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Inside TITANIC (38)

Intime Einblicke in das Innere der TITANIC-Redaktion und ihrer Mitglieder. Ella Carina Werner über die härteste aller Handwerkergilden: fabrikmäßige Komikproduktion.

Viele Menschen, darunter meine Eltern, hängen dem hübschen Glauben an, bei TITANIC herrsche den ganzen Tag Gaudi: Kollektive Lachflashs bis der Bürokaffee aus den Nasenlöchern sprudelt, sowie Eulenspiegeleien am laufenden Band, Stichwort Furzkissen. Eine "blutige" Plastikhand ragt urplötzlich aus dem Papierschredder, der Fußboden ist übersät mit Fake-Kackhaufen aus Kunststoff. Polonaise quer über die Schreibtische und saufen, saufen, saufen!

Die traurige Wahrheit ist: Die "Arbeit im Scherzbergwerk" (Waalkes? Welke?) ist brutal und kräftezehrend, härter als eine Schicht im Feuersteinbergwerk im oberägyptischen Nazlet Khater, welches seit 30 000 Jahren von Sklaven am Laufen gehalten wird. Der Druck ist immens. Isoliert sitzt ein jede(r) stumm da, haut in die Tasten, bis der Schädel qualmt und die Fingerkuppen bluten. Mit zitternder Hand wird der Text dem Chef vorgelegt. Der lehnt sich in seinem Hirschledersessel zurück, rückt die Bossbrille zurecht: "Hm hm, dann woll'n wir mal sehen …" Natürlich lacht er beim Lesen kein einziges Mal, hebt am Ende Augenbraue und Zeigefinger und erklärt, die Pointendichte in der zweiten Textspalte müsse flugs verdoppelt werden, mehr Fallhöhe in den letzten Absatz geschleust und im hinteren Drittel die Erwartungshaltung stärker durchbrochen sowie die "Inkongruenz zwischen Schein und Sein" schärfer herausgeschält. "Das Ganze in 30 Minuten noch mal vorlegen!" Was folgt: Herzrasen, Arbeitsschweiß, ein tränenverschleierter Blick auf die tickende Eieruhr, nochmaliges Einziehen doppelt- und fünffacher Böden und heimliche Griffe nach Witz-Nachschlagewerken wie "Gags für jede Gelegenheit" oder "Das große Haha-Buch", um am Ende das ewige Soll zu erfüllen. Minimum: Pro 100 Zeilen 1 Kalauer, 3 Wortspiele, 2 Zoten, 1-2 unerwartete Brechungen, 1 Treppen- oder Antiwitz sowie 7 (oder besser 8) feingeistige Bonmots.

Ab 18 Uhr wird aber doch gesoffen, anders kommt man nicht klar. Bis zum nächsten Morgen, bis es wieder anrollt, das Hamsterrad, die Fron echter, ehrlicher Arbeit.

Kategorie: Meinung



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Briefe an die Leser

 Danke, »Zeit«,

für Deinen Artikel mit dem Titel »So gefährlich sind Blitze«! »Gewitter können tödlich sein« heißt es weiter im ersten Satz. Na, dann werden wir die als harmlos eingeschätzten Lichtspiele in Zukunft deutlich kritischer beäugen! Wir freuen uns auf weitere nützliche Artikel von Dir wie »Lava – warum wir sie meiden sollten« und »Tollwütiger Grizzlybär, dein Freund und Helfer? Von wegen!«

Immer auf der Hut: Titanic

 Jetzt, Husqvarna Group aus Stockholm,

ist der Groschen bei uns endlich gefallen: Du hast zuerst – siehe TITANIC 4/2024 – Deine Rasenmäher mit einem Softwareupdate versehen, das erlaubt, auf Deinen Höllenmaschinen den Egoshooter »Doom« zu spielen, und jetzt, wie heise.de nicht entgangen ist, mit einem weiteren nachgelegt, das eine »Victory Dance«-Funktion nachrüstet. Diese lässt, sobald die vom Nutzer eingestellte Lieblingsmannschaft ein Tor geschossen hat, die Mähroboter »eine Jubelbewegung hinlegen: Roboter, Tornado oder 180°-Drehung. Die jeweiligen Tänze sollen an die von Peter Crouch, Miroslav Klose und Cristiano Ronaldo erinnern, nachdem sie ein Tor geschossen hatten. Zusätzlich blinken die Lampen am Mähroboter und eine Fanfare wird abgespielt.«

Das ist doch alles nur Teil eines perfiden Racheplans, die Bewohner/innen derjenigen Länder mit Lärm zu terrorisieren, deren Fußballnationalmannschaften nicht wie die schwedische die Qualifikation für die Europameisterschaft 2024 verkackt haben!

