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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Und es ist Sommer

Unsere wunderbare Welt ist bekanntlich voller Narrative. Einige werden mählich gestrig und zu solchen, die ein Kind vielleicht noch kennenlernt – weil Traditionen, andernfalls sie keine wären, träge sind –, aber mit keiner Realität mehr wird abgleichen können: Daß der April mache, was er will, wie es in den Kindergärten noch gesungen wird, es stimmt ja schon nicht mehr, wenn zur Monatsmitte verläßlich Juni einkehrt; wie zu den ersten ideellen Opfern der Erderwärmung das Aprilwetter rechnet, dieser wunderbar antipositivistische Anachronismus, über dessen Ende sich Frühstücksradio und Wetterbericht denn auch nicht enthusiastisch genug freuen können. Denn daß einer mache, was er will, kann ja keiner wollen: die Chefs nicht, die Lohnabhängigen aber auch nicht, die sich freuen müssen, wenn es an Schreibtisch oder Werkbank auf wenigstens bezahlte Willkür hinausläuft, und die die relative Willkür am Arbeitsplatz der absoluten von Hartz IV jedenfalls und verständlicherweise vorziehen.

„Gestern Heute Morgen / Hoffnungen und Sorgen / Wechselspiel der Formen im April // Nebelschleier fallen / Freudenquellen wallen / Wind spielt mit den Weiden wie er will // Wälder rauschen, Ströme gleiten / Über Felder, durch die Zeiten / Sonnenstrahlen – wie für uns gemacht // Igel tapsen, Füchse tollen / Hier und da ein Donnergrollen / Regen prasselt auf die Blütenpracht“: für diese naivromantische Evokation hat man die späten Blumfeld 2006 ausgelacht. Dabei war es ein Abschied; und nicht will man dauernd den Weltgeist bemühn, aber daß die zeitgenössische Geschichtslosigkeit so schön mit dem Ende des Frühlings als Jahreszeit in eins fällt, ist doch mal eine Pointe. (Für „Zeit“ und „Wetter“ haben die romanischen Sprachen dieselbe Vokabel.) Für die, die so gern von Freiheit reden, ist der neue Sommer nicht nur der Beweis dafür, daß da, wo sie hinlangen, nun mal die Sonne scheint, sondern er ist auch, ganz praktisch, Vertreter und Garant jener stur guten Laune, ohne die es nicht mehr geht; und es ist so begrüßenswert wie aussagekräftig, wenn immer länger Sommer ist, aber mit immer weniger Leben, und die Körper zwar immer früher freigemacht werden, dafür immer verzweifelter bemalt sind. Daß die Leut’ beim Cabriobewegen nichts Fleuchendes mehr auf der Windschutzscheibe haben, weil sie durch mehr oder minder zu Tode Gewirtschaftetes fahren, muß sie nicht kümmern, denn es geht ihnen ja ähnlich; und hat ein Fachmann für Umweltpsychologisches im Morgenblatt nicht erst wieder davon gesprochen, der moderne Zivilisationsmensch sei von den vielen Naturschutzgeboten „überfordert“? Weswegen er aus dem desaströsen Dreieck aus Schrottfleisch, Großmotor und Fernreise nicht und nicht herausfindet? Aus dem er aber auch nicht herausfinden darf, wenn der Boom ein Boom bleiben soll?

„Du stehst in der Früh auf, und schon wieder scheint die Sonne. Das ist so deprimierend, Olga, das kannst du dir gar nicht vorstellen. Jeden Tag Sonne. Da trinkst du schon mal einen, den ersten, weil, sonst hältst du’s nicht aus.“ Dietl/Süskind, 1982

Im nämlichen Morgenblatt war ein Kommentator dann sogar „deprimiert“ angesichts einer Agrarministerin, die im wesentlichen will, daß alles beim Bewährten bleibt, und jetzt erst mal solange alles prüft, bis wirklich alles tot ist; doch dafür akkurat rapsgelb, wie der Zwischenton, als dessen Sinnbild wir den alten April gern begreifen, ja generell verschwindet. Und übrig bleibt ein Gelb und Blau als Schwarz und Weiß, und aus mindestens vier Jahreszeiten werden zwei, eine schöne und eine doofe, eine richtige und eine falsche. So wie die Demokratie als alternativlos marktkonforme halt kein Nuancenparadies sein kann.

Auch wenn sich z.B. die „Zeit“ alle Mühe gibt: „Einst besiedelten Juden aus aller Welt arabisches Land. Sie schufen einfach Fakten, aus denen der Staat Israel wuchs.“ Es sind April-Scherze wie diese, für die dann auf Berliner Straßen die garantiert Falschen Prügel beziehen. Und die Sonne scheint immer früher und immer heißer auf die Gerechten und das „Kroppzeug“ (Thomas Mann), und daß uns Sonnenfreunden die Laune mal vergeht, wir glauben nicht mehr dran.

