Newsticker

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Meditation und Markt mit Dax Werner

Der Besuch

Dieses Momentum, wo der Kies in der Auffahrt unter fast abgefahrenen Sommerreifen vor sich hin knirscht und dann ein kleiner Junge in Anzug, Fliege und mit Rollkoffer aus der Beifahrertür steigt, irgendwas in sein Handy drückt und grußlos, dafür effizient, in Richtung meiner Haustür marschiert. Mein Neffe Gino (5) ist zum ersten Mal für ein ganzes Wochenende zu Besuch!

"Hey Buddy, DA ist aber jemand groß geworden!", begrüße ich ihn und wuschle dem Champion durch die Haare. Gino streckt mir sehr ernst die Hand entgegen: "Onkel Dax, schön, dass du es einrichten konntest!" Auf dem kurzen Weg durch den Flur ins Wohnzimmer schwärmt er von Blablacar, einem französischen Mitfahrdienst, den er auf dem Weg zu mir genutzt hat. "Ich sag's mal wie's ist, dieses Startup performt gerade nicht zu Unrecht aufs Abartigste, inzwischen in der fünften Investitionsrunde. In der Form in Deutschland gar nicht denkbar. Wo ist das Bad?"

Ich bin irritiert. Im Wohnzimmer angekommen, versuche ich es mit einem Klassiker der Kinder-Kommunikation: "Was willst Du denn mal werden, wenn du groß bist?" Gino schlägt die Beine übereinander und überlegt. Stand jetzt sei Frank Thelen da sicherlich ein Vorbild, auch Carsten Maschmeyer und Philipp Jessen sehe er als Macher, zu denen er aufschaut, aber apropos Träume: Ob ich eigentlich immer noch ernsthaft über zehn Jahre nach Burdas iconic turn 24/7 auf der Versager-Plattform Twitter grinde?

Na, der hat gesessen. Mir wird kurz ziemlich schwindelig und auch schlecht (gleichzeitig), ich muss mich refokussieren: Bin ich in einem Youtube-Prank gelandet? Warum und wann hat sich Gino in eine Art Turbo-Version vom jungen Christian Lindner (Stichwort Stern-TV) transformiert? Und warum liest er mein Twitter? Ich stottere irgendwas von Renaissance des geschriebenen Worts, Debattenkultur und konservativem Backlash, das Internet müsse doch zurückschlagen! Doch der Junge in meinem Wohnzimmer unterbricht mich schon wieder: Na ja, fährt er fort, wenn man, wie er, mit offenen Augen und open-minded durch die Kita gehe, spüre man doch sehr deutlich: Das Boot ist voll. Im Übrigen sei genau das am Dienstag Thema seiner Instagram-Story, da erkläre er das noch mal mithilfe des großen Lego-Piratenboots.

Ich atme zweimal tief ein, kärchere die Reste meines Bulletproof-Coffees in die Speiseröhre und schlage vor, sofort in den Zoo zu fahren. Am Kassenhäuschen besteht er darauf, den Eintritt selbst zu zahlen, weil sich (O-Ton Gino) "Leistung wieder lohnen muss". Dann erklärt er dem Mann an der Kasse, dass auch sein Arbeitsplatz in den nächsten fünf bis zehn Jahren verschwinden werde, "aber als Chance". Wir gehen dann doch nicht in den Zoo. Auf dem Weg nach Hause spreche ich ihn noch mal auf die Metapher mit dem vollen Boot von vorhin an und versuch es noch mal kumpelig: "Champion, ganz ehrlich: Die hat mich noch nicht ganz abgeholt." Gino entgegnet, dass ich doch jetzt bitte mal den Fuß von der Spaßbremse nehmen soll, am Ende des Tages seien Zuwanderer auch irgendwie dornige Deutsche und Multikulti als solches lehne er ja ohnehin nicht komplett ab, da war schon viel Schönes dabei vom Ansatz her. Ich spüre, wie kleine Schweißperlen meine Stirn hinabjagen, die Sonne paralysiert mich mit ihren Strahlen ins Auto rein und ich merke, wie ich die Kontrolle über mein Elektro-Auto verliere. Ein geisteskrank lauter Knall. Dann wache ich schweißgebadet auf: In der Auffahrt knirscht der Kies.

