Newsticker

Nur diese Kategorie anzeigen:Fabian Lichters Economy Class Eintrag teilenEintrag per Email versenden Mit Facebook-Freunden teilen Twittern mit Google+ teilen

Fabian Lichters Economy Class

Arbeitszeiten

Wie jüngst schon in Österreich wird nun auch in Deutschland über das Thema Arbeitszeitverkürzung diskutiert. Umfragen zeigen zumindest eines eindeutig: Die Mehrheit will die Viertagewoche bei gleichbleibendem Lohn. Während Wirtschaftsvertreter und deren Fürsprecher wie erwartet von einer Gefährdung der Konkurrenzfähigkeit warnen, halten Befürworter des Vier-Tage-Modells eisern mit Studien dagegen. Denen zufolge stiege die Produktivität dabei sogar eher an, bliebe im Schnitt jedenfalls mindestens auf gleichem Niveau, der Krankenstand ginge zurück, kurz gesagt: Es käme zu einer Win-win-Situation. Noch die Befürworter der Viertagewoche sehen sich heute also genötigt, sich ausgerechnet den Kopf für die Arbeitgeber zu zerbrechen, berufen sich auf wissenschaftlich verbriefte Produktivitätssteigerungen und klingen dabei wie Mediatoren im Dienste von Work-Life-Balance und Unternehmenserfolg. Während man überall den sich wandelnden Arbeitsmarkt und die neue Macht der Arbeitnehmer beschwört, muss offensichtlich noch das einfache Anliegen der Mehrheit der Menschen, der Wunsch, bei stetig steigender Produktivität nicht gänzlich unter den Tisch zu fallen, inzwischen selbst wie ein Pitch an den Arbeitgeber vorgebracht werden. Wie selbstverständlich wird penibel über Gehälter und Arbeitszeiten debattiert und eben nicht über die Konzentration von Wohlstand und Eigentum, über Boni und Verhältnismäßigkeit am anderen Ende des Einkommensspektrums. Meldungen über Rekordgewinne trudeln ein, Krise hin, Krise her, derweil gelten allein Verteilungsfragen inzwischen als weltfremd und utopisch. Was sei mit der Pflege?, heißt es. Was mit dem Fachkräftemangel? Das hieße Schichten umplanen, in manchen Sektoren eventuell gar personell aufzustocken, ächzt es allen Ernstes von Kritikern herüber. Allein schon die Debatte: Schwerstarbeit.

Nur diese Kategorie anzeigen:Fabian Lichters Economy Class Eintrag teilenEintrag per Email versenden Mit Facebook-Freunden teilen Twittern mit Google+ teilen

Fabian Lichters Economy Class

Inside Innenstadt  

Die deutschen Innenstädte, sie sterben vor sich hin, man hört es allenthalben, gemeint ist vor allem die klassische Einkaufsstraße. Wer hätte es auch ahnen können? Ratlosigkeit und Trauer machen sich breit. Das Ladensterben, es macht Tabula Rasa mit unseren Einkaufsmeilen. Hilflos schaut man dem Treiben zu. Erst Schlecker, jetzt auch noch Kaufhof – wie konnte es nur so weit kommen? Entgegen allen Einschätzungen hat sich das Internet in den letzten Jahrzehnten also doch durchgesetzt und die Menschen nutzen die Zeit, die ihnen zwischen ihren Jobs noch bleibt, nicht mehr vorrangig damit, Streifzüge durch marode Kaufhäuser zu unternehmen. Schon sind andere angetreten, das Kaufhaus nostalgisch zu verklären, auch wenn sie selbst wohl seit Jahren keines mehr betreten haben dürften. Am nicht enden wollenden Gerede über die Problemzone Innenstadt zeigt sich die Banalität herrschender Verhältnisse. Eine „lebendige Innenstadt“ scheint vielen schlicht undenkbar zu sein ohne Einkaufsbummler und eben auch ohne das Auto. Hauptargument gegen verkehrsberuhigte Zonen, die einen Aufenthalt oft erst möglich machen, ist regelmäßig die Behauptung, man fördere damit das Ladensterben. Derweil scheint der Pop-Up-Store dank steigender Quadratmeterpreise bald schon das einzig denkbare Modell für den Einzelhandel zu sein. Doch die zur Verfügung stehenden Kausalketten, sie sind nun einmal vorgegeben und scheinen unhinterfragbar. Zum Szenario immer neuer und größerer Parkplätze sowie zu den längst unrentabel gewordenen Kaufhäusern scheint es schlicht keine vorstellbare Alternative als die der Verwahrlosung zu geben. Der Markt regelt die Innenstädte ab, was bleibt einem da noch übrig? Das Internet verfluchen und Zwangseinkäufe verordnen? In der Innenstadt wird sichtbar, wie unsentimental das Kapital sich seine Wege sucht. Märkte kommen, Märkte gehen und die Innenstadt als noch physisch erfahrbarer Marktplatz hat dabei mehr und mehr ausgedient. Ersetzt wurde sie durch praktikablere Formen des Handels. Da braucht man dann auch nicht dreinschauen wie eine Parkuhr.