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: An der Urne

Es war natürlich eine Überreaktion, ein erster Reflex und völlig daneben, Bundesheimatminister Horst Seehofer (und auch nur in Gedanken, unausgesprochen, ganz für mich) ein Arschloch zu nennen, nur weil er (und eben nicht: es!) lt. Morgenblatt „Sympathie“ für ein anderes wirkliches Arschloch, den Faschisten und Judenhasser V. Orbán gezeigt hatte; denn er, Seehofer, hatte ja die allerbesten Gründe für diese Sympathie, wenn ein populärer Kollege mit der Angst vor Kaffern und Weltjudentum eine Wahl gewinnt: „Es ist ja wiederholt ein sehr deutlicher Wahlsieg“, sagte Seehofer, bevor er die EU vor einer „Politik des Hochmuts und der Bevormundung“ warnte. „Orbán habe durch den Wahlsieg einmal mehr einen Vertrauensbeweis der Bevölkerung erhalten. ,Nichts ist eine stärkere Bestätigung als der Erfolg an der Wahlurne’, sagte er“, Horst Seehofer, den ich hier, wie gesagt, ausdrücklich nicht Arschloch nenne, denn erstens wäre Horst Seehofer ein Arschloch zu nennen eine (füglich verbotene) Beleidigung, zweitens sind die Sitten schon verroht genug, und drittens hat er ja recht: Wenn das Volk, der freie Souverän, Faschismus und Judenhaß will, dann muß es beide kriegen können, und wenn ein Arschloch Politiker von der NSDAP CSU für eine Landtagswahl Stimmen braucht, dann schlägt er sich natürlich auf die Seite der Bevölkerung, die kriegen soll, was sie will oder was sie nach Regierungspropaganda wollen soll, das ist im Einzelfall nicht immer leicht zu unterscheiden.

Denn natürlich hat H. Seehofer in seiner knappen Freizeit (wg. Heimatministerium) keine Zeit, etwa Joseph Goebbels’ Tagebücher zu lesen, und vermutlich reicht es nicht einmal dazu, Jürgen Roths fulminante Franz Josef Strauß-Audiocollage (München: Kunstmann 2012) anzuhören: „Mich können Sie nicht stoppen, ich bin da!“ Dabei könnte man da so schön sentimental werden und traurig darüber, was man als CSU einst alles noch sagen konnte und auch gesagt hat, um den sog. rechten Rand zu bedienen, und was aber die linksversifften Hauptstadtkontrollettis heute alles unter Strafe stellen. Denn das wird man ja wohl noch sagen dürfen, daß es ein völlig normaler demokratischer Vorgang ist, wenn faschistische, antisemitische Staatsmedien wider Juda hetzen und die faschistische, antisemitische Regierungspartei dann eine schöne Mehrheit bekommt!

„dein goldenes Haar Margarete / dein aschenes Haar Sulamith“ Celan, 1948

Natürlich ist Horst („Hotte“) Seehofer kein Antisemit, er hat nichts gegen Juden, ein paar seiner wirklich allerbesten Freunde sind welche. Aber daß sinistre Mächte konservativen Heimat- und Volkswohlbeauftragten nicht das Braune unterm Fingernagel gönnen, das ist ja wohl einfach so, und daß Deutschland die Kontrolle über seine Grenzen verliert, auch. Da muß ein Heimatminister doch anerkennend nicken und nicken dürfen, wenn ein demokratisch oder wenigstens demagogisch gewählter Heimatpolitiker es andernorts einmal an- und deutlich ausspricht, daß die Fremdenflut, daß der Strom aus Kanaken, Geschmeiß, Kohns und Gesindel das Blut und den Boden der heiligen Heimat gefährdet! Und daß keine EU und kein linksversiffter Bundestag (Ausnahmen: CSU, AfD) hochmütig und bevormundend werden darf, wenn eine Mehrheit von Volksgenossen eine Regierung der nationalen Erhebung und des nationalen Widerstands bestätigt; eine Regierung, die schon dafür sorgen wird, daß der Haß und die Dummheit nimmer aufhören, mindestens solange nicht, wie Arschlöcher damit Wahlen gewinnen.

Allzuviel Aufregung hat es um Seehofers Einlassung nicht gegeben; falls überhaupt welche. Warum auch: Demokratie, man weiß es, findet nun mal an der Urne statt.

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: In Serie

Und das ist dann auch keine Lösung, statt des einen Morgenblatts einfach ein anderes Morgenblatt zu lesen: „Streit mit Rußland über Nervengiftattacke eskaliert“, schreibt die FAZ und meint aber nicht einen anhängigen Atomkrieg, sondern lediglich, daß der Streit „heftiger“ wird. Es ist dieselbe FAZ, die hinten im Blatt wieder mal über den Verlust der (Hand-)Schriftkultur jammern läßt; vermutlich geht die Befürchtung dahin, daß niemand mehr mit dem Füller „eskalieren“ schreiben kann, wenn es garantiert nicht paßt.

Im Magazin der Konkurrenz dann Grisham, der, sagt er, gar nicht sehr prominent sei: „Ich bin höchstens ein bekannterer Schriftsteller in einem Land, in dem niemand mehr liest. Bei jedem neuen Roman von mir sind die Verkaufszahlen rückläufig. Kein Jugendlicher liest mehr. Sogar ich komme immer seltener zum Lesen. Die Verleger verkaufen immer weniger in immer weniger Buchläden. Die Entwicklung ist nicht dramatisch, aber besorgniserregend.“ Daß das mit den Jugendlichen eine polemische Übertreibung ist, weiß er selbst, denn das hat das Milieu ja gemerkt, daß sich Lesen aus dem bürgerlichen Disktinktionskanon dann doch noch nicht entfernen läßt. (In Hamburg, wußte die Taz über einen „Bring your own device“-Versuch zum digitalen Unterricht, waren „die Geräte der Schüler an den Stadtteilschulen … im Schnitt neuer als die der Gymnasiasten“.) Dasselbe Milieu, das freilich selbst nicht mehr liest, weil Serien ja die neue Literatur sind, wie Leute ins Feuilleton schreiben, deren Erleichterung grenzenlos ist, daß Geist endlich bedeutet, die Fernbedienung zu finden.

