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Der TITANIC-Ombudsmann (2)

Liebe Leserinnen und Leser, historische Wochen liegen hinter uns! Der NSU-Prozess ist zu Ende gegangen – Gott sei Dank so, dass alle Beteiligten das Gesicht wahren konnten. Wichtig ist doch bei jedem Streit, dass man hinterher noch miteinander reden kann! Das ist auch mein Motto als TITANIC-Ombudsmann: Wenn Sie das Gefühl haben, TITANIC habe Ihre Würde angegriffen, Ihnen Schaden zugefügt und Ihr Leben für immer ruiniert, möchte ich, dass wir am Ende des Tages immer noch gemeinsam darüber lachen können.

In den letzten Tagen bin ich unter anderem diesen Fällen nachgegangen.

► TITANIC-Leserin Andrea Nahles sieht die Arbeit der SPD-Fraktion im Bundestag nicht ausreichend gewürdigt: "Vor zwei Tagen wollte die Kanzlerin noch offen zu einem faschistischen Umsturz im Land aufrufen. Wir von der SPD haben da klipp und klar gesagt, dass das mit uns nur unter erheblichen Bauchschmerzen möglich ist. Jetzt wurde der Antrag sogar vertagt! Warum lese ich darüber nichts in TITANIC?"

Meine Antwort: Ziffer 8.7 des deutschen Pressekodex gebietet es, bei der Berichterstattung über Selbsttötung Zurückhaltung walten zu lassen. Dies gilt insbesondere für “die Nennung von Namen, die Veröffentlichung von Fotos und die Schilderung näherer Begleitumstände”. Bis die Selbsttötung der SPD abgeschlossen ist, wird die Redaktion ihre Berichterstattung auf ein Minimum beschränken, um Nachahmereffekte unter anderen Parteien zu vermeiden.


Vor einigen Wochen wollte TITANIC-Chefredakteur Tim Wolff in einer Umfrage die Erschießung von "Zeit"-Journalisten ergebnisoffen diskutieren. TITANIC-Leserin Ines Pohl fragt uns: "Was soll das? Schaut Euch mal um in der Welt, solche Aktionen sind weder lustig noch öffnen sie irgendwelche Perspektiven. Das ist schlicht Aufruf zum Mord. Pfui!"

Meine Antwort: Die Kritik ist berechtigt. Die Redaktion hat mir zugesichert, künftig nur noch dann zum Mord an "Zeit"-Journalisten aufzurufen, wenn dadurch neue Perspektiven eröffnet werden. Wir bitten alle "Zeit"-Journalisten um Entschuldigung, die berufsmäßig nur über den Tod von Ausländern, nicht aber den eigenen nachdenken wollen, wünschen noch einen schönen Tag und – falls Sie morgen freihaben – ein schönes Wochenende!


► Durch ein technisches Versehen war der Twitter-Account von TITANIC-Redakteur Moritz Hürtgen einige Stunden so eingestellt, dass er wie ein türkisches Nachrichtenportal aussah. TITANIC-Schlau-Leser J. Reichelt bemerkte den Fehler – und wirft nun der Redaktion vor, "mit Fake News Spaltung herbeizuführen".

Meine Antwort: Die Kritik klingt zwar wirr, ist aber berechtigt: Es ist historisch der erste Fall, in welchem ein TITANIC-Fake so schlecht war, dass er sogar von der Bild.de-Redaktion erkannt wurde (vgl. aber: Wahl von Joachim Gauck, #Miomiogate, Seehofer-Rücktritt). Ich habe mit der Redaktion gesprochen: Sie wird dafür sorgen, dass das nie wieder passiert und die eingetretene Spaltung (?) rückgängig gemacht wird. Hauptsache, Sie beruhigen sich erst mal!

Herzlichst,

Ihr TITANIC-Ombudsmann

Leo Fischer

Wenn er sich noch an sein Passwort erinnert, erreichen Sie Herrn Fischer unter ombudsmann@titanic-magazin.de und ansonsten unter TITANIC, Stichwort: Sofort wegwerfen, Hamburger Allee 39, 60486 Frankfurt am Main.

