Newsticker

Nur diese Kategorie anzeigen:Gärtners Sonntagsfrühstück Eintrag teilenEintrag per Email versenden Mit Facebook-Freunden teilen Twittern mit Google+ teilen

Gärtners kritisches Pfingstsonntagsfrühstück: Under Pressure oder Der Rest vom Fest

Mir fliegt viel zu, und ich habe drei Ablagen dafür: Eine ist der Papierkorb, die zweite das sog. Archiv (ein Leitzordner), und die dritte ist ein kleiner Stapel rechts von mir, wo im Zwischenreich Sachen liegen wie das Taschenbuch, das ich gestern aus einem der zahllosen Entrümpelkartons gezogen habe: „Trag immer ’ne saubere Unterhose! … und 31 weitere Möglichkeiten, wie deine Eltern dir sagen: ,Ich hab dich lieb!’“ Und das ich jetzt entsorgen kann, denn der Buchtitel richtet sich hoffentlich selbst. Gleich drunter wartet seit Montag, dem 21. Oktober 2019, eine mählich ins Gelbliche wandernde Zeitungsseite auf besondere Verwendung, und vielleicht verwende ich jetzt einfach mal: „Was wir ausbauen wollen, ist eine gute Art der Komplementärprogrammierung … Das Publikum bei Vox war sehr breit aufgestellt … Das ist ein anderes Mindset … Wir kommen in der Daytime von der weiblichen Seite, aber vor allem in der Primetime machen wir auf … Da ist das Thema Live-TV ein spannendes Alleinstellungsmerkmal … Aber eigentlich ist es ja auch mal ganz spannend, wenn was schiefgeht … Ich glaube da total dran.“ Sagen, neben vielem anderen, die Chefs von RTL und VOX und setzen sich hernach zum Duo-Foto auf ’ne Treppe, in Turnschuh und Supersmart Casual, wegen des kreativen Mindsets.

Die Leute, die die programmliche Bandbreite in Day- und Primetime dann zu sehen bekommen, gehen an einem Corona-Wochentag mit ihren Kindern in den Zoo und sind so angezogen wie daheim, nämlich wie Sascha Schwingel und Jörg Graf. Allerdings tragen Graf und Schwingel keine kurzen Hosen überm Wadentattoo. Im Zoo sind die meisten tätowiert, und die Familienväter, egal wie alt, tragen T-Shirts mit Sprüchen oder Werbung drauf. Die Frauen tragen Telefon. Während dreieinhalb Stunden Zoo sehe ich genau zwei Herren im Sakko, einer davon bin ich. Es ist ein wirklich olles, von meiner Änderungsschneiderin mit objektiver Rücksichtslosigkeit gekürztes, letztlich kaputtes Sakko, das aber das ist, was Frauenzeitschriften „Lieblingsstück“ nennen. In diesem Fetzen bin ich allerdings König. Es ist bemerkenswert, wie viele unansehnliche Markenturnschuhe es gibt. Praktisch niemand trägt etwas anderes.

„This is our last dance / This is ourselves / Under pressure“ Queen/Bowie, 1981

Geht’s auch um Elend, geht’s nicht zuerst um Armut, schon darum nicht, weil das Erwachsenenticket 25 Euro kostet und der Zoo-Parkplatz Gelände-Tiguans und Leder-Volvos einhegt. Es ist dies wohl das zeitgenössische Mindset, das als Komplementärprogrammierung zum waltenden Zwang zu begreifen nahe liegt. „Wert und Rang“, schreibt Susan Sontag in ihrer „Krankheit als Metapher“, wurden im 18. Jahrhundert zu „nicht länger gegebenen Tatsachen; sie mussten durchgesetzt werden. Sie wurden durchgesetzt durch neue Anschauungen über Kleider (Mode) und neue Verhaltensweisen gegenüber der Krankheit. Kleider (die äußere Aufmachung des Körpers) und Krankheit (eine Art inneres Dekor des Körpers) wurden bildliche Ausdrücke für neue Einstellungen gegenüber dem Selbst.“ Geblieben davon ist der ewig junge, pumperlgsunde Körper, an Dekor, ob innen oder außen, besteht kein Interesse mehr, es sei denn, es betont das Körperliche, so wie das muskulöse, PS-kräftige Fahrzeug es tut. Bildung ist, als ästhetische, Körper-Bildung, und ernstlich dick sind die wenigsten, das Stilideal ist ja der Fußballer oder die Sportlerin. Sie haben Wert und Rang als reine Verkörperungen des Arena-Kapitalismus, der nur 1 Möglichkeit kennt, dass wir von ihm hören: Ich hab dich lieb.

Eleganz, lautet die bekannte Definition Hemingways, ist „grace under pressure“. Wie es aussieht, können die Leute nicht mehr. „Freizeitmode“, schreibt der linke Schriftsteller Michael Scharang, Jahrgang 1941, in seinem neuen Roman „Aufruhr“, sei Ausdruck und Motor des Endes der Mittelschicht, und man wird nicht sagen können, der vormalige Brioni-Kanzler Schröder entwürdige sich, wenn er sich durchs Sozialnetzwerk schicken lässt, wie er in sportiver Steppweste und mit nackten Armen am Herd steht. Es gibt nichts zu entwürdigen; denn was hier kocht, sind Reste.

Nur diese Kategorie anzeigen:Gärtners Sonntagsfrühstück Eintrag teilenEintrag per Email versenden Mit Facebook-Freunden teilen Twittern mit Google+ teilen

Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Ein Hobby

Früher hießen Hobbys „Liebhabereien“, und beides ist Eselei. Ohne Liebhaberei hat man ein Spotify-Abo oder einen CD-Spieler und hört Musik, mit Hobby hat man Probleme bei der Tonabnehmerverkabelung und möchte die ganzen Scheißkabel samt Plattenspieler wegwerfen. (Früher hatte ich mal ein altes Auto, das immer kaputt war, und wenn man sich in fünfzig Jahren fragt, warum ich diese Scheißkolumne immer noch schreibe, dann lautet die Antwort: um dieses längst verkaufte Auto zu bezahlen.) Ohne den scheiß Plattenspieler hätte ich aber gestern nicht Prefab Sprouts „Protest Songs“ (1985/89) in der Hand gehabt, und mir würde heute die Zeile: „Darling, it’s a world of surprises“ fehlen, die gut zu einem ganz anderen Hörerlebnis von vorgestern passt: als sich nämlich die Kleinfamilie, die uns an der Ampel überholte, darauf verständigte, noch auf den „Spieli“ zu gehen. Gemeint: Spielplatz.

