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Aus Eugen Egners Püppchenstudio

 


 

Pinsel kaufen      

Ich hatte die Angewohnheit, Farbe mit Hilfe von Pinseln auf Papier aufzutragen. Nach und nach nutzten sich die Haare der Pinsel ab und schwanden. Weil mich dieser dem Schöpfungsplan zu verdankende Vorgang aufs unangenehmste an die Entwicklung meines Haupthaars erinnerte, verabscheute ich ihn. Wollte ich seinetwegen meine eingangs genannte Angewohnheit nicht in absehbarer Zeit aufgeben, musste ich neue Pinsel anschaffen. Zu meinem Glück war ich oft mit einem großen, schweren Mann in dessen Kraftwagen unterwegs, und so ließ sich der Pinselkauf bequem erledigen. Der Fahrzeugführer war ein genussfreudiger, begeisterungsfähiger Mensch, der überall sehr viel kaufte und gegenüber dem Bedienungspersonal freizügige Reden führte. Beim Betreten des Pinselgeschäfts wurde der Inhaber auf uns und auf mich im besonderen aufmerksam.

"Sie hier, im Pinselgeschäft?" fragte er.
"Ja", antwortete ich, "das Bedürfnis, Pinsel zu kaufen, ist sehr stark."

Ich solle mir das Pinselkaufen nur nicht so leicht vorstellen, warnte mich der Händler, mit meinen schwachen Nerven ginge ich da ein beträchtliches Risiko ein. Hier mischte sich der große, schwere Mann an meiner Seite mutwillig ins Gespräch und erzählte von einer Verwandten, die nur einmal monatlich Stuhlgang hätte und jedesmal beteuerte, das sei schwerer als Kinderkriegen.
"So schwer wird das Pinselkaufen schon nicht sein", schloss mein Begleiter lachend.

Der Händler musterte ihn mit giftigem Blick und erwiderte: "Ich muss wahnsinnig sein, dass ich Neurastheniker und Verrückte in meinen Laden lasse." Im nächsten Augenblick war er türknallend in seinem Büro verschwunden. Davon unbeeindruckt, kaufte ich sodann Pinsel, wie es mir beliebte und erforderlich erschien. Es zeigte sich, dass ich stark genug war.

 


 

 

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Das Ende der Handlung

Am Abend hatte die Handlung sich wieder soweit erholt, daß sie zu Stärkungszwecken eine Bar aufsuchen konnte.

"Zur Gesundheit" und "Auf die Handlung", riefen die dreiunddreißig akut betrunkenen Gäste. Bald krähte die Handlung mit ihnen um die Wette:

"Parole Gummirad!"

"Es lebe die Bezirksdirektion Bonn!"

"Im Namen der Nähmaschine!"

Bezahlt wurde nicht, weil niemand mehr wußte, wieviel, wofür und womit. Der Wirt blökte Fleisch und Fisch durcheinander.

"Wissen Sie auch schon, wie es weitergehen soll?" fragte eine der Barfrauen die in rasender Fahrt befindliche Handlung.

"Was kümmert mich das?" erwiderte diese. Sie interessierte sich viel mehr für ihr Getränk: "Ist das ein Kultgetränk? Wieviel Prozent beträgt seine Heftig­keit?"

Ohne die Antwort der Barfrau abzuwarten, beugte sich die Handlung übermütig vor, deutete auf eine weit entfernte, geheimnisvoll aussehende Flasche und fragte: "Ist da elektronisches Gas drin?"

Dabei verlor sie das Gleichgewicht. Sie stürzte von ihrem Hocker und brach sich den Hals. "Zur Gesundheit" und "Auf die Handlung", riefen die Gäste wieder, doch das nützte nichts mehr.

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Und wie wir so dastanden, uns gegenseitig festhielten und nicht mehr wussten, was wir eigentlich vorgehabt hatten, näherte sich ein Motorengeräusch. "Jesus, der 622er Bus!" kreischte mein Bruder auf Verdacht. Es war jedoch kein Linienbus, sondern ein Lautsprecherwagen. Aus dem Lautsprecher tönte es dröhnend: "Hallo, hallo, wir können noch nichts Genaues sagen, daher sagen wir jetzt erst mal nichts." Später stellte sich heraus, daß ich gar keinen Bruder hatte. Der behandelnde Arzt hatte lediglich einen Fehler beim Ausfüllen meiner Patientenakte gemacht.


