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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Lotse, von Bord

Die Preisakte Handke ist ja nun fürs erste zu, und damit ich’s für mich und alle, die mit meiner Einlassung, den Fall betreffend, nicht einverstanden waren, auch abschließen kann: Nein, ich bin kein Handke-Fanboy. Ich bin ein Gremliza-Fanboy.

Hermann Ludwig Gremliza ist gestorben, und hätte ich’s, im Weihnachtsurlaub jottweedee im Bette liegend, nicht aus einer morgendlichen E-Mail, ich hätte es aus dem Morgenblatt erfahren, in dem Willi Winkler mitteilte, Gremlizas „Konkret“ sei längst für die Tonne, abgesehen von seinem „Express“, und daran ist natürlich bloß wahr, dass Gremlizas „Konkret“ ihre Daseinsberechtigung an solch windigem Feuilletonismus noch viel zwingender beweist als etwa daran, dass in der Januar-Ausgabe mein Urteil in obiger Sache wiederholt wird. (Akte hiermit wirklich zu.)

Denn „Konkret“, wie immer man zu Einzelnem stand und steht, ist eben der Widerstand, den bürgerliche Blätter nicht leisten wollen können, und Hermann L. Gremliza war dieser Widerstand in Person und Wort. Besonders Dumme nannten den, der „Konkret“ war, „Karlchen Kraus“, wie Winkler sich zu dem schönen Lob herabließ, der Jüngere sei mitunter nicht schlechter als der Ältere gewesen. Wahr ist, dass Gremliza der war, an dem sich orientierte, wer heute hasst, was Kraus schon gehasst hat; und dass Gremliza, wenn er wollte, ohne weiteres schreiben konnte wie Kraus, beweisen seine Karl-Kraus-Preisreden auf Wallraff und Raddatz.

„An die Freundin eines Freundes, die dem Moribunden zur Konsultation eines Naturheilkundigen rät: Ich sterbe lieber an Krebs als an Esoterik.“ Gremliza, 2016

Im übrigen konnte Gremliza so schreiben wie Gremliza, und was er Kraus sogar voraus gehabt haben mag, in dessen Riesenwerk ja auch allerlei Scharmützeliges steckt, ist, dass Gremliza in den Jahrzehnten, die ich überblicke, keine einzige fade oder wenigstens irrelevante Zeile unterlaufen ist. Gremliza war vieles und vor allem nie langweilig, und wer seine Textsammlungen in die Hand nimmt (und ich nehm’ sie immer wieder in die Hand), von „Was Gabriele Henkel alles mit der Hand macht“ über „Betrug dankend erhalten“ und „Gegen Deutschland“ bis hin zu den „Haupt- und Nebensätzen“, der wird sie nur schwer wieder aus der Hand kriegen. (Wer, bitte, besorgt die Gesamtausgabe?) Als Fan und Adept so schreiben zu wollen hatte zwar auch mit der Meinung zu tun, die man da las, aber vor allem mit der Form, die diese Meinung schon war. „Wer nicht denken und also nicht schreiben kann“, lautet ein ewiger Gremlizascher Halb- und Merksatz, und umgekehrt ist er sogar noch wahrer.

Als ich dem Verehrten das erste und zugleich letzte Mal begegnete, vor sechs Jahren bei einem Hamburger Diskussionsabend mit Leo Fischer und Lisa Politt, freute er sich. Die Freude dürfte meinerseits noch erheblich größer gewesen sein. Zum Du hat es damals nicht gelangt, und also:

Lieber Herr Gremliza: Der Kampf geht weiter; sie sollen uns nicht auskommen.




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Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Danke, Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach,

für Deinen Gesetzesentwurf, der dem Apothekensterben mit »Apotheken light« begegnen will. Das Fehlen von Fachkräften durch Quereinsteiger/innen und ungelerntes Personal auszugleichen, ist eine klasse Idee. Das klappt bei unserem Schulsystem ja auch schon hervorragend!

Einschätzung Deiner Schmerzmittelexpert/innen von Titanic

 Gurr-gurr, Limburger/innen!

Im Rahmen eines Bürgerentscheides habt Ihr für das Töten von Tauben in Eurem Stadtgebiet gestimmt. Die Vögel sollen durch Genickbruch abgemurkst werden. Wir wüssten nun noch gerne, ob diese Hinrichtungen öffentlich abgehalten werden. Und können die Moribunden Kirchenasyl in Eurem Dom bekommen? Oder gibt das Bistum dieser Hexenjagd seinen Segen?

Fragt die Rattenfängerin der Lüfte Titanic

 Salām, »GMX«!

»Irans Präsident wird vermisst: Wer ist Ebrahim Raisi?« fragst Du, weswegen wiederum wir uns fragen: Wenn man nicht so richtig weiß, wer er ist, kann er dann überhaupt wirklich vermisst werden?

Sind bereit, mit dieser Pointe abzustürzen:

Deine Humorbruchpilot/innen von Titanic

 Clever, Jürgen Kaube (»FAZ«)!

