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Life & Style mit Antonia Stille

Style: Adiletten und Moral 

Heute ist Crossover-Time: Rap und Badelatschen. Klingt erst mal befremdlich, aber gleich ergibt alles einen Sinn. Trettmann, ein Deutsch-Rapper mit schwarzen Klamotten, Hut und Sonnenbrille, also quasi der ostdeutsche Udo Lindenberg, hat am Freitag die zweite Single seines neuen Albums gedroppt. Aber an der Sache ist ein Haken, denn Tretti, wie ihn seine Fans nennen, hat auf seiner neuen Platte auch mindestens ein Feature mit Gzuz von der 187 Straßenbande (Panzerknacker der Rapszene), der Frauen und Schwäne verprügelt. Was hat das jetzt mit Badelatschen zu tun? Trettmann ist so was wie der Adilettenkönig der Musikszene. Seine Fans eifern ihm trettbrettfahrend nach und schlappen sich durch ihre Insta-Stories und Facebook-Timelines. Adilette ist also zwangsweise Rap, wenn nicht sogar Trettmann-Merch. Sollte man auf die Latschen verzichten, nur weil der aktuelle deutsche Latschenpapst (Schlurfi et Schlappi) mit einem gewalttätigen Arschloch rumhängt? Am Ende stellt sich also die Frage, mit der wir uns so oft konfrontiert sehen. Was geht vor: Style oder Moral? Wie ihr wisst, plädiere ich am Ende immer für den Style. Wer auf der einen Seite gerne den ganzen Tag in Jogginghose rumlaufen würde, aber auf der anderen Seite weiter stilsicher Kreuzberg rocken will, für den (oder die!) sind Adiletten eben oft die einzige schlappbare Option, denn aus irgendeinem Grund sind diese zehenzwischenraumschonenden Gummi?-/Plastik?-Füßlinge gerade Trend und das muss man ausnutzen. Badelatschen sind gerade für eine Gesellschaft geeignet, die zunehmend auf Segway, E-Scooter und Boosted Board umsteigt, denn zum Gehen sind sie – unangenehmer Nebeneffekt – leider nicht geeignet. Man könnte es Schicksal nennen.

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Inside TITANIC (7)

Intime Einblicke in das Innere der TITANIC-Redaktion und ihrer Mitglieder. Heute: Fabian Lichter über die Raumaufteilung der Redaktion.

Die Redaktionsräume der TITANIC werden nach einem durchdachten Konzept genutzt: Wer den Eingangsbereich betritt, muss an Redaktionsassistenz Moritz Post vorbei, der von weitem schon Eindringlinge von erwünschten Besuchern (Foodora) zu unterscheiden weiß und Einlasssuchende kritischer befingert, als jeder Berghain-Torwächter es je könnte. Außerdem ist die Redaktion bestens alarmgesichert (gesammeltes Flaschenpfand seit 2003 rollt über den Boden), versuchen Sie also erst gar keine krummen Dinger! Die restlichen Flaschen (haha) sitzen verteilt auf hauptsächlich drei Räume. Nun unterscheiden sich die Naturelle der Mitarbeiter gewöhnlich wie Tag und Nacht. Da gibt es die Geselligen, die für ihr Leben gerne fröhlich herumschreien und ohne kräftige Gegenstimme verkümmern würden. Zurückgeworfen lediglich auf das eigene, einsame Grunzen würden sie sich irgendwann den goldenen Schluck gönnen, um nie wieder oder zumindest sehr spät am nächsten Morgen wieder aufzuwachen. Sie leben und werkeln in Raum 1. Dann gibt es die zarten Pflänzchen, die je nach Tagesform zwischen Menschenscheu und beinharter Depression changieren, für die ein zu lautes Vogelzwitschern selbst an guten Tagen schnell einmal akustischer Folter gleichkommt, und die schon aus arbeitspraktischen Gründen durch Glaswände separiert gehören. Sie vegetieren im Dunkeln in Raum 2. Raum 3 ist aus einer langen Tradition heraus (knapp eineinhalb Jahre) dem Chefredakteur vorbehalten und enthält kein (!) Fenster, damit die erwünschte Entwicklung zum weltentrückt schrulligen Satire-Großmufti möglichst schnell vonstatten geht. Für derzeit unbesetzte Räume wird noch Verwendung gesucht. Aktuell wird erwogen, die restlichen Räume zu fluten und sich einen Alligator anzuschaffen. Der Vorschlag stammt übrigens aus Raum 3.

