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Pop is dead

Mark Fisher erkannte schon, dass Popkultur sich nahezu ausschließlich noch im Retromodus am Leben erhält. Heute lässt sich dem nur wenig entgegensetzen. Längst langweilen die 80er-Jahre mehr als die Gegenwart. Im linearen Fernsehen, aber auch im Auftrag der gängigen Streamingportale werden fleißig alte Trashformate recycelt, in der Hoffnung, irgendjemand könnte ihnen inzwischen Kultcharakter zuschreiben, und auch die Mode wühlt zuverlässig in den Kleiderkammern der Elterngeneration, die ihrerseits schon jede Menge Recyceltes bereithielt. Der Unterschied: Heute scheint es keine Alternative mehr zu geben. Irgendwo zwischen Krisen und den je neuesten Sperenzchen des Kapitals ist der Blick nach vorne getrübt worden. Alles wartet auf einen neuen großen Wurf, also klammert man sich umso fester an alte Würfe und Entwürfe. Demnächst deshalb auch nur folgerichtig im Kino: "Air – der große Wurf". Der Film mit Matt Damon und Ben Affleck "erzählt die unglaubliche Geschichte der richtungsweisenden Partnerschaft zwischen dem damaligen Newcomer Michael Jordan und der aufstrebenden Basketball-Division von Nike, die mit der Marke 'Air Jordan' nicht nur die Welt des Sports, sondern auch die zeitgenössische Kultur revolutioniert hat" (kino-zeit.de). Noch das klassische Angebot des Pops, die Affirmation der Gegenwart, gestaltet sich heute schwierig, muss also über Bande geschehen. Der Retrokitsch soll bieten, was die Gegenwart nicht mehr bereithält: eine Zukunft, zumindest eine glanzvolle. Zur Not wird dafür selbst aus der Marketingabteilung eines Turnschuhfabrikanten noch eine rührselige Erfolgsstory gequetscht. Dank Color Grading und dem Stich ins längst Vergangene geht es noch einmal zurück in eine andere Zeit. Noch einmal wird Michael Jordan zu einer Ikone, wie sie die Werbung heute überall verzweifelt sucht, und noch einmal freuen sich daran die Industrie sowie die Käufer ihrer Treter. Die tröstende Botschaft hinter all dem: Früher war es auch schon stumpf.

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Achtung, AGB

"Weil er dem Bahnpersonal keinen Lichtbildausweis vorzeigen wollte, geriet Ex-'Bild'-Chefredakteur Julian Reichelt auf einer Reise nach Berlin in Konflikt mit dem Gesetz. Die Bahnfahrt endete auf einer Wache der Bundespolizei" – ein Teaser zu einem Spiegel-Artikel und doch steckt darin bereits eine ganze Dramaturgie, ein Film, der aufrüttelt und berührt. Oscarreif. Wird es dem Helden gelingen, sich aus seiner misslichen Lage zu befreien? Da schon war das Gelächter auf Twitter schnell groß, doch Bahnrebell Reichelt schoss mit einem klarstellenden Thread nach, ein paar Worten "zu dieser Kolportage im Spiegel", um genau zu sein. Es gehe in seinen Ausführungen "um Freundschaft, Politik und einen Staatskonzern, der zu einer Erziehungsanstalt auf Rädern geworden ist." Zusammenfassung: Spiegel: doof, Deutsche Bahn: verbrecherisch, Deutschland: am Ende. Nichts allzu Neues eigentlich, aber in nur zwanzig (!) Tweets noch einmal kurz und knackig zusammengefasst und mit einer Prise Wahnsinn versehen vom Meister of Schattenkampf himself – ja, warum denn eigentlich auch nicht? Man hat die Zeit als Youtube-Anchorman ohnehin und kann sie auch einmal dafür nutzen, gegen die AGB der Bahn anzustinken. Auch das ist Freiheit und die Welt will unterhalten sein. Man kann, man sollte über die Reichelts dieser Welt lachen, darüber hinaus geben sie als Witz dankenswerterweise unfreiwillig auch noch Aufschluss über weit mehr als nur die Tücken eines Online-Tickets: Darüber, dass sich schlicht Illusionen macht, wer hinter den Kampagnen-Köpfen, die, stets noch mit Rückgriff auf die edelsten Motive, von einer Verbotskultur und Zwängen warnen, die die Deutschen piesacken und drücken, anderes vermutet als Mitglieder einer Klasse, unter denen bereits die Bitte um Vorzeigen eines Personalausweises als Freiheitsberaubung gilt.

