.“

Der Hartz-IV-Regelsatz für Schulkinder beträgt 339 Euro. Jedes fünfte Kind in der BRD ist arm, vermutlich Hunderttausende haben noch nie etwas von irgendeiner „Mauer“ gehört. Wer Gremliza, Hacks, Dath gelesen hat, mag finden: So werden Kinder geopfert, für eine Idee, deren unübertrefflicher Vorteil es ist, nicht von Marx, sondern von Bertelsmann zu stammen.

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Heim ins Reich

Die Welt ist ja gar nicht so kompliziert, wie viele glauben, denn die einen haben und die anderen nicht, und daraus folgt alles andere. Dass sich im einzelnen nicht immer alles so leicht auflösen lässt, bedeutet nicht, dass nicht auch im einzelnen vieles einfach einfach wäre, wie selbst die mittlere Liga der politischen Analyse festzustellen nicht umhin kann: „Die Dinge sind kompliziert, die Fragen komplex, aber wer einen Nazi wählt, der darf sich nicht beschweren, Nazi genannt zu werden. Der Schuh, den ihr“, liebe AfD-Wähler, liebe AfD-Wählerinnen, „euch angezogen habt, ist ein Springerstiefel. P.S.: Bei der Linkspartei brennt vielleicht ein SUV – aber keine Synagoge.“

Sagt kein Höherer als „Stern“-Kolumnist Micky Beisenherz, und also darf die schlichte Tatsache, dass Nazis wählen einen zum Naziwähler macht, es auch beim gehobeneren Politfeuilleton langsam klingeln lassen, etwa dem der „Zeit“: „Nun ist es vielleicht im einzelnen müßig zu klären, woher die mentalen Verwahrlosungen stammen, die einen dazu bringen, für eine offen rassistische und offen antidemokratische Partei zu stimmen, nur weil der Bus nicht kommt oder ein Windrad den freien Blick auf eine Kuhwiese trübt. In etlichen Kommentaren zur Thüringen-Wahl aber wurde eine offensichtliche Erklärung einfach verworfen, indem es dort hieß: Knapp 24 Prozent hätten für die AfD gestimmt, obwohl an ihrer Spitze ein Rechtsextremer steht … Dass sie allein deshalb für Höcke stimmten, weil er ein Rechtsextremer ist, scheint den Kommentatoren wohl zu abwegig gewesen zu sein.“

Weil das ja bedeuten würde, dass ein gutes Drittel der Gesellschaft nicht nur in Umfragen zu einem mindestens in Teilen faschistischen Weltbild neigt, sondern ein Viertel, kommt’s drauf an, auch stramm Faschisten wählt, und das im antifaschistischsten Deutschland aller Zeiten. Geht’s im liberalen Morgenblatt aber um gescheiterte Integration, kriegen sogar zwei Drittel des leserbriefschreibenden Publikums Schnappatmung, weil die Kanaken, siehe Kopftuch, sich gar nicht integrieren wollen. Der Grund für den Nazi-Erfolg in Thüringen und anderswo, sagt ein Soziologe bei Spiegel online, ist nicht das Abgehängtsein, sondern Rassismus, und Rassismus, sagen nun kritische Theorie und Sozialforschung, ist der ausbeutenden Gesellschaft, in der die einen haben und die anderen nicht, so eingeschrieben wie sein enger Verwandter, der Antisemitismus.

„,Wo gehen wir denn hin?’ ,Immer nach Hause.’“ Novalis, 1802

Könnte also sein, dass den Nazi Höcke pressöffentlich einen Faschisten zu nennen nicht sowohl Aufklärung als die Lust an einer Dämonie bedeutet, die mit waltender Gesellschaft nichts zu tun zu haben braucht; wo die Nazis, die damals die Juden umgebracht haben, so plötzlich alle hergekommen waren, will ja bis heute niemand wissen. „In der Vorstellung des heilenden, weil zuvor angeblich versagten Zuhörens steckt die Selbstbezichtigungsbereitschaft einer liberalen Demokratie, die sich lieber selbst die Schuld an der Existenz von Rassisten … gibt, statt gegen diese rhetorisch entschieden vorzugehen“, heißt es in der „Zeit“ weiter. „Ein Verstehen bis zur Lächerlichkeit. Die Fetischisierung von Kommunikation als letzte hilflose Strategie. Als sei die Ausgrenzung von Antidemokraten so schlimm oder gar schlimmer, als es die Antidemokraten selbst sind.“ Ist es aber wahr, dass diese Antidemokratie fester Bestandteil der herrschenden Gesellschaft ist, dann ist diese Ausgrenzung weder praktisch noch überhaupt logisch möglich, und akzeptiert liberale Kritik diese Gesellschaft als eine im Grundsatz ideale, dann bleibt noch entschiedenstes rhetorisches Vorgehen ein rhetorisches, weil sich die Schuld, die sich die liberale Gesellschaft füglich gibt, nur um den Preis ihrer Überwindung begleichen ließe. (Ein Satz, der schauerlicherweise nicht nur aus linker Perspektive lesbar ist.)