Nur diese Kategorie anzeigen:Fabian Lichters Economy Class Eintrag teilenEintrag per Email versenden Mit Facebook-Freunden teilen Twittern mit Google+ teilen

Fabian Lichters Economy Class

In der Hitze des Gefechts  

Faszinierend ist es dann doch, was sich hinter den so grausam dröge tönenden Begriffen Heizungsstreit und Wärmepumpe in den letzten Tagen alles zugetragen hat. Wie schnell etwa daraus ein "Heizungsverbot" werden konnte. Nahezu unmöglich ist es gerade, sich darüber zu informieren, ohne mit jenem vermeintlichen Heizungsverbot konfrontiert zu werden, und sei es nur in den Überschriften der um Richtigstellung bemühten Artikel. Befeuert von FDP, Bild und Co. soll den Leuten also idealerweise die Vorstellung durch die Köpfe geistern, der Planstaat werde in Bälde vorbeischauen, an der Tür klopfen und die Heizungen der Häuslebauer eigenhändig herausreißen, wenn er denn das Heizen nicht gleich ganz und für alle Zeiten zu verbieten gedenkt. All das Gepolter, es schließt sich nahtlos an das apokalyptische Gerede aus dem Herbst des vergangenen Jahres an, als aus demselben Lager vom Blackout und seinen Folgen gewarnt wurde. Populistische Aufrüstung, die der FDP zur Schärfung des Profils dient, anderswo aber längst für bare Münze genommen wird. Und während der Protest zur Einhaltung der Klimaziele als Weltuntergangspanik verschrien wird, ist es ihr Auftrag, alles, was nicht unmittelbar als Interesse der Wirtschaft auftritt, mit größtmöglichem Tamtam zu bekämpfen und gebetsmühlenartig von der Abschaffung des Wohlstandes zu warnen. Ein Szenario, das, nebenbei, vom Prepper bis zum Reichsbürger auch rechte Ideologen um- und antreibt. Als Lobbypartei aber ist einem jedes Mittel recht und egal, wem man gerade nach dem Mund redet, man hat gelernt, dass man für derlei Manöver keine Konsequenzen fürchten muss. Beinahe egal scheint es, ob im Nachhinein noch journalistisch geradegerückt wird, was an Falschbehauptungen in den Raum geworfen wurde. Die Behauptung ist in der Welt und hat ihre Eigendynamik. Darum ging es ja schließlich.