 

Kaum war sie erfunden, betrat die Großmutter das Zimmer. Reste ihres zerschellten Flugzeugs hatte sie in den Mundwinkeln. Mit der Stimme eines vorbeischwimmenden Mannes rief sie: "Meidet den Ozean! Er besteht aus einer Flüssigkeit, die euch monatelang konservieren, neu einkleiden, ja sogar auf Stühle setzen und photographieren kann. Als Köder dienen dem Ozean Zucker, Sirup und Rum."

Augenblicklich rannten wir zum Ozean. "Talg war unser Teil!" riefen wir noch in jäher Be­sinnung auf unser bisheriges Leben, dann verschlang uns der Ozean. Er bestand aus einer Flüssigkeit, die uns monatelang konservierte, neu einkleidete, auf Stühle setzte und photographierte.  

 


 

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Eine sehr schöne Detektivgeschichte (Schulbuchlektüre)

Detektiv Brimlock war blind, gelähmt und komplett blödsinnig, deshalb konnte er auch keinen einzigen Fall lösen. Seine Detektei ging, wie sich denken lässt, nicht besonders gut. Seit Jahren war die Miete für das Büro überfällig, Strom, Gas und Telefon waren längst abgestellt worden. Hätte Lelia Rifkin, die Sekretärin, nicht alle Tage Strom, Gas und Telefon von zu Hause mitgebracht, wäre der Betrieb gänzlich zusammengebrochen. Ein Gehalt konnte der Detektiv seiner Sekretärin natürlich nicht zahlen, und sie musste sich ihren Unterhalt verdienen, indem sie nach Feierabend teure Knochen ausgrub. Brimlock interessierte sich ausschließlich für seine Bassetthörner, die er sich jedoch genauso einbildete wie die Misslichkeit, dauernd ums Leben zu kommen. Ungezählte Male spielte sich tagtäglich folgende Szene ab:
»Rifkin! Rifkin! Kaufen Sie mir schnell ein Ersatzleben! Mein Gott, dauernd komm ich ums Leben! Gehen Sie, Rifkin, gehen Sie! Mein Gott, wenn ich in dieser bösen Zeit meine Bassetthörner nicht hätte! Und sehen Sie, Rifkin!« Die Sekretärin machte pflichtschuldigst kehrt, um sich anzusehen, was der Chef ihr zeigen wollte.

»Hier, Rifkin: meine Bassetthörner. Die sind nicht aus Hartgummi. Meine Bassetthörner sind nicht, wie heute üblich, aus Hartgummi, sondern aus hochdruckgepressten Fischresten. Und, Rifkin, sie haben umstrittene Siemens-Mund­stücke mit Ziegenmelkermehl-Intarsien, wenn ich das einmal in der Maske einer halb liegenden Kommissarin hinzufügen darf.« Er kam schon wieder ums Leben, Lelia Rifkin mußte sich mit der Beschaf­fung eines Ersatzlebens ganz schön beeilen.
»Besser wird es sein«, rief der blinde, gelähmte und komplett blödsinnige Detektiv ihr nach, »wenn Sie gleich einen ganzen Arm voll Ersatzleben auf Vor­rat kaufen, Rifkin. Kaufen Sie einen ganzen Arm voll Ersatzleben auf Vor­rat. Aber machen Sie schnell!« Rifkin hatte kaum den Raum verlassen, als Brimlock kreischte:

»Halt! Halt! Rifkin! Warten Sie! Mich befallen kuhgroße Zweifel. Was, wenn bei dem Ersatzleben-Vorrat, wie's der Zufall will, das Verfallsdatum zu knapp sitzt? Ausgerechnet dann komm ich garantiert wochenlang nicht ums Leben. Nein, kaufen Sie nur ein Ersatzleben, Rifkin, nur eins. So, wie ich's ursprünglich bestellt habe. Aber machen Sie schnell!« Lelia Rifkin pflegte sich sodann in die kleine Teeküche zurückzuziehen, um ihrem Chef einen Tee mit Sauerbraten-Aroma zu kochen. Den gab sie ihm gegenüber als Ersatzleben aus.
Nach dem Einschlürfen des Ersatzlebens lag Brimlock völlig mente captus da und träumte, Rifkin habe ein musikalisches Collegium ausfindig gemacht, bei dem er als Bassetthornist mitwirken konnte. Natürlich dachte er gar nicht da­ran, vorher zu üben. Ihn hatte von jeher die ideelle Seite des Musizierens mehr interessiert denn die praktische. Handwerk war ihm zuwider. Zum Vorspiel­ter­min fuhr Brimlock mit einer auf Kufen montierten hochbeinigen Holzkiste, hinter der er auf einer Bank saß. Mittels zweier vor ihm aus der pultartigen Kistenoberseite ragender Steuerknüppel manövrierte er das Vehikel. In der Kiste lagen seine Bassetthörner. 

Das Collegium traf sich freitagabends im Jagdschloss des Oberförsters. Von zwei Dienern in den Musiksalon geleitet, gewahrte Brimlock im Schein der Tranlampe eine Gesellschaft von haarigen Berserkern. Sie keuchten und schno­ben wildbewegt. Zuerst war es dem Neuankömmling nicht möglich, sie zahlenmäßig zu erfassen bzw. auseinanderzuhalten. Wo hörte das Tranlicht auf, wo begannen die Physiognomien der Versammelten? Brimlock begriff nur, wie unterentwickelt seine Frisur war (vom langen Liegen). Er fasste sich ein Herz und klappte die Holzkiste auf. Mit fester Stimme sprach er:
»Hier, Herrschaften: meine Bassetthörner. Die sind nicht aus Hartgummi, wie heute leider üblich. Nein, meine Bassetthörner sind aus hochdruckge­preß­ten Fischresten. Und, geschätzte Anwesende, sie haben umstrittene Siemens-Mundstücke mit Ziegenmelkermehl-Intarsien.«

Letzteres hatte er, wie gewohnt, in der Maske einer halb liegenden Kommis­sarin gesagt. Dann sei es ja gut, wurde einstimmig geantwortet. Es schlossen sich ausführliche Erörterungen an, ob Musik sechseckig oder würfelförmig sei. Darüber verging die Zeit, vorzuspielen brauchte der Detektiv nicht. Die übrigen Mitglieder des Collegiums schätzten die praktische Musikausübung ebenso wenig wie er. In langen, mit Begeisterung geführten Gesprächen entwickelten sie unerhörte Theorien und gerieten außer sich. Brimlocks Frisur durchlief paradoxe Stadien einer konvulsivischen Metamorphose. Er erwachte mit dem Gefühl, schon wieder ums Leben zu kommen.

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Klumpiges aus vielen Ländern

 

 


 

 

Weltpremiere:

Not und Rat in dunkler Zeit  (2. Teil)

Zum ersten Mal in seinem Leben mußte er die Hilfe eines professionellen Ratgebers in Anspruch nehmen. Der einzige Ratgeber auf dem ganzen verdammten abscheulichen Mond war aber ein zierliches blondes Mädchen, von dem man ohne Brille nichts Genaueres erkennen konnte. Auf für den Ratgeberberuf typisch geheimnisvolle Weise empfing das blonde Mädchen den Anwalt unter der Radarstation, wo es sehr staubig und, ehrlich gesagt, etwas unaufgeräumt war. Klumpiges aus vielen Ländern lag herum. Interessant war die Sprachregelung, der das Ratgeber-Mädchen folgte. Es sagte nämlich nicht "Klumpiges aus vielen Ländern", sondern (nach der jüngeren Übersetzung) "Stück von viel des Landes". Als Älterer konnte der Anwalt darüber nur den Kopf schütteln.

"Schildern Sie mir Ihre Not", sprach das Mädchen dann aber gut verständlich. Dadurch etwas entspannter, begann der Anwalt: "Entgleiste jugendliche Güterballons tauchten im Scheinwerferlicht auf." Schon unterbrach ihn das Mädchen und verbesserte: "So drückt man sich nicht mehr aus. Heute sagt man: 'Fehlgeleitet der Ballone von Waren der Jugend entstand im Bündel des Projektors.' Aber ich verstehe, was Sie meinen. Fahren Sie fort." Auf der Grundlage ihres bilingualen Verständnisses erteilte sie dem Anwalt dann den Rat: "Lassen Sie weg die Linie der Ballone der Waren von Jugend im Strahl des Lichtes des Projektors, wenn die Notwendigkeit ist."

