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Glanz und Elend des Kurtchen Sahne. Ein Wochenend-Fortsetzungsroman (96)

(Was bisher geschah)

Still ruhte wieder alles, und halbbewußt bat Kurtchen, es möge dabei blei­ben; er hatte tatsächlich den Eindruck, er müsse beim nächsten Anfall von Humoristik sicher sterben. Wie ein Ertrinkender klammerte er sich an den Mann im Trikot, der unbeirrt seines Weges schritt, als sei dieser Weg als Ziel in toto völlig ausreichend, und wo der Mann schon so gewandet war, konnte Kurtchen nicht umhin, ihn ihm ein Sym­bol der nationalen Fußballauswahl zu sehen, die ja gleichfalls tadellos auf und ab lief, ohne dabei irgendwo anzukommen.

Wie einen Strudel spürte Kurtchen, was diese Erkenntnis barg, und unterdrückte aber den Impuls, in einer oft geübten, entsetzlich pathetischen Geste zum Glas zu greifen; denn diese Geste würde, wie alles, was er jetzt tat, falsch sein und sein dämlich halbfinales Leben als ein Arran­gement von Gesten, Gewohnheiten, Ressentiments und Strategien ausleuch­ten, und wie ein Kind sich die Augen zuhält in der Annahme, mit der ausge­sperrten Welt auch selbst zu verschwinden, saß Kurtchen still und heischte Stillstand; und erinnerte sich an eine universitäre Hausarbeit, in der er es ne­ben anderem um die Frage gegangen war, ob strenge Formlosigkeit nicht auch schon wieder strenge Form sei. Die Antwort hatte er vergessen.

Der Mann im Shirt hatte seine Route verlassen und kam in Richtung Tisch, und Kurtchen erschrak, weniger vor der Möglichkeit, der Trikotmann suche, da die erwartete ausgeblieben, Gesellschaft und zerstöre mit erwartbar schlimmstem Quatschgerede die so dringend nötige und endlich eingetretene Ruhe, als vor dem Bild, das er bot: Es war mittlerweile so dunkel, daß allein das Trikot auf sie zuzuschwimmen schien, und als der Rest der Figur aus dem Dämmer trat und sich wacklig materialisierte, hatte das fast etwas Epi­phanisches, als habe der Heiland sich entschieden, noch einmal auf Erden zu erscheinen, und zwar als dünnbeiniges Männlein mit Flacharsch und Plauze und einem Fuß­balltrikot, auf dessen Rückseite die Spielernummer 10 und der Spielername HOLGINHO geflockt waren.

Denn Holginho, dessen Gesicht nicht nur die Farbe, sondern auch die Form eines Backsteins hatte, hatte den Tisch ohne weiteres passiert, um im Lokal zu verschwinden, und schnürte aber zwei Minuten später wieder vorbei, es hatte wohl bloß an Zigaretten gefehlt, und Kurtchen las und staunte stramm; und wie auf höheren Befehl reagierte niemand auf dieses Wunder, nahm es gar nicht wahr, nicht einmal Heiner machte Krach, sondern brabbelte bloß Gernolf voll; Petra hatte sich auf ihre Hände gesetzt, Fred tippte ins Telefon, und Holginho, nicht wieder auf seinen Posten zurückkehrend, verschwand in der Nacht, und es war Kurtchen, als sei er der einzige Zeuge einer Erschei­nung und habe alles Recht, eine Religion darauf zu gründen. (wird fortgesetzt)

Kategorie: Kurtchen Sahne



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Briefe an die Leser

 Was geht ab, sächsische Steuerverwaltung?

Bei der Jugend anscheinend nicht so viel – jedenfalls träumen Deinen Erhebungen zufolge, man soll es kaum für möglich halten, nicht alle Schulabsolvent/innen den großen Traum von einer Karriere in der Finanzbuchhaltung.

Um junge Menschen trotzdem für aufregende Expeditionen in die Welt der Prozentrechnung und der Pendlerpauschalen zu begeistern, hast Du Dir einen Slogan überlegt: »Lust auf ein AbenSteuer?«

Wir freuen uns also jetzt schon darauf, wie Superheld Taxman in seiner nächsten Soli-Mission allen außergewöhnlichen Belastungen trotzt und nur knapp einem mörderischen Ehegatten-Splitting entgeht! Und zwar gerade noch rechtzeitig, um zu verhindern, dass Superschurke Dr. Elster die Welt in die kalte Progression stürzt.

Schreibt Dich dieses Jahr sicher wieder ab: Titanic

 Jawoll, Ijoma Mangold!

Jawoll, Ijoma Mangold!

Im Zeit-Feuilleton sinnieren Sie ausführlich über die Verbissenheit, mit der politische Debatten mittlerweile geführt werden, und darüber, wie Humor und Heiterkeit gegen diese helfen können.