Man bekommt, wusste Pippi Langstrumpf, ja viel zu hören, ehe einem die Ohren abfallen, und meine sind noch dran, denn das war mir neu: Spieli, und sofort die Frage, warum Spieli und Kiga (für Kindergarten) Infamien sind, Kita aber in Ordnung geht. Ist nicht schwer: „Kita“ macht die Kindertagesstätte noch einmal freundlicher, Spieli und Kiga machen aus den bereits semantisch wunderschönen, darin unverbesserlichen Angelegenheiten Spielplatz und Kindergarten etwas für Kaputniks, deren Ich-Ideal ca. der ARD-Grinser Matthias Opdenhövel ist, dessen unbedingte Zeitgenossenschaft als Mitverantwortung für die „Allgegenwart“ des „nervtötenden ,flotten’ Spruchs“ Kollege David Schuh in der April-TITANIC 2015 angezeigt hat. Die pausenlose, gezwungen zwanglose Flottformulierungsbereitschaft korrespondiert dabei der formatierten Krachsprache auch der Qualitätsmedien, von wo sie stracks in den Sprachschatz der Gebildeten marschiert, denn natürlich wollen sie reden, wie der Apparat redet (oder auch nur die „Süddeutsche Zeitung“, deren „massiv“-Manie ins regelrecht Psychotische reicht), das hindert ein Medizin- sowenig wie ein Journalistikstudium; und also sollen, fordert ein Papier, das u.a. der Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte unterzeichnet hat, dass Kitas und Grundschulen nicht nur „zeitnah“ wieder öffnen, sondern auch „ohne massive Einschränkungen“, und wenn jetzt alle quengeln, den Kindern gehe ihr Recht auf Bildung verloren, dann ist es doch genau hier mit der Bildung schon vorbei, die nämlich eine ästhetische oder gar keine ist. (Bitte ausprobieren: „Die Vögelein schweigen massiv. / Warte nur, zeitnah / Ruhest du auch.“)

„ihr nutzt die Sprache so ab.“ Tucholsky, o.J.

„Bettelarm“, schrieb Klemperer, sei die Sprache des Dritten Reiches, aber auch im demokratisch totalen Heute ist alles eins: Nachm Kiga aufn Spieli, um dann zeitnah nach Hause zu gehen, andernfalls es massiven Ärger gibt, und sage keiner, das sei nun einmal Sprache in Bewegung. Sicher, sie bewegt sich, aber wohin? Auch schon wieder bemerkenswert, dass, wann immer jemand „Orwell!“ schreit, niemals dessen Neusprech gemeint ist, eine Kurzsprache, ausdrücklich zu dem Zweck geschaffen, das Denken mit der Wurzel auszureißen. Ob der Umstand, dass das heute keiner diktatorischen Verfügung bedarf, sondern, qua Presse, Glotze, Werbung, wie von selbst geht; ob der blindwütige Wille der Sprachgemeinschaft, sich dieser ganzen störenden Nuancen und Valeurs und Möglichkeiten, ja: sich dieser Schönheit als Freiheit zu entledigen, nun für die freieste Gesellschaft aller Zeiten spricht oder eher dagegen, ist eine Frage, die nicht mehr stellen zu können heißt, sie beantwortet zu haben.

Nur diese Kategorie anzeigen:Gärtners Sonntagsfrühstück Eintrag teilenEintrag per Email versenden Mit Facebook-Freunden teilen Twittern mit Google+ teilen

Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Schlüssel zum Glück

Und schon wieder Achille Mbembe im Morgenblatt, und im Feuilleton ist schon wieder „alles nicht wahr“ (Nestroy): Die BDS-Bewegung hält Sonja Zekri für „maßlos überschätzt“, inkriminierte Textstellen Mbembes seien „oft unredlich verkürzt und verdreht“ worden, und überhaupt haben „377 namhafte Wissenschaftler aus Israel, den USA und Großbritannien ihre Solidarität mit Mbembe ausgedrückt. Am Montag wollen mehr als 700 afrikanische Intellektuelle einen offenen Brief an Kanzlerin Merkel veröffentlichen, in dem sie die ,uneingeschränkte Verurteilung der falschen und grotesken Anschuldigungen’ gegen Mbembe fordern“, und jetzt noch darauf zu bestehen, dass Mbembe manches Unschöne eben nachlesbar so gesagt hat, wäre dann geradezu, mit Mbembe selbst zu reden, negerfeindlich.

Die Debatte jedenfalls, als wäre das wichtig, „schadet Deutschland“, und zu behaupten, dass eine Bewegung überschätzt sei, die Israel schaden will, indem sie das Kauft nicht bei Juden! reaktiviert, ist da ein noch schönerer Dreh als das Wörtchen „oft“, das so schön vage ist wie die gern genommenen Wendungen, „viele Deutsche“ oder „immer mehr Menschen“ fänden das und das. Ob Jürgen Kaube von der FAZ aber wirklich grotesk unredlich zitiert hat? Hat Mbembe das, was ihm vorgeworfen wird, nun gesagt oder nicht gesagt? Brächten selbst 3770 namhafte Wissenschaftlerinnen und 70 000 afrikanische Intellektuelle, welche ihre Solidarität sogar als uneingeschränkte melden, die Einschätzung aus der Welt, Israel plane den Völkermord?

Dass zu der namhaften Wissenschaft Judith Butler und Noam Chomsky gehören, die sich für Untaten, in Palästina begangen, halt immer ein bisschen ärger interessieren als für die zehn Millionen anderen, unsemitischen, ist dem Artikel nicht zu entnehmen, dafür aber, dass im verkniffen korrekten Moral-Deutschland „neue Maßstäbe“ gälten und Museumspädagogik über „schwindende Spielräume“ klage, weil es, zitiert Zekri die Kulturwissenschaftlerin Aleida Assmann, die Mbmebe verteidigt (und passend korrektheitskritisch von einem „Klima des Verdachts“ geraunt) hat, „die Fixierung auf die Singularität des Holocaust“ diesen isoliere und „steril“ mache, zumal in der Einwanderungsgesellschaft. „Die letzten Zeitzeugen“, so Zekri weiter im Text, „sterben. Syrer, Iraker, Eritreer aber bringen andere Traumata mit. Wer ihre Empathie für den Holocaust wecken will, muss ihre Gewalterfahrungen ernst nehmen und in Beziehung zur Shoah setzen, sonst wird man sie“, die Syrer, Iraker, Eritreer, „verlieren.“ Assmann will „neue Zugänge zu unserer Geschichte“, und „Mbembe wäre der Schlüssel dazu“.

