Newsticker

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Inside TITANIC (43)

Intime Einblicke in das Innere der TITANIC-Redaktion und ihrer Mitglieder. Heute: Praktikant Renke Brandt über die Heftproduktion in Zeiten der Krise.

Als ich in der Redaktion ankomme, hängen alle voll niedergeschmettert in ihren Bürosesseln: „Diese elende Printkrise - wir sind pleite! Keiner kauft mehr ein Heft-Abo“. Ich bin geschockt! Titanic gibt es als Heft? Dachte, TITANIC wäre diese ulkige Website und Social-Media-Witzbude, die im Schatten von Postillon, El Hotzo und Aldi Nord soliden Content spreaded. Und die Redakteur/innen möchten für dieses Heftmachen auch noch bezahlt werden? Haben die denn keine Eltern? Oder Jobs?
Na ja, dann eben ein Heft. Prinzipiell bin ich offen für Abseitiges, Spleeniges, Special-Interestiges. „Das ist halt noch was Richtiges zum Anfassen“, informiert mich ein Kollege, während er auf seinem Smartphone tippt, scrollt und swiped. „Wär übrigens nice, wenn du unsere Social-Media-Postings mit je drei Tränen-Lach-Smileys kommentierst. Das hilft uns enorm.“
Ab und zu setzen sich alle hin zur sogenannten Konferenz. Quasi ein Zoom-Meeting, nur ohne Bildschirme, auf denen man sich die ganze Zeit versonnen selbst angucken kann. Hier wird vor allem über das Titelbild des neuen Heftes gebrütet. Das müsse nämlich „anziehen, Sehnsüchte wecken und Denkräume öffnen.“ Also was mit Hitler.
Später stehe ich mit gesenktem Blick (Insta checken) vor der stotternden Kaffeemaschine. Da tippt mir eine Kollegin auf die Schulter: „Weißt du, TITANIC hat die bundesdeutsche Geschichte begleitet, Autoritäten angegriffen, Scheinheiligkeiten entblößt und große Künstler hervor gebracht, wie den einen Dingsda mit dem dollen Sprachgefühl. Dafür lohnt es sich doch zu kämpfen!“ Ich nicke zaghaft. Sie schreit mich entschlossen an: „So, nun mal lustig statt luschig! Wir haben hier ein Heft zu machen!“ Jetzt brülle auch ich los.
Also, wie geht Heft? Die Kunst besteht darin, dass alle, sofern sie sich grade danach fühlen, was tippen, malen oder basteln. Das wird dann übereinander gestapelt und ungefähr in der Mitte getackert. Voilà!

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Inside TITANIC (42)

Intime Einblicke in das Innere der TITANIC-Redaktion und ihrer Mitglieder. Heute: Volontär Martin Weidauer über das Jahr des Marders, also die Zeit von März bis Mai 2023.

Ein heißer Tag im kalifornischen Sommer des Jahres 2005: Apple-Gründer Steve Jobs (†) beschließt seine ikonische Rede vor Standford-Absolvent*innen mit den Worten "You can't connect the dots looking forward", was auf Deutsch so viel heißt wie "Du kannst nicht konnektieren die Dotter, wenn Du nach vorn schaust." Doch mittlerweile können wir ein Fazit ziehen: WIR sind Hessenpokalsieger! Na gut, nicht wir alle. Aber immerhin die FSV-Frankfurt-Ultras Martina Werner, Leo Riegel und Martin Weidauer (ich). Dass ein Redaktionsmitglied (dessen Name uns FSVler*innen bekannt ist) die vermaledeiten Kickers aus Offenbach im Gästeblock unterstützte, während wir uns am Bornheimer Hang für das Heimteam und das am Horizont golden schimmernde "Finale dahoam" die Seelen aus den Leibern schrien? Geschenkt. Der Pott (Fußballsprache für "Pokal") stiftet eben nicht nur Stolz, sondern auch Ambiguitätstoleranz.