Da jede Schuld Schuldige braucht, das Gesellschaftsmodell aber als nicht schuldfähig gilt (und, wer vom Faschismus redet, über Kapitalismus schweigt), muss das Zuhören und Angebote-Machen darüber hinwegtäuschen, dass es nichts zu bereden gibt und dass, so wie die Dinge liegen, der einzige Weg, die Wahlergebnisse von Faschisten zu senken, die volksparteiliche Übernahme ihrer Agenda ist. Die AfD, diese Retropartei, ist bis an die völkischen Ränder nichts anderes als die CDU/CSU der siebziger und achtziger Jahre, und wenn Strauß sagte, rechts von der Union dürfe es nichts geben, ging es ihm nicht ums Ausgrenzen von Antidemokraten, sondern ums genaue Gegenteil.

Und deshalb muss man ihnen zuhören.

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Klappe zu, Affe rot

Es empfiehlt sich ja immer, Tucholsky zu lesen: „In Berlin sucht die NSDAP seit Wochen Räume für ihren Parteitag. Die angefragten Gastgeber hätten Angst vor Anschlägen, 77 Absagen habe es schon gegeben, die Schadenfreude ist groß. Dabei kann man nur hoffen, dass die NSDAP bald fündig wird: Jeder weitere Tag der Suche bestätigt die Rechtspopulisten nur in ihrer destruktiven Verdrossenheit.“

Hat Tucholsky, der produktiv Verdrossene, natürlich nicht geschrieben, sondern, mit AfD statt NSDAP und ganz eigentlich, ein Jan Heidtmann im Morgenblatt, das, nachdem die Antifa eine Lesung von Thomas de Maizière blockiert und eine Vorlesung von Bernd Lucke gesprengt hatte, gern teaserte: „Was man noch sagen darf“, weil das so knisternd nach dem klingt, was Carolin Emcke, die mir noch richtig sympathisch wird, weiter hinten als „Morsezeichen der Denkfaulen“ apostrophierte: „,Politisch korrekt’ ist eine bloße Chiffre geworden“, mit der sich „reflexhaft alles abwehren lässt, was eingeübte Überzeugungen oder Habitus infrage stellen könnte“.

So wie die Antifa, könnte das liberale Gegenargument lauten, reflexhaft alles abwehrt, was wiederum ihre Überzeugung infrage stellt, weshalb der Heidtmann, ähnlich Kluten neulich, die gute Frage stellte, was „eigentlich aus der Tugend geworden“ sei, „Meinungen auszuhalten, die einem nicht gefallen“, eine Frage, die sich freilich bloß „linke Gruppen“ stellen sollen, die nämlich „immer öfter“ Politiker am Reden hindern. Mitte der neunziger Jahre gab es das aber an meiner Provinzuni schon, dass eine unliebsame Veranstaltung (war’s Peter Singer?, vergessen) von links attackiert wurde, wie doch auch das Sit-in eine ältere Erfindung ist; und man nicht finden wird, die Politikerrede werde z.Z. auf eine Weise eingeschränkt, dass der Diskurs, zumal der rechte, im Ernst drunter leidet. Die FAZ halluzinierte eben wieder lustvoll vom „ohnmächtigen Staat“, weil Verdächtige nicht mehr ohne anwaltlichen Beistand von der Polizei vernommen werden dürfen sollen, und auch dazu hätte der Jurist Tucholsky was zu sagen gehabt: Dass Verdächtige sich nicht selbst zu belasten brauchen, ist ein Recht, und ein Recht kann nicht aus praktischen, vielleicht sogar mild faschistoiden Erwägungen (FAZ: „Die Ermittler haben die Aufgabe, Straftaten aufzuklären. Dafür brauchen sie die Rückendeckung der Politik und keine weiteren Einengungen“) relativiert werden.

„Nicht immer. Aber immer öfter.“ Fa. Clausthaler, o.J.