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Der TITANIC-Ombudsmann (2)

Liebe Leserinnen und Leser, historische Wochen liegen hinter uns! Der NSU-Prozess ist zu Ende gegangen – Gott sei Dank so, dass alle Beteiligten das Gesicht wahren konnten. Wichtig ist doch bei jedem Streit, dass man hinterher noch miteinander reden kann! Das ist auch mein Motto als TITANIC-Ombudsmann: Wenn Sie das Gefühl haben, TITANIC habe Ihre Würde angegriffen, Ihnen Schaden zugefügt und Ihr Leben für immer ruiniert, möchte ich, dass wir am Ende des Tages immer noch gemeinsam darüber lachen können.

In den letzten Tagen bin ich unter anderem diesen Fällen nachgegangen.

► TITANIC-Leserin Andrea Nahles sieht die Arbeit der SPD-Fraktion im Bundestag nicht ausreichend gewürdigt: "Vor zwei Tagen wollte die Kanzlerin noch offen zu einem faschistischen Umsturz im Land aufrufen. Wir von der SPD haben da klipp und klar gesagt, dass das mit uns nur unter erheblichen Bauchschmerzen möglich ist. Jetzt wurde der Antrag sogar vertagt! Warum lese ich darüber nichts in TITANIC?"

Meine Antwort: Ziffer 8.7 des deutschen Pressekodex gebietet es, bei der Berichterstattung über Selbsttötung Zurückhaltung walten zu lassen. Dies gilt insbesondere für “die Nennung von Namen, die Veröffentlichung von Fotos und die Schilderung näherer Begleitumstände”. Bis die Selbsttötung der SPD abgeschlossen ist, wird die Redaktion ihre Berichterstattung auf ein Minimum beschränken, um Nachahmereffekte unter anderen Parteien zu vermeiden.


Vor einigen Wochen wollte TITANIC-Chefredakteur Tim Wolff in einer Umfrage die Erschießung von "Zeit"-Journalisten ergebnisoffen diskutieren. TITANIC-Leserin Ines Pohl fragt uns: "Was soll das? Schaut Euch mal um in der Welt, solche Aktionen sind weder lustig noch öffnen sie irgendwelche Perspektiven. Das ist schlicht Aufruf zum Mord. Pfui!"

Meine Antwort: Die Kritik ist berechtigt. Die Redaktion hat mir zugesichert, künftig nur noch dann zum Mord an "Zeit"-Journalisten aufzurufen, wenn dadurch neue Perspektiven eröffnet werden. Wir bitten alle "Zeit"-Journalisten um Entschuldigung, die berufsmäßig nur über den Tod von Ausländern, nicht aber den eigenen nachdenken wollen, wünschen noch einen schönen Tag und – falls Sie morgen freihaben – ein schönes Wochenende!


► Durch ein technisches Versehen war der Twitter-Account von TITANIC-Redakteur Moritz Hürtgen einige Stunden so eingestellt, dass er wie ein türkisches Nachrichtenportal aussah. TITANIC-Schlau-Leser J. Reichelt bemerkte den Fehler – und wirft nun der Redaktion vor, "mit Fake News Spaltung herbeizuführen".

Meine Antwort: Die Kritik klingt zwar wirr, ist aber berechtigt: Es ist historisch der erste Fall, in welchem ein TITANIC-Fake so schlecht war, dass er sogar von der Bild.de-Redaktion erkannt wurde (vgl. aber: Wahl von Joachim Gauck, #Miomiogate, Seehofer-Rücktritt). Ich habe mit der Redaktion gesprochen: Sie wird dafür sorgen, dass das nie wieder passiert und die eingetretene Spaltung (?) rückgängig gemacht wird. Hauptsache, Sie beruhigen sich erst mal!