Kein Wunder, dass die Ampel bei der Europawahl so abgeschmiert ist, denn »in vielen Schulen und Innenstädten wird über die drastischen Missstände euphemistisch hinweggelogen«.

Und in anderen eben nicht. Das hat den Vorteil, dass sich der Satz, in vielen Schulen und Innenstädten werde über die drastischen Missstände (Ausländer/innen) euphemistisch hinweggelogen, schwer beweisen lässt. Und ist das dann nicht ebenfalls »eine Wirklichkeitsverweigerung« von der Sorte, die »nicht zu einer Abnahme des fatalen Gefallens an den Populisten geführt« hat? Weil den verlogenen Intellekt und die verjudete Innenstadt zu verachten halt seit je zu deren Repertoire gehört?

Fragt allgemein aus Frankfurt Titanic

 Jetzt, Husqvarna Group aus Stockholm,

ist der Groschen bei uns endlich gefallen: Du hast zuerst – siehe TITANIC 4/2024 – Deine Rasenmäher mit einem Softwareupdate versehen, das erlaubt, auf Deinen Höllenmaschinen den Egoshooter »Doom« zu spielen, und jetzt, wie heise.de nicht entgangen ist, mit einem weiteren nachgelegt, das eine »Victory Dance«-Funktion nachrüstet. Diese lässt, sobald die vom Nutzer eingestellte Lieblingsmannschaft ein Tor geschossen hat, die Mähroboter »eine Jubelbewegung hinlegen: Roboter, Tornado oder 180°-Drehung. Die jeweiligen Tänze sollen an die von Peter Crouch, Miroslav Klose und Cristiano Ronaldo erinnern, nachdem sie ein Tor geschossen hatten. Zusätzlich blinken die Lampen am Mähroboter und eine Fanfare wird abgespielt.«

Das ist doch alles nur Teil eines perfiden Racheplans, die Bewohner/innen derjenigen Länder mit Lärm zu terrorisieren, deren Fußballnationalmannschaften nicht wie die schwedische die Qualifikation für die Europameisterschaft 2024 verkackt haben!

Alle Lampen blinken tiefrot bei Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Morning Routine

Obst zum Frühstück ermöglicht einen gesunden Start in den Tag, aber wer keine Lust hat, sich schon morgens in die Küche zu stellen und Früchte zu schnippeln, dem empfehle ich stattdessen Snoozies.

Loreen Bauer

 Ratschlag

Nach dem Essen, vor dem Paaren
niemals deinen Leib enthaaren!
Lieber schön beim Lakenfleddern
ineinander tief verheddern,
richtiggehend geil verstricken,
durch das Buschwerk nicht mehr blicken
und nach sieben langen Nächten
sorgsam auseinanderflechten.

Ella Carina Werner

 Große Schmerzen

Nachdem ich in den letzten Wochen für eine Hausarbeit historische Handschriften aufarbeiten musste, kann ich kleine Schnörkelschriften echt nicht mehr sehen. Ich habe ganz offensichtlich einen Minuskelkater.

Karl Franz

 Helmut Kohls Erbe

Endlich beginnen auch in unserem Viertel die Bauarbeiten für den Glasfaseranschluss. Bis es soweit ist, lässt die Leis ung des urzeitlich n Kupfe k bels a l rdi gs m hr de n je z wü sc n übr

Teresa Habild

 Rhetorischer Todesstern

Anstatt vor der Reise nach Irland mühsam meine eingerosteten Conversation-Skills aufzufrischen, hatte ich mich dazu entschlossen, einfach ein paar cool klingende Star-Wars-Zitate auf Englisch auswendig zu lernen. Beim abendlichen Guinness wollte ich in der dunkelsten Ecke des Pubs sitzen, die langen Beine mit den Wanderstiefeln entspannt auf dem Tisch abgelegt, und – sollte mich jemand etwas fragen – mit einer lässig dahingerotzten Antwort aus »Das Imperium schlägt zurück« geheimnisvoll und verwegen wirken. Obwohl ich mich dabei genau an das Skript hielt, wurde ich bereits ab dem zweiten Tag von den Locals wie ein Irrer behandelt und während des kompletten Urlaubs weiträumig gemieden. Ich glaube zwar nicht, dass es an mir lag, aber wenn ich einen Kritikpunkt nennen müsste, dann diesen: Ausschließlich Sätze in Wookie-Sprache zu verwenden, war möglicherweise ein Fehler.

Patric Hemgesberg

Vermischtes

Erweitern

Das schreiben die anderen

Titanic unterwegs
04.08.2024 Frankfurt/M., Museum für Komische Kunst Die Dünen der Dänen – Das Neueste von Hans Traxler
04.08.2024 Frankfurt/M., Museum für Komische Kunst »F. W. Bernstein – Postkarten vom ICH«
18.08.2024 Aschaffenburg, Kunsthalle Jesuitenkirche Greser & Lenz: »Homo sapiens raus!«
01.09.2024 Frankfurt, Museum für Komische Kunst »POLO«