„Immer weiter, immer weiter!“ Oliver Kahn, 2001

Man muß ja gar nichts gegen die Visualkultur haben, wie schließlich das lokale Bildungsbürgerressentiment dafür gesorgt hat, daß die Angelsachsen in Pop und (komischer) Unterhaltung soviel besser sind. Aber seit Anbruch des „goldenen Fernsehzeitalters“, der ja nun auch schon etwas her ist, habe ich nur ein einziges Mal etwas Skeptisches gelesen, als eine erschöpfte SZ-Kollegin die Mechanik des Seriellen nicht mehr übersehen wollte (oder konnte), und selbst bei so etwas Klassischem wie „Breaking Bad“ sprang ja ins Auge, wie und wann gestreckt worden war; und dann ähnelt noch die beste Serie Facebook in dem Ziel, so viele wie möglich so lange wie möglich am Schirm zu halten. („House of Cards“ hat im britischen Original von 1990 vier Folgen, die alles erzählen, in der US-amerikanischen, zur Massenwirkung gelangten Version sind es bislang 65.) Adornos pauschalen Einwand gegen das Kino „als bloße Verdopplung und Verstärkung dessen, was ohnehin ist“ wird man nicht unterschreiben wollen; fürs Fernsehen gilt er spätestens dann, wenn im (Dauer-)Seriellen das schlechte Unendliche als „sich wiederholende Einerleiheit“ (Hegel) aufscheint. (Und auch darum war „True Detective“ prima: Weil nach einer Staffel die Geschichte zu Ende war; jedenfalls die erste Geschichte.)

Fernsehen, hieß es mal, mache die Dummen dümmer und die Klugen klüger. Fernsehen wäre also das Instrument der Klassenherrschaft, die sich, weiß man seit Schröder, mit „Bild“ und Glotze exekutieren läßt und die gerade in rauher werdenen Zeiten nichts dagegen hat, wenn auch die Klügeren verdummen und sich noch weißgott wie klug dabei vorkommen. Wer will, daß die Vernünftigen nicht aussterben, dem schadet die Erkenntnis nicht, daß auch Serienfernsehen Fernsehen ist; und daß unsere urbanen Konsumblödiane samt der Welt, die sie prolongieren, nicht als Opfer von, sagen wir, Gottfried Keller gelten können.

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Gärtners kritisches Ostersonntagsfrühstück: Im Gegenteil

Verändern tut diese Kolumne natürlich nie etwas, und es gilt, was Christine Nöstlinger, die nicht allein Kinderbuchautorin, sondern auch politische Kolumnistin ist, im vergangenen Jahr dem Morgenblatt steckte: „Fünfzig Jahre habe ich Aufklärungsarbeit geleistet, und wofür? … Man schreibt nur für die seinigen.“

Zu denen nun der SZ-Mann Böttiger, was mich betrifft, nicht gehört, der am Gründonnerstag nicht anstand, die Lieblingsidiotie des zeitgenössischen Journalismus im Feuilleton zu vervielfältigen und von „Arno Schmidts Entscheidung, freier Schriftsteller sein zu wollen“ Mitteilung machte; und natürlich ganz sinnlos die Frage, wie es überhaupt möglich ist, die manierierte Dummheit dieser Dopplung nicht zu sehen (preßdeutsch: nicht sehen zu können), über Schopenhauer und sein Dekret, man könne eh nicht wollen wollen, ja noch hinausschießend bzw. hinter ihm freilich zurückbleibend. Aber erstens gibt es bekanntlich grundsätzlich keinen Blödsinn, den Journalisten (m/w) nicht voneinander abschreiben, und zweitens scheint hinter der aktuellen Begeisterung für die Entscheidung oder die Absicht oder gar den Willen zu wollen ein verzweifeltes Klammern ans Wollbare überhaupt zu stecken, so als zähle das, was zu wollen wäre, noch irgendwas und nicht im Gegenteil gar nichts.

Währenddessen steigt die Zahl der in Deutschland geborenen Kinder, und es sind nicht allein die der Türkinnen; auch autochthone Großstadtfrauen gebären munter, was mit der gewachsenen Zahl von Betreuungsangeboten zu tun hat sowie damit, daß Kinder jene Zukunft sind, die vor der Ahnung, daß der Begriff „Zukunft“ in der Markt- und Facebookgesellschaft nur mehr Kalendarisches meint, dann eben so selbst gemacht wird wie die Marmelade; ein Umstand, der sogar unseren Frauenromanschriftstellerinnen aufgefallen ist: „ … und wie immer, wenn alles den Bach runtergeht, zeugen die Leute Kinder wie verrückt, zum Dranfesthalten, zum Weitermachen, zum Durchhalten, und es es ist gut wenn es etwas gibt, das das Wichtigste ist“ (L. Fricke, Töchter, 3. Auflage Reinbek 2018). Und dieses Wichtigste sitzt dann im ICE und sieht, vorbildlich genug, still aus dem Fenster, während die Mutter Marke North Face ein Quizkartenspiel in der Hand hat und, vor raumgreifender Lebenslust bebend, in einer Lautstärke Quatschfragen durchs Abteil wiehert, als handele es sich dabei ums eigene Wohnzimmer: Wir sind’s, die Bildungsfamilie, Modell Zukunft! Ruhe kehrt erst ein, als die Idiotin mit ihrem nicht minder skandalösen Gatten aussteigt und zwei Kinderlosen und zwei alten Damen Platz macht, die in Rußland (oder wo) noch gelernt haben, wie man sich schämt.