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Meditation und Markt mit Dax Werner

Die große Mockridgiade

Ich habe am Sonntag den Fernsehgarten verpasst. Das passiert mir sonst nie, weil ich wirklich großer Fan dieses Formats bin und mir keine gemütlichere Sonntagmittagbeschäftigung einfällt, als die große, alte Dame Fernsehgarten im Bett liegend zu bingen, dazu ein köstliches, halb aufgetautes Tiefkühl-Croissant und eine gelbe 0,5er Dose Monster Energy (Valentino Rossi Edition) reinzuziehen. Savoir-vivre-mindframe. Aber ausgerechnet letzten Sonntag habe ich den Fernsehgarten verschlafen. Ausgerechnet die Ausgabe, in der der Poetry-Slammer Luke Mockridge eine der denkwürdigsten Fernsehgarten-Performances der letzten Jahrzehnte hingelegt hat. Shame on me.

Ich habe Y-O-U-T-U-B-E in die Adresszeile des Firefox-Browsers getippt. Mockridge hat einen im wahrsten Sinne wahnsinnigen Auftritt hingelegt, in dem er komplizierte narrative Jokes aus Witzekompendien der 1970er Jahre zitiert, Rentner beleidigt, mit einer Banane telefoniert und zum Finale wie ein Affe auf der Bühne tanzt. Die ganze Nummer ist einfach hella unangenehm anzusehen, man fragt sich immer wieder, wie er diese unfassbar peinliche Situation auf der Bühne, auf der sonst Semino Rossi oder Die Amigos performen, vor einem sichtbar überforderten Publikum aushält, am Ende rastet Andrea "Kiwi" Kiewel komplett aus – und ich glaube, all das macht die ganze Nummer so gut. Es funktioniert bei mir komplett über den Körper, weil es ein körperliches (lies: Gänsehaut) Erlebnis ist, das Video von seinem Auftritt anzusehen. Eine große Mockridgiade.

Und man will diesen Typen natürlich eigentlich überhaupt nicht gut finden, seine sonstigen Performances sind so vorhersehbar, klischeebeladen und viel zu erfolgreich. Deswegen ist man als kleiner, schüchterner Twitter-Kolumnist gezwungen, sich ein paar Meta-Gedanken zu diesem Spektakel zu machen. Nun denn.

Wenige Tage nach dem 11. September erschien im amerikanischen Nachrichtenmagazin „Time“ ein viel beachteter Aufsatz mit dem Titel "The Age Of Irony Comes To An End". Einen Monat später erschien in der "New York Times" ein Artikel, der das Gegenteil behauptete: "The Age of Irony Isn't Over After All". Man ist sich in dieser Frage also bis heute nicht einig, aber sicher ist: Irgendwas ist mit Ironie. Aber was? Erfüllt sich Mockridge – immerhin in einer Fernsehdynastie groß geworden – hier lediglich einen Kindheitstraum? Angetrieben vom jugendlichen Furor aus der Raucherecke vom städtischen Gymnasium mit MINT-Schwerpunkt? Was treibt dich an, Luke?