Ihren Essay schließen Sie mit der Feststellung, »dass Demokratie nicht mehr als funktionales Rollenspiel begriffen wird, dessen primärer Zweck es ist, einen zivilen Machtwechsel herbeizuführen, sondern als Kampf um Leben und Tod. Vielleicht sollten wir uns öfter Perücken aufsetzen? Selbstironie ist nämlich die beste Form der Gewaltenteilung und könnte die Politik davor retten, sich im Stellungskrieg einzubunkern.«

Manch eine/r mag sich fragen, was zur Hölle Sie hier sagen wollen. Doch unsereins erkennt sogleich, was Sie beabsichtigen: Ihr Text soll nicht nur ein Appell gegen den heiligen Ernst und die Verbissenheit in der Politik sein, sondern diesen auch direkt etwas entgegensetzen, nämlich Nonsens! Als Fachleuten fällt uns das sofort auf.

Lupft die Perücke zum Gruß: Titanic

 Kinky, Senckenberg-Museum Frankfurt!

In Sachen Außenwerbung wolltest Du offenbar ganz am Puls der Zeit sein. Deshalb orientiertest Du Dich an Kampagnen wie der von diesem Start-up, das seine pfandfreien Mehrwegbehälter mit dem Slogan »Bowljob for free« anpreist – ein freches Wortspiel für Sex- und Porno-Fans!

Auf Deinem Plakat sehen wir das Bild eines Tintenfisches vor schwarzem Hintergrund, dazu den Text »Wilder Kalmar wartet im Darkroom«. Ha! Der augenzwinkernde Hinweis auf anonymen Gruppensex ist uns nicht entgangen, Senckenberg!

Aber warum da aufhören? Wann sehen wir Slogans wie »Doktorfisch will Dich untersuchen«, »Ausgestopfter Affe wartet auf der Sexschaukel« oder »Orchidee erblüht im Garten der Lüste«?

Schon ganz geil auf die Natur: Titanic

 Bombe, Marie-Agnes Strack-Zimmermann,

was Sie als unangefochtene FDP-Dauerrednerin in der Bunten über Ihre Familie sagten: »Ich habe wunderbare Kinder, Schwiegerkinder und Enkelkinder und den großartigsten Mann der Welt.« Schön, schön. Aber warum? Sind die alle bewaffnet?

Fragt sich mit erhobenen Händen

Ihre Titanic

 Du, Mey & Edlich,

preist ein sommerlich überteuertes Leinenhemd mit den Worten an: »Stellt bei Hitze keine Fragen.« Und bei Kälte? Wispert es da herbstlich aus der Achsel: »Könnte mal bitte jemand das Fenster schließen?« oder »Warum macht die Knopfleiste nicht einfach ihren Job, die faule Sau?« Wäre für uns das ganze Jahr ein Kaufargument!

Deine Modeflüster/innen von der Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Aufschieberitis

Ich schiebe alles gern auf, inzwischen sogar Erkrankungen: Der Nephrologe zeigte sich höchst erstaunt, wie lange ich schon an einer behandlungsbedürftigen Nierenbeckenentzündung laboriert haben musste, bis diese sich schließlich schmerzhaft bemerkbar gemacht und mich zu ihm geführt hatte. Wahrscheinlich leide ich an Prokrastinieren.

Thorsten Mausehund

 Vorteil Mensch

In der Süddeutschen lese ich »Scholz will sich einschalten« und denke: Das kann die Künstliche Intelligenz noch nicht.

Jürgen Simon

 Große Schmerzen

Nachdem ich in den letzten Wochen für eine Hausarbeit historische Handschriften aufarbeiten musste, kann ich kleine Schnörkelschriften echt nicht mehr sehen. Ich habe ganz offensichtlich einen Minuskelkater.

Karl Franz

 Im Rahmen

meiner Arbeit als Psychiater musste ich einmal eine Dame untersuchen, die leider dement, aber dennoch sehr feinsinnig und geistreich war. Ich überprüfte standardmäßig die örtliche Orientierung und fragte, in welchem Land wir seien. Sie spekulierte, es könne Island sein, musste aber einräumen, dass sie es nicht wisse. »Kennen Sie denn die Stadt?« versuchte ich es mit der nächstkleineren Kategorie.

Da schaute sie mich an und sagte: »Hören Sie mal, junger Mann, wenn ich noch nicht mal weiß, in welchem Land wir uns befinden, werde ich die Stadt ja wohl erst recht nicht wissen!«

Robert Friedrich von Cube

 Dritter Weltkrieg?

Warum eigentlich nicht? Aller guten Dinge sind drei.

Dorthe Landschulz

Vermischtes

Erweitern

Das schreiben die anderen

Titanic unterwegs
04.08.2024 Frankfurt/M., Museum für Komische Kunst Die Dünen der Dänen – Das Neueste von Hans Traxler
04.08.2024 Frankfurt/M., Museum für Komische Kunst »F. W. Bernstein – Postkarten vom ICH«
18.08.2024 Aschaffenburg, Kunsthalle Jesuitenkirche Greser & Lenz: »Homo sapiens raus!«
01.09.2024 Frankfurt, Museum für Komische Kunst »POLO«