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Fabian Lichters Economy Class

Deutsche Versöhner

Es ist schon eine besondere Leistung, die Laschet vollbracht hat, nämlich dafür zu sorgen, dass sich einmal wenigstens auch auf Twitter alle einig in etwas sind, jedenfalls darin: Laschet kann es nicht. Der neue Versöhner, er kommt also wohl aus Aachen. Der Rest liegt bekanntlich an den Wählerinnen und Wählern da draußen. Und da muss man einfach ganz klar sagen, dass die Existenz des Mediums Film jemandem wie Laschet in der Hinsicht nicht gerade in die Hände spielt.

Was im Zeitalter mündlicher Überlieferung noch hätte irgendwie gesteuert und verschleiert werden können, dass Laschet eben so ist, wie er aussieht und dass all diese Sätze also tatsächlich und nachweislich aus ihm herauskommen, das könnte im Medienzeitalter doch ein entscheidender Nachteil für ihn sein. Das fällt ihm jetzt sozusagen auf die verdächtig sauberen Gummistiefel.

Es ist dann aber wiederum ein seltsamer Dreh, wenn man ihm ausgerechnet vorwirft, im Wahlkampf nun eben vorrangig das, nämlich Wahlkampf zu betreiben. Wem es genützt hätte, wenn – wie ebenfalls auf Twitter vielfach gewünscht – er doch mal eine Viertelstunde mitgeschippt hätte in den vom Hochwasser verschlammten Eifel-Straßen, das weiß nur die Bubble. Und ob es dem Schlamm überhaupt recht gewesen wäre?

Regelrecht streberhaft dagegen schon Kandidat Scholz, der etwa zeitgleich einen Videobeweis online stellte, der zeigt, wie er bei der Tafel in seinem Wahlkreis Potsdam sehr wohl tatkräftig mittat, Essenskisten schleppte, zumindest einmal, und mit "Teamleiterin Sabine" die Kelle für die Bedürftigen schwang. Dazu auch noch bescheiden genug, nicht gleich prahlerisch damit herauszuplatzen, dass dank ihm und der Agenda 2010 der Laden, gerade was die Kundschaft angeht, ja erst so richtig brummen dürfte.

"Es gibt kein Recht auf Faulheit", sagte bekanntlich schon Gerhard Schröder und wer denkt, bei den Grünen gelte das nichts, übersieht, dass Baerbock sich in Sachen Bürgerdialog in den letzten Tagen wohl einfach nur auf das Portal abgeordnetenwatch.de zurückgezogen hat (698 von 898 Fragen beantwortet), wo sie sich dem Fragen-Dauerfeuer ihrer Wähler und Kritiker stellt. "Wieso ist ihre für Ihre Partei für E-Motoren bei E-Autos?" [sic], will da etwa ein Gregor Helbing am 29. Juli endlich einmal klipp und klar wissen. Volltreffer offensichtlich: Bis jetzt jedenfalls keine Antwort von Baerbock.

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Arbeit und Struktur

In Island wurde jüngst erfolgreich die 4-Tage-Woche getestet, heißt es. Und erfolgreich bedeutet selbstredend, dass bei reduzierter Arbeitszeit die Produktivität nachweislich gestiegen ist. Denn first things – bitte schön – immer noch first.

Nun fühlten sich aber tatsächlich auch die Probanden der Arbeitnehmerschaft wohler, wo sie selbstbestimmter leben und arbeiten konnten, was in der Berichterstattung beinahe als netter, auch irgendwie kurioser Nebeneffekt daherkommt. Endlich einmal keine Verlierer? Man glaubt es eben selbst nicht so recht. Fragt sich, warum existiert dergleichen Abbau von Lebensarbeitszeit dann nur in Versuchsmodellen? Ja, warum geht der Trend weltweit zu wachsenden Arbeitszeiten? Irgendwie so eine Mindset-Sache wahrscheinlich:

"Es ist schlicht und ergreifend eine Tatsache, dass Zeit nicht als politische Gestaltungsaufgabe begriffen wird, denn was macht man mit den Produktivitätszuwächsen, die es ohne Zweifel gibt?" fragt sich z.B. Harald Welzer (philomag.de) und stößt damit in das gleiche Horn wie etwa der "anarchistische" Anthropologe David Graeber, der seinerzeit mit der These, die Berufswelt sei voll von Bullshitjobs aus welchen Gründen auch immer und nicht zuletzt in sich emanzipatorisch dünkenden Kreisen Erfolge feierte.

