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Glanz und Elend des Kurtchen Sahne. Ein Wochenend-Fortsetzungsroman (95)

(Was bisher geschah)

"Inzest", murrte Heiner versonnen und arbeitete sich Bein für Bein aus der Bank, er mußte wohl mal. Kurtchen sagte nichts, die Fäden lagen zu lose, er war betrunken.

"Ich hab nicht mal Cousinen", sagte Gernolf, sowohl bedauernd als auch an­erkennend, und nahm wie zur Bekräftigung sein Kinn aus der Hand. Fred brannte sich unbeeindruckt eine Zigarette an, blies dann Rauch in Richtung Petra, die sich, in einer Mischung aus Erschöpfung und Behagen, nach hin­ten Richtung Lehne fallen ließ, bevor sie, rechtzeitig, bemerkte, daß es keine gab und, mit den Fingern als Widerhaken an der Sitzkante, diagonal verharr­te, als wäre das der Plan gewesen.

"Tja", sagte Fred noch mal, als sei nun alles klar, und dann schwiegen sie alle so plötzlich und konzentriert, als sei das ein Punkt auf der Tagesord­nung.

Auf dem Platz, an dem die Kneipe lag, ging derweil alles seinen Gang. Ein Pärchen aß Eis, eine Mutter schob einen Kinderwagen durch den Abend, als wäre es ein Vorwand, ein leinenloser Dackel roch an einer Fährte, sein Herr­chen wartete geduldig, die Hände auf dem Rücken, und sah diskret wo­anders hin. Es hatte alles keine Eile. Der Dackel hob das Bein. Dann ging es lustig wackelnd weiter.

Kurtchens spürte Müdigkeit, und während er bedauerte, Freds Verwandtschaft nicht zu kennen, sah er nach Petra, die ihr Kinn ans Brustbein preßte und sanft den Oberkörper schaukelte, als halte sie dem Abendwind nicht stand. Halb, um die Szene nicht zu stören, halb aus Diskretion, die auch unter Bier­einfluß nie ganz verschwand, sah Kurtchen wieder weg und auf den Platz und beobach­tete einen mittelalten Mann in kurzen Cargoho­sen, der, was auch aus der Entfernung deutlich zu sehen war, das weiße Tri­kot der Fußballnational­mannschaft trug und, die Hände in den Taschen, zehn Meter auf und wieder zehn Meter ab ging, als warte er auf ein Rendezvous, in dieser Aufma­chung, warum nicht.

Der Kellner kam und brachte zwei Windlichter, und Heiner, der zur gleichen Zeit vom Klo zurückkam, griff sich eins, brannte es an und sagte: "Es werde Licht", und Fred griff sich das andere, brannte es an und sagte: "Advent, Ad­vent", und Gernolf nickte ironisch beifällig mit dem Kopf und sagte, als habe er den ganzen Abend nur darauf gewartet: "Die ganze soziale Welt ist jederzeit von einer Unzahl geistiger Kräfte erfüllt", und Kurtchen fühlte sich plötzlich fahl und schwach und fehl am Platz und klammerte seinen Blick an den Mann im Fußballshirt und freute sich, daß er da war. (wird fortge­setzt)

Kategorie: Kurtchen Sahne



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Briefe an die Leser

 Prophetisch, »Antenne Thüringen«?

Oder wie sollen wir den Song verstehen, den Du direkt nach der von Dir live übertragenen Diskussion zwischen Mario Voigt und Björn Höcke eingespielt hast? Zwar hat der Thüringer CDU-Fraktionschef Höckes Angebot einer Zusammenarbeit nach der Wahl ausgeschlagen. Aber es wettet ja so manche/r darauf, dass die Union je nach Wahlergebnis doch noch machthungrig einknickt. Du jedenfalls lässt im Anschluss den Musiker Cyril mit seinem Remake des Siebziger-Lieds »Stumblin’ in« zu Wort kommen: »Our love is alive / I’ve fallen for you / Whatever you do / Cause, baby, you’ve shown me so many things that I never knew / Whatever it takes / Baby, I’ll do it for you / Whatever you need / Baby, you got it from me.« Wenn das nicht mal eine Hymne auf eine blau-schwarze Koalition ist!

Hätte sich dann doch eher »Highway to Hell« gewünscht: Titanic

 Verehrte Joyce Carol Oates,

da Sie seit den Sechzigern beinah im Jahrestakt neue Bücher veröffentlichen, die auch noch in zahlreiche Sprachen übersetzt werden, kommen Sie vermutlich nicht dazu, jeden Verlagstext persönlich abzusegnen. Vielleicht können Sie uns dennoch mit ein paar Deutungsangeboten aushelfen, denn uns will ums Verrecken nicht einfallen, was der deutsche Ecco-Verlag im Sinn hatte, als er Ihren neuen Roman wie folgt bewarb: »›Babysitter‹ ist ein niederschmetternd beeindruckendes Buch, ein schonungsloses Porträt des Amerikas der oberen Mittelschicht sowie ein entlarvender Blick auf die etablierten Rollen der Frau. Oates gelingt es, all dies zu einem unglaublichen Pageturner zu formen. In den späten 1970ern treffen in Detroit und seinen Vorstädten verschiedene Leben aufeinander«, darunter »eine rätselhafte Figur an der Peripherie der Elite Detroits, der bisher jeglicher Vergeltung entkam«.