Sie können ihn kontaktieren, wenn Sie Ihre politische Ansicht oder sonstige Wahnvorstellungen falsch oder verzerrt dargestellt finden. Aber auch, wenn Sie Zweifel an Fakten haben, am Leben oder "auch nur mal so". Er darf offiziell bei unserer Chefredaktion fragen, ob wir alles richtig gemacht haben. Wir werden keinen Einfluss auf seine Schützenhilfe nehmen und sie veröffentlichen, wann immer es gerade gut passt.

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Das TITANIC-Sommerinterview mit Chico

TITANIC: Guten Tag, Chico. Wie geht es dir?

Chico: Wuff! Wuffwuff!

TITANIC: In Deutschland wird gerade wieder über Integration diskutiert. Wie beurteilst du das?

Chico: Die Integration ist gescheitert, da gibt es nichts zu beschönigen – vor allem die Integration der Bayern, aber auch die ganz vieler anderer Bürger mit Deutschenhintergrund. Deshalb fordere ich: Deutsche raus aus Deutschland! Die machen ja sonst wieder das ganze Land kaputt.

TITANIC: Was müssen Migranten tun, um in Deutschland anerkannt zu werden?

Chico: Ganz einfach: Der Migrant muss sich in einen nonstop kläffenden hässlichen Köter verwandeln, dann wird er hier für immer beliebt sein. Todsicher!

TITANIC: Mittlerweile hat sich fast jeder zu Mesut Özil geäußert, zuletzt auch Daniela Katzenberger, Goleo und Helmut Schmidt. Was ist deine Meinung?

Chico: Ich bin immer noch erstaunt, dass man ihm lediglich das WM-Aus, die Waldbrände in Schweden und Griechenland, die miesen CSU-Umfragewerte, die Flüchtlingskrise, die scheußliche Frisur von Oliver Bierhoff und die schlechte Laune von Karl Lagerfeld bzw. Lauterbach vorwirft. Am Handelsstreit mit den USA, an der Hitze in Heiko Maas‘ Oberstübchen und am Aussterben der Bienen kann man ihm doch ruhig auch noch die Schuld geben. Wenn schon, denn schon.

TITANIC: Einer der vielen Vorwürfe lautete, dass Özil sich nicht schon viel früher öffentlich geäußert hat, zum Beispiel anlässlich des DFB-Medientages vor der Fußball-WM. Wie siehst du das?

Chico: Wer sich schon einmal mit deutschen Fußballreportern beschäftigt hat und ihre dämlichen Fragen kennt, kann nachvollziehen, dass Özil dem Medientag lieber ferngeblieben ist.

TITANIC: Stimmt es, dass du gleich noch einen Termin in der "Bild"-Redaktion hast?

Chico: Ja, ich freue mich schon sehr. Es ist eine sehr gute Gelegenheit, mal wieder ein paar Menschen... (knurrt, fletscht die Zähne und rennt los)

TITANIC: Viel Erfolg!

Chico: Wuff! Wuffwuffwuffwuffwuffwuffwuff!

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Leute ... von Paula Irmschler



ICH BIN INTROVERTIERT

Leute,



am Wochenende war ich auf der Piste – und es war wieder einmal sehr traurig, denn es ist wahr: Ich bin introvertiert. Genau wie Ihr wahrscheinlich auch, Ihr verzottelen Stinkeheinis, die Ihr gerade vorm Internet sitzt. Es ist ein bekanntes Phänomen: Man ist auf einer Party, wie jedes Wochenende und unter der Woche auch manchmal, und kann mit niemandem so richtig reden. Erstens weil man niemanden kennt, zweitens weil man gerade erst eine Lymphdrüsenoperation hinter sich hat und drittens weil man nun mal introvertiert ist. 