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Die Mehrheit will das nicht hören

"Hört bitte auf mit dem Quatsch. Weil so gewinnen wir keine Mehrheiten." So lautete Tarek Al-Wazirs Ansage an die Aktivisten der Gruppe Letzte Generation und kürzer und prägnanter hätte man sie wohl kaum in Worte fassen können, die Spannungen zwischen grüner Partei und Klimaaktivismus. Tarek Al-Wazir, Grüner und hessischer Minister für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen und damit eben auch verantwortlich für Mehrheiten, nahm die Aktion an den Grundgesetztafeln, die unlängst von Aktivisten mit Farbe verziert wurden, zum Anlass, einmal konkret und pragmatisch zu werden. Weil so geht es ja nun auch nicht. Dummerweise werden die Grünen schließlich immer noch vage mit dem Thema Klimaschutz in Verbindung gebracht, und das auch nach den Wahlkampftagen, da bleiben renitente Aktionen wie diese auch immer irgendwie unschön an der Fassade der Partei kleben. Und so eine Assoziation ist nun mal wesentlich schwieriger wegzuwaschen als als die Farbe von einem Denkmal. Andere, etwa Konstantin Kuhle, FDP, so liest man dann, fordern die Aktivisten auf, selbst in die Politik zu gehen. Eben dorthin, wo man am Ende nicht einmal eine simple Solidaritätsbekundung mit ein paar Aktivisten zustandebringt, wenn man es denn zu etwas bringen will. Nach knapp einem Jahr Aktionismus der Letzten Generation bewegt man sich in der Debatte also irgendwo zwischen grünen Beschwichtigungen, lieb gemeint natürlich, und einer Opposition, die es ohne Terrorismusvorwürfe nicht mehr macht und die Aktionen zivilen Ungehorsams mit Schaum vorm Mund als Anschläge wertet. Das sind nicht die besten Aussichten für den Protest der Letzten Generation, falls er tatsächlich auf ein Einsehen gerade dieser Mehrheit spekulieren sollte. Für die Zurschaustellung dessen aber, dass die einem am Betrieb kleben wie die anderen an der Straße, hat sich der "Quatsch" auf jeden Fall gelohnt.