Der Reihe nach: Wenn ich auf Podien, in Radio- und TV-Sendungen oder auf Familienfeiern über meine Zeit in der Redaktion berichten soll, fragen die meisten Moderator*innen (und mein Onkel Rainer) recht schnell nach den Unterschieden zwischen Moritz Hürtgen und Julia Mateus. Neben den offensichtlichen (Mateus kann von sich behaupten, mit FSV-Frankfurt-Edelfan Leo Riegel auf eine Schule gegangen zu sein und ist Akademikerin; Hürtgen hingegen ist eher Mann des Glaubens als der Wissenschaft) gibt es selbstredend die kleinen Details, welche nur den Menschen auffallen, die die beiden in ihrem natürlichen Umfeld (TITANIC-Redaktion) beobachten durften. Und ich war dank göttlicher Fügung (Satire-Gött*innen Hürtgen/Mateus) hierzu im Stande. Mein Praktikum fand unter dem Joch Hürtgens statt, mein Volontariat unter dem Regiment Mateus'. Der einzig nennenswerte Unterschied: Hürtgen traf man hin und wieder am Redaktionskühlschrank, Mateus ließ sich alle Getränke ins vollverglaste Eckbüro liefern. Mein Volontariat begann Ende Februar. Da die Chefin ihren Massagesessel mittlerweile umgedreht hat (man blickt auf die Rückseite), habe ich sie tatsächlich das erste Mal Anfang April in der Aufzeichnung von "Bembel & Gebabbel – Die Kult-Talkshow" gesehen. Generell hat man als Prakti/Volo jedoch eher wenig mit Angehörigen höherer Kasten (also allen anderen Personen in der Redaktion) zu tun. Was in der Rückschau verschwimmt: Gab es den großen Ausraster bei der Entmachtung des Bayers Hürtgen oder jener von Oliver Kahn beim FC Bayern?

Die drei Hefte, an denen ich partizipieren durfte, hatten allesamt ihre eigenen Highlights. Bei der Produktion der April-Ausgabe wurde für den Fotoroman nicht nur das Traumschiff zerdeppert ("Zerdeppert", einfach herrlich, stimmt's Leute? Danke an Paula Irmschler!), sondern auch die halbe Redaktion von Corona und anderen Viren. Beim Mai-Heft bleibt mir vorrangig die mit allerhand Satire-Prominenz gespickte Gerhard-Haderer-Ausstellungseröffnung im Caricatura Museum in Erinnerung: Seit wann werden Butterbrezen nicht mehr aufgeschnitten und beschmiert, sondern mithilfe von sechs "Einschusslöchern" mit dem cremig-flutschigen Gold befüllt? Ich nehme an, dass dies auch die Frage war, die Laura Brinkmann und Sebastian Maschuw im intensiven Gespräch an Museumsboss Achim Frenz gerichtet haben. Bis heute blieb er uns eine Antwort schuldig. Nichts schuldig geblieben ist indes die Mannschaft des FSV Frankfurt, die mir mit dem Sieg im Halbfinale die Mitarbeit am Juni-Heft versüßt hat (siehe oben).

Erwartungsgemäß wurde es in den Räumen des wichtigsten und endgültigsten Satiremagazins (nicht nur) der sogenannten D-A-CH-Region tierisch lustig: Ein von Tom Hintner fortlaufend als "Iltis" bezeichneter Marder nistete sich im Flachdach ein. Allzu gemütlich wurde es für das "hundeartige Raubtier" (Quelle: Wikipedia) allerdings nicht, da Chefredakteurin Mateus regelmäßig zum Besenstiel griff, um mit rhythmischen Klopflauten eine furchterregende Geräuschkulisse zu schaffen. Dies diente der Aufrechterhaltung ihres Schreckensregimes und der Ängstigung der Redaktion. Doch auch den Marder behielt sie so im Griff.