Unabhängig nun davon, ob Lucke, der Migranten mal als „eine Art sozialen Bodensatz“ bezeichnet hat, ein Nazi und seine Vorlesung also „Nazi-Propaganda“ ist oder auch Luckes Meinung nur eine, die man sich gefallen lassen muss, wird der Staat des mehr oder minder freien Worts, allwo nach einer Beobachtung Leo Fischers „Tichys Einblick“ längst in Zahnarztpraxen ausliegt, so ohnmächtig schon nicht werden, dass er unter ein bisschen universitärem Radau auch nur ins lindeste Wackeln geriete. Vielmehr kann er übers dräuende Denkverbot um so lauter klagen, als „Politik ohne Denkverbote“ stets eine nach rechts schielende war, und ist über geistige Enge leicht lamentieren, wo die Luft überall immer knapper wird. 

Und darum „breitet“ sich laut Tagesthemen v. Donnerstag der Antisemitismus in Deutschland auch „aus“ (gab ihn ja vorher praktisch nicht; soviel zum freien Wort), ebenjener, der mit Adorno das Gerücht über die Juden ist. Eines davon lautet, sie verböten uns den Mund. Gäb’s auf der aktivistischen Linken nicht eine gelegentliche Vorliebe fürs Palituch, ’s wär’ glatt ein Fall von marxistisch-jüdischer Weltverschwörung.

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Aus dem Betrieb

Um die aktive Beteiligung an einem Autobahnstau nicht noch törichter zu machen, als sie es schon war, drehte ich den Deutschlandfunk rechtzeitig ab; mir fehlte das Bedürfnis, mich über die Frage informieren zu lassen, wie persönlich-moralisch „sauber“ Künstler sein müssten, es ging da um irgendeinen Kunstpreis, und ein sehr bedeutender Autor, von dem ich noch nie etwas gehört hatte, saß im Studio, und ich machte aus. Die Kunst vom Künstler trennen: Man muss es, aber man kann es nicht, mit dieser Arbeitsformel lässt sich, was mich betrifft, fürs erste auskommen.

Der überaus bedeutende Autor Saša Stanišić, der den überaus bedeutenden Deutschen Buchpreis abgekriegt hat, hat mit dem unfehlbaren Instinkt dessen, der weiß, wo es warm rauskommt, sein Bein gehoben und den frisch gekürten Nobelpreisträger Handke angepinkelt, von dessen Einlassungen, die Balkankriege betreffend, man halten mag, was man will, der im kleinen Zeh, ja noch im Wurmfortsatz (falls er den noch hat) aber mehr Künstler ist als Stanišić, ein Produzent von Urlaubslektüre für Netflix-Tote, der im Buchhandel deshalb Regale füllt, während man Handke, hat er nicht gerade einen Nobelpreis gekriegt, bestellen muss. Stanišić, wie mir in einem verwandten Zusammenhang auffiel, ist einer, „der immer mit Welpenblick in der Zeitung hockt und quengelt, er wolle nicht der Vorzeige-Immigrant sein, aber dann natürlich ein Buch namens ,Herkunft’ veröffentlicht, weil er nicht dumm genug ist zu glauben, es sei sein überragendes literarisches Talent, was ihm zu dicken Auflagen, Übersetzungen in alle Weltsprachen und den Einnahmen als Verfasser von Schullektüre verhilft.“ Und weil er nicht dumm genug ist, keilt er, mit dem evtl. korruptesten aller Quatschpreise im Rücken, gegen einen, der so sehr Kunst ist, dass es die Grenze zum Manierierten gern übertritt, der die Kunst aber nie ans Gewerbe verraten hat, weswegen sich, verglichen mit unserem Saša, gerechterweise kein Schwein mehr für ihn interessiert.

„ … aber ist nicht ohnehin jedes Formulieren, auch von etwas tatsächlich Passiertem, mehr oder weniger fiktiv? Weniger, wenn man sich begnügt, bloß Bericht zu erstatten; mehr, je genauer man zu formulieren versucht?“ Handke, 1972

Der aber wiederum hat keine Sekunde gezögert, den unermesslich Größeren wegen einer Sache hinzuhängen, die erstens politisch, zweitens zwanzig Jahre her ist und drittens den Vorzug hatte, gegen die veröffentlichte Meinung betrieben worden zu sein, für die Serben Mörder, Kroaten und Albaner hingegen brave, von völkischer Idiotie freie Zivilisten waren; und gehört auf einen groben Klotz ein grober Keil, dann ließe sich ja sagen, dass das, was bei Handke Quatsch war, immerhin ein Gegenquatsch war. Viele hätten sich in vielem damals „geirrt“, konzediert das Morgenblatt, und so kann man das natürlich auch sagen. Im Gegensatz zum Frankfurter Allgemeinen Ustascha-Freund Reißmüller und dem Brandbeschleuniger Genscher und dem Auschwitzverhinderer Jockel hat Handke seine Irrtümer wenigstens teilweise berichtigt.