„Warten können … Nur durch die weiten Räume der Zeit gelangt man zum Mittelpunkt der Gelegenheit.“ Gracian, 1653

Diesen neuen Zugang zu unserer Geschichte, in dem die von Deutschen bewirkten jüdischen Gewalterfahrungen sich mit anderen Gewalterfahrungen messen lassen müssen, weil die Gewalterfahrungen der einen von vorgestern, die Gewalterfahrungen der anderen aber erstens Gegenwart und zweitens solche sind, mit denen Deutschland offiziell nichts zu tun hat, begleitet Israel nun glücklicherweise dadurch, dass es alles tut, um sich als Täter zu profilieren, wenn „Premier Netanjahu autokratische Züge zeigt“ (Zekri) und die Annexion von Teilen des Westjordanlandes wirklich ansteht. Dass der „Mantel der Geschichte“ nur gelegentlich vorbeiwehe, wusste Helmut Kohl, und die Gelegenheit ist günstig, mit diesem sterilen Singularitätsquatsch endlich einmal aufzuhören und die Normalisierung deutscher Schreckensgeschichte von den Rändern in die bürgerliche Mitte zu holen, wenn sich die israelische Demokratie so verhält wie die deutsche (und jede andere) auch und ekligen Mehrheitsaffekten folgt; wobei Israels Feinde immerhin echt sind und die der Deutschen solche, die, ob nun aus Syrien, Irak oder Eritrea, uns immer dann nicht überfremden, wenn man sie gegen die „Dauerpräsentation unserer Schande“ (Walser) in Stellung bringen kann.

„Der alte, neue Antisemitismus der Deutschen ist ein furchteinflößender Anblick“, heißt es eingangs von Zekris Philippika, alle Aufklärung habe nichts genützt, was, will man die Deutschen nicht für erbliche Nazis halten, wohl an verkehrter Aufklärung liegen muss. Hat’s nicht auch Augstein schon gesagt? Moralkeule, Klima des Verdachts, und siehe: „Es ist leicht zu erraten, auf welcher Seite die AfD im Fall Mbembe steht“, denn es halten halt bloß noch Nazis zu Israel, und sicher aus Gründen. Dass sich auch jüdische Intellektuelle wie Eva Illouz und Moshe Zuckerman für Mbembe verwendet und in einem offenen Brief an Innenminister Seehofer von „Hexenjagd“ gesprochen haben, muss da vielleicht nicht wunder nehmen; denn wer Anlass zur Befürchtung hat, selbst Opfer künftiger Hexenjagden zu werden, wird sich für Netanjahus Trennungsfantasien gleich zweimal nicht in Haftung nehmen lassen wollen, selbst unter der Voraussetzung nicht, dass sie auf palästinensischer Seite ihre Entsprechung haben. Weil nämlich, wie Stephan Grigat in seinem Buch „Die Einsamkeit Israels“ (Hamburg 2014) weiß (und im übrigen stur unterschlagen wird), die Gründung eines Staates Palästina „wie selbstverständlich dazu führen würde, dass dort keine Juden mehr leben dürfen, während es die ganze Welt für völlig normal hält, dass im israelischen Kernland über eine Million Araber als gleichberechtigte Staatsbürger wohnen“.

Nur diese Kategorie anzeigen:Gärtners Sonntagsfrühstück Eintrag teilenEintrag per Email versenden Mit Facebook-Freunden teilen Twittern mit Google+ teilen

Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: … geh du voran

„Man erlebt immer was Neues“, war ein Credo (unter vielen) meiner Großmutter selig, und neulich hat ein Freund von mir zum, wie er schreibt, allerersten Mal im Leben das Telefonat mit einem Freund abgebrochen, weil er, der Freund vom Freund, in puncto Corona nur verschwörungstheoretischen Quark von sich gegeben habe, Intrige der Hochfinanz, diese Liga. Hätte mein Freund besser mich angerufen; dann hätten wir über eine frische Folge der „Anstalt“ sprechen können, jener ZDF-Sendung, der man sicher einen Gefallen tut, wenn man sie nicht ins komische Fach legt, sondern das mit der Aufschrift „Aufklärung“. „Max Uthoff und Claus von Wagner klären über die Themen auf, die die Nation bewegen“, heißt es im Sendertext, und so ist es dann auch.

Ich seh’s nur gelegentlich, weil ich nicht auch noch in meiner Freizeit mit Politik behelligt werden mag, und über die umfassende Korrumpiertheit des Gesundheitswesens wollte ich diesmal, vom „Heute-Journal“ kommend, eigentlich nichts mehr wissen. Man weiß es ja; nur im Detail, da weiß man’s nicht, und also zwang ich mich, zunächst aus Neugierde, wie solche Sendungen ohne Publikum funktionieren. Ich glaube nämlich, dass solchen Sendungen das fehlende Publikum bekommt, weil sie unter dem ewigen Einverständnis des Publikums leiden. Ein alter Vorwurf lautet ja, dass Kabarett die ohnehin gängige Kritik fürs konforme Publikum mit Stempel versehe, und wäre man Thomas Bernhard, könnte man sagen, es sei geradezu tödlich, ins lachende Publikum zu sehen, weil einem von da eben nicht die Kritik, sondern im Gegenteil die objektive Kritiklosigkeit entgegengrinst.

Nun also die „Anstalt“ ohne Publikum, und wer immer hatte wissen wollen, was es mit der Ökonomisierung des Gesundheitssektors auf sich hat und was, wieder mal, Gerhard Schröder (SPD) dafür kann, dieser verlässlich beste Freund der privaten Versicherungs- und Pflegewirtschaft, der kam auf seine Kosten, aber weshalb ich überhaupt drauf komme: Die Sendung schoss in einem Schaubild zusammen, das Schritt für Schritt bloßlegte, wer jeweils hinter den Sauereien steckt, und ich sitze so auf dem Sofa und denke noch im Scherz: Bestimmt die Bertelsmann-Stiftung! Und was soll ich sagen: Natürlich war’s die Bertelsmann-Stiftung, und im nächsten Schritt war’s wieder: die Bertelsmann-Stiftung, und dann immer wieder: die Bertelsmann-Stiftung. Wenn also einer im Krankenhaus liegt und kriegt nur deshalb ein Hüftgelenk, weil es Geld bringt, dann ist daran schuld: die Bertelsmann-Stiftung. Und wenn es auf dem Land bald keine Kliniken mehr gibt, dann hat sich das wer ausgedacht? Die Bertelsmann-Stiftung. Und wer profitiert davon? Private Klinikbetreiber, bestens verbunden mit Politik und, natürlich, Bertelsmann-Stiftung, diesem Inbegriff der Gemeinnützigkeit.