Schließen möchte ich mit gelebter Solidarität: Als ich eines Morgens gegen 12:00 Uhr als Erster die "heiligen Hallen" betrat, schockierte mich ein lautes Brummen, welches ich dem maroden Stromnetz zuordnete. Im Gespräch mit den nach mir ankommenden Benedict Reinhard und Martina Werner äußerte ich die Angst vorm Kabelbrand. Die mit allen Wassern gewaschene und in sich ruhende Layout-Legende Werner machte schnell meinen Rucksack als Quelle des Brummens ausfindig. Klar, mein Rasierer hatte sich irgendwie von allein angeschaltet. Sie sehen: Selbst bei TITANIC passiert hie und da etwas vollkommen Unlustiges. Allerdings, gottlob, nur äußerst selten!

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Inside TITANIC (41)

Intime Einblicke in das Innere der TITANIC-Redaktion und ihrer Mitglieder. Heute: Power-Trainee Jeja Klein über Hinterlassenschaften alter Generationen.

Ich hätte nie gedacht, dass ich jemals den Kühlschrank meines Vaters aus der Zeit wiedersehe, als meine Eltern sich gerade frisch getrennt hatten. Doch da stand er nun, im ersten großen Raum der TITANIC-Redaktion mit ihrem zeitschriftenbestreuten Konferenztisch. Im Wesentlichen waren hier sowohl in der Tür als auch in den Fächern diverse Flaschen Bier gelagert. Dazwischen standen angebrochene Packungen Milch herum. Wie kam der Kühlschrank hierher? Konnte es wirklich original dieser Kühlschrank meines Vaters aus der Vergangenheit sein? Oder gab es vielmehr etwas anderes, eine darüber schwebende Ordnungskategorie etwa, die meinen Vater mit den festen Mitarbeiter*innen des Büros in Frankfurt-Bockenheim verband? Kauzigkeit? Wahnsinn? Das sprichwörtliche Genie, das das Chaos ganz einfach souverän überblickt, nachdem die Alte nicht mehr aufräumte und putzte? Oder: Gibt es vielleicht irgendwo unter den Redaktionsräumlichkeiten eine hinter einer Falltür verborgene Man Cave, die sich Moritz Hürtgen, Tim Wolff und Leo Fischer bis zum heutigen Tage fürs Werkbanken teilen und in die ein nach wie vor in der Redaktion sitzendes U-Boot regelmäßig die in den diskreten Umschlag des Lesezirkels gehüllte "Praline" ("Ach, das ist nur unser 'Stern'-Abo") weiterreicht?

Apropos: Viel war in diesen Tagen über die neue Chefredakteurin (Frau!) des Satire-Magazins geschrieben worden. Eine Radioreporterin wollte schon bald auch von mir drängende Fragen nach einer mit Julia Mateus womöglich neu eingezogenen, weiblichen Note ins Mikro erläutert kriegen. Nun – Ich habe die TITANIC-Redaktion bloß als Praktikant*in kennengelernt und kann den Vergleich zu alten Zeiten unter irgendwelchen Alpha-Affen nicht ziehen, die ich junges Gemüse nur aus Geschichtsbüchern kenne. Aber wenn ich eines weiß, dann, dass ein dezidiert weiblicher Führungsstil diesen Kühlschrank, diese Katastrophe, nie und nimmer zugelassen hätte. Vielleicht ist Julia Mateus also so eine Art Donald Trump zu Zeiten seiner Präsidentschaft: Formal an der Spitze, aber noch von Subjekten des alten Establishments daran gehindert, ihre heilsbringende Agenda wirklich zur vollen Blüte zu treiben. In dem Falle wäre es also an der Zeit, auf eine gute alte Tradition politischer Bewegungen zurückzugreifen: Auf die Sammlung von Geld zum Kauf von Schnellfeuergewehren und Granaten, um die Revolution gegen den von der Reaktion geplanten Gegenschlag zu unterstützen.  

Überweisungen zu diesem Zwecke nehme ich gerne treuhändisch entgegen:  

Jeja Klein DE39 5001 0517 8461 6756 68 

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Inside TITANIC (40)

Intime Einblicke in das Innere der TITANIC-Redaktion und ihrer Mitglieder. Heute: Praktikant Martin Weidauer über die Vorfreude auf das höchste christliche Fest.    

