Newsticker

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TITANIC Buchkritik: Neues von Thea Dorn

Ein Brief-Roman im Jahr 2021? Dazu noch in der Jetzt-Zeit mit Corona und allem drum und dran? Wie geil ist das denn? In "Trost. Briefe an Max" erzählt Dorn die Geschichte der pandemiegeplagten Heilpraktikerin und Altphilologin Johanna, deren Welt-Abo sie im Innersten zusammenhält.

Thea Dorn ist damit ein Buch geglückt, das unsere Gewissheiten auf die Probe stellt: Leben retten schön und gut, was aber, wenn dafür plötzlich der New York Trip oder die Besuche in der Kältesauna ausfallen sollen? Wieviel ist welches Leben noch mal wert? Und wie klänge Tristan, hätte Wagner ihn im Homeoffice komponiert? Lesen Sie doch einfach nach.

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Die TITANIC-Moral-Kolumne

Seit mehr als 15 Jahren beantwortet Kultvermieter Dr. Dr. Cornelius W. M. Oettle Fragen zu Alltagsmoral und Mietwesen. Heute: "Darf ich meine Mieterinnen und Mieter auf die Straße setzen, weil ich alle vier Wohnungen in meinem Haus allein bewohnen will und Platz für meine Bücher brauche?", fragt Dr. Dr. Rainer Erlinger.

So komisch das klingen mag: Sie allein müssen das entscheiden. Jeder Mensch ist unterschiedlich. Toleranz hat ihre Grenzen. Wo viel Ohm, da kein Strom. Das Haus gehört Ihnen. Zunächst stellt sich die Frage: Was haben diese Leute überhaupt darin verloren? Ferner: Wieso leben diese Menschen nicht in ihrer eigenen Immobilie, sondern unter Ihrem Dach, für das Sie hart gearbeitet und mehr als eine Dekade lang Moral-Kolumnen für die Süddeutsche Zeitung geschrieben haben? Wichtige Überlegungen wie "Darf man jemanden einfach googlen?" oder "Darf ich ein Foto von mir als Handy-Hintergrund haben?" haben Sie für Ihre Leser zu Ende gedacht, während besagte Mieterinnen und Mieter vermutlich ihrer Passion nachgegangen sind und im Netto gearbeitet haben oder so. Und jetzt besetzen sie einfach das Haus, das Sie sie all die Jahre freundlicherweise haben abbezahlen lassen. Es geht oft einfach darum, zu erspüren, was in einer Situation angebracht ist. Wenn Sie nach meinem Gespür fragen, ist das ein Fall für ein Sondereinsatzteam der Polizei. Allein mit Ihren Büchern in vier Wohnungen zu leben, steht Ihnen zu. Jedes Buch ist eine Reise. Sehen Sie der Realität ins Auge. Wir haben die Erde von unseren Kindern nur gemietet. Sagen Sie das diesen Linksterroristen.

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Häme – ja, bitte!

Eine Erwiderung auf Felix Dachsels Meedia-Gastbeitrag 

von Senior Editor Torsten Gaitzsch (TITANIC)

Am 25. November schrieb Vice-Chefredakteur Felix Dachsel in einer Gastkolumne auf Meedia, dass die "Verwüstungen" unter "jungen Plattformen" kein Anlass für Schadenfreude seien und dass im Gegenteil gerade etablierte Medien einiges von Zett & Co. lernen könnten. Dem möchte ich widersprechen.

Die Unangemessenheit von Dachsels Text zeigt sich bereits in der Falschannahme, die Corona-Pandemie sei für den Niedergang der Nachwuchsportale (mit)verantwortlich. Wenn aber eine Plattform, auf der regelmäßig Artikel erscheinen wie "Warum ich mir Nashibirnen in den Anus schiebe" oder "Das passiert, wenn man 24 Stunden am Stück Christian-Lindner-Interviews anschaut", eingestellt wird, dann liegt das womöglich eher an schwindendem Publikumsinteresse. Warum muss man da ein unschuldiges Virus mit reinziehen? Zugegeben, eine weltweite Seuche hat auch Nachteile, aber der Netz-Journalismus hat darunter kaum zu leiden. "Online gelesen wird immer", lautet eine alte Branchenweisheit, und es ist doch wahr: Das Geld, das der/die gemeine Konsument/in außerhalb von Lockdown-Phasen ins Kino, ins Restaurant oder von mir aus auch an den Kiosk trägt, investiert er*sie in der herrschenden Situation doch liebend gern in fetzige Auftritte im "WWW". Gerade jetzt wäre Bentos Chance gewesen, mit starken Stücken durchzustarten ("Wir haben uns ohne Maske auf einem Schlauchboot-Rave Heroin gespritzt, damit ihr es nicht müsst"). Gelesen hätte ich den Scheiß natürlich trotzdem nicht.

