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Die Kästen am Hauptbahnhof (2. Teil)

Was sie sagte, erstaunte mich. Tatsächlich hatte ich schon öfter Geräusche registriert, die nahelegten, ein kleines Insekt, das sich nach Belieben in einen Flüssigkeitstropfen verwandeln konnte, bewohne mein linkes Innenohr. „Sind Sie Ohrenärztin?“ fragte ich. Die Frau verneinte und sagte dann etwas, das ich wegen der Geräusche in meinem Ohr nicht verstehen konnte. Ich machte mir Gedanken darüber, ob sie wirklich in diesem Kasten wohnte, dessen Grundfläche ihr kaum gestattete, sich ausgestreckt hinzulegen. Es mußte ein geräumigerer unterirdischer Bereich vorhanden sein. Wie es sich unter solchen Umständen wohl lebte? In meinem linken Ohr zischte es. Über die Kleidung der Frau lief eine elektrische Welle, die ein pulsierendes, aber flüchtiges Art deco-Muster erzeugte. Offenbar wollte die Frau nicht, daß ich es sah, denn sie schloß schnell die Tür vor mir.
Ich ging weiter in Richtung der Gleise. Bis zum Hauptbahnhof war es noch weit. Überall im Land wuchs in zahllosen Holzkästen etwas heran, und niemand wußte, was es war. Die Menschen befürchteten, nachzusehen brächte Unglück. Deshalb wurden die Kästen ignoriert und ihre Erwähnung untersagt. Man durfte lediglich über die Schlafhütten reden, in denen sich große geierartige Vögel nebeneinander auf den Boden legten. Ein paar Nächte später stand ich dann wieder vor dem Kasten der ärmlich gekleideten Frau.


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Die Kästen am Hauptbahnhof (1. Teil)

Als ich in der Nacht wieder den Hauptbahnhof suchte, kam ich nach langem Irren durch Straßen, Treppenhäuser und unterirdische Gänge schließlich zu einem schlecht beleuchteten Platz, auf dem einige Holzkästen standen. Jeder von ihnen war etwa zwei Meter mal einen Meter fünfzig im Quadrat groß und wies lediglich eine Tür, doch kein Fenster auf. Es schien mir möglich, daß ich mich auf dem richtigen Weg befand, denn ein Gerücht besagte, in der Nähe des Hauptbahnhofs seien die überall im Land anzutreffenden Holzkästen (in welchen angeblich etwas Unbekanntes heranwuchs) größer sowie von anderer Bauart als üblich. Im Hintergrund glaubte ich außerdem, Gleise zu erkennen. Um mir Gewißheit zu verschaffen, klopfte ich an die Tür des nächsten Kastens. Sofort wurde geöffnet und eine ältere, ärmlich gekleidete Frau schaute heraus. Auf meine Frage antwortete sie mit rauher Stimme: „Es haben schon viele den Hauptbahnhof gesucht und dabei vergessen, was sie suchten.“
„Auf mich trifft das nicht zu“, entgegnete ich. „Ich glaube sogar, schon die Gleise zu sehen.“
„Das ist erst der äußerste Gleisbezirk. Bis zum Bahnhof selbst ist es noch weit.“
„Noch weit?“ rief ich erschrocken. „Mein Zug fährt in zehn Minuten!“
„Beruhigen Sie sich“, sagte die Frau. „Selbst, wenn Sie diesen Zug noch erreichen, wären Sie eines Nachts doch wieder hier. Ich glaube, in Ihrem linken Ohr ist etwas, das diese Störung verursacht. Sind Ihnen keine entsprechenden Geräusche aufgefallen?“

(Wird voraussichtlich fortgesetzt)

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Schönheit und Zauber des Mangels  

Kaltner konnte sich entsinnen, am Nachmittag vom Bahnhof mit dem Taxi zu den Eheleuten Errelier gekommen zu sein, um mit ihnen über Schönheit und Zauber des Mangels zu sprechen. Herr Errelier hatte ihm bestätigt: „Vom Bahnhof sind Sie gekommen, mit dem Taxi.“  Frau Errelier hatte gefragt: „Haben Sie etwas Besonderes mit dem Bahnhof gemalt?“  „Nein“, war Kaltners Antwort gewesen, „es ist ein Bahnhof, mit dem man nichts malt. Möchten Sie es einmal sehen?“  So waren sie auf das Thema „Darstellung des Nichts mit den Mitteln der Malerei“ gekommen. Das Licht, welches alles mit angehört hatte, versuchte daraufhin, das Nichts mit den Mitteln der Lichtbildnerei darzustellen. Ebenso gut hätte eine Migräneraura versuchen können, den Bahnhofsvorplatz zu beleuchten.  