„Es stellt sich weniger die Frage, ob man die Kunst vom Künstler trennen kann als die Frage, wer das kann“, notiert Kollegin Stokowski. „Denn einige können das ja offenbar ganz wunderbar. Der Reflex, auf der Trennung von Kunst und Künstler zu bestehen, ist umso stärker, je umfassender die eigene Bewunderung für den Künstler bisher war, und der Versuch, die Enttäuschung abzuwehren, umso vehementer, je stärker das eigene Selbstbild ins Wanken geraten könnte, wenn man sich eingesteht, wen man da verehrt (hat).“ Ich muss mir da nichts eingestehen, vielleicht weil ich dazu neige, Werke zu verehren, nicht ihre Urheber. („Ich wünschte, ich hätte das nicht gelesen“, schreibt Wolfgang Herrndorf, nachdem er unschön Biographisches über Proust – oder war’s Nabokov? – gelesen hat, und natürlich schmeißt er deswegen kein Buch aus dem Regal.) Ob den Nobelpreis der Schriftsteller erhält oder das, was er verschriftlicht hinterlässt, ist vielleicht eine philosophische Frage; keine ist, dass sich auch die Kritik nicht vom Kritiker trennen lässt und die Anwürfe von Konjunkturrittern und Öffentlichkeitsarbeitern der Liga Stanišić/Žižek den „verkommenen“ (Walter Boehlich) Betrieb, der Konformes für Konforme produziert, fördert, auszeichnet und für das Widerständige, das im Ästhetischen selbst liegen könnte, kein Auge und Ohr mehr haben will, auf wiederum erfreuliche, weil erhellende Weise zu sich selbst kommen lässt. „Wir belohnen Adjektive“, hat Stani höhnisch nach Stockholm getwittert, weil er nicht wollen kann, dass Literaturpreise was mit Literatur zu tun haben. Wo kämen wir da hin und vor allen Dingen:

er.

Aktuelle Cartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Brrr, Tilman Kuban!

Von der »Zeit« gefragt, welches Tier das politischste sei, wieherten Sie: »Als Niedersachse sage ich: das Pferd. Weil es sturmfest und erdverwachsen ist.«

Nun kann ein erdverwachsenes Pferd ja weder traben noch galoppieren. Streng genommen kann es sich gar nicht vom Fleck bewegen, tritt nur auf der Stelle. Damit haben Sie ein Bild geschaffen, das wahlweise als exemplarisch für den Zustand von CDU, SPD oder der Groko durchgehen könnte, was wiederum für einen Nachwuchspopulisten wie Sie gar nicht mal so schlecht ist.

Will jetzt trotzdem nicht weiter darauf herumreiten: Titanic

 Ach, Peter Tauber!

Ach, Peter Tauber!

Als Sie in Ihrer Funktion als Parlamentarischer Staatssekretär im Verteidigungsministerium sagten, die Bundeswehr bekomme nun, »was sie verdient«, da fingen wir sofort an zu träumen: eine komplette Neustrukturierung angesichts unzähliger Naziumtriebe? Einen ordentlichen Einlauf wegen der kriegsverherrlichenden Sprüche auf ihren Werbeplakaten? Oder gar eine zünftige Tracht Prügel für das Abfackeln von gut 1000 Hektar Moor in Meppen und den dabei verursachten Schaden von 100 Millionen Euro?

Aber nein, Sie sprachen natürlich nur von irgendwelchen modernisierten Panzern – die die Bundeswehr also noch mal womit verdient hat?

Will es lieber gar nicht wissen: Titanic

 Neuseeländische Supermarktkette »Countdown«!