Und sind wir es nicht selber, die Internetmenschen, die genau diesen um Distinktion bettelnden, aber im Prinzip nur immer weiter ins Leere laufenden Humor bis zum Gehtnichtmehr kultiviert haben? Immer einmal mehr meta als du, gegen alles und jeden immunisieren, bloß keine wirkliche Haltung zeigen, bloß nie angreifbar machen? Wenn wir Luke Mockridges Auftritt auf Youtube angucken, sehen wir uns selber. Deswegen ist es so unangenehm und kaum auszuhalten. Und deswegen ist die Performance so gut.

Zack, fertig: Dax Werner

 

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Life & Style mit Antonia Stille

Life: Plastiktüten – broke oder woke? 

Das Thema Umwelt und Klima ist im wahrsten Sinne des Wortes ein heißes Eisen, das ich eigentlich nur ungern anfasse. Man könnte ja auch einfach das schöne Wetter genießen, sich an den Strand legen und sich mal ernsthaft mit den neuen Insta-Filtern auseinandersetzen, aber na ja: Das ist eben Deutschland, wo sich jetzt alle an einem Thema aufzuhängen scheinen, das alles andere als Pinterest-tauglich ist. Plastiktüten – bah. Schon seit Jahren werden mir zwischen Essensfotos und Schnappschüssen gut beleuchteter Einkaufspassagen Bilder von aufgeschnittenen Walmägen mit Plastikmüll drin in den Insta-Feed gespült. Dabei war ich dem WWF nur wegen der süßen Panda-Pics gefolgt. Never judge a book by its cover … Aber zurück zu den Plastiktüten: Svenja Schulze von der Regierung will sie verbieten lassen und das finden einige Leute uncool und einige Leute cool. Demokratie! Einer von den Leuten, die das uncool finden, ist Philipp Krohn von der FAZ, dem eine Wassermelone heruntergefallen ist. Es hätte sogar Plastiktüten gegeben, um die Melone zu tragen, aber der Mann ist trotzdem wütend auf Svenja Schulze. Politik ist manchmal echt kompliziert. Ich kann ihn aber verstehen. Er will sich die Freiheit nicht nehmen lassen, den wissenschaftlichen Fortschritt der Menschheit im Alltag zu präsentieren, denn am Ende ist Plastik nichts anderes als das. Homo sapiens pride! Im übrigens sollten wir alle mehr darauf achten, milieuangepasst einkaufen zu gehen. Wie sähe das denn aus, wenn ich mit meiner Louis Vuitton in den Kaufland gehe? Nein, nein. Dann lieber Plastiktüten. Die werden ja am Ende sogar von den Walen wiederverwertet. Oder habt ihr schon mal einen Blauwal eine Louis-Vuitton-Tasche essen sehen? Eben.

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Nur kein Gedäh! – von Martin Knepper

Alles in Dutt

Aufgewachsen bin ich in einer kleinen Stadt im Bergischen, die durch den Einfluss des nahen und sektenfrohen Wuppertal über eine starke evangelisch-freikirchliche Gemeinde gebietet. Auch die protestantische Amtskirche am Ort war von reformierter Strenge gekennzeichnet; in meinem Katechumenenunterricht gab es keine Gitarren oder Prophetensammelkarten, das war knallharter Drill; noch bis heute, dem Glauben lange entwachsen, schießen mir bei kirchlichen Anlässen (die in zunehmendem Maß Beerdigungen sind) plötzlich komplette zwölfstrophige Preisgesänge in den ergrauenden Schädel zurück, die ich dann aus sportivem Stolz ohne Blick in das Gesangbuch zu schmettern vermag. Doch die demütig zur Schau getragene Spröde vieler Gottesdienstbesucherinnen der Hauptkirche wurde stets getoppt durch die Freikirchlerinnen, oft Damen der bergischen Hautevolee, schon von weitem erkennbar an ihren Farbmixen aus grau- und stuhlfarbenen, zuweilen auch blaukarierten Grobstofflichkeiten, deren einzig freiliegendes Körperteil, den Kopf, oft noch ein Kopftuch barg. Und unter diesem herauswulstend: DER DUTT. Als Kind dachte ich, er müsse die Heimstatt lichtscheuer Kerbtiere sein; stand man jedoch einmal beim Bäcker hinter einer der spröden Gesellschaftsdamen, sah man ein Geflecht aus Haarklammern, das jegliches Leben im Keim erstickte.