 

 

 

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Halbdoppels Fungifabrikation (Teil 2)

Diverse Firmentiere führten den neuen Chef stundenlang herum, auf daß er ein Bild von allem gewänne. In der Fabrik wurden Pilze und Pilzkonserven hergestellt, natürlich auch Pilzsuppen in allen Sprachen. In der Forschungsabteilung arbeitete ein Spezialistenstab verbissen an Speisepilzen gegen Pilzvergiftung und Schlafstörungen sowie zur Erkenntnis der tatsächlichen Beschaffenheit der Welt.
Zu dieser Zeit häuften sich die Beschwerden über die Fabrik. Es hieß, der Betrieb verbreite bei der Herstellung seiner Produkte einen derartigen Gestank, daß es im ganzen Landkreis nicht auszuhalten sei. Alles Hornvieh und der Forellenbestand würden von solchem Geruch zersetzt. Im Freien arbeitenden Menschen werde jeder Appetit genommen, es sei ihnen unmöglich, ihr Essen draußen zu verzehren. In der Bevölkerung hielt sich das Gerücht, in der Fabrik würden Leichen verbrannt. Ein Rittergutsbesitzer schrieb gar an die Geschäftsleitung, "das ohnmachterregende und seinverwirrende Miasma" habe alle seine Hirsche hingerafft, und er selbst halte einen solchen Zustand überhaupt nicht für möglich.
Instinktiv spürte Halbdoppel, daß er sich darum kümmern mußte. Stündlich nahmen die Emissionen zu, in gleichem Maße verschärften sich die Proteste. Nun bemerkte man schon ein ungutes Vibrieren der Luft, in den Zeitungen stand nur Unfug, erste mysteriöse Todesfälle traten auf. Vom Landratsamt wurde eine Inspektorin geschickt, dann noch eine, oder war es dieselbe mit anderer Frisur oder anderem Pullover?
Bevor sich der von allen Seiten angegriffene Fabrikbesitzer der minderjährigen Tochter des Kesselmeisters widmen konnte, gab es einen lauten Knall. Dieser löste eine Explosion aus, und als häßliches Überbleibsel blieb nur der Fabrikschornstein stehen. Das war das Ende von Halbdoppels Fungifabrikation.


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Erstveröffentlichung der stark verbesserten neuen Version:

Halbdoppels Fungifabrikation (Teil 1)

Es waren Ahnentiere aufgetreten und hatten Friedrich Halbdoppel eine Pilzfabrik in der Südheide, nahe bei der Kreisstadt Abomch, übermacht. Zu der Erbschaft gehörten unüberschaubare Pilzkulturen ebenso wie ein herrschaftliches Landhaus mit Familie. Im Salon genehmigte sich der inzwischen knebelbärtige Industrielle eine Serie von Schnäpsen, die absichtlich nicht aus Pilzen gemacht waren. Gleichzeitig beschloß er, als nächstes die Fabrik in Augenschein zu nehmen. Ein Chauffeurtier brachte ihn zum Werksgelände."Sehen Sie jetzt bitte nicht hin", ließ sich das Chauffeurtier vernehmen, als das Firmenschild in Sicht kam. Obwohl durchgestrichen und mit der handschriftlichen Korrektur Halbdoppels Fungifabrikation versehen, prangte darauf immer noch gut lesbar der Schriftzug Telefunken. Halbdoppel befahl, unverzüglich eine eindeutige Beschriftung anzubringen.Durch den Eintritt in die Fabrik unterwarf er sich automatisch den Bestimmungen der Fabrikordnung. Am besten gefielen ihm die von Telefunken übernommenen Kesselarbeiterinnen, doch auch sein Chefbüro war nicht zu verachten. Über dem reichverzierten Thron hing ein großes Ölgemälde aus der Petersburger Ikonoborzenschule mit dem Titel Wie der Genosse Solouchin einmal einen Pilz nicht fangen konnte. Darauf war zu sehen, wie es dem Wald an den Kragen ging, indem die unrasierten Pilzjäger mit Hörnerschall, härenen Beuteln und Taschenflaschen das Unterholz niederstampften. Mit einer Kappe aus Rattenfell bekleidet saß Solouchin im Baumwipfel und brummte.