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Ein Hauch von Erlösung

Ein Großteil derer, die gerade interessiert mit ChatGPT und anderen KI-Anwendungen herumhantieren, ist alt genug, um sich daran erinnern zu können, mit welchem Optimismus vor wenigen Jahren das Internet willkommen geheißen wurde. An die Hoffnungen, die die Idee einer Gesellschaft weckte, in der das gesamte Wissen der Menschheit stets und für alle abrufbar sein würde. An Vorstellungen neuer Formen demokratischer Teilhabe, wenn nicht gar einer global vernetzten Multitude, die die alten Verhältnisse sprengen sollte. Und während man sich heute zwar weitestgehend sicher zu sein scheint, dass KI noch einmal für grundlegende technische Veränderungen in kurzer Zeit sorgen wird, macht man sich darüber hinaus gerade doch wenig Illusionen, was das Gesellschaftliche angeht. Zu tief sitzt offensichtlich die Erfahrung von Fake News, dem Netz als Propagandamaschinerie, als dass man allzu blauäugig in die Zukunft blicken wollte. Dennoch zeigt sich ChatGPT bereits als äußerst nützliches Tool für viele. Nutzer lassen sich Vorlagen oder Präsentationen erarbeiten und sparen Zeit und Mühe in Büros und Agenturen. Eine leise Ahnung der Erlösung von lästigen Arbeiten schwingt mit in den Gesprächen über die KI. Was unterm Kapitalverhältnis immer schon eine Drohung beinhaltet: Allerlei von Menschenhand ausgeführte Textarbeit wird künftig obsolet sein, das steht damit bereits fest. Beim Axel-Springer-Verlag kündigt Mathias Döpfner zeitgleich mit der Meldung zum großen Stellenabbau an, dass künstliche Intelligenz in Zukunft eine große Rolle im Journalismus spielen könnte. Ausgerechnet Elon Musk, immerhin selbst an der KI-Entwicklung beteiligt, macht sich derweil Sorgen und spricht bereits von einer „Regierungsbehörde“, die man benötige, um die KI-Entwicklung zu beaufsichtigen, die er für gefährlich halte. Wie stark beispielsweise ChatGPT jetzt schon in Zaum gehalten wird, zeigen Nutzer bei Reddit, die mit diversen Methoden die vorhandenen Restriktionen umgehen und so dafür sorgen, dass sich die KI weit weniger diplomatisch auf Fragen etwa zum Klimawandel oder zu ökonomischen Problemen äußert. Allein, wenige Worte kostet es, und die so entfesselte KI beginnt, einem nahezu begeistert klingend etwa Verschwörungstheorien über die Mondlandung zu erzählen. Eben wie ein echter Mensch.

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Butter vom Brot

Ob im Kulturbetrieb oder der politischen Kommunikation – der Grundton nahezu jeder Debatte ist inzwischen geprägt von Verlustangst. Dabei kann kein Argument zu konstruiert, keine Behauptung zu weit hergeholt oder gar zu albern sein. Sei es die schon beinahe klassische und immer wiederkehrende Angst um das Schnitzel auf dem Teller, das Auto vor der Tür oder die eigene geschlechtliche Identität. Die Angst, aus dem Diskurs gecancelt zu werden oder dem Winnetou der Kindheit Lebewohl sagen zu müssen. Just etwa macht Markus Söder nach seiner quasigrünen Phase eine Kehrtwende und poltert gegen die Ampel, gegen angeblich drohende Fleischverbote und Bevormundung und Bedrohungen aller Art. Ganz wie in alten Tagen könnte man meinen. Das alles ist aber längst nur noch oberflächlich gesehen skurril. Kongruenz ist ein überholtes Konzept in einer Gesellschaft der Fragmentierung und Vereinzelung. Wo es darum geht, sich jeden Tag neu zu erfinden und verwertbar zu sein, um nicht unter die Räder zu kommen, muss man flexibel sein. Nichts anderes predigen einem Abertausende Coaches und Experten in Podcasts und Ratgebern, die einem dabei helfen wollen, sich als das Einmannunternehmen zu begreifen, das man gefälligst zu sein hat. Und nichts anderes fördert die Neoliberalisierung aller Lebensbereiche. Die entsprechende politische Rhetorik dazu ist die der Besitzstandswahrung. Es geht um die Verwaltung und Nutzbarmachung von Abstiegsängsten. Unausgesprochen bleibt, dass niemand sich noch einmal Hoffnung dahingehend machen sollte, morgen besser dazustehen als heute. Vergessen ist jede Idee der Solidarität. Stattdessen stürzt man sich auf alles, was die eigene fragile Existenz bedroht. Man führt symbolische Kämpfe, weil längst nur noch symbolisch etwas zu gewinnen ist.