Herzlichst,

Ihr TITANIC-Ombudsmann

Leo Fischer

Wenn er sich noch an sein Passwort erinnert, erreichen Sie Herrn Fischer unter ombudsmann@titanic-magazin.de und ansonsten unter TITANIC, Stichwort: Sofort wegwerfen, Hamburger Allee 39, 60486 Frankfurt am Main.

Sie können ihn kontaktieren, wenn Sie Ihre politische Ansicht oder sonstige Wahnvorstellungen falsch oder verzerrt dargestellt finden. Aber auch, wenn Sie Zweifel an Fakten haben, am Leben oder "auch nur mal so". Er darf offiziell bei unserer Chefredaktion fragen, ob wir alles richtig gemacht haben. Wir werden keinen Einfluss auf seine Schützenhilfe nehmen und sie veröffentlichen, wann immer es gerade gut passt.

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Das TITANIC-Sommerinterview mit Chico

TITANIC: Guten Tag, Chico. Wie geht es dir?

Chico: Wuff! Wuffwuff!

TITANIC: In Deutschland wird gerade wieder über Integration diskutiert. Wie beurteilst du das?

Chico: Die Integration ist gescheitert, da gibt es nichts zu beschönigen – vor allem die Integration der Bayern, aber auch die ganz vieler anderer Bürger mit Deutschenhintergrund. Deshalb fordere ich: Deutsche raus aus Deutschland! Die machen ja sonst wieder das ganze Land kaputt.

TITANIC: Was müssen Migranten tun, um in Deutschland anerkannt zu werden?

Chico: Ganz einfach: Der Migrant muss sich in einen nonstop kläffenden hässlichen Köter verwandeln, dann wird er hier für immer beliebt sein. Todsicher!

TITANIC: Mittlerweile hat sich fast jeder zu Mesut Özil geäußert, zuletzt auch Daniela Katzenberger, Goleo und Helmut Schmidt. Was ist deine Meinung?

Chico: Ich bin immer noch erstaunt, dass man ihm lediglich das WM-Aus, die Waldbrände in Schweden und Griechenland, die miesen CSU-Umfragewerte, die Flüchtlingskrise, die scheußliche Frisur von Oliver Bierhoff und die schlechte Laune von Karl Lagerfeld bzw. Lauterbach vorwirft. Am Handelsstreit mit den USA, an der Hitze in Heiko Maas‘ Oberstübchen und am Aussterben der Bienen kann man ihm doch ruhig auch noch die Schuld geben. Wenn schon, denn schon.

TITANIC: Einer der vielen Vorwürfe lautete, dass Özil sich nicht schon viel früher öffentlich geäußert hat, zum Beispiel anlässlich des DFB-Medientages vor der Fußball-WM. Wie siehst du das?

Chico: Wer sich schon einmal mit deutschen Fußballreportern beschäftigt hat und ihre dämlichen Fragen kennt, kann nachvollziehen, dass Özil dem Medientag lieber ferngeblieben ist.

TITANIC: Stimmt es, dass du gleich noch einen Termin in der "Bild"-Redaktion hast?

Chico: Ja, ich freue mich schon sehr. Es ist eine sehr gute Gelegenheit, mal wieder ein paar Menschen... (knurrt, fletscht die Zähne und rennt los)

TITANIC: Viel Erfolg!

Chico: Wuff! Wuffwuffwuffwuffwuffwuffwuff!

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Leute ... von Paula Irmschler



ICH BIN INTROVERTIERT

Leute,



am Wochenende war ich auf der Piste – und es war wieder einmal sehr traurig, denn es ist wahr: Ich bin introvertiert. Genau wie Ihr wahrscheinlich auch, Ihr verzottelen Stinkeheinis, die Ihr gerade vorm Internet sitzt. Es ist ein bekanntes Phänomen: Man ist auf einer Party, wie jedes Wochenende und unter der Woche auch manchmal, und kann mit niemandem so richtig reden. Erstens weil man niemanden kennt, zweitens weil man gerade erst eine Lymphdrüsenoperation hinter sich hat und drittens weil man nun mal introvertiert ist. 

