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Meditation und Markt mit Dax Werner

Der Drücker

Liebe Leser_innen,

viele Trendthemen, die in den vergangenen Jahren die Runde machten, entpuppten sich bei genauerer Betrachtung als reine Medienbubblephänomene, also Sachverhalte, die lediglich in der gated community von Journalist_innen und Medienmenschen ihre exklusive Relevanz entfalten können: Dazu zählen zum Beispiel die Buzzwords "Framing" und "Datenjournalismus" oder die Frage, wer die SPD im kommenden Jahr als Kanzlerkandidat_in in den Bundestagswahlkampf führen wird.

Und trotz aller schaler Versuche, die Öffentlichkeit vom Gegenteil zu überzeugen, scheint mir auch der Champions-League-Gewinn des FC Bayern München vor zwei Tagen ein solches reines Medienphänomen zu sein. Oder kann sich irgendwer noch an das Spiel vom Sonntag erinnern?

Selbst die hartgesottensten Bayern-Fans wie Cem Özdemir zollten auf Twitter zwar pflichtschuldig, jedoch mit leichten Unsicherheiten beim Buchstabieren des Namens von Bayern-Trainer Hansi Flick, Respekt: "Glückwunsch an Hansi Fink & @FCBayern zur #ChampionsLeague". Offenbar wurde dem Grünen-Politiker jedoch selbst zur Mitte des Tweets hin so langweilig, dass er merkwürdige Forderungen an den "Fussball" an und für sich anknüpfte: "Aber #Katar hätte diese Bühne nicht bekommen dürfen. #Fussball braucht Reformen." Beim Lesen dieses Tweets stellte ich mir vor, wie der derzeitige UEFA-Präsident Aleksander Čeferin noch vollständig in Final-Laune den Hashtag #Fussball durchsucht, auf Özdemirs Tweet stößt und für den Morgen eine UEFA-Eilkonferenz einberuft: "Leute, da ist dieser Grünen-Politiker aus Deutschland, der auf Twitter Reformen im Fussball fordert. Wer weiß, was gemeint sein könnte? Wie können wir ihn zufriedenstellen?"

Vielleicht meldet sich ja dann Karl-Heinz Rummenigge per Zoom und brüllt in sein Macbook: "Das war das größte Spektakel, das ich je erleben durfte!" Der Mann mit der magischen Aura eines westdeutschen Drückerkolonnenbosses im Ostdeutschland der unmittelbaren Nachwendezeit plant derweil sicher schon, die nächste Champions-League-Saison auf ein Wochenende komprimiert in Katar oder Weißrussland steigen zu lassen. Fussball verbindet eben.

Und bei der Gelegenheit könnte Rummenigge auch anregen, die Antirassismus-Kampagnen nicht mehr weiterzufinanzieren, für die sich der Bayern-Kader immer wieder hergeben muss. Denn wenn uns Medien trotz des Kampfes der Bayern gegen Rassismus nichts anderes einfällt, als Manuel Neuers Urlaubsvideos in Kroatien in einem maximal ungünstigen (rechtsradikalen) Licht darzustellen und schmutzige Wäsche über einen leitenden Bayern-Mitarbeiter zu waschen, der Jugendspieler über Jahre rassistisch beleidigt haben soll, dann haben wir Rummenigge und den Club von der Isar vielleicht gar nicht verdient.

Vielleicht ist es für uns Medienleute Zeit, innezuhalten, bevor wir dem FC Bayern weiter Unrecht tun. Pack mas, buam. Herzlichen Glückwunsch zum Cup,

Euer Dax Werner

Kategorie: Meinung



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Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Stillgestanden, »Spiegel«!

»Macht sich in den USA Kriegsmüdigkeit breit?« fragst Du in einer Artikelüberschrift. Ja, wo kämen wir hin, wenn die USA die Ukraine nur nüchtern-rational, aus Verantwortungsbewusstsein oder gar zögerlich mit Kriegsgerät unterstützten und nicht euphorisch und mit Schaum vor dem Mund, wie es sich für eine anständige Kriegspartei gehört?

Spiegel-müde grüßt Titanic

 Helfen Sie uns weiter, Innenministerin Nancy Faeser!

Auf Ihrem Twitter-Kanal haben Sie angemerkt, wir seien alle gemeinsam in der Verantwortung, »illegale Einreisen zu stoppen, damit wir weiter den Menschen helfen können, die dringend unsere Unterstützung brauchen«. Das wirft bei uns einige Fragen auf: Zunächst ist uns unklar, wie genau Sie sich vorstellen, dass Bürgerinnen und Bürger illegale Einreisen stoppen. Etwa mit der Flinte, wie es einst Ihre Bundestagskollegin von Storch forderte? Das können Sie als selbsternannte Antifaschistin ja sicher nicht gemeint haben, oder? Außerdem ist uns der Zusammenhang zwischen dem Stoppen illegaler Einreisen und der Hilfe für notleidende Menschen schleierhaft.

Außer natürlich Sie meinen damit, dass die von Ihrem Amtsvorgänger und der EU vorangetriebene Kriminalisierung von Flucht gestoppt werden müsse, damit Menschen, die dringend unsere Unterstützung brauchen, geholfen wird.