Die Not des Anwalts wurde dadurch indessen nicht gelindert, sondern griff sogar aufs Vorhemd über. Und zur vorbestehenden Not kam dann zu allem Überfluß noch der pausenlose Schneefall auf dem abscheulichen Mond hinzu. Oder, wie das Ratgeber-Mädchen gesagt hätte: "Der Rechtsanwalt fügte noch ununterbrochenen Schnee im schrecklichen Mond hinzu."

"Der Schnee bestand aus Fleisch", berichtete der Anwalt später, "aus klumpigem Fleisch." Dann zog er sich in sein enges Badezimmer zurück, um auf einem kleinen Schwarzweiß-Monitor die Nachfahren der entgleisten jugendlichen Güterballons zu überwachen. Denn das war inzwischen seine Profession. So jedenfalls sprachen die Glühbirnen zu einander, als es dunkel war.

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Es geht immer besser


 

Auf vielfachen Wunsch zum neunten Mal:

Not und Rat in dunkler Zeit (1. Teil)

Es fing an an zur Zeit der Mondprojektionen. Für diejenigen, die zu jung sind, um sich daran erinnern zu können, möchte ich dankenswerterweise hinzufügen, daß die Zeit der Mondprojektionen auch die Zeit der Diskussionen über Glühbirnen war. Oder der Diskussionen unter Glühbirnen, denn nicht wenige Menschen gebrauchten damals, dem neuen Sprachgebrauch entsprechend, die uns heute unsachlich anmutende Formulierung "das Gespräch der Glühbirnen, als es dunkel war". Schon damals konnte sich niemand etwas darunter vorstellen, deshalb wurde zur endgültigen Klärung des Begriffs sowie der Folgen ein Rechtsanwalt hinzugezogen. Am Rande sei noch angemerkt, daß die Zeit, um die es hier geht, auch die Zeit der ungezügelten Rechtsanwaltsvermehrung war. Nun ist hiermit also erschöpfend dargelegt worden, wann es anfing. "Und dann?" werden diejenigen fragen, die zu jung sind, um sich daran erinnern zu können. Dann ging es weiter, antworte ich. Entgleiste jugendliche Güterballons tauchten im Scheinwerferlicht auf. Ihr Anführer trat vor und verlangte mit dampfendem Atem, einen Anwalt zu sprechen. In einer Zeit der ungezügelten Rechtsanwaltsvermehrung schien es ganz selbst verständlich, daß es auch einen für die Belange entgleister jugendlicher Güterballons geben mußte. Der einzige Anwalt auf dem ganzen verdammten Projektionsmond war aber der, den man zur weiter oben erwähnten Begriffsklärung hinzugezogen hatte. Und der war deshalb nichts weniger als entzückt, sondern nichts mehr als entsetzt. Nun auch noch entgleiste jugendliche Güterballons vertreten zu müssen, war einfach zu viel für ihn. Nachts lief er in seinem engen Badezimmer auf und ab, immer wieder denselben Satz wiederholend: "Ich wiederhole: Es ist alles viel zu viel!" Daran werden sich einige der jüngeren Leute gewiß noch erinnern (Es gibt aus jüngerer Zeit auch ein Bild mit dem Titel: "Jüngere Leute tauchen im Scheinwerferlicht auf und erinnern sich", Maler unbekannt). An diesem Punkt wußte sich der Anwalt nicht mehr allein zu helfen.