Deswegen dachte ich mir, ich melde mich mal auf Facebook, Twitter, Tinder, Instagram, Snapchat und für ein Bahamas-Abo an, da ist die Hemmschwelle nicht so groß, neue Leute kennenzulernen. Und ich lerne gern neue Leute kennen. Manche Datingapps haben auch so Persönlichkeitsberechner, und da kommt immer raus, dass ich introvertiert bin, und dann kann ich mich mit anderen Introvertierten zusammentun und mich austauschen. Ich habe außerdem erfahren, dass ich zu einer speziellen Art von Introvertierten gehöre: den extrovertierten Introvertierten. Das heißt, dass ich in meiner introvertierten Art extrovertiert bin. Das macht es schwer, anzukommen bei vielen anderen Menschen. Einige Gespräche enden schon, sobald ich sage, dass ich extrovertiert introvertiert bin. Ich sage es immer gleich, damit es raus ist, und oft, weil ich dazu stehe. Ich habe es mir sogar jetzt groß auf ein T-Shirt drucken lassen. 

Es ist wichtig, dass wir über dieses Thema sprechen. Viel, immer, direkt. Während meines letzten One Night Stands brachte ich es also zur Sprache: Ich muss dir etwas sagen, ich bin so und so. Das war nicht leicht, der Mann schien nicht begeistert, aber es war mir egal, wenn er mich nicht will, wie ich bin, scheiß ich da einfach drauf. Auch bei Festivals, den Eltern meiner Partner oder bei richtig geilem Gruppensex stoße ich da immer wieder an Grenzen. Mein letzter Freund war introvertiert extrovertiert. Hätte er es doch nur je geäußert ... Dann hätten wir uns so richtig gut ergänzen können, aber er konnte es nicht und so habe ich es nie erfahren und dachte, er wäre ein stinklangweiliger Normalo, und habe ihn verlassen. Einfach nur schade. Aber noch was in eigener Sache: Schreibt mir gern, falls Ihr ficken wollt!

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Nur kein Gedäh! – von Martin Knepper

Was machen wir mit unseren Körpern

Was machen wir mit unseren Körpern, wenn wir sie vom Schmutz befreit und in Stoff gehüllt haben? Wir setzen sie vor Rechner und lassen sie Knöpfe drücken: Knöpfe, kleiner als unser größtes Muttermal. Das wird in einer Evolution münden. "Wir werden verwandelt werden", sagt Paulus – so wie die Autos, die er nie gefahren hat. Die haben einstmals ausgesehen wie Lebkuchendosen aus der Zeit, als Nürnberg noch kein Outlet-Center für Ex-Nazis war. Karbidlampen mit Prismenglas, messingne Felgen, das Armaturenbrett ein ganzer Regenwald, und dann der Schwung der Radkästen! Wir aber sind im Netz so unerlöst geparkt wie kugelige Stadtmobile, die kaum beschmutzt an jeder Ecke lauern, und hoffen, dass sie irgendwer mit seiner App erlöst und von der Stelle bringt.

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Leute von Paula Irmschler

Wie ich lernte, Männer zu respektieren

Ich dachte lange, wir sind eben alle verschieden und das ist gut so. Dann wurde mein Sohn 34. Ein Pamphlet.

Es sollte alles anders werden. Seit dem 34. Geburtstag meines Sohnes. An diesem Tag wurde mir plötzlich klar: Noch wohnt er bei uns, ist aber bald schon ein Mann. Bald würde er erwachen, seine Blüte (die auf der Stirn) wachgeküßt werden. In was für eine Welt muss ich ihn eigentlich entlassen? Die mit Blüten auf Stirnen.

Mein Sohn soll es einmal besser haben als ich. Das will vermutlich jede Mutter. Sein Geschlecht spielte bisher keine große Rolle für mich. Er war ein Junge und liebte als Kind eben alles, was blau war. Er liebte Monstertrucks, besoffen bei 4chan kommentieren und Flecken. Jungsspielzeug. Sein Vater und ich hatten dabei wenig Bedenken, obwohl es so unästhetisch war. Pokémon, Dinos und später dann Karten für ein Konzert von Burzum – wir machten alles mit. Ich dachte, dass er auch in blau und blau ein selbstbewusster und selbständiger Mensch werden kann. Erfolg im Leben und Fußball, für mich war das kein Widerspruch.