Der Arbeitsaufenthalt in "Mainhattan" beginnt mit einem Schock: Ich werde beim Joggen nicht zurückgegrüßt! Bei frühlingshaften Temperaturen friere ich ob der sozialen Kälte der Bankenmetropole, die man Mainhattan nennt, weil "wir scho imma de Main hattan" (hessischer Volksmund). Schon am zweiten Tag bekomme ich auf einer als "Midissage" bezeichneten Kulturveranstaltung Pit Knorr und Bernd Eilert vorgestellt. Nach wie vor grübele ich, ob die Satire-Legenden mir nur ironisch die Hand gegeben haben. Ich kann an dieser Stelle festhalten: Ich habe alles, was ich gesagt habe ("Hallo"), ernst gemeint. Liebe Grüße!    

Leicht benebelt schleiche ich am nächsten "Morgen" in die Teeküche, wo ich mit einer jähen Bewegung einen kleinen braunen Teller vom Regal wische. Als dieser den Boden berührt und dabei in drei Einzelteile zerschellt, packt mich das schlechte Gewissen. Reumütig melde ich den Vorfall meinen Vorgesetzten im großen Redaktionsraum, welche die Chance beim Schopfe packen und mich unter wieherndem Gelächter als "schlechtesten Prakti aller Zeiten" bezeichnen. Nur um direkt ein "nee, nicht so schlimm, schmeiß weg, das Ding" nachzuschieben. Selig drehe ich ab, als Tom Hintner (er nennt mich "Manni") doch mal draufschauen will. Was dann kommt, überrascht mich: Er ist am Boden zerstört, genau wie der Teller, haha! Diesen habe er während des Studiums gekauft, die Worte "nicht zu ersetzen" fallen. Gott sei Dank diskutieren die Kolleg*innen in den folgenden Tagen über kulturelle Aneignung. So komme ich auf die Idee, das seltene Geschirr mithilfe eines Einkaufs bei McPaper und der japanischen Porzellan-Reparaturtechnik Kintsugi zu retten.    

Die Stimmung in der Redaktion mäandert zwischen Himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt. Erstere Gemütslage gründet auf dem baldigen Osterfest, letztere (immer noch) auf dem Rebranding von "WuBaMi" ("Wurst-Backwaren-Milch") zu "StShEa" ("Stop Shop Eat"). Zwischendrin ergibt sich die einzigartige Möglichkeit, Profis bei der Arbeit zu beobachten: Sie sitzen mit Noise-Cancelling-Kopfhörern am Computer und schreiben. Das mag banal klingen! Wenn in den seltenen Pausen gesprochen wird, dann Klartext: "Henning Baum ist ein Fleischpenis als Mensch!" (Paula Irmschler) Es wird über eine "LOL"-Staffel mit Volker Pispers ("Er fehlt!") diskutiert und hinter vorgehaltener Hand die Sexyness von Mützenträger Torsten Sträter akzentuiert, Tenor: "You can leave your hat on!" Apropos angesext: Eine solche Stimmung kann man nicht erzwingen, wie es der Oben-Ohne-Titel von Kurt Krömers neuem Buch versucht. Richtig heiß wird es hier erst, als ein Bild von Elias Hauck im rotgestreiften Jacket die Runde macht.    

Als ich T. Hintner den kunstvoll restaurierten Teller (s. Bild) gebe, leuchten die Augen des Redaktionsältesten: "Sieht super aus! Den nehme ich mit nach Hause und hänge ihn auf. Wobei, nee, ich lasse ihn hier, da sehe ich ihn öfter." Cultural Appropriation macht glücklich! Wobei es auch hierzulande tolle Traditionen gibt. Die ganze "Redi" (Mediensprech für "Redaktion") gibt sich der Karwoche hin. Die schönsten Zitate im Gedächtnisprotokoll:    