Deswegen dachte ich mir, ich melde mich mal auf Facebook, Twitter, Tinder, Instagram, Snapchat und für ein Bahamas-Abo an, da ist die Hemmschwelle nicht so groß, neue Leute kennenzulernen. Und ich lerne gern neue Leute kennen. Manche Datingapps haben auch so Persönlichkeitsberechner, und da kommt immer raus, dass ich introvertiert bin, und dann kann ich mich mit anderen Introvertierten zusammentun und mich austauschen. Ich habe außerdem erfahren, dass ich zu einer speziellen Art von Introvertierten gehöre: den extrovertierten Introvertierten. Das heißt, dass ich in meiner introvertierten Art extrovertiert bin. Das macht es schwer, anzukommen bei vielen anderen Menschen. Einige Gespräche enden schon, sobald ich sage, dass ich extrovertiert introvertiert bin. Ich sage es immer gleich, damit es raus ist, und oft, weil ich dazu stehe. Ich habe es mir sogar jetzt groß auf ein T-Shirt drucken lassen. 

Es ist wichtig, dass wir über dieses Thema sprechen. Viel, immer, direkt. Während meines letzten One Night Stands brachte ich es also zur Sprache: Ich muss dir etwas sagen, ich bin so und so. Das war nicht leicht, der Mann schien nicht begeistert, aber es war mir egal, wenn er mich nicht will, wie ich bin, scheiß ich da einfach drauf. Auch bei Festivals, den Eltern meiner Partner oder bei richtig geilem Gruppensex stoße ich da immer wieder an Grenzen. Mein letzter Freund war introvertiert extrovertiert. Hätte er es doch nur je geäußert ... Dann hätten wir uns so richtig gut ergänzen können, aber er konnte es nicht und so habe ich es nie erfahren und dachte, er wäre ein stinklangweiliger Normalo, und habe ihn verlassen. Einfach nur schade. Aber noch was in eigener Sache: Schreibt mir gern, falls Ihr ficken wollt!

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Nur kein Gedäh! – von Martin Knepper

Was machen wir mit unseren Körpern

Was machen wir mit unseren Körpern, wenn wir sie vom Schmutz befreit und in Stoff gehüllt haben? Wir setzen sie vor Rechner und lassen sie Knöpfe drücken: Knöpfe, kleiner als unser größtes Muttermal. Das wird in einer Evolution münden. "Wir werden verwandelt werden", sagt Paulus – so wie die Autos, die er nie gefahren hat. Die haben einstmals ausgesehen wie Lebkuchendosen aus der Zeit, als Nürnberg noch kein Outlet-Center für Ex-Nazis war. Karbidlampen mit Prismenglas, messingne Felgen, das Armaturenbrett ein ganzer Regenwald, und dann der Schwung der Radkästen! Wir aber sind im Netz so unerlöst geparkt wie kugelige Stadtmobile, die kaum beschmutzt an jeder Ecke lauern, und hoffen, dass sie irgendwer mit seiner App erlöst und von der Stelle bringt.

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Leute von Paula Irmschler

Wie ich lernte, Männer zu respektieren

Ich dachte lange, wir sind eben alle verschieden und das ist gut so. Dann wurde mein Sohn 34. Ein Pamphlet.

Es sollte alles anders werden. Seit dem 34. Geburtstag meines Sohnes. An diesem Tag wurde mir plötzlich klar: Noch wohnt er bei uns, ist aber bald schon ein Mann. Bald würde er erwachen, seine Blüte (die auf der Stirn) wachgeküßt werden. In was für eine Welt muss ich ihn eigentlich entlassen? Die mit Blüten auf Stirnen.

Mein Sohn soll es einmal besser haben als ich. Das will vermutlich jede Mutter. Sein Geschlecht spielte bisher keine große Rolle für mich. Er war ein Junge und liebte als Kind eben alles, was blau war. Er liebte Monstertrucks, besoffen bei 4chan kommentieren und Flecken. Jungsspielzeug. Sein Vater und ich hatten dabei wenig Bedenken, obwohl es so unästhetisch war. Pokémon, Dinos und später dann Karten für ein Konzert von Burzum – wir machten alles mit. Ich dachte, dass er auch in blau und blau ein selbstbewusster und selbständiger Mensch werden kann. Erfolg im Leben und Fußball, für mich war das kein Widerspruch.