Nur diese Kategorie anzeigen:Fabian Lichters Economy Class Eintrag teilenEintrag per Email versenden Mit Facebook-Freunden teilen Twittern mit Google+ teilen

Fabian Lichters Economy Class

Deutsche Notwehr

Wessen tägliches Geschäft es ist, noch die kleinste Abweichung vom Normalbetrieb im Keim zu ersticken, muss sich etwas einfallen lassen, um dabei nicht gar so sauertöpfisch zu wirken, wie das eigene Anliegen einen naturgemäß macht. Gerne gibt man sich daher in Deutschland auch einmal betont antideutsch und kämpferisch fortschrittlich bei noch dem reaktionärsten Treiben, wenn man also in Wahrheit in klassisch deutscher Manier dafür eintritt, dass nichts am großen Konsens zu rütteln hat. Typisch deutsche Eigenart, wenn nicht Spinnerei, seien zum Beispiel Atomausstieg und Klimaschutz, so jedenfalls lautet eine beliebte Behauptung. Und selbst wenn noch ein Funken Wahrheit darin liegen mag, etwa der Verweis darauf, dass anderswo die Reaktoren nun mal munter weiterlaufen, wird die Behauptung eines Sonderwegs nicht gehaltvoller. Keinesfalls ist schließlich Atomkraft im Rest der Welt unumstritten und weit muss man für diese Erkenntnis nicht blicken. Im sonst so gern als Vorbild herangezogenen liberalen Vorzeige-Nachbarländchen, der Schweiz, hat man sich beispielsweise längst darauf geeinigt, dass keine neuen AKW mehr gebaut werden. Deutscher, wenn man denn mit derlei Kategorien hantieren möchte, wäre da aktuell wohl schon das: Während in Frankreich Jung und Alt seit Wochen mit den Gewerkschaften gegen Macrons Gesetz zur Anhebung des Rentenalters auf die Straße geht, schäumen Autofahrer hierzulande über, weil Klima-Aktivisten sie auf dem Weg zur Arbeit hindern. Da lacht das deutsche Arbeitgeberherz und da lacht der Boulevard. Bei Bild und Welt gibt man sich schließlich schon lange größte Mühe, die "Notwehr" der Autofahrer zum einzigen Ausweg aus dem Debakel hochzuschreiben. Mit größter Lust werden täglich die neuesten Ausraster von Autofahrern präsentiert, die Demonstranten über die Füße fahren oder sie von der Straße zerren. Kaum verholen die Sehnsucht nach Gewalt und Härte. Da weiß man doch, wo man ist.

Nur diese Kategorie anzeigen:Fabian Lichters Economy Class Eintrag teilenEintrag per Email versenden Mit Facebook-Freunden teilen Twittern mit Google+ teilen

Fabian Lichters Economy Class

Mathi-Leaks

"Angela Merkel hielt er für den Sargnagel der Demokratie, Ostdeutsche seien Faschisten oder Kommunisten, den Klimawandel fand er gut" – so teaserte die Zeit ihre Leaks aus Chats und E-Mails des Springer-Chefs Mathias Döpfner an. Der nannte sie nun "aus dem Zusammenhang gerissene Gesprächsschnipsel". Auch wenn einen – nicht nur nach den bereits vor einiger Zeit der Presse zugespielten Äußerungen Döpfners zur Politik Merkels ("neue DDR") – kaum überrascht, was man in der Auflistung zu lesen bekommt, so zeigen die Leaks doch eindrücklich, dass kaum ein Blatt zwischen – eben – Blattlinie und Blattmacher passt. Man ist bei Springer dem Selbstverständnis nach nicht nur Meinungsmacher, sondern auch zur politischen Intervention verpflichtet, steht also für genau das, was man etwa dem ÖRR, wenn nicht der ganzen übrigen Medienlandschaft stets versucht nachzuweisen: Lobbyismus und eine klare politische Agenda. "Kann man noch mehr für die FDP machen? Die sollten 16 Prozent mindestens kriegen", fragt Döpfner laut Leak kurz vor der Wahl aus Angst vor SPD und den Grünen. Und dass er mit dem Lockdown angeblich das "Ende der Marktwirtschaft" erkennen wollte, gar den "Anfang von 33", es wundert einen auch nicht mehr. Dass Döpfner aber auch konstruktiv, ja hoffnungsvoll auftreten kann, es soll hier nicht unterschlagen werden: "Umweltpolitik – ich bin sehr für den Klimawandel. Zivilisationsphasen der Wärme waren immer erfolgreicher als solche der Kälte. Wir sollten den Klimawandel nicht bekämpfen, sondern uns darauf einstellen." Darin mag eine gewaltige Unterschätzung der Gefahren des Klimawandels liegen, dennoch vertritt Döpfner damit eine Haltung, die viele weit über den Springer-Kosmos hinaus insgeheim teilen dürften: So wie man den Schaden stets abnickte, den das Wirtschaften, für das man sich einsetzt, immer schon anrichtete – bisher angenehmerweise noch außer Sichtweite – ist man bereit abzunicken, was noch kommen wird. Auch die Folgen der Erwärmung werden in der Klassengesellschaft schließlich nicht alle in gleichem Ausmaß treffen. Und was den einen schlaflose Nächte bereitet, ist für andere so lang es nur geht eine anstehende Zivilisationsphase der Wärme.