Das ist mal eine schöne Nachricht, die Du in diesen kalten und ungemütlichen Zeiten von Dir hören lässt: Jeden Mittwochnachmittag bieten Deine Märkte fortan eine »ruhige Stunde« für Autisten und sensible Kunden an, mit gedimmtem Licht, leiserer Musik und leiseren Piep-Geräuschen an der Kasse. So löblich und unterstützenswert dieser Vorstoß ist, fragen wir uns doch, ob er nicht noch um andere Zielgruppen erweitert werden könnte: Eine zehnmal so große Supermarktvariante mit fußballfeldbreiten Gängen für Klaustrophobiker schwebt uns da vor; eine mit sehr engen Gängen und 20 Prozent Gefälle ausgestattete für Maniker; eine für Menschen mit multipler Persönlichkeit, in der es viel mehr Einkaufswagen gibt; sowie schließlich eine mit komplett leeren Regalen und defekten Kassen – für Kaufsüchtige.

In diesem Sinne: Mach »ruhig« weiter! Titanic

 »Heidegger Studies«!

Als wir erfuhren, dass Ihr in Eurer aktuellen Ausgabe einen Aufsatz mit dem Titel »Seinlassen des Mitdaseins aus dem Sein-zum-Tode?« veröffentlicht habt, stellte sich uns eine grundstürzende fundamentalontologische Frage: Könnt Ihr so was nicht einfach sein lassen?

Gruß vom mannigfaltigen Dasein auf der Titanic

 Auf die Plätze, fertig, los, niederländische Sprinterin Madiea Ghafoor!

Und zwar zum Haftantritt. Sie sind wegen Einfuhr von Drogen und Beihilfe zum Drogenhandel vom Landgericht Kleve zu einer achteinhalbjährigen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Laut Ihrem Verteidiger wollen Sie die Entscheidung jedoch anfechten, weil Sie davon ausgegangen waren, lediglich illegale Dopingsubstanzen im Auto gehabt zu haben, mit denen Sie sich für die diesjährige Leichtathletik-WM in Doha aufputschen wollten.

Das mag jetzt für Ihre weitere Karriere als Rundendreherin auf dem Knasthof ein echter Downer sein, aber Speed ist eben nicht gleich Speed!

Gefangen im Satirerausch: Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Amtlicher Claim

Slogan-Fragment für deutsche Bürgerämter: »Willkommen im Meldorado. Der Ort, an dem Sie uns Ihre neue Adresse geben – und wir sie mit zwei Fingern abtippen.«

Felix Scharlau

 Kundenbindung

Endlich den nie gelesenen Newsletter dieses Uhrenherstellers abbestellt. Und direkt bestätigt worden, ohne Moment-mal-Klickorgie, Bitte-nicht-Rumgejammer oder Warum-nur-Fragenkatalog. Einfach nur Danke und Tschüs. Da konnte ich nicht anders, als mich direkt wieder anzumelden.

Teja Fischer

 Knapp vorbei

Als Herr H. letztens aus einer Laune heraus die Unterpfaffenhofener Kathedrale betreten hatte, unternahm Gott einen erneuten Versuch, Herrn H. zu erleuchten, verfehlte jedoch sein Ziel. Dafür traf er ein paar der zum Altar führenden Stufen und einen Mülleimer, die seitdem mit naseweisen Bemerkungen den Gottesdienst stören. Das Pfarramt hat freilich eine Eingabe gemacht, die jedoch wie stets unbeantwortet blieb.

Tibor Rácskai

 Sehr kleine Gastronomiekritik

Diese Street-Food-Trucks sind auch nur die Tiny Houses der Restaurantwelt.

Julia Mateus

 Kulturkritik

Typisch – im Internet die Songs vorhören und dann doch die Vinyl-Platte beim kleinen Einzelhändler kaufen. Verratzte Hipsterbande!