Schließlich kannte ich es so aus meinem beruflichen Umfeld: Die Männer, mit denen ich gearbeitet habe, waren selbstbewusst, stark, autonom und dennoch manchmal attraktiv. Welche Farbe ihre Unterhosen hatten, spielte dafür keine Rolle. Bis heute bin ich in meiner Branche keinem Mann begegnet, der von einer Frau abhängig ist, einige bringen gar selbstgemachte Brote mit, die durchaus als Essen durchgehen können.

Männer zu besitzen hat mir wirklich geholfen, die Welt anders zu sehen. Ich fing an, mich bewusst mit männlichen Dingen zu umgeben, um diese Energie, dieses speziell Männliche, in mein Leben zu integrieren. Schließlich war auch mein Vater ein Mann und auch dem seiner wiederum. All die inspirierenden Männer in meinem Leben – ich habe begonnen, sie wahrzunehmen und die Besonderheiten ihres Esprits zu schätzen und von ihnen zu lernen. Wie könnte ich mich also nicht für Männer einsetzen?

Deshalb sind wir dran: wir Mütter, Freundinnen, Schwestern, Omas, Tanten, wir Frauen. Denn wenn wir nicht bald anfangen, dafür einzustehen, dass unsere Söhne und Brüder, Freunde und Ehemänner genauso viele Chancen auf ein gutes Leben bekommen wie wir, wird in diesem Land nie Gerechtigkeit herrschen. Mir ist an diesem 34. Geburtstag meines Sohnes klar geworden: Der Kuchen ist groß genug. Nein, Jungs und Männer müssen nicht UNS gefallen, sie sind nicht für unser Entertainment da, wir müssen sie empowern auf ihrem Weg zu normalen Hobbys, richtigen Jobs und trotz ihrer demonstrativen Hässlichkeit zu ihnen halten.

Mein Mann fand es immer schade, dass ich mich nicht so nennen wollte: Maskulinist. Mit bestimmten Menschen will ich nun mal einfach nicht in einen Topf geworfen werden, gerade mit den ständig heulenden Netzmaskunazis. Man kann schließlich nur jemanden respektieren, der auch sich selbst respektiert und sich beispielsweise ordentlich anzieht. Heute weiß ich: Sichtbarkeit ist wichtiger als Eitelkeit. Heute kann ich endlich sagen: Ich bin Frau. Ich bin Mutter. Ich bin für Männer.

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Meditation und Markt mit Dax Werner

Gedanken zur besten Weltmeisterschaft aller Zeiten

2014 celebratete ich gemeinsam mit Startup Claus den WM-Sieg "unserer Jungs" in Köln: Ich erinnere mich, wie Claus und ich minutenlang stumm auf einen 20-Zoll-HD-Ready-Flatscreen am Brüsseler Platz starrten, und an dieses unwirkliche Momentum, wo Fips Lahm das Dingen in den Nachthimmel von Rio streckte. Noch intensiver als meine Freude über die deutschen World-Cup-Winner war es jedoch, mit Tränen der Rührung zu beobachten, wie sämtliche Kioske und Getränkehallen der Domstadt ihre gesamten Alkoholbestände in einer halben Nacht verkaufen konnten. In dieser mystischen Sommernacht wurde Geld verdient.

Auch im neuen Weltmeisterland Frankreich, oder wie Emmanuel Macron und ich sagen: in der "Start-up-Nation", wurde gestern Nacht offenbar sehr viel Cash gemacht, auf Twitter habe ich mir Videos von besenrein leergeräumten Supermarchés und Luxus-Boutiquen auf der Champs-Élysées reingekaspert. Offenbar hat Macron es geschafft, eine ganze Nation ins Start-up-Fieber zu versetzen. Und was ich daran besonders next level finde: Das gesamte Thema wird an der Seine 360°-grassroot gedacht. So klappt’s.