(Fortsetzung folgt)


 

 

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Beim Eintritt in den Laden wunderte sich Arguld. In krassem Unterschied zu früher enthielt der Raum jetzt lediglich einen Mann weit fortgeschrittenen Alters, der in einer Ecke auf dem Fußboden saß. Arguld grüßte und fragte nach dem Erfinder Richtig-Schäfer, da erkannte er erst, daß der Mann eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Erfinder hatte und dieser eventuell sogar war. „Um Himmelswillen, was ist denn hier geschehen?“ fragte er ihn verblüfft. Ohne aufzustehen, antwortete der Mann: „Ich habe das Erfinden aufgegeben und meine Werkstatteinrichtung verkauft. Alles, auch was ich mit großer Ausdauer auf der Tischplatte vor mir geschaffen hatte, ist hinausgetragen und auf der Ladefläche eines Lastwagens festgebunden worden, um an unbekannte Orte gebracht zu werden.“
„Ja, aber weshalb denn so plötzlich?“
„Ich bin ein völlig anderer Mensch geworden. Alles ist jetzt anders. Und bald werde ich fortgehen. Mit zwei hellhaarigen – übrigens volljährigen – Mädchen will ich draußen in der Welt mein Glück finden.“
Arguld sah den Mann ungläubig an. Der fuhr fort: „Eigentlich darf ich gar nicht darüber reden, aber gemeinsam werden wir den Raum und die Zeit durchmessen, wie es die Menschheit noch nicht gesehen hat. Die Mädchen – eins links, eins rechts – werden mich an den Händen halten, und so werden wir die unerhörtesten Leistungen erbringen. Ich sehe es schon, wie wir von Hochhaus zu Hochhaus springen, über breite Verkehrsstraßen und über Flüsse. Dank der Kraft, die durch mich hindurch strömt, ist es mir möglich, sämtliche Naturgesetze zu überschreiten.“
Das einzige, was Arguld dazu einfiel, war: „Wird so etwas nicht von der Natur bestraft?“
„Nicht, wenn man ummogenisiert ist“, erwiderte Richtig-Schäfer mit großem Ernst.

(Aus der inzwischen überarbeiteten Erstfasssung einer Erzählung fürs nächste Buch)


 

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Aktuelle Startcartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Gurr-gurr, Limburger/innen!

Im Rahmen eines Bürgerentscheides habt Ihr für das Töten von Tauben in Eurem Stadtgebiet gestimmt. Die Vögel sollen durch Genickbruch abgemurkst werden. Wir wüssten nun noch gerne, ob diese Hinrichtungen öffentlich abgehalten werden. Und können die Moribunden Kirchenasyl in Eurem Dom bekommen? Oder gibt das Bistum dieser Hexenjagd seinen Segen?

Fragt die Rattenfängerin der Lüfte Titanic

 Recht hast Du, Influencerin Tina Ruthe!

»Das hat einfach niemand verdient.« Mit diesem Satz kommentiertest Du in Deiner Insta-Story ein Bild, das ein brennendes Geflüchtetenlager in Rafah zeigte, und setztest noch ein Herz-Emoji dazu. Da können wir Dir nur zustimmen: Es hat wirklich niemand verdient, der gerade in einem Kriegsgebiet um sein Leben fürchten muss, als Content einer Influencerin herzuhalten und damit die Reichweite der kurz darauf geposteten Rabattcodes für die Shoppingbag in Leo-Optik zu pushen.

Stellt fest:

Deine Menschenrechtskommission von Titanic

 Clever, Jürgen Kaube (»FAZ«)!

Kein Wunder, dass die Ampel bei der Europawahl so abgeschmiert ist, denn »in vielen Schulen und Innenstädten wird über die drastischen Missstände euphemistisch hinweggelogen«.