Schließlich kannte ich es so aus meinem beruflichen Umfeld: Die Männer, mit denen ich gearbeitet habe, waren selbstbewusst, stark, autonom und dennoch manchmal attraktiv. Welche Farbe ihre Unterhosen hatten, spielte dafür keine Rolle. Bis heute bin ich in meiner Branche keinem Mann begegnet, der von einer Frau abhängig ist, einige bringen gar selbstgemachte Brote mit, die durchaus als Essen durchgehen können.

Männer zu besitzen hat mir wirklich geholfen, die Welt anders zu sehen. Ich fing an, mich bewusst mit männlichen Dingen zu umgeben, um diese Energie, dieses speziell Männliche, in mein Leben zu integrieren. Schließlich war auch mein Vater ein Mann und auch dem seiner wiederum. All die inspirierenden Männer in meinem Leben – ich habe begonnen, sie wahrzunehmen und die Besonderheiten ihres Esprits zu schätzen und von ihnen zu lernen. Wie könnte ich mich also nicht für Männer einsetzen?

Deshalb sind wir dran: wir Mütter, Freundinnen, Schwestern, Omas, Tanten, wir Frauen. Denn wenn wir nicht bald anfangen, dafür einzustehen, dass unsere Söhne und Brüder, Freunde und Ehemänner genauso viele Chancen auf ein gutes Leben bekommen wie wir, wird in diesem Land nie Gerechtigkeit herrschen. Mir ist an diesem 34. Geburtstag meines Sohnes klar geworden: Der Kuchen ist groß genug. Nein, Jungs und Männer müssen nicht UNS gefallen, sie sind nicht für unser Entertainment da, wir müssen sie empowern auf ihrem Weg zu normalen Hobbys, richtigen Jobs und trotz ihrer demonstrativen Hässlichkeit zu ihnen halten.

Mein Mann fand es immer schade, dass ich mich nicht so nennen wollte: Maskulinist. Mit bestimmten Menschen will ich nun mal einfach nicht in einen Topf geworfen werden, gerade mit den ständig heulenden Netzmaskunazis. Man kann schließlich nur jemanden respektieren, der auch sich selbst respektiert und sich beispielsweise ordentlich anzieht. Heute weiß ich: Sichtbarkeit ist wichtiger als Eitelkeit. Heute kann ich endlich sagen: Ich bin Frau. Ich bin Mutter. Ich bin für Männer.

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Meditation und Markt mit Dax Werner

Gedanken zur besten Weltmeisterschaft aller Zeiten

2014 celebratete ich gemeinsam mit Startup Claus den WM-Sieg "unserer Jungs" in Köln: Ich erinnere mich, wie Claus und ich minutenlang stumm auf einen 20-Zoll-HD-Ready-Flatscreen am Brüsseler Platz starrten, und an dieses unwirkliche Momentum, wo Fips Lahm das Dingen in den Nachthimmel von Rio streckte. Noch intensiver als meine Freude über die deutschen World-Cup-Winner war es jedoch, mit Tränen der Rührung zu beobachten, wie sämtliche Kioske und Getränkehallen der Domstadt ihre gesamten Alkoholbestände in einer halben Nacht verkaufen konnten. In dieser mystischen Sommernacht wurde Geld verdient.

Auch im neuen Weltmeisterland Frankreich, oder wie Emmanuel Macron und ich sagen: in der "Start-up-Nation", wurde gestern Nacht offenbar sehr viel Cash gemacht, auf Twitter habe ich mir Videos von besenrein leergeräumten Supermarchés und Luxus-Boutiquen auf der Champs-Élysées reingekaspert. Offenbar hat Macron es geschafft, eine ganze Nation ins Start-up-Fieber zu versetzen. Und was ich daran besonders next level finde: Das gesamte Thema wird an der Seine 360°-grassroot gedacht. So klappt’s.