„Anfrage, ob mir die Zukunft kein Thema ist. / Die Mirabellen blühen zuerst.“ Jürgen Becker, 2017

Zwei Tage später in der Zeitung dann schon wieder ein Bericht über den sog. „Übertourismus“, über Städte wie Barcelona, Venedig, Dubrovnik, die von Touristenhorden „niedergetrampelt“ werden, weil Flüge bloß „eine Pizza und ein Bier“ kosten; und natürlich hat auf dem Aufmacher einer sein beknacktes Telefon in der Hand, Barcelona zu knipsen, und wie alt ist die Beobachtung, die Leute reisten ganz allein der Fotos wegen? 60 Jahre (G. Anders); und heute können sie überall hin, und wenn „immer noch so viele an die gleichen, überfüllten Orte reisen“, dann darum: „Es stört sie einfach nicht“ (SZ). Weil sie die Freiheit, überall auf der geschundenen Welt in bestürzend achtloser Aufmachung Fotos und „Party“ zu machen, nur da ertragen, wo Masse und Krach dafür bürgen, daß Freiheit auf gar keinen Fall etwas mit Besinnung zu tun hat und physische Mobilität nichts anderes meint als im Kopf das Gegenteil.

„Sehet meine Hände und meine Füße: ich bin’s selber“ (Lukas 24,39). Lange her, daß das zu sagen noch keine Unverschämtheit war. Ich wünsche gute Ostern.

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Verbrechen und Strafe

Man soll dem Jens Spahn ruhig dankbar dafür sein, daß er unserem liberalen Spitzenjournalismus Gelegenheit zu Empörung und kritischem Nachhaken verschafft hat, denn Hartz IV ist ja wirklich keine schöne Sache; auch wenn eins nicht unbedacht dran drehen soll:

„Natürlich ließe sich mehr Teilhabe erkaufen mit höheren Hartz-IV-Sätzen. Gerecht aber wäre auch das nicht. Weder gegenüber denen, die in der Grundsicherung feststecken, noch gegenüber denen, die gerade so noch ohne sie zurechtkommen. Ziel staatlicher Fürsorge sollte eigentlich sein, sich überflüssig zu machen. Besser als Hartz IV ist nicht mehr Hartz IV, sondern kein Hartz IV mehr zu brauchen. Die Welt der Regelbedarfe sollte für niemanden ein Zuhause werden, in dem er dann vergessen werden kann. Sie sollte nur eine Station auf der Durchreise sein. Das aber ist allzu oft nicht der Fall. Sechs Millionen Hartz-IV-Empfänger, darunter etwa eine Million Langzeitarbeitslose – das ist der eigentliche Skandal.“

So der eigentliche Skandal nicht ist, daß eine Henrike Rossbach (SZ) mit derlei bigottem Gewäsch an die Öffentlichkeit darf, ist der eigentliche Skandal Hartz IV als solches, diese „staatliche Abwicklung des persönlichen Ruins“ (Thomas Steinfeld). Hartz IV ist keine Station auf der Durchreise, Hartz IV ist Endstation, drum braucht’s auch keine Teilhabe, die braucht’s im Pflegeheim ja auch nicht. Das hat mit Fairneß – Fairneß! – nichts zu tun, aber damit, daß Hartz IV als Angstmaschine funktionieren soll: Füg dich, spure, lerne, sonst droht dir das. Bei Foucault läßt sich nachlesen, wie das 17. und 18. Jahrhundert die Verrückten, Randständigen, Armen, sofern sie nicht öffentlich ausgepeitscht oder mit Brandmalen versehen wurden, als gottlos Nichtsnutzige in workhouses oder Asylen zusammenkehrten, und es ist heute nicht etwa ein Versäumnis, daß Hartz IV noch immer Hartz IV heißt und nicht vielleicht „Bürgergeld“ oder ähnlich freundlich, wo doch sonst alles freundlich angemalt wird. Hartz IV heißt so nackt und grimm wie eine Maßnahme, die Fürsorge vorgaukelt, aber Strafe meint; die soziale Todesstrafe, die noch jeden scheinselbständigen Paketausfahrer hinterm Lenkrad und jede Nachtputzfrau am Wischmop hält, es aber auch der Journalistin nahelegt, das Lohnabstandsgebot zu feiern und sich über die Zusammensetzung der Henkersmahlzeit zu verbreiten, als müßte es nicht darum gehen, die Todesstrafe abzuschaffen.

