Newsticker

Nur diese Kategorie anzeigen:Gärtners Sonntagsfrühstück Eintrag teilenEintrag per Email versenden Mit Facebook-Freunden teilen Twittern mit Google+ teilen

Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: In schwerer Zeit

Noch könnte ich auf das Thema zurückgreifen, das ich eigentlich vorgesehen hatte, daß nämlich Leute, die „Zero Waste“ betreiben, gleichzeitig alles richtig machen (keinen Abfall produzieren), gleichzeitig aber auch alles falsch (Rückkehr in die Tante-Emma-Welt der Fünfziger), denn, ich bitte: Rechtsextreme in der Bundeswehr, wie unbrisant ist das denn.

Daß die Wehrmacht keine Traditionsstifterin für die Bundeswehr sein dürfe, ist schon mal ein großartiger Quatschsatz, denn natürlich haben, wer auch sonst, Wehrmachtsgeneräle die Bundeswehr aufgebaut, den Abwehrkampf wider den Bolschewismus fortzusetzen; und als Verteidigungsminister Blank am 12. November 1955 den ersten Offizieren der Bundeswehr ihre Ernennungsurkunden überreichte, tat er es mit den Worten, daß eine „neue Wehrmacht“ ein „gleichberechtigtes Glied der staatlichen Ordnung Deutschlands“ sein solle. An der Frontseite der Halle, in der die Zeremonie stattfand, „prangte ein fast fünf Meter großes Eisernes Kreuz – Preußens Eisernes Kreuz, zuletzt das Ehrenzeichen der Wehrmacht. Fast alle Anwesenden hatten diesen Orden im Kriegseinsatz erhalten“ („Zeit“ online), der ja bekanntlich darin bestanden hatte, 20 Millionen Sowjets zu massakrieren und auch das restliche Europa von allerlei Untermenschen zu säubern.

Noch 2014 konnte „Spiegel online“ melden, Historiker hätten von derselben Verteidigungsministerin, die sich heute eine wehrmachtsfreie Bundeswehr wünscht, die Umbenennung von „zahlreichen Kasernen der Bundeswehr“ gefordert, die die „Namen umstrittener Weltkriegsgeneräle“ tragen, zum Beispiel den des als „Wüstenfuchs“ verklärten Rommel: „Der Name des berühmten Nazi-Generals hängt bis heute an der Rommel-Kaserne in Augustdorf und an der Rommel-Kaserne in Dornstadt. Der Fall Rommel zeigt, wie schwer sich die Bundeswehr bis heute mit dem Spagat aus der Pflege der Tradition der deutschen Streitkräfte und der politischen Sensibilität im Fall von berühmten Nazi-Militärs tut.“ Denn die Tradition der deutschen Streitkräfte ist halt bloß eine bedingt republikanische, wie 2009 dem ARD-Magazin „Kontraste“ interne Ausbildungshandbücher zugespielt wurden, in denen die Wehrmacht noch immer Vorbild war: „Hunderte Wehrmachts-Kriegsgeschichten werden hier dem Bundeswehrsoldaten vorgesetzt –  die ihn bei der Ausbildung in ,Kampfstimmung’ bringen sollen. So findet sich darin zum Beispiel der Erlebnisbericht von einem Panzervernichtungstrupp 1944, Zitat: ,Die Panzerfaust schußbereit, lauern wir und verfolgen die Stahlkolosse … Gespannt sehen wir, wie ein Kamerad, die Panzerfaust in der Hand und von Deckung zu Deckung springend, den Panzer ‚angeht’ wie ein Jäger das Wild …Eine riesige Stichflamme und der Koloß brennt lichterloh.’“