"Mag jemand ein buntes Ei?" – Martina Werner  

"Ich habe noch ein Ei im Rucksack." – Paula Irmschler  

"Die Aktions-Häschen müssten bitte mal zu mir kommen!" – erneut M. Werner  

"Ich liebe Eier. Eier sind mein Leben!" – erneut P. Irmschler  

"Frohe Ostern sagt man erst ab Sonntag!" – verschiedene bibelfeste Personen    

Erstaunlich wenig Zeit bleibt in der Heftschlusswoche für das Feiern der Geburt Jesu. Statt Osternester sucht man Pointen. "Atheismus macht Atheismus-Sachen", murmele ich vor mich hin. Der tatsächliche Redaktionsschluss gleicht indes einem Gottesdienst wie ein Huhn dem anderen: Essen, Bier und Wein, Texte lesen, singen. Und, ja, auch Schmunzeln ist erlaubt.    

Für eine ausführliche Rezension von "Die Passion" auf RTL aus Sicht eines katholischen Autors fehlt an dieser Stelle leider der Platz. Zumal das 35000-Zeichen-Manuskript mit dem Titel "Meine Kirche ist nicht Euer Trash-TV!" von der Online-Redaktion abgelehnt wird. In eigener Sache: Der Text erschien soeben auf kath.ch!  

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Lasst Benedikt XVI. in Frieden!

Ein Zwischenruf von TITANIC-Chefredakteur Moritz Hürtgen

Liebe Leserinnen und Leser,

es ist der Tropfen, der das Weihwasserbecken zum Überlaufen bringt: Ein perfider Angriff auf unseren Papst Benedikt XVI. – und das mitten in der besinnlichen Zeit, keine vier Wochen nach Weihnachten. Ein weltliches Gutachten will unseren himmlischen Papst beschmutzen, und weil man ihm keine aktuellen Vergehen nachweisen kann, werden Vorgänge aus dem letzten Jahrtausend bemüht.

Der größte Skandal aber ist: Papst Benedikt wird verantwortlich gemacht für die Taten des ehemaligen Münchner Erzbischofs Joseph Ratzinger. Ob Benedikt diesen Mann überhaupt gekannt hat, klären die Verfasser des unheiligen Gutachtens freilich nicht. Ein Messdiener, wer dabei Böses denkt!

Papst Benedikt XVI. wird in wenigen Tagen, am 16. April, 95 Jahre alt. Wer auch immer hinter dieser Attacke steckt – sei es Frau Kurschus, der Russe oder einer von Franziskus‘ Häschern –, sollte sich was schämen. Erst vor kurzem hat Georg Gänswein, Benedikts schöner Fitness-Coach, gesagt, unser Papst bereite sich bewusst auf seinen Tod vor. Wir sollten ihn dabei nicht stören und uns auf seine Seligsprechung freuen.

Ich segne Sie!

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Inside TITANIC (39)

Intime Einblicke in das Innere der TITANIC-Redaktion und ihrer Mitglieder. Heute: Edelpraktikantin Laura Brinkmann über den Tag, an dem das Internet ausfiel.

Man hört verzweifelte Schreie, es fließen Tränen und Fäuste schlagen Löcher in die Wände – doch die normalen Bürotätigkeiten der Redakteure und Redakteurinnen werden plötzlich durch die Nachricht unterbrochen, dass das Internet schon wieder ausgefallen sei. Ein kurzer Blick ins Internet (mit den mobilen Daten natürlich, Kontinuität ist wichtig) verrät, dass wir mit dem Elend wenigstens nicht allein sind ... Mindestens sechs Verteilerknotenpunkterouter in der Umgebung sind Bibern, Linkschaoten oder Armin Laschet, der wollte, dass die Menschen auf Twitter endlich nicht mehr so gemein sind, zum Opfer gefallen. RIP World Wide Web.