„Rot blüht der Mohn / Millionen Tränen nähren ihn wie Tau.“ Udo Jürgens, 1984

Es war ja die Überzeugung des Führers, dass, in welche Eiterbeule man auch steche, ein Jude drin sitze. Bemerkenswert vielleicht, dass es, ob Hartz IV oder Bologna, nun keinesfalls Juda, sondern immer Gütersloh ist, das seine blitzsauberen arischen Finger im Spiel hat. Bertelsmann kommt der Idee von Politik als Verschwörung wirklich nahe, aber eben weil das so ist, glauben die Leute das mit der Hochfinanz; so wie sie auch die Meldungen der Volksempfänger glauben, „die Freiheit“ für Osteuropa sei nicht am 8. Mai 1945, sondern erst 1989 gekommen, obwohl täglich in der Zeitung steht, dass da Faschismus und Mafia regieren und Freiheit heißt, sich beim Ernteeinsatz im Reich noch den Tod zu holen.

Gelacht habe ich übrigens dann doch, ab ca. der 45. Minute (über den Herrn von der FAZ), und viel mehr Lacher wären der Sache auch gar nicht angemessen gewesen.

Nur diese Kategorie anzeigen:Gärtners Sonntagsfrühstück Eintrag teilenEintrag per Email versenden Mit Facebook-Freunden teilen Twittern mit Google+ teilen

Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Eine deutsche Debatte

Man kann ja nun nicht jede Woche eine Corona-Kolumne schreiben, drum freue ich mich, einmal über was anderes zu sprechen. Vielleicht über, hm, Israel? Etwa darüber, dass die Besetzung Palästinas der größte moralische Skandal unserer Zeit ist? Eine der entmenschlichendsten Torturen des Jahrhunderts, in das wir gerade eingetreten sind, und der größte Akt der Feigheit des letzten halben? Israel, das ist meine feste Überzeugung, ist bereit, mit Gemetzel, Zerstörung und schrittweiser Ausrottung der Palästinenser den ganzen Weg zu gehen, und deshalb ist es allerhöchste Zeit für die globale Isolation Israels, dessen Apartheidpolitik schlimmer ist als die einstige Südafrikas, ja ein Labor künftiger Verhältnisse. Wenn Sie mich fragen: Boykott!

Nun bin ich bloß ein mittlerer Blödmann und kein international renommierter Denker; deshalb wird es nach meinem Einsatz für die Rechte des palästinensischen Volkes auch keine Debatte geben, allenfalls ein paar verwunderte E-Mails. Ich muss auch nicht in eine große deutsche Wochenzeitung hineinversprechen, nicht gegen Israel, sondern bloß für globale Gerechtigkeit zu sein, und stehe auch nicht im Zentrum eines „deutschen Diskurses über die Beziehung zu Israel oder dem BDS“ (SZ), und die Deutsche Welle wird nicht schreiben müssen: „Im Kern geht es längst um Fragen, die in Deutschland seit Jahren immer wieder Thema sind: Darum, wie weitgehend Deutsche den Staat Israel kritisieren dürfen, ohne sich moralisch schuldig zu machen, wo Meinungsfreiheit endet und Antisemitismus beginnt – und natürlich, besonders im BDS-Zusammenhang, um oft unvereinbare politische Positionen zum Konflikt zwischen Israel und Palästina.“ Nein, wenn ich schreibe, dass Israels Apartheid- und Metzelpolitik das Schlimmste ist, was Menschen Menschen antun, trotz Jemen und Moria und Trump und den zehntausend Kindern, die Tag für Tag weltweit verhungern, dann springt mir kein deutscher Journalismus bei, der das alles, mehr oder minder direkt, für eine dieser typisch deutschen, nämlich „aufgeheizten“ (DW) Debatten hält, Debatten mithin, die’s doch gar nicht geben müsste, kämen wir nur mal von unserem Schuldkomplex herunter, der uns nämlich blind macht dafür, dass einer was sagen, aber das komplette Gegenteil meinen kann.

„Dreihundert von der südafrikanischen Polizei in Soweto erschossene Schüler kümmern niemand. Drei erschossene Schüler in Hebron machen die westdeutsche Linke vor Empörung fassungslos. Die Unterdrückung und Verfolgung der Palästinenser durch Israel wird so genau beobachtet und so leidenschaftlich angeprangert, weil sie beweisen soll: es gibt keinen Unterschied.“ Pohrt, 1982

Ich bin nicht Achille Mbembe, und wenn ich sage, ich hätte, aus Zeitmangel, nicht Ablehnung, noch keine Zeile von ihm gelesen, gilt das mit Ausnahme der inkriminierten. Ironischerweise ist der zuerst in die Kritik geratene Satz vorderhand in Ordnung: „Das Apartheidregime in Südafrika und – in einer ganz anderen Größenordnung und in einem anderen Kontext – die Vernichtung der europäischen Juden sind zwei emblematische Manifestation einer Trennungsfantasie“, denn Größenordnung und Kontext werden ja nun gerade nicht unterschlagen. Die Rede von „Gemetzel“ und „Ausrottung“, die im Zuge der eher grundlosen Empörung ans Licht geriet, ist allerdings unmissverständlich, wie die Trennungsfantasie, geht es um Israel/Palästina als „Labor“, zur jüdischen wird und das tiefe deutsche Bedürfnis bedient, in den Opfern von gestern die Täter von heute zu erkennen; und also wird jeder, der die neuen Täter anzeigt, vorsorglich und stellvertretend und auch semantisch triftig zum „Opfer“ einer „Katastrophe“: „Sollte diesem deutschen Diskurs über die Beziehung zu Israel oder dem BDS dieser afrikanische Denker der Versöhnung zum Opfer fallen, wäre das eine Katastrophe“ (SZ, natürlich).