Nur diese Kategorie anzeigen:Fabian Lichters Economy Class Eintrag teilenEintrag per Email versenden Mit Facebook-Freunden teilen Twittern mit Google+ teilen

Fabian Lichters Economy Class

A long journey  

Einige Wochen sind vergangen, seit die Entwicklerteams von Open-AI der Allgemeinheit Gelegenheit dazu gaben, sich mit dem Stand aktueller KI-Technik vertraut zu machen. Neben dem Chatbot ChatGPT ist der KI-Bildgenerator midjourney ein viel genutztes neues Spielzeug geworden. Mittlerweile ist der Dienst kostenpflichtig. Man wolle, so heißt es, damit die Erstellung von Fake-Bildern einschränken. Als sei man überrascht gewesen über die Tatsache, dass eine Software, die zur Erstellung von Bildern dient, auch exakt dafür genutzt wird. So erstaunlich die Bilder sind, die midjourney produziert, so erstaunlich die Reaktionen darauf. Der Papst in einer Balenciaga-Jacke sorgte für Aufsehen und Ängste, gerade so, als habe es Photoshop nie gegeben. Kann man Bildern noch vertrauen?, fragten sich da manche irgendwo in einem Paralleluniversum. KI-generierte Desinformation sei auf dem Vormarsch, heißt es anderswo. Das nicht zu Unrecht. Kein Hexenwerk, sich auszumalen, wie die nächsten Jahre Krisenkapitalismus mit vereinfachtem Zugang zu Fake-Bildern und Deepfake-Videos aussehen könnten. Ein Moratorium wird nun gefordert, auch aus der Techbranche, sechs Monate Entwicklungsstopp, um zumindest noch einmal kurz anzuhalten, was nicht aufzuhalten ist. Gefahren, aber auch Hoffnungen werden nahezu ausschließlich an die Technik geknüpft. Hier sieht man noch Handlungsmöglichkeit. Dass Menschen quer durch alle soziologischen Milieus den nächstbesten Youtube-Kanal aus einem Hobbykeller längst schon für die Tagesschau halten, andere sich von der Realität mit Freude und durchaus bewusst verabschieden, Fakenews also geradezu begrüßen und teilen, wo sie nur das eigene Ressentiment und Feindbild bestätigen, es ist dann eben ein Kollateralschaden dieser Gesellschaft. In ihrem Licht nicht zu ändern, allenfalls zu verwalten. Mit medienpädagogischem Flickwerk und Debatten soll nun der ganze Kahn noch einmal fit gemacht werden, auf dass er eine weitere Stufe der Beschleunigung übersteht. 

Nur diese Kategorie anzeigen:Fabian Lichters Economy Class Eintrag teilenEintrag per Email versenden Mit Facebook-Freunden teilen Twittern mit Google+ teilen