Hierzulande ist nach dem Vorrunden-Debakel für die "Die Mannschaft" dagegen erst einmal mentaler retreat in der Künstlerkolonie Worpswede angedoodlet. Der DFB hat seit der Niederlage gegen "den Mexikaner" real talk nur einen Monat gebraucht, um sein 2006 etabliertes Game vom Hochglanz-Start-up mit Seriengewinner-Mindframe auf das Level Spediteur-druckt-Facebook-Memes-gegen-Willkommenspolitik-auf-seine-Lkws zu shiften. Heftig, aber so kann’s gehen, wenn der Club der Freunde der Nationalmannschaft plötzlich den inhaltlichen Kurs vorgibt. Die-Mannschaft-Manager Oliver Bierhoff, der wie so viele seine Karriere eigentlich nur den ironischen Wirren der neunziger Jahre und damit verbundenen Highlights wie der Einführung des Golden Goals verdankt, wirkt nur noch wie ein Getriebener und erinnert mich gerade ein bisschen an den Klassenkameraden, bei dem es nach dem Abitur erst absurd gut lief und der jetzt nur noch dadurch auffällt, dass er im Facebook die luziden Überlegungen von Roland Tichy zur Asylpolitik in die Timeline drückt.

Apropos in die Timeline drücken: Womit man diese Woche noch jede Menge Klicks und Favs in den Social Media generieren kann, ist der Hinweis, dass die nächste WM 2022 in Katar (!) zur Adventszeit (!) gespielt wird. Für echte viral magic muss der Post dann aber auch im stilechten Oswald-Spengler-"Untergang-des-Abendlandes"-Gedächtnis-Tonfall gehalten sein. Für mich persönlich ist eine Winter-WM am Ende auch nur eine dornige Sommer-WM, also kein Problem, nur eine Aufgabe: Kann mir zum Beispiel sehr gut vorstellen, in vier Jahren mit Claus einen Weltmeister-Glühweinstand ("Jogis Wunderwein") am Brüsseler zu rocken.

Freut sich schon auf Eure Geschäftsideen und sendet liebe Grüße: Dax Werner

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Nur kein Gedäh! – von Martin Knepper

Als Zausel auf dem Lebensklo

Das Älterwerden stößt beim Publikum in den verschiedenen Branchen der Kulturindustrie auf unterschiedliche Aufnahme. Recht groß ist die Akzeptanz bei schreibenden Berufen, schon der hl. Hieronymus in seiner Studierklause hat auf den Bildern meist einen Weißbart bis an den Bilderrahmen. Bei Schauspielern wird unterschieden zwischen Michel Piccoli und allen, die nicht Michel Piccoli sind. Besonders kritischer Betrachtung jedoch unterliegen Unterhaltungsmusiker, was damit zusammenhängt, dass sich diese zumeist von Anbeginn ihrer Karriere mit energetischen Lebensfragen wie Liebe und Zorn befasst haben und diese irrtümlicherweise nicht mit einem welkenden Äußeren assoziiert werden. (Ausnahmen: Charles Aznavour und Campino.) Welch ein Glück ist es da, wenn Künstler schon immer eine lebenssatte Abgeschlafftheit gepflegt haben (Robert Smith)! Als inventarisiertem Klomann der Herzen ist einem dann stets eine Dauerkarte im Club 27 sicher.

Aktuelle Cartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Hey na, AKK?

Der Hype um Ihre Initialien will wohl einfach nicht abflauen. So lesen wir etwa auf »Spiegel online«, dass die Menüfolge des »Düsseldorfer Ständetreffs« ganz auf Ihre Initialen abgestimmt gewesen sei – »von der Vorspeise (Avocado, Kastenbrot, Krabben) über den Hauptgang (Apfel, Karotte, Kalbstafelspitz) bis zum Dessert (Ananas, Kokos, Kalamansi). Die Tischdekoration ebenfalls – Pflanzen in ihren Buchstaben, der Kaktus als Krönung.«

