Newsticker

Nur diese Kategorie anzeigen:Meinung Eintrag teilenEintrag per Email versenden Mit Facebook-Freunden teilen Twittern mit Google+ teilen

Meditation und Markt mit Dax Werner

Einer von 80 Millionen

Liebe Internetfreunde,

ganz gleich, ob Ihr gerade wie ich eine tagelange Eurogame-Brettspielsession ohne Schlaf und Tageslicht hinter Euch oder auf Eurem Smart TV Männern über 50 auf einer Bühne am Nürburgring beim Muckemachen im Livestream zugeguckt habt – ich hoffe einfach erstmal, dass das Pfingstwochenende allerorten ordentlich gerockt wurde!

Apropos Streams: Ende Mai hat das Y-Kollektiv ein Video veröffentlicht, das immer noch ordentlich in mir nachhallt. Dass sich Donner Trump 2016 durch ein paar Hundert russische Paypal-Dollars Facebook-Anzeigen in den Swing-States gekauft & damit ins Oval Office gecheated hat, gilt ja inzwischen als offenes Geheimnis – aber die Behauptungen in dem Youtube-Video haben mir echt nochmal komplett die Socken ausgezogen: Die guten, alten deutschen Charts sollen angeblich durch gekaufte Klicks zugunsten junger Sprechgesang-Artisten manipuliert worden sein? Sogar um Geldwäsche soll es gehen? Wer wie ich immer eine Ohrmuschel auf dem Highway des Zeitgeists liegen hat, spürt's dann doch sehr deutlich: Hier gerät etwas ins Wanken.

Und man kennt das Cheat-Prinzip sogar schon vom privaten Rotweinabend alleine vorm Laptop: Nach dem einen Glas zuviel sind plötzlich ganz schön viele Tabs im Browser offen, aus denen irgendwie Musik rauskommt – "Ups, verklickt!" denkt man noch, bevor man einige Sekunden später vom Rock am Ring träumt, wo wie selbstverständlich Die Prinzen, DJ Koze und das Leon Lovelock-Interview mit Marvin Game über Verschwörungstheorien auf drei Bühnen gleichzeitig laufen. Irgendwie Meta! Die Spotify-Charts zu manipulieren funktioniert offenbar relativ ähnlich – wenn ich diesem Youtube-Video glauben darf – so dass manche Rap-Releases zumindest auf dem Papier nach einem Tag statistisch von allen Einwohnern Deutschlands gestreamt worden sind. Kann ja alles durchaus sein!

Doch wenn hier wirklich im großen Stil geschummelt worden sein sollte, fällt vielleicht eine der letzten Gewissheiten der alten Bundesrepublik: nämlich dass über Platz 1 in den Charts allein die musikalische Qualität eines Künstlers oder einer Künstlerin entscheidet. Drüben in den Staaten mag es vielleicht so sein, dass koksende Manager mit geilen Promo-Kampagnen, Energydrink-Kooperationen und Schweinedeals mit Fernsehsendern und Radiostationen "Druck" auf "Themen" bringen – hier in old-fashioned Germany, das ist doch klar, wurde das Ding bis vor zwei Wochen noch ehrlich ohne Autotune & Budget gearbeitet.

Und wo sich der Zweifel einmal eingenistet hat, zieht er so schnell nicht mehr aus. So frage ich mich inzwischen auch bei vielen banalen Alltagsbeobachtungen-Tweets auf Twitter, ob 6000 Likes für eine Plattform, auf der 1500 deutschsprachige Nutzer unterwegs sind, nicht doch ein bisschen "überfavt" sind – oder ob hier wieder irgendein Clan (wie zum Beispiel die Hannover-Connection) arglose Twitterer in Geldwäsche-Deals reinzieht. Y-Kollektiv, bitte übernehmen Sie!

Garantiert unmanipulierte Grüße,

Dax Werner

Kategorie: Meinung



Eintrag versenden Newstickereintrag versenden…
Felder mit einem * müssen ausgefüllt werden.

optionale Mitteilung an den Empfänger:

E-Mail-Adresse des Absenders*:

E-Mail-Adresse des Empfängers*
(mehrere Adressen durch Semikolon trennen, max. 10):

Aktuelle Startcartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Helfen Sie uns weiter, Innenministerin Nancy Faeser!

Auf Ihrem Twitter-Kanal haben Sie angemerkt, wir seien alle gemeinsam in der Verantwortung, »illegale Einreisen zu stoppen, damit wir weiter den Menschen helfen können, die dringend unsere Unterstützung brauchen«. Das wirft bei uns einige Fragen auf: Zunächst ist uns unklar, wie genau Sie sich vorstellen, dass Bürgerinnen und Bürger illegale Einreisen stoppen. Etwa mit der Flinte, wie es einst Ihre Bundestagskollegin von Storch forderte? Das können Sie als selbsternannte Antifaschistin ja sicher nicht gemeint haben, oder? Außerdem ist uns der Zusammenhang zwischen dem Stoppen illegaler Einreisen und der Hilfe für notleidende Menschen schleierhaft.

Außer natürlich Sie meinen damit, dass die von Ihrem Amtsvorgänger und der EU vorangetriebene Kriminalisierung von Flucht gestoppt werden müsse, damit Menschen, die dringend unsere Unterstützung brauchen, geholfen wird.

Kann sich Ihre Aussage nicht anders erklären: Titanic

 Nichts für ungut, Tasmanischer Tiger!