Bitte helfen Sie uns, Joyce Carol Oates – wer genau ist ›der Figur‹, dem es die elitären Peripherien angetan haben? Tragen die Leben beim Aufeinandertreffen Helme? Wie müssen wir uns ein Porträt vorstellen, das zugleich ein Blick ist? Wird das wehtun, wenn uns Ihr Buch erst niederschmettert, um dann noch Eindrücke auf uns zu hinterlassen? Und wie ist es Ihnen gelungen, aus dem unappetitlich plattgedrückten Matsch zu guter Letzt noch einen »Pageturner« zu formen?

Wartet lieber aufs nächste Buch: Titanic

 Rrrrr, Jesus von Nazareth!

Rrrrr, Jesus von Nazareth!

Im andalusischen Sevilla hast Du eine Kontroverse ausgelöst, der Grund: Auf dem Plakat für das Spektakel »Semana Santa« (Karwoche) habest Du zu freizügig ausgesehen, zu erotisch, ja zu hot!

Tja, und wie wir das besagte Motiv anschauen, verschlägt es uns glatt die Sprache. Dieser sehnsüchtige Blick, der kaum bedeckte anmutige Körper! Da können wir nur flehentlich bitten: Jesus, führe uns nicht in Versuchung!

Deine Dir nur schwer widerstehenden Ungläubigen von der Titanic

 Ah, »Galileo«!

Über die Arbeit von Türsteher/innen berichtest Du: »Viele Frauen arbeiten sogar als Türsteherinnen«. Wir setzen noch einen drauf und behaupten: In dieser Branche sogar alle!

Schmeißen diese Erkenntnis einfach mal raus:

Deine Pointen-Bouncer von Titanic

 Ein Vorschlag, Clemens Tönnies …

Ein Vorschlag, Clemens Tönnies …

Während Ihrer Zeit im Aufsichtsrat bei Schalke 04 sollen Sie in der Halbzeitpause einmal wutentbrannt in die Kabine gestürmt sein und als Kommentar zur miserablen Mannschaftsleistung ein Trikot zerrissen haben. Dabei hätten Sie das Trikot viel eindrücklicher schänden können, als es bloß zu zerfetzen, Tönnies!

Sie hätten es, wie Sie es aus Ihrem Job kennen, pökeln, durch den verschmutzten Fleischwolf drehen und schließlich von unterbezahlten Hilfskräften in minderwertige Kunstdärme pressen lassen können.

Aber hinterher ist man immer schlauer, gell?

Dreht Sie gern durch den Satirewolf: Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Gebt ihnen einen Lebenszyklus!

Künstliche Pflanzen täuschen mir immer gekonnter Natürlichkeit vor. Was ihnen da aber noch fehlt, ist die Fähigkeit zu verwelken. Mein Vorschlag: Plastikpflanzen in verschiedenen Welkstadien, damit man sich das Naserümpfen der Gäste erspart und weiterhin nur dafür belächelt wird, dass man alle seine Zöglinge sterben lässt.

Michael Höfler

 Dual Use

Seit ich meine In-Ear-Kopfhörer zugleich zum Musikhören und als Wattestäbchen verwende, stört es mich gar nicht mehr, wenn beim Herausnehmen der Ohrstöpsel in der Bahn getrocknete Schmalzbröckelchen rauspurzeln.

Ingo Krämer

 Finanz-Blues

Wenn ich bei meiner langjährigen Hausbank anrufe, meldet sich immer und ausnahmslos eine Raiffeisenstimme.

Theobald Fuchs

 Spielregeln

Am Ende einer Mensch-ärgere-dich-nicht-Partie fragt der demente Herr, ob er erst eine Sechs würfeln muss, wenn er zum Klo will.

Miriam Wurster

 Citation needed

Neulich musste ich im Traum etwas bei Wikipedia nachschlagen. So ähnlich, wie unter »Trivia« oft Pub-Quiz-Wissen gesammelt wird, gab es da auf jeder Seite einen Abschnitt namens »Calia«, voll mit albernen und offensichtlich ausgedachten Zusatzinformationen. Dank Traum-Latinum wusste ich sofort: Na klar, »Calia« kommt von »Kohl«, das sind alles Verkohl-Facts! Ich wunderte mich noch, wo so ein Quatsch nun wieder herkommt, wusste beim Aufwachen aber gleich, unter welcher Kategorie ich das alles ins Traumtagebuch schreiben konnte.

Alexander Grupe

Vermischtes

Erweitern

Das schreiben die anderen

Titanic unterwegs
18.05.2024 Wien, Rabenhoftheater Max Goldt
23.05.2024 Bielefeld, Theaterlabor Max Goldt
24.05.2024 Dresden, Buchladen Tante Leuk Thomas Gsella
30.05.2024 Frankfurt, Museum für Komische Kunst »POLO«