Leider im Bericht unerwähnt bleiben Spirituosen (Apfelkorn, Kabänes, Korianderlikör), Besetzung der Band (Alphorn, Kornett, Kwetschkommode) und Gäste (Arschlöcher, Kleingeister, Knalltüten) wie zum Beispiel Ihr ebenfalls anwesender Ex-Rivale Friedrich Merz (Aktienhandel, KumEx-Geschäfte, Karibikkonten). Der bekam laut »Spiegel« vom Publikum sogar mehr Beifall (Applaus, Klatschen, Kundgabe [von Zustimmung]) als Sie. Dabei sollte man doch meinen, dass Sie jemanden, der menü- und initialienmäßig zuerst an Froschhirne, Miesmuscheln und Fermentierte Magermilch denken lässt, mit links in die Tasche (Akten-, Korb-, Kosmetik-) stecken. Sind da womöglich wieder mal Aufstand, Kritik und Krawall im Anmarsch (im Kommen, am Kenntlichwerden)?

Okay, reicht. Titanic

 Ahoi, Jörg Thadeusz!

Gewohnt inhaltslos polternd beklagen Sie in der »Berliner Morgenpost« die moralische Hybris Deutschlands am Beispiel der Seenotretterin Carola Rackete: »Recht gilt nur so lange, bis ein deutscher TV-Fritze wie Jan Böhmermann, eine deutsche Nicht-Regierungsorganisation oder die gesamte deutsche Öffentlichkeit eine höher stehende Moral definieren.« So kommen Sie nebst originellen Bemerkungen über Quinoa essende »Szene-Berliner« schließlich zum Fazit: »Denn was moralisch geboten ist und was nicht, bestimmen nun mal die Deutschen.«

Da haben Sie aber etwas missverstanden: Die Königsdisziplin deutscher Hybris ist längst das moralische Gejammer über die Moral der anderen, aus dem vulgärdialektischen Irrglauben heraus, sich so in argumentative Höhen zu poltern. Objektiv gesehen, Herr Thadeusz, befinden Sie sich nämlich geistig längst selbst unter dem Meeresspiegel.

Fern jeder Hybris:

Ihre Seenotretter von Titanic

 Huhu, Pia Ratzesberger (SZ)!

»Im Kampf gegen den Klimawandel bleibt das Ozonloch eher eine abstrakte Vorstellung, während man irgendeine Plastikfolie jeden Tag aufreißt.«

Genau; bzw. apropos Loch: Regnet’s rein? Aber schön warm, wegen Ozonwandel?

Puh!

Löchrig grüßt Titanic

 Wenn ausgerechnet Sie, Kölner Weihbischof Ansgar Puff,

im Interview mit der Katholischen Nachrichten-Agentur dazu aufrufen, sich durch das eigene Verhalten stärker gegen Menschenhandel zu organisieren, und predigen »Fangen wir bei der Prostitution an: Einfach nicht ins Bordell gehen. Punkt« – ist Ihre Aussage dann letztlich nicht auch ein Sinnbild der bigotten Sexualmoral Ihrer Kirche? Nomen est schließlich omen. Titanic

 Charlotte Roche!

Charlotte Roche!

In »Spiegel« und SZ, »Zeit« und Ihrem eigenen Podcast haben wir nun lang und breit zu lesen bzw. hören bekommen, dass Ihre Ehe nicht perfekt, sondern »ganz normal« sei. So normal kann sie aber doch nicht sein, schließlich haben »normale« Paare weder einen eigenen Ehepodcast noch Zeitungs- und landesweite Berichterstattung über ihr Privatleben, meinen Sie nicht?

Na ja, was Sie sonst so alles Normales tun, werden wir mangels Interesse wohl nie erfahren. Unser Leben geht trotzdem ganz normal weiter. Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 LinkedIn oder Tod

Nach langer Funkstille habe ich mich dazu entschlossen, meine Ex-Freundin und ehemalige Kollegin bei Xing zu adden, um ihr zu zeigen, dass sie mir auch beruflich absolut nichts mehr bedeutet.

Karl Franz

 Sommerabend-Komplex

Auch wir ließen die Gardinen offen bei unserem Hollandurlaub, wir wollten teil sein dieser freundlichen Gesellschaft, die nichts zu verbergen hat. Doch schnell wurde ein gewisser Zugzwang merkbar - ist es aufgeräumt genug für die Betrachter? Bin ich zu nachlässig gekleidet? Hinter all den hübschen Präsentierzimmern gibt es vermutlich neonbeleuchtete Räume mit Resopalmöbeln, dort sitzt man Krumm und mit strähnigen Haaren in ausgebeutelten Jogginghosen, blafft herum, isst kalte Pizza vor dem Fernseher.