Nachdem wir Menschen Dich vor circa 100 Jahren absichtlich ein bisschen ausgerottet haben, um unsere Schafe zu schützen, machen wir den Fehltritt jetzt sofort wieder gut, versprochen! Du hast uns glücklicherweise etwas in Alkohol eingelegtes Erbgut zurückgelassen, und das dröseln wir nun auf, lassen Dich dann von einer Dickschwänzigen Schmalfußbeutelmaus in Melbourne austragen, wildern Dich in Australien aus und fangen dann ziemlich sicher an, Dich wieder abzuknallen, wie wir es mit den mühsam wiederangesiedelten Wölfen ja auch machen. Irgendjemand muss ja auch an die Schafe denken.

Aber trotzdem alles wieder vergeben und vergessen, gell?

Finden zumindest Deine dünnschwänzigen Breitfußjournalist/innen von der Titanic

 Sicher, Matthew Healy,

dass Sie, Sänger der britischen Band The 1975, die Dinge einigermaßen korrekt zusammenkriegen? Der Süddeutschen Zeitung sagten Sie einerseits: »Ich habe ›Krieg und Frieden‹ gelesen, weil ich die Person sein wollte, die ›Krieg und Frieden‹ gelesen hat.« Und andererseits: »Wir sind vielleicht die journalistischste Band da draußen.« Kein Journalist und keine Journalistin da draußen hat »Krieg und Frieden« gelesen, wollten mal gesagt haben:

Ihre Bücherwürmer von der Titanic

 Guten Appetit, TV-Koch Alfons Schuhbeck!

Guten Appetit, TV-Koch Alfons Schuhbeck!

Nichts läge uns ferner, als über Ihren Steuerhinterziehungsprozess zu scherzen, der für Sie mit drei Jahren und zwei Monaten Freiheitsstrafe geendet hat. Etwas ganz anderes möchten wir ansprechen, nämlich Ihre Einlassung am zweiten von insgesamt vier Verhandlungstagen, während der Sie laut Handelsblatt »lang und breit über die Vorzüge« von Ingwer palaverten, »aber auch über Knoblauch, Kardamom oder Rosmarin«, bis Sie schließlich einsahen: »Ich könnte stundenlang über Gewürze reden, aber das ist wohl der falsche Zeitpunkt.«

Und ob das der falsche Zeitpunkt war! Mensch, Schuhbeck, die gute alte Gewürz-Verteidigung, die hebt man sich doch für ganz zum Schluss auf, die pfeffert man dem Gericht (!) nach den Kreuzkümmelverhören prisenweise entgegen. Wozu zahlen Sie denn gleich zwei Anwälten gesalzene Stundensätze? Bleibt zu hoffen, dass Sie bei der Revision die Safranfäden in der Hand behalten!

Die Gewürzmühlen der Justiz mahlen langsam, weiß Titanic

 Stillgestanden, »Spiegel«!

»Macht sich in den USA Kriegsmüdigkeit breit?« fragst Du in einer Artikelüberschrift. Ja, wo kämen wir hin, wenn die USA die Ukraine nur nüchtern-rational, aus Verantwortungsbewusstsein oder gar zögerlich mit Kriegsgerät unterstützten und nicht euphorisch und mit Schaum vor dem Mund, wie es sich für eine anständige Kriegspartei gehört?

Spiegel-müde grüßt Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Schwimmbäder

Eine chlorreiche Erfindung.

Alice Brücher-Herpel

 Vom Kunstfreund

Erst neulich war es, als ich, anlässlich des Besuchs einer Vernissage zeitgenössischer Kunst, während der Eröffnungsrede den Sinn des alten Sprichworts erfasste: Ein paar tausend Worte sagen eben doch mehr als nur ein Bild.

Theobald Fuchs

 Heimatgrüße

Neulich hatte ich einen Flyer im Briefkasten: »Neu: Dezember Special! Alle Champions-League-Spiele auf 15 Flatscreens!!!« Traurig, zu welchen Methoden Mutter greift, damit ich öfter zu Besuch komme.

Leo Riegel

 Sprichwörter im Zoonosen-Zeitalter

Wer nichts wird, wird Fehlwirt.

Julia Mateus

 Auf dem Markt

– Oh, Ihr Doldenblütler verkauft sich aber gut!
– Ja, das ist unser Bestsellerie!

Cornelius W.M. Oettle

Vermischtes

Erweitern

Das schreiben die anderen

  • 26.10.:

    Chefredakteurin Julia Mateus spricht über ihren neuen Posten im Deutschlandfunk, definiert für die Berliner-Zeitung ein letztes Mal den Satirebegriff und gibt Auskunft über ihre Ziele bei WDR5 (Audio). 

  • 26.10.:

    Julia Mateus erklärt dem Tagesspiegel, was Satire darf, schildert bei kress.de ihre Arbeitsweise als Chefredakteurin und berichtet der jungen Welt ein allerletztes Mal, was Satire darf. 

  • 26.10.:

    Ex-Chef-Schinder Moritz Hürtgen wird von Knut Cordsen für die Hessenschau über seinen neuen Roman "Der Boulevard des Schreckens" interviewt (Video) und liest auf der TAZ-Bühne der Buchmesse Frankfurt aus seiner viel gelobten Schauergeschichte vor (Video). 

  • 19.10.:

    Stefan Gärtner bespricht in der Buchmessenbeilage der Jungen Welt Moritz Hürtgens Roman "Der Boulevard des Schreckens".

  • 12.10.: Der Tagesspiegel informiert über den anstehenden Chefredaktionswechsel bei TITANIC.
Titanic unterwegs
06.12.2022 Kassel, Staatstheater Hauck & Bauer mit Kristof Magnusson
06.12.2022 Frankfurt am Main, Club Voltaire TITANIC-Nikolaus-Lesung
08.12.2022 Köln, Senftöpfchentheater Moritz Hürtgen
09.12.2022 Dresden, Alter Schlachthof Martin Sonneborn mit Gregor Gysi