Hierzulande ist nach dem Vorrunden-Debakel für die "Die Mannschaft" dagegen erst einmal mentaler retreat in der Künstlerkolonie Worpswede angedoodlet. Der DFB hat seit der Niederlage gegen "den Mexikaner" real talk nur einen Monat gebraucht, um sein 2006 etabliertes Game vom Hochglanz-Start-up mit Seriengewinner-Mindframe auf das Level Spediteur-druckt-Facebook-Memes-gegen-Willkommenspolitik-auf-seine-Lkws zu shiften. Heftig, aber so kann’s gehen, wenn der Club der Freunde der Nationalmannschaft plötzlich den inhaltlichen Kurs vorgibt. Die-Mannschaft-Manager Oliver Bierhoff, der wie so viele seine Karriere eigentlich nur den ironischen Wirren der neunziger Jahre und damit verbundenen Highlights wie der Einführung des Golden Goals verdankt, wirkt nur noch wie ein Getriebener und erinnert mich gerade ein bisschen an den Klassenkameraden, bei dem es nach dem Abitur erst absurd gut lief und der jetzt nur noch dadurch auffällt, dass er im Facebook die luziden Überlegungen von Roland Tichy zur Asylpolitik in die Timeline drückt.

Apropos in die Timeline drücken: Womit man diese Woche noch jede Menge Klicks und Favs in den Social Media generieren kann, ist der Hinweis, dass die nächste WM 2022 in Katar (!) zur Adventszeit (!) gespielt wird. Für echte viral magic muss der Post dann aber auch im stilechten Oswald-Spengler-"Untergang-des-Abendlandes"-Gedächtnis-Tonfall gehalten sein. Für mich persönlich ist eine Winter-WM am Ende auch nur eine dornige Sommer-WM, also kein Problem, nur eine Aufgabe: Kann mir zum Beispiel sehr gut vorstellen, in vier Jahren mit Claus einen Weltmeister-Glühweinstand ("Jogis Wunderwein") am Brüsseler zu rocken.

Freut sich schon auf Eure Geschäftsideen und sendet liebe Grüße: Dax Werner

Aktuelle Startcartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Mmmmh, Thomas de Maizière,

Mmmmh, Thomas de Maizière,

über den Beschluss der CDU vom Dezember 2018, nicht mit der Linkspartei oder der AfD zusammenzuarbeiten, an dem Sie selbst mitgewirkt hatten, sagten Sie bei Caren Miosga: »Mit einem Abgrenzungsbeschluss gegen zwei Parteien ist keine Gleichsetzung verbunden! Wenn ich Eisbein nicht mag und Kohlroulade nicht mag, dann sind doch nicht Eisbein und Kohlroulade dasselbe!«

Danke für diese Veranschaulichung, de Maizière, ohne die wir die vorausgegangene Aussage sicher nicht verstanden hätten! Aber wenn Sie schon Parteien mit Essen vergleichen, welches der beiden deutschen Traditionsgerichte ist dann die AfD und welches die Linke? Sollte Letztere nicht eher – zumindest in den urbanen Zentren – ein Sellerieschnitzel oder eine »Beyond Kohlroulade«-Kohlroulade sein? Und wenn das die Alternative zu einem deftigen Eisbein ist – was speist man bei Ihnen in der vermeintlichen Mitte dann wohl lieber?

Guten Appo!

Wünscht Titanic

 Erwischt, Bischofskonferenz!

In Spanien haben sich Kriminelle als hochrangige Geistliche ausgegeben und mithilfe künstlicher Intelligenz die Stimmen bekannter Bischöfe, Generalvikare und Priester nachgeahmt. Einige Ordensfrauen fielen auf den Trick herein und überwiesen auf Bitten der Betrüger/innen hohe Geldbeträge.

In einer Mitteilung an alle kirchlichen Institutionen warntest Du nun vor dieser Variante des Enkeltricks: »Äußerste Vorsicht ist geboten. Die Diözesen verlangen kein Geld – oder zumindest tun sie es nicht auf diese Weise.« Bon, Bischofskonferenz, aber weißt Du, wie der Enkeltrick weitergeht? Genau: Betrüger/innen geben sich als Bischofskonferenz aus, raten zur Vorsicht und fordern kurz darauf selbst zur Geldüberweisung auf!