„Unsere Philanthropie möchte lieber Zeichen der Aufmerksamkeit gegenüber der Krankheit sehen, wo sich lediglich die Verurteilung des Müßigganges abzeichnet.“ Foucault, 1961

Und wieder kein Wunder, daß rechts von der Linkspartei niemand auch nur einen Halbgedanken an die Liquidierung von Hartz IV verschwendet, weder in der Politik, noch in der Publizistik. Das Kernstück der Agenda 2010, die den deutschen Dauerboom verantwortet, ist Hartz IV, die Institutionalisierung eines drakonischen Regimes aus Angst und Druck, das weit in die Milieus hineinreicht, die sich in wohlfahrtsstaatlichen Zeiten vor dem Gang aufs Amt sicher wähnen durften. Daß die Arbeitsagenturen und „Jobcenter“ unterfinanziert sind, die Sachbearbeiter im besten Fall überfordert, im schlechtesten Sadisten, gehört zum Spiel, denn Hartz IV, noch einmal, ist Strafe, Strafe für ein Verbrechen, von dem die Delinquentinnen denken sollen, sie hätten es begangen; ist das, was es offiziell im Vaterland, das sich so furchtbar viel auf seine Sozialstaatlichkeit zugute hält, doch gar nicht gibt: die Marktwirtschaft als freie, die ihren Ausschuß stigmatisiert und demütigt und alle, die noch was zu verlieren haben, durch Angst und abwärts kanalisierten Haß gefügig macht.

Ist lange her, dieses 18. Jahrhundert.

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Uwe spritzt

Es ist ja dann doch nicht so, daß es ausschließlich schlechte Nachrichten gäbe, und es hat mich sehr gefreut, von Uwe Tellkamp („Der Stasi-Turm“) zu hören; wie es mich genauso gefreut hat, daß sich der Suhrkamp-Verlag gezwungen sah, sich von seinem Star-Autor zu distanzieren, der so überraschenderweise nicht der Mann der Nuancen und Reflexion ist, dem Springer damals so begeistert um den Hals fallen mußte, weil er, Tellkamp, „den ultimativen Roman über die DDR“ verfaßt habe, „diese lächerliche sowjetische Satrapie auf deutschem Boden. … So klar antikommunistisch, so voller schneidender Verachtung für das Proleten- und Kleinbürgertum, das 40 Jahre lang im Ostteil dieses Landes sein Gift verspritzen durfte, hat noch keiner, der aus diesen Breiten kommt, den Stab gebrochen.“ Knapp zehn Jahre später, in denen der Buchpreisträger hauptsächlich an einer Fortsetzung seines „Turms“ gehockt hat – sie soll im Herbst 2019 erscheinen –, gilt Tellkamps Verachtung dem hiesigen System und seiner Presse, den sog. Wirtschaftsflüchtlingen und dem Islamerer und also allen, die nicht Pegida sind. Und plötzlich steht er an der Seite ebenjenes Kleinbürgertums, über das er einst so schneidend den Stab gebrochen hat. Wie kommt’s?

Zwei Möglichkeiten. Die eine: Der Großbürger Tellkamp, der mit dem „Turm“ ja nicht bloß Antikommunismus betrieb, sondern den westdeutschen Bildungsbürgerresten ein einwandfreies Identifikations- und Verhaltensangebot machte: Einigeln!, war bloß ein solcher unter den Bedingungen einer lächerlichen sowjetischen Satrapie, wo es gereicht haben mag, Thomas (und nicht Heinrich) Mann zu lesen, um sich wie jenes gute alte Deutschland vorzukommen, ohne das es die sowjetische Satrapie gar nicht hätte geben müssen. Die andere: Der unanfechtbar großbürgerliche Schriftsteller merkt, daß auf die Deutsche Demokratische Republik als Gottseibeiuns zwar kein Verzichten ist, Abrechnungen mit dem üblichen DDR-Unrecht (vgl. z.Z. „Das schweigende Klassenzimmer“) aber Routine geworden sind, während das Milieu ganz andere Sorgen hat, nämlich fundamental kleinbürgerliche der Konkurrenz und des Abstiegs.

„Und je ärmer sie wurde, um so stärker betonte sie ihre gesellschaftliche Herkunft, mit anderen Worten: je härter sie ihre materielle Niederlage empfand, um so bewußter wurde sie ihrer ideellen Überlegenheit. Diese ideelle Überlegenheit bestand vor allem aus Unwissenheit und aus der natürlichen Beschränktheit des mittleren Bürgertums.“ Horváth, 1930

In beiden Fällen landen wir also beim Kleinbürgertum, dessen zentrale Affekte Neid auf die da oben und Ekel vor denen da unten sind. Der Großbürger mag die „Primitivos“ (so einst der legendäre Springer-Mann und Regierungssprecher „Pepe“ Boenisch) zwar verachten, er tut dies aber freilich nicht aus Angst. Der Kleinbürger dagegen, eingeklemmt zwischen den Depravierten und den Arrivierten, behauptet sich, indem er die Depravierten aus Angst haßt und die Arrivierten aus Haß fürchtet, wenn er sie nicht sogar bewundert, was sich im Seelenhaushalt besser verbuchen läßt. Nun ist Tellkamps Arriviertenstatus kein besonders trittfester, dafür schreibt Tellkamp zu langsam, und die Fortsetzung seiner DDR-Saga wird nicht mehr in der DDR spielen, und das interessiert ja keinen. Der Status seines Dresdner Gesprächspartners Durs Grünbein dürfte ökonomisch noch sehr viel prekärer sein, aber kleinbürgerlich ist Grünbein nicht, denn er käme (wie etwa Handke) gar nicht auf die Idee, seine Künstler- und Intellektuellenexistenz als irgend konkurrente zu sehen. Ihr Appeal beruht ja gerade darauf, daß sie es nicht ist.

