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Frank Plasberg hat nicht geschossen! Ein Kommentar.

TITANIC-Chefredakteur Moritz Hürtgen ist genervt von linkem Hass-Bashing für Polit-Talkshows

Er ist wieder da: der linke Hass im Netz. Warum? Weil sich die Redaktion des Polit-Talks "Hart aber fair" zur heutigen Ausgabe (Thema: "Wie gefährlich ist rechter Hass?") erdreistete, den rheinland-pfälzischen AfD-Mann Uwe Junge einzuladen. Und jetzt entlädt sich in den sog. sozialen Medien wieder der Hass jener Accounts, die jede Moral für sich gebucht haben (als Unterstützer-Abo bei Patreon).

Jeder Journalist lernt in der Schule: es sind immer beide Seiten anzuhören. Denn es gibt immer zwei Seiten, die linkslinken Spinner und die Nazis. In der Mitte – und eben nicht links! – steht der Journalist und hält beide in Schach. Eine Höllenarbeit ist das! Viel zu selten wird sie mit Preisen belohnt, nur bei den ganz großen Häusern (FAZ, "Welt") springt mal eine Spesenreise mit Bumsflatrate à la "Ergo" heraus.

Frank Plasberg! Reicht es nicht, dass er seine Arbeit in einem zwangsfinanzierten, planwirtschaftlichen Links-Betrieb wie der ARD verrichten muss? Ist es nicht genug, dass er alle Fakten während der Sendung persönlich in seinem Brockhaus checkt? Was wollen die Twitter-Crowd und der Facebook-Mob? Russische Verhältnisse? Dort, im Kommunismus, werden Journalisten jedenfalls kaltgemacht!

Zurück zum Thema: ein hessischer Politiker wurde kaltgemacht. Von einem Nazi. AfD-Mann Junge hat im Internet auch schon davon phantasiert, seine Gegner zur Rechenschaft zu ziehen. Reicht das für eine Verurteilung? Wenn ja, können wir gleich alle Rapper ins Gefängnis sperren. Selbst wenn, ich betone: selbst wenn Uwe Junge plant, Leute auszuschalten – das macht Plasbergs Einladung doch nur noch mutiger! Denn ein Faktencheck ersetzt gewiss keine Waffenkontrolle. Wenn Junge einen Revolver zieht, steht Plasberg splitternackt da, dann bleibt ihm nur seine Chuzpe! Ich werde ihm in dieser Situation die Stange halten, ich werde hingucken. Es wird ein wilder Ritt, ein Husarentalk!

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Meditation und Markt mit Dax Werner

Blogger, Vorbild, Mensch: Ich und Don Alphosno

Liebe Sommermäuse,

vielleicht ist es die Hitze, vielleicht auch der Mangel an richtig heißen Themen, jedenfalls habe ich mich heute für ein richtig privates Thinkpiece entschieden. Heute möchte ich einen seltenen Einblick gewähren in das Innenleben von Dax Werner. Being DW. Sicherheitsbügel runterklappen, Taschentücher bereithalten. Confession Time.

Jeder, der wie ich im Internet Sachen aufschreibt, braucht starke Vorbilder, die ihn prägen, motivieren und immer wieder zu intellektuellen Höchstleistungen pushen. Und mein Vorbild, mein Leuchtturm ist – auch wenn das jetzt den ein oder anderen überraschen mag – der frühere FAZ-Blogger und heute bei der "Welt" dienende Don Alphonso. Ich bekenne: Es ist gelinde gesagt einfach nur mad inspiring, was Fonsi oder der "Don" – wie wir Fans ihn liebevoll nennen – da seit Jahrzehnten in der digitalen Welt wegarbeitet. Dieser Mann geht das Ding über die Distanz, egal ob auf zwei Rädern am Berg oder in der Debatte im World Wide Web. Von ihm habe ich gelernt: Voll draufgehen, wenn es sein muss. Aber auch: Rückzug, wenn es nicht mehr anders geht.*

Und ich finde, bei allen Unterschieden verbindet uns auch eine ganze Menge, zum Beispiel: die Faszination für den Radsport, unsere geringe Reichweite bei Twitter und dass wir beide kleine Männer mit Fantasienamen im Internet sind. Und last but not least, dass wir uns beide irrational lange in ein völlig belangloses Nischen-Thema reinsteigern können: Mein Nischenthema heißt Don Alphonso, Fonsis Nischenthema ist aktuell Instagram-Accounts von Grünen und Klimaaktivisten. Zoomen wir da mal rein.