"Ich schreibe diesen Text nicht, um das Klischee vom jammernden Millennial zu erfüllen", jammert Felix Dachsel einleitend. "Ich schreibe diesen Text, weil ich mich über die Schadenfreude wundere, mit der einige Kollegen unsere Turbulenzen kommentieren." Dabei ist der Spott ganz einfach zu erklären: Es ist halt objektiv sehr lustig, wenn eine Seite wie Bento krachen geht. "Medium XY-Leser, willkommen bei TITANIC!" setzen wir nach jedem medialen Aus in den Header unserer Homepage. "Wärt ihr immer noch so hämisch, wenn ihr selbst betroffen wärt?" könnte man uns nun fragen. – Selbstverständlich! So etwas wie TITANIC dürfte es in einer gerechten Welt gar nicht geben. Wir sind dankbar für jeden Monat, den wir bei einer Zeitschrift, die offenbar alle hassen außer wir selbst, arbeiten dürfen, gleichzeitig können wir es gar nicht fassen. Erst letzte Woche habe ich mich wieder in Grund und Boden geschämt, als meine Steuerberaterin mir die jährliche Gewinnermittlung zuschickte. Helge Schneiders Zeile "Das ganze Geld mit Quatsch verdient" kam mir in den Sinn. Wenn TITANIC pleite ist, soll uns bitte auf keinen Fall der Staat retten! Und wir erwarten, dass die übrigen Zeitschriften und Zeitungen nach unserem Ableben mit Häme nur so um sich schmeißen. 

Die angekündigten "Fünf Dinge, die der deutsche Journalismus von jungen Medien lernen kann" lassen sich mit Leichtigkeit vom Tisch fegen. "Erstens: Seid still, hört zu!" ruft der Autor auf und führt als Beispiel für einen gelungenen Bento-Beitrag eine Serie von Protokollen an, die "ohne schönschreiberisches Beiwerk, ohne hinzugefügte Stimme der Redaktion" daherkamen. Der beste Bento-Artikel ist also einer, in dem die Redaktion die Klappe hält? Hmm … Den zweiten Punkt "Unterhaltung und Ernst gehören zusammen" überspringen wir mal, denn es geht um Buzzfeed und die FinCen-Files, und da muss man ja sofort einschlafen; den vierten Punkt schenken wir uns ebenso, und hol's der Teufel, den fünften auch, denn ich will in den Feierabend. Auf die dritte Forderung "Gebt jungen Menschen Macht!" möchte ich schließlich entgegnen: Ihr spinnt wohl! 

"Am Ende lösen wir das Rätsel, wie der Journalismus überleben kann, nur gemeinsam", schließt Dachsel seine Kolumne. Nein. Der Journalismus überlebt nicht. Und während er im Sterben liegt, sollten wir die finalen Schlachten mit Popcorn und voller Ätz-Power befeuern. Es hat nicht sollen sein. Wir hätten ja was Anständiges lernen können.  

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Inside TITANIC (38)

Intime Einblicke in das Innere der TITANIC-Redaktion und ihrer Mitglieder. Ella Carina Werner über die härteste aller Handwerkergilden: fabrikmäßige Komikproduktion.

Viele Menschen, darunter meine Eltern, hängen dem hübschen Glauben an, bei TITANIC herrsche den ganzen Tag Gaudi: Kollektive Lachflashs bis der Bürokaffee aus den Nasenlöchern sprudelt, sowie Eulenspiegeleien am laufenden Band, Stichwort Furzkissen. Eine "blutige" Plastikhand ragt urplötzlich aus dem Papierschredder, der Fußboden ist übersät mit Fake-Kackhaufen aus Kunststoff. Polonaise quer über die Schreibtische und saufen, saufen, saufen!