„Wie der Herr, so’s G’scherr.“ Volksweisheit

Erst 2005 beschloß die damalige Bundesregierung, die Mölders-Kaserne in der Lüneburger Heide umzutaufen, die nach einem Freiwilligen der Legion Condor und nationalsozialistischen Kriegshelden benannt war, woraufhin es zu Unmutsbekundungen in der Truppe kam und pensionierte Offiziere und Generäle der Bundeswehr eine „Ehrenanzeige“ in der FAZ schalteten: „Er bewies Charakter und Anstand in schwerer Zeit“, und wiederum die Online-„Zeit“ gab einen Hinweis auf diesen Charakter, indem sie den alten Namenspatron über den Vernichtungsfeldzug gegen die UdSSR jubeln ließ: „Ein gewaltiger Krieg ist im Gange, und ich bin stolz darauf, mit meinem Geschwader im Schwerpunkt der Kampfhandlungen eingesetzt zu sein.“ 1995 hatte die Eduard-Dietl-Kaserne in Füssen ihren Namen verloren, denn auch der Hitler-Spezi Dietl war ein Mann von Charakter und Anstand: „Der Frontsoldat weiß, daß es sich um den Schicksalskampf des deutschen Volkes handelt, daß sich die Juden der ganzen Welt zusammengeschlossen haben zur Vernichtung Deutschlands und Europas. (…) Der Krieg ist der unerbittliche Läuterer der Vorsehung. Ich erkläre feierlich: Ich glaube an den Führer!“ Der Beispiele sind viele.

Strukturell „rechts“ sind Armeen, die ja auf dem Prinzip von Befehl und Gehorsam beruhen, freilich sowieso, nur daß in der amerikanischen oder französischen das Hakenkreuz nicht als Traditionssymbol verstanden wird. Daß die große Zeit in der Bundeswehr dann noch nicht vorbei ist, kann nur die überraschen, die die Zivilität der Bundesrepublik überschätzen, denn die „zivile“, demokratische Bundeswehr ist nur so zivil und demokratisch wie das Land, dem sie dient; und da hat sich Sarrazins Blaupause für die rassistische Masterarbeit des Franco A. nun einmal millionenfach verkauft.




Eintrag versenden Newstickereintrag versenden…
Felder mit einem * müssen ausgefüllt werden.

optionale Mitteilung an den Empfänger:

E-Mail-Adresse des Absenders*:

E-Mail-Adresse des Empfängers*
(mehrere Adressen durch Semikolon trennen, max. 10):

Aktuelle Startcartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Mmmmh, Thomas de Maizière,

Mmmmh, Thomas de Maizière,

über den Beschluss der CDU vom Dezember 2018, nicht mit der Linkspartei oder der AfD zusammenzuarbeiten, an dem Sie selbst mitgewirkt hatten, sagten Sie bei Caren Miosga: »Mit einem Abgrenzungsbeschluss gegen zwei Parteien ist keine Gleichsetzung verbunden! Wenn ich Eisbein nicht mag und Kohlroulade nicht mag, dann sind doch nicht Eisbein und Kohlroulade dasselbe!«

Danke für diese Veranschaulichung, de Maizière, ohne die wir die vorausgegangene Aussage sicher nicht verstanden hätten! Aber wenn Sie schon Parteien mit Essen vergleichen, welches der beiden deutschen Traditionsgerichte ist dann die AfD und welches die Linke? Sollte Letztere nicht eher – zumindest in den urbanen Zentren – ein Sellerieschnitzel oder eine »Beyond Kohlroulade«-Kohlroulade sein? Und wenn das die Alternative zu einem deftigen Eisbein ist – was speist man bei Ihnen in der vermeintlichen Mitte dann wohl lieber?

Guten Appo!

Wünscht Titanic

 Grunz, Pigcasso,

malendes Schwein aus Südafrika! Du warst die erfolgreichste nicht-menschliche Künstlerin der Welt, nun bist Du verendet. Aber tröste Dich: Aus Dir wird neue Kunst entstehen. Oder was glaubst Du, was mit Deinen Borsten geschieht?

Grüße auch an Francis Bacon: Titanic

 Hallo, faz.net!

»Seit dem Rückzug von Manfred Lamy«, behauptest Du, »zeigt der Trend bei dem Unternehmen aus Heidelberg nach unten. Jetzt verkaufen seine Kinder die Traditionsmarke für Füller und andere Schreibutensilien.« Aber, faz.net: Haben die Lamy-Kinder nicht gerade davon schon mehr als genug?

Schreibt dazu lieber nichts mehr: Titanic

 Waidmannsheil, »Spiegel«!

»Europas verzweifelte Jagd nach Munition«, titeltest Du, und doch könnte es deutlich schlimmer sein. Jagd auf Munition – das wäre, so ganz ohne diese Munition, deutlich schwieriger!

Nimmt Dich gerne aufs Korn: Titanic

 Erwischt, Bischofskonferenz!