Miriam Wurst

 Remake

des Filmklassikers mit Demi Moore und Patrick Swayze: »Ghosting – keine Nachricht von Sam«.

Elias Hauck

 Überlegung

»Falls ich diesen Abend nicht überleben sollte, möchte ich wenigstens so viele Delphine wie möglich mit in den Tod genommen haben« sprach er. Und bestellte nach acht Maß Bier und drei Schnaps eine Pizza Thunfisch ohne Käse.

Theobald Fuchs

 Neues aus Brüssel

Laut eines Urteils des EuGH können alle Termine, die Sie bereits beim Dermatologen ausgemacht haben, ab sofort auch von etwaigen Nachfahren genutzt werden. Diese müssen explizit auch noch nicht geboren sein.

Felix Scharlau

Vermischtes

Hans Zippert: "Fernsehen ist wie Radio, nur ohne Würfel"
Die steile Karriere des Hans Zippert begann im Jahr 1967 mit einem  Schülerpraktikum beim Kulturmagazin "TV Spielfilm". Nach einem  Volontariat bei "TV Direkt" übernahm er das angesehene 20-Uhr-15-Ressort  bei "TV Okayokay", bevor er schließlich Programmchef der auflagestarken  "TV Superwoche" wurde. Nachdem er über einen Bestechungsskandal rund um  eine 3-Sterne-Empfehlung für "Rote Rosen" stolperte, sah sich Zippert  1990 gezwungen, Chefredakteur von TITANIC zu werden. Der Tiefpunkt war  erreicht. Das alles und noch mehr erfahren Sie in diesem Buch!Friedemann Weise: "Die Welt aus der Sicht von schräg hinten"
Laut seiner Homepage ist er der "King of Understatement" und der "lustigste Mensch im deutschsprachigen Internet". Er ist aber auch Gitarrenmann, Viralblogger (15000 Follower!), Gagautor und Promiexperte mit Diplom. Die Rede ist von Friedemann Weise, dem Mann mit dem Namen! Der Mann, der den "Satiropop" erfand. Und jetzt auch noch ein Buch vorlegt. Ob das gutgeht? Ordern Sie diese Prämie und teilen Sie Ihr vernichtendes Urteil bitte zeitnah der TITANIC-Redaktion mit.Serdar Somuncu: "H2 Universe: Die Machtergreifung", DVD
Er ist der selbsternannte Hassias – viel wichtiger aber noch: der designierte Kanzlerkandidat für Die PARTEI. Holen Sie sich jetzt die neue DVD von Merkel-Nachfolger Serdar Somuncu als Gratisprämie und stehen Sie damit schon vor der Machtergreifung auf der richtigen Seite. Ihre Kinder werden es Ihnen danken!
Zweijahres-Abo: 98,60 EURKamagurka & Herr Seele: "Cowboy Henk"
Er ist Belgier, Kamagurka. Belgier! Wissen Sie, was der Mann alles durchgemacht hat in letzter Zeit? Eben, er ist Belgier. Und hat trotzdem in einem Finger mehr Witz als Sie im ganzen Leib! Und Heldenmut! Glauben Sie nicht? Dann lassen Sie sich von Cowboy Henk überzeugen, dem einzigen Helden, der wirklich jeden Tag eine gute Tat begeht.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURSonneborn/Gsella/Schmitt:  "Titanic BoyGroup Greatest Hits"
20 Jahre Krawall für Deutschland
Sie bringen zusammen gut 150 Jahre auf die Waage und seit zwanzig Jahren die Bühnen der Republik zum Beben: Thomas Gsella, Oliver Maria Schmitt und Martin Sonneborn sind die TITANIC BoyGroup. In diesem Jubiläumswälzer können Sie die Höhepunkte aus dem Schaffen der umtriebigen Ex-Chefredakteure noch einmal nachlesen. Die schonungslosesten Aktionsberichte, die mitgeschnittensten Terrortelefonate, die nachdenklichsten Gedichte und die intimsten Einblicke in den SMS-Speicher der drei Satire-Zombies – das und mehr auf 333 Seiten (z.T. in Großschrift)! 