Fortsetzung folgt

Grundlage der ungezügelten Rechtsanwaltsvermehrung

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Verhalten bei Gesang


 


Die Fabrik stand in einem ganz abgelegenen Landstrich, am Rand einer kleinen Stadt. Schon aus der Ferne machte das Gebäude einen maroden Eindruck, offenbar wurde seit langem nichts mehr darin produziert. Durch eine defekte Tür gelangte ich ins Innere, wo ich mit total verwüsteten Räumlichkeiten konfrontiert wurde. Alles war verschimmelt, der Boden übersät mit Glassplittern und Schrott, mitten in der Halle, zwischen eingestürzten Mauern, breitete sich ein See aus. Es stank nach Moder und Verwesung.
Ich war froh, wieder ins Sonnenlicht hinauszutreten. Da sprach mich jemand an, ein Mann in Zivilkleidung, der sich als Kriminalkommissar auswies. Er wußte erstaunlicherweise nicht nur meinen Namen und daß ich jetzt hier anzutreffen war, sondern auch, daß ein Freund von mir vor seinem Tod irgendwo im Ort eine Wohnung angemietet, dieselbe jedoch nicht bewohnt hatte. Gleichwohl war er in eben dieser Wohnung tot aufgefunden worden. Bevor ich mich erkundigen konnte, woher ihm all das bekannt war, teilte der Kriminalkommissar mir mit: „Ich muß Ihnen etwas zeigen, das in direktem Zusammenhang mit dem Tod Ihres Freundes steht.“ Damit machte er mich ausgesprochen neugierig. Also willigte ich ein, ohne Fragen zu stellen. Vor einem langweilig aussehenden Haus in der kleinen Stadt hielten wir und stiegen aus. Ein alter Mann, der anscheinend zufällig vorbeikam, blieb stehen und sagte zu uns: „Entschuldigung, ich habe früher einmal in diesem Haus gewohnt. Jetzt sehe ich, daß da eine Wohnung leersteht. Wird das Haus abgerissen?“ Der Kriminalkommissar antwortete nur ganz kühl, davon sei ihm nichts bekannt. Ich entsinne mich, daß er dann die Haustür aufschloß, und daß wir beide ein paar Treppen hinaufstiegen. Im zweiten oder dritten Stockwerk öffnete der Kommissar die Etagentür, dann betraten wir die Wohnung, diese ungeheuerliche, völlig abwegige Wohnung. Mir stand der Mund offen. Mein Begleiter sah auf seine Uhr. „Wir dürfen nicht zu lange bleiben“, erklärte er mir, „es ist noch immer wirksam.“ Er führte mich in das Zimmer, wo die Leiche in einem allen Naturgesetzen spottenden Zustand gefunden worden war.
Nachdem wir die Wohnung wieder verlassen hatten, gestand ich, absolut nichts begriffen zu haben. „Kein Mensch begreift hier etwas“, erwiderte der Kommissar kopfschüttelnd, „aber ich dachte, ich zeige es Ihnen einmal.“

Aktuelle Cartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Sieh an, General Franco!

Sieh an, General Franco!

Jetzt ist’s offiziell: Sie werden umziehen. Das beschloss der Oberste Gerichtshof Spaniens. Bedeutet: Kein weiteres Abhängen mit Fascho-Pilgern in Ihrer von Zwangsarbeitern errichteten Kultstätte samt größtem Christenkreuz der Welt und frischen Blumen auf Ihrem Grab. Wurde auch Zeit, dass Sie die morschen Gebeine zusammenraffen und auf die Müllhalde der Geschichte tragen! Wie bitte? Sie werden auf einen staatlichen Friedhof nahe Madrid verlegt? Gute Güte, dass es diesen Despoten und Kriegsverbrechern aber auch immer so schwerfällt, ihren Platz einzunehmen!

*Kopfschüttel* Titanic

 Rudi Cerne (ZDF)!

Wie wir gelesen haben, sollen Ihre Zuschauer entsetzt gewesen sein, nachdem Sie in Ihrer Sendung »Aktenzeichen XY … ungelöst« Fotos einer Leiche gezeigt hatten. Dabei hatten Sie doch vorher extra darauf hingewiesen, dass das Bild manche Leute verstören könnte.

Wir wünschten uns vielmehr, Sie würden jedes Mal, bevor der Schirmherr Ihres XY-Preises für Zivilcourage, Horst Seehofer, eingeblendet wird, eine entsprechende Warnung aussprechen.

Hat immer noch Albträume vom letzten Mal: Titanic

 Genial, Christoph Rottwilm (»Manager Magazin«)!