Fabian Lichters Economy Class

Zum Lachen  

Nicht einmal mehr sorgenbefreit lachen kann man in diesen übersensibilisierten Zeiten, so klingt eine momentan gern vorgetragene Klage. Was zumindest in Deutschland schon wieder ein Witz für sich ist. Denn was da konserviert und gegen vermeintliche Sittenwächterinnen und Moralpolizisten verteidigt werden soll, ist vor allem rustikales Gepolter, keinesfalls aber ein goldenes Humorzeitalter, um das zu trauern wäre. Wer nur kurz vor der Jahrtausendwende geboren wurde, kann sich noch lebhaft erinnern an die blühenden Humorlandschaften jener Tage. Jahrelang waren die Witzestandards, zumindest abseits der Nische, klar. Man wusste, wann zu lachen war und über wen: Frauen waren von der Venus, Männer vom Mars und in Köln, da gingen die seltsamsten Dinge vor sich. Man lachte über das gebrochene Deutsch von Migranten, äffte sie auf der Bühne und der Leinwand nach, dass alles brüllte, lachte und sich kringelte und alle waren glücklich und zufrieden. Das also soll nun auf einmal vorbei sein? Der ganze schöne Spaß mit einem Mal futsch? Der Frust ist groß. Darüber, dass die bis eben noch so beliebten Gruppen aus dem Fokus des Spotts gerückt und durch den alten weißen Mann und seine Gepflogenheiten ersetzt wurden, der all die Jahre sträflich vernachlässigt worden war. Was schon der Abwechslung halber zu begrüßen gewesen wäre, stößt bis heute auf Abwehr bei denen, die lieber die Witze von früher wiederhätten. Als man noch nicht mit Politik behelligt wurde, nicht zuletzt, da man unter sich war. In Deutschland sind eben auch Pointen für Jahrtausende gedacht. Die Sorge, Pointen über Dieselfahrer, Gendergegner und Co. könnten sich als ähnlich hartnäckige Standards auf ebenso lange Zeit festsetzen, liegt da aus humorkritischer Sicht nahe. Idealerweise werden sie schlicht obsolet.

1 2 3 4 5 6 7 8 9 10

Aktuelle Startcartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Good Lord, Russell Brand!

Good Lord, Russell Brand!

Nach Ausflügen in den Buddhismus, in die Transzendentale Meditation und ins Schwurbelmilieu machen Sie seit einer Weile einen auf Christ. Auf Ihrem Youtube-Kanal zeigen Sie sich mit Kreuz und Bibel, beten den Rosenkranz und salbadern über Ihre neuesten spirituellen Epiphanien. Jetzt haben Sie sich sogar in der Themse taufen lassen!

»Sterben und wiedergeboren werden … eine Gelegenheit, die Vergangenheit hinter sich zu lassen«, das erhofften Sie sich von dem Akt laut einer Videobotschaft auf X. Falls Sie mit »the past« auf die gegen Sie erhobenen Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs anspielen, dann haben wir schlechte Nachrichten für Sie: Um sich von derartigen Assoziationen zu lösen, ist die christliche Kirche ein denkbar schlechter Verein.

Mit allen Wassern gewaschen: Titanic

 Reih Dich ein, Kollegin Yasmin Fahimi!

Reih Dich ein, Kollegin Yasmin Fahimi!

Als Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes hast Du zum Tag der Arbeit naturgemäß bessere Bedingungen für Beschäftigte gefordert und die Tarifflucht vieler Arbeitgeber/innen missbilligt.

Dass Du bei der zentralen DGB-Kundgebung in Hannover die historische Bedeutung der Gewerkschaften nicht gerade kleinreden würdest, war uns klar. Dass Du jedoch richtig pathetischen Unfug zum Besten gabst, indem Du zum Beispiel sagtest: »Tarifverträge machen Beschäftigte zu freien Menschen in der Arbeitswelt« – das verblüfft uns dann doch ein wenig.

Selbstverständlich sind Tarifverträge besser als keine Tarifverträge, aber machen sie frei? Sind es nicht eher Massenentlassungen und betriebsbedingte Kündigungen, die unfreie Beschäftigte in der Arbeitswelt zu freien Menschen machen? Und wäre es nicht Deine Pflicht als Gewerkschaftsvorsitzende, diese Freiheit durch Arbeitskämpfe und Tarifverträge so lange zu beschneiden, bis die Revolution die Werktätigen tatsächlich befreit?