Graeber kam zur Erkenntnis, dass das alles in der Tat durchaus seltsam und vor allem ineffektiv sei – so fallen Anarchismus und Libertarismus wieder einmal in eines –, und es läge wohl an der politischen Klasse, dass derlei Zustände herrschten, die sich schon irgendeinen Vorteil davon verspräche. Vielleicht, so heißt es knapp 500 Seiten später, sei ja ein Grundeinkommen die Lösung. Dass man damit in die Sachbuch-Bestsellerliste kommt, wundert einen dann schon, bzw. eigentlich auch nicht mehr.

Marx kam jedenfalls recht schnell darauf, dass den Kapitalismus geradezu auszeichnet, dass die Arbeitskraft selbst zur Ware wird, und das wäre ja möglicherweise ein Anknüpfungspunkt gewesen. Von dem aus man aber z.B. auch das Schreiben und hauptberufliche Nachdenken über Bullshitjobs und Gemeinwohlökonomien eben als – nun – Bullshitjob entlarven könnte, der seinen eigenen Gesetzen folgt.

Und man fragt sich weiter: Was nur könnte Menschen dazu veranlassen, in Jobs zu verharren, die sie eigentlich als recht sinnlos erleben, bisweilen hassen? Und was könnte Unternehmerseits der Antrieb sein, doch lieber und stets weiter zu investieren? Wer dazu auch keine Antwort weiß, kann unter Umständen – Vorsicht, Spoiler! – noch ganz gut Geld damit verdienen.

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Nach uns die Sintflut

Man gewöhnt sich ja an alles, selbst an die Irrationalität. Die wird mittlerweile auch schon so offen und unbefangen zur Schau getragen, dass es einen kaum noch wundert, wie sich eine planlose und destruktive Produktionsweise den Menschen doch schon zurechtgemodelt hat. So können Nachrichtensprecher und Journalisten dieses Landes anlässlich der jüngsten Hochwasser dann auch noch wie im Chor von "sintflutartigen Regenfällen" palavern und der Blödsinn hat dennoch sein Wahres, weil man zu großen Teilen eher bereit wäre, eine göttliche Strafe zu bejammern und qualvoll über sich ergehen zu lassen, als eine drohende menschengemachte Katastrophe endlich einmal ernsthaft anzugehen und vielleicht gar abzuwenden. Halleluja!

Ob nun der Klimawandel oder doch nur der Starkregen schuld war an der Zerstörung ganzer Ortschaften, das ist dann nämlich doch eine Frage, die viele gerne noch vorher geklärt wissen wollen. Als ob die Tendenz, dass Starkregen und Extremwetterlagen nachweislich zunehmen, nicht genügen würde, und dieses Entweder-oder schon allein deshalb nicht so ganz aufgehen mag. Und bei wem kopftechnisch schon längst Land unter ist, der sieht im Leid der Menschen, die Angehörige, Existenz und Heim verloren haben, in erster Linie die Gefahr, dass daraus noch ein paar Stimmen für die Grünen herauskommen könnten und warnt: Stoppt die Politisierung der Ereignisse.

Das ist nur konsequent, gibt man sich damit etwa im Hause Springer doch ganz frank und frei als das zu erkennen (nicht dass es weiterer Beweise bedurft hätte), was man ist; in der Polis des antiken Griechenlands galt derjenige, der sich partout aus den öffentlichen Angelegenheiten politischer und gesellschaftlicher Natur heraushielt und den Privatismus vorzog, bekanntlich als Idiot, und wer wollte in dem Falle widersprechen.

Dass heute durchaus beides geht, Politik treiben und ein Idiot sein, das beweist wiederum Armin "Arminion" Laschet und zeigt, was Demokratie 2021 so alles kann: nichts natürlich. Denn wenn Politik im Sehr-spät-Kapitalismus überhaupt noch eine grundlegende Funktion hat außer der Erhaltung der eigenen Machtpöstchen und dem Sichern des Weiter-so, dann wäre das ja selbst das Entpolitisieren aller gesellschaftlichen Widersprüche.