Tellkamp dagegen hat mal mustergültig den Markt bedient. Das hat ihm gefallen, doch er ahnt, daß ihm das kein zweites Mal gelingen wird, es sei denn, er trüge einer neuen Nachfrage Rechnung. Bei Suhrkamp ist er da zwar an der falschen Adresse; aber der Typ des „auf Touren gebrachten Kleinbürgers“ (Adorno) wird erstens nicht aussterben und muß zweitens Tellkamps Schinken ja nicht lesen. Auch der „Turm“ war damals zuallersterst: ein Weihnachtsgeschenk.

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Bilanzen

Gut möglich, daß es nur mir so geht, aber etwas zwingt mich, noch dann mit den Verfolgten zu sein, wenn es sich um Schufte handelt. In Ken Follets Spionageromanklassiker „Die Nadel“ fiebere ich wie selbstverständlich mit dem Nazispion, denn er ist der, hinter dem sie her sind, und hätte sich Barschel damals auf die Flucht begeben, ich wäre für Barschel gewesen, umständehalber. Vielleicht, weil wir immer auf der Flucht sind; und Träume ja auch immer so gehen, daß man verfolgt wird, und nie, daß man verfolgt.

Verwandter Mechanik mag es sich verdanken, daß mir Sigmar Gabriel plötzlich leid tut, obzwar ich mal beifällig den Kabarettisten Max Uthoff zitiert habe, er, Uthoff, würde in jedem Fall die Straßenseite wechseln, um mit Gabriel nicht den Fußweg teilen zu müssen. Und trotzdem ist da nun einer vor der Zeit beruflich am Ende, und zwar nicht seiner Politik wegen, die bald gegen faule Griechen, bald wider Israel löckte, sondern weil er seine Klappe einmal zu oft aufgerissen hat. Ein Spruch weniger, und Gabriel hätte die nächsten vier (oder acht) Jahre in der Welt herumfliegen und als Mann von Renommee in den Ruhestand gehen können.

Selbst für einen solch trainierten Verdauer muß das eine Herausforderung sein, zumal der Sozialdemokrat Gabriel dasselbe Problem hat wie meine Lieblingscharge Maybritt Illner, der stets ein stilles Entsetzen darüber im Gesicht klebt, mit welch komplettem Irrsinn („Maybritt Illner“) sie ihre Tage hinbringt, die aber mit dem Irrsinn nicht aufhören kann, weil sie ja bloß solange da ist, wie der Irrsinn anhält. Dreißig Jahre, schrieb Gabriel in seiner Abschiedserklärung, habe er dem Land und der Partei gedient, und in seiner letzten Woche als Außenminister stand in der Zeitung, daß Hartz-IV-Kindern in Deutschland 2,77 Euro am Tag für Lebensmittel zustehen, während in den Ballungszentren, sagt eine Studie, Privatschulen wie Pilze aus dem Boden schießen und im Verein mit immer mehr Höchstbegabungsinstituten dafür sorgen, daß der Auslesedruck nicht nachläßt. An anderer Stelle war zu lesen, daß die Bildungs-, Aufstiegs- und Verdienstchancen sogar noch am Großelternhaus hängen, und daß der legendäre deutsche Sozialstaat ohne Tafeln nicht liefe, ist auch keine Neuigkeit.

„Da lebe ich und lebe – aber wozu?“ Platonow, 1926/27

Man wird ja selbst dereinst Bilanz ziehen müssen, und sie wird bestenfalls durchmischt sein; aber dreißig Jahre SPD, und am Ende steht Klassenkampf in ungekannter Härte, da bin ich noch King. In Zeiten, wo Hunderttausende aus Syrien und sonstwo fliehen, soll man, in seinem warmen Arbeitszimmer sitzend, sowenig sagen, man sei auf der Flucht, wie daß vorm Fenster Krieg herrsche, wenn die Panzer im Viertel noch Alufelgen haben. Doch als Bilanz eines sozialdemokratischen Frührentners ist die Befreiung Deniz Yücels aus despotischer Haft zwar mehr als nichts, aber zu wenig, um nicht finden zu müssen, daß, wo man selbst nicht bleiben kann, rein nichts geblieben ist.