Alphonso ist – simply said – der letzte Ein-Mann-Rechercheverbund in Deutschland. Während andere Medienhäuser sich zu riesigen Allianzen wie z.B. WDR, NDR und SZ zusammen-mergen müssen, um überhaupt noch irgendwas Investigatives zustande zu bringen, schmeißt der Don sein Instagram an und klickt sich nächtelang durch die Profile von Grünen-Politikern, um anhand der Foto-Ortsmarken den Pro-Kopf-Kerosin-Verbrauch ganzer Landtagsfraktionen zu berechnen. Data Porn at its best. Einmal ausrecherchiert, wird dieses brillante Stück Journalismus jedoch nicht hinter der "Welt"-Paywall versteckt, sondern vom Don selbst liebevoll kuratiert in einem hundertteiligen Twitter-Thread zur Verfügung gestellt, in dem jeder Tweet mit Instagram-URL auf ein Foto aus Paraguay oder Thailand verweist. Wie sehr kann ein Mensch Internet verstanden haben? Sogar Hashtags wie #Interkontinentalkoessler oder #Langstreckluisa werden mit reingearbeitet (sicher dient die Verschlagwortung nur der besseren Wiederauffindbarkeit). Der Don ist wütend und das spürt man auch.

Vor soviel intellektuellem Esprit muss auch der Chef den Hut ziehen: "Welt"-Boss Poschardt kommentiert die raffinierte und überhaupt nicht angestrengt wirkende Kampagne seines Kolumnisten auf Twitter so: Fonsi habe "einen guten Punkt gemacht". Es tut wahrscheinlich einfach gut, wenn es neben den ganzen verkrampften Diskursen der Linken und Identitätspolitiken mal wieder einen inspirierenden, vor Leichtigkeit nur so davonfliegenden Debattenbeitrag zu lesen gibt.

Ich habe mich damit abgefunden, publizistisch wahrscheinlich nie auf dem Level des Don spielen zu können. Aber ich bin #dankbar, soviel von ihm lernen & mitnehmen zu dürfen!

Ehrfurchtsvolle Grüße an den Tegernsee

Dax Werner 

*Zum Beispiel, als "irgendjemand" dazu aufrief, Fonsi unter jeden Tweet "cooler bzw. starker Spruch" zu kommentieren und der Don seinen Twitterkanal kurzzeitig auf privat stellen musste.

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Inside TITANIC (3)

Sie lesen die TITANIC-Hauskolumne. Alle 14 Tage erhalten Sie an dieser Stelle Einblicke in das Innere der TITANIC-Redaktion und ihrer Mitglieder. Heute: Eine kulinarische Reise mit Fabian Lichter.

