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Dax Werners Debattenrückspiegel KW8

Liebe Leser_innen,

an diesem Wochenende habe ich lange hin und her überlegt: Braucht es heute überhaupt einen Debattenrückspiegel? Wäre das nicht unangemessen, würde das der Lage in der Ukraine gerecht? Kann man so und so sehen. Andererseits muss man sich dann auch zu Recht fragen lassen, warum man bei den vielen anderen Gelegenheiten, wo man trotz Krieg in der Welt Gedanken ins Internet hochgeladen hat, nicht ebenso betroffen die Tastatur ausgestöpselt hat. Unterschiedliche Dinge berühren uns offenbar auch unterschiedlich stark, aber warum? Weil nicht immer klar ist, was gerade okay ist und was nicht, möchte ich euch heute einen kleinen Leitfaden an die Hand geben, wie ihr euch jetzt respektvoll im Internet verhalten könnt. Los geht’s!    

1. Dein Schweigen spielt Putin in die Hände    

Social-Media-Pause? Nicht mit dir! Such dir die Flagge des Landes heraus, um das es gerade geht – bitte jedoch keine komplizierten Flaggen, die wir hier nicht auf Anhieb erkennen! –, kopiere diese in dein Profil und scroll’ dich 24 Stunden am Tag durch die Timelines. Teile alles, was dir nur entfernt nach News aussieht. Quelle? Egal. Authentizität? Nicht so wichtig. Bild TV hat zwei Tage lang eine Lehrerin interviewt, die angeblich in der Ukraine feststeckt, bis sich herausstellte, dass sie aus Deutschland sendet. Was die können, kannst du schon lange! Je krasser, umso besser. Denn vergiss nicht:    

2. Du bist jetzt Experte    

Überfliege ein, zwei Artikel zum Thema SWIFT bis zur Paywall und setze dann die Bundesregierung mit Verlinkungen in den sozialen Medien unter Sanktionsdruck. Korrigiere User_innen, wenn sie eine andere Meinung zum Thema haben als du und ermahne sie, wenn sie seit drei Stunden nichts mehr gepostet haben (siehe Punkt 1). Erstelle zwischendurch kleine psychologische Ferndiagnosen über Putin und verarbeite sie in Stories und Threads für deine Follower. Soviel zur Pflicht, nun zur Kür: Die Menschen da draußen warten 72 Stunden nach Kriegsbeginn auch auf deine Einschätzung, was das alles nun für die Zukunft Deutschlands, Europas und des Westens bedeutet. Lass’ sie nicht um Unklaren. Vielleicht kannst du Francis Fukuyama nochmal einen reindrücken? Auch hier gilt: Sky is the limit.    

3. Deutschland braucht den Flugzeugträger    

Mach es besser als Olaf Scholz und komm’ vor die Lage. Die Debatte zum Thema Wiederaufrüstung ist hier spätestens seit dem Weckruf des Heeresinspekteurs der Bundeswehr und Christian Lindners Statement in der Maischberger-Nachspielzeit durch. Gut so. Wir belasten uns nicht weiter damit, dass wir die Bundeswehr letzte Woche noch wegen ein, zwei rechtsextremer Einzelfälle zu viel beinahe auflösen wollten. Jetzt heißt es in die Truppenmoral investieren, ein neues Wir-Gefühl erzeugen, auch mal neue Wege für den Umbau gehen. Was macht Jogi Löw eigentlich gerade? Der Endkampf gegen den Ivan könnte schneller kommen als wir denken.    

4. Niemand hat es so schwer wie du    

Neben all den Einschätzungen, Analysen und Forderungen darfst du das Wichtigste nicht vergessen: dich selbst. Wie geht es dir damit, all diese Nachrichten lesen und analysieren zu müssen? Welche Coping-Strategien kannst du anderen mit an die Hand geben, die sich nicht so gut auskennen wie du? Du bist nicht nur Außenpolitik- und Finanzexperte, sondern verfügst auch über ein breites Wissen im Bereich Selfcare. Geopolitik hin oder her, am Ende geht es um deine Befindlichkeit. Vielleicht findest du Zeit, einen weiteren Podcast zu starten, in dem du uns davon berichten kannst? Alles ist möglich.    

5. Erkläre anderen, was sie jetzt zu tun und zu lassen haben    

Sei sanft mit dir, aber unnachgiebig mit anderen. Wenn du siehst, dass sich jemand kurz nach dem Ausbruch eines neuen Kriegs in Europa nicht komplett einwandfrei ausdrückt, weise die Person sofort mit aller Härte zurecht. Ob du diese Person kennst oder nicht, ob es ihr gerade gut geht oder nicht – spielt keine Rolle. Vergiss nicht: Es ist deine verdammte Pflicht, andere zu berichtigen.    

Ich hoffe, dieser Ratgeber hilft euch durch die nächsten Tage!    

Friedliche Grüße, euer Dax Werner  




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Briefe an die Leser

 Sie, Victoria Beckham,

Sie, Victoria Beckham,

behaupteten in der Netflix-Doku »Beckham«, Sie seien »working class« aufgewachsen. Auf die Frage Ihres Ehemanns, mit welchem Auto Sie zur Schule gefahren worden seien, gaben Sie nach einigem Herumdrucksen zu, es habe sich um einen Rolls-Royce gehandelt. Nun verkaufen Sie T-Shirts mit dem Aufdruck »My Dad had a Rolls-Royce« für um die 130 Euro und werden für Ihre Selbstironie gelobt. Wir persönlich fänden es sogar noch mutiger und erfrischender, wenn Sie augenzwinkernd Shirts mit der Aufschrift »My Husband was the Ambassador for the World Cup in Qatar« anbieten würden, um den Kritiker/innen so richtig den Wind aus den Segeln zu nehmen.