Die traurige Wahrheit ist: Die "Arbeit im Scherzbergwerk" (Waalkes? Welke?) ist brutal und kräftezehrend, härter als eine Schicht im Feuersteinbergwerk im oberägyptischen Nazlet Khater, welches seit 30 000 Jahren von Sklaven am Laufen gehalten wird. Der Druck ist immens. Isoliert sitzt ein jede(r) stumm da, haut in die Tasten, bis der Schädel qualmt und die Fingerkuppen bluten. Mit zitternder Hand wird der Text dem Chef vorgelegt. Der lehnt sich in seinem Hirschledersessel zurück, rückt die Bossbrille zurecht: "Hm hm, dann woll'n wir mal sehen …" Natürlich lacht er beim Lesen kein einziges Mal, hebt am Ende Augenbraue und Zeigefinger und erklärt, die Pointendichte in der zweiten Textspalte müsse flugs verdoppelt werden, mehr Fallhöhe in den letzten Absatz geschleust und im hinteren Drittel die Erwartungshaltung stärker durchbrochen sowie die "Inkongruenz zwischen Schein und Sein" schärfer herausgeschält. "Das Ganze in 30 Minuten noch mal vorlegen!" Was folgt: Herzrasen, Arbeitsschweiß, ein tränenverschleierter Blick auf die tickende Eieruhr, nochmaliges Einziehen doppelt- und fünffacher Böden und heimliche Griffe nach Witz-Nachschlagewerken wie "Gags für jede Gelegenheit" oder "Das große Haha-Buch", um am Ende das ewige Soll zu erfüllen. Minimum: Pro 100 Zeilen 1 Kalauer, 3 Wortspiele, 2 Zoten, 1-2 unerwartete Brechungen, 1 Treppen- oder Antiwitz sowie 7 (oder besser 8) feingeistige Bonmots.

Ab 18 Uhr wird aber doch gesoffen, anders kommt man nicht klar. Bis zum nächsten Morgen, bis es wieder anrollt, das Hamsterrad, die Fron echter, ehrlicher Arbeit.

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Inside TITANIC (37)

Intime Einblicke in das Innere der TITANIC-Redaktion und ihrer Mitglieder. Heute: Leo Riegel über vorweihnachtliche Hausmannskost, buttrige Goldbarren und Pinguine an Tannenbäumen.

Wie allerorts entfällt auch bei TITANIC die diesjährige Weihnachtsfeier. Je nach Corona-Infektionslage wird ein weiteres vorweihnachtliches Ritual jedoch stattfinden können: der Besuch im "Goldenen Engel". Seit ein paar Jahren pilgert die Redaktion an einem Dezemberabend ans andere Ende Frankfurts. Dort wird sie in dem für seine polnische Hausmannskost berüchtigten Lokal schon erwartet. Es kommt dann durchaus vor, dass wir die einzigen Gäste des Abends bleiben werden. Möglicherweise liegt es daran, dass die Eingangstür nach unserem Eintritt verriegelt wird, was die Raucher beim Versuch hinauszugehen wenig später feststellen werden. Fürchtet man sich etwa vor weiterer Kundschaft? Egal: Wir sind drin und machen es uns in der urigen und gespenstisch stillen Stube gemütlich. Neben Landschaftsgemälden platzierte Keramikgänse beäugen uns mit Skepsis.

Die Inhaberin und Chefköchin kommt zwecks Bestellungsaufnahme persönlich an den Tisch. Extrawünsche, wie "Kann ich die Steinpilzpiroggen auch ohne Sauerkraut bekommen?" werden mit eiserner Miene und Schweigen quittiert, solange bis die bestellende Person ihren Wunsch zurückzieht. Wenig später wird als Vorspeise eine (traditionell polnische?) Scheibe Ananas gereicht. Es folgt die Hauptspeise. Kleine Goldbarren aus Butter zerfließen auf hausgemachten Klößen und Piroggen. Dampfendes Bigos versprüht seinen fein-säuerlichen Duft. Die VegetarierInnen kratzen die auf der Speisekarte nicht erwähnten Garnitur-Speckwürfel von ihrem Essen. Später werden sie dafür einen Rüffel von der Köchin kassieren ("Sagen Sie doch einfach, dass Sie vegetarisch möchten!").