Derweil kommt das benachbarte, etwas weniger opferselige Ausland auf die Idee, mal einen zu fragen, der Israel schon deshalb verteidigt, weil er weiß, dass er allein dort vorm Pogrom sicher wäre; und auch wenn es die „Neue Zürcher Zeitung“ natürlich allzu gern hört, dass „Israelkritik“ eine zumal linke Angewohnheit sei, ist der Skandal, dass jene das überhaupt ist. Ein Skandal, den Wolfgang Pohrt, dieser große linke Denker der Versöhnungsverweigerung, nicht müde wurde zu benennen, weil er wusste, dass deutsche Meinungsfreiheit und Antisemitismus gern mal aufs selbe hinauslaufen.

Nur diese Kategorie anzeigen:Gärtners Sonntagsfrühstück Eintrag teilenEintrag per Email versenden Mit Facebook-Freunden teilen Twittern mit Google+ teilen

Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Das Privileg

Everyday is like Sunday, sang Morrissey mal, bevor er verrückt wurde, und was man am Sonntag gut machen kann, ist Socken sichten. Meine füllen nämlich einen doppelt schuhkartongroßen Ikea-Kunststoffkasten, dem ich stets bloß die oberste dünne Schicht entnehme, und was darunter ist, wollte ich bislang so genau nicht wissen. Jetzt weiß ich es: zwei paar Wandersocken (letzte Wanderung 2004 oder so), fünf Paar sog. Füßlinge (für den Sommer), mehrere Paar alte, noch funktionstüchtige Sportsocken, die den voriges Jahr getätigten Kauf neuer Sportsocken, zumal bei meinem Pensum, eher unnötig erscheinen lassen, außerdem diverse alte Stücke, die sich in der Waschmaschine über die Zeit auf Damen-, wenn nicht Kindergröße reduziert haben. Überdies, und das ist die gute (oder, je nachdem, schlechte) Nachricht, besitze ich aber Socken, die es „noch tun“ und bloß nach unten gerutscht waren. Weil ich nämlich, wie es aussieht, zu viele Socken besitze.

Das geht die Welt, möchte man finden, natürlich wenig an, und tut es aber doch, wenn man bedenkt, wer die Baumwolle wo unter welchen Umständen anbaut und zu Socken verarbeitet, die dann bei mir im Schrank verschwinden, und wie gut, dass mir eben eine Reklamebroschüre aus dem Morgenblatt entgegenflog, die „Push Fairtrade“ heißt und davon handelt, dass man keine schlechten Klamotten kaufen soll oder besser noch gar keine, wobei die wohlfotografierte Werbung für Bustiers von Comazo oder Tops von Thokk Thokk sicher dem ersteren dienen. Eine Anna Kessel, ihres Zeichens „Co-Gründerin vom Online-Magazin ,Die Konsumentin’“, nimmt uns an die Hand: „Konsum, dessen müssen wir uns bewusst werden, ist ein Privileg. Den Preis für die günstige Mode zahlen aber die Fabrikarbeiter*innen. Können wir als Konsument*innen im globalen Norden einen Unterschied machen? Ja“, und da spricht Anna Kessel vom Online-Magazin „Die Konsumentin“ als „leidenschaftliche Modetragende, die sich in den letzten Jahren intensiv mit fair und ökologisch verträglich produzierenden Marken beschäftigt hat“. Und aber immerhin weiß, dass „über die sehr persönliche Reflexion des Konsumverhaltens hinaus“ eine „unternehmerische Sorgfaltspflicht“ her und „auf die politische Agenda“ müsse.

„Eins und eins, das macht zwei“ Hildegard Knef, 1963

Lest mich genau, lest mich gut! bittet Nietzsche zu Beginn seiner „Morgenröte“, aber so fein muss unser Besteck hier gar nicht sein: Fabrikarbeiterinnen zahlen den Preis ja nicht nur für die günstige Mode, sie zahlen den Preis immer, und noch in der vorbildlichen indischen Fairtrade-Kooperative, vorgestellt auf Seite 4, leben die Menschen „einfach. Sie haben Häuser mit ein bis zwei Zimmern und versorgen sich zu einem Großteil mit selbst angebautem Gemüse“. Fairtrade sorge nun dafür, dass es ihnen besser geht als den meisten anderen, und wir glauben es gern; wissen aber außerdem, dass es am Gegenüber von Arm und Reich nichts ändert, es bestenfalls zu einem sozialdemokratischen Mit- oder Nebeneinander modelt. Ist es unfair zu fragen, wie viele Zimmer die Wohnung von Anna Kessel hat, die möchte, dass die Unternehmer*innen ihrer Sorgfaltspflicht genügen, und die zwar den „Dreisatz der Nachhaltigkeit: Reduce, Reuse, Recycle“ aufsagen kann, aber keine lesbaren Schwierigkeiten damit hat, dass irgendwo Kleinbauern für die Baumwolle zuständig sind und die Unternehmerinnen des globalen Nordens fürs Sakko von Cherry Pieces und das Polo von White Stuff? Sachen, denen manche die günstige Mode, die zu Lasten asiatischer Fabrikbesatzungen geht, aber auch vorziehen müssen, weil es etwa in Niedersachsen schon bald 200 Euro kostet, ein Kind für die erste Klasse auszustatten?

Fairtrade ist besser als nichts, aber nicht besser als das, was besser wäre, und ob man ihm’s nun vorhalten will, dass es gaukelt, es müsse sich niemand mehr auf die Socken machen, oder lieber auf die Kleinbäuerin verweisen, der’s in einer Kooperative vergleichsweise gut geht, ist eine Sonntagsfrage, die sich metaphorisch schön beantworten lässt: gehören zu einem Sockenpaar doch beide.

Nur diese Kategorie anzeigen:Gärtners Sonntagsfrühstück Eintrag teilenEintrag per Email versenden Mit Facebook-Freunden teilen Twittern mit Google+ teilen

Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Leerlauf

Mir fällt zum Virus nichts ein. Mir fehlen auch die Telefonnummern von wichtigen, zugleich auskunftsbereiten Leuten, etwa dem stürmisch bestsellenden Oxford-Historiker Yuval Noah Harari („Eine kurze Geschichte der Menschheit“), der Trump für einen „kurzsichtigen, egoistischen Akt“ rügt (diesen einen da, Sie wissen schon), Angst vor „den inneren Dämonen der Menschheit, Hass und Gier“ hat und sich auf Anfrage die Welt nach Corona vorstellt: „Auf institutioneller Ebene könnte es zu dramatischen Veränderungen kommen. Mehr Menschen werden zu Hause arbeiten, Geschäftsreisen werden abnehmen, es wird mehr Jobs geben, bei denen man ausschließlich online arbeitet“; andererseits und zwei Spalten später: „Ich glaube nicht, dass wir eine fundamentale Veränderung im Sozialverhalten der Menschen erleben werden … Menschen sind soziale Wesen, wir mögen Kontakt“, nur eben nicht auf Geschäftsreisen und auf institutioneller Ebene, wo es, vielleicht, zu dramatischen, ja drastischen, sogar massiven Veränderungen kommt oder auch nicht kommt, mehr dazu in einem neuen Buch, das ich leider nicht lesen kann, weil ich mich erst noch durch den Camus arbeiten muss.