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Die Hoffnung bremst zuletzt

Regelmäßig wird es unter großem Getöse präsentiert: Das Auto der Zukunft. Das muss es inzwischen schon mindestens sein, wo eine Zukunft ohne Auto gar nicht erst denkbar ist, ja nicht einmal eine Mobilität mit weniger Auto. Selten wird einem das deutlicher vor Augen geführt, als bei der Betrachtung der neuesten Skizzen und Designstudien der Autobranche. Irgendwo zwischen Cyberpunk, feuchtem Gamer-Traum und Matchbox-Karre ist man in den Designetagen zwischenzeitlich angelangt. Und irgendwo zwischen Empörung und Lachen liegen jedes Mal die Reaktionen, gelangen die ersten Bilder der je neuesten SUVs oder City-Cars der Hersteller in den sozialen Netzwerken in Umlauf. Hinter auch geradezu lachhaft aggressiven Fronten und in Wagen mit Kanten ähnlich denen eines Tarnjets soll man künftig ins Büro und zum Drogeriemarkt gurken. Noch einmal soll mit Hau-Ruck eine neue Ära des Autos eingeleitet werden, an die doch keiner mehr ernsthaft glauben kann. Es muss eine in die Jahre gekommene und von der Zeit überholte Idee verkauft werden, die sich auch unter Enthusiasten schwerlich noch als fortschrittlich bezeichnen lassen dürfte. Fast könnte man Mitleid bekommen mit den Marketingabteilungen. Auf das E-Auto hat keiner Lust und dass es in ökologischer Hinsicht eine Mogelpackung ist, war obendrein schon immer klar. Oberster Hoffnungslieferant bleibt dennoch Elon Musk. Er verkauft mit seinen Teslas in erster Linie ein Substitut, das einen noch eine ganze Weile im Glauben weilen lässt, man könne auf ewig und alle Zeit über den Erdball rasen wie früher. Mit Feuereifer diskutiert man anderswo über E-Fuels und der Verkehrsminister möchte vor dem Verbrennerverbot 2035 zuerst noch einmal die Autobahnen pimpen lassen. Der Wohlstand hierzulande kommt aus der Autoindustrie und einen Plan B hat man nicht. Die Leute sollen nicht mehr fahren, aber dennoch kaufen. Alle Zeichen zeigen auf das Ende des Autos, wie es jetzt existiert und deshalb gibt man noch einmal Vollgas. Es ist die schiere Verzweiflung und so sieht es dann eben auch aus.

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Strack

Die Prämisse des vulgären Konservatismus im Jahr 2023 lautet grob verkürzt: Links ist das neue rechts, rechts das neue links. Man geriert sich als widerständig und rebellisch gegen einen vermeintlich linken Mainstream, während man sich Seit an Seit mit den Mächtigen dieser Welt dafür einsetzt, dass doch bitte alles so bleibt, wie es ist oder zumindest angeblich einmal war. Und während man alles links neben sich als humorlos schilt, meint man, selbst den wahren Humor gepachtet zu haben, den man gegen berserkernde Moralisten und hinterhältige Cancel-Versuche verteidigen muss. Dass dieses Selbstbild der Realität nicht standhält, fand wunderbar Ausdruck in dem, was folgte, nachdem Marie-Agnes Strack-Zimmermann eine unterm Strich ganz und gar gewöhnliche Karnevalsrede über Friedrich Merz gehalten hatte. Die CDU forderte eine Entschuldigung, nicht nur Julia Klöckner klagte über einen niveaulosen Auftritt. Ebenso echauffierte sich Ulf Poschardt, Welt, der sich auf Twitter stellvertretend für Strack-Zimmermann sogar Sorgen um das Ansehen der FDP und ihre Wahlergebnisse machte. Glücklicherweise gebe es Dave Chappelle, Kevin Hart und Bill Burr, verkündete er wenig später in einem Tweet, offensichtlich als Ausweis dafür, sonst sehr wohl auch einmal lachen zu können, nur in diesem Fall ging es ihm anscheinend ausnahmsweise zu weit. Mehrheitlich konservative und liberale "Snowflakes" waren es also, die sich noch Tage nach der Rede leidenschaftlich darüber aufregen konnten, dass Strack-Zimmermann Merz in Versform etwa zum Vorwurf gemacht hatte, von kleinen Paschas zu reden und gegen Flüchtlinge zu wettern. Und gerade weil sich dagegen inhaltlich nun mal so wenig sagen lässt, wurde zum großen Angriff geblasen und in der Luft gefuchtelt, gerade von denen, die Lisa Eckhart und Co. sonst nur zu gern als letzte Hüter des Witzes beispringen. Schon ganz lustig.