An Ihrem Artikel »Was Geldanleger von Superreichen lernen können« gefällt uns nicht nur der Titel, sondern auch, wie Sie gleich zu Beginn relativieren: »Reich werden. Es mag höhere Ziele im Leben geben, Glück beispielsweise, oder wenigstens Zufriedenheit und Wohlbefinden. Aber reich werden?« Ist man an dieser Stelle nicht bereits vom Kapitalismus geheilt, kann man weiterlesen: »Die meisten hätten wohl nichts dagegen einzuwenden, wenn ihnen das gelänge (nämlich reich zu werden). Doch wie stellt man es an? Ein Blick auf diejenigen, die es geschafft haben, lohnt sich …«

Und was haben Sie bei Ihren Recherchen in den Untiefen der Hochfinanz herausgefunden? »Unter den reichsten Menschen der Welt finden sich Leute mit den unterschiedlichsten Talenten. Nur eines haben alle gemeinsam: Sie wissen, wie man ein Vermögen vermehrt.« Ach, so geht das mit dem Reichwerden! Super! Da haben wir für Sie, Herr Rottwilm, gleich ein paar Ideen für zukünftige Artikel: Die erfolgreichsten Rennfahrer haben gemeinsam, oft als Erster im Ziel zu sein. Alle Bestsellerautoren haben gemeinsam, viele, viele Bücher zu verkaufen. Und »Manager Magazin«-Journalisten haben das gemeinsame Talent, uns auf die Nerven zu gehen.

Weiß, wie man Spaß vermehrt: Titanic

 Hicks, Juliane E. Reichert!

Im »Magazin für Barkultur« »Mixology« schreiben Sie unter dem Titel »Heimat und Hefe« über einen angeblichen Fruchtweintrend: »In welcher Variante auch immer, Cidre löscht den Durst und schmeckt fruchtig, meist nach Apfel, immer wieder auch nach Birne; man muss deutlich mehr Liter von ihm trinken, als der Körper zu fassen vermag, um ihm ein Sodbrennen zu entlocken.« Wem denn jetzt eigentlich? Dem Körper? Dem Cidre? Dem Apfel?

Klingt auf jeden Fall, als hätten Sie auch damit Erfahrung. Aber in welcher Variante auch immer, irgendwie haben Sie uns gerade ein Sodbrennen entlockt. Wollen Sie es wiederhaben?

Stößchen! Titanic

 Zeugen Jehovas!

»Warum ist das Leben so kurz?« steht neuerdings auf Euren Aufstellern. Verständlich, das zu fragen, wenn man den ganzen Tag Blättchen verteilen und über Gott reden muss.

Im Geiste bei Euch: die Ketzer von

Vom Fachmann für Kenner

 Phonographisches Gedächtnis

Ich weiß noch genau, wo ich war, als der Anruf kam: am Telefon.

Tim Wolff

 Gedenken

Ich erinnere mich gut daran, dass meine Mutter Micky Maus, Fix und Foxi, Asterix, Tim und Struppi, Superman, Prinz Eisenherz und so weiter, kurz: Comics aller Sparten und Genres als »dumm« bezeichnete, als »obszön«, »primitiv« und »verblödet«. Für was sie meine Mutter allerdings nicht hielt, war »pervers«, »geisteskrank«, »widerlich«, »ätzend« oder »barbarisch«. Das rechne ich ihr bis heute hoch an!

Theobald Fuchs

 Durch die Schokolinse betrachtet

Wenn kein anderer Laden in Sicht ist und der kleine Hunger naht, muss ich wohl oder übel den benötigten Schokoriegel an einer Tankstelle kaufen. Dann stehe ich in der Schlange und ärgere mich über die Auto-Idioten vor mir, die den Treibstoff für ihre Dreckschleudern bezahlen wollen, mir damit die Zeit und der Umwelt die Zukunft stehlen. Andererseits: Ohne solche Idioten gäbe es diese Tankstelle nicht, an der ich mitten in der Pampa Schokolade kaufen kann. Die Welt ist mir schon oft viel zu kompliziert.

Katharina Greve

 Mythmist

Mir ist noch nie einer begegnet und ich bin meines Wissens noch nie einem aufgesessen, obwohl ich seit meiner Geburt in Großstädten lebe: Ich glaube, es gibt einfach keine urban myths. Oder ist genau das ein urban myth?