Tina Manske

Vermischtes

Hans Zippert: "Fernsehen ist wie Radio, nur ohne Würfel"
Die steile Karriere des Hans Zippert begann im Jahr 1967 mit einem  Schülerpraktikum beim Kulturmagazin "TV Spielfilm". Nach einem  Volontariat bei "TV Direkt" übernahm er das angesehene 20-Uhr-15-Ressort  bei "TV Okayokay", bevor er schließlich Programmchef der auflagestarken  "TV Superwoche" wurde. Nachdem er über einen Bestechungsskandal rund um  eine 3-Sterne-Empfehlung für "Rote Rosen" stolperte, sah sich Zippert  1990 gezwungen, Chefredakteur von TITANIC zu werden. Der Tiefpunkt war  erreicht. Das alles und noch mehr erfahren Sie in diesem Buch!Serdar Somuncu: "H2 Universe: Die Machtergreifung", DVD
Er ist der selbsternannte Hassias – viel wichtiger aber noch: der designierte Kanzlerkandidat für Die PARTEI. Holen Sie sich jetzt die neue DVD von Merkel-Nachfolger Serdar Somuncu als Gratisprämie und stehen Sie damit schon vor der Machtergreifung auf der richtigen Seite. Ihre Kinder werden es Ihnen danken!
Zweijahres-Abo: 98,60 EURKamagurka & Herr Seele: "Cowboy Henk"
Er ist Belgier, Kamagurka. Belgier! Wissen Sie, was der Mann alles durchgemacht hat in letzter Zeit? Eben, er ist Belgier. Und hat trotzdem in einem Finger mehr Witz als Sie im ganzen Leib! Und Heldenmut! Glauben Sie nicht? Dann lassen Sie sich von Cowboy Henk überzeugen, dem einzigen Helden, der wirklich jeden Tag eine gute Tat begeht.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURSonneborn/Gsella/Schmitt:  "Titanic BoyGroup Greatest Hits"
20 Jahre Krawall für Deutschland
Sie bringen zusammen gut 150 Jahre auf die Waage und seit zwanzig Jahren die Bühnen der Republik zum Beben: Thomas Gsella, Oliver Maria Schmitt und Martin Sonneborn sind die TITANIC BoyGroup. In diesem Jubiläumswälzer können Sie die Höhepunkte aus dem Schaffen der umtriebigen Ex-Chefredakteure noch einmal nachlesen. Die schonungslosesten Aktionsberichte, die mitgeschnittensten Terrortelefonate, die nachdenklichsten Gedichte und die intimsten Einblicke in den SMS-Speicher der drei Satire-Zombies – das und mehr auf 333 Seiten (z.T. in Großschrift)! 
Zweijahres-Abo: 98,60 EURLeo Fischer + Leonard Riegel: "Fröhliche Hundegeschichten"
Ein Buch, bei dem Sie "Wau" sagen: Leo Fischer und Leo Riegel haben ihre Talente gebündelt und gemeinsam 1001 moderne Hundemärchen in Wort und Bild erschaffen. Zum Lesen, Lachen, Anknabbern! Und außerdem ein echter Lebensretter. Jedenfalls dann, wenn Sie Nacht für Nacht von einer dreiköpfigen Bulldogge heimgesucht werden, die Sie vor die knifflige Wahl stellt, ihr entweder eine "Fröhliche Hundegeschichte" vorzulesen oder den Arsch abgebissen zu kriegen. Ihre Entscheidung!Michael Ziegelwagner: "Der aufblasbare Kaiser"
Seit dem putzigen Präsidentschafts-Hahnenkampf zwischen Alexander Van der Bellen und Norbert Hofer interessiert sich plötzlich auch Resteuropa für das Land, um das es in diesem Buch geht: Österreich. Dabei ist der Donaustaat schon seit 2014 eine literarische Reise wert, jenem Jahr, als "Der aufblasbare Kaiser" für die Longlist des Deutschen Buchpreises nominiert wurde. Lassen Sie sich auf diese Reise mitnehmen: von Michael Ziegelwagner, dem liebenswertesten Randbalkanesen der TITANIC. Pflichtprämie für Kaisertreue!Elias Hauck (Hrsg.): "Alles Spargel oder was?"
Endlich ist ganzjährig Spargelsaison! Elias Hauck, die eine Hälfte von Hauck & Bauer und Herausgeber des Frauenmagazins "Sonja", serviert die reifsten Spargelwitze der Welt – gezeichnet und erzählt von dutzenden gemüseliebenden Cartoonisten und Autoren. Lachen Sie unter anderem über: den mit den polnischen Erntehelfern, den mit dem kaputten Spargelschäler und den mit der Fliege in der Hollandaise.Wenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURDie PARTEI-Wahlwerbungs-DVD mit allen vier Wahlwerbespots aus dem Bundestagswahlkampf 2005: Höhepunkte der Politpropaganda, die von Otto Schily mit dem Prädikat "ein Skandal" ausgezeichnet wurden. Besser aufgelöst als auf Youtube und noch dazu mit einer praktischen, farbechten Hülle drumrum - das ist doch was, was?
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Das schreiben die anderen

  • 03.12.:

    China Radio International berichtet u.a. über die Pre-Premiere des Buches "Der kleine Herr Tod" von Christian Y. Schmidt.

  • 03.12.:

    Die Taz über die gesammelten TITANIC-Kolumnen von Walter Boehlich.