Nach meinem Auszug aus der Stadt der Bibelarbeiterinnen hätte ich den Haarbalg fast aus den Augen verloren. Doch er war, so scheint es, nie tot, und findet sich in miniaturisierter Form längst auf vielen Köpfen wieder. Es gibt ironische Brillen, ironische Kopfbedeckungen, viel zu viele ironische T-Shirts, aber der Haarknoten ist eigentlich immer unironisch, er ist sogar die dinggewordene Ernsthaftigkeit. Eine ins Haarige gewendete Zwei-Reiche-Lehre: Hie Welt der Arbeit, gewissenhaft wird jegliches Haupthaar aus dem durch Zugkräfte gleich mitgestrafften Antlitz nach hinten gerafft; dort die Stunden der Freizeit, in denen kundige Hände den Knoten herausoperieren, und das Haar in die Sinnlichkeitsbereitschaft zurückführen. (Vergleichbar hiermit der Pferdeschwanz, Schnauzbartäquivalent aller Polizistinnen.) "Eine (…) Blüte erlebte der Haarknoten in den 1940er Jahren, als in der Kriegsindustrie arbeitende Frauen ihre Haare im Knoten trugen, um sie während der Arbeitszeit zu schützen." (Wiki) Heutzutage, im Zeitalter zwar unverknoteter Verteidigungsministerinnen, ist die Dienstbereitschaft in die freigelegten Gesichter eingeschrieben: Keine Catherine Deneuve, keine Gudrun Ensslin kaschiert mehr ihre Herzensabgründe hinter dem langen Vorhang ihrer seidigen Haare, während sie über unverlattetem Kaffee Notizen ihrer Liebhaber oder Anschlagsziele durchforstet; Gesichter, offen wie moderne Steakhausküchen, die vornehme Blässe verstärkt durch das Licht ihrer Handtelefone, markieren heute die Stunden angespannter Straffung, einem Abend entgegenlebend, da mit dem Lösen des Ballerinen- und sonstigen Knotens Weichheitsreste in die Antlitze der doppeltbelasteten Kriegsarbeiterinnen zurückfinden. Doch schweig ich noch von dem, was ärger als der Tod: Den Man-Bun, den Herrenhaartumor zu geißeln, bedarf es unerschrockenerer Schreiber, als ich es bin; hebe ich nur zu einem Gedanken an, so durchbohrt es meine Finger wie mit 1000 Haarnadeln – Darum muß der Kluge zur selben Zeit schweigen; denn es ist eine böse Zeit. (Amos 5,13. Wer kriegt sie noch aufgezählt, die kleinen Propheten?)

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Inside TITANIC (6)

Intime Einblicke in das Innere der TITANIC-Redaktion und ihrer Mitglieder. Heute: Redakteurin Ella Carina Werner über unerwartete Leser-Besuche.