Falls mich nämlich wer anruft (unwahrscheinlich!) und wissen will, wie ich, in der Krise, „Die Pest“ lese, und ich würde antworten: Mit Mühe, Existentialismus hat seine beste Zeit ja doch womöglich so hinter sich wie ich das Abitur, „nicht das Gesetz zählt, sondern die Strafe. Wir können nichts dazu“, puh! „Diese Trupps halfen unseren Mitbürgern, weiter auf die Pest einzugehen“, und da ja jetzt der Buchhandel wieder öffnet, müsste ich’s mal im Original nachsehen, ob da Mitbürger ebenfalls auf die Pest eingehen; und säße ich im Feuilleton, würde ich aber eh Herrn Jackopp anrufen, der hat nämlich „,den Camus gelesen’, und Herr Jackopp betonte dabei eigenartig ,Camus’ auf der ersten Silbe, so dass es fast wie Gummi klang, ,ich habe den Mythos des Sisyphos gelesen. Es ist ein unheimliches Buch. Du kennst es?’ … ich sagte, ja, ich würde das Werk kennen, und ein Satz daraus habe mir besonders gefallen: ,Der Ausdruck beginnt da, wo das Denken aufhört.’“ (Henscheid, Die Vollidioten)

„In der Erinnerung derer, die sie miterlebt haben, erscheinen die schrecklichen Tage der Pest nicht als grandiose und grausame hohe Flamme, sondern eher als ein endloser Leerlauf, der alles zermalmte.“ Camus, 1947

Und darum gibt’s auch einen, wie ich voraussetze, unbedingt nötigen Corona-Internet-Roman von Marlene Streeruwitz, den der ORF staunend so zusammenfasst: „Wenn das Verschwinden einzelner Socken nach dem Waschen oder der schmutzige Küchenboden zur Katastrophe werden und ein falscher Klick im Onlineformular zu Tränenströmen führt: Der Covid-19-Roman ,So ist die Welt geworden’ erzählt von der aus den Fugen geratenen Innen- und Außenwelt.“ Aus den Fugen scheint mir eine Welt freilich eh zu sein, die Jammerquatsch von Leuten, deren Welt aus den Fugen gerät, wenn das Kaffeehaus schließt, sicher begeistert weglesen wird; und besser wird nach der Krise aber eh alles, schon weil, die SZ hat’s schamfrei hingepinnt, die kommende Mundschutzpflicht die Gräben in der Gesellschaft zu schließen verspricht und weil der Journalismus halt sehen muss, wie er seine Zeitungen jeden Tag sauber vollkriegt.

Und da versteh ich ihn sogar; und hab’s aber viel besser. Ich kann nämlich zum „guten“ Beschluss einfach meinen Corona-Lieblingswitz mitteilen, der auf meinem Nicht-Corona-Lieblingswitz basiert, wie ich ihn mir vor Zeiten mit Mag. O. Nagel, München, selbst ausgedacht habe, denn schließlich: Lachen ist gesund! „Treffen sich ein Russe, ein Engländer, vier Bayern, zwölf Franzosen, noch ein Russe, zwei Österreicher (Niederösterreich), ein Schweizer, extrem viele Holländer und fünf Bulgarinnen in der Straßenbahn. Sagt der Schaffner: ,Die Fahrausweise bitte, krankes Pack!’“

Fühl ich mich gleich viel besser!

Aktuelle Cartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Monika Maron!

Das war natürlich eine Menschenrechtsverletzung erster Güte, dass Sie im Zuge der Corona-Bekämpfungsverordnungen nicht mehr in Ihrem Landhaus im tiefsten Mecklenburg-Vorpommern bleiben durften. Klar, dass Sie das nicht einfach hinnehmen konnten und sich durch die Ausreiseverfügung »an die DDR erinnert« fühlten. Und wo Sie schon mal an die erinnert wurden, ist Ihnen als Tochter des ehemaligen DDR-Innenministers Karl Maron auch gleich noch eingefallen, wie man sich als Bonze dort eine Vorzugsbehandlung sichert: sich nämlich via Parteizeitung (»Bild«) direkt beim Innenminister (Caffier) beklagen, der diesem unhaltbaren Zustand dann trotz anderslautender Verordnung gleich Einhalt gebot.

So weit, so zwingend. Stutzig macht uns lediglich, warum Sie eigentlich so unbedingt in Ihrem Zonenhäuschen zu bleiben trachten, schrieben Sie doch im »Spiegel« einst: »Der Osten verursacht mir Ekel. Ich halte es für eine Krankheit und weiß nicht, wie man sie heilt. Die Krankheit nenne ich Zonophobie.« Ein Glück, scheint zwischenzeitlich ja erfolgreich therapiert.

Ihre Pillen hätte auch gern: Titanic

 Kneipp GmbH!

»Der einfachste Weg zum Glück ist«, sofern wir Deiner Werbung glauben dürfen, »das Leben mit einem Augenzwinkern zu sehen« und also Aroma-Pflegeduschen namens »Sei frech, wild und wunderbar!« bzw. sogar »Sei frech, verrückt und glücklich!« zu kaufen.

Wunderbar glücklich wären wir aber erst beim Erwerb eines Pflegeprodukts mit der frech-wilden Bezeichnung »Sei nicht traurig, dass der Name dieser Aroma-Dusche so lang ist, dass wir ihn gar nicht vollständig auf die Aroma-Pflegeduschen-Verpackung dru«.

Zwinker, zwinker: Titanic

 Pflegeroboter!

Was müssen wir da im »Handelsblatt« lesen? »Corona könnte Tür für Roboter öffnen«. Aber ist nicht gerade der Punkt, dass Ihr angeblich so nützlichen Pflegeroboter Euch selbst die Tür zu Corona bzw. Corona-Patienten öffnen können solltet? Solange ein kleines Virus schweren Maschinen wie Euch noch den Weg frei machen muss, ist Eure Zeit wohl doch noch nicht gekommen!