Adrian Schulz

 Premiere

Letzten Monat habe ich mir zum ersten Mal in meinem Leben eine indische Oper angesehen. Es war ein großartiges Singhspiel.

Andreas Maier

Vermischtes

Hans Zippert: "Fernsehen ist wie Radio, nur ohne Würfel"
Die steile Karriere des Hans Zippert begann im Jahr 1967 mit einem  Schülerpraktikum beim Kulturmagazin "TV Spielfilm". Nach einem  Volontariat bei "TV Direkt" übernahm er das angesehene 20-Uhr-15-Ressort  bei "TV Okayokay", bevor er schließlich Programmchef der auflagestarken  "TV Superwoche" wurde. Nachdem er über einen Bestechungsskandal rund um  eine 3-Sterne-Empfehlung für "Rote Rosen" stolperte, sah sich Zippert  1990 gezwungen, Chefredakteur von TITANIC zu werden. Der Tiefpunkt war  erreicht. Das alles und noch mehr erfahren Sie in diesem Buch!Serdar Somuncu: "H2 Universe: Die Machtergreifung", DVD
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20 Jahre Krawall für Deutschland
Sie bringen zusammen gut 150 Jahre auf die Waage und seit zwanzig Jahren die Bühnen der Republik zum Beben: Thomas Gsella, Oliver Maria Schmitt und Martin Sonneborn sind die TITANIC BoyGroup. In diesem Jubiläumswälzer können Sie die Höhepunkte aus dem Schaffen der umtriebigen Ex-Chefredakteure noch einmal nachlesen. Die schonungslosesten Aktionsberichte, die mitgeschnittensten Terrortelefonate, die nachdenklichsten Gedichte und die intimsten Einblicke in den SMS-Speicher der drei Satire-Zombies – das und mehr auf 333 Seiten (z.T. in Großschrift)! 
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Seit dem putzigen Präsidentschafts-Hahnenkampf zwischen Alexander Van der Bellen und Norbert Hofer interessiert sich plötzlich auch Resteuropa für das Land, um das es in diesem Buch geht: Österreich. Dabei ist der Donaustaat schon seit 2014 eine literarische Reise wert, jenem Jahr, als "Der aufblasbare Kaiser" für die Longlist des Deutschen Buchpreises nominiert wurde. Lassen Sie sich auf diese Reise mitnehmen: von Michael Ziegelwagner, dem liebenswertesten Randbalkanesen der TITANIC. Pflichtprämie für Kaisertreue!Elias Hauck (Hrsg.): "Alles Spargel oder was?"
Endlich ist ganzjährig Spargelsaison! Elias Hauck, die eine Hälfte von Hauck & Bauer und Herausgeber des Frauenmagazins "Sonja", serviert die reifsten Spargelwitze der Welt – gezeichnet und erzählt von dutzenden gemüseliebenden Cartoonisten und Autoren. Lachen Sie unter anderem über: den mit den polnischen Erntehelfern, den mit dem kaputten Spargelschäler und den mit der Fliege in der Hollandaise.Wenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURDie PARTEI-Wahlwerbungs-DVD mit allen vier Wahlwerbespots aus dem Bundestagswahlkampf 2005: Höhepunkte der Politpropaganda, die von Otto Schily mit dem Prädikat "ein Skandal" ausgezeichnet wurden. Besser aufgelöst als auf Youtube und noch dazu mit einer praktischen, farbechten Hülle drumrum - das ist doch was, was?
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Das schreiben die anderen

  • 11.11.:

    Lesart - das Literaturmagazin auf Deutschlandfunk Kultur bespricht den endgültigen Satire-Soundtrack.

  • 11.11.:

    Stefan Gärtner schreibt in der "Jungen Welt" über den Sondermann-Preisträger Nicolas Mahler. 

  • 08.11.:

    Tim Wolff in der FAZ über Urlaub im Luxuskitahotel.

Titanic unterwegs
13.11.2019 Eupen, Jünglingshaus Max Goldt
14.11.2019 Essen, Zeche Carl Max Goldt
15.11.2019 Köln, Comedia Max Goldt