Vor kurzem, es war ein Sonntagabend, klingelte es bei mir an der Haustür. Dort stand ein älterer Herr. Er sagte: "Hallo! Ich bin Hans-Gerd. Und Sie", er zeigte auf mich, "arbeiten bei TITANIC." Er wolle gerne mal jemanden "aus der Truppe" persönlich kennenlernen. Bis in die Redaktion sei es ihm ein paar hundert Kilometer zu weit, er habe jedoch meine private Postadresse im Telefonbuch gefunden. Er wohne auch in Hamburg und sei, seine Stimme nahm einen feierlichen Ausdruck an, "Abonnent der ersten Stunde". Mit diesen Worten schob er sich über die Türschwelle.
Natürlich ließ ich ihn hinein. TITANIC-Abonnenten der ersten Stunde sind etwas Besonderes. Abonnenten d.e.St. schreiben handschriftliche Leserbriefe, teilweise in Sütterlinschrift, in denen sie schreiben, sie seien Abonnenten der ersten Stunde. Fürs Frankieren lecken sie jede Briefmarke an, auch wenn die selbstklebend ist. (Man kann im Internet freimütig über sie schreiben, denn Abonnenten d.e.St. sind nicht im Internet.)
Strahlend saß Hans-Gerd an meinem Küchentisch, die Hände ineinander verschränkt. Dann beugte er sich vor. "Und? Wie ist es bei euch denn so? Immer Halligalli? Immer Gaudi?" Ich dachte an die Wahrheit. Ich sah in seine erwartungsfroh-wässrigen Augen und wusste nicht, wie antworten, aber er kam mir zuvor, denn Abonnenten d.e.St. haben immer gleich die nächste Frage auf den Lippen. "Und wie ist es", seine linke Hand machte ein paar geheimnisvolle Kippbewegungen vor und zurück, "mit Saufisaufi?" Dazu muss man sagen: Abonnenten der ersten Stunde trinken selber am meisten. Sie saufen immer, außer wenn sie gerade einen Leserbrief verfassen. Ich sagte, ich tränke eher wenig und nie vor 18 Uhr. Mein Gegenüber stutzte, dann knuffte er mir laut wiehernd gegen die Schulter: "Immer für einen Witz gut!"
Am Ende stand ich in der Tür, die Hand in den Nachthimmel erhoben, denn Abonnenten der ersten Stunde winkt man noch lange nach.

 

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Meditation und Markt mit Dax Werner

If you can do it, you can make it!

Liebe Freunde der Beobachtung des aktuellen gesellschaftspolitischen Geschehens,

eines vorweg: Ich kann mir 2019 wenig Langweiligeres und Überflüssigeres vorstellen als die deutsche Fußball-Bundesliga und alles, was mit ihr zu tun hat. Für mich ist "die Liga" nichts anderes als ein komplett unnötiger Kostenfaktor im Haushalt von Bund und Ländern – Stichwort Polizeieinsätze – und einer der vielen Gründe, warum ich mich am Wochenende in keinen NRW-Regionalexpress traue.

Jetzt gibt es aber gerade wieder einen Skandal in der "BuLi", diesmal ausgelöst vom Schalke-04-Aufsichtsratsvorsitzenden und Wurst-Fürsten Clemens Tönnies. Ich hatte kurz überlegt, ob ich seine rassistischen Ausfälle beim "Tag des Handwerks in Paderborn" (was für ein Meme), die in ihrer stumpfdeutschen Blödsinnigkeit an die Causa Gloria von Thurn und Taxis (20 Jahre her!) erinnern, hier kurz rekapituliere, aber ich fand das albern und überflüssig – außerdem sind die drei Leser dieses Blogs hier eh durch die Bank Medienjunkies, die nichts verpassen! Spannender als das finde ich die Diskussionen um seinen möglichen Rücktritt.

Wenn inzwischen jeder drittklassige Sportredakteur "die Dinge vom Ende her denkt", spürt man’s dann doch überdeutlich: 14 Jahre Merkel haben etwas mit "dieser Republik" (Nils-Markwardt-Voice) gemacht/veranstaltet. Vor dieser Folie wundern auch die fast artistischen Verrenkungen aus dem Axel-Springer-Haus viel weniger. Da hat zum Beispiel Matthias Brügelmann zum Thema Tönnies in seine Tastatur getippt: "Entschuldigen kann man sich schnell, zurücktreten oder einen Scheck nach Afrika schicken auch – so schafft man den Rassismus aber nicht aus der Welt." Wodurch soll der Rassismus denn sonst aus der Welt geschafft werden, wenn nicht dadurch, dass Rassisten aus der Öffentlichkeit verschwinden?