Meinen mitleidlos wie Ihr: die Witzmaschinen von Titanic

 Scorpions-Fossil Klaus Meine!

Ihre Powerballade »Wind of Change« soll von der CIA geschrieben worden sein. Das behauptet zumindest der amerikanische Journalist Patrick Radden Keefe, der daraus gleich eine ganze achtteilige Podcast-Serie bastelte, in der Sie, Meine, in der letzten Folge selbst auftreten und alle Behauptungen verneinen.

Was für eine Zeitverschwendung, ist doch schon vorher klar gewesen: So manche schmutzige Geschichte hat die CIA sicherlich am Hals, aber für ein Verbrechen wie »Wind of Change« sind selbst die nicht skrupellos genug.

Pfeift auf Sie: Titanic

 Huhu, Wolfgang Kubicki, Bundestagsvizepräsident (FDP)!

Huhu, Wolfgang Kubicki, Bundestagsvizepräsident (FDP)!

In Ihrem Kampf gegen Kontaktverbote und für das Menschenrecht auf Infektion tönten Sie in der »Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung«: »Mittlerweile habe ich das Gefühl, einige Ministerpräsidenten gefallen sich in der Rolle, dass sie auftreten können wie Sonnenkönige, und den Eindruck vermitteln, die Gewährung von Freiheiten sei Gnadensache.«

Und das, Kubicki, sagten Sie gewiss auf die selbstherrlichste, herablassendste Art, die man sich nur denken kann, fuhren mit Ihren Fingern lächelnd durch die gepuderte Allongeperücke und ließen sich von Ihrer Mätresse ein paar Weintrauben in den Mund schieben – einfach weil Sie keine anderen Sonnenkönige neben sich dulden, nicht wahr?

Winkt zur Warnung mit der Guillotine: Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Zieleinlauf eines Dialogs

Kundin (alte Dame): »Das ist dann schon sehr anstrengend.«
Kassiererin (ältere Dame): »Nein, ich könnte das nicht!«
Kundin: »Aber es macht auch Spaß.«
Kassiererin: »Das ist die Hauptsache.«
»Ja.«
»Ja. 14,60 bitte.«

Worum auch immer es sich dreht, das Gespräch ergibt Sinn.

Theobald Fuchs

 Idee für 2021: Spargelernte per Silvesterrakete

Die jungen Feuerwerkskörper werden im April ins Spargelbeet gesät, wachsen dort bis zur erntereifen Rakete. Am 5. Mai heißt es dann: DER SPARGEL SCHIESST, und zwar uns unter großem Hallo und Funkenregen direkt in die Münder. Tradition (Spargel) trifft auf Tradition (Feuerwerk), bzw. »Volksspeisung mal anders«. Noch eine kleine Gegendemo (Querfront) dazu, einem Kind fliegt ein Spargel direkt ins Auge, im Folgejahr wird es Einschränkungen geben müssen, fertig ist DAS DEUTSCHE NEUJAHR.

Elias Hauck

 Verwöhnt

Meinen Lebensstil muss man sich erst mal leisten können. Ich zum Beispiel konnte es noch nie.

Tanja Schmid

 Deutsch, wie es singt und kracht

Wer Deutsch als Fremdsprache lernt, wird zunächst naiv annehmen, dass sich hinter einem Wort wie »Scheiblettenkäse« etwas unsagbar Absurdes, in der Muttersprache nur unter Zuhilfenahme sperrigster Umschreibungen Wiederzugebendes verbirgt, ähnlich gewissen japanischen oder isländischen Vokabeln, die zum Beispiel die mundwässernde Wirkung eines seit sechs Monaten im eigenen Sperma marinierten Walhodens bezeichnen. Um dann, mit wachsendem Sprachverständnis, zu begreifen, dass diese Ahnung nicht getrogen hat.

Jasper Nicolaisen

 Filmkunde

In Zeiten von Zoom-Konferenzen kann es nicht schaden, der Leserschaft ein wenig Nachhilfe in filmischen Fachtermini zu geben. Eine sogenannte Text-Bild-Schere zum Beispiel kann für einen visuellen Bruch und Komik sorgen. Während der Video-Sprechstunde mit meiner Internistin erzählte ich ihr zum Beispiel, dass ich seit vier Monaten nichts trinke, während sie auf eine Galerie leerer Weinflaschen hinter mir starrte. Wichtig ist auch, dass man sich bereits vor jeder Zoom-Konferenz im Klaren ist, auf welches Genre man hinaus will, sich dabei aber genug Raum offenlässt für spontane Änderungen. Meine Video-Sprechstunde hatte ich zum Beispiel eher als »Komödie« gepitcht (aktuelle Blutwerte), am Ende wurde dann aber ein ziemlich bombastischer High-Budget-Horrorstreifen daraus (Privatbehandlung).