Das Leben als Online-Chef eines Satiremagazins ist hart: dieser immense Druck, Witze möglichst fehlrfrie ins Internet zu stellne, und ständig gilt es, Entscheidungen zu treffen. Etwa zur Frage: Wo und was esse ich zu Mittag? Da wäre die Option "Wurst – Backwaren – Milch", ein Tante-Emma-Laden im Herzen des kulinarisch doch recht menschenfeindlichen Frankfurter Stadtteils Bockenheim. Im Portfolio: Leberkäse, Kartoffelsalat, nach Wunsch belegte Brötchen und, und, und. Herzlich lächelt es einem beim Betreten des Geschäfts von überall entgegen, und nach vollendeter Transaktion streicheln einem die Verkäuferinnen zart über den Kopf. Ungern verlässt man den Laden, aber das Leben muss ja weitergehen.
Da man nicht jeden Tag hier speisen kann, schon alleine, weil man sonst bald nicht mehr durch die schmale Eingangstür passt, gilt es, Alternativen ausfindig zu machen. Ich beschließe, beim neuen italienischen Bistro ums Eck vorbeizuschauen. Bereits auf dem Gehweg erspähe ich eine Tafel mit der Lockschrift "Suppen". Perfekt! Ich suche genauere Auskunft zum Suppenangebot. Auf dem Schaufenster prangt weiterhin recht unkonkret "Suppen – täglich wechselnd". Hauptsache Suppen!, denke ich und trete in den Laden. "Guten Tag, ich bin wegen der Suppen da!" Dann, Überraschung: "Suppen haben wir nicht", schallt es forsch von der Frau hinter der Theke zurück. Ich werde misstrauisch, so wird das aber nichts. "Gibt's nur im Winter. Wir haben Nudelsalat, sehen Sie ja." Nudelsalat, mysteriös.
Ich fühle mich gelinkt und ziehe weiter. Ziel: Falafelstand. "Wegen Krankheit geschlossen", steht dort an der Scheibe. Ich sehe meinen Fehler nun ein: "Wurst – Backwaren – Milch", o himmlischer Dreiklang, dialektische Trias, heilige Dreifaltigkeit – mehr braucht kein Mensch! Ich renne, ich eile, freue mich auf ein belegtes Brötchen: wolkengleiche Butterflocken, Putenbrustfilet zart darauf gebettet, umspielt von knackig frischem Salat, in dem sich keck ein scheues Gurkenscheibchen räkelt. Ja, ich war schwach, habe mich anderweitig orientieren wollen, mich falschen Götzen angedient und zahle nun den Preis. Als ich ankomme, ist der Rollladen heruntergelassen. Wer so gut ist, kann bereits mittags seine Pforten schließen, Sünder müssen draußen bleiben. Ich kann es ihnen nicht verübeln und gehe gesenkten Hauptes zurück in die Redaktion. Mein Magen knurrt.

 

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Nur kein Gedäh! – von Martin Knepper

Aus den Häuschen

Wohnungen begleiten uns ein Leben lang. Wir werden gezeugt in Wohnungen, lesen Satiremagazine in Wohnungen und mit etwas Glück sterben wir auch darin. Doch gestiegene Kosten auf dem Wohnungsmarkt fordern ihren Preis: Schlecht wohnen ist das schlecht essen von morgen und wird vom weinerlich ausposaunten Skandalon zur klaglos gepflegten Routine. Aber alles Downsizing hat seine Grenzen: Man kann auf Fleisch und Zucker verzichten, doch ohne Dach und Strom ist die beste Wohnung nur ein getrübtes Vergnügen. Die durchschnittliche Kaltmiete bei Neuvermietung beträgt in Großstädten zweieinhalb Fertigpizzen pro Quadratmeter, wobei Bestandsmieten und Antipasti nicht einmal eingerechnet sind, und erst mit den Nebenkosten hat man den Salat; den bösen Kalorien stehen heute die bösen Quadratmeter gegenüber. Und so steht immer weniger Wohnfläche für eine stetig wachsende Zahl von Konsumgütern bereit. Neue Wege sind erforderlich, zumal bezuschusster Wohnraum gemäß der regierungsnahen Organisation Haus & Grund ein unkalkulierbares Risiko darstellt, gemäß der Doktrin: "Wer wohnen will, muss auch bauen können." Die gesetzliche Auflage, eine Filiale der Schuldnerberatung in jedes Einkaufscenter über 1000 qm zu integrieren, stößt daher auf überwältigende Resonanz. Schon im dritten Quartal 2018 wurde die Zahl der Privatinsolvenzen des Vorjahrs deutlich übertroffen. An den Trend hängen sich auch Inkasso-Unternehmen an: In Marl, Offenbach und Bremerhaven finden sich in vormals leerstehenden Einkaufscentern der Prä-Amazonzeit sogenannte Pay'n'seize-Filialen. Ihr eingängiges Motto: Sie kaufen, wir pfänden. Durch diese Politik der kleinen Wege werden unnötige Transport- und Verwaltungskosten gespart. Sobald das System auch online abrufbar sein wird, rechnen Verbraucherberater mit einem Quantensprung in der Modernisierung der Schuldenfalle – rote Zahlen ohne volle Wohnungen heißt das Konzept, das effizient auf die Anforderungen des neuen Minimalismus reagiert.

