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Inside TITANIC (34)

Intime Einblicke in das Innere der TITANIC-Redaktion und ihrer Mitglieder. Heute: Moritz Hürtgen über sein intelligentes Chefredakteursbüro.

Natürlich gibt es sie in der Redaktion des endgültigen Satiremagazins auch: die Smartphone-Verweigerer, die Laptoplosen, die nicht ständig Erreichbaren, die sich unheimlich etwas darauf einbilden, wenn sie von aller Welt abgekapselt eine Satire über etwas schreiben, das ausschließlich in einer gedruckten Zeitung geschrieben stand. Ja, ich habe noch gut die Worte eines Kollegen im Ohr, der meinte, er würde Leuten, die eine Apple Watch tragen, am liebsten in die Fresse hauen.

What the fuck? Ich weiß es auch nicht. Das System wird nicht besser, weil man sich ausgewählten technischen Errungenschaften verweigert. Kommen Sie also mit auf eine magische Reise in mein komplett durchdigitalisiertes Büro.

Als gläserner Boss trennen mich von den Kolleg/innen nur eine große Glaswand und zwei Glastüren. Moderne Beamer können aktuelle Informationen auf die Glaswände werfen: Wetter, Social-Media-Trends, To-Do-Listen, süße Merkelfotos usw. Wenn sich ein Mitglied der Redaktion nähert, wird per NFC direkt automatisch eine Aufgabe auf sein Smartphone delegiert ("Text bis 15 Uhr sichten und ablehnen").

Stichwort Privacy: "Siri, close the curtains!" sage ich – und schon fahren beige Vorhänge vor die Glasflächen und ich kann in Ruhe am Schreibtisch mein Mittagssüppchen von "George’s Café" löffeln. Auf dem Desk docke ich mein MacBook Pro 16 Zoll bequem an mein Apple Cinema Display – und kann lostippen wie ein junger Gott. Sie haben es bemerkt: Ich bin Apple-Enthusiast. Auch hier gilt: Wenn schon Geräte von Schweinefirmen, dann wenigstens die schönsten Pads und Phones.

In meinem rechten Ohr steckt immer ein Airpod Pro. Wenn Geschäftsführer Ralf Balkenrechner anruft und über Zahlen sprechen will, stecke ich auch links einen rein und stelle auf "Geräuschunterdrückung", um mich maximal auf Gewinne, Cash und Kündigungen fokussieren zu können. Dank Hue-LED-Birnen von Philips kann ich die Lichtstimmung im Büro allen möglichen Situationen anpassen: kaltes, helles Licht bei Kollegengesprächen; schummrig warmes Licht, wenn Presse kommt und mich fotografieren oder vorteilhaft filmen will; grünes Licht gebe ich, wenn Kollege Tom Hintner um 13 Uhr mit zwei Flaschen Bier ins Büro grüßt; rotes Licht, wenn unser Hörmagazin "TITANIC-Redaktionskonferenz" aufgezeichnet wird.

Drei Jahre darf ich noch als Chefredakteur wirken, bis ich gemäß den Redaktionsstatuten nach fünf Jahren Alleinherrschaft abtreten muss. Bis dahin möchte ich mein Büro auf Verlagskosten mit noch mehr vom allerneuesten technischem Schnickschnack vollstopfen – um am Ende alles mit nachhause zu nehmen. Auf meiner Liste stehen: Smarter Kühlschrank und Online-Kaffeemaschine, ein Wlan-Bürostuhl mit Memory-Funktion, eine Apple-Standuhr mit Hologramm-Kuckuck, eine Bodenheizung, die nur da wärmt, wo ich gerade stehe usw. usf.

Kategorie: Meinung



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Aktuelle Startcartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Guten Appetit, Nachhaltigkeitswebsite »Utopia«!

Du schreibst, Haselnüsse seien gesund und schmeckten gut, hätten aber auch eine »dunkle Seite«. Da wollten wir mal nachfragen: Was werden denn bei Dir so für Haselnüsse gegessen? Denn bei uns sind die meistens von allen Seiten dunkel!

Kann diese harte Nuss nicht knacken:

Deine Titanic

 Warum, Heroin Chic?

Du hättest Dir einen schönen Lebensabend machen können, aber nein, Du wolltest es anders! Und so sehen wir nun im Jahre 2022 das Comeback extrem ausgemergelter Körper, sich abzeichnender Knochen, blasser Haut und dunkler Augenringe. In den Neunzigern hast Du als Modetrend Erfolge gefeiert, hingst mit Kate Moss ab, danach gingst Du in Rente.

Doch auch bei Dir scheint der monatliche staatliche Rentenobulus nicht allzu hoch zu sein. Warum sonst bist Du jetzt wieder zurück? Aus Spaß an der Freude kann’s wohl nicht sein. Sonst würde irgendeines Deiner Models ja mal lachen. Oder hast Du die Millionen verprasst? Dich mit Telekom-Aktien verzockt? Dir eine Luxuszucht Zwergspitze zugelegt, die jetzt nicht mehr zu vermitteln ist? Heroin Chic, mach nicht denselben Fehler wie Thomas Gottschalk! Deine Zeit ist vorbei. Der kalorienfreie Drops gelutscht. Entspann Dich.