Dafür steht er, Kandidat Laschet, und grinst dumm aus der Wäsche, während die Deiche brechen. Manche Katastrophen laufen eben auf zwei Beinen herum. Und dank des irrwitzigen freien Spiels der Kräfte ist zumindest für eines mit Sicherheit gesorgt: dass für sie immer die Sonne scheint.

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Lasst die Köche rollen

Mit dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk ist es für Menschen, die soziale Netzwerke nicht nur aus Erzählungen kennen, meist in etwa so wie mit der Oper: Man findet es schon gut, dass es das alles noch irgendwo gibt, aber man kommt einfach nur sehr selten dazu, weil lol, guck mal da. Das mag ein Problem für die Sender sein, nach den jüngst angekündigten Umbauplänen – unterm Strich: Kürzungen im Bereich Kultur und bei den journalistischen Magazinen, etwa dem Weltspiegel – stellen sich einem dann aber schon ein paar Fragen. Zum Beispiel, warum sie beim ÖRR mittlerweile exakt wie die Privaten klingen, vor allem, wenn es um die Argumentation zur Programmplanung geht.

Dass Menschen sich nicht für Bücher interessieren etwa, das wäre ja immerhin ein deutlicher Beleg für die Notwendigkeit einer Betätigung in diesen Gefilden, statt ein Argument für den Rückzug. Vielleicht würden ein paar mehr im Diesseits verhaftete Gestalten jenseits der Experimentiersparten ja schon helfen? Und dass politischer Journalismus in einem Zeitalter, in dem Menschen glauben, die Erde werde von Echsen regiert, eher was fürs Nachtprogramm ist, dürfte auch nicht die taghellste Entscheidung sein.

Vielleicht haben wir über die Jahre aber auch einfach vergessen, wofür ein öffentlich-rechtlicher Rundfunk da ist: Vielleicht dafür, verhaltensauffällige Köche von der Straße zu holen und ihnen ein menschenwürdiges Leben im Scheinwerferlicht zu ermöglichen. Die Auslandsberichterstattung wird halbiert, das ist natürlich schade, aber bei Horst Lichter gibt es dafür gleich Ingwer-Gnocchi. Njam, njam!

Mag sein, dass das ganze Unternehmen Fernsehen den Bach runtergeht, aber wäre dann nicht immer noch ein halbwegs stilvoller Abgang einem solchen Gewurstel vorzuziehen? Warum also – mein Rezept für einen ausgewogenen ÖRR – nicht da kürzen, wo es alleine schon der gute Geschmack dringend fordert? Denn was das für eine Kultur sein soll, bei aller Liebe zum Genuss, die zwar aus dem FF einen Rehbraten schmoren kann und auch nachts aus dem Schlaf gerissen pflichtbewusst das Rezept für eine Béchamelsauce dahermurmeln könnte, ein Buch jedoch allenfalls noch als Topfunterlage zu nutzen weiß, das mag mir mal ein Medienmanager erklären.

Gegen Stumpfheit hilft kein Schneebesen und den Eskapismus einer Gesellschaft, in der niemand mit jemandem außer sich selbst oder seinesgleichen noch etwas zu tun haben möchte, kann man wunderbar fördern, in dem man den Menschen beständig sich selbst spiegeln lässt. All das, während Sender wie RTL und Prosieben verkünden, nun ja, seriöser werden zu wollen, und man weiß nicht, was schlimmer ist. Zum Glück gibt es ja Youtube.

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Abgekupfert

An der Debatte zur Baerbock-Plagiatsaffäre ist zum einen erstaunlich, wie gut es doch immer wieder funktioniert, Wahlkämpfe zu entpolitisieren und von Inhalten abzulenken, zum anderen, wie viele Menschen noch glauben, dass jemand wie Annalena Baerbock – immerhin als Kanzlerkandidatin bzw. Bundesvorsitzende nicht gerade unbeschäftigt – ihr obligatorisches Wegwerfbuch für die statistisch errechneten paar Extrastimmen persönlich schreibt.