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Aktuelle Startcartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Grüß Gott, Jan-Christian Dreesen!

Als Vorstandsvorsitzender vom FC Bayern München fanden Sie nach dem Ausscheiden aus der Champions League gegen Real Madrid die richtigen Worte: »Das ist das, was die FC-Bayern-Familie auszeichnet – dass wir nach so bitteren Niederlagen stärker als zuvor zurückkommen. Das ist das, was wir als unseren Mia-san-mia-Reflex bezeichnen.«

Wir sind, Dreesen, medizinisch und anatomisch nicht so firm. Aber dieser »Mia-san-mia-Reflex« – ist das jener, der 2017 dafür sorgte, dass Sie sich bei einem Jagdunfall den eigenen Zeigefinger weggeballert haben? Klick-peng!

Mia san neugierig: Titanic

 Hä, Ärzteverbände und Pflegekräfte?

Angesichts der schlechten Versorgungslage habt Ihr bei einer Protestkundgebung auf Euren Plakaten unter anderem »Weitsicht statt Kurzsicht« gefordert. Wir sind zwar nicht vom Fach, aber ist es nicht so, dass in der Augenheilkunde weder Myopie noch Hyperopie als erstrebenswert gelten?

Sieht schon doppelt:

Eure Titanic

 Grüezi, Berner Kantonalbank!

Du verfügst über eine Bilanzsumme von 39,9 Milliarden Franken und investierst einen Teil davon in eine Werbeagentur, die sich für Dich Ein-Wort-Slogans wie »Wohlatility« oder »Globewürdigkeit« ausdenkt.

Dabei handelt es sich wohl um den Versuch, den Jargon der internationalen Finanzwelt mit positiv besetzten und vertrauenerweckenden Begriffen zu verknüpfen. Aber warum hier aufhören? Es warten doch noch so viele mögliche Wortspiele! Wie wäre es zum Beispiel mit »Kumpeliance«, »Nett worth« oder »Boniständigkeit«?

Rechnung ist unterwegs von Deiner Titanic

 Reih Dich ein, Kollegin Yasmin Fahimi!

Reih Dich ein, Kollegin Yasmin Fahimi!

Als Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes hast Du zum Tag der Arbeit naturgemäß bessere Bedingungen für Beschäftigte gefordert und die Tarifflucht vieler Arbeitgeber/innen missbilligt.

Dass Du bei der zentralen DGB-Kundgebung in Hannover die historische Bedeutung der Gewerkschaften nicht gerade kleinreden würdest, war uns klar. Dass Du jedoch richtig pathetischen Unfug zum Besten gabst, indem Du zum Beispiel sagtest: »Tarifverträge machen Beschäftigte zu freien Menschen in der Arbeitswelt« – das verblüfft uns dann doch ein wenig.

Selbstverständlich sind Tarifverträge besser als keine Tarifverträge, aber machen sie frei? Sind es nicht eher Massenentlassungen und betriebsbedingte Kündigungen, die unfreie Beschäftigte in der Arbeitswelt zu freien Menschen machen? Und wäre es nicht Deine Pflicht als Gewerkschaftsvorsitzende, diese Freiheit durch Arbeitskämpfe und Tarifverträge so lange zu beschneiden, bis die Revolution die Werktätigen tatsächlich befreit?

Es lebe in der Zwischenzeit natürlich dennoch die Arbeitereinheitsfront, singt Dir Titanic

 Verstörend, Tschetschenien!