Jürgen Marschal

Vermischtes

Hans Zippert: "Fernsehen ist wie Radio, nur ohne Würfel"
Die steile Karriere des Hans Zippert begann im Jahr 1967 mit einem  Schülerpraktikum beim Kulturmagazin "TV Spielfilm". Nach einem  Volontariat bei "TV Direkt" übernahm er das angesehene 20-Uhr-15-Ressort  bei "TV Okayokay", bevor er schließlich Programmchef der auflagestarken  "TV Superwoche" wurde. Nachdem er über einen Bestechungsskandal rund um  eine 3-Sterne-Empfehlung für "Rote Rosen" stolperte, sah sich Zippert  1990 gezwungen, Chefredakteur von TITANIC zu werden. Der Tiefpunkt war  erreicht. Das alles und noch mehr erfahren Sie in diesem Buch!Heiko Werning: "Vom Wedding verweht – Menschliches, Allzumenschliches"
Es ist dies Buch etwas ganz besonderes: Heiko Werning, renommierter  Forscher aus Berlin, lag jahrelang in seinem Kiez, dem Wedding, auf der  Lauer. Kein Ereignis entging ihm, der Wedding konnte ihm nichts,  aber auch gar nichts verheimlichen. Abgründe, tiefe Täler und  menschliche Katastrophen – erfreuen Sie sich an heiteren G’schichterl,  die Werning noch so einen Urenkeln erzählen wird.Friedemann Weise: "Die Welt aus der Sicht von schräg hinten"
Laut seiner Homepage ist er der "King of Understatement" und der "lustigste Mensch im deutschsprachigen Internet". Er ist aber auch Gitarrenmann, Viralblogger (15000 Follower!), Gagautor und Promiexperte mit Diplom. Die Rede ist von Friedemann Weise, dem Mann mit dem Namen! Der Mann, der den "Satiropop" erfand. Und jetzt auch noch ein Buch vorlegt. Ob das gutgeht? Ordern Sie diese Prämie und teilen Sie Ihr vernichtendes Urteil bitte zeitnah der TITANIC-Redaktion mit.Torsten Gaitzsch/Sebastian Klug: "Akte D: Die Wahrheit über Deutschland"
Die Redaktion versichert: Torsten Gaitzsch und Sebastian Klug, die  Autoren dieses Buches, wissen Dinge – schreckliche Dinge! – von denen  Sie, die Leser, nicht einmal zu träumen wagen. Denn es wären Alpträume!  Wählen Sie diese Prämie und erhalten Sie Einblicke in die tiefsten  Abgründe Deutschlands, die Sie wahnsinnig lachend und mit Schaum vor dem  Mund zurücklassen werden. Bisher hat es kein Leser bis zur letzten  Seite geschafft…Gerhard Henschel: "Harry Piel sitzt am Nil"
Fuck, dieses Buch sollte man gelesen haben, wenn man  kein übelst versiffter Wichser sein will. Schmähungen und böse Wörter  machen das Leben echt oberarschmäßig zum Kotzen. Vielleicht kapieren Sie  Versager das endlich, wenn Sie Henschels neuesten Streich gelesen  haben. Können Sie überhaupt lesen? Wahrscheinlich nicht. Trollen Sie  sich, Sie Wicht! Aber trotzdem abonnieren und diese Top-Prämie wählen.Serdar Somuncu: "H2 Universe: Die Machtergreifung", DVD
Er ist der selbsternannte Hassias – viel wichtiger aber noch: der designierte Kanzlerkandidat für Die PARTEI. Holen Sie sich jetzt die neue DVD von Merkel-Nachfolger Serdar Somuncu als Gratisprämie und stehen Sie damit schon vor der Machtergreifung auf der richtigen Seite. Ihre Kinder werden es Ihnen danken!
Zweijahres-Abo: 98,60 EURKamagurka & Herr Seele: "Cowboy Henk"
Er ist Belgier, Kamagurka. Belgier! Wissen Sie, was der Mann alles durchgemacht hat in letzter Zeit? Eben, er ist Belgier. Und hat trotzdem in einem Finger mehr Witz als Sie im ganzen Leib! Und Heldenmut! Glauben Sie nicht? Dann lassen Sie sich von Cowboy Henk überzeugen, dem einzigen Helden, der wirklich jeden Tag eine gute Tat begeht.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURHauck & Bauer: "Ich kann einfach nicht Wein sagen"
Die beste Zeit, einen Band des Zeichnerduos Hauck & Bauer zu kaufen – sie ist seit sicher zehn Jahren vorbei. Heute sind die Werke von Elias Hauck und Dominik Bauer kein Geheimtip mehr. Die zerstrittenen Künstler kommunizieren inzwischen ausschließlich per Fax, leben in luxussanierten Altbauwohnungen mit kugelsicheren Whirl- und Autorenpools, in denen hungernde Leiharbeiter Comics anfertigen müssen. Leider ist auch der neueste Band der beiden Ausbeuter sehr gut, bestellen Sie hier!Sonneborn/Gsella/Schmitt:  "Titanic BoyGroup Greatest Hits"
20 Jahre Krawall für Deutschland
Sie bringen zusammen gut 150 Jahre auf die Waage und seit zwanzig Jahren die Bühnen der Republik zum Beben: Thomas Gsella, Oliver Maria Schmitt und Martin Sonneborn sind die TITANIC BoyGroup. In diesem Jubiläumswälzer können Sie die Höhepunkte aus dem Schaffen der umtriebigen Ex-Chefredakteure noch einmal nachlesen. Die schonungslosesten Aktionsberichte, die mitgeschnittensten Terrortelefonate, die nachdenklichsten Gedichte und die intimsten Einblicke in den SMS-Speicher der drei Satire-Zombies – das und mehr auf 333 Seiten (z.T. in Großschrift)! 
Zweijahres-Abo: 98,60 EURElias Hauck (Hrsg.): "Alles Spargel oder was?"
Endlich ist ganzjährig Spargelsaison! Elias Hauck, die eine Hälfte von Hauck & Bauer und Herausgeber des Frauenmagazins "Sonja", serviert die reifsten Spargelwitze der Welt – gezeichnet und erzählt von dutzenden gemüseliebenden Cartoonisten und Autoren. Lachen Sie unter anderem über: den mit den polnischen Erntehelfern, den mit dem kaputten Spargelschäler und den mit der Fliege in der Hollandaise.Wenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURDie PARTEI-Wahlwerbungs-DVD mit allen vier Wahlwerbespots aus dem Bundestagswahlkampf 2005: Höhepunkte der Politpropaganda, die von Otto Schily mit dem Prädikat "ein Skandal" ausgezeichnet wurden. Besser aufgelöst als auf Youtube und noch dazu mit einer praktischen, farbechten Hülle drumrum - das ist doch was, was?
Erweitern

Das schreiben die anderen

  • 20.05.:

    Mark-Stefan Tietze schreibt in der Taz über die vielen Deutschen, die vor der Merkel-Diktatur ins Weltall fliehen.

     

  • 18.05.:

    Das Neue Deutschland rezensiert Christian Y. Schmidts "Der kleine Herr Tod", ein Interview dazu gibt es auf Deutschlandfunk Kultur.

     

  • 14.05.:

    Marlen Hobrack bespricht im "Freitag" Christian Y. Schmidts "Der Kleine Herr Tod".

  • 13.05.:

    RTL, die »Hessenschau« und die SZ berichten über die Aktion "Torona: TITANIC hilft der DFL".

  • 05.05.:

    Im Kaput Mag gratuliert Tim Wolff TITANIC-Legende Thomas Hintner zum 60.

     

Titanic unterwegs
03.06.2020 Hachenburg, Hähnelsche Buchhandlung Gerhard Henschel
04.06.2020 Berlin, Buchhändlerkeller Gerhard Henschel
10.06.2020 Schwarzenbach a. d. Saale, Erika-Fuchs-Haus Museum für Comic und Sprachkunst Katharina Greve
14.06.2020 Frankfurt/M., Museum für Komische Kunst »Beste Beste Bilder – Die Cartoons des Jahrzehnts«