Klaro, Rücktrittsforderungen schreiben sich heutzutage immer leicht von der Hand. Vielleicht liegt das auch daran, dass eh niemand mehr von irgendwas zurücktritt und diese Forderungen nichts mehr zu bedeuten haben. Und man ist ja auch selber nicht frei: Wer mal das Vergnügen hatte, in gemütlich-privater Runde über die unappetitliche Causa Christian Wulff zu diskutieren und dabei nie den verschwörerischen Halbsatz "Am Ende wegen einem Bobbycar" gedroppt hat, werfe den ersten Stein. Und vergessen wir eines nicht: Der wahre Bundespräsident der Herzen hat die Affäre mit harter Münze bezahlen müssen. Trotzdem, Wulff war nie der Typ, der einfach so aufgibt, deswegen hat er auch nach Feierabend mithilfe des großen Data Becker HTML-Buchs das Walt-Disney-Zitat "If you can dream it, you can make it" großflächig auf seine Homepage programmiert. Mysteriös bleibt nur, dass das Zitat im gesamten Internet etwas anders steht als auf dem 1&1-Server (Basic) von Wulff: Überall sonst heißt es "do it" statt "make it". Hat Wulff da etwa schon wieder geschludert oder einen klugen Metakommentar reinprogrammiert?

Ich weiß es ehrlich gesagt nicht, trotzdem einstweilen liebe Grüße nach Hannover!

 

Aktuelle Startcartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 So sieht’s aus, Kai Wegner (CDU)!

Über ein Jahr schon arbeiten Sie als Berlins Regierender Bürgermeister daran, in der deutschen Hauptstadt für Zucht und Ordnung zu sorgen. Längst könnten Magnetschwebebahnen und Flugtaxis über die eingezäunten (oder wie Ihre Verwaltung sie nennt: befriedeten) Parkanlagen der Metropole hinweggleiten – würden sich nicht irgendwelche grünen Bezirksbürgermeister/innen und Initiativen dem Fortschritt in den Weg stellten.

Jetzt weihen Sie den RBB in die Machtfantasien ein, die Sie in schwachen Momenten überkommen: »Ich würde mir manchmal wünschen, ich sage heute: ›Morgen passiert das.‹« Aber: »Aber: Dass wir demokratische Strukturen, Prozesse haben, wo einer nicht allein alles sofort entscheiden kann, ist, glaube ich, schon ganz gut.«

So und nicht anders, Wegner, klingt ein flammendes Plädoyer für die Demokratie aus dem Munde eines leidenschaftlichen Demokraten. Glauben wir. Vielleicht.

Ganz gute Grüße von Titanic

 Etwas misstrauisch, Claus-Christian Carbon,

Psychologieprofessor, stimmt es uns, wenn Sie im Spiegel fordern, dass Politik und E-Auto-Hersteller für mehr bezahlbare Elektromodelle sorgen. Wo ist der Haken? Wollen Sie die mit Strom aus fossilen Brennstoffen betreiben? Oder wandert vielleicht Kohle von der E-Auto-Lobby in Ihre Taschen?

Interessiert sich brennend für die Antwort:

Ihre Titanic

 Good Lord, Russell Brand!

Good Lord, Russell Brand!

Nach Ausflügen in den Buddhismus, in die Transzendentale Meditation und ins Schwurbelmilieu machen Sie seit einer Weile einen auf Christ. Auf Ihrem Youtube-Kanal zeigen Sie sich mit Kreuz und Bibel, beten den Rosenkranz und salbadern über Ihre neuesten spirituellen Epiphanien. Jetzt haben Sie sich sogar in der Themse taufen lassen!

»Sterben und wiedergeboren werden … eine Gelegenheit, die Vergangenheit hinter sich zu lassen«, das erhofften Sie sich von dem Akt laut einer Videobotschaft auf X. Falls Sie mit »the past« auf die gegen Sie erhobenen Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs anspielen, dann haben wir schlechte Nachrichten für Sie: Um sich von derartigen Assoziationen zu lösen, ist die christliche Kirche ein denkbar schlechter Verein.