In Spanien haben sich Kriminelle als hochrangige Geistliche ausgegeben und mithilfe künstlicher Intelligenz die Stimmen bekannter Bischöfe, Generalvikare und Priester nachgeahmt. Einige Ordensfrauen fielen auf den Trick herein und überwiesen auf Bitten der Betrüger/innen hohe Geldbeträge.

In einer Mitteilung an alle kirchlichen Institutionen warntest Du nun vor dieser Variante des Enkeltricks: »Äußerste Vorsicht ist geboten. Die Diözesen verlangen kein Geld – oder zumindest tun sie es nicht auf diese Weise.« Bon, Bischofskonferenz, aber weißt Du, wie der Enkeltrick weitergeht? Genau: Betrüger/innen geben sich als Bischofskonferenz aus, raten zur Vorsicht und fordern kurz darauf selbst zur Geldüberweisung auf!

Hat Dich sofort durchschaut: Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Nichts aufm Kerbholz

Dass »jemanden Lügen strafen« eine doch sehr antiquierte Redewendung ist, wurde mir spätestens bewusst, als mir die Suchmaschine mitteilte, dass »lügen grundsätzlich nicht strafbar« sei.

Ronnie Zumbühl

 Treffer, versenkt

Neulich Jugendliche in der U-Bahn belauscht, Diskussion und gegenseitiges Überbieten in der Frage, wer von ihnen einen gemeinsamen Kumpel am längsten kennt, Siegerin: etwa 15jähriges Mädchen, Zitat: »Ey, ich kenn den schon, seit ich mir in die Hosen scheiße!«

Julia Mateus

 Man spürt das

Zum ersten Mal in meinem Leben war ich in New York. Was soll ich sagen: Da war sofort dieses Gefühl, als ich zum ersten Mal die 5th Avenue hinunterflanierte! Entweder man spürt das in New York oder man spürt es eben nicht. Bei mir war sie gleich da, die Gewissheit, dass diese Stadt einfach null Charme hat. Da kann ich genauso gut zu Hause in Frankfurt-Höchst bleiben.

Leo Riegel

 Wenn beim Delegieren

schon wieder was schiefgeht, bin ich mit meinen Lakaien am Ende.

Fabio Kühnemuth

 Die Touri-Falle

Beim Schlendern durchs Kölner Zentrum entdeckte ich neulich an einem Drehständer den offenbar letzten Schrei in rheinischen Souvenirläden: schwarzweiße Frühstücks-Platzmatten mit laminierten Fotos der nach zahllosen Luftangriffen in Schutt und Asche liegenden Domstadt. Auch mein Hirn wurde augenblicklich mit Fragen bombardiert. Wer ist bitte schön so morbid, dass er sich vom Anblick in den Fluss kollabierter Brücken, qualmender Kirchenruinen und pulverisierter Wohnviertel einen morgendlichen Frischekick erhofft? Wer will 365 Mal im Jahr bei Caffè Latte und Croissants an die Schrecken des Zweiten Weltkriegs erinnert werden und nimmt die abwischbaren Zeitzeugen dafür sogar noch mit in den Urlaub? Um die Bahn nicht zu verpassen, sah ich mich genötigt, die Grübelei zu verschieben, und ließ mir kurzerhand alle zehn Motive zum Vorteilspreis von nur 300 Euro einpacken. Seitdem starre ich jeden Tag wie gebannt auf das dem Erdboden gleichgemachte Köln, während ich mein Müsli in mich hineinschaufle und dabei das unheimliche Gefühl nicht loswerde, ich würde krachend auf Trümmern herumkauen. Das Rätsel um die Zielgruppe bleibt indes weiter ungelöst. Auf die Frage »Welcher dämliche Idiot kauft sich so eine Scheiße?« habe ich nämlich immer noch keine Antwort gefunden.

Patric Hemgesberg

Vermischtes

Erweitern

Das schreiben die anderen

Titanic unterwegs
24.04.2024 Trier, Tuchfabrik Max Goldt
25.04.2024 Köln, Comedia Max Goldt
27.04.2024 Schwerin, Zenit Martin Sonneborn mit Sibylle Berg
28.04.2024 Lübeck, Kolosseum Martin Sonneborn mit Sibylle Berg