Es lebe in der Zwischenzeit natürlich dennoch die Arbeitereinheitsfront, singt Dir Titanic

 Cześć, Koma-Transporte aus Polen!

Wir sind ja nicht anspruchsvoll, aber von einem Speditionsunternehmen erwarten wir schon, dass die Fahrer/innen zumindest zwischendurch mal bei Bewusstsein sind.

Da entscheiden wir uns doch lieber für die Konkurrenz von Sekundenschlaf-Logistik!

Wache Grüße von Titanic

 Vermeintlich smooth, Vichy,

bewirbst Du Deine Feuchtigkeitscreme mit dem Slogan »I got 100 problems, but dry skin ain’t one«. Dass Du »99 problems«, wie im Originalsong von Jay-Z, vermutlich nicht sagen durftest: geschenkt. Wir fragen uns allerdings: Wenn man inklusive trockener Haut 101 Probleme hat, sollte man dann wirklich an dieser Stelle ansetzen?

Grübelt spröde

Deine Titanic

 Wir haben da eine Idee, FiniBee!

Ihr seid »Frankfurts erstes Powerbank Sharing Startup« und versprecht mit Euren Ladestationen schnelle Abhilfe, wenn man mal mit fünf Prozent Restladung auf dem Telefon vor dem Kiosk steht.

Da uns genau das jetzt passiert ist, sind wir zur Powerbank-Station geschwirrt und hatten im Handumdrehen wieder Saft: nur schnell den QR-Code scannen, die App installieren, die eigene Telefonnummer eintippen, ein Passwort ausdenken (»AarghGleich3%«), ein Bezahlverfahren einrichten, einen anderen QR-Code scannen, den richtigen Aufstellort per Kartenansicht suchen, ein paar Knöpfe drücken und schon die rettende Leihbatterie entnehmen. Puh!

Wenn Ihr jetzt noch die Spannung, die der Wettlauf zwischen Telefontod und Ausleihe in uns erzeugt, direkt zur Energiegewinnung nutzen könntet, hättet Ihr eine komplett ökologische Lösung ganz ohne Powerbanks gefunden!

Geladene Grüße von Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Ehe-Aus

Die hohe Scheidungsrate zeigt doch, dass so gut wie jeder Mensch hassenswert ist, wenn man ihn nur lange und gut genug kennt.

Dorthe Landschulz

 Für Ethnologen

Gibt's so was wie Brautstraußfangen auch bei Begräbnissen?

Wolfgang Beck

 Verrücktes Kapitalismus-Experiment

Was würde wohl passieren, müssten alle Soldaten ihre Munition selbst bezahlen?

Katharina Greve

 Vorschlag

Beinpresse als anderer Ausdruck für Fußballzeitschriften.

Karl Franz

 Energievampir

Wie groß doch der Unterschied zwischen dem Leben in der Stadt und dem auf dem Land ist, fiel mir wieder auf, als ich mit meiner Tante vom Hof telefonierte und wir uns über unsere Erschöpfung austauschten: Ich erklärte mir meine große Müdigkeit damit, dass ich den Tag zuvor in der Therapie eine neue Erkenntnis gewonnen hatte, gegen die ich mich aber noch sperre. Das verbrauche natürlich schon viel Energie, außerdem wolle sich mein Gehirn so wenig mit der neuen Erkenntnis beschäftigen, dass es lieber in die Schläfrigkeit flüchte. Sie wiederum begründete ihre Mattheit mit den Worten: »Ich glaube, mich hat was gebissen, das müde macht.«

Laura Brinkmann

Vermischtes

Erweitern

Das schreiben die anderen

Titanic unterwegs
23.06.2024 Kiel, Schauspielhaus Max Goldt
18.08.2024 Aschaffenburg, Kunsthalle Jesuitenkirche Greser & Lenz: »Homo sapiens raus!«
01.09.2024 Frankfurt, Museum für Komische Kunst »POLO«
01.09.2024 Düsseldorf, Goethe-Museum Hans Traxler: »Traxler zeichnet Goethe«