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Meditation und Markt mit Dax Werner

Niemand ist mehr sicher

Ungemütlicher Branchenfunk aus Berlin: Der Finanzinvestor KKR steigt bei Springer ein und will den ganzen Laden auf links drehen. Die Kiste muss so langsam wirklich mal profitabel & zu Ende digitalisiert werden und Tausende Arbeitsplätze sind plötzlich auf dem Prüfstand (jedoch erst mal nicht die Chefredaktionen: "Da wird es vielleicht Verkleinerungen, aber keine spektakulären Veränderungen geben", Döpfner), auch bei "Bild", aber vor allem bei der "Welt".

Natürlich greift man bei dieser Nachrichtenlage instantly nach den low-hanging fruits: "Staatliche Soforthilfe für die Springer-Männer aus Berlin!", "Tja, euren Job regelt dann wohl jetzt auch der freie Markt, was?" oder "He Ulf, wie schmeckt Dir Deine eigene Medizin?" Fertig ist die Kolumne, abschicken, Feierabend.

Die Wahrheit ist: Das ist mir zu billig. Zu uninspiriert. Das bin nicht ich. Und ganz so einfach ist eben auch nicht.

Denn auch in dieser Kolumne habe ich wieder einen sogenannten Hot Take untergebracht. Von einem Hot Take spricht man, wenn man das Gegenteil von dem zu verargumentieren versucht, was einem der gesunde Menschenverstand und die Mehrheitsmeinung auf Twitter bezüglich dieses oder jenen Sachverhalts sagt. Also, einmal anschnallen bitte: Wenn "Welt"-Chefredakteur Ulf Poschardt am Ende dieser Umstrukturierungen tatsächlich seinen Job verliert oder plötzlich die Leserbriefe bei "Auto Motor und Sport" beantworten muss, dann, ja dann werden auch wir unsere Jobs auch auf kurz oder lang verlieren. Perspektivisch zumindest.

Oder anders gesagt: Wenn Ulf fällt, fallen wir auch. Denn Ulf ist – and I take no pleasure in saying this – wenn man mal alles, was er so den lieben langen Tag von sich gibt, mal außer Acht lässt, genau dieselbe verkrachte Existenz wie wir: Irgendwas mit Geisteswissenschaften studiert, kurze, sehr intensive Technophase, dies & das, und dann mit Ende 20 beim Blick auf den Kontoauszug bisschen Panik bekommen, Endstation Festanstellung. Und jetzt sitzt man in irgendwelchen Büros mit großen Fenstern, verdammt zur Wertschöpfung, zur Leistung, zum Funktionieren. Aber wir spüren's doch recht deutlich: Irgendwie ist da nichts mehr, keine Wut, kein Furor, keine Idee. Immer nur derselbe eine Joke. Nichts regt uns mehr wirklich auf. Stattdessen vertreiben wir uns den Tag mit Mario Sixtus, Ralph Ruthe und ca. 2000 weiteren deutschsprachigen Nutzer*innen auf Twitter-dot-com und schreiben für ein paar Favs minütlich ins Internet, wie wir unterschiedliche Sachverhalte unterschiedlich bewerten. Und Ulf munter mit dabei.

Und das alles vielleicht nur, um der brutalen Wahrheit nur ein paar lange Augenblicke mehr aus dem Weg gehen zu können: Die Einschläge kommen näher. Niemand ist mehr sicher, da kann dein Podcast noch so gut laufen. In Zeiten, in denen selbst die Markt-Ultras vom Markt weggeregelt zu werden drohen, gilt es, zusammenzurücken. Auch unsere Jobs, die ganzen Projektstellen und befristeten Verträge, in denen wir uns so tummeln, könnten morgen schon wegrationalisiert werden, weil sie in den Tabellenkalkulationen von Menschen, die früh genug aus Bitcoins raus sind, keinen Sinn mehr ergeben. Wenn's hart auf hart kommt, sind wir eben alle nur noch kleine Pixel auf einem Macbook-Retina-Display eines 25jährigen Controllers mit drei Abschlüssen und ohne jede Fantasie.

Ich, nein: WIR müssen irgendwas tun. Ein erster, kleiner Schritt: Anfang Dezember werde ich in Kooperation mit Wolfram Kons vom RTL-Spendenmarathon eine Charity-Gala auf N24 auf die Beine stellen, damit der Redaktionsbetrieb der "Welt" aufrechterhalten werden kann. Weitermachen. Irgendwie. So lange es geht. Helfen Sie mit.

Vielleicht bekommen wir sogar Johannes B. Kerner.

Ihr: Dax Werner

Kategorie: Meinung



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Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Du, »Brigitte«,

füllst Deine Website mit vielen Artikeln zu psychologischen Themen, wie z. B. diesem hier: »So erkennst Du das ›Perfect-Moment -Syndrom‹«. Kaum sind die ersten Zeilen überflogen, ploppen auch schon die nächsten Artikel auf und belagern unsere Aufmerksamkeit mit dem »Fight-or-Flight-Syndrom«, dem »Empty-Nest-Syndrom«, dem »Ritter-Syndrom« und dem »Dead- Vagina-Syndrom«. Nun sind wir keine Mediziner/innen, aber könnte es sein, Brigitte, dass Du am Syndrom-Syndrom leidest und es noch gar nicht bemerkt hast? Die Symptome sprechen jedenfalls eindeutig dafür!