Paula Irmschler ist sofort Feuer und Flamme, endlich mal wieder Zeit mit der "zweiten Familie" (Zeitmagazin zur Work-Life-Balance) zu verbringen, und zwingt alle dazu, ein Zeltlager unter dem Redaktionstisch aufzubauen. Gelangweilt und schweigend machen wir uns ans Werk, die Stille nur durchbrochen von den immer gleichen drei Tönen von Leo Riegels Ukulele. Da er die Akkorde aber nicht googlen kann, bleibt uns wenigstens "Wonderwall" erspart. Am heftigsten reagiert jedoch Chefredakteur Moritz Hürtgen, der sich in seinem Büro verschanzt hat, da er eine Meuterei wegen des Internetausfalls fürchtet. Da hilft auch kein gutes Zureden, er hat die Türen mit allen jemals erschienenen Kohltiteln blockiert. Später wird er jedoch fragen, ob jemand so nett sein kann, ihm eine Pizza unter der Tür durchzuschieben. Leider ist auch Lieferando nicht erreichbar.

Im Gegensatz zu den ganzen Millenials trifft mich der plötzliche Ausfall des Internets nicht so, da ich eh ein gutes, altes und analoges Buch lesen muss. Leider handelt es sich um eines von Maxim Biller, dessen ganze Anspielungen und Fremdwörter ich nicht verstehe. Nachdem ich auf der Suche nach einem Wörterbuch nur den "Duden Neue Deutsche Rechtschreibung 1918" und "Das große Fußballwitzebuch" gefunden habe, gebe ich auf, und begnüge mich damit, mich Maxim Biller unterlegen zu fühlen. Mittlerweile dämmert es. Einzelne Redakteurinnen und Redakteure überlegen, in der Redaktion zu schlafen, weil sie Sorge haben, sich daheim so ganz ohne Internet zu langweilen. Nur Torsten Gaitzsch freut sich auf den Feierabend, weil "mein Thermomix auch ohne WLAN funktioniert".

Die in der Redaktion übernachtenden Kolleginnen und Kollegen wachen gegen drei Uhr morgens verängstigt auf, da sie seltsame Geräusche vom Dach hören. Aus Angst, dass es sich dabei um Gespenster, Leserbriefschreiber oder ehemalige Chefredakteure handelt, machen sie kein Auge mehr zu, noch befeuert von Tom Hintners Gruselgeschichten, der erzählt, er habe mal einen Vampir "in echt" gesehen. Später wird sich herausstellen, dass Hintner nur mal Friedrich Merz vor dem Römer getroffen hat und dass die Geräusche von Hürtgen stammen, der endlich geschafft hat, sein Büro über das Dachfenster zu verlassen. Am nächsten Tag traut er sich erst wieder ins Büro, nachdem ihm Vodafone schriftlich versichert hat, dass das Internet wieder funktioniert. Das war mein schönstes Ferienerlebnis.

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Dax Werners Debattenrückspiegel KW 29

Liebe Leser_innen,

wenn ihr diese Zeilen lest, kann ich fast sicher sein: Ihr steht genauso auf nächtliche Knast-Dokus wie ich. Männlich verzerrte E-Gitarren-Klänge aus einer anderen Ära der Musikindustrie, alle 30 Sekunden ein neuer negativer Superlativ ("härteste", "gefährlichste", "brutalste Gang zwischen Arizona und Wisconsin"), das alles mit leichter Hand an einem Nachmittag in einem Synchronstudio vertont. Schauermärchen über angeblich besonders brutale Jungs, die sich unter einem überschaubaren Regelwerk zusammengefunden haben und aus ihren 4-Quadratmeter-Zellen den Drogen- und Waffenhandel der USA steuern. Der mächtigste Staat im Staat also. Das Ding ist: Was dort erzählt wird, stimmt nicht.

Denn die zahlenmäßig stärkste und zugleich politisch einflussreichste Gang der Welt sind ja wohl: deutsche Ehrenämtler_innen. Sie zählen irgendetwas zwischen 17 und 18 Millionen und üben so viel Einfluss aus, dass niemand, der es in der Politik zu etwas bringen will, an ihnen vorbeikommt. In jeder zweiten Rede wird "ihnen" gedankt und mehr oder weniger offen zugegeben, dass ohne "das Ehrenamt" in Deutschland nichts läuft. Mag ja alles sein, aber besonders demokratisch klingt das nicht! Neulich rief ein Mann im Lokalradio an und hatte eine eine wichtige Sache auf dem Herzen: Er warb dafür, den Arbeitgebern zu danken, dass diese den vielen Menschen, die sich ehrenamtlich in den Hochwasser-Regionen engagieren, freigeben. Das war die neueste Evolutionsstufe des Ehrenamt-Memes, so etwas hatte ich noch nie gehört!