Mit allen Wassern gewaschen: Titanic

 Waaaas, Klaas Heufer-Umlauf?

Waaaas, Klaas Heufer-Umlauf?

»Nirgendwo, auf keiner Demo der Welt, ist die Stimme so laut wie in der Wahlkabine!« haben Sie zum Thema Europawahl im Podcast von Anne Will behauptet. Haben Sie Ihre Wahlstimme denn schon immer mündlich abgegeben? Und das auch Ihren Fans ans Herz gelegt? Das würde zumindest die niedrige deutsche Wahlbeteiligung auf EU-Ebene erklären!

Lauthals grüßt Titanic

 Sie, Bundeskanzler Olaf Scholz,

wollten zum Tag der Arbeit Vorurteile über Arbeitsmoral und Arbeitsbedingungen in Deutschland entkräften. In einer Videobotschaft teilten Sie mit, es ärgere Sie, wenn manche abschätzig vom »Freizeitpark Deutschland« redeten.

Ist es aber nicht so, dass sich Teile der Arbeitgeberschaft tatsächlich in einem Phantasialand mit den Themenwelten »Lohngerechtigkeit«, »Aufstiegschancen« und »Selbstverwirklichung im Job« befinden und sich dort prächtig zu amüsieren scheinen?

Fragen aus der Geisterbahn Deutschland

Ihre Work-Life-Balancierer/innen von Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Für Ethnologen

Gibt's so was wie Brautstraußfangen auch bei Begräbnissen?

Wolfgang Beck

 Sicher ist sicher

Geschäftemachen über das Portal Kleinanzeigen ist eine sehr geheime Sache. Natürlich mailt man nur mit Spezialadresse, unter Pseudonym, am besten ohne Anrede und Gruß, denn das lässt zu viele Rückschlüsse zu. Ich bin nun dazu übergegangen, für den Transport der Ware das Nummernschild des Autos zu überkleben, außerdem trage ich eine venezianische Halbmaske und einen schwarzen Umhang, den ich nach der Übergabe verbrenne.

Miriam Wurster

 Frage an die bovine Orthopädie

Haben Buckelrinder überhaupt eine Chance, je die Haltungsform »Premium« zu erreichen?

Torsten Gaitzsch

 Energievampir

Wie groß doch der Unterschied zwischen dem Leben in der Stadt und dem auf dem Land ist, fiel mir wieder auf, als ich mit meiner Tante vom Hof telefonierte und wir uns über unsere Erschöpfung austauschten: Ich erklärte mir meine große Müdigkeit damit, dass ich den Tag zuvor in der Therapie eine neue Erkenntnis gewonnen hatte, gegen die ich mich aber noch sperre. Das verbrauche natürlich schon viel Energie, außerdem wolle sich mein Gehirn so wenig mit der neuen Erkenntnis beschäftigen, dass es lieber in die Schläfrigkeit flüchte. Sie wiederum begründete ihre Mattheit mit den Worten: »Ich glaube, mich hat was gebissen, das müde macht.«

Laura Brinkmann

 Alte Grabräuber-Weisheit

Das letzte Hemd hat keine Taschen und man kann ins Grab nichts mitnehmen. Was man aber sehr wohl kann: aus dem richtigen Grab viel herausholen.

Jürgen Miedl

Vermischtes

Erweitern

Das schreiben die anderen

Titanic unterwegs
30.05.2024 Frankfurt, Museum für Komische Kunst »POLO«
30.05.2024 Frankfurt, Museum für Komische Kunst Hans Traxler: »Die Dünen der Dänen«
30.05.2024 Frankfurt, Museum für Komische Kunst »F. W. Bernstein – Postkarten vom Ich«
01.06.2024 Hamburg, Altonale-Festival Ella Carina Werner