Alles ist frisch zubereitet und schmeckt fantastisch! Leider kommt es hin und wieder zu Problemen bei der Getränkeversorgung, denn sowohl Köchin als auch Kellner ziehen sich nach dem Servieren der Hauptspeise zurück und kehren so schnell nicht wieder. Als es den dürstenden Kollegen Tietze nicht mehr auf dem Stuhl hält und er nach dem Kellner rufend in den Bereich hinter der Theke vordringt, kommt dieser zurück und stellt ein silbernes, hotelrezeptionstypisches Glöckchen mit der Aufschrift "Bierklingel" auf den Tisch. Nun kann auch Thomas Hintner seine überfällige Bestellung aufgeben: "Noch so ein Zschüüsch ... ein Zwüchsch-sch ... so ein ..." - "Noch ein Zywiec?" - "Ja, genau!" Leider scheint die Bierklingel defekt zu sein. Zwar gibt sie einen Ton von sich, wenn man draufhaut, doch will trotzdem niemand zu uns an den Tisch kommen, um uns zu bedienen.

Am Ende des Abends herrscht zufriedenes Schweigen. Zum Reden ist man zu satt. Dank völlereibedingter Stille kehrt so etwas wie weihnachtliche Besinnlichkeit ein. Dafür sorgt auch der riesige, mit Schnee-Eulen und Pinguinen geschmückte Weihnachtsbaum, der mitten im Raum verkehrt herum von der Decke hängt.

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Jetzt müssen die Wunden heilen!

Ein Gastbeitrag von Friedrich Merz
(Ihr nächster Kanzler!)

Es war eine Zitterpartie, das steht fest. Zur Wahl stand nichts weniger als der demokratische Konsens, Anstand und Fairness, ja die gemeinsamen Werte des Westens selbst. Noch nie wurde in einer westlichen Demokratie so sehr unterhalb der Gürtellinie geschossen wie bei meiner Kandidatur zum CDU-Vorsitz. Armin Laschet mag nicht den Eindruck eines durchtriebenen Strategen erwecken - dennoch hatte er endlose Intrigen gegen mich gesponnen, bediente sich dazu sogar ausländischer Schadsoftware, dem sogenannten "WhatsApp". Ich scheue mich nicht zu sagen: "Sleepy Arm", wie er in der Partei auch genannt wird, wird die Wahl fälschen. Hier haben Sie es zuerst gehört!

Wenn wir aus dem Rumgeeier der Amerikaner in den letzten Tagen überhaupt etwas lernen können, dann das: Wir dürfen in einer so wichtigen Fragen wie einer Spitzenkandidatur nicht auf überkommene Instrumente wie Wählerbefragungen, Parteitage oder Abstimmungen bauen. Ohnehin geben einzelne Sondierungen die Stimmung an der CDU-Basis nie so exakt wieder, wie es etwa das exzellente Politik-Team der "Welt"-Redaktion vermag. Ich frage mich aber schon, warum ein Millionär, der für eines der widerwärtigsten Unternehmen der Welt gearbeitet hat und für seine Kampagne mit dem widerwärtigsten Medienkonzern Deutschlands zusammenarbeitet, noch derart würdelos um Zustimmung betteln muss wie ich. Auch hier können wir viel von den Vereinigten Staaten lernen!

Mit Joe Biden wird ein Mann Präsident der Vereinigten Staaten. Ein weißer heterosexueller Cis-Mann, das darf hier durchaus mal unterstrichen werden. Denn auch das hat die US-Wahl gezeigt: Unsereins ist noch kein Auslaufmodell! Die Menschen da draußen vertrauen uns noch immer. Und ich kann Ihnen, den Menschen da draußen, voll Zuversicht versprechen: Ich werde ganz sicher nicht schwul werden für meine Kandidatur! Denn dafür liegt mir das Wohl unserer Kinder zu sehr am Herzen.