Ein anderer ehrenamtlicher Sanitäter mit 50K Followern auf Instagram veröffentlichte vor einer Woche ein Video, das ihn auf dem Fahresitz eines Rettungswagens zeigt. Im Hintergrund läuft ein emotionaler Instrumental-Hip-Hop-Beat, er schlägt erst zweimal verzweifelt mit den Händen aufs Lenkrad, fährt sich dann mit den Händen erst durch die Haare und dann durchs Gesicht. Caption: "Wenn du realisierst, dass du nicht jeden retten kannst ..." Ein unfassbar aufgeladenes und kaum überinszeniertes piece, dachte ich.

Und eines, das so nur in der manchmal verrückten Welt des Ehrenamts entstehen kann.

Liebe Grüße und danke <3 an alle Ehrenämtler_innen in Deutschland:

Dax Werner

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Aktuelle Startcartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Bonjour, Marine Le Pen!

Bonjour, Marine Le Pen!

Das Potsdamer Treffen der AfD mit anderen extremen Rechten war selbst Ihnen zu heftig: Sie seien nie für eine »Remigration« in dem Sinne gewesen, dass Französinnen und Franzosen ihre Nationalität entzogen würde, selbst wenn die Einbürgerung unter fragwürdigen Bedingungen geschehen sei, meinten Sie und fügten hinzu: »Ich denke also, dass wir, wenn es denn so ist, eine krasse Meinungsverschiedenheit mit der AfD haben.«

Keine Ahnung, Le Pen, ob Sie mit dieser Haltung eine Chance aufs französische Präsidentenamt haben. Ministerpräsidentin von Thüringen würden Sie mit diesem Weichei-Schlingerkurs aber ganz sicher nicht!

Schon ein bisschen enttäuscht: Titanic

 Einfach mal kreativ sein, Rishi Sunak!

Der BBC sagten Sie: »Ich bin nicht sicher, ob sich die Leute so sehr für meine Ernährung interessieren, aber ich versuche, zu Beginn jeder Woche etwas zu fasten.« Wir glauben, dass Ihre Unsicherheit berechtigt ist: An Ihren Beliebtheitswerten kann man ablesen, dass sich das Interesse an Ihren Gewohnheiten in Grenzen hält.

Das ließe sich aber leicht ändern: Bei den ganzen verschiedenen Varianten wie TV-, Auto- und Plastikfasten gäbe es bestimmt auch für Sie etwas, durch das Sie die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit »eight days a week« auf sich zögen. Wie wäre es z. B. mit Abschiebungsfasten, Verbrennerverbotverzögerungsfasten oder Zweiteamtszeitfasten?

Nur dass Sie gerade beim Thema »Neuwahlen« dem Verzicht huldigen, sollten Sie nach Ansicht der Mehrheit Ihrer Landsleute schleunigst ändern. Zwischendurch kann man sich doch auch ruhig mal was gönnen, oder?

Mampft Ihre Scones mit Clotted Cream und reichlich Marmelade gleich mit: Titanic

 Dir, Tod,

gefiel es im Jahr 2010, im Abstand von einem Tag Bärbel Bohley (11. September) und Claude Chabrol (12. September) abzuberufen, worauf wir damals in unserer Online-Rubrik »Fakt vs. Frage« scharfsinnig spekulierten, als Nächstes treffe es nun wohl Dieter Dehm, Erhard Eppler und Frank Farian. Knapp daneben! Denn Frank Farian holtest Du erst dieses Jahr, am 23. Januar – nicht ohne vorher noch die Büchnerpreisträgerin Elke Erb (22. Januar) abzuräumen.