Hat Dich sofort durchschaut: Titanic

 Grunz, Pigcasso,

malendes Schwein aus Südafrika! Du warst die erfolgreichste nicht-menschliche Künstlerin der Welt, nun bist Du verendet. Aber tröste Dich: Aus Dir wird neue Kunst entstehen. Oder was glaubst Du, was mit Deinen Borsten geschieht?

Grüße auch an Francis Bacon: Titanic

 Du, »Brigitte«,

füllst Deine Website mit vielen Artikeln zu psychologischen Themen, wie z. B. diesem hier: »So erkennst Du das ›Perfect-Moment -Syndrom‹«. Kaum sind die ersten Zeilen überflogen, ploppen auch schon die nächsten Artikel auf und belagern unsere Aufmerksamkeit mit dem »Fight-or-Flight-Syndrom«, dem »Empty-Nest-Syndrom«, dem »Ritter-Syndrom« und dem »Dead- Vagina-Syndrom«. Nun sind wir keine Mediziner/innen, aber könnte es sein, Brigitte, dass Du am Syndrom-Syndrom leidest und es noch gar nicht bemerkt hast? Die Symptome sprechen jedenfalls eindeutig dafür!

Meinen die Hobby-Diagnostiker/innen der Titanic

 Lustiger Zufall, »Tagesspiegel«!

»Bett, Bücher, Bargeld – wie es in der Kreuzberger Wohnung von Ex-RAF-Terroristin Daniela Klette aussah«. Mit dieser Schlagzeile überschreibst Du Deine Homestory aus Berlin. Ha, exakt so sieht es in unseren Wohnungen auch aus! Komm doch gern mal vorbei und schreib drüber. Aber bitte nicht vorher die Polizei vorbeischicken!

Dankend: Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Dünnes Eis

Zwei Männer in Funktionsjacken draußen vor den Gemüsestiegen des türkischen Supermarkts. Der eine zeigt auf die Peperoni und kichert: »Hähä, willst du die nicht kaufen?« Der andere, begeistert: »Ja, hähä! Wenn der Esel dich juckt – oder nee, wie heißt noch mal der Spruch?«

Mark-Stefan Tietze

 Überraschung

Avocados sind auch nur Ü-Eier für Erwachsene.

Loreen Bauer

 No pain, no gain

Wem platte Motivationssprüche helfen, der soll mit ihnen glücklich werden. »There ain’t no lift to the top« in meinem Fitnessstudio zu lesen, das sich im ersten Stock befindet und trotzdem nur per Fahrstuhl zu erreichen ist, ist aber wirklich zu viel.

Karl Franz

 Man spürt das

Zum ersten Mal in meinem Leben war ich in New York. Was soll ich sagen: Da war sofort dieses Gefühl, als ich zum ersten Mal die 5th Avenue hinunterflanierte! Entweder man spürt das in New York oder man spürt es eben nicht. Bei mir war sie gleich da, die Gewissheit, dass diese Stadt einfach null Charme hat. Da kann ich genauso gut zu Hause in Frankfurt-Höchst bleiben.

Leo Riegel

 Pendlerpauschale

Meine Fahrt zur Arbeit führt mich täglich an der Frankfurt School of Finance & Management vorbei. Dass ich letztens einen Studenten beim Aussteigen an der dortigen Bushaltestelle mit Blick auf sein I-Phone laut habe fluchen hören: »Scheiße, nur noch 9 Prozent!« hat mich nachdenklich gemacht. Vielleicht wäre meine eigene Zinsstrategie selbst bei angehenden Investmentbankern besser aufgehoben.

Daniel Sibbe

Vermischtes

Erweitern

Das schreiben die anderen

Titanic unterwegs
20.04.2024 Eberswalde, Märchenvilla Max Goldt
20.04.2024 Itzehoe, Lauschbar Ella Carina Werner
24.04.2024 Trier, Tuchfabrik Max Goldt
25.04.2024 Köln, Comedia Max Goldt