Wie es mit Amerika jetzt weitergeht, wird die Zeit zeigen. Sicherlich wird es keine Rückkehr mehr zu der Welt geben, in der Amerika alles für uns regelt. Aber dennoch verbinden uns unsere gemeinen Wertpapiere und die Möglichkeit, schnell wieder in die Wirtschaft zurückzukehren, wenn mir diese Kandidaturscheiße um die Ohren fliegt. Der amerikanische Traum ist noch nicht ausgeträumt. Jedenfalls meiner!

God bless America!

Ihr

Friedrich Merz

Chief Political Asset Manager

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Präsidentschaftswahl in den USA: Es gibt einen Gewinner!

Ein Kommentar von TITANIC-Amerikakorrespondent Valentin Witt 

Liebe Leserinnen und Leser, my dear english speaking readers!

Viele Menschen rund um den Globus haben lange auf diese Nachricht gewartet, nun gibt es endlich Gewissheit: Die US-Amerikaner haben einen neuen Präsidenten gewählt! Nur welchen – darüber herrscht bislang Unklarheit. Wenn es nach Adam Riese geht, wird Amtsinhaber Donald Trump diesmal den Kürzeren ziehen, aber die Gesetze der Mathematik gelten im Land der unbegrenzten Möglichkeiten nicht überall gleichermaßen.

Präsidentenwahl in den USA ist – anders als hierzulande – Sache der Bundesstaaten. Am Ende entscheidet der Supreme Court, zunächst jedoch darf überall gewählt und gezählt werden, wie es die lokale Gesetzgebung eben vorsieht. Der Föderalismus ist in den Vereinigten Staaten ein hohes Gut, das nicht ohne Not aufgegeben wird.

Ginge es nach absoluten Zahlen, hätte Herausforderer Joe Biden das Präsidentenamt längst in trockenen Taschentüchern. Doch die Mehrheit der Wählerstimmen garantiert im "homeland of the free" noch lange nicht den Wahlsieg. Entscheidend ist vielmehr die Anzahl der Wahlmänner, die dem erfolgreichsten Kandidaten eines Bundesstaat nach dem Winner-takes-it-all-Prinzip samt und sonders zugeschlagen werden.

Aus diesem Grund darf Republikaner Donald Trump beim Kopf-an-Kopf-Rennen ums Weiße Haus trotz insgesamt weniger "Votes", wie es im Politjargon aus Übersee heißt, noch auf einen Sieg über Demokrat Joe Biden spekulieren. Ob den amtierenden US-Präsidenten Trump das Ergebnis der Auszählungen überhaupt juckt, ist eine andere Frage. Für den Wahlsieger von 2016 scheint eine Niederlage ohnehin undenkbar. Wieder einmal präsentiert Trump sich mit seinem Gebaren als Antidemokrat, dem am eigenen Wohlergehen mehr gelegen ist als an dem seines Landes.

Der Schaden, den der selbsternannte Multimilliardär Trump in seiner vierjährigen Regierungszeit sowohl dem Präsidentenamt als auch dem Ansehen der USA in der Welt zugefügt hat, ist irreparabel. Er hinterlässt ein tief gespaltenes Land, in dem die einen Trump so sehr verehren, wie andere ihn verabscheuen. Die Gräben zwischen Republikanern und Demokraten scheinen inzwischen unüberwindbar.

Auch deshalb dauert die Auszählung der Stimmen weiter an. Besonderes Augenmerk gilt hier den sogenannten Swing States, in denen mal mehrheitlich republikanisch, mal demokratisch gewählt wird. Über den künftigen Präsidenten der USA wird zumeist hier entschieden. Trump täte gut daran, auf juristische Scharmützel zu verzichten und im Falle einer Niederlage in gegenseitigem Einvernehmen seinen Platz im Weißen Haus zugunsten seines Herausforderers Biden zu räumen. Die Folgen für die Glaubwürdigkeit der US-amerikanischen Demokratie wären ansonsten kaum abzusehen.