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Life & Style mit Antonia Stille

Life: Sommerurlaub 

Alles tutti, ihr Binge-Beautys? Ward ihr schon mal in Tropical Island? Ich auch nicht. Warum auch? Sommerzeit ist Reisezeit, und das heißt: Raus aus dem Loft und ab in die Luft! Wenn ihr keinen Privatjet habt, was ja mal passieren kann, dann kann auch ein Linienflug durchaus Spaß machen. Ich empfehle Langstrecke, weil dann gibt's Filme an Bord: Von "12 Years a Slave" bis "Plötzlich Prinzessin" – Hauptsache tolles Entertainment und coole Charaktere! Aber denkt unbedingt daran, euren Flug bei Atmosfair auszugleichen wegen der Orang-Utans. Mich hat auch dieses Jahr wieder das Reisefieber gepackt, seit die ersten Sonnenstrahlen das Kokosöl auf meiner Haut kitzelten. To travel is to live! Für mich ist die erste destination meistens Saint Tropez, zum Warmwerden. Aber es muss nicht immer der Moët auf der Yacht sein. Mit kleinerem Portemonnaie geht auch River Cola auf dem Tretboot in St. Peter Ording. Frei nach dem Motto "Flow trotz Low (Budget)"! Weiterer Vorteil am Urlaub für Sparfüchse: Eure "Freundin" kauft sich nicht "aus Versehen" das gleiche Jetski-Modell wie ihr – ja, ich meine dich, Jessica. Die beste Erinnerung an den Sommer eures Lebens ist, natürlich, ein Tattoo. Ich stehe da mehr auf die Klassiker wie ein schönes Infinity-Pool-Zeichen, aber wer es verrückt mag, der kann sich ja auch mal an etwas Ausgefallenerem versuchen. Der Fantasie sind da keine Grenzen gesetzt. Ich kenne sogar Leute, die sich ihre frischen Mückenstiche mit tätowierten Linien miteinander verbunden haben, um sich dann daraus die Zukunft lesen zu lassen. Das Ergebnis bei allen (!): Autan kaufen. Zufall?

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Inside TITANIC (2)

In unserer neuen Hauskolumne, die alle 14 Tage an dieser Stelle erscheint, gibt es intime Einblicke in das Innere der TITANIC-Redaktion und ihrer Mitglieder.
Wohlan! Torsten Gaitzsch hat in diesem Jahr einen Tageskalender mit Cartoons aus dem "New Yorker" auf seinem Schreibtisch stehen. Jeden Morgen Mittag hört man ihn, den nicht eben als Spaßkanone verschrienen Redakteur, aus voller Kehle auflachen, wenn er sich wieder einmal eine der legendären amerikanischen Schwarz-Weiß-Witzzeichnungen zu Gemüte führt. Die besten Blätter bewahrt er zwecks zukünftigen re-readings bzw. inspirierender Schwingungen in einem Schächtelchen auf. Im Mülleimer landen alle Cartoons, deren Sinn sich ihm nicht erschließt, weil sie halt doch zu high-brow und anspielungsreich sind. Oder die er schlicht für nicht gelungen hält. 

Am 7. Juni beispielsweise war eine Wüste zu sehen, in welcher ein bemanntes Ruderboot steht. (An sich keine unkomische Ausgangssituation!) An dem verdutzt guckenden Bootsführer robbt ein Verdurstender vorbei und sagt: "Long time no sea." Grauenhaft. Auf dem Blatt vom 10. des Monats ist eine pomp- und spektakelüberfrachtete königliche Prozession abgebildet. Unter dem durch eine mit alteuropäisch anmutenden Honoratioren gefüllten Kathedrale schreitenden Monarchenpaar steht gedruckt: "We can't dispense with the formalities, George―there'd be nothing left." Uff. Dass der Schreiber dieser Zeilen die Bedeutung von dispense nicht kennt, ist freilich nicht gerade hilfreich. Aber auch der angelsächsische Riesengedankenstrich nervt objektiv fast so sehr wie Guillemets, also jene französischen Anführungszeichen, bei denen die Spitzen nach außen zeigen und die zum Beispiel bei Rowohlt ohne Not standardmäßig zum Einsatz kommen.
Cartoons wie die vom 7. und 10.6. sind zum Glück Ausnahmen. Als positives Gegenbeispiel sei der 14. Mai genannt. "Yes, you've mentioned this 'Facebook' in the past―tell me, is 'Facebook' saying anything right now?" Dies fragt eine Psychotherapeutin einen auf ihrer Couch liegenden Patienten. Köstlich. Und am 21. Februar servierten uns die Genies vom "New Yorker" diesen Streich: In einer Tropfsteinhöhle steht ein Pärchen. Sie sagt: "Why won't you just admit you forgot where you parked the car?" Warum kriegen deutschsprachige Zeichner/-innen derlei nicht hin???!!!
Apropos Höhle! Die neu entdeckte, faszinierende Windloch-Höhle im Bergischen Land verdient ja wohl einen Quatschartikel im TITANIC-GOLD-Bereich, auf den Sie sich schon jetzt freuen dürfen.