In der Selbstkritik ausschließlich ironisch: Titanic

 Kurz hattet Ihr uns, liebe Lobos,

Kurz hattet Ihr uns, liebe Lobos,

als Ihr eine Folge Eures Pärchenpodcasts »Feel the News« mit »Das Geld reicht nicht!« betiteltet. Da fragten wir uns, was Ihr wohl noch haben wollt: mehr Talkshowauftritte? Eine Homestory in der InTouch? Doch dann hörten wir die ersten zwei Minuten und erfuhren, dass es ausnahmsweise nicht um Euch ging. Ganz im Sinne Eures Formats wolltet Ihr erfühlen, wie es ist, Geldsorgen zu haben, und über diese Gefühle dann diskutieren. Im Disclaimer hieß es dann noch, dass Ihr ganz bewusst über ein Thema sprechen wolltet, das Euch nicht selbst betrifft, um dem eine Bühne zu bieten.

Ihr als Besserverdienerpärchen mit Loft in Prenzlauer Berg könnt ja auch viel neutraler und besser beurteilen, ob diese Armutsängste der jammernden Low Performer wirklich angebracht sind. Leider haben wir dann nicht mehr mitbekommen, ob unser Gefühl, Geldnöte zu haben, berechtigt ist, da wir gleichzeitig Regungen der Wohlstandsverwahrlosung und Realitätsflucht wahrnahmen, die wir nur durch das Abschalten Eures Podcasts loswerden konnten.

Beweint deshalb munter weiter den eigenen Kontostand: Titanic

 Wie bitte, Extremismusforscher Matthias Quent?

Im Interview mit der Tagesschau vertraten Sie die Meinung, Deutschland habe »viel gelernt im Umgang mit Hanau«. Anlass war der Jahrestag des rassistischen Anschlags dort. Das wüssten wir jetzt aber doch gern genauer: Vertuschung von schrecklichem Polizeiverhalten und institutionellem Rassismus konnte Deutschland doch vorher auch schon ganz gut, oder?

Hat aus Ihren Aussagen leider wenig gelernt: Titanic

 Hallo, faz.net!

»Seit dem Rückzug von Manfred Lamy«, behauptest Du, »zeigt der Trend bei dem Unternehmen aus Heidelberg nach unten. Jetzt verkaufen seine Kinder die Traditionsmarke für Füller und andere Schreibutensilien.« Aber, faz.net: Haben die Lamy-Kinder nicht gerade davon schon mehr als genug?

Schreibt dazu lieber nichts mehr: Titanic

 Du, »Brigitte«,

füllst Deine Website mit vielen Artikeln zu psychologischen Themen, wie z. B. diesem hier: »So erkennst Du das ›Perfect-Moment -Syndrom‹«. Kaum sind die ersten Zeilen überflogen, ploppen auch schon die nächsten Artikel auf und belagern unsere Aufmerksamkeit mit dem »Fight-or-Flight-Syndrom«, dem »Empty-Nest-Syndrom«, dem »Ritter-Syndrom« und dem »Dead- Vagina-Syndrom«. Nun sind wir keine Mediziner/innen, aber könnte es sein, Brigitte, dass Du am Syndrom-Syndrom leidest und es noch gar nicht bemerkt hast? Die Symptome sprechen jedenfalls eindeutig dafür!

Meinen die Hobby-Diagnostiker/innen der Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Kapitaler Kalauer

Da man mit billigen Wortspielen ja nicht geizen soll, möchte ich hier an ein großes deutsches Geldinstitut erinnern, das exakt von 1830 bis 1848 existierte: die Vormärzbank.

Andreas Maier

 Treffer, versenkt

Neulich Jugendliche in der U-Bahn belauscht, Diskussion und gegenseitiges Überbieten in der Frage, wer von ihnen einen gemeinsamen Kumpel am längsten kennt, Siegerin: etwa 15jähriges Mädchen, Zitat: »Ey, ich kenn den schon, seit ich mir in die Hosen scheiße!«

Julia Mateus

 Wenn beim Delegieren

schon wieder was schiefgeht, bin ich mit meinen Lakaien am Ende.

Fabio Kühnemuth

 Teigiger Selfcaretipp

Wenn du etwas wirklich liebst, lass es gehen. Zum Beispiel dich selbst.

Sebastian Maschuw

 Man spürt das

Zum ersten Mal in meinem Leben war ich in New York. Was soll ich sagen: Da war sofort dieses Gefühl, als ich zum ersten Mal die 5th Avenue hinunterflanierte! Entweder man spürt das in New York oder man spürt es eben nicht. Bei mir war sie gleich da, die Gewissheit, dass diese Stadt einfach null Charme hat. Da kann ich genauso gut zu Hause in Frankfurt-Höchst bleiben.

Leo Riegel

Vermischtes

Erweitern

Das schreiben die anderen

Titanic unterwegs
18.04.2024 Berlin, Heimathafen Neukölln Max Goldt
18.04.2024 Hamburg, Centralkomitee Ella Carina Werner
19.04.2024 Wuppertal, Börse Hauck & Bauer
20.04.2024 Eberswalde, Märchenvilla Max Goldt