Valentin Witt ist freier Amerikakorrespondent für TITANIC. Intime Einblicke in die US-amerikanische Seele gewährten ihm insbesondere zahlreiche Videospiele wie GTA I-V und die Wahlberichterstattung großer deutscher Nachrichtenseiten. Valentin Witt lebt und arbeitet in Frankfurt am Main.

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Aktuelle Cartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Vonovia!

In einem Schreiben an Deine Mieter formulierst Du hilfsbereit: »Uns ist bewusst, dass die Mieterhöhung für einige Mieter finanziell sehr belastend sein kann. Falls dies bei Ihnen der Fall ist, wenden Sie sich bitte an das Vonovia Mietenmanagement. Vielleicht können wir bei der Suche nach einer Lösung behilflich sein, zum Beispiel, indem wir Ihnen eine kostengünstigere Wohnung anbieten.«

Wie gutherzig, Vonovia! Du scheinst in Sorge zu sein, Du könntest zahlende Kundschaft, die sich Deine Miete nicht mehr leisten kann, endgültig verlieren. Aber kostengünstigere Wohnungen? Ernsthaft? Vermietest Du noch keine Parkbänke und Schlafplätze unter Brücken, die von ihres Wohnraums Beraubten bald aufgesucht werden müssen?

Tapeziert bereits die Hundehütte: Titanic

 Winfried Kretschmann!

Winfried Kretschmann!

Bei einer Debatte über Künstliche Intelligenz und Ethik beim Katholikentag in Stuttgart sagten Sie: »Ich schaue mir gern Opern auf Youtube an. Das Tolle ist und auch das Beängstigende: Diese Maschine kennt uns ja nach kurzer Zeit, sie weiß, wo mein Geschmack liegt.« Und über den Algorithmus befanden Sie: »Und dann ist er noch so raffiniert, weil er wahrscheinlich rausgefunden hat, dass ich ein Mann bin, denn ab und zu kommt ein Porno dazwischen. Und ich denke, was ist jetzt das?«

Bon, Kretschmann, aber verhält es sich nicht anders herum? Sie sind ein Mann und schauen gern Pornos auf Youporn an. Das Tolle ist und auch das Beängstigende: Diese Maschine kennt Sie ja nach kurzer Zeit und weiß, wo Ihr Geschmack liegt. Und dann ist sie noch so raffiniert und hat wahrscheinlich rausgefunden, dass Sie Opernfreund sind, denn ab und zu kommt »Tosca« oder »Fidelio« dazwischen. Und Sie denken, was ist jetzt das?

Da nicht für: Titanic

 Computercracks der ersten Stunde!

Als wir neulich die Oma ins Sanitätshaus begleiteten, vertrieben wir uns die Wartezeit mit dem Lesen der Namen von Rollatoren und staunten nicht schlecht: Es gab ein Modell »Pixel«, eins hieß »Server«, ein drittes war nach dem Prozessor »Athlon« benannt.

Da die Benennung von Gehhilfen vermutlich wie bei allen anderen Waren auch auf der Basis von Zielgruppenanalysen entsteht, fragen wir uns nun und hier auch Euch: Ist es schon so weit mit Euch? Gerade noch die Wochenenden im WDR Computerclub durchgemacht und anschließend gleich weiter zu den Kumpels, um bei den Summer Games den Joystick im Staffellauf zum Glühen zu bringen, und nun schiebt Ihr Euch nur mühsam vorwärts? Bei »Civilisation« einen Kontinent nach dem anderen erobert, jetzt inkontinent? Den ehemaligen Königen im Assembler-Programmieren musste ein Chirurg den gesplitterten Oberschenkelhals wieder zusammensetzen? Statt »Resident Evil« zocken in der Seniorenresidenz hocken?

Und kommt es Euch eigentlich auch so vor, als sei die Lebenszeituhr ziemlich übertaktet? Titanic

 Hotel Detva, Detva, Slowakei,

in Deiner Hausordnung schreibst Du: »Das Umssstellen der Mobel ist verboten. Bei Zuwiderhandlung Berechnen wir EUR 3,32.« Und, Hotel Detva, für EUR 6,64 darf man auch das Nachbarzimmer umräumen?