Und langsam durchschauen wir Dich, Gevatter: A darf leben, B und C müssen sterben; D darf leben, E und F müssen sterben …

Um es kurz zu machen: Gundula Gause ist, trotz ihres boulevardmedial großflächig breitgetretenen Schwächeanfalls vom Dezember (Bild: »total unnötig«, »hätte mich krankmelden sollen«), fürs Erste fein raus, während Heimatsänger Hansi Hinterseer und Malertochter Ida Immendorff sich lieber schon mal das letzte Hemd anziehen sollten. Stimmt’s?

Gruselt sich vor der Antwort: Titanic

 Na, na, na, welt.de!

»Warum ›Barbie‹ klüger ist als alle anderen nominierten Filme zusammen«, titeltest Du in Deinem Feuilleton bezüglich der diesjährigen Oscar-Kandidaten. Allein: Wir haben noch mal den Taschenrechner gezückt, und wenn man auch die Dokumentar-, Kurz- und Dokumentarkurzfilme berücksichtigt, sind alle anderen nominierten Filme zusammen exakt 1,76 Klugheitspunkte klüger als »Barbie«.

Welches Medium dümmer ist als alle anderen Medien zusammen, braucht hingegen nicht nachzurechnen: Titanic

 Moin, Hamburger Craft-Brauerei ÜberQuell!

Dein Firmenname zeugt ja bereits von überschäumender Wortspiellust, aber so richtig freidrehend auf die Kacke haust Du erst bei den Bezeichnungen Deiner einzelnen Biersorten: Die heißen nämlich zum Beispiel »Supadupa IPA«, »Palim Palim Pale Ale«, »Pille Palle Alkoholfreies Ale« oder sogar »Franzbrewtchen Imperial Pastry Brown Ale«. Auweia!

Gerade bei Letzterem, das außerhalb Hamburgs von vielen gar nicht zu entschlüsseln sein dürfte, mussten wir, obschon viel gewohnt, dann doch schlucken, weil uns allein der Name innerhalb von Sekunden pappsatt und sturzbetrunken machte. Er erschien uns einfach zu brewtal, fast schon brauenhaft! Auf Dein Bier haben wir dann lieber verzichtet.

Aus der Ausnüchterungszelle grüßt trotzdem: Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Lauf, Junge!

Die Ordner bei einem Fußballspiel würden sich wesentlich mehr Mühe geben, wenn sie bei der Jagd nach dem Flitzer auch nackt sein müssten.

Rick Nikolaizig

 Und das Brot erst!

Einen Krankenwagen rufen, ohne sich in Schulden zu stürzen, mehr Urlaubs- als Arbeitstage, Bier zum Frühstück: Deutschland ist toll. Mit solchen Takes können US-amerikanische Influencerinnen hierzulande natürlich punkten. Aber betreiben sie damit nicht einfach nur billiges Kraut-Pleasing?

Alexander Grupe

 Nach Explosion in der Molkerei

Alles in Butter.

Loreen Bauer

 Pandemisches Passionsspiel

Die Erfahrungen aus der Coronazeit wirken teils immer noch nach. So fragt man sich heute bei der Ostergeschichte: Hat Pontius Pilatus, als er seine Hände in Unschuld wusch, dabei zweimal »Happy Birthday« gesungen?

Jürgen Miedl

 Authentisch

Jedes Mal, wenn mir ein bekennender Feinschmecker erklären will, wie aufwendig ein echt italienisches Risotto zubereitet gehört, habe ich das Gefühl, es würde stundenlang um den heißen Brei herumgeredet!

Mark-Stefan Tietze

Vermischtes

Erweitern

Das schreiben die anderen

Titanic unterwegs
03.03.2024 Stuttgart, Merlin Ella Carina Werner
05.03.2024 Frankfurt am Main, Club Voltaire »TITANIC-Peak-Preview«
06.03.2024 Nürnberg, Bernsteinzimmer Thomas Gsella
06.03.2024 Köln, Volksbühne Martin Sonneborn