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Inside TITANIC (13)

Brisante Einblicke in das Innere der TITANIC-Redaktion und ihrer Mitglieder. Heute: Premium-Praktikant Adrian Schulz enttarnt das hauseigene Epizentrum der Macht.

"Die musst du dir fest ins Maul reinstopfen", sagt Martina Werner in meinem Kopf seit circa dreieinhalb Wochen in Dauerschleife mit ernster Miene, mir "Köhler Küsse" hinhaltend, eben seitdem sie das in einem Gespräch wirklich so zu mir gesagt hat, wobei das Gespräch aus nicht viel mehr als dieser klaren Anweisung bestand. Sie ist wahrscheinlich eine dieser Insider-Sprachmarotten, die im niemals endenden Redaktions-Hauptraum-Dauergespräch zwischen ihr, Tom Hintner, Leo Riegel, Hardy Burmeier, um die Ecke Alexander Golz und hinter Kopfhörern kopfschüttelnd Paula Irmschler über Tage und Wochen hinweg eingeführt, durchgewitzelt und in jeder auch nur denkbaren Facette erforscht worden ist. Es dreht sich für gewöhnlich um die Essens-Hotspots in der Nähe, Arztbesuche oder die Arbeit und tröpfelt gemütlich mit neuen Wortbeiträgen alle zwei bis zwanzig Minuten durch den Tag, da ja alle auch noch nebenbei auf ihren Bildschirm starren und kreativ sind.

Dieser Raum, nicht das Chefbüro, ist das Epizentrum der Macht bei TITANIC. Hier werden alle wichtigen Entscheidungen getroffen; hier werden bekloppte Geschäftspartner outgecallt und chinesische Investoren mit honigsüßen Versprechungen um den Finger gewickelt. Hier werden mitgebrachte Süßigkeiten der knallharten kollektiven Konsumierbarkeitsbegutachtung unterzogen und Fernsehteams verprügelt. An den Wänden sieht man förmlich, Jahresringen gleich, die abgelagerten Witzsedimente aus den vergangenen siebzig Heftjahren, auf die alle Anwesenden wie selbstverständlich sofort zugreifen können. Die gesamte Satiregeschichte der Bundesrepublik ist in ihren Hirnen gespeichert, und alles, was sie miteinander erlebt haben, sowieso auch noch.
Hat man es jemals aus diesem Raum wieder herausgeschafft, ist man froh um jeden Gedanken, der auch nur einen Bruchteil so spontan ist wie das immer wieder erfrischend abgestandene Gerede dieser Leute, die, seit sie auf der Welt sind, schon alles gehört und gesehen haben und, vor Genialität strotzend, jeden Tag aufs Neue ihrem Universalcharisma unterwerfen.
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Kategorie: Meinung



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Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Also wirklich, Metallica-Bassist Robert Trujillo!

Im Rahmen Ihres 20. Ehejubiläums wandten Sie sich in einem Instagram-Post an Ihre Ehefrau Chloe und bedankten sich bei ihr für »Motivation, Kreativität und eine superstarke Arbeitsmoral«. Das erscheint uns jetzt aber doch ein wenig unromantisch, ja geradezu bürokratisch.

Fällt Ihnen denn gar nichts anderes zum 20jährigen ein? Wir sind uns sicher, Ihre Frau hätte sich bestimmt gefreut, wenn Sie ihr mehr Urlaubstage, eine Dienstreise oder wenigstens eine Begrünung der Arbeitsfläche angeboten hätten!

Nur einige Ideen von

Ihrer Beziehungsratgeberin von Titanic

 Nanu, John Malkovich!

Da kamen Sie tatsächlich in die Hansestadt Bremen geflogen – und warum? Um den Filmpreis »Goldener Mops« entgegenzunehmen.

Haben wir da etwas nicht mitbekommen und der ist neuerdings ähnlich bedeutend wie die Ehrungen in Cannes und Venedig zusammen? Oder warum reist ein Hollywoodstar an die Weser, um dem Oberbürgermeister die Hand zu schütteln, eine Hundetrophäe in die Luft zu recken und am Ende der Gala ein Werder-Bremen-Trikot überreicht zu bekommen? Seltsam!