Frage für die Urlaubsplanung von Titanic

 Unangenehm, »Spiegel«!

In Deinem Porträt der Drehbuchautorin und Regisseurin Anika Decker weißt Du uns das Folgende zu berichten: »Wenn man ein paar Stunden mit Decker verbringt, kann man sich gut vorstellen, warum sie viele Freunde hat. Man kann mit ihr aufs Klo gehen und neben ihr pinkeln, ohne dass es sich komisch anfühlt.«

Damit hast Du, Spiegel, einen neuen Lackmustest für Freundschaften etabliert. Nach vielen Litern Bier haben wir unsere Freund/innen antanzen lassen und müssen nun traurig zugeben, dass es sich jedes Mal komisch angefühlt hat, vor ihnen zu pinkeln.

Leergepisst und schrecklich einsam: Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Selbsterkenntnis

Dass ich dann doch ein ziemlich verwöhntes Arschloch bin, habe ich gemerkt, als ich neben einem schlafenden Obdachlosen eine geschenkte Tüte Nachos sah und ganz kurz dachte »Was soll er damit? Er hat doch gar keinen Dip.«

Karl Franz

 Fragment

Kafka war schon deshalb ein größerer Autor als Proust, weil dieser zu Lebzeiten nur einen einzigen Meisterroman nicht vollenden konnte, Kafka hingegen gleich drei unabgeschlossen ließ? Äußerst reizvolle These! Aber irgendwie unfertig …

Andreas Maier

 Frühwarnsystem

Aufgrund meines spärlichen Haupthaars merke ich stets als Erster, dass es zu regnen beginnt.

Fabio Kühnemuth

 Kein Mitgefühl

In Leute, die keine Empathie empfinden, kann ich mich einfach nicht hineinversetzen.

Laura Brinkmann

 Der Fehler im Rogen

Ich kann mir nicht helfen: Jedes Mal, wenn ich Kaviar esse, habe ich ein Störgefühl.

Lukas Haberland

Vermischtes

Kamagurka & Herr Seele: "Cowboy Henk"
Er ist Belgier, Kamagurka. Belgier! Wissen Sie, was der Mann alles durchgemacht hat in letzter Zeit? Eben, er ist Belgier. Und hat trotzdem in einem Finger mehr Witz als Sie im ganzen Leib! Und Heldenmut! Glauben Sie nicht? Dann lassen Sie sich von Cowboy Henk überzeugen, dem einzigen Helden, der wirklich jeden Tag eine gute Tat begeht.
Zweijahres-Abo: 117,80 EURKatz & Goldt: "Lust auf etwas Perkussion, mein kleiner Wuschel?"
Stephan Katz und Max Goldt: Ihr monatlicher Comic ist der einzige Bestandteil von TITANIC, an dem nie jemand etwas auszusetzen hat. In diesem Prachtband findet sich also das Beste aus dem endgültigen Satiremagazin und noch besseres, das bisher zurückgehalten wurde. Gewicht: schwer. Anmutung: hochwertig. Preis: zu gering. Bewertung: alle Sterne.
Zweijahres-Abo: 117,80 EURFriedemann Weise: "Die Welt aus der Sicht von schräg hinten"
Laut seiner Homepage ist er der "King of Understatement" und der "lustigste Mensch im deutschsprachigen Internet". Er ist aber auch Gitarrenmann, Viralblogger (15000 Follower!), Gagautor und Promiexperte mit Diplom. Die Rede ist von Friedemann Weise, dem Mann mit dem Namen! Der Mann, der den "Satiropop" erfand. Und jetzt auch noch ein Buch vorlegt. Ob das gutgeht? Ordern Sie diese Prämie und teilen Sie Ihr vernichtendes Urteil bitte zeitnah der TITANIC-Redaktion mit.Wenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
Zweijahres-Abo: 117,80 EUR
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Das schreiben die anderen

Titanic unterwegs
19.08.2022 Zeven, Volksbank Gerhard Henschel
24.08.2022 Chemnitz, Villa Esche Tim Wolff
25.08.2022 Erlangen, Poetenfest Thomas Gsella
26.08.2022 Frankfurt, Museum für Komische Kunst »Festival der Komik X«