Meinen die Hobby-Diagnostiker/innen der Titanic

 Ciao, Luisa Neubauer!

»Massendemonstrationen sind kein Pizza-Lieferant«, lasen wir in Ihrem Gastartikel auf Zeit online. »Man wird nicht einmal laut und bekommt alles, was man will.«

Was bei uns massenhaft Fragen aufwirft. Etwa die, wie Sie eigentlich Pizza bestellen. Oder was Sie von einem Pizzalieferanten noch »alles« wollen außer – nun ja – Pizza. Ganz zu schweigen von der Frage, wer in Ihrem Bild denn nun eigentlich etwas bestellt und wer etwas liefert bzw. eben gerade nicht. Sicher, in der Masse kann man schon mal den Überblick verlieren. Aber kann es sein, dass Ihre Aussage einfach mindestens vierfacher Käse ist?

Fragt hungrig: Titanic

 Wieso so eilig, Achim Frenz?

Wieso so eilig, Achim Frenz?

Kaum hast Du das Zepter im Kampf um die Weltherrschaft der Komischen Kunst auf Erden in jüngere Hände gelegt, da schwingst Du Dich nach so kurzer Zeit schon wieder auf, um in den höchsten Sphären für Deine Caricatura zu streiten.

Mögest Du Dir auch im Jenseits Dein beharrliches Herausgeber-Grummeln bewahren, wünscht Dir zum Abschied Deine Titanic

 Gude, Fregatte »Hessen«!

Du verteidigst Deutschlands Demokratie zur Zeit im Roten Meer, indem Du Handelsrouten vor der Huthi-Miliz schützt. Und hast schon ganz heldenhaft zwei Huthi-Drohnen besiegt.

Allerdings hast Du auch aus Versehen auf eine US-Drohne geschossen, und nur einem technischen Fehler ist es zu verdanken, dass Du nicht getroffen hast. Vielleicht ein guter Grund für die USA, doch nicht auf der Erfüllung des Zwei-Prozent-Ziels zu beharren!

Doppelwumms von Titanic

 Aaaaah, Bestsellerautor Maxim Leo!

In Ihrem neuen Roman »Wir werden jung sein« beschäftigen Sie sich mit der These, dass es in nicht allzu ferner Zukunft möglich sein wird, das maximale Lebensalter von Menschen mittels neuer Medikamente auf 120, 150 oder sogar 200 Jahre zu verlängern. Grundlage sind die Erkenntnisse aus der sogenannten Longevity-Forschung, mit denen modernen Frankensteins bereits das Kunststück gelang, das Leben von Versuchsmäusen beträchtlich zu verlängern.

So verlockend der Gedanke auch ist, das Finale der Fußballweltmeisterschaft 2086 bei bester Gesundheit von der heimischen Couch aus zu verfolgen und sich danach im Schaukelstuhl gemütlich das 196. Studioalbum der Rolling Stones anzuhören – wer möchte denn bitte in einer Welt leben, in der das Gerangel zwischen Joe Biden und Donald Trump noch ein ganzes Jahrhundert so weitergeht, der Papst bis zum Jüngsten Gericht durchregiert und Wladimir Putin bei seiner Kolonisierung auf andere Planeten zurückgreifen muss? Eines will man angesichts Ihrer Prognose, dass es bis zum medizinischen Durchbruch »im besten Fall noch 10 und im schlimmsten 50 Jahre dauert«, ganz bestimmt nicht: Ihren dystopischen Horrorschinken lesen!

Brennt dann doch lieber an beiden Enden und erlischt mit Stil: Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Kehrwoche kompakt

Beim Frühjahrsputz verfahre ich gemäß dem Motto »quick and dirty«.

Michael Höfler

 Neulich

erwartete ich in der Zeit unter dem Titel »Glückwunsch, Braunlage!« eigentlich eine Ode auf den beschaulichen Luftkurort im Oberharz. Die kam aber nicht. Kein Wunder, wenn die Überschrift des Artikels eigentlich »Glückwunsch, Braunalge!« lautet!

Axel Schwacke

 Nichts aufm Kerbholz

Dass »jemanden Lügen strafen« eine doch sehr antiquierte Redewendung ist, wurde mir spätestens bewusst, als mir die Suchmaschine mitteilte, dass »lügen grundsätzlich nicht strafbar« sei.

Ronnie Zumbühl

 Frühlingsgefühle

Wenn am Himmel Vögel flattern,
wenn in Parks Familien schnattern,
wenn Paare sich mit Zunge küssen,
weil sie das im Frühling müssen,
wenn überall Narzissen blühen,
selbst Zyniker vor Frohsinn glühen,
Schwalben »Coco Jamboo« singen
und Senioren Seilchen springen,
sehne ich mich derbst
nach Herbst.

Ella Carina Werner

 Wenn beim Delegieren

schon wieder was schiefgeht, bin ich mit meinen Lakaien am Ende.

Fabio Kühnemuth

Vermischtes

Erweitern

Das schreiben die anderen

Titanic unterwegs
18.04.2024 Berlin, Heimathafen Neukölln Max Goldt
18.04.2024 Hamburg, Centralkomitee Ella Carina Werner
19.04.2024 Wuppertal, Börse Hauck & Bauer
20.04.2024 Eberswalde, Märchenvilla Max Goldt