Ihre Redaktion

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Meditation und Markt mit Dax Werner

Einer von 80 Millionen

Liebe Internetfreunde,

ganz gleich, ob Ihr gerade wie ich eine tagelange Eurogame-Brettspielsession ohne Schlaf und Tageslicht hinter Euch oder auf Eurem Smart TV Männern über 50 auf einer Bühne am Nürburgring beim Muckemachen im Livestream zugeguckt habt – ich hoffe einfach erstmal, dass das Pfingstwochenende allerorten ordentlich gerockt wurde!

Apropos Streams: Ende Mai hat das Y-Kollektiv ein Video veröffentlicht, das immer noch ordentlich in mir nachhallt. Dass sich Donner Trump 2016 durch ein paar Hundert russische Paypal-Dollars Facebook-Anzeigen in den Swing-States gekauft & damit ins Oval Office gecheated hat, gilt ja inzwischen als offenes Geheimnis – aber die Behauptungen in dem Youtube-Video haben mir echt nochmal komplett die Socken ausgezogen: Die guten, alten deutschen Charts sollen angeblich durch gekaufte Klicks zugunsten junger Sprechgesang-Artisten manipuliert worden sein? Sogar um Geldwäsche soll es gehen? Wer wie ich immer eine Ohrmuschel auf dem Highway des Zeitgeists liegen hat, spürt's dann doch sehr deutlich: Hier gerät etwas ins Wanken.

Und man kennt das Cheat-Prinzip sogar schon vom privaten Rotweinabend alleine vorm Laptop: Nach dem einen Glas zuviel sind plötzlich ganz schön viele Tabs im Browser offen, aus denen irgendwie Musik rauskommt – "Ups, verklickt!" denkt man noch, bevor man einige Sekunden später vom Rock am Ring träumt, wo wie selbstverständlich Die Prinzen, DJ Koze und das Leon Lovelock-Interview mit Marvin Game über Verschwörungstheorien auf drei Bühnen gleichzeitig laufen. Irgendwie Meta! Die Spotify-Charts zu manipulieren funktioniert offenbar relativ ähnlich – wenn ich diesem Youtube-Video glauben darf – so dass manche Rap-Releases zumindest auf dem Papier nach einem Tag statistisch von allen Einwohnern Deutschlands gestreamt worden sind. Kann ja alles durchaus sein!

Doch wenn hier wirklich im großen Stil geschummelt worden sein sollte, fällt vielleicht eine der letzten Gewissheiten der alten Bundesrepublik: nämlich dass über Platz 1 in den Charts allein die musikalische Qualität eines Künstlers oder einer Künstlerin entscheidet. Drüben in den Staaten mag es vielleicht so sein, dass koksende Manager mit geilen Promo-Kampagnen, Energydrink-Kooperationen und Schweinedeals mit Fernsehsendern und Radiostationen "Druck" auf "Themen" bringen – hier in old-fashioned Germany, das ist doch klar, wurde das Ding bis vor zwei Wochen noch ehrlich ohne Autotune & Budget gearbeitet.