Empfehlen Dir Deine Hot-Stone-Masseur/innen von Titanic

 Bitte bedenke, »Tagesspiegel«,

dass nicht jeder, der Dich am Morgen liest, seine Auffassungsgabe schon mit Hilfe von Kaffee stimuliert hat. Und dann sind Überschriften wie diese einfach zu hoch: »Nicht einmal jeder Zwanzigste nutzt kein Internet.«

Nach dem ersten Kaffee und der Lektüre des Artikels wussten wir aber, was Du zu sagen versuchtest: 3,6 Prozent der Menschen in Deutschland verzichten aufs Internet. Deine Überschrift war also gleichermaßen verquer wie unpräzise, denn genau genommen heißt das ja: Noch nicht einmal jeder Fünfundzwanzigste nutzt kein Internet. Aber egal, denn den Text haben ja nicht allzu viele Menschen gelesen. Oder wie Du eine Auflage von knapp 100 000 in Worte fassen würdest: Nicht ganz jeder Deutsche nutzt keinen Tagesspiegel.

Gelegentlich schwer von Kapee: Deine Titanic

 Muss das sein, Kebabhäuser?

»Preis-Explosion beim Döner« (Tagesspiegel) – als würde man sich nicht schon genug einsauen beim Dönerverzehr!

Besucht Euch natürlich trotzdem: Titanic

 Sie, Markus Ferber (CSU),

Sie, Markus Ferber (CSU),

sind Mitglied des Europäischen Parlaments und schreiben zum Wechsel der Blackrock-Managerin Elga Bartsch ins deutsche Wirtschaftsministerium: »Die Grünen sind sonst immer die ersten, die Interessenkonflikte kritisieren – hier werden beide Augen zugedrückt und dem Großkapital der rote Teppich ausgerollt.«

Das verdammte Großkapital hat in der Politik nichts zu suchen, da haben Sie völlig recht! Aber wie würden Sie als Unionsmitglied wohl erst reagieren, wenn die Grünen, sagen wir mal, den Aufsichtsratsvorsitzenden von Blackrock zum Parteichef gemacht hätten?

Fragen sich die Merzianer von Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Eine Naturburschin

Ich liebe die Flora und Fauna, und damit meine ich meine 3,99€-Zimmerpflanzen von Aldi und eine inzwischen nicht zu vernachlässigende Anzahl an Trauermücken in meiner Wohnung.

Melanie Manthey

 Hochzeitsverplaner

Ein gut gemeinter Rat, wenn Sie noch nach einem schönen Spruch für das Gästebuch bei einer Hochzeit suchen: »Super Party, gerne wieder« kommt nicht so gut an.

Loreen Bauer

 Lief richtig gut

Mein erstes Natursekt-Erlebnis war so überwältigend – ich hatte Pipi in den Augen!

Andreas Maier

 In Frankreich gelernt:

Die große Kunst im Marketing lokal produzierter Kulinarik ist, frische Butter-Croissants so zu fotografieren, dass sie nicht wie Stielwarzen aussehen.

Theobald Fuchs

 Spur des Erfolgs

Ramengenähte Schuhe sind unter Neureichen sehr angesagt; ich hatte mir kürzlich in einem erstaunlichen Anfall von Luxuslaune welche zugelegt. Aber ich warne euch, Leute: Da suppt es ganz schön raus, und sie sind letztlich die ganze Brühe nicht wert.

Mark-Stefan Tietze

Vermischtes

Erweitern

Das schreiben die anderen

  • 10.01.: "Der Teufel vom Dachboden" – Eine persönliche Pardon-Geschichte in der Jungen Welt von Christian Y. Schmidt.
  • 13.12.:

    Anlässlich des 85. Geburtstages Robert Gernhardts erinnert Christian Y. Schmidt in der Jungen Welt an den Satiriker und Vermieter.

  • 26.10.:

    Chefredakteurin Julia Mateus spricht über ihren neuen Posten im Deutschlandfunk, definiert für die Berliner-Zeitung ein letztes Mal den Satirebegriff und gibt Auskunft über ihre Ziele bei WDR5 (Audio). 

  • 26.10.:

    Julia Mateus erklärt dem Tagesspiegel, was Satire darf, schildert bei kress.de ihre Arbeitsweise als Chefredakteurin und berichtet der jungen Welt ein allerletztes Mal, was Satire darf. 

  • 26.10.:

    Ex-Chef-Schinder Moritz Hürtgen wird von Knut Cordsen für die Hessenschau über seinen neuen Roman "Der Boulevard des Schreckens" interviewt (Video) und liest auf der TAZ-Bühne der Buchmesse Frankfurt aus seiner viel gelobten Schauergeschichte vor (Video). 

Titanic unterwegs
29.01.2023 Hagen im Bremischen, Burg zu Hagen Miriam Wurster: »Gute Manieren«
01.02.2023 Berlin, Pfefferberg Theater Hauck & Bauer, Schilling & Blum und Hannes Richert
02.02.2023 Halle, Objekt 5 Max Goldt
02.02.2023 Nürnberg, Z-Bau Moritz Hürtgen