Doch Ihr alter Weggefährte Volker Schlöndorff lieferte in seiner Laudatio zum Glück eine allumfassende Erklärung: »Der Mops ist genau das Tier, was zu Malkovich passt. Wir haben oft Ferien zusammen gemacht im Haus einer Freundin in der Toskana, die hat vier oder fünf Möpse, die immer wieder über den John rüber krabbelten und ihn vollpinkelten.«

Dann ist das Rätsel ja gelöst, Malkovich, und der ganze Hergang kein bisschen merkwürdig!

Gratuliert Ihnen mopsfidel: Titanic

 Aber, aber, Michael Douglas!

Für Ihre Titelrolle in einer Serie über Benjamin Franklin hätten Sie zuerst »jede Menge Make-up- und Prothesen-Tests gemacht«, wie Sie der FAZ erzählten, »mit Doppelkinn, dickem Bauch und allem Drum und Dran«. Allerdings habe Ihnen das zu lange gedauert und auch die Vorstellung nicht behagt, acht Folgen unter der Maske versteckt zu sein: »Also haben wir entschieden, dass es auch ohne Makeup geht und ich die Rolle schlicht mit Schauspielerei ausfülle.« Aber, Douglas, warum sind Sie denn bei Ihren früheren Engagements nie auf die Idee gekommen?

Fragen

Ihre Cineast/innen von Titanic

 Grüezi, Berner Kantonalbank!

Du verfügst über eine Bilanzsumme von 39,9 Milliarden Franken und investierst einen Teil davon in eine Werbeagentur, die sich für Dich Ein-Wort-Slogans wie »Wohlatility« oder »Globewürdigkeit« ausdenkt.

Dabei handelt es sich wohl um den Versuch, den Jargon der internationalen Finanzwelt mit positiv besetzten und vertrauenerweckenden Begriffen zu verknüpfen. Aber warum hier aufhören? Es warten doch noch so viele mögliche Wortspiele! Wie wäre es zum Beispiel mit »Kumpeliance«, »Nett worth« oder »Boniständigkeit«?

Rechnung ist unterwegs von Deiner Titanic

 Eine Frage, »Redaktionsnetzwerk Deutschland« …

»Manche Abiturienten in Hessen machen womöglich absichtlich einige Rechtschreibfehler. Sie wollen beim Gendern ein Statement zu setzen« – und Du, RND? Wofür willst Du Dein Statement zu setzen?

Fragt absichtlich Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Frage an die bovine Orthopädie

Haben Buckelrinder überhaupt eine Chance, je die Haltungsform »Premium« zu erreichen?

Torsten Gaitzsch

 Gute Aussichten

Für mich ist es ganz wichtig, auch im Alter neugierig zu bleiben. Darum habe ich mir ein neues Kissen für mein Fensterbrett geleistet.

Uwe Becker

 Ehe-Aus

Die hohe Scheidungsrate zeigt doch, dass so gut wie jeder Mensch hassenswert ist, wenn man ihn nur lange und gut genug kennt.

Dorthe Landschulz

 Falscher Titel

Kürzlich habe ich einen Brief meiner ehemaligen Universität erhalten, dass ich mich, da ich in meiner Abschlussarbeit in Gletscherwissenschaften plagiiert haben soll und mir mein Titel nun aberkannt wird, fortan bitte nicht mehr Glaziologe, sondern lediglich Halbglaziologe nennen soll.

Ronnie Zumbühl

 Sicher ist sicher

Geschäftemachen über das Portal Kleinanzeigen ist eine sehr geheime Sache. Natürlich mailt man nur mit Spezialadresse, unter Pseudonym, am besten ohne Anrede und Gruß, denn das lässt zu viele Rückschlüsse zu. Ich bin nun dazu übergegangen, für den Transport der Ware das Nummernschild des Autos zu überkleben, außerdem trage ich eine venezianische Halbmaske und einen schwarzen Umhang, den ich nach der Übergabe verbrenne.

Miriam Wurster

Vermischtes

Erweitern

Das schreiben die anderen

Titanic unterwegs
14.06.2024 München, Volkstheater Moritz Hürtgen mit Ella C. Werner und Dax Werner
15.06.2024 Kremmen, Tiefste Provinz Max Goldt
18.06.2024 Düsseldorf, Goethe-Museum Hans Traxler: »Traxler zeichnet Goethe«
21.06.2024 Husum, Speicher Max Goldt