Dein Kultusministerium hat Musik unter 80 und über 116 Beats pro Minute verboten. So soll Deine traditionelle Musikkultur bewahrt werden. Diese Maßnahme hätten wir gerade von Dir autoritär geführter und unter Putins Fuchtel stehender russischer Teilrepublik am allerwenigsten erwartet. Dass Du Deine Musiker/innen dazu zwingst, kompositorisch ihrem Kulturkreis treu zu bleiben, ist schließlich nichts anderes, als kulturelle Aneignung unter Strafe zu stellen. Da haben wir jahrelang dagegen andiskutiert und sie als rechtes Hirngespinst abgetan, um jetzt feststellen zu müssen: Es gibt sie doch, die Woke-Diktatur!

Senden hoffentlich weder zu schnelle noch zu langsame Grüße:

Deine politischen Beobachter/innen von Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Grausiger Befund

Als Angstpatientin weiß ich den Smalltalk zu schätzen, den meine Zahnärztin vor der Behandlung mit mir führt, aber ihre beiläufige Bemerkung, dass sie True-Crime-Fan sei, während sie die Instrumente sortierte, war für unsere Vertrauensbasis eher kontraproduktiv.

Loreen Bauer

 Bräunungstagebuch 2017

Normalerweise kennt meine Haut nur drei Farbtöne: Glasnudel, Aschenbecher und Hummer. Zu meinem 37. wollte ich mal was Verrücktes machen und kaufte mir eine Flasche Bräunungscreme. Weil ich diese grandiose Idee im wärmsten August seit Beginn des Klimawandels hatte, kam ich von der Creme bald übel ins Schwitzen. Da saß ich nun auf der Couch, mit macchiatobraunem Leib und leuchtend gelbem Bart, triefend und hechelnd mit offenem Hemd, wie der sehr späte Jürgen Drews. Mein Verlangen nach Abenteuer war danach jedenfalls gestillt.

Dominik Wachsmann

 Sicher ist sicher

Geschäftemachen über das Portal Kleinanzeigen ist eine sehr geheime Sache. Natürlich mailt man nur mit Spezialadresse, unter Pseudonym, am besten ohne Anrede und Gruß, denn das lässt zu viele Rückschlüsse zu. Ich bin nun dazu übergegangen, für den Transport der Ware das Nummernschild des Autos zu überkleben, außerdem trage ich eine venezianische Halbmaske und einen schwarzen Umhang, den ich nach der Übergabe verbrenne.

Miriam Wurster

 Ehe-Aus

Die hohe Scheidungsrate zeigt doch, dass so gut wie jeder Mensch hassenswert ist, wenn man ihn nur lange und gut genug kennt.

Dorthe Landschulz

 Neuer Schüttelreim

Soeben in fünf Minuten erzwungener Wartezeit vor dem Limette-Minze-Mandarine-Aufguss die ausführliche Saunaordnung meines Stadtteilschwimmbades an der Wand studiert. In dem peniblen Regelwerk unter anderem erfahren, dass in den Räumlichkeiten neben Wäschewaschen und anzüglichen Bemerkungen auch Kratzen und »Schweißschaben« verboten sind, was immer das sein mag. Sofort Gedichtidee gehabt: »Wer denkt sich ein Wort aus wie Schweißschaben? / Das waren bestimmt diese« – na, ihr könnt es euch ja denken.

Mark-Stefan Tietze

Vermischtes

Erweitern

Das schreiben die anderen

Titanic unterwegs
18.06.2024 Düsseldorf, Goethe-Museum Hans Traxler: »Traxler zeichnet Goethe«
21.06.2024 Husum, Speicher Max Goldt
23.06.2024 Kiel, Schauspielhaus Max Goldt
18.08.2024 Aschaffenburg, Kunsthalle Jesuitenkirche Greser & Lenz: »Homo sapiens raus!«