Kann sich Ihre Aussage nicht anders erklären: Titanic

 Sicher, Matthew Healy,

dass Sie, Sänger der britischen Band The 1975, die Dinge einigermaßen korrekt zusammenkriegen? Der Süddeutschen Zeitung sagten Sie einerseits: »Ich habe ›Krieg und Frieden‹ gelesen, weil ich die Person sein wollte, die ›Krieg und Frieden‹ gelesen hat.« Und andererseits: »Wir sind vielleicht die journalistischste Band da draußen.« Kein Journalist und keine Journalistin da draußen hat »Krieg und Frieden« gelesen, wollten mal gesagt haben:

Ihre Bücherwürmer von der Titanic

 Nichts für ungut, Tasmanischer Tiger!

Nachdem wir Menschen Dich vor circa 100 Jahren absichtlich ein bisschen ausgerottet haben, um unsere Schafe zu schützen, machen wir den Fehltritt jetzt sofort wieder gut, versprochen! Du hast uns glücklicherweise etwas in Alkohol eingelegtes Erbgut zurückgelassen, und das dröseln wir nun auf, lassen Dich dann von einer Dickschwänzigen Schmalfußbeutelmaus in Melbourne austragen, wildern Dich in Australien aus und fangen dann ziemlich sicher an, Dich wieder abzuknallen, wie wir es mit den mühsam wiederangesiedelten Wölfen ja auch machen. Irgendjemand muss ja auch an die Schafe denken.

Aber trotzdem alles wieder vergeben und vergessen, gell?

Finden zumindest Deine dünnschwänzigen Breitfußjournalist/innen von der Titanic

 Guten Appetit, TV-Koch Alfons Schuhbeck!

Guten Appetit, TV-Koch Alfons Schuhbeck!

Nichts läge uns ferner, als über Ihren Steuerhinterziehungsprozess zu scherzen, der für Sie mit drei Jahren und zwei Monaten Freiheitsstrafe geendet hat. Etwas ganz anderes möchten wir ansprechen, nämlich Ihre Einlassung am zweiten von insgesamt vier Verhandlungstagen, während der Sie laut Handelsblatt »lang und breit über die Vorzüge« von Ingwer palaverten, »aber auch über Knoblauch, Kardamom oder Rosmarin«, bis Sie schließlich einsahen: »Ich könnte stundenlang über Gewürze reden, aber das ist wohl der falsche Zeitpunkt.«

Und ob das der falsche Zeitpunkt war! Mensch, Schuhbeck, die gute alte Gewürz-Verteidigung, die hebt man sich doch für ganz zum Schluss auf, die pfeffert man dem Gericht (!) nach den Kreuzkümmelverhören prisenweise entgegen. Wozu zahlen Sie denn gleich zwei Anwälten gesalzene Stundensätze? Bleibt zu hoffen, dass Sie bei der Revision die Safranfäden in der Hand behalten!

Die Gewürzmühlen der Justiz mahlen langsam, weiß Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Schwimmbäder

Eine chlorreiche Erfindung.

Alice Brücher-Herpel

 Sprichwörter im Zoonosen-Zeitalter

Wer nichts wird, wird Fehlwirt.

Julia Mateus

 Heimatgrüße

Neulich hatte ich einen Flyer im Briefkasten: »Neu: Dezember Special! Alle Champions-League-Spiele auf 15 Flatscreens!!!« Traurig, zu welchen Methoden Mutter greift, damit ich öfter zu Besuch komme.

Leo Riegel

 Vom Kunstfreund

Erst neulich war es, als ich, anlässlich des Besuchs einer Vernissage zeitgenössischer Kunst, während der Eröffnungsrede den Sinn des alten Sprichworts erfasste: Ein paar tausend Worte sagen eben doch mehr als nur ein Bild.

Theobald Fuchs

 Auf dem Markt

– Oh, Ihr Doldenblütler verkauft sich aber gut!
– Ja, das ist unser Bestsellerie!

Cornelius W.M. Oettle

Vermischtes

Wenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
Zweijahres-Abo: 117,80 EURFriedemann Weise: "Die Welt aus der Sicht von schräg hinten"
Laut seiner Homepage ist er der "King of Understatement" und der "lustigste Mensch im deutschsprachigen Internet". Er ist aber auch Gitarrenmann, Viralblogger (15000 Follower!), Gagautor und Promiexperte mit Diplom. Die Rede ist von Friedemann Weise, dem Mann mit dem Namen! Der Mann, der den "Satiropop" erfand. Und jetzt auch noch ein Buch vorlegt. Ob das gutgeht? Ordern Sie diese Prämie und teilen Sie Ihr vernichtendes Urteil bitte zeitnah der TITANIC-Redaktion mit.
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Das schreiben die anderen

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Titanic unterwegs
27.11.2022 Zürich, Kaufleuten Max Goldt
29.11.2022 Stuttgart, Theaterhaus Max Goldt
29.11.2022 Bochum, Kunstmuseum Kortumstraße Martin Sonneborn
29.11.2022 Oldenburg, Kulturzentrum PFL Bernd Eilert