Alle Lampen blinken tiefrot bei Titanic

 Hast Du das selbst gemacht, Bauhaus,

oder war’s eine Werbeagentur, die auf Dein Plakat mit dem Rasenmähroboter den verheißungsvollen Spruch »Einfach mal mähen lassen« gedruckt und uns damit schon fast überzeugt hatte, uns dann aber mit dem unmittelbar darunter positionierten Bauhaus-Slogan »Selbst gemacht tut gut« doch wieder vom Kauf abrücken ließ?

Fragen die OBI-Hörnchen von Titanic

 Prost und zum Wohl, lieber Lidl!

Rückblickend möchten wir uns noch einmal für Dein schönes Angebot »Freude schenken zum Vatertag« bedanken, bei welchem Du auf acht Plastikflaschen Deines ohnehin schon extrem billigen Perlenbacher Pils aus lauter Herzensgüte einfach eine neunte gratis obendrauf gelegt hast!

Und warum, Lidl? Weil Du ihre Herzen (und Lebern) in- und auswendig kennst und daher weißt: Erst die neunte Flasche ist es, die Männern regelmäßig die unverfälschte, überschäumende Freude bringt!

Nach Diktat vom Bürostuhl gekippt und sogleich eingepennt:

Deine »Jungs« von Titanic

 Chapeau, »Kicker«!

Die schwierige Trainersuche des FC Bayern sprachlich angemessen abzubilden, ist sicher auch keine leichte Aufgabe. Doch die von Dir entdeckte Lösung: »Jetzt, nachdem auch mit dem aktuellen Cheftrainer keine Einigung gefunden werden konnte, stehen Max Eberl und Christoph Freund nicht nur mit dem Rücken zur Wand. Es gibt eigentlich gar keine Wand mehr« überzeugt gerade im Kafka-Jahr.

Zumindest Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Große Schmerzen

Nachdem ich in den letzten Wochen für eine Hausarbeit historische Handschriften aufarbeiten musste, kann ich kleine Schnörkelschriften echt nicht mehr sehen. Ich habe ganz offensichtlich einen Minuskelkater.

Karl Franz

 Körper-Wunder Mensch

Wussten Sie schon, dass Finger- und Zehennägel den Hauptteil ihres Wachstums ausgerechnet in der Zeit, während der man nicht hinsieht, absolvieren? Man lernt nie aus …

Theobald Fuchs

 Helmut Kohls Erbe

Endlich beginnen auch in unserem Viertel die Bauarbeiten für den Glasfaseranschluss. Bis es soweit ist, lässt die Leis ung des urzeitlich n Kupfe k bels a l rdi gs m hr de n je z wü sc n übr

Teresa Habild

 Rhetorischer Todesstern

Anstatt vor der Reise nach Irland mühsam meine eingerosteten Conversation-Skills aufzufrischen, hatte ich mich dazu entschlossen, einfach ein paar cool klingende Star-Wars-Zitate auf Englisch auswendig zu lernen. Beim abendlichen Guinness wollte ich in der dunkelsten Ecke des Pubs sitzen, die langen Beine mit den Wanderstiefeln entspannt auf dem Tisch abgelegt, und – sollte mich jemand etwas fragen – mit einer lässig dahingerotzten Antwort aus »Das Imperium schlägt zurück« geheimnisvoll und verwegen wirken. Obwohl ich mich dabei genau an das Skript hielt, wurde ich bereits ab dem zweiten Tag von den Locals wie ein Irrer behandelt und während des kompletten Urlaubs weiträumig gemieden. Ich glaube zwar nicht, dass es an mir lag, aber wenn ich einen Kritikpunkt nennen müsste, dann diesen: Ausschließlich Sätze in Wookie-Sprache zu verwenden, war möglicherweise ein Fehler.

Patric Hemgesberg

 Klare Empfehlung

Dank der Paarberatung gelang es uns, unsere Beziehung gemeinsam sanft und behutsam in die Tonne zu legen anstatt zu kloppen.

Leo Riegel

Vermischtes

Erweitern

Das schreiben die anderen

Titanic unterwegs
04.08.2024 Frankfurt/M., Museum für Komische Kunst Die Dünen der Dänen – Das Neueste von Hans Traxler
04.08.2024 Frankfurt/M., Museum für Komische Kunst »F. W. Bernstein – Postkarten vom ICH«
18.08.2024 Aschaffenburg, Kunsthalle Jesuitenkirche Greser & Lenz: »Homo sapiens raus!«
01.09.2024 Frankfurt, Museum für Komische Kunst »POLO«