Aber was rede ich. Eben schickt mir die Edition Tiamat den zehnten als ersten Band der Wolfgang-Pohrt-Werkausgabe, und kaum blättere ich hinein, lese ich wieder den halb sarkastischen, halb belustigten Text über den „Linksradikalismus im Sozialstaat“ als „Revolution am Schreibtisch“, für die man „sogar Geld“ bekommt“, „solange jedenfalls, wie elegant formulierte Kapitalismuskritik ein Spaß für aussterbende Bildungsschichten bleibt“. Da ist es tröstlich, daß das keinesfalls der Gipfel der Sinnlosigkeit ist; aus dem Wirtschaftsteil: „Seit gut 100 Tagen steht die ehemalige Opel-Marketingchefin Tina Müller (,Umparken im Kopf’) an der Spitze von Douglas. … Tina Müller wechselte, kaum angekommen, das Top-Management aus, rekrutierte neue Leute, vor allem Frauen. Eine Videobotschaft an die Mitarbeiter zeigte sie dann kurz vor Weihnachten, wie sie in einem mit Douglas-Tüten vollgestopften Opel Adam durch Düsseldorf kurvte, dazu ,Last Christmas’ hörte, mitträllerte und versprach: ,Bei der Filiale, die das beste Weihnachtsgeschäft macht, steht bald der Adam vor der Tür.’ Sie schleuste auch ihre Mutter als Mystery-Käuferin in eine Douglas-Boutique, um sie sozusagen als verdeckte Ermittlerin herausfinden zu lassen, ob die Verkäuferinnen die Kundinnen auch wirklich so lächelnd umgarnen, wie sie, die neue Chefin, das vorgegeben hat“ (SZ, 8.3.).

Eine Frau mit Zukunft; sie ist danach. (Die Zukunft. Die Frau aber auch.) – Elegant formuliert, das muß ich mir lassen.

Aktuelle Cartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Scusi, Kellerei Settevetro (Italien)!

Scusi, Kellerei Settevetro (Italien)!

Wegen eines technischen Fehlers ist Dein Lambrusco in die Wasserleitungen des Örtchens Castelvetro di Modena gelangt und sodann hellrot und schäumend in einigen Häusern aus den Wasserhähnen geperlt. Der Unfall sei aber »nicht mit hygienischen oder gesundheitlichen Risiken verbunden« gewesen, teiltest Du mit.

So begrüßenswert natürlich im allgemeinen eine Alkoholversorgung aus dem Wasserhahn sein mag, müssen wir doch fragen: Hast Du noch alle Spaghetti im Topf, Kellerei Settevetro? Lambrusco zu verabreichen ist nach Recherchen in unserer famiglia sogar der Mafia zu eklig!

Es grüßt mit einem kühlen Konterbier: Titanic

 Kennen, Hagen Hultzsch (FDP Thüringen),

muss Sie natürlich niemand, dennoch hat es uns beeindruckt, dass Sie auf einem Wahlplakat, über das wir im Weimarer Straßendreck gestolpert sind, gewissermaßen prophetisch gefordert haben, den Menschen mehr zuzutrauen. Völlig daneben lagen Sie allerdings mit Ihrem Gruß »Hallo übermorgen«. Das hätte doch wohl treffender heißen müssen: »Hallo vorgestern«!

Kann sich das auch gut als künftigen Gruß an Ihre Partei vorstellen: Titanic

 Hallo, Allos-Brotaufstriche!

»Leckere Linsen mit ausgewählten Gewürzen und Gemüse machen den Allos-Linsenaufstrich so besonders lecker« – ist das nicht ein bisschen halbherzig? Macht neben den leckeren Linsen nicht auch das leckere Gemüse Deinen leckeren Linsenaufstrich so besonders lecker? Ja? Nein?

Schluck’s runter.

Darum bittet Titanic

 Huhu, »Süddeutsche«!

Unter der Überschrift »Lauter Millionäre« gabst Du Arbeitnehmern in Deutschland sieben Tipps, wie sie im Lauf ihres Berufslebens eher 2,8 Millionen als 900 000 Euro brutto verdienen könnten. Neben wertvollen Ratschlägen wie »Berufswahl stellt Weichen«, »Lücken im Lebenslauf kosten«, »Bildung zahlt sich aus«, »Gehalt wächst mit dem Alter« und »Auf die Region kommt es an« heißt es unter »Führungsposten lohnen sich«: »Reichwerden klappt am ehesten, wenn man einen Chefposten ergattert.«

Echt, SZ? Bisher waren wir immer davon ausgegangen, dass man reich wird, wenn man möglichst lange einen subalternen Posten innehat, an dem einem alle anderen sagen, was man zu tun hat: Titanic

 Platsch, Bestsellerautor Frank Schätzing!

Wie hörten wir Sie jüngst aus dem Radio rausraunen? »Wenn Sie sich einmal in die Politik reinbegeben, verlieren Sie Ihre Freiheit – auch die Freiheit, Dinge auszusprechen. Die Parteistrukturen, in denen Politiker sich von der Pike auf hocharbeiten, sind wie Flüsse, und Sie sind der Kiesel. Sie werden rund geschliffen, ob Sie das wollen oder nicht. Andernfalls kommen Sie ja gar nicht oben an!«

Au weia. Was also, Frank Schätzing, tun? Flusskiesel künftig ungeschliffen lassen, damit sie besser oben ankommen und auf der Wasseroberfläche schwimmen? Strukturen entwässern, damit sie aufhören, wie Flüsse zu sein? Die Pike aus dieser feuchten Metapher nehmen, bevor sie rostet? Ja? Und wenn Politiker dann endlich die Freiheit haben, »Dinge auszusprechen« – was schätzen Sie: Wird das dann so eloquent und bildstark klingen, als hätte es ein gelernter Schriftsteller formuliert?

Übt noch die flüssige Aussprache: Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Es gibt nur Innen

Großstädte haben keinen Stadtrand. Es kommt immer noch ein Imbiss, noch eine Baustelle, eine Industriehalle, ein Depot. Geografinnen, Immobilienmakler und Raumplaner starteten Expeditionen, um an den Rand einer Großstadt zu gelangen. Nie sind welche zurückgekommen.

Miriam Wurster

 Offener Widerstand

Ohne mein Wissen ist aus der Telefonzelle im Dorf ein beschissener offener Bücherschrank geworden. Aus Trotz gehe ich dort jetzt immer telefonieren.

Ronnie Zumbühl

 Frage nach dem Sinn des Lebens

Ich bin mir ziemlich sicher, dass es eine Handvoll auserwählter Menschen gibt, denen eine höhere Macht den allgemeinen Sinn des Lebens bereits erläutert hat, aber leider sind das wahrscheinlich allesamt solche »Mich fragt ja niemand!«-Typen.

Cornelius W.M. Oettle

 Pragmatismus

Die Oma einer Freundin pflegte in der Nachkriegszeit, als es nichts zu essen gab, ihren hungrigen Kindern einen pfiffigen Ausweg aufzuzeigen, wie sich die Lust aufs Essen leicht vergessen lasse: »Jetz hauma uns halt as Maul am Tischeck an!« Und tatsächlich ist kaum etwas besser geeignet, den knurrenden Magen zu übertönen, als der Schmerzensschrei nach einer an der Tischkante blutig geschlagenen Lippe.

Tibor Rácskai

 Wesentlich werden

Neulich im Café bildete ich mir ein, am Nebentisch die Schriftstellerin Karen Duve zu sehen, um dann auf den zweiten Blick zu bemerken, dass es sich in Wahrheit um die Schauspielerin Catherine Deneuve handelte. Meine Hoffnung, es könne sich bei mir in Wahrheit um den Maler Jasper Johns handeln, erfüllte sich allerdings nicht.

Jasper Nicolaisen

Vermischtes

Serdar Somuncu: "H2 Universe: Die Machtergreifung", DVD
Er ist der selbsternannte Hassias – viel wichtiger aber noch: der designierte Kanzlerkandidat für Die PARTEI. Holen Sie sich jetzt die neue DVD von Merkel-Nachfolger Serdar Somuncu als Gratisprämie und stehen Sie damit schon vor der Machtergreifung auf der richtigen Seite. Ihre Kinder werden es Ihnen danken!
Zweijahres-Abo: 98,60 EURKamagurka & Herr Seele: "Cowboy Henk"
Er ist Belgier, Kamagurka. Belgier! Wissen Sie, was der Mann alles durchgemacht hat in letzter Zeit? Eben, er ist Belgier. Und hat trotzdem in einem Finger mehr Witz als Sie im ganzen Leib! Und Heldenmut! Glauben Sie nicht? Dann lassen Sie sich von Cowboy Henk überzeugen, dem einzigen Helden, der wirklich jeden Tag eine gute Tat begeht.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURSonneborn/Gsella/Schmitt:  "Titanic BoyGroup Greatest Hits"
20 Jahre Krawall für Deutschland
Sie bringen zusammen gut 150 Jahre auf die Waage und seit zwanzig Jahren die Bühnen der Republik zum Beben: Thomas Gsella, Oliver Maria Schmitt und Martin Sonneborn sind die TITANIC BoyGroup. In diesem Jubiläumswälzer können Sie die Höhepunkte aus dem Schaffen der umtriebigen Ex-Chefredakteure noch einmal nachlesen. Die schonungslosesten Aktionsberichte, die mitgeschnittensten Terrortelefonate, die nachdenklichsten Gedichte und die intimsten Einblicke in den SMS-Speicher der drei Satire-Zombies – das und mehr auf 333 Seiten (z.T. in Großschrift)! 
Zweijahres-Abo: 98,60 EURElias Hauck (Hrsg.): "Alles Spargel oder was?"
Endlich ist ganzjährig Spargelsaison! Elias Hauck, die eine Hälfte von Hauck & Bauer und Herausgeber des Frauenmagazins "Sonja", serviert die reifsten Spargelwitze der Welt – gezeichnet und erzählt von dutzenden gemüseliebenden Cartoonisten und Autoren. Lachen Sie unter anderem über: den mit den polnischen Erntehelfern, den mit dem kaputten Spargelschäler und den mit der Fliege in der Hollandaise.Wenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURDie PARTEI-Wahlwerbungs-DVD mit allen vier Wahlwerbespots aus dem Bundestagswahlkampf 2005: Höhepunkte der Politpropaganda, die von Otto Schily mit dem Prädikat "ein Skandal" ausgezeichnet wurden. Besser aufgelöst als auf Youtube und noch dazu mit einer praktischen, farbechten Hülle drumrum - das ist doch was, was?
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Das schreiben die anderen

  • 31.03.:

    Der "Spiegel" befragt TITANIC-Chefredakteur zu Corona als Gegenstand von Satire. 

     

  • 30.03.:

    "Der kleine Herr Tod" von Christian Y. Schmidt ist Buchtipp bei radioeins, die erste Lesung dazu gibt es hier. Auch MDR-ARTOUR stellt das Buch vor. Einen weiteren Livestream gibt es ab dem 1.4. jeden Mittwoch um 19 Uhr.