Und wo sich der Zweifel einmal eingenistet hat, zieht er so schnell nicht mehr aus. So frage ich mich inzwischen auch bei vielen banalen Alltagsbeobachtungen-Tweets auf Twitter, ob 6000 Likes für eine Plattform, auf der 1500 deutschsprachige Nutzer unterwegs sind, nicht doch ein bisschen "überfavt" sind – oder ob hier wieder irgendein Clan (wie zum Beispiel die Hannover-Connection) arglose Twitterer in Geldwäsche-Deals reinzieht. Y-Kollektiv, bitte übernehmen Sie!

Garantiert unmanipulierte Grüße,

Dax Werner

Aktuelle Cartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Vonovia!

In einem Schreiben an Deine Mieter formulierst Du hilfsbereit: »Uns ist bewusst, dass die Mieterhöhung für einige Mieter finanziell sehr belastend sein kann. Falls dies bei Ihnen der Fall ist, wenden Sie sich bitte an das Vonovia Mietenmanagement. Vielleicht können wir bei der Suche nach einer Lösung behilflich sein, zum Beispiel, indem wir Ihnen eine kostengünstigere Wohnung anbieten.«

Wie gutherzig, Vonovia! Du scheinst in Sorge zu sein, Du könntest zahlende Kundschaft, die sich Deine Miete nicht mehr leisten kann, endgültig verlieren. Aber kostengünstigere Wohnungen? Ernsthaft? Vermietest Du noch keine Parkbänke und Schlafplätze unter Brücken, die von ihres Wohnraums Beraubten bald aufgesucht werden müssen?

Tapeziert bereits die Hundehütte: Titanic

 Hotel Detva, Detva, Slowakei,

in Deiner Hausordnung schreibst Du: »Das Umssstellen der Mobel ist verboten. Bei Zuwiderhandlung Berechnen wir EUR 3,32.« Und, Hotel Detva, für EUR 6,64 darf man auch das Nachbarzimmer umräumen?

Frage für die Urlaubsplanung von Titanic

 Winfried Kretschmann!

Winfried Kretschmann!

Bei einer Debatte über Künstliche Intelligenz und Ethik beim Katholikentag in Stuttgart sagten Sie: »Ich schaue mir gern Opern auf Youtube an. Das Tolle ist und auch das Beängstigende: Diese Maschine kennt uns ja nach kurzer Zeit, sie weiß, wo mein Geschmack liegt.« Und über den Algorithmus befanden Sie: »Und dann ist er noch so raffiniert, weil er wahrscheinlich rausgefunden hat, dass ich ein Mann bin, denn ab und zu kommt ein Porno dazwischen. Und ich denke, was ist jetzt das?«

Bon, Kretschmann, aber verhält es sich nicht anders herum? Sie sind ein Mann und schauen gern Pornos auf Youporn an. Das Tolle ist und auch das Beängstigende: Diese Maschine kennt Sie ja nach kurzer Zeit und weiß, wo Ihr Geschmack liegt. Und dann ist sie noch so raffiniert und hat wahrscheinlich rausgefunden, dass Sie Opernfreund sind, denn ab und zu kommt »Tosca« oder »Fidelio« dazwischen. Und Sie denken, was ist jetzt das?

Da nicht für: Titanic

 Computercracks der ersten Stunde!

Als wir neulich die Oma ins Sanitätshaus begleiteten, vertrieben wir uns die Wartezeit mit dem Lesen der Namen von Rollatoren und staunten nicht schlecht: Es gab ein Modell »Pixel«, eins hieß »Server«, ein drittes war nach dem Prozessor »Athlon« benannt.

Da die Benennung von Gehhilfen vermutlich wie bei allen anderen Waren auch auf der Basis von Zielgruppenanalysen entsteht, fragen wir uns nun und hier auch Euch: Ist es schon so weit mit Euch? Gerade noch die Wochenenden im WDR Computerclub durchgemacht und anschließend gleich weiter zu den Kumpels, um bei den Summer Games den Joystick im Staffellauf zum Glühen zu bringen, und nun schiebt Ihr Euch nur mühsam vorwärts? Bei »Civilisation« einen Kontinent nach dem anderen erobert, jetzt inkontinent? Den ehemaligen Königen im Assembler-Programmieren musste ein Chirurg den gesplitterten Oberschenkelhals wieder zusammensetzen? Statt »Resident Evil« zocken in der Seniorenresidenz hocken?