Und in anderen eben nicht. Das hat den Vorteil, dass sich der Satz, in vielen Schulen und Innenstädten werde über die drastischen Missstände (Ausländer/innen) euphemistisch hinweggelogen, schwer beweisen lässt. Und ist das dann nicht ebenfalls »eine Wirklichkeitsverweigerung« von der Sorte, die »nicht zu einer Abnahme des fatalen Gefallens an den Populisten geführt« hat? Weil den verlogenen Intellekt und die verjudete Innenstadt zu verachten halt seit je zu deren Repertoire gehört?

Fragt allgemein aus Frankfurt Titanic

 Liebe britische Fallschirmspringer/innen!

Bei der diesjährigen D-Day-Gedenkfeier habt Ihr die Landung in der Normandie nachgestellt. Wegen des Brexits musstet Ihr aber direkt im Anschluss zur Passkontrolle. Danach erst ging’s weiter zur Feier.

Jetzt wollten wir mal ganz lieb fragen, ob Ihr angesichts des ganzen Rechtsrucks in Europa beim nächsten Mal dann wieder auf solche Formalitäten verzichten und stattdessen Nazis abknallen könnt?

Mit ganz großen Augen: Titanic

 Easy, »Funk«!

In einem Instagram-Post zu den hohen Beliebtheitswerten der AfD unter Jugendlichen bringst Du es auf Deine gewohnt reflektierte Art auf den Punkt: »Manche jungen Leute haben sehr viel Angst vor Rechtsextremismus. Und gleichzeitig: Manche jungen Leute machen sich Sorgen vor einer ungebremsten Zuwanderung. Das heißt: Junge Menschen sind unterschiedlich. Manche sind eher links. Manche eher rechts. Surprised Pikachu Face.«

Und das muss man ja auch gar nicht immer gleich bewerten, sondern kann es erst mal einfach wertfrei wahrnehmen und anerkennen. Denn Menschen sind halt unterschiedlich und ihre Wahrnehmungen auch. Und es ist, nur so als Beispiel, genauso valide und gut, zu sagen, dass Funk eine wichtige Säule der demokratisch-freiheitlichen Meinungsbildung ist, wie die Aussage zu treffen, dass bei Dir ausschließlich jämmerlicher Arschkotzcontent produziert wird, den niemand braucht, weil die Leute, für die diese Posts gemacht sind, gar nicht existieren können, da sie einfach zu blöd zum Leben wären. Haben wir das richtig verstanden?

Fragendes Pikachu Face von Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Morning Routine

Obst zum Frühstück ermöglicht einen gesunden Start in den Tag, aber wer keine Lust hat, sich schon morgens in die Küche zu stellen und Früchte zu schnippeln, dem empfehle ich stattdessen Snoozies.

Loreen Bauer

 Letzte Runde

Nach einer Woche Kneipentour hat mich die Katze zu Hause vor verendete Tatsachen gestellt.

Alexander Grupe

 Aufschieberitis

Ich schiebe alles gern auf, inzwischen sogar Erkrankungen: Der Nephrologe zeigte sich höchst erstaunt, wie lange ich schon an einer behandlungsbedürftigen Nierenbeckenentzündung laboriert haben musste, bis diese sich schließlich schmerzhaft bemerkbar gemacht und mich zu ihm geführt hatte. Wahrscheinlich leide ich an Prokrastinieren.

Thorsten Mausehund

 »This could have been Emaille«

Wenn mein Freund wieder einmal sein viel zu teures Porzellan-Geschirr auftischt.

Ronnie Zumbühl

 Klare Empfehlung

Dank der Paarberatung gelang es uns, unsere Beziehung gemeinsam sanft und behutsam in die Tonne zu legen anstatt zu kloppen.

Leo Riegel

Vermischtes

Erweitern

Das schreiben die anderen

Titanic unterwegs
04.08.2024 Frankfurt/M., Museum für Komische Kunst Die Dünen der Dänen – Das Neueste von Hans Traxler
04.08.2024 Frankfurt/M., Museum für Komische Kunst »F. W. Bernstein – Postkarten vom ICH«
18.08.2024 Aschaffenburg, Kunsthalle Jesuitenkirche Greser & Lenz: »Homo sapiens raus!«
01.09.2024 Frankfurt, Museum für Komische Kunst »POLO«