Zweijahres-Abo: 98,60 EURLeo Fischer + Leonard Riegel: "Fröhliche Hundegeschichten"
Ein Buch, bei dem Sie "Wau" sagen: Leo Fischer und Leo Riegel haben ihre Talente gebündelt und gemeinsam 1001 moderne Hundemärchen in Wort und Bild erschaffen. Zum Lesen, Lachen, Anknabbern! Und außerdem ein echter Lebensretter. Jedenfalls dann, wenn Sie Nacht für Nacht von einer dreiköpfigen Bulldogge heimgesucht werden, die Sie vor die knifflige Wahl stellt, ihr entweder eine "Fröhliche Hundegeschichte" vorzulesen oder den Arsch abgebissen zu kriegen. Ihre Entscheidung!Michael Ziegelwagner: "Der aufblasbare Kaiser"
Seit dem putzigen Präsidentschafts-Hahnenkampf zwischen Alexander Van der Bellen und Norbert Hofer interessiert sich plötzlich auch Resteuropa für das Land, um das es in diesem Buch geht: Österreich. Dabei ist der Donaustaat schon seit 2014 eine literarische Reise wert, jenem Jahr, als "Der aufblasbare Kaiser" für die Longlist des Deutschen Buchpreises nominiert wurde. Lassen Sie sich auf diese Reise mitnehmen: von Michael Ziegelwagner, dem liebenswertesten Randbalkanesen der TITANIC. Pflichtprämie für Kaisertreue!Elias Hauck (Hrsg.): "Alles Spargel oder was?"
Endlich ist ganzjährig Spargelsaison! Elias Hauck, die eine Hälfte von Hauck & Bauer und Herausgeber des Frauenmagazins "Sonja", serviert die reifsten Spargelwitze der Welt – gezeichnet und erzählt von dutzenden gemüseliebenden Cartoonisten und Autoren. Lachen Sie unter anderem über: den mit den polnischen Erntehelfern, den mit dem kaputten Spargelschäler und den mit der Fliege in der Hollandaise.Wenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURDie PARTEI-Wahlwerbungs-DVD mit allen vier Wahlwerbespots aus dem Bundestagswahlkampf 2005: Höhepunkte der Politpropaganda, die von Otto Schily mit dem Prädikat "ein Skandal" ausgezeichnet wurden. Besser aufgelöst als auf Youtube und noch dazu mit einer praktischen, farbechten Hülle drumrum - das ist doch was, was?
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Das schreiben die anderen

  • 16.08.:

    Christian Y. Schmidt schreibt im "Neuen Deutschland" über die Ausstellung "Summer of China" in Berlin.

  • 16.08.:

    Die "Neue Westfälische" über das legendäre Bielefelder Satiremagazin "Dreck".

  • 11.08.:

    Heute wird Heftgründer Pit Knorr 80 – in der "Süddeutschen Zeitung" gratuliert ihm Franziska Augstein. Wir schließen uns an.

  • 09.08.:

    Martin Sonneborn im "Freitag"-Interview.

  • 06.08.:

    Diese Woche sendet WDR 3 täglich um 19.04 unter dem Motto "Die TITANIC geht nicht unter" Kurzhörspiele von Eilert/Gernhardt/Knorr – nachzuhören in der Mediathek.

Titanic unterwegs
27.08.2019 Hamburg, Grüner Jäger Ella Carina Werner mit A. Neft, B. Maak u.a.
28.08.2019 Berlin, Theater im Pfefferberg Max Goldt
15.09.2019 Göppingen, Schloss Filseck F. W. Bernstein: »Sinnverlust ist Lustgewinn«
22.09.2019 Frankfurt, Museum für Komische Kunst »Hans Traxler. Zum Neunzigsten«