Und kommt es Euch eigentlich auch so vor, als sei die Lebenszeituhr ziemlich übertaktet? Titanic

 Unangenehm, »Spiegel«!

In Deinem Porträt der Drehbuchautorin und Regisseurin Anika Decker weißt Du uns das Folgende zu berichten: »Wenn man ein paar Stunden mit Decker verbringt, kann man sich gut vorstellen, warum sie viele Freunde hat. Man kann mit ihr aufs Klo gehen und neben ihr pinkeln, ohne dass es sich komisch anfühlt.«

Damit hast Du, Spiegel, einen neuen Lackmustest für Freundschaften etabliert. Nach vielen Litern Bier haben wir unsere Freund/innen antanzen lassen und müssen nun traurig zugeben, dass es sich jedes Mal komisch angefühlt hat, vor ihnen zu pinkeln.

Leergepisst und schrecklich einsam: Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Kein Mitgefühl

In Leute, die keine Empathie empfinden, kann ich mich einfach nicht hineinversetzen.

Laura Brinkmann

 Selbsterkenntnis

Dass ich dann doch ein ziemlich verwöhntes Arschloch bin, habe ich gemerkt, als ich neben einem schlafenden Obdachlosen eine geschenkte Tüte Nachos sah und ganz kurz dachte »Was soll er damit? Er hat doch gar keinen Dip.«

Karl Franz

 Der Fehler im Rogen

Ich kann mir nicht helfen: Jedes Mal, wenn ich Kaviar esse, habe ich ein Störgefühl.

Lukas Haberland

 Fragment

Kafka war schon deshalb ein größerer Autor als Proust, weil dieser zu Lebzeiten nur einen einzigen Meisterroman nicht vollenden konnte, Kafka hingegen gleich drei unabgeschlossen ließ? Äußerst reizvolle These! Aber irgendwie unfertig …

Andreas Maier

 Frühwarnsystem

Aufgrund meines spärlichen Haupthaars merke ich stets als Erster, dass es zu regnen beginnt.

Fabio Kühnemuth

Vermischtes

Kamagurka & Herr Seele: "Cowboy Henk"
Er ist Belgier, Kamagurka. Belgier! Wissen Sie, was der Mann alles durchgemacht hat in letzter Zeit? Eben, er ist Belgier. Und hat trotzdem in einem Finger mehr Witz als Sie im ganzen Leib! Und Heldenmut! Glauben Sie nicht? Dann lassen Sie sich von Cowboy Henk überzeugen, dem einzigen Helden, der wirklich jeden Tag eine gute Tat begeht.
Zweijahres-Abo: 117,80 EURWenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
Zweijahres-Abo: 117,80 EURKatz & Goldt: "Lust auf etwas Perkussion, mein kleiner Wuschel?"
Stephan Katz und Max Goldt: Ihr monatlicher Comic ist der einzige Bestandteil von TITANIC, an dem nie jemand etwas auszusetzen hat. In diesem Prachtband findet sich also das Beste aus dem endgültigen Satiremagazin und noch besseres, das bisher zurückgehalten wurde. Gewicht: schwer. Anmutung: hochwertig. Preis: zu gering. Bewertung: alle Sterne.
Zweijahres-Abo: 117,80 EURFriedemann Weise: "Die Welt aus der Sicht von schräg hinten"
Laut seiner Homepage ist er der "King of Understatement" und der "lustigste Mensch im deutschsprachigen Internet". Er ist aber auch Gitarrenmann, Viralblogger (15000 Follower!), Gagautor und Promiexperte mit Diplom. Die Rede ist von Friedemann Weise, dem Mann mit dem Namen! Der Mann, der den "Satiropop" erfand. Und jetzt auch noch ein Buch vorlegt. Ob das gutgeht? Ordern Sie diese Prämie und teilen Sie Ihr vernichtendes Urteil bitte zeitnah der TITANIC-Redaktion mit.
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Titanic unterwegs
19.08.2022 Zeven, Volksbank Gerhard Henschel
24.08.2022 Chemnitz, Villa Esche Tim Wolff
25.08.2022 Erlangen, Poetenfest Thomas Gsella
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