Schließlich macht Baerbock selbst keinen Hehl daraus, beim Verfassen "Unterstützung" gehabt zu haben. Heißt, ihr Fehler war wohl eher, den falschen Ghostwriter angeheuert zu haben, sofern sie wiederum diesen überhaupt alleine engagiert haben sollte. Letzteres mal eher herbeiphantasiert, doch um mir Annalena Baerbock vor einem leeren Word-Dokument sitzend vorstellen zu können, nach dem richtigen Worte ringend, während draußen gerade die Wahlkampfmaschine rattert, dafür langt es dann doch nicht bei mir.

Natürlich ist bereits die Problemstellung "Darf eine potentielle Kanzlerin so ein Buch abliefern?" – ob nun per Kampagne gesetzt oder nicht – geradezu lächerlich sinnfrei. Wer sich nach 16 Jahren CDU-Regierung von den Grünen tatsächlich grundlegende Änderungen erhofft und wegen eines schlampig verfassten Grabbeltischbuchs von Enttäuschung derart übermannt ist, lieber einem Totalausfall wie Laschet seinen Segen zu geben, seine Empörung also über eine erwartete Besserung der eigenen Lebensumstände und der anderer stellt, der muss schon ein sagenhaft moralischer Depp sein.

Andererseits ist es vielleicht auch gerade das, was bei einer solchen Wahl überhaupt noch einen Unterschied macht, weil tatsächliche Verbesserungen der Verhältnisse längst ins Reich des Utopischen abgewandert sind – das gute Gefühl, das einem dabei bleibt. Somit müsste sich Politik zwangsläufig auf die Ebene der Moral verschieben, wo es bei den anderen wirklich nicht besser aussieht: bei Laschet, der während eines Lehrauftrags die Arbeiten seiner Studenten verschlampte und sich die Noten für sie – pragmatisch praktisch gut – aus den Fingern gesaugt hat. Der selbst zu Hans-Georg Maaßens Pöbeleien vom rechtesten Rand keinen klaren Satz herausbekommt. Oder bei Olaf Scholz, der … aber muss ich das hier wirklich noch mal alles aus den Zeitungen von gestern abkupfern?

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Keinen Plan

Es muss schon einigermaßen schlimm um die Wahrnehmung der Leute stehen, wenn ein Faktencheck der Tagesschau notwendig wird, um zu klären, dass die Grünen aller Wahrscheinlichkeit nach nicht die Planwirtschaft einführen werden. Denn das ist bekanntlich der Grundton u.a. im AfD-Umfeld, aber eben auch darüber hinaus. Auch Christian Lindner, man erinnert sich, raunte 2019 noch, die Grünen würden den Klimawandel nutzen, um "mit Planwirtschaft die Industrie umzubauen und Menschen umzuerziehen". Und man fragt sich, wo bloß die unsichtbare Hand bleibt, die den Mann einmal sorgsam aber bestimmt des Platzes verweist.

Bei einer Umfrage unter Wirtschaftsvertretern zur präferierten Kanzlerin kam Annalena Baerbock kürzlich jedenfalls noch auf 26,5 Prozent der Stimmen. Entweder ist man neuerdings an den Hebeln der Macht überraschend offen für ökonomische Experimente, oder aber man traut den Grünen in rechten Kreisen zu viel zu. Fragt sich nur: Wie weit müssen sich die Grünen noch in Richtung Wirtschaft und Altparteien bewegen, damit der Spuk in rechten Hirnen endlich ein Ende nimmt? Und wie um Himmels willen sollte so ein Übergang zum – dann eben grünen – Sozialismus aussehen? Wird es Bananensmoothies geben?

Wer im jüngst erschienen Wälzer "Schriften zu Planwirtschaft und Krise" von Friedrich Pollock Antwort sucht, stellt fest, dass es ihm zumindest 1929 (nach einer Forschungsreise nach Moskau für das Frankfurter Institut für Sozialforschung) tatsächlich möglich schien, dass eine Planwirtschaft, heißt eine Planung aller (!) Wirtschaftsbereiche, innerhalb einer Volkswirtschaft im Westen funktionieren könnte. Nur eben aller Voraussicht nach nicht im Einvernehmen mit den Eigentümern der Produktionsmittel. Man kann sich nun spaßeshalber ausmalen, wie Baerbock, Habeck und Co. ein solches Vorhaben 2021 Industrie und Bankenwesen schmackhaft machen würden. Ob das Habeck-Lächeln da ausreichte?

Seit den Tagen wissenschaftlichen Arbeitens zur Planwirtschaft und den realen Versuchen folgten eben doch noch einige Jahrzehnte Wirken und Walten des Kapitalismus, Globalisierung und Neoliberalismus (hierzulande nicht zuletzt salonfähig gemacht durch die Grünen). Und wer nun ausgerechnet in diesen Grünen die neuen Geburtshelfer der klassenlosen Gesellschaft sieht, dem kann man eigentlich wirklich nur noch gute Besserung wünschen. Es ist dann natürlich schon eindeutig dem Wahnhaften zuzuordnen, was da von rechts auf diese Partei hereinprasselt, und – das dürfte ein mindestens gleichrangiges Problem sein – von allerlei anderen Stimmen dankend aufgenommen und weitergesponnen wird, solange sich damit nur Stimmung gegen jedwede Idee von Regulierung vom Tempolimit bis selbst zum nachhaltigen Kantinenplan machen lässt. Da wünscht man sich doch schon beinahe wieder, es wäre nur ein klein wenig was dran, an den Geschichten.

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Meinung vs. Meinung

"Wir lassen uns die Meinung nicht verbieten", posaunte die Bild in Anlehnung an das Ergebnis einer Allensbach-Umfrage unlängst von der Titelseite, und Promigrimassen wie Kristina Schröder und ausgerechnet Hendrik Streeck klagten ihr Leid, das unbestritten das derzeit liebste Leid der Deutschen ist. Denn: "Jeder zweite Deutsche traut sich nicht mehr, offen seine Meinung zu sagen …" Und man darf in diesem Fall ausnahmsweise einmal auf steigende Zahlen hoffen.

Es ist und bleibt, das belegt die Aktion unfreiwillig gleich mit, eben ein doch recht konstruiertes Problem. Allein schon, weil man das alles bereits so unendlich oft gehört hat, sei es zum Thema Gender, dem Islam oder eben auch Corona. Nicht nur in Bild konnte z.B. Streeck, der sich diffamiert fühlt, seinen Sermon schließlich über ein Jahr lang gegen die Mehrheitsmeinung aus der Forschung in die Öffentlichkeit kippen. Und das ist natürlich dann auch sein Dreh: "Dabei gibt es nicht 'die' Wissenschaft", so Streeck. "Wissenschaft ist ständiger Widerspruch, ist das Ringen um Erkenntnisse. Fortschritt entsteht gerade dann, wenn der Konsens durchbrochen wird." Und man möchte selbst einfach nur noch brechen. Es eilten keine dunklen Herrschaften herbei, um ihn eines Nachts abzuholen, es gab lediglich Gegenmeinungen und Kritik, nicht zuletzt aus der Wissenschaft. Nein, nein, das ist nicht der Meinungs-Faschismus.

Totalitär ist da eher schon das zwanghafte Abwägen und Ausmitteln qua Medienmacht, wo längst überwiegende Einigkeit, wenn nicht Klarheit herrscht, nur, um Lobbyarbeit für seine eigenen Interessen zu betreiben. Sei es in der Causa Corona oder beim Klimawandel. Wo leider Gottes eben eine wissenschaftliche Mehrheitsmeinung bestand bzw. seit Jahrzehnten besteht, zu der man sicher nicht ohne Auseinandersetzung gekommen ist, gegen die man hierzulande aber dennoch gerade immer wieder diesen einen Suppenkasper in die Talkshow setzen muss, der anderer Meinung ist. Alles, um ein Entweder-Oder zu inszenieren, ein falsches 50:50-Verhältnis zweier vermeintlich gleichwertiger Standpunkte. Wir haben uns ja auch irgendwann von der mittelalterlichen Säftelehre verabschiedet und muss man jetzt hinter jedem Selbstdarsteller noch einen neuen Galilei vermuten?

Die Irrationale auf der Straße freut's. Ein dialektischer Treppenwitz, dass man nicht müde wird, ausgerechnet derlei Schmu immer wieder mit den schweren Geschützen von Aufklärung und Demokratie zu rechtfertigen. Blinder kann gar kein Positivismus sein. Nichts ist derzeit schließlich ein markanteres Resultat der Aufklärung als der Pieks in den Arm und das ein oder andere Leben, das auf dem Weg dahin geschützt wurde. Und wer dieser Tage nicht schon wieder im Biergarten oder im Café sitzt, sondern in der (Meinungs-)Diktatur, der hat sich eindeutig verirrt.

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Aktuelle Cartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Dein Kindersport-Angebot, Hannover 96,

bietet laut Deiner Webseite »Sport ohne Leistungsdruck«, seine Basis bestehe aus Spaß und der Entwicklung persönlicher und kognitiver Eigenschaften. Toll, das hätten wir von einem Verein aus dem Profifußball-Kapitalismus wie Dir gar nicht erwartet! Antizipiert, wie es im Kommentatoren-Sprech heißt, hätten wir eher Internate für Fußballtalente im Grundschulalter und Sportleistungskrippen für Hoffnungsträger ab drei Monaten.

Doch schon angesichts des Mottos der Abteilung stellt sich Ernüchterung ein: »Fördern und fordern«. Damit führst Du Deine Kindersport-Sparte unter dem gleichen Leitbild wie Hartz IV, das bekanntlich alles andere als »Arbeitslosengeld ohne Leistungsdruck« ist.

Aber, Hannover 96, wo sich der Vater von Hartz IV, Gerhard Schröder, vor einigen Monaten aus dem Verein zurückgezogen hat, um einem Ausschluss zuvorzukommen, wäre es da nicht an der Zeit für ein neues Motto?

Empfiehlt Dir ein paar Einheiten Denksport: Titanic

 Namenloses australisches Känguru!

Du zeichnest für die erste tödliche Känguru-Attacke auf einen Menschen seit 85 Jahren verantwortlich: Dein 77jähriges Opfer hatte Dich offenbar illegalerweise als Haustier gehalten. Das darf man nur, wenn man eine spezielle Ausbildung nachweisen kann. Aber deswegen gleich töten? Hat der Mann Dich nicht artgerecht gehalten? Hat er verlangt, dass du neunmalkluge Sprüche, Binsenweisheiten und halbgare politische Witze von Dir gibst? Dich am Ende sogar verfilmen wollen?

Schön und gut, aber Gewalt sollte dennoch nicht die Lösung sein, findet Titanic

 Ihren Senf, Ursula von der Leyen, EU-Kommissionspräsidentin,

zum Umstand, dass Ihr 30 Jahre altes Pony Dolly offenbar von einem Wolf gerissen worden war, gaben Sie schon dazu, als das Tier noch nicht mal die Chance hatte, Wurst zu werden. »Die ganze Familie ist fürchterlich mitgenommen von der Nachricht«, ließen Sie mitteilen. Klar, von dem Pony können Sie logischerweise nicht mehr mitgenommen werden.

Sendet Ihnen diese Nachricht mit dem Pony-Express: Titanic

 Hut ab, »Star Insider«!

Unsere Aufmerksamkeit war Dir sicher, als Du Deinen Artikel »Kluge Köpfchen: Das sind die intelligentesten Promis« mit den Gesichtern von Rowan Atkinson, Emma Watson und nun ja … Wladimir Putin bebildertest.

Du scheinst ein wirklich erfrischend offenes Verständnis davon zu haben, was einen Promi zum Promi macht: Ob mit Grimassen schneiden oder Angriffskrieg führen, alle können es schaffen, wenn sie sich nur anstrengen und eben ein kluges Köpfchen sind. Das macht uns Mut!

Stets mit Köpfchen: Titanic

 Überrascht und beeindruckt, Porsche,

hat uns Deine ganzseitige Anzeige neulich in der Tageszeitung, ein echter Hingucker. In weißer Schrift auf einer abgedunkelten Fotocollage stand da »Sport ist eine Haltung. Sie ist das, was uns antreibt« und einige Nullsätze mehr, die in der Aussage gipfelten: »Denn wir sind«, und dann, in Riesenlettern: »SPORTMADE«.

Das ganze Blabla über dem schönen Wort »Sportmade« überlasen wir natürlich und dachten geradweg: »Ach, so nennen sie bei Porsche ihren wichtigsten Fürsprecher Christian Lindner?«

Macht die Fliege: Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Grüner Daumen

Manches im Leben fällt einem einfach in die Hände, z. B. ein umfallender Kaktus, während man morgens das Rollo hochzieht.

Ferri Bueller

 Künstliche Idiotie (KI)

Seit Youtube mir vor dem Abspielen meiner Suchanfrage »Give Peace a Chance – John Lennon« eine Werbung für den freiwilligen Wehrdienst bei der Bundeswehr zeigte, mache ich mir keine Sorgen, dass intelligente Maschinen bald schon die Macht übernehmen. Außer das war bereits ein Anzeichen für Humor.

Jürgen Miedl

 Alttestamentarisch

Führende Theologen bestreiten, dass die Bibel Selbstjustiz rechtfertigt. Aber war nicht Moses im Grunde der Erste, der das Gesetz in die Hand nahm?

Wieland Schwanebeck

 Für Facebook

Vorschlag eines tiefgründigen Denkspruchs für Tierärzte: Real eyes realize real lice.

Karl Franz

 Nicht nur für Cineasten

Um unprofessionelle Anschlussfehler zu vermeiden (»Mist, schon wieder eine Videokonferenz! Welches Hemd hatte ich heute Morgen an? Mit welchem Videofilter habe ich noch mal den Wäschehaufen im Hintergrund übermalt?« oder eben auch: »Huch, wieso sind Sie denn auf einmal nackt?«), könnte man direkt eine Continuity-Agentur für Heimarbeiter gründen. Schnapsidee oder innovatives Geschäftsmodell? Oder hatte ich das im letzten Meeting schon mal vorgeschlagen?

Alexander Grupe

Vermischtes

Friedemann Weise: "Die Welt aus der Sicht von schräg hinten"
Laut seiner Homepage ist er der "King of Understatement" und der "lustigste Mensch im deutschsprachigen Internet". Er ist aber auch Gitarrenmann, Viralblogger (15000 Follower!), Gagautor und Promiexperte mit Diplom. Die Rede ist von Friedemann Weise, dem Mann mit dem Namen! Der Mann, der den "Satiropop" erfand. Und jetzt auch noch ein Buch vorlegt. Ob das gutgeht? Ordern Sie diese Prämie und teilen Sie Ihr vernichtendes Urteil bitte zeitnah der TITANIC-Redaktion mit.Wenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
Zweijahres-Abo: 117,80 EURKamagurka & Herr Seele: "Cowboy Henk"
Er ist Belgier, Kamagurka. Belgier! Wissen Sie, was der Mann alles durchgemacht hat in letzter Zeit? Eben, er ist Belgier. Und hat trotzdem in einem Finger mehr Witz als Sie im ganzen Leib! Und Heldenmut! Glauben Sie nicht? Dann lassen Sie sich von Cowboy Henk überzeugen, dem einzigen Helden, der wirklich jeden Tag eine gute Tat begeht.
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Das schreiben die anderen

  • 05.09.:

    TITANIC-Chefredakteur Moritz Hürtgen spricht bei 1LIVE Stories vom WDR über seinen neuen Roman "Der Boulevard des Schreckens" und liest daraus vor (auch bei Spotify und sonstigen Podcast-Plattformen).

  • 02.09.:

    Die Märkische Allgemeine Zeitung berichtet über das aktuelle Editorial der neuen TITANIC-Intendantin Patricia Schlesinger.

  • 17.08.:

    DLF Kultur spricht mit Bernd Eilert über sein Buch »Meine Île de Ré«

  • 08.08.: Moritz Hürtgen und Dax Werner sprachen mi dem hr zum Thema "Sind wir alle zu ironisch?!"
  • 25.07.:

    Merkur.de fasst die Reaktionen auf einen Uwe-Seeler-Cartoon von TITANIC zusammen.

Titanic unterwegs
08.10.2022 Baden-Baden, Kurhaus Max Goldt (mit einer Laudatio von Bernd Eilert)
08.10.2022 Köln, Klüngelpütz Ella Carina Werner
10.10.2022 Darmstadt, Centralstation Martin Sonneborn
11.10.2022 Frankfurt am Main, Club